Die Chronik von Albstadt

eine Zusammenstellung aus über 70 Einzelbeiträgen

Im Original ist den einzelnen Berichten umfangreiches Bildmaterial beigefügt.
Ich werde in regelmäßigen Abständen weitere Beiträge in meiner Homepage veröffentlichen.

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Inhaltsverzeichnis

  1. Titelseite
  2. Ortsplan von 1846
  3. Heimatgedanken
  4. Karte des Spessarts
  5. Geographische Lage Albstadts
  6. Die vorgeschichtliche Zeit
  7. Die Römer einst in unserer Nähe
  8. Chronologie in Kürze
  9. Albstadt vom 13. bis zum 18.Jahrhundert
  10. Der Hof Trages
  11. Personen und Gehöfte (das dörfliche Leben unserer Ahnen)
  12. Die Ritter von Albstadt
  13. Der Königshof Albstadt
  14. Stifte und Klöster als Grundherren von Albstadt
  15. Die Raubritterzeit
  16. Ursprung und Wesen des Freigerichts Wilmundsheim vor dem Berge, (Die Sage vom Rotenbach und Freigericht), (Die Hohe Mark), (Die alten Freiheiten gehen verloren)
  17. Kaiser Barbarossa, sein Leben, sein Reich, Geschichten und Sagen
  18. Das Zehntwesen in Albstadt
  19. Hexenglaube im Freigericht
  20. Gerichte im Freigericht
  21. Die Pest im Freigericht
  22. Die Reichsritterschaft
  23. Stände und landesherrliche Beamte im Freigericht
  24. Die Edlen von Bruchhausen
  25. Die Womburg in Mömbris
  26. Die Ritter von Michelbach
  27. Die Ritter von Rannenberg-Krombach
  28. Die Herren von Rieneck
  29. Die Schelriß von Wasserlos
  30. Die Herren von Hüttelngesäß
  31. Die Burg Alzenau
  32. Die Ritter von Hursten
  33. Überfall auf die Burg Albstadt
  34. Handelswege und Verbindungen
  35. Kriege im 17.Jahrhundert
  36. Bevölkerungsstatistik
  37. Kirchliche Verhältnisse (die Kirchen in Albstadt)
  38. Albstadt - ein früherer Weinort
  39. Der Wald um Albstadt
  40. Kriege im Freigericht im 18. Jahrhundert (Raubkriege), (Französische Revolution), (Aus Albstadter Kriegsrechnungen)
  41. Familiennamen in Albstadt
  42. Stammbaum der von Savigny (Hof Trages)
  43. Stammbaum Roßmann (Albstadt)
  44. Stammbaum Schneider (Albstadt)
  45. Stammbaum Dey (Albstadt)
  46. Stammbaum Weckmann (Albstadt)
  47. Amt Alzenau wird bayerisch
  48. Das Armenwesen der Gemeinde Albstadt
  49. Backöfen in Albstadt
  50. Kriege im 19. Jahrhundert (Das Crawalljahr), Der Bruderkrieg), (Der deutsch-französische Krieg)
  51. Vom Schöpfbrunnen zur Wasserleitung
  52. Die Mühle in Albstadt
  53. Wasserleitungen in Alzenau und seinen Stadtteilen vom Beginn des 13. Jahrhunderts bis 1910
  54. Viehbestand
  55. Alte Begriffe und Maßeinheiten im Freigericht
  56. Schule (Lehrer) in Albstadt
  57. Ortsdiener in Albstadt
  58. Freiwillige Feuerwehr Albstadt
  59. Einrichtung der Poststelle Alzenau
  60. Albstadts Zigarrenindustrie
  61. Bürgermeister in Albstadt
  62. Gaststätten in Albstadt
  63. Der 1. Weltkrieg und seine Auswirkungen auf Albstadt
  64. Ansichtskarten aus Albstadt
  65. Persönlichkeiten aus Albstadt und Umgebung
  66. Alte Aufnahmen
  67. Der 2. Weltkrieg und seine Auswirkungen auf Albstadt
  68. Flüchtlinge in Albstadt
  69. Auswanderer aus Albstadt
  70. Wetter
  71. Albstadts Straßennamen
  72. Sagen und Märchen aus Albstadt und Umgebung
  73. Quellen
  74. Inhaltsverzeichnis

 





 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 





















 

 

 


 

 

 

 

 

 

 

 

 


Teil 1:

Titelseite

Stand: 07.01.2008


Ortsgeschichte von Albstadt

nach einem handschriftlichen Manuskript
von Oberlehrer i.R. Kaspar Menth / Albstadt

Herausgegeben von Hans Giesübel
Würzburg 1975
überarbeitet von Hans Ritter
Alzenau 2002/03

 

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Teil 3:

Heimatgedanken

Die Heimat ist ein kostbares Geschenk.

Wohl dem, der noch eine Heimat hat.

Viele unserer Br�der und Schwestern haben sie verloren. Es ist entsetzlich zu wissen, da� auch in unseren Tagen, da wir uns noch unserer Heimat freuen d�rfen, auf der weiten Welt fortgesetzt Tausende Menschen aus ihrer von Gott geschenkten Heimat gewaltsam vertrieben werden - es ist eine furchtbare Tatsache, die unserem Jahrhundert ein trauriges Siegel aufpr�gt.

Wir, die wir noch die Heimat unser eigen nennen d�rfen, und alle in unserem Volke, die wieder eine Heimat gefunden haben, wollen und sollen in echter, herzlicher Verbundenheit all der Armen, Verjagten und Entrechteten in der weiten Welt gedenken und immer wieder bitten und fordern. Alle V�lker und alle, die in der Welt die Verantwortung tragen, m�gen bedenken, da� kein Friede, sondern stete Gefahr sein wird, wo viele Menschen leben, denen gro�es Unrecht geschah.

Das Recht auf Heimat ist eines der unver�u�erlichen Menschenrechte, es ist ein von Gott geschaffenes, uns gegebenes Recht. Danken wir Gott jeden Tag, da� wir noch eine Heimat haben. Die Heimat ist ein k�stlich Gut, das wir mit viel Liebe und Sorgfalt hegen und pflegen, h�ten, bewahren und erhalten m�ssen. Heimat ist nicht nur ein St�ck Erde, ist nicht nur Acker, Wiese, Berg und Tal und Wald - Heimat sind auch die Menschen dieser Landschaft.

Wer die Heimat kennenlernen will, mu� also auch die Menschen der Heimat kennenlernen, mu� wissen um ihre Vergangenheit, mu� wissen, was sich die Ahnen in langer Entwicklung an Eigenart geschaffen haben, mu� kennen ihr Allgemeingut, in dem die Spuren und Wirkungen aller Zeiten zu finden sind. Und wer es ernsthaft versucht, seine Landschaft und ihre Menschen zu ergr�nden, dem tun sich viele Sch�tze auf, der entdeckt Werte, die begl�cken, der kommt zu Erkenntnissen, die verpflichten, der wird unendlich reich an innerem Erleben, der lebt aus dem Gesundbrunnen der Natur, der wurzelt stark im Boden der V�ter und M�tter, deren Ahnen ihn in langer Geschlechterreihe der Heimat verpflichten, der erkennt, wie sich alle Eigenart der Heimat entwickelt hat, aus tausendj�hriger Erfahrung.

Heimat ist Wort und Schrift, Sage und M�rchen, Tanz und Lied, Handwerk und Kunst. Sie schuf sich ihre eigene Sprache, ihren Dialekt, sie schmiedete sich ihre eigene Verse und gibt ihnen seine eigene Melodie, sie erfand ihre eigene Tracht, baute in eigener Weise in Anpassung an Aufgabe und Landschaft und umrankte den Tages- und Jahreslauf mit Sitte und Brauchtum, gewachsen und sich immer wieder erneuernd aus dem tiefen Glauben des Volkes an sich selbst, an den Menschen und an Gott. Und nur wer die Heimat, ihre Menschen, ihre Geschichte, ihr Gestern und Heute kennt - nur der kann sie wirklich sch�tzen und lieben.

Wir wissen, da� kein Mensch, der ein Herz im Leibe hat, ohne Heimat sein kann. Wir alle, die wir unsere Heimat lieben, sehen daher mit echter Sorge, wie viele Menschen unseres Jahrhunderts trotz der furchtbaren Erlebnisse um die Heimat in unseren Tagen, in der gro�en Gefahr leben, die unmittelbare N�he, die Heimat , zu verlieren. Die Heimat gibt uns viel, mit unserem Herzen m�ssen wir sie ergreifen, sie bewahren, sie liebevoll umhegen, sie als ein kostbares Gut pflegen und sie als ein g�ttliches Gut weitergeben , an unsere Kinder.

Manchem mag das Wort Heimat nicht viel bedeuten. In unserer hektischen Welt sagen viele: "Ich bin �berall zu Hause, einen festen Platz kenne ich nicht". Das mag zum Teil zutreffen, doch irgendwann kommt f�r jeden der Moment, an dem er einen Platz auf der Welt sucht, wo ihm sein Gef�hl sagt: "Hier ist es, hier finde ich Ruhe und Geborgenheit, und hier sp�re ich, was das Wort Heimat bedeutet". Erst dann, wenn ihm die Heimat genommen wurde, kann auch der Letzte verstehen, was er verloren hat.

 

Ein Vers von Ludwig Damser:

Unterm Dach der Fremde wirst du�s erst gewahr,

wie voll Mutterw�rme deine Heimat war.

Unter�m Dach der Fremde bl�ht dir nicht das Gl�ck,

Alle Heimatgeister rufen dich zur�ck.

 

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Teil 5:

Die geographische Lage Albstadts

Albstadt liegt geographisch am 55.Grad nördlicher Breite, sowie am 35.Grad östlicher Länge.

Dieser Flecken liegt im Naturpark Spessart, der mit 200.000 ha eines der größten Waldgebiete im westlichen Deutschland ist.

Albstadt, die Gemeinde "an der Grenze" im alten Landkreis Alzenau und jetzigen Landkreis Aschaffenburg, seit 1972 Stadtteil der Stadt Alzenau, liegt südlich der Wasserscheide im Gebiet der Kahl und gehört zum Freistaat Bayern. Bis 1748 war es aber politisch zum Kinzigtaler Gericht Somborn und gar bis 1829 auch zur Pfarrei Somborn zugeordnet. Somborn und Neuses, die nördlichen Nachbargemeinden gehören schon zum Bundesland Hessen. Im Süden schließt die Nachbargemeinde Michelbach an.

 

Wir erreichen Albstadt von der Autobahn A 45 kommend Ausfahrt Alzenau, weiter die Staatsstraße 2305 nach Michelbach und dort links weg nach Albstadt.

Die Grundfläche der Gemeinde Albstadt hat eine Größe von 665,63 ha.

Es liegt an der Staatsstraße 3202, die weiter in Richtung Rodenbach führt. Richtung Neuses beginnt die Straße 3239.

Durch Albstadt fließen vier kleinere Bäche: Der Wehmigbach; der Eichbach der vom Hof Trages kommt; der Kurze Grundbach und der Lange Grundbach. Alle Bäche vereinigen sich in den Albstadter Bach, der in Michelbach in die Kahl fließt.


Der Hof Trages liegt in nordwestlicher Richtung und das Hofgut Maisenhausen in südöstlicher Richtung der Gemeinde

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Teil 6:

Die vorgeschichtliche Zeit


Der Name "Albstadt" bedeutet: Albstatt = Stätte (Siedlung) an der Alb (Gebirgsweide).

Während des Neubaues der Scheune des "Heinrich Dey" (Haus Nr. 8) fanden sich Überreste aus der Urzeit, hauptsächlich in eigentümlichen, spitz zulaufenden Urnen, bestehend. Ein Sachverständiger bestimmte die Funde als aus der "1.Eiszeit" 1200 - 500 v.Chr., der sogenannten "Hallstattzeit" stammend.
Auch der "La-Téne-Zeit" 550 - 0 v.Chr. gehören mancherlei Funde an. Da Brandreste nicht aufgefunden wurden ist anzunehmen, daß das kraftvolle Keltenvolk unsere Gegend besiedelte, den gerade die Kelten verbrannten ihre Toten nicht, während bei den Germanen die Verbrennung der Toten allgemein war.

Ein überraschender Bandkeramikfund im Anwesen "Freigerichter Straße 62" (Dey(Glusa) durch Volker Glusa im Jahre 1994 läßt den Schluß zu, daß Albstadt wesentlich älter ist als 750 Jahre. Der Fund bandkeramischer Scherben deutet auf eine Besiedelung Albstadts ca. 3000 v.Chr. hin, was aber nicht bewiesen ist.

Heimische Bodenfunde aus der Steinzeit

Die Steinzeit ist etwa der Zeitraum der bei 600 000 vor Christus beginnt und bei 1800 vor Christus endet. Die Geschichte unterteilt die Steinzeit nochmals in die Altsteinzeit, Mittelsteinzeit und Jungsteinzeit. Die weitaus längste dieser Kulturperioden ist die Altsteinzeit, sie dauert die ganze Eiszeit hindurch an.

Eingeordnet in die Gesamtgeschichte der Menschheit ist die Steinzeit neben der Bronzezeit und Eisenzeit ein Abschnitt, und zwar der erste und längste der Vorgeschichte, zu welcher mehr als 98 Prozent der ganzen Menschheitsgeschichte gehören.

