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Band VI (1993)Spalte 1016-1018 Autor: Adolar Zumkeller

NORIS, Enrico, OESA, bedeutender Historiker, führender Vertreter der sog. Jüngeren Augustinerschule, Kardinal, * 29.8. 1631 in Verona, + 23.2. 1704 in Rom. - Mit fünfzehn Jahren kam er an das Jesuitenkolleg in Rimini, um Rhetorik und Logik zu studieren. Schon hier erwachte in ihm die Liebe zu den Kirchenvätern, vor allem zu Augustinus. 1647 trat er in Rimini in den Augustinerorden ein. 1650-54 studierte er am Generalstudium des Ordens in Rom Philosophie und Theologie. Nach bestandenem Lektoratsexamen und zweijährigen philosophischen Vorlesungen wirkte er als Studienregens 1658-62 in Pesaro, 1662-63 in Perugia, - seit 1663 Magister der Theologie - 1664-66 in Florenz, 1666-71 in Padua und 1671-72 in Rom. 1673 erschien in Padua sein dreiteiliges Hauptwerk »Historia Pelagiana«, »Dissertatio de Synodo V. oecumenica« und »Vindiciae Augustinianae«, eine umfassende Darlegung und Verteidigung der Lehre Augustins in der Auseinandersetzung mit Pelagius und seinen Schülern. Gegen den Vorwurf des Bajanismus und Jansenismus, der gegen den Verfasser mehrfach erhoben wurde, konnte er sich stets mit Erfolg verteidigen. Auch eine Überprüfung seines Werkes durch die Römische Inquisition 1676 und eine nochmalige Untersuchung durch eine päpstliche Theologenkommission 1694 endeten zu seinen Gunsten. 1674-92 wirkte N. als Professor für Kirchengeschichte an der Universität von Pisa. Es waren Jahre, wo er sich ziemlich ungestört kirchen- und profangeschichtlichen Studien widmete. Bedeutsam sind vor allem seine Veröffentlichungen auf dem Gebiet der Numismatik, Chronologie und Archäologie. 1692 wurde er zum Kustos der Bibliothek Vaticana ernannt und 1695 zum Kardinal erhoben. N. gehörte ohne Zweifel zu den großen Gelehrten seiner Zeit, begabt mit scharfem Verstand und unermüdlichem Fleiß, im Umgang liebenswürdig und in den ihm übertragenen Aufgaben sehr gewissenhaft. Übrigens sind auch nach seinem Tod die Angriffe auf sein Hauptwerk nicht verstummt. 1747 wurde es sogar auf den Index der spanischen Inquisition gesetzt, wogegen der damalige Papst Benedikt XIV. sofort Einspruch erhob.

Werke: Opera omnia I-IV, Verona 1729-32, V (Briefe), Mantua 1741 und I-III (theologische Werke) Bassano 1769. - Die einzelnen Drucke der Werke bei Rojo (s. unten) und Wernicke (s. unten S. XVIII f).

Lit.: Für die ältere Literatur siehe Fernando Rojo, Ensayo bibliogrßfico de Noris..., in: Anal.Aug. 26,1963, 296-330; - Agustín Martínez, Introduccion en la teología del card. E.N., 1946; - Agostino Trapè, De gratuitate ordinis supernaturalis apud theologos augustinenses, in: Anal.Aug. 21, 1950, 217-265; - Winfried Bocxe, Introduction to the teaching of the Italian Augustinians of the 18th century on the nature of actual grace, Löwen 1958; - Michael Wernicke, Das Verhältnis von Natur und Gnade in der Theologie des E.N., in: Cor Unum 29, 1971, 71-84; - ders., Kardinal E.N. und seine Verteidigung Augustins, 1973; - ders., Die Belagerung Wiens im Spiegel einiger Briefe (des E.N.), in: Anal.Aug. 47, 1984, 137-215; - Julius Gross, Geschichte des Erbsündendogmas IV, 1972, 165-172; - Benigno A.L. van Luijk, L'ordine agostiniano..., 1973, passim; - J.Bignani-Odier, La Bibliothèque vaticane..., 1973, passim; - Daniel Simón Rey, Aportación a la historia del Jansenismo español, in: Burgense 28,1987, 449-82, passim; - Encicl. Ital. XXIV, 925; - DThC XI,796-802; - LThK 2VII, 1036; - Encicl. Catt. VIII, 1935 f.; - NewCathEnc X, 496; - Catholicisme IX, 1378-80.

Adolar Zumkeller

Letzte Änderung: 05.02.1999