Verbrauchen Sie zuviel?Autor: Schmidt, Joachim
März 2005 Wieviel Strom verbraucht ein Eigenheim pro Jahr, wieviel Wasser die Familie? Wie hoch sind die Heizkosten pro Quadratmeter Wohnfläche?
Damit Sie den Energie- und Wasserverbrauch Ihres Hauses und der Familie besser beurteilen und vergleichen können hat Familienheim und Garten in der Dezemberausgabe eine bundesweite Hausbesitzerbefragung durchgeführt.
Damit Sie den Energie- und Wasserverbrauch Ihres Hauses und der Familie besser beurteilen und vergleichen können hat Familienheim und Garten in der Dezemberausgabe eine bundesweite Hausbesitzerbefragung durchgeführt.
Kaum ein Tag, an dem uns die Medien nicht neue besonders effektive Sparmethoden präsentieren oder zum Nachmachen vorschlagen. Fragt man die Baubranche, verbrauchen moderne Häuser nur noch die Hälfte der Heizenergie, die unsere Großeltern benötigtenDie Realität jedoch sieht anders aus. Seit langem bezweifeln objektive Experten die öffentlich propagierten Energie-Verbrauchswerte. Auch spricht man bereits von überdämmten Häusern und bedenklich ungesundem Raumklima.
"Familienheim und Garten" hatte deshalb alle Leser aufgerufen, ihren Jahresverbrauch von Heizöl, Gas, elektrischem Strom und auch von Frischwasser anzugeben. Die Einsendungen sind jetzt ausgewertet, und die Ergebnisse überraschen.
Von den Prophezeiungen der Politiker, wir würden demnächst in sogenannten Dreiliter-Häusern (3 Liter Heizöl pro qm/Jahr) wohnen sind wir meilenweit entfernt. Im Gegenteil: Man muss fragen, ob sich diese Wunschwerte überhaupt erreichen lassen. Im Gesamtdurchschnitt aller ausgewerteten Häuser zeigt sich nämlich ein Ölverbrauch von 18,5 Litern pro Quadratmeter Wohnfläche im Jahr. Das ist mehr als das sechsfache des gesteckten Zielwertes.
Heiztechnik und Dämmung können aber kaum noch verbessert werden. Die Analyse zeigt, dass auch ganz moderne und gut gedämmte Häuser immer noch Verbräuche aufweisen, die bei 16 Litern pro Quadratmeter liegen.
Da wir nicht davon ausgehen, dass die Einsender der Daten allesamt Verschwender sind, stellt sich die Frage, ob weitere Spar-Ergebnisse überhaupt erreichbar sind oder ob sie nicht vielmehr zu Lasten der Wohnqualität gehen. Fehlangaben der Leser von "Familienheim und Garten" können jedenfalls weitgehend ausgeschlossen werden, denn ihre Angaben über Strom- und Wasserverbrauch sind schlüssig und passen zur offiziellen Statistik.
Aber es gibt noch weitere interessante Feststellungen. So verbrauchen gasbeheizte Häuser im Durchschnitt rund 7 Prozent weniger als ölbeheizte Gebäude – und zwar unabhängig vom Baujahr. Ob dies an einem höheren Wirkungsgrad der Gaskessel liegt oder daran, dass die Besitzer einer Gasheizung disziplinierter heizen, darüber kann nur spekuliert werden. Fest steht indes, dass dadurch die höheren Gaspreise kompensiert werden. Im Klartext: Gasheizer zahlen für ihr warmes Haus per Saldo nicht mehr als die Betreiber von Ölheizungen.
Häuser der Baujahre bis 1940 verbrauchen rund 18 Prozent mehr Energie als Eigenheime des Jahrgangs 2000. Das scheint relativ viel. Es gibt indes Anlass zur Vermutung, dass sich in diesen schon mehrfach renovierten Häusern noch viele Heizungen befinden, die über 30 Jahre alt sind und ihren Bewohnern überhöhte Heizkosten bescheren.
Besitzer von Kachelöfen und Kaminen können einen spürbar geringeren Energieverbrauch nachweisen. In ölbeheizten Häusern beträgt ihre Einsparung rund 15 Prozent, bei gasbeheizten rund 7 Prozent.
Das Ziel noch mehr Energie zu sparen als bisher, lässt sich weder mit dickeren Dämmschichten noch mit besserer Heiztechnik erreichen. Dämmschichten haben bei 10 cm Dicke ihre wirtschaftliche Grenze, und die Energie-Ausbeute mittels moderner Brennwerttechnik kann physikalisch nicht mehr überboten werden.
Deshalb treten Lüftung und Warmwasserverbrauch jetzt in den Vordergrund. Hier zu sparen, würde aber die Wohnqualität beeinträchtigen und das komfortablere und gesündere Leben im eigenen Haus grundsätzlich in Frage stellen. Ein warmes Bad hat nun einmal seinen Preis, und frische Luft ist nachweislich gesünder als verbrauchtes und abgestandenes Raumklima.
Die Ergebnisse unserer Befragung zeigen realistische Verbrauchswerte aus dem deutschen Wohn-Alltag privater Eigenheime. Sie sind deshalb ein guter Maßstab bei der Beurteilung des eigenen Energieverbrauchs. Wohnqualität und Wohngesundheit gibt es nicht zum Nulltarif.
Wasserverbrauch Stromverbrauch
Personen cbm/Jahr kWh/Jahr
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2 110 3.877
3 135 4.205
4 148 4.330
5 157 4.737
Heizenergieverbrauch
a) Häuser mit Ölheizung b) Häuser mit Gasheizung
durchschn. Verbrauch Verbrauch durchschn. Verbrauch Verbrauch pro
Baujahr qm Liter/Jahr in kWh/qm qm kWh/Jahr qm Wohnfl.
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1900-1940 132 2.857 216,4 125 25.282 202,3
1940-1960 140 2.562 183,0 130 26.725 205,6
1960-1980 153 2.811 183,7 145 24.967 172,2
1980-2000 160 2.901 181,3 155 25.075 161,8
über 2000 x x x 152 22.357 147,1
J.Schmidt