In der Steinzeit begegnet uns der Frühmensch, der Neandertaler und der Homo sapiens. Für alle drei Menschentypen bildete das Sammeln von Früchten, Beeren und Wurzeln usw. und die Jagd die Existenz. Aus örtlich leicht zugänglichen Gesteinen wie Feuerstein, Kieselschiefer oder Quarz fertigten sie Faustkeile, Schaber, Spitzen, Klingen, Stichel und Bohrer.

Der Neandertaler lebte in der Zeit von 75 000 - 35 000, und die ältesten Spuren des Homo sapiens in Deutschland brachten Ausgrabungen in der Nähe von Bonn. Hier lebten vor 33 000 Jahren Nomaden. Man fand dort Knochen und Feuerstellen.

Der erste Fund aus der paläolithischen, also der Altsteinzeit in unserer näheren Gegend wurde durch Zufall im Jahre 1986 gemacht. Ein Alzenauer stolperte bei Spaziergang am neu angelegten Meerhofsee über einen Stein, der von Form und Farbe nicht zu den Üblichen paßte. Eine nähere Untersuchung ergab, daß er eines der ältesten menschlichen Werkzeuge am bayerischen Untermain entdeckt hatte. Ein ausgewogen gearbeiteter Faustkeil aus einem bis dato unbekannten Material war durch die Sandentnahme in der Dünenregion "Hülsewasen" nordwestlich von Alzenau an den Meerhofsee verlagert worden.

Tierreste aus der Altsteinzeit, von Mammut, Wisent, Nashorn und Wildpferd dagegen, wurden häufiger in unserer Gegend gefunden.

In der Zeche Gustav in Kahl z.B. fand man 2 Stücke eines Mammut-Stoßzahnes von je 65 cm Länge und einige Backenzähne. In der Grube Freigericht in Kahl stieß man 1954 auf Knochenreste vom Wisent und 1957 entdeckte man einen Backenzahn vom Mammut. Beide Kahler Funde sind im Naturwissenschaftlichen Museum Aschaffenburg aufbewahrt.


Die Mittelsteinzeit begann zum Ende der Eiszeit 10 000 - 3500. Bald bedeckten ausgedehnte Eichenmischwälder unsere Landschaft. Von der Großtierwelt der Eiszeit, vom Mammut, Wildpferd, Rentier war nichts mehr zu sehen; sie waren infolge des Klimas ausgestorben oder in die Hochgebirge nach Norden abgewandert. In den Laubwäldern der Mittelsteinzeit lebten neben dem heute in unseren Wäldern vorkommenden Wild das Wisent, der Auerochs, der Elch, der Braunbär, der Wolf und der Biber. Der Mensch der Mittelsteinzeit war Jäger, Fischer und Sammler. Er lebte mit Vorliebe in Höhlen und unter Felsschutzdächern, aber auch in Hütten und Zelten. Die wichtigsten Waffen waren Pfeil und Bogen. Dem gefiederten Pfeil wurde eine Spitze aus Knochen oder Stein eingesetzt. Aber es gab auch Holz- oder Knochengeräte, Speere, Dolche und Harpunen.
Mittelsteinzeitliche Funde im Kahltal wurden bei Edelbach, Geiselbach und Mömbris gemacht. Es sind dies durchwegs Pfeilspitzen oder Schneideinsätze wie sie in Holz- oder Knochengeräten in Gebrauch waren.


Die Jungsteinzeit (3500 - 1800) war die wärmste Zeit der Steinzeit. Der zuvor passive Mensch beginnt mehr und mehr aktiv seine Welt aufzubauen. Aus dem wandernden Jäger, Fischer und Früchtesammler wird der seßhafte Ackerbauer und Viehzüchter. Seine Wohnstätten bestehen aus Rundhäusern und Rechteckbauten mit Schilfdächern, gelegen an Gewässern oder einer Quelle. Er baut Getreide an und hält sich Rinder, Schafe und Schweine. Er kennt die Arbeitsteilung: Sache des Mannes ist es, das Land zu erschließen und zu verteidigen und bei der Feldarbeit behilflich zu sein. Der Frau obliegen neben der Feldarbeit vor allem die häuslichen Arbeiten, wie das Mahlen von Getreide und das Spinnen und Weben. Mit der Wandlung der Lebensweise kam auch eine wichtige Erfindung mit aus dem Orient: Aus dem Naturstoff Ton gelang es mit Hilfe des Feuers Keramik herzustellen.


Die Bandkeramik (3500 - 2500) verdankt ihren Namen der Ornamente auf den Tongefäßen. Die eingeritzten oder eingestochenen bandartigen Verzierungslinien bildeten Spiralen und wellenartige Motive. Die Menschen legten ausgedehnte Dörfer an mit Rechteckbauten von 20 bis 30 Meter Länge und 8 bis 10 Meter Breite.

Bandkeramische Funde in unserer Gegend stammen aus folgenden Gemarkungen:

Albstadt: 1 Hinkelsteinkeil, 1 Flachmeißel
Hemsbach: 1 kleiner Breitkeil
Hörstein: 2 Flachbeile
Michelbach: 1 Flachbeil
Wasserlos: 1 Flachbeil, 1 unsymmetrische Steinaxt


In der Schnurkeramik (2200 - 1800) legten die Menschen ihre Siedlungsorte hauptsächlich auf Höhen oder an Flüssen an. Das Schwergewicht legten sie auf die Viehzucht und trieben nur nebenbei Ackerbau, auch standen bei ihnen verglichen mit den Bandkeramikern wider die Jagd und die Fischerei mehr im Vordergrund.

Die Tongefäße wurden nach dem Aufbau noch vor dem Brennen mit Schnüren umwickelt. Beim Trocknen oder erst beim Brennen der Gefäße fielen dann die Schnüre ab, hinterließen aber auf der Wand ihre Eindrücke. Man stellte kugelige bauchige Amphoren mit zylindrischem Hals und Schnurösen zum Tragen und Aufhängen her.

Aus der Schnurkeramik sind uns 52 Funde bekannt. Leider befinden sich darunter keine Keramikfunde. Auffallend sind die vielen Trapezbeilchen (23) und Rechteckbeilchen (12). Daneben wurden noch 13 dünnnackige Beilchen, eine Axt aus Hornblendeschiefer, ein breitnackiges Steinbeil aus Amphibolit gefunden. Zu den Fundorten gehören:

Alzenau; Hörstein; Meerhof; Michelbach und Wasserlos.


Aus der Michelsberger Kultur (2200 - 1800) , einer ausgesprochenen Bauernkultur, sind uns die typischen Tulpenbecher, ein Gefäß mit spitzem Boden und ausladendem Rad, außerdem Backteller, Schöpfbecher, Amphoren und glockenförmige Vorratstöpfe bekannt. Bei uns zeugen nur zahlreiche Spitznackbeile von ihrer Anwesenheit.


Die Glockenbecher-Kultur (2200 - 1800) . Die Glockenbecherleute war ein Volk der Bogenschützen. Sie kannten wie die Schnurkeramiker bereits das Kupfer und kamen aus Spanien in unsere Gegend. Die Anwesenheit der Glockenbecherleute in unserem Gebiet, bestätigt der zweite markante Fund: Der Glockenbecher von Alzenau, gefunden 1953 in der Gemarkung Bahnacker, der Gemeindesandgrube hinter dem Bahnhof. Mit einer Fuhre Sand war er unentdeckt nach Friedberg gelangt, wo er erkannt und dem Wetteraumuseum übergeben wurde, das ihn dann später dem Museum der Stadt Aschaffenburg anvertraute.

Im Dezember 2000 kam es zu einem weiteren Zufallsfund. Zwei Schulkinder fanden , ebenfalls in der Alzenauer Sandgrube, in nur 15 cm Tiefe eine gestielte Pfeilspitze aus Feuerstein, hervorragend gearbeitet und in ihrer von älteren steinzeitlichen Pfeilspitzen sich unterscheidenden Formgebung bereits auf die ersten Pfeilspitzen aus gegossener Bronze verweisend. Die Silexpfeilspitze hatte eine Länge von 5,8 cm. Wie auch beim Glockenbecher nimmt man an, daß es sich um keine verlorenen Gegenstände handelt, sondern um Grabbeigaben steinzeitlicher Bestattungen

Außerdem zählte man in unserem Landkreis noch über 100 Einzelfunde auf, denen die Charakteristischen Merkmale fehlen, so daß sie keiner bestimmten jungsteinzeitlichen Kultur zugerechnet werden können. Als Fundorte sind aufgeführt:

Albstadt (4); Alzenau; Hörstein (5); Kälberau (2); Michelbach (2); Wasserlos (6).

Spuren der Altsteinzeit finden sich in Sand- Kies- und besonders in Lehmgruben, Artefakte der Mittelsteinzeit liegen gerne auf Dünen und Sandflächen und an Gewässern. Alle vorliegenden neolithischen Funde sind Einzelfunde. Nicht all die vielen Steinartefakte können auf der Jagd verloren worden sein. Doch, wo lagen die Siedlungsplätze der Steinzeitlichen Menschen? Noch haben wir sie nicht gefunden.


Metallzeit (2.000 - 750 )

Die Kelten waren große Handwerker in der Verarbeitung von Bronze und Eisen. Werkzeuge , Waffen und Schmuck waren die Haupterzeugnisse aus Metall. Nach der Erfindung des Rades fertigte man auch Wagen zum transportieren der Ernte und des Hausrates.

Eisenzeit (800 - 400)
Die auf die jüngere Bronzezeit folgende ältere Stufe der mitteleuropäischen Eisenzeit nennt man auch die Hallstattzeit. Man unterscheidet zwischen einem Westhallstattkreis in Ostfrankreich und Süd-Deutschland, der mit der Kultur der frühen Kelten eng verbunden ist, und einen Osthallstattkreis im östlichen Österreich und auf der Balkanhalbinsel. Der namengebende Fundort Hallstatt liegt in der Grenzzone der beiden Kreise und blühte dank der örtlichen Salzgewinnung und dem ausgedehnten Salzhandel so auf, daß hier die reichsten Funde der Hallstattzeit gemacht wurden.

Grabungen in Dettingen; Kahl; Hörstein; Wasserlos; Michelbach und Albstadt brachten Funde aus dieser Zeit.

Wesentliche Funde aus der Hörsteiner Grabung waren: Glasarmreifen; Bronzeringe und Kettenglieder; Spinnwirten aus Ton und Glas; Gewandfibeln aus Bronze und Eisen; Werkzeuge; Kinderspielzeug und Wagenbeschlagteile. Waffen wurden nicht gefunden. Bemerkenswert wurde noch eine Wagenbestattung.

Zu beachten ist noch die Namensgebung der im ausgehenden 12. Jhdt. erbauten Randenburg. Im Vertrag von 1227 wird noch vom Castrum Ronneberg gesprochen. Diese Namensform ist offensichtlich von einem mit Ronen (alte Baumstämme) gesicherten Berg abgeleitet, welcher als geeigneter Standort für die staufische Burganlage genutzt wurde.

Einzige, bestätigte Höhenbefestigung jener Epoche, ohne spätere Überbauung, ist die sogenannte Schwedenschanze oberhalb des Dörsthofes, an der Gemarkungsgrenze Michelbach - Albstadt.

 

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Teil 7:

Die Römer einst in unserer Nähe

Rückblende:

In den letzten Jahrhunderten vor Christi Geburt lag der Kahlgrund im Bereich der "La-Téne-Kultur", deren Träger die Kelten waren. An der mittleren Elbe, an Havel und Spree saßen damals die Elbgermanen. Da ihnen die von Norden herandrängenden Wandalen, Rugier und Burgunder die Ausbreitung nach Osten verwehrten, richtete sich ihre Landsuche nach dem von den Kelten bewohnten Süden und Südwesten. Unter dem Namen "Sweben" kamen sie von Thüringen her durch die hessische Senke (Achse Frankfurt/M.-Kassel) an den Untermain und ließen sich zwischen Rhein und Main auf der West- ind Nordseite des Odenwaldes nieder.

Um 71 v. Chr. Folgte der mächtige germanische Heerkönig Ariovist. Seine Tugenden unterschieden sich von seinen Vorgängern fundamental: An die Stelle der Tollkühnheit war besonnener Mut getreten, berserkerhafte Todesverachtung wurde ersetzt durch Disziplin, blindes Drauflosstürmen durch strategisches Kalkül, Biedersinn durch staatsmännisches Denken. Woher er kam, wissen wir nicht, und auch über seinen früheren Lebensweg ist kaum etwas bekannt. Irgendwann tauchte er auf an der Spitze eines jener Stämme, ( er war ein swebischer Triboker) die mit dem Beginn des 1. Jahrhunderts v.Chr. in Bewegung geraten waren und in unaufhaltsamem Vorwärtsdrängen den oberen Rhein erreicht hatten. Immer mehr Stämme unterwarfen sich freiwillig seiner Führung. Als die Sequaner sich mit einem Hilferuf an ihn wandten, es waren Kelten und sie saßen zwischen dem heutigen Besancon und dem Schweizer Jura, einem Gebiet, das zu Gallien gehörte. Sie waren mit ihren Erzfeinden, den Häduern, in einen erbitterten Streit geraten. Außerdem waren die Häduer Freunde der Römer, was sie nach Kräften zu Ungunsten der Sequaner ausnutzten. Ariovist zog mit 15 000 Mann, die von den Stämmen der Haruden, Markomannen, Triboker, Nemeter, Wangionen, Eodusen uns Sweben gestellt waren, über den Rhein und verschaffte den Sequanern das, was sie für rechtens hielten. Die Folge war ein jahrelanger Kleinkrieg mit wechselnden Vorteilen beider Parteien, der schließlich in eine große, alles entscheidende Schlacht mündete. Sie fand im Jahre 61 v.Chr. statt. Ariovist konnte hier zum erstenmal sein strategisches Genie beweisen und vor allem seine Fähigkeit, kalten Blutes abzuwarten, bis der entscheidende Moment des Zuschlagens gekommen schien.

Das war etwas, was den Germanen bis dato schwer gefallen war. Ihr Mut und ihre Wut waren immer so leicht zu reizen gewesen, daß sie sich besinnungslos in jede vom Gegner gewünschte Schlacht stürzten. Was dann nur in einer Katastrophe enden konnte.

Nach Römerart hatte Ariovist sich ein verschanztes Lager gebaut und war mit keinem Mittel zu bewegen, eine Schlacht anzunehmen, weil er wußte, wie gewaltig die zahlenmäßige Überlegenheit der Häduer war. Wochenlang rührte er sich aus seinem von Sümpfen umgebenen Bau nicht heraus, bis ihm gemeldet wurde, daß sich bei den Belagerern die ersten Auflösungserscheinungen bemerkbar machten. Wohl aus schlichtem Grund, weil sie nicht mehr genug zu essen hatten. Ariovist stieß urplötzlich aus seinem Lager heraus und überraschte den Feind, dessen einzelne Kontingente sich bereits zum Abmarsch gerüstet hatten, mit einer blitzschnellen Aktion. Die Häduer wurden so entscheidend geschlagen, daß sie jede Bedingung des Friedensvertrages - der keiner war, sondern ein Diktat - akzeptieren mußten. Sie leisteten einen Eid, niemals mehr die Römer um Hilfe zu bitten, die Vorherrschaft der Sequaner anzuerkennen und Tribute zu entrichten..

Den römischen Einflußbereich in Gallien tastete Ariovist nicht an. Er war zu klug, um sich mit ihnen anzulegen. Im Gegenteil, er versuchte mit ihnen in gute Beziehungen zu treten. Überraschender Weise ging Rom darauf ein. Es wurde ihm sogar vom Senat in Rom der Ehrentitel eines "rex" und "amicus populi Romani" erteilt und man schrieb ihn in die Liste der mit Rom befreundeten Herrscher ein. Cäsar, der damals 42 Jahre alt und zu dieser Zeit noch Statthalter der römischen Provinz "Gallia" - etwa das heutige Südfrankreich - war, war aber nicht gewillt, in Gallien noch einen zweiten Herrscher zu dulden. Durch Intrigen und Verleumdung, gelang es ihm, Ariovist und die Germanen im römischen Senat, als Todfeinde des römischen Reiches erscheinen zu lassen. Er zettelte eine große Schlacht mit Ariovist an ( im Elsaß 58 v.Chr.), bei der dieser vernichtend geschlagen wurde und fliehen mußte. Cäsar trieb nach diesem großen Sieg nicht die befeindeten Stämme aus Gallien zurück, sondern ließ sie dort weiterhin wohnen, unter der Bedingung, daß sie die römische Grenze verteidigen mußten, wenn es sein mußte, sogar gegen die eigenen Leute.

Während die Triboker, Nemeter und Wangionen von den Römern toleriert sich darauf im keltischen Elsaß- und Pfalzgebiet niederlassen durften, blieben die Sweben zwischen dem unteren Neckar und dem Untermain sitzen. Hier verhielten sie sich aber nicht friedlich, sondern waren gegen Kelten, Römer und sogar gegen Germanen auf Eroberungen aus.

Trotzdem blieb die Germanische Grenze eine blutige Grenze, was nicht zuletzt auf die Intrigen und Hinterlist Cäsars zurück ging. Da immer wieder kleinere Gruppen über den Rhein kamen um die römischen Truppen zu überfallen, sah Cäsar sich genötigt zu einer beispiellosen Demonstration der Macht Roms. Um den Germanen zu zeigen, daß sie auch auf ihrem Ufer nicht sicher waren, ließ er eine Brücke über den Rhein schlagen. Keine gewöhnliche auf Kähnen und Booten ruhende Brücke durfte es sein, sondern eine kühne Konstruktion; "seiner und des römischen Volkes Hoheit angemessen", wie er in phantasievollem Hochmut schreibt. In nur 10 Tagen bauten ihm seine Pioniere eine Brücke, wie sie in dieser Größe noch nie erstellt worden war. Sie war fast 400m lang, 12m breit, ruhte auf Pfählen, die mit Hilfe von Rammen in den Flußgrund getrieben wurden, und so konstruiert, daß ihre Festigkeit automatisch mit der Stärke des Wasserdrucks stieg.

Gaius Julius Cäsar blieb nur 18 Tage auf dem anderen Ufer. Er begnügte sich damit, die verlassenen Dörfer der Germanen einzuäschern und ihre Getreidefelder zu verwüsten. Ihnen in das Innere des Landes zu folgen, wagte er nicht.


Als Kaiser Augustus alle Germanen bis zur Elbe unterwerfen wollte und sein Stiefsohn Drusus daher in den Jahren 10 und 9 v. Chr. Von Mainz aus durch die Wetterau über Kassel, Hildesheim bis zur Elbe vorstieß, hatten auch die Sweben die Gefahr gewittert. Bereits ein Jahr zuvor entzog sich der Hauptteil von ihnen zusammen mit den Markomannen, die am Mittelmain beheimatet waren, in Richtung Böhmen und Mähren dem römischen Zugriff. Aber auch hier waren sie den Römern im Wege, die ihre Reichsgrenze in gerader Linie von der Elbe über Böhmen und Mähren zur Donau ziehen wollten. Aus diesem Grunde marschierten im Jahre 6 n. Chr. vom Westen her durch das Unter- und Mittelmaingebiet das Heer des Sentius Saturnius gegen das Markomannenreich Böhmen auf. Der Kummer mit dem Aufstand in der Provinz Pannonien (Ungarn) vereitelte den Römern aber die Eroberung. Was an Sweben damals in unserem Raum zurückblieb, vermischte sich aller Wahrscheinlichkeit nach mit keltischen Volksresten.

Der Limes entsteht:

Das endgültige Scheitern der römischen Grenzpolitik bringt die Niederlage des römischen Feldherrn Quintilius Varus im Teutoburger Wald im Jahre 9 n. Chr. gegen Armin den Cherusker.
Arminius kam aus einer vornehmen Cheruskerfamilie, die, wie so manches germanische Adelsgeschlecht, ihre Söhne den Römern zur Ausbildung anvertraute. Arminius war in der Schule des römischen Heeres. Dort lernte er Velleius kennen, diente zusammen mit ihm in Germanien und nahm später als Führer eines aus seinen Landsleuten bestehenden Hifskorps an der Niederwerfung des Aufstandes auf dem Balkan teil. Er wurde mit der Ritterwürde ausgezeichnet und erhielt das römische Bürgerrecht. Vermutlich war es der Tod seines Vaters, der seine Anwesenheit als Nachfolger des Fürsten erforderlich machte.

Der gerade 24-jährige hatte viel von Militärtechnik und Strategie gelernt und er wußte mehr als seine Lehrer und sprach überdies glänzend Latein. Er hatte jedoch noch Entscheidenderes erkannt: daß römische Legionen in offener Feldschlacht schwer zu besiegen waren, die Chance aber ungleich größer im Partisanenkrieg. Armin vereinigte die germanischen Stämme und setzte sich an ihre Spitze. Quintilus Varus war so verblendet, daß er seinen erbitterten Feind für den besten Freund hielt. Obwohl er verraten wurde, glaubte Varus fest daran, in Arminus einen Freund zu haben. Auf dem Marsch von den Sommerlagern zurück in die Rheinfestungen, beschloß Varus, den von Arminius gemeldeten Aufstand eines weiter entfernten Stammes niederzuschlagen. Somit hatte Armin erreicht, daß er den Zeitpunkt und Ort der Schlacht bestimmen konnte. Der Todesmarsch der drei Legionen hatte begonnen. Varus ist nach wie vor ahnungslos. Er hat noch nicht einmal Gefechtsbereitschaft befohlen. Die Kolonnen bewegen sich vorwärts in den für den Reisemarsch vorgeschriebenen Abständen, 90 Zentimeter von Mann zu Mann, in Sechserreihen. Ein unbeweglicher Heerwurm kriecht durch die Landschaft, unbeweglich, langsam, jedem Überfall ausgeliefert. Das Terrain ist unwegsam geworden, waldig, von Schluchten zerrissen, ein tagelanger kalter Regen setzt ein. Dazu ein Sturm, der immer stärker wird, Bäume stürzen und bilden Hindernisse für den Tross. Der Boden wird weich und die Wagen bleiben stecken. Und da, mitten in der Nacht stoßen urplötzlich die germanischen Kampftrupps zu. Es sind Kämpfer zu Fuß, schnell, beweglich, ausgerüstet mit leichten Waffen, die kurze, vernichtende Angriffe ausführen, sich sofort wieder in das Dickicht zurückziehen, wenn sie auf Widerstand stoßen. Ihr Ziel ist es, die einzelnen Marschkolonnen zu zerteilen, ihn von der Straße weglocken. Am dritten Tag der Schlacht gerät das stark zusammengeschmolzene Heer in ein sumpfiges Waldgebiet. Sturzflutartiger Regen bricht aus den Wolken, die Sicht beträgt nur wenige Meter. Die Römer wehren sich mit dem Mut den die Verzweiflung verleiht, doch es nützt ihnen nichts, sie werden restlos aufgerieben. Über das Schicksal des Varus wird berichtet: "Der Feldherr hatte mehr Mut zum Sterben als zum Kämpfen. Getreu dem Vorbild seines Vaters stürzte er sich in das Schwert". Der Sieg der Germanen war total, nur wenigen gelingt es sich in das Kastell Aliso zu retten. Man bringt Armin die Leiche von Varus, sie ist halb verkohlt, einige Männer aus seinem Stab hatten versucht, sie zu verbrennen, damit der Feind sie nicht schänden konnte. Arminius befielt, den Leichnam zu köpfen und schickte den Kopf dem Markomannenkönig Marbod nach Böhmen. Er hofft hiermit, diesen zu gemeinsamen Handeln zu bewegen.

Diese Schlacht im Teutoburger Wald war für Kaiser Augustus Grund genug, auf die weitere Eroberung Germaniens zu verzichten.

Die Römer mußten im Norden ihres Reiches den Rhein als Grenze hinnehmen und den rechtsrheinischen Germanen die Freiheit lassen, und zwar trotz der Erfolge des Germanicus, der 15 n. Chr. abermals in der Wetterau bis nach Kassel gegen die dort ansässigen Chatten zu Felde zog.

Für ihre Vorstöße in das germanische Land hatten die Römer strategisch wichtige Punkte auf der rechten Stromseite durch starke Brückenköpfe gesichert. Besondere Bedeutung für unser Gebiet kommt dem römischen Militärlager Mainz (Moguntiacum) zu. Von Mauni-Kastel aus bauten die Römer eine Aufmarschstraße mit verschiedenen Abzweigungen in die Wetterau. Aus ihr stießen die Chatten immer wieder über den Rhein auf römisches Territorium vor. Dazu war sie ein fruchtbarer, von alters her besiedelter Landstrich. Im Jahre 83 n. Chr. ließ dann Kaiser Domitian von Mainz aus zu einem entscheidenden Schlag starten.

Er vertrieb die Chatten aus den von der Keltenzeit her noch bestehenden Taunus-Ringwällen zurück in ihr Stammgebiet an Fulda, Werra und Weser. Nach Abschluß dieses Feldzuges im Jahre 85 n.Chr. ist die Wetterau fest in römischer Hand. Durch eine Kette von Wachtürmen und Schanzen wird die Grenze markiert und durch Besatzungen in festen Plätzen gegen die einfach nicht zu unterwerfenden Germanen geschützt. Heute als Wetterau-Limes bezeichnet, schnürte sie die große Ausbuchtung nach Nordosten die ganze Wetterau ab, umfaßte die Taunushöhen und erreichte bei Großkrotzenburg den Main. Grenzte der Rhein bisher das römische Gebiet ab, so stießen die Römer nun in breiter Front zwischen Großkrotzenburg und Wörth bis zum Main vor. Wo der Fluß die Grenze bildete, waren später keine künstlichen Sicherungen durch Wall, Graben und Palisade nötig ("nasser Limes").


Um stets gegen die Germanen abwehrbereit zu sein, errichtete man auch in unserem Nahbereich eine Reihe von Kastellen (Militärlager, Kasernen), nämlich Großkrotzenburg, Seligenstadt, Stockstadt, Niedernberg, Obernburg und Wörth, die untereinander durch eine Maintalstraße und durch weitere Straßen mit den Kastellen Groß-Gerau und Mainz sowie mit dem Verwaltungsmittelpunkt Dieburg verbunden waren. Verbindungen schuf man zu dieser Zeit auch vom Main über den Odenwald zum Neckar, nachdem man von Straßburg aus bis zum Neckar vorgestoßen war. Die Grenze durch den Odenwald, der Odenwald-Limes mußte aber später unter Kaiser Hadrian (117-138) durch eine fortlaufende ununterbrochene Sperre, eine 2m hohe Palisadenreihe (Pfahlreihe) gleich einer Holzwand, abgesichert werden. Einige Jahrzehnte später wurde diese Sperre überflüssig; denn die Römer verlegten den ganzen Odenwald-Limes nach vorne d.h. nach Osten (um 155 n.Chr.). Jetzt sicherte ein weiteres Stück Main, nämlich von Wörth bis Miltenberg, die Grenze gegen die Germanen. Der Grenzwall begann nun am Ostrand der heutigen Stadt Miltenberg, verlief über die Höhen von Wenschdorf nach Walldürn und hernach schnurgerade über die Hohenloher Ebene bis nach Lorch an der Rems, wo er dann an die rätische Mauer ("Teufelsmauer") anschloß.


Im Jahre 162 n.Chr. störten die Chatten von der hessischen Senke her (Kassel) erneut den Frieden an der Grenze. Sie brachen bis nach Obernburg durch, konnten aber von den Römern (Kaiser Marc Aurel) wieder zurückgeschlagen werden. Daraufhin verstärkte man um 190 auch den Wetterau-Limes: Hinter der Palisade hob man einen 6m breiten und 2m tiefen Grabe aus und schüttete das Erdreich anschließend zu einem Wall von 2m Höhe, 2. Kronen- und 6m Fußbreite auf. Als "Pfahlgraben" lebt der obergermanische Limes im Volksmund und in den Flurnamen heute noch fort. Die "Bullau", der Wald der vom "Hof Trages" bis nach Hanau zieht, soll sich von "Pfahl - Pol - Pul - Buhl" ableiten.

Kastelle in unserer Nähe:

Neuwirtshaus: Eine kleine Erdschanze errichteten die Römer dort, wo sich heute die Siedlung Neuwirtshaus befindet, an der B 8 kurz vor dem Hanauer Stadtteil Wolfgang. Hier kreuzte nämlich der Limes einen Fernweg aus dem germanischen Gebiet an den Mainübergang bei Großauheim, Die Birkenhainer Straße, welche schon vorher da war und deren Verkehr überwacht werden mußte. Die Schanze war nur ein kleines Erdwerk von 35 mal 29 m, das Bodenfunden zufolge im 2.Jahrh.n.Chr. errichtet und besetzt worden war.

Großkrotzenburg: Viele Gründe gab es für den Bau diese Kastells: Von Norden her verlief der Wetterau-Limes an den Main heran, wo dann die sog. "nasse Grenze" begann. Unweit davon näherte sich die Birkenhainer Straße dem Main, rechts des Flusses war ein vorgeschichtlicher Uferweg, links eine Uferstraße der Römer in Richtung Miltenberg. Es war so eingeordnet, daß die östliche Schmalseite, d.h. die Prätorialfront mit dem Haupttor in Richtung Kahltalpforte schaute, von wo ebenfalls ein vorgeschichtlicher Weg an den Main führte. Der rechteckige Bau hatte eine Größe von 175 mal 123 m. Die Umfassungsmauer war im Fundament 1,80 m dick, im Oberbau 1,50 bis 1,60 m. Auf der Mauer verließ ein von Zinnen geschützter Wehrgang. Vor der Mauer war ein doppelter Spitzgraben angelegt. 60 m unterhalb des Kastells hatten die Römer eine Brücke über den Main gebaut. Der breite Kirchweg des heutigen Großkrotzenburg folgt genau der damaligen Lagerhauptstraße (via Principalis), die vom Süd- zum Nordtor verlief. Ganz offensichtlich fundiert das Dorf mit seinen Wegen und Häuserreihen auf der Kastellanlage. Das machte die Erforschung besonders schwierig. Trotzdem gelang es, innerhalb der Mauer die üblichen Straßen, Tore und Gebäude eines Kastells festzustellen und außerhalb das Lagerdorf der Zivilbevölkerung, dazu ein einfaches Mithreum (Tempel für den Gott Mithras), ein Bad, ein Gräberfeld und sogar eine Ziegelei. Besetzt war das Kastell von der 4. Vindeliker-Kohorte (Cohors IV Vindelicorum, 500-600 Mann). Den endgültigen Ausbau datiert man auf 140 n.Chr.. Die große Menge Brandschutt weist auf mehrmalige Zerstörung hin.


Seligenstadt: Das Kastell Seligenstadt wurde durch den Main gegen die Germanen abgesichert. Es ist heute vollkommen überbaut und lag westlich der Abtei und der hohenstaufischen Pfalz auf einem Geländevorsprung, der sich von Westen her zungenförmig dem Main nähert. Gebäude des Marktes und der Römerstraße stehen auf dem Bereich des ehemaligen Kastells. Es war rechteckig, 190 m lang und 160 m breit. Die Vorderseite war nach Nordosten zur Kahlmündung gerichtet. Hinter dem Kastell führte die römische Mainuferstraße vorbei; außerdem war es durch eine Straße mit dem Verwaltungsmittelpunkt Dieburg verbunden. Als Besatzung konnte die 1. Kohorte römischer Bürger (Cohors I civium Romanoren equitata) festgestellt werden, eine Mischtruppe aus 380 Fußsoldaten und 120 Reitern.

Stockstadt: Das Stockstädter Kastell ist heute im Winkel zwischen dem Main und der Gersprenz südlich vom Ortskern zu suchen, zum großen Teil überbaut von den Werksgebäuden der PWA Grafische Papiere AG+Co. Zur Zeit der Römer betrug die Entfernung Kastell-Main nur 75 m, heute mißt sie 200 m. Mit der Länge von 198,6 m und der Breite von 163,8 m zählt es zu den großen Kohortenkastellen. Stärke der Mauer 1,20 bis 1,40m, Breite des Wallrandes 5m, der Berme (Gehsteig) 1,40m und des einfachen Grabens 7m.


Aschaffenburg war kein Brückenkopf einer römischen Grenzanlage, geschweige denn ein Kastell. Das Kastell


Niedernberg ist heute total vom heutigen Dorf überbaut. Es lag gegenüber der Sulzbach-Mündung mit Blick zur großen Ringwallburg auf dem Sodenberg. Die Größe: 135 x 144,5 m.


Auch die Stadt
Obernburg steht auf Kastellgelände. Wegen seiner strategisch wichtigen Lage zum Elsavatal war es ein Kastell mit einer Größe von 160 x 186 m und war stark befestigt.


Das Kastell bei
Wörth lag etwa 1 km von der Stadt Wörth mainabwärts in der Flurabteilung "Au", 150m vom Main entfernt. Es war relativ klein (92 x 83m). Bemerkenswert ist hier die festgestellte Mauerhöhe von 4,80m. Am Kastell endete der ältere Limes (Odenwald-Limes).


Die Kultur in der römischen Provinz:


Mit den Römern kamen auch zahlreiche technische und kulturelle Errungenschaften in das eroberte Land. Von den Soldaten, vor allem aber von den Handwerkern und Kaufleuten der bei den Kastellen gelegenen Lagerdörfer wurden sie an die übrige Bevölkerung der Provinz weitergegeben. Germanen, die im römischen Heer dienten, übernahmen die römische Art in allen Lebensbereichen; diejenigen, die außerhalb in der Nachbarschaft des römischen Territoriums lebten, konnten von den Römern profitieren und dabei ihre Stammesart bewahren.

Verwendete man beim Bau der Ringwälle die Trockenmauer, so kam nun durch den Kastell- und Turmbau die mörtelgebundene Mauer ins Land. Neue Formen für Beile, Hämmer, Meißel, Feilen, Pflugscharen, Sicheln und dgl., die heute noch nachgeahmt werden, wurden eingeführt. Zur Ernährung der Truppe entstanden in den fruchtbaren Regionen zahlreiche Bauern- und Gutshöfe. Die Bautätigkeit war rege, der Bedarf an Steinen daher erheblich. Gedeckt wurde er aus den Steinbrüchen bei Miltenberg und Bürgstadt; den hier gewonnenen Buntsandstein verwendeten die Römer mit Vorliebe für ihre Bau- und Bildhauerarbeiten. Brennereien lieferten die verschiedenen Ton-Formsteine. Auf den gut ausgebauten Straßen herrschte lebhafter Verkehr, der Handel blühte. Was man an einfachem Geschirr für den Haushalt brauchte, kam von den Töpfereien in Miltenberg und Stockstadt.

Durch den Handel weit verbreitet wurde das römische Geld, Münzen aus Bronze, Kupfer, Silber und Gold. Eindrucksvoll sind die beiden Funde aus Stockstadt: 1945 wurden beim Anwesen Hauptstraße 27, verwahrt in einem Gefäß des 16.Jhrh., 31 Silberdenare der Zeit von 68.169 n.Chr. gehoben. Der größte und bedeutendste römische Münzschatz, der nach dem Kriege im Limesbereich gefunden wurde, kam 1962 zutage, als auf dem Areal des Römerkastells längs der Außenmauer des neuen PWA-Papiermaschinenhauses ein Kabelgraben ausgehoben wurde. Die Münzen befanden sich in einem birnenförmig gebauchten Henkelkrug. Der Krug zerbrach, als der Greifer des Baggers ihn erfaßte, und die Münzen quollen heraus. Es waren 6 Goldmünzen und 1254 Silberdenare, zum größten Teil aus der Zeit des Kaisers Antonius Pius (138-161 n.Chr.) stammend, vergraben, damit sie den Chatten nicht in die Hände fielen.

Leider in Privatbesitz verschollen ist ein Münzfund aus Geiselbach. "Um das Jahr 1855 wurde durch Revierförster Mosthoff in der Markung von Geiselbach bei Straßenbauarbeiten in seichter Lagerung ein kleiner Schatz von römischen Münzen mit Bildnis des Kaisers Titus gehoben, wohl aus der Zeit Domitians (81-96) stammend, noch voralemannisch". Ein Fundbericht des Jahres 1839 meldet: "Im Spessart wurden elf römische Münzen gefunden". Über den Fundort werden allerdings keine Angaben gemacht. Doch sind die Münzen im Mainfränkischen Museum in Würzburg aufbewahrt.

Über die Bestattungssitten der Römer geben die Friedhöfe bei den Kastellen und Lagerdörfern erschöpfend Auskunft. Die Toten wurden verbrannt und der Leichenbrand in einer Aschenkiste oder einem Gefäß beigesetzt. Dazu stellte man Gefäße mit den Resten des Totenopfers , mit einer Münze als Heller für Charon, dem Fährmann der Unterwelt, und manchmal auch mit Schmuck. Über dem Grab errichtete man Grabsteine mit Inschriften und bildlichen Darstellungen. - Die Römer widmeten ihren Göttern Steine mit Aufschriften, sog. Altar- oder Weihesteine. Gegenüber den vielen Fremdvölkern im römischen Heer gewährte man in religiösen Dingen Toleranz. So fand man allein in Stockstadt mehr als 25 Altäre, von den Benefiziariern den verschiedenen Göttern gestiftet, nur in einem Zeitraum von Jahrzehnten. Man weihte Steine dem höchsten Gott Jupiter, der Göttermutter Juno, dem Kriegsgott Mars, der Siegesgöttin Viktoria. Fischer und Schiffer verehrten Neptun, die Schwerarbeiter Herkules. Wer in Feld und Wald arbeitete, warb mit Weihesteinen um die Gunst des Silvanus und der Diana. In vielen Inschriften wurde Fortuna, die Göttin des Glücks in Krieg und Frieden, angerufen. Nirgends fehlte der Altarstein für den Genius Loci, den Schutzgeist des Ortes.
An Zeugnissen der römischen Provinzialkultur ist kein Mangel. Wer ihnen nachspüren und sie schauen möchte, dem halten die Museen in Aschaffenburg, Amorbach, Miltenberg sowie das Saalburg-Museum und das "Römerhaus" in Obernburg ein überreiches Angebot bereit.

Der Kahlgrund in der Zeit der Römer:


Der Kahlgrund war zur römischen Kaiserzeit Grenzlandgebiet. Es sind bis heute mit Ausnahme der Münzen von Geiselbach keine römischen Funde bekannt. Er muß siedlungsleer gelegen haben in Reichweite der römischen Macht und Kultur.


Das 3. Jahrhundert n.Chr.: Im 3. Jahrhundert n.Chr., während der Zeit der germanischen Völkerwanderung, kamen die Alemannen in unsere Gegend. Aschaffenburg, Lohr und Gemünden werden als alemannische Siedlungen angesehen.

Als die Franken um das Jahr 500 v.Chr. vom Rhein her an den Main und in den Spessart vorstießen, wurde die alemannische Kultur aufgerieben. Im 6. Jahrhundert n.Chr. begannen auch die Frankenapostel Kilian, Kolonat und Totnan (es waren iro-schottische Mönche) das Frankenland zu christianisieren. Es entstanden die Klöster "Fulda, Hersfeld und Seligenstadt".

Der Lage nach gehörten die Bewohner der "Freigerichts" und des "Kahlgrundes" zu den "salischen Franken".

Bis zum 9. Jahrhundert lag die Geschichte des "Freigerichtes" in tiefem Dunkel.

 

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Teil 8:

Chronologie in Kürze


Im Jahre 1298 tritt die "Ronneburgische" Familie urkundlich auf. Berechtigt war diese in den Gerichten Somborn, Wilmundsheim und Hörstein.


Burg Alzenau um 1840


Im 12. Und 13. Jahrhundert kommt es zum Auf- und Ausbau stattlicher Burgen und Herrensitzen. In fast allen Ortsteilen von Alzenau siedeln sich Adelige an, die sich nach ihrem Wohnort nennen. Eine Ausnahme bilden die von Kälberau. Sie nennen sich nach dem Bau ihrer Burg auf dem Rannenberg "von Rannenberg". Als Gefolgsleute der Mainzer Erzbischöfe geraten die Rannenberger in Streit mit der kaiserlichen Seite.

1250 sind die Rannenberger an der Belagerung von Gelnhausen beteiligt.

1258 kommen die Grafen von Rieneck in den Besitz der Burg Rannenberg.

1261 wird wegen Rechtsbrüchen der Grafen von Rieneck bei Kälberau ein Hoftag abgehalten. In der nachfolgenden mainzisch-rieneckschen Fehde kommt es 1266 zur Zerstörung der Burg Rannenberg. Fehde 1266. Wegen Abtretungen von Grundeigentum an kirchliche Einrichtungen kommen die von Rannenberg in finanzielle Schwierigkeiten. Versuche zur Verbesserung der Einkünfte führen zu Konflikten mir den Märkern.

1309 wird die Landesherrschaft über die Freien Gerichte Wilmundsheim, Somborn und dem Gericht vor der Hard durch Kunigunde von Rannenberg dreigeteilt. Vertragspartner werden Ulrich von Hanau und Siegfried von Eppstein. Ab 1309 gehörte Albstadt zu "Sunnenborn" (Somborn). Die Herren von "Kelberowe" (Kälberau) hatten auch eine Zeitlang Berechtigungen im Gericht Somborn..


Im Jahr 1342, vom 19. Bis 22.Juli, überflutet das grüßte Hochwasser, das je registriert wurde, den Kahlgrund. Das feste Haus in der Wasserburg Michelbach sinkt scheinbar um 1,4 m ein.

1356 scheitert der Plan zum Wiederaufbau der Burg Rannenberg durch die Erben der Familien von Rannenberg, von Hanau und von Eppstein, an der Ablehnung durch Erzbischof Adolf I. von Mainz.

1358 erfolgt die Teilung der Freien Gerichte Wilmundsheim / Somborn durch Johann II. von Rannenberg auf Druck der Vertragspartner. Das Gericht Somborn soll Hanau unterstellt werden, das Gericht Wilmundsheim wird geteilt. Hörstein mit Bruchhausen, Welzheim und Kahl werden Eppsteinisches Gebiet.

1361 wird Johann II. von Rannenberg auf dem Märkerding wegen der vorgenommenen Teilung seines Amtes enthoben. Nach seiner Wiedereinsetzung verschlechtert sich die Situation nach 1380. So kommt es am 24.April 1386 zur zweiten Amtsenthebung wegen mißbräuchlicher Amtsführung. Als letzter der Rannenberger führt der zweitgeborene Friedrich VI. für einige Jahre das Amt des Landrichters.

In der Zeit der Machtkämpfe zwischen Fürsten und Städten verarmt der niedere Adel. Viele versuchen mit Gewalt verlorene Einkünfte zu erzwingen und werden zu Raubrittern. Die Schelris von Wasserlos geraten auch in diesen Sog. Henne Schelris der Junge beteiligt sich an Überfällen auf Kaufmannszüge.

In diesem Umfeld beginnt Erzbischof Johann von Mainz 1395-1399 mit dem Bau des "nuwe sloß Altzenahe". Nach seinem Tod wird der Bau unter Erzbischof Johann II. vollendet.

1400 gelingt es Erzbischof Johann von Mainz mit Unterstützung von drei weiteren Kurfürsten (von Trier, Köln und von der Pfalz) König Wenzel für abgesetzt zu erklären und Ruprecht von der Pfalz zum Gegenkönig wählen zu lassen.

1401 läßt Johann II. von Mainz von König Ruprecht eine Stadterhebungsurkunde für sein Dorf "Wolmütsheim, under Alzenaue dem schloß gelegen" ausstellen. Wilmundsheim macht aber keinen Gebrauch davon.

1404 wird die Burg Alzenau für 2000 Gulden an die Gebrüder von Hanau verpfändet.

1405 werden im "Wetterauer Räuberkrieg" die Burgen Wasserlos, Hüttelngesäß, Memmelriß aber auch das neue Schloß (Alzenau) zerstört, bzw. stark beschädigt.

1410 erwirbt Ulrich von Bergheim Schloß und Tal Alzenaw für 500 Gulden (1/4 des Wertes von 1404).

Zur Zeit Kaiser Maximilians I. (15.Jahrhundert) war das Freigericht der Sitz ausgearteter Freiheit, wilder Unordnung und gräßlicher Räubereien des Adels.

1425 erwirbt das Erzbistum Mainz das Eppsteinsche Drittel der Landesherrschaft über die Freien Gerichte.

Um 1442 kommt es zur Zerstörung von Wilmundsheim.

1487 erbitten sich das Erzbistum Mainz und die Grafen von Hanau, von Kaiser Friedrich III. ein Mitspracherecht bei der Wahl eines Amtmannes im Freien Gericht Wilmundsheim/Somborn.
Im Jahr 1500 bekommen das Erzbistum Mainz und die Herrschaft Hanau das Freie Gericht je zur Hälfte als Mannlehen. Die adeligen Märker widersetzen sich und verlangen den Erhalt ihrer alten Freiheiten.

1529 erfolgt die landesherrliche Begnadigung. Das Ergebnis ist dürftig. Den Märkern werden die alten Freiheiten auch für die Zukunft versichert, doch hatten dieselben im Laufe der Zeit ihren Wert verloren. Die alte Markgenossenschaft war aufgehoben.

1748 kommt es zur Teilung des Freigerichtes, nachdem das Haus Hanau 1736 keinen Erben mehr hatte und somit erloschen war. Hessen-Kassel erhält auf Grund eines Erbvertrages ein Viertel des Freigerichtes (jetzige Großgemeinde Freigericht).

Als die französischen Heere unter Napoleon 1794 über den Rhein drängen, wird zum Landsturm aufgerufen. Die Bewohner des Freigerichtes verweigern den Kriegsdienst und berufen sich auf ihre alte Befreiung. Die Männer des kurmainzischen Teils bleiben nach Zahlung einer Abstandssumme letztmalig vom Dienst befreit. Den Bewohnern des hessischen Teils nützte der Protest nichts mehr.

1802 geht die Vogtei an Hessen.

1816 kommt Alzenau zu Bayern.

1862 Alzenau wird Kreisstadt.

1898 Bau der Kahlgrundbahn.

1951 Verleihung der Stadtrechte durch den Freistaat Bayern.

1972 Durch die bayerische Gebietsreform kommt Alzenau zum Landkreis Aschaffenburg; Zusammenschluß der Stadt Alzenau mit den Gemeinden Albstadt, Kälberau und Wasserlos im Rahmen der Gebietsreform.

1975 Weiterer Zusammenschluß mit dem Markt Hörstein und der Gemeinde Michelbach.

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Teil 9

Albstadt wird im 13. Jahrhundert erstmals genannt.


Nach den bis jetzt vorliegenden Quellenforschungen datiert die älteste urkundliche Erwähnung Albstadts vom 19. Oktober 1244. Diese Urkunde erwähnt die Brüder Konrad, Volrad und Hermann Schick aus Albstadt als Zeugen bei einem Schiedsspruch zwischen dem Kloster Arnsberg und Konrad Woldoffe über Güter in Rosbach.

Mit dem Ursprung der Dörfer wurde eine Grenzbezeichnung nötig. Die zerstreuten Hütten zogen sich jetzt zusammen in Dörfer, um welche sich die Dorfmarken bildeten. Aus diesen entstand das Privat- und Gemeindegut, doch blieb für sämtliche Orte ein Distrikt übrig, woran alle Teile hatten.
Man hieß ihn noch immer "Mark" und die Mitbesitzer Märker". Die "Hohe Mark" im "Freigericht" hat ihren Namen von der Höhe der umliegenden Gebirgszüge. "Hörstein, Mömbris, Wilmundsheim (das spätere Alzenau) und Somborn" gehörten zur selben "Mark". Diese zerfiel in zwei Teile, durch die "Kahl" (kleiner Fluß im Kahlgrund) getrennt, "Sölzert" und "Wüstenbach". "Albstadt" zählte mit "Somborn, Michelbach, Maisenhausen (Hofgut), Alzenau und Trages (Hofgut) zum "Sölzert".
Bei der Einteilung in Gaue gehörten wir zum "Kinziggau", der im "Maingau" lag.
Die "Hohe Mark" war erbliches Eigentum der "Grafen von Bernbach". Die "Grafen von Bernbach" starben zur Zeit "Kaiser Friedrich I. (Barbarossa)" aus und das "Freigericht" wurde kaiserliches Dominalgut.

Der Barbarossa-Sage zufolge hat Kaiser Friedrich Barbarossa den Bauern des heutigen Freigerichts zur Belohnung dafür, daß sie ihn in der Bulau aus der Hand der Ritter von Rannenberg befreiten, die Freiheit des Landes verliehen, wofür jeder freie Bürger jährlich als Zehnt (Steuer), lediglich einen Wagen Heu und einen lebenden Hahn in die Burg Gelnhausen liefern sollte.
Die Freiheit des Landes galt mehr für adelige Mitmärker, weniger für die übrigen Bewohner, deren eine große Zahl unter dem Druck der Leibeigenschaft seufzte und zu mancherlei Abgaben verpflichtet gewesen sind.

Über "Märkerdinge" und "Gerichte" siehe die Beilage. Dort heißt es unter anderem:

"Zum Oberhaupt der Gemeinschaft, die keinerlei Abgaben an Kaiser und Reich zu leisten hatte, wurde ein Landrichter gekürt, meistens aus einer hessischen adeligen Familie. Die Wahl geschah alljährlich am dritten Pfingsttage unter der großen Linde bei Wilmundsheim. Zur Teilnahme am Märkerding und zur Wahl waren alle freien Märker berechtigt, das heißt alle im Freigericht Begüterten und wenn auch das Eigentum nur so groß war, daß ein dreibeiniger Stuhl (Schemel) Platz darauf finden konnte".

Auf dem Märkergericht wurden auch die wichtigsten Landesangelegenheiten beraten, Forstfrevel gerügt und neue Förster und Markmeister unter Überreichung eines grünen Zweiges aufgestellt. Zu den Rechten der Märkerschaft gehörte ferner freier Holzbezug aus den allen Freigerichter Marktwaldungen Wüstenbach bei Hörstein und Sölzert bei Somborn und Albstadt. Für Neubauten von Wohnhäusern wurden 4 Eichenstämme gewährt. Heute noch tragen diese Wälder, die jetzt unter die einzelnen Gemeinden aufgeteilt sind (seit 1810), den Namen "Hochmark". Soviel aus der Beilage: "Ein ehemaliger Freistaat in fränkischen Landen".

Am 1309 gehörte Albstadt zu "Sunnenborn" (Somborn). Die Herren von "Kelberowe" (Kälberau) hatten auch eine Zeitlang Berechtigungen im Gericht Somborn. Fehde 1266. Die Burg Kälberau wird zerstört.

Im Jahre 1298 tritt die "Ronneburgische" Familie urkundlich auf. Berechtigt war diese in den Gerichten Somborn, Wilmundsheim und Hörstein.

Im 12. Und 13. Jahrhundert kommt es zum Auf- und Ausbau stattlicher Burgen und Herrensitzen. In fast allen Ortsteilen von Alzenau siedeln sich Adelige an, die sich nach ihrem Wohnort nennen. Eine Ausnahme bilden die von Kälberau. Sie nennen sich nach dem Bau ihrer Burg auf dem Rannenberg "von Rannenberg". Als Gefolgsleute der Mainzer Erzbischöfe geraten die Rannenberger in Streit mit der kaiserlichen Seite.

1250 sind die Rannenberger an der Belagerung von Gelnhausen beteiligt.

1258 kommen die Grafen von Rieneck in den Besitz der Burg Rannenberg.

1261 wird wegen Rechtsbrüchen der Grafen von Rieneck bei Kälberau ein Hoftag abgehalten. In der nachfolgenden mainzisch-rieneckschen Fehde kommt es 1266 zur Zerstörung der Burg Rannenberg. Wegen Abtretungen von Grundeigentum an kirchliche Einrichtungen kommen die von Rannenberg in finanzielle Schwierigkeiten. Versuche zur Verbesserung der Einkünfte führen zu Konflikten mir den Märkern.

1309 wird die Landesherrschaft über die Freien Gerichte Wilmundsheim, Somborn und dem Gericht vor der Hard durch Kunigunde von Rannenberg dreigeteilt. Vertragspartner werden Ulrich von Hanau und Siegfried von Eppstein.

Im Jahr 1342, vom 19. Bis 22.Juli, überflutet das grüßte Hochwasser, das je registriert wurde, den Kahlgrund. Das feste Haus in der Wasserburg Michelbach sinkt scheinbar um 1,4 m ein.

1356 scheitert der Plan zum Wiederaufbau der Burg Rannenberg durch die Erben der Familien von Rannenberg, von Hanau und von Eppstein, an der Ablehnung durch Erzbischof Adolf I. von Mainz.

1358 erfolgt die Teilung der Freien Gerichte Wilmundsheim / Somborn durch Johann II. von Rannenberg auf Druck der Vertragspartner. Das Gericht Somborn soll Hanau unterstellt werden, das Gericht Wilmundsheim wird geteilt. Hörstein mit Bruchhausen, Welzheim und Kahl werden Eppsteinisches Gebiet.

1361 wird Johann II. von Rannenberg auf dem Märkerding wegen der vorgenommenen Teilung seines Amtes enthoben. Nach seiner Wiedereinsetzung verschlechtert sich die Situation nach 1380. So kommt es am 24.April 1386 zur zweiten Amtsenthebung wegen mißbräuchlicher Amtsführung. Als letzter der Rannenberger führt der zweitgeborene Friedrich VI. für einige Jahre das Amt des Landrichters.

In der Zeit der Machtkämpfe zwischen Fürsten und Städten verarmt der niedere Adel. Viele versuchen mit Gewalt verlorene Einkünfte zu erzwingen und werden zu Raubrittern. Die Schelris von Wasserlos geraten auch in diesen Sog. Henne Schelris der Junge beteiligt sich an Überfällen auf Kaufmannszüge.

In diesem Umfeld beginnt Erzbischof Johann von Mainz 1395 mit dem Bau des "nuwe sloß Altzenahe". Nach seinem Tod wird der Bau unter Erzbischof Johann II. vollendet.

1400 gelingt es Erzbischof Johann von Mainz mit Unterstützung von drei weiteren Kurfürsten (von Trier, Köln und von der Pfalz) König Wenzel für abgesetzt zu erklären und Ruprecht von der Pfalz zum Gegenkönig wählen zu lassen.

1401 läßt Johann II. von Mainz von König Ruprecht eine Stadterhebungsurkunde für sein Dorf "Wolmütsheim, under Alzenaue dem schloß gelegen" ausstellen.

1404 wird die Burg Alzenau für 2000 Gulden an die Gebrüder von Hanau verpfändet.

1405 werden im "Wetterauer Räuberkrieg" die Burgen Wasserlos, Hüttelngesäß, Memmelriß aber auch das neue Schloß (Alzenau) zerstört, bzw. stark beschädigt.

1410 erwirbt Ulrich von Bergheim Schloß und Tal Alzenaw für 500 Gulden (1/4 des Wertes von 1404).

Zur Zeit Kaiser Maximilians I. (15.Jahrhundert) war das Freigericht der Sitz ausgearteter Freiheit, wilder Unordnung und gräßlicher Räubereien des Adels.

1425 erwirbt das Erzbistum Mainz das Eppsteinsche Drittel der Landesherrschaft über die Freien Gerichte.

Um 1442 kommt es zur Zerstörung von Wilmundsheim.

1487 erbitten sich das Erzbistum Mainz und die Grafen von Hanau, von Kaiser Friedrich III. ein Mitspracherecht bei der Wahl eines Amtmannes im Freien Gericht Wilmundsheim/Somborn.
Im Jahr 1500 bekommen das Erzbistum Mainz und die Herrschaft Hanau das Freie Gericht je zur Hälfte als Mannlehen. Die adeligen Märker widersetzen sich und verlangen den Erhalt ihrer alten Freiheiten.

1529 erfolgt die landesherrliche Begnadigung. Das Ergebnis ist dürftig. Den Märkern werden die alten Freiheiten auch für die Zukunft versichert, doch hatten dieselben im Laufe der Zeit ihren Wert verloren. Die alte Markgenossenschaft war aufgehoben.

1748 kommt es zur Teilung des Freigerichtes, nachdem das Haus Hanau 1736 keinen Erben mehr hatte und somit erloschen war. Hessen-Kassel erhält auf Grund eines Erbvertrages ein Viertel des Freigerichtes (jetzige Großgemeinde Freigericht).

Als die französischen Heere unter Napoleon 1794 über den Rhein drängen, wird zum Landsturm aufgerufen. Die Bewohner des Freigerichtes verweigern den Kriegsdienst und berufen sich auf ihre alte Befreiung. Die Männer des kurmainzischen Teils bleiben nach Zahlung einer Abstandssumme letztmalig vom Dienst befreit. Den Bewohnern des hessischen Teils nützte der Protest nichts mehr.

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Teil 10

Geschichte des "Hof Trages"

 

Südwestlich von Somborn und etwas mehr als 2 km westlich von Albstadt, an der Grenze zu Bayern, liegt das "Gut Trages". Er besteht aus mehreren Gebäuden. In einem Park versteckt findet man das Schloß, nahe dabei die zierliche neugotische Kapelle und an der Südseite die Wirtschaftsgebäude.

Seinen Namen verdankt es wohl dem Umstand der Rodung dieses Gebietes durch einen "Drago", der im 9. Jahrhundert von Somborn aus einen sogenannten "Beyfang" durch Urbarmachung in den Wald getrieben hatte.

Der Name "Drago" kann von "dragoon" kommen (einem Kavallerist, der die Erlaubnis hatte eine Klinge zu tragen. Möglicherweise war Drago solch eine Person).

Im 14. Jahrhundert werden 2 Höfe erwähnt: Vorder und Hinter Drages. Dem Peter von Dragus wird anno 1358 das Land durch die Ronneburger verwüstet. 1374 übergaben laut Urkunde Arnulf von Drages, seine Frau und 5 Söhne ihren Hof "Zum Trages" dem Herrn Ulrich von Hanau und erhielten den Hof als erbliches Lehen zurück. Als Abgabe hatten sie nur ein "Fastnachtshuhn" zu entrichten und die Pflicht, durchreisenden Herren einen Ehrentrunk zu reichen.

Im 30jährigen Krieg wurde Trages völlig zerstört und seine Bewohner vertrieben. Laut Lehnsbrief von 1639 gab Hanau dem Dietrich von Erkenbrecht die "Höfe zum Trages" zu Lehen. Von dessen Nachkommen kaufte der Hanauische Kanzler von Cranz die Güter Trages und Hüttelngesäß Anfang des 18. Jahrhunderts (1727). Er und sein Sohn errichteten den Hauptteil der heutigen Gebäude des ehemaligen Wirtschaftshofes und die Parkanlage mit den heute alten und stattlichen Bäumen sowie ein Gartenhaus, den Grundstock des jetzigen Schloßgebäudes.

1751 vererbte der kinderlose Johann Sebastian von Cranz Trages und Hüttelngesäß an den Sohn seiner Schwester den nassau-usingischen Geheimen Rat Christian Carl Ludwig von Savigny.
Von dessen 12 Kindern überlebt nur der am 21. Februar 1779 geborene Friedrich Carl von Savigny seine Eltern und Geschwister und war mit 16 Jahren allein und ohne Angehörige der einzige Sproß der Familie von Savigny.

Heute ist auf Trages ein Erholungszentrum mit einem großen Golfgelände untergebracht.

Die Kapelle auf Hof Trages.


Clemens von Brentano schrieb hier sein berühmtes Märchen "Gockel, Hinkel und Gackeleia". Im Brentano-Zimmer künden noch heute die 1809 bemalten Wände, hinter einer aufklappbaren Bretterwand, mit romantischen Darstellungen und Spottversen von ihrem Treiben.
Das Günderode-Häuschen neben dem alten Herrenhaus steht noch, und in vielen Briefen dieses Dichterkreises wird das Leben auf Trages beschrieben.
Die wissentschaftliche Tätigkeit führte Friedrich Carl von Savigny zwar weit fort, jedoch kehrte er immer wieder nach Trages zurück, dessen Geschicke er auch aus der Ferne mit seiner großen Gründlichkeit leitete.

Jetzt ruht er in der Familiengruft in der Kapelle in Trages, welche 1870 von seinem Sohn Carl Friedrich von Savigny, ebenso wie das Schloß in seinem heutigen Hauptteil, erbaut wurde.
Unter seinem Nachfolger, dem Reichtagsabgeordneten Carl von Savigny, wurde Trages zu einem modernen Landwirtschafts- und Forstbetrieb ausgebaut. Daneben wurden die baulichen und schriftlichen Zeugnisse der Geschichte dieses "Hof Trages" erhalten und betreut.

Erhalten blieben über die beiden Weltkriege hinweg Hof und Herrenhaus am Trages. Während des letzten Krieges lagerte hier sogar --in 180 Kisten verpackt - ein Großteil der wertvollen Bestände des Goethemuseums Frankfurt.

 

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Teil 10

Personen und Gehöfte

 

Die dörfliche Lebenswelt unserer Ahnen

Die einerseits in den zurückliegenden Jahren in Fluß gekommene Stadtflucht und die andererseits auf dem Lande angestrebte städtische Lebensart haben den typischen Charakter der Dörfer total verändert, wenn nicht gar zerstört.
Die in den Dörfern noch verbliebenen Bauernhöfe werden durch Größe und Komfort der Neubauten zu stinkenden Oasen degradiert, für die man bestenfalls gerade noch ein Naserümpfen übrig hat.

Früher, als die Dörfer noch eine Einheit bildeten, da haben die Bauernhöfe auch gestunken; das ist bei Tierhaltung zwangsläufig so. Aber weil da jeder seinen Stallgeruch hatte, so ist das weiter nicht auffallend wahrgenommen worden. Es sei denn, ein Städter kam aufs Land und hat an der "guten Landluft" Anstoß genommen.
Dem Wandel der Zeiten kann und darf man sich nicht verschließen. Schon gar nicht dann, wenn es darum geht, die Lebensqualität der Menschen zu verbessern.
Dennoch aber hätte man sich, bei allem Verständnis für Fortschritt, in den vergangenen Jahren da und dort manchmal mehr Behutsamkeit und nachdenkliches Handeln bei Veränderungen des ererbten Gutes gewünscht.
Früher jedenfalls, als die Dörfer nicht so groß und noch überschaubar waren, da hatte die dörfliche Lebenswelt einen offenen Charakter. Jeder kannte jeden. Und in diesem Vertrauensverhältnis waren nicht nur die Menschen zugänglich, sondern auch die aneinandergereihten, mitunter in sich verschachtelten Bauernhöfe.

So offen wie damals die Höfe waren, so offen standen, im wahrsten Sinne des Wortes, dem Besucher auch die Türen der einfachen Fachwerkhäuser.
Außer ein paar wenigen zweigeschossigen, waren dies meist niedrige Häuser, die aus jenen Stoffen errichtet waren, welche sich an Ort und Stelle reichlich fanden und wohl kostenlos zur Verfügung standen: Sandstein, Eichenholz und Lehm.

Das typische Haus unserer Heimat war ursprünglich also ein Lehmfachwerkhaus, das auf steinernem Kellergeschoß stand. Aus dem Satteldach, welches das Haus überdeckte, zog sich an manchen Häusern ein von Eichenbalken gestütztes oder auch ein freitragendes Vordach über die Treppe.

Wenn das Kellergeschoß an der Haustürseite ebenerdig angelegt war, so hatte die Treppe des Hauses etwa 12 oder dreizehn Stufen. Das war so die Regel. Aber je nachdem wie tief das Kellergeschoß manchmal in der Erde steckte, erreichte die Treppe auch schon vier- oder fünfstufig die Haustüre.
Die Haustüre war meistens zweitürig. Der untere Türteil konnte von innen separat verriegelt werden, damit dem Geziefer, den Hühnern, der Zulauf ist Haus versperrt war.
Es gab aber auch Häuser, wo die Hühner im "Hausern" untergebracht waren. Wo sie die Nester unter der Stiege hatten die auf den "Ollern" oder Dachboden hinaufstieg. In das Haus kamen sie durch das sogenannte neben der Haustüre befindliche "Hüaloch", also Hühnerloch. Dazu freilich mußte das Haus einen möglichst ebenerdigen Zugang haben. Bei einigen alten Fachwerkhäusern ist das Hühnerloch heute noch erhalten. Bedingt durch die beschränkten engen Raumverhältnisse wurde der "Hausern" meist als Küche genutzt. Beim Betreten des Hauses befand man sich dann nicht in einem Vorraum, von dem aus die übrigen Räume zugänglich waren, sondern man stand in der Küche. Diese Art von Raumnutzung hatte natürlich auch den Vorteil, daß man die Wohnstube mit der Schlafkammer etwas größer gestalten konnte. Wo sich also eine Küche als separater Raum dem "Hausern" anschloß, da wurde in allen Räumen die Enge des Hauses überdeutlich.
Die Küche, wo es eine gab, war ein von Rauch und Ruß geschwärzter düsterer Raum, in dem ohne große Kochkunst einfache Mahlzeiten zubereitet wurden, die aus dem bestanden, was Garten und Feld gerade boten. Fleisch gab es nur, wenn man im Winter ein Schwein schlachten konnte. Viel trockenes Brot wurde gegessen. Und wenn infolge schlechter Ernte das Brot fehlte, dann gab es Kartoffeln, morgens, mittags und abends.
Gleich hinter der Stubentür, durch die man vom "Hausern" her eintrat, stand ein gußeiserner Ofen, dessen Feuerung im "Hausern" oder in der Küche als Herd genutzt werden konnte. Mit ihm wurde in der kalten Jahreszeit nicht nur die Stube, sondern auch die dahinter liegende Schlafkammer beheizt. Ein hinter dem Ofen in der Wand befindlicher Durchlaß sorgte für entsprechenden Luftaustausch.
Ganz in der Nähe des Ofens, an einer Innenwand, stand eine Bankkiste. Auf dieser Bankkiste, üblicherweise Verwahrungsort unterschiedlicher Wäschestücke des täglichen Bedarfs, saß oder, je nach Ruhebedürfnis, lag man sich auf hartem Holz die müden Knochen weich. Über der Bankkiste, im Ofenbereich an der Stubendecke, war ein Holzgestell, die "Daase", angebracht. Sie diente als Ablage zum Trocknen nasser Kleidung bei Regenwetter; für Reisigbesen, wenn man im Winter für den Eigenbedarf oder zum Verkauf einen gewissen Vorrat schaffte; oder ganz einfach für alltägliche Dinge, die reparaturbedürftig waren.
Außer den beiden Betten nebst einem kastenartigen Kleiderschrank, die in der Schlafkammer gerade eben Platz hatten, stand ein Bett auch in der Wohnstube. Durch die reichliche Breite eines Bettes konnten zwei Erwachsene oder je drei bzw. mehr Kinder darin schlafen.
In der Fensterecke der Wohnstube, diagonal der Ofenecke gegenüber, stand der Eßtisch. Wandseitig umgeben von einfachen Holzbänken und raumseitig von entsprechend erforderlichen Stühlen derber Machart. Hier wurden die kargen Mahlzeiten eingenommen. Da stand in der Mitte eine große Schüssel, aus der solange gelöffelt wurde bis sie leer war. Wenn es die Raumverhältnisse erlaubten, dann stand in der Wohnstube noch das Spinnrad, an dem die Mutter an den langen Winterabenden, entweder alleine oder mit mehreren Frauen vereint, die Wolle sponnen um daraus die Kleidung für den täglichen Gebrauch herzustellen.

Das Bild der heimischen Bauweise wäre unvollkommen, wenn die seinerzeit üblichen Doppelhäuser unerwähnt blieben. Diese Bauart, zwei Häuser gebälktragend miteinander zu verbinden, entstand wohl durch familiäre, geschwisterliche Interessen. Anstelle des ererbten, zu klein gewordenen Elternhauses baute man platz- und geldsparend und hatte dennoch größere Raumverhältnisse, zumal dann, wenn das Doppelhaus zweigeschossig war.

 

Erläuterungen:

"Hausern"
= Im Fränkischen Bezeichnung für Hausflur;
"ern"
= mhd. Bezeichnung für Erdboden; Fußboden; der Hausflur, der Hausern
also, war früher mit Lehm ausgestampft, auch die Küche;
"Ollern"
= Bezeichnung für den Vorraum im Obergeschoß

 


Das Jahr 1834

Ein Gesetz vom 1. Juli 1834 betraf die allgemeine Brandversicherungsordnung. Demnach mußten alle Haupt- und Nebengebäude nach der Größe und Feuergefährlichkeit geschätzt und gemeldet werden. Das folgende Verzeichnis aus dem Gemeindarchiv beinhaltet alle im Jahre 1834 in Albstadt vorhandenen Gebäude. Außerdem sind die Besitzer dieser Anwesen angegeben.


Hausnummer und Eigentümer:

die Zahl und Art der Gebäude:

 

- Kempf Katharina 1 Häuschen
1 Sippel Konrad, jg. 1 Haus
2 Kempf Karl, Witwe 1 Haus, 1 Scheuer, Schweineställe, 1 Holzschuppen
3 Götz Andreas Haus und Scheuerboden
4 Kroneberger Andreas, jg 1 Haus, 1 Scheuer, 1 Viehstall, Schweineställe
5 Wegstein Johann 1 Haus, 1 Scheuer, Schweineställe
6 Roßmann Konrad, alt 1 Haus, 1 Scheuer, Schweineställe, 1 Brennerei
7 Hofmann Johann, Witwe 1 Haus, 1 Scheuer, Schweineställe, 1 Holzschuppen, 1 Backhaus
8 Roßmann Konrad, jung 1 Haus, 1 Scheuer
9 Höfler Johann 1 Haus, 1 Scheuer, Schweineställe
10 Gündling Heinrich 1 Haus, 1 Scheuer
11 Gündling Johann, Witwe 1 Haus, 1 Scheuer, Schweineställe, 1 Kelterhaus
12 Weckmann Johann, Witwe 1 Haus, ½ Scheuer, Schweineställe
13 Dieselbe 1 Haus, ½ Scheuer, Schweineställe
14 Das Armenhaus,der Gemeinde gehörend 1 Haus
14 ½ Schneider Lorenz 1 Häuschen
15 Hammer Heinrich 1 Haus, Schweineställe
16 Pörtner Michael 1 Haus, ½ Scheuer, ½ Viehstall
17 Pörtner Adam 1 Haus, ½ Scheuer, ½ Viehstall
18 Grimm Adam 1 Haus
19 Kroneberger Andreas,alt 1 Haus, 1 Scheuer
20 Seikel Andreas 1 Haus
21 Freiherr von Dalberg 1 Haus, 1 Scheuer, 1 Brennerei mit Ställchen, 1 Scheuer, 1 Holzschuppen, Schweineställe
22 Die Gemeinde Die Kirche
23 Kempf Lorenz 1 Haus, 1 Scheuer, 1 Viehstall
24 Schneider Heinrich Schweineställe
25 Roßmann Michael 1 Haus, 1 Scheuer, Schweineställe, 1 Viehstall
26 Ullrich Lorenz 1 Haus
27 Derselbe 1 Haus mit Scheuer, Schweineställe
28 Höfler Valentin 1 Haus, 1 Scheuer, 1 Backhaus, Schweineställe
29 Kunzmann Lorenz, jg. 1 Haus, 1 Scheuer, 1 Backhaus
30 Amberg Georg Adam und Ullrich Andreas, jg. 1 Haus, 1 Scheuer, Schweineställe
31 Roßmann Lorenz, alt 1 Haus, 1 Scheuer, 1 Viehstall, Schweineställe
32 Roßmann Lorenz, jung 1 Haus, 1 Scheuer, Schweineställe, Holzschuppen mit Backhaus
33 Hammer Konrad 1 Haus, 1 Scheuer, Viehstall
34 Reus Valentin 1 Haus, 1 Scheuer, Viehstall
35 Kunzmann Michael, jg. und Schneider Johann jg. 1 Haus, 1 Scheuer
36 Stenger Adam 1 Haus, 1 Scheuer, 1 Kelterhaus, Schweineställe
37 Kunzmann Johann, alt 1 Haus, 1 Scheuer, 1 Kelterhaus, Schweineställe
38 Gerst Georg Paul 1 Haus, 1 Scheuer, 1 Holzschuppen
39 Kunzmann Johann, jg. 1 Haus, 1 Scheuer, 1 Viehstall
40 Seikel Christian, Witwe 1 Haus und Scheuer, Schweineställe
41 Reus Johann 1 Haus, 1 Scheuer, 1 Viehstall, 1 Schweinestall, 1 Holzschuppen, 1 Kelter- und Backhaus
42 Kroneberger Johann 1 Haus, 1 Scheuer, 1 Kelter- und Backhaus, Schweineställe
43 Kunzmann Sebastian 1 Haus, 1 Scheuer, Schweineställe
44 Simon Johann Baptist 1 Haus, 1 Scheuer, 1 Backhaus
45 Weckmann Johann 1 Haus, 1 Scheuer, 1 Viehstall, Schweineställe
46 die Gemeinde 1 Schulhaus, 1 Holzschuppen
47 Dey Lorenz 1 Haus, 1 Scheuer, 1 Schweinestall, 1 Viehstall, 1 Backhaus
48 Roßmann Georg 1 Haus, 1 Scheuer, 1 Schweinestall
49 Reus Johann und Reus Lorenz, ledig 1 Haus, 1 Scheuer, 1 Holzschuppen und 1 Backhaus
50 Kunzmann Michael 1 Haus, 1 Scheuer, 1 Kelterhaus
51 Roßmann Johann 1 Haus, 1 Scheuer, 1 Viehstall, Schweineställe
52 Kreß Nikolaus 1 Haus, 1 Viehstall
53 Höfler Michael, Witwe 1 Haus, 1 Scheuer, Schweineställe
54 Wegstein Balthasar 1 Haus
54 ½ Ullrich Heinrich 1 Haus
55 Schneider Heinrich 1 Haus, ½ Scheuer, Schweineställe
56 Heilmann Georg 1 Haus, ½ Scheuer, 1 Viehstall, Schweinestall
57 Schneider Peter 1 Haus, 1 Scheuer, Schweineställe
58 Schneider Johann 1 Haus, 1 Scheuer, Schweineställe
59 Hofmann Lorenz 1 Haus, 1 Scheuer, 1 Kelterhaus, 1 Backhaus
60 Hofmann Adam Wohnung und Scheuer
61 Wegstein Karl 1 Haus, 1 Scheuer, Schweinestall, 1 Backhaus
62 Kempf Karl, Witwe 1 Haus, 1 Scheuer, Ställe und Schuppen
63 Reus Adam 1 Haus, 1 Scheuer, Schweineställe
64 Hofmann Peter 1 Haus, 1 Scheuer, 1 Kelterhaus, 1 Pferdestall, Schweineställe, 1 Brennhaus
65 Reus Johann 1 Haus, 1 Scheuer, Schweineställe
66 Hofmann Johann 1 Haus, 1 Scheuer, Schweineställe, 1 Kelterhaus und Holzschuppen
67 Dey Johann 1 Haus, 1 Scheuer, Schweineställe, Kelterhaus
67 ½ Kunzmann Lorenz 1 Haus
68 Grimm Konrad 1 Wohnung und Scheuer, 1 Kelterhaus
69 Bilz Johann 1 Wohnung und Scheuer, Viehstall
70 Weckmann Heinrich 1 Haus, 1 Scheuer, 1 Kelterhaus
71 Kunzmann Johann Adam 1 Haus, 1 Scheuer, 1 Backhaus
72 Kunzmann Lorenz IV te 1 Haus mit Viehstall, 1 Scheuer, 1 Backhaus
73 Sippel Konrad, alt 1 Haus
74 Franz Lorenz

1 Wohnhaus mit Mühle, 1 Scheuer, Schweineställe, Backhaus

Außer den Wohnhäusern und landwirtschaftlichen Gebäuden waren 1834 in Albstadt:

14 Backhäuser, 12 Kelterhäuser, 3 Brennereien und 1 Mühle vorhanden.

 

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Teil 12

Die Ritter von Albstadt


Die Hohe Mark, wie sich das Freigericht vor dem 12. Jahrhundert nannte, war seit 1108 Lehen der Grafschaft Berbach (= Bernbach). Bernbach im jetzigen Main-Kinzig-Kreis war einst Sitz eines Grafengeschlechtes.
1158 wurden die Grafen von Berbach letztmals urkundlich genannt.


Wappen derer von Schick

 


Nach ihrem Aussterben fielen ihre erblich gewordenen Besitzungen als Lehen an den Kaiser zurück. Die Hohe Mark wurde wieder kaiserliches Dominalgut. Nach dem Abgang der Grafen Berbach hatten die Herren von Kälberau ab 1133 Berechtigungen im Somborner Gericht. Dr. Kihn gibt an, daß die Familienbesitzungen der Grafen von Berbach an die Ganerben übergingen (die Herren von Hagenhausen, später von Münzenberg-Hanau, die Herren von Eppstein, von Kälberau und von Rieneck).
Nach 1200 treten die Ritter von Albstadt in das Licht der Geschichte. Teilweise trugen sie den Beinamen Schick oder Zickelbrie, besaßen die "Feste Hofrait" Albstadt, die später die Bezeichnung "Rittershofrait" erhielt. Die Albstädter Ritter hatten außerdem Besitzanteile am Königshof oder Fronhof in Somborn. Möglicherweise war dieser Adelshof zur Sicherung der Birkenhainer Straße, eines uralten Handels- und Fernweges angelegt worden. Urkunden geistlicher Stifte berichten uns, daß das Rittergeschlecht derer von Albstadt nach und nach sowohl Eigenbesitz als auch Lehenbesitz aus dem Reichsgut (Burggut der Reichsburg Gelnhausen) aufgeben mußten.


1234 begegnet uns in einer Urkunde ein Hermann Schick neben Ritter Wigand von Michelenbach als Zeuge bei einem Vergleich über ein strittiges Gut zu Gondsroth zwischen den Brüdern Hertwig von Gondsroth und Konrad Kuchelin. Allerdings ist in dieser Urkunde Albstadt nicht namentlich genannt.

 

Der Stammbaum derer von Schick

Die Urkunde 230 aus dem Hanauer Urkundenbuch nennt die Brüder Konrad, Volrad und Hermann von Albestat als Zeugen bei einem Schiedsspruch zwischen dem Kloster Arnsburg/Wetterau und Konrad von Woldoffe über Güter in Rosbach. In dieser Geschichtsquelle wird nun Albstadt namentlich erwähnt. Es kann berechtigt angenommen werden, daß es sich dabe9 um die erste urkundliche Erwähnung Albstadts bei Aschaffenburg handelt. Diese Urkunde trägt das Datum vom 19. Oktober 1244.


Die Übersetzung dieses Textes lautet:

Schultheiß Reinbold und die Stadt Gelnhausen bekunden einen Schiedsspruch zwischen dem Kloster Arnsburg und Konrad Woldoffe über Güter zu Rosbach.

Gelnhausen 1244 october 19

Allen Christgläubigen, an die das vorliegende Schreiben gelangte, erbiete ich, Schultheiß Reinbold, Schöffen und allen Bürgern von Gelnhausen Grüße im Herrn. Wir fangen mit euch an zusammenzustehen, weil - da das Kloster Arnsburg vom Orden der Zisterzienzer mehr als 12 Jahre einige Güter friedlich und ruhig besessen hatte, die auf ca. 20 Morgen geschätzt sind und bei Rodbach liegen, und da es diese wegen des Gottes dasselben Klosters gerecht und vernünftig zusammenbrachte - Konrad von Woldoffe über sie die Klage der Kirche erhob. Endlich stimmten sie aus jeder Partei bei den Schiedsrichtern überein, nämlich in mir, dem Schultheiß Reinbold und Ritter Wortwin von Stammheim. So haben wir also geurteilt. Das Kloster wird Konrad von Woldoffe zwei Mark geben und Konrad selbst wird bei jeder Handlung und Klage, die er wegen der nämlichen Güter gegen das oben genannte Kloster hat oder haben kann, sowohl für sich als auch für alle seine Erben Bericht erstatten. Dies alles ist feierlich vor uns abgemacht worden. Zeugen für diese Angelegenheit sind: Die Brüder Peter und Hartmann von Hüttengesäß, die Brüder Konrad Volrad und Hermann von Albestat, Rudolf von Selbold, Friedrich Stighel, Ritter, Hartmann von Breitenbach, Schultheiß Wortwin, Werner Groppo, Eberhard, Berthold von Mainz, Siegfried von Buchenecken, Schöffen, Wortwin von Düdelsheim, Werner der Ältere, Keller Hartmann, Mönch Wicker von Arnsburg und andere mehr. Zur Veranschaulichung dieser Sache lassen wir mit unseren Siegeln diese Seite bestätigen. Geschehen im Jahre des Herrn 1214, im Hause des Werner Groppo, an den 14. Kalendae des November.


Im Text einer anderen Urkunde aus dem Jahre 1247 finden wir Volrad als Zeugen dafür, daß Arnoldus miles de Horste (Ritter Arnold aus Hörstein) und dessen Bruder Gerhard ihre Ansprüche auf Güter des Klosters Arnsberg aufgegeben haben.

Bauliche Überreste wie Scherbenfunde, die bis in die Zeit der Schick von Albstadt zurückführen, befinden sich auf dem Anwesen Glusa / Dey, Freigerichter Straße 62. Weiterhin wurden bei Bauarbeiten Grundmauern gefunden, die ebenfalls auf die Zeit derer von Schick zurück reichen. Es wird sogar vermutet, auf Grund von verschiedenen Ortsbeschreibungen, daß es sich bei den Grundmauern um die Überreste des Hauses derer von Schick handelt.


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Teil 13

Der Königshof Albstadt

In mehreren Abhandlungen über die Geschichte Albstadts wird von einem Königshof Albstadt gesprochen und 889 als Jahr der 1.urkundlichen Erwähnung dieses Dorfes angegeben. Als Beispiel seien hier angeführt:

Martin Schäfers Arbeiten "Reichsritterschaft im Kahlgrund" und "Die Ritter von Albstadt, genannt Schick", außerdem Theo Büttners Beitrag "Ortsnamen des ehemaligen Landkreises Alzenau, Entstehung und Deutung.

Jedoch kann es sich hier nicht um das Albstadt im Kahlgrund halten, sondern um das Albstat bei Haselbrunn und Waldbrunn im Landkreis Würzburg. Die Ortschaft Haselbrunn besteht nicht mehr. Sie wurde in einer Urkunde 1170 als Wüstung angegeben. Die Ortschaft Waldbrunn besteht auch in unserer Zeit noch.

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Teil 14

Stifte und Klöster als Grundherren von Albstadt


Im Jahr 1391 ist, laut dem Hanauer Urkundenbuch Nr.IV., Urkunde Nr. 586, ein Gerhard Schick Lehensmann des Klosters Selbold (=Langenselbold) auf einem Albstädter Hof. Das Kloster Selbold hatte beachtlichen Besitz. Zu dem Stift gehörten die Klöster Konradsdorf und Meerholz sowie Kirchen und Kapellen in Gelnhausen, Gondsroth, Mittlau, Neuenhaßlau und Niedergründau. Nach der Auflösung des Klosters im Jahre 1542 ging der Besitz an den Grafen zu Isenburg-Birstein über. Im 8. Jahrhundert gründeten Benediktinermönche in Schlüchtern ein Kloster. Erstmals wurde es 993 urkundlich erwähnt. 1444 erwarb dieses Kloster von den Albstädter Grundherren Konrad und Frone von Hutten einen Hof "außerhalb des steinernen Hauses" auf Wiederverkauf.

Nach 1200 übergab Stiftscanonicus Werner von Gelnhausen dem Stift St.Peter und Alexander in Aschaffenburg 2 Höfe in Albstadt. Am 4. März bekam das Stift Aschaffenburg von Hermann Swab (Schwab) und seiner Gattin Hebela Einkünfte in Albstadt, Kälberau und Somborn geschenkt.

1687/90 erwähnt der Güterregisterschreiber des Aschaffenburger Stifts die "Rittershofrait", d.h. die Lage des festen Hofes in Albstadt: "Die Rittershofrait die auf den Sandhof stößt und auf die Hofrait derer von Hutten, gehört dem Stift (Aschaffenburg)." Der Sandhof lag nördlich der heutigen Straßengabelung Albstadt-Somborn bzw. Neuses (die Albstädter nennen die Anhöhe Wingertsberg). Die Rittershofrait ist also in der Nähe der heutigen Kirche zu bestimmen, wahrscheinlich südlich davon.

Nicht übersehen werden darf das ehemalige Kloster Seligenstadt als Grundherr in Albstadt. Einhard, der Geschichtsschreiber Karls des Großen, gründete es zusammen mit seiner Frau Imma im Jahre 828. Durch Kauf, Schenkungen und Stiftungen wuchs der Grundbesitz der Abtei am Main und im Kahlgrund an. Das Kloster bezog aus Albstadt Kornpacht von 7 Achtel Gelnhäuser Maßes. Fächer gibt an, das Kloster am Main habe schon 1480 in unserem Dorf 115 Morgen Äcker und Wiesen erworben. Außerdem habe Seligenstadt noch 1748/49 Pachtabgaben aus Albstadt bezogen.

Nach Fächer waren 1748/49 noch zwei weitere geistliche Grundherren in Albstadt zu finden: Das Klausengut Kälberau nahm Zinsen ein und die Pfarrkirche Somborn - zu ihr gehörte Albstadt bis 1827 - erhielt Pachtgelder.

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Teil 15

Die Raubritterzeit

1247 - 1256: Die rheinischen Kurfürsten erheben den Grafen Wilhelm von Holland zum Gegenkönig. Er wird 1248 in Aachen gekrönt.
König Wilhelm von Holland belohnt Friedrich II. von Rannenberg und seinen Bruder Heinrich, für die Gefolgschaft (möglicherweise bei der erfolglosen Belagerung von Gelnhausen) mit Geld und Gütern in Hörstein.

1259: Die Grafen von Rieneck sind im Besitz der Randenburg. Zur selben Zeit ist Werner von Eppstein Erzbischof von Mainz.

1261 - 1271 Mainzisch- Rieneck´sche Fehde: Die Auseinandersetzungen enden mit der Niederlage der Grafen von Rieneck. In diesem Zusammenhang mußten mehrere Burgen der Grafen im Spessart geschleift werden. Auch die Randenburg bei Wilmundsheim.

1266: Belagerung der Randenburg durch den Erzbischof von Mainz (von Eppstein) und Schleifung innerhalb von 14 Tagen.

Um das Jahr 1300 kommt es auf dem Märkerding bei Wilmundsheim zur Amtsenthebung von Reinhard von Rannenberg, wegen Verstoßes gegen die Gemeinnützigkeit des Waldes. Das Amt wird seinem jüngeren Bruder Johann übertragen.

Die Herren von Rannenberg unterdrücken zunehmend die freien Märker im Freigericht (1309 - 1386).

1330: Die Schellrisse von Wasserlos stehen in Fehde mit der Stadt Frankfurt.

1357: Mainz lehnt den Wiederaufbeu der Burg Randenburg ab.

1361: Johann II. von Rannenberg wird auf dem Märkerding bei Wilmundsheim abgewählt. Die Lebensbedingungen der Bevölkerung verbesserten sich aber nur geringfügig, da sich neben den Rannenbergern als Markherren auch die Schellrisse von Wasserlos nicht gerade menschenfreundlich verhielten. Sie waren berüchtigt als Wegelagerer und Räuber gegen die Kaufmannszüge in Richtung Frankfurt. Begriffe wie Menschenwürde gab es für die meisten nicht.

1381: Hanau gewann einen Rechtsstreit vor dem Burggericht Friedberg gegen die Brüder von Rannenberg und befand sich seitdem in Fehde mit ihnen.

1392: Die Schellrisse von Wasserlos sind zu einem Vergleich mit der Stadt Frankfurt bereit. Henne Schellriss dagegen gerät bei einem Überfall auf einen Kaufmannszug vor Frankfurt in Gefangenschaft der Frankfurter.

1395: Beginn des Baues der Burg Alzenau durch Erzbischof Konrad von Mainz.

Am 3.2.1405 forderte König Ruprecht von der Pfalz die Stadt Frankfurt auf, sich an dem Feldzug gegen die Raubburgen in der Wetterau und Umgebung zu beteiligen (Wetterauer Räuberkrieg).

Am 22.2.1405 ließ König Ruprecht durch Graf Günther von Schwarzburg, Hofmeister des Königs, mit einem großen Aufgebot von Mannen , die Burg in Mömbris zerstören. Auch die Burg Hauenstein wurde zerstört. Hermann von Rodenstein, Herr von Falkenstein, Bernhard und Johann von Hanau von Frankfurt und Gelnhausen ritten nach Wasserlos und verbrannten das Schloss der Schellrisse.

Henne Schellriss und Rudolf von Bleichenbach durften unbehelligt von Schloß Wasserlos abziehen. Es war ihnen gestattet, soviel Früchte mitzunahmen, wie sie nötig hatten.
Am gleichen Tage erstürmten Siegfriedt Wambolt und die Reisigen von Wetzlar, ebenfalls im Auftrag König Pruprechts, das Schloß Hüttelngesäß, das ebenfalls den Schellrisses gehörte.

Ca. 1440: Durch ein bislang unbekanntes Ereignis wurde Wilmundsheim zerstört. In einem Weistum aus dem 15.Jhdt. heißt es: " . . . Welmitzheim ist wüst."

Am 10. November 1502 nahmen Mainz und Hanau durch militärische Besetzung das Freigericht in Besitz.

Am Bauernkrieg 1525 nahmen die Bauern des Freigerichts nicht teil, obwohl sie sich auch ringsum erhoben.

 

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Teil 16

Ursprung und Wesen des Freigerichts Wilmundsheim vor dem Berge

 

Das Freigericht Wilmundsheim vor dem Berge, oder vor der Hart, wird im Jahre 1309 erstmals urkundlich genannt. Es beginnt am Main zwischen den Gemarkungsgrenzen Großwelzheim/Dettingen und Kahl/Großkrotzenburg, liegt beiderseits am mittleren und unteren Lauf des Kahlflüßchens, reicht über den niederen Höhenzug zwischen Hof Trages und Neuses in die sogenannte "Freigerichter Bucht" um Somborn und trennt das Waldgebiet der Bulau vom nordwestlichen Vorspessart. Sein räumlicher Umfang deckt sich mit den Sprengeln der vier Urpfarreien Alzenau, Hörstein, Mömbris und Somborn und den gleichnamigen Centgerichten:

1. Wilmundsheim mit Hemsbach, Kälberau, Michelbach und Wasserlos.

2. Hörstein mit Großwelzheim, Kahl und den Wüstungen Brischoß und Bruchhausen.

3. Mömbris, eine einzige Gemeinde, mit den dazugehörigen Dörfern und Weilern Angelsberg, Heimbach, Hohl, Molkenberg, Rappach, Rothengrund, Strötzbach und den Wüstungen Karlesberg und Wohnstadt;

4. Somborn mit Albstadt, Altenmittlau, Bernbach, Horbach, Neuses, Trages und Hüttengesäß.

Jedes dieser vier Gerichte übte die niedere Gerichtsbarkeit über Eigen aus; denn alle Güterauflassungen und Verkäufe fanden vor diesen statt; sie urteilten über Frevel und Diebstahl, handhabten die freiwillige Gerichtsbarkeit und schlichteten Streitigkeiten.
Die Orte dieser vier Land- oder Niedergerichte bildeten drei Hoch- oder Blutgerichte; nämlich Mömbris und Somborn; während die Gerichte Hörstein und Wilmundsheim ein gemeinsames Hochgericht hatten. Hier wurden alle "Criminal- oder peinlich Sachen" behandelt. Wie und wann sie in den Besitz der Blutgerichtsbarkeit kamen, ist nicht erwiesen. Die Centgerichte wurden in jedem Centbezirk von einem Centgrafen und 14 Schöffen aus den dazugehörigen Ortschaften gehegt. Der Centgraf versah sein Amt nach seiner Wahl auf ein Jahr. Schöffen wurden auf Lebzeit gekoren. Im Centgericht Hörstein kamen 3 Schöffen aus Hörstein, je zwei aus Kahl, Michelbach, Wasserlos und Wilmundsheim, je einer stammte aus Großwelzheim und Kälberau und einen wählten die Hübner vom Brischoß.


Die Hohe Mark

Der zusammenfassende Begriff "Wilmundsheim vor dem Berge" besagt nicht, daß zu Wilmundsheim (=Alzenau) ein Hauptgericht bestand, sie waren immer unabhängig.
Was aber die Dörfer der vier Centgerichte verbunden hat, war ihr gemeinsamer Besitz, die Almende - das Allgemeingut, die sogenannte Hohe Mark, ein Waldgebiet von 3857 Morgen - der eine Teil nördlich der Kahl, die "Sölzert", der andere Teil südlich der Kahl "Wüstebach" an den Höhen des Hahnenkammes gelegen. Die vier Gerichte bildeten eine wirtschaftliche Vereinigung, einen Verband, die Markgenossenschaft. Die Bezeichnung freie Gerichte muß wohl im Laufe der Geschichte auf die Mark Wilmundsheim übergegangen sein. Die Leute, die am Allgemeingut Anteil hatten, wurden Märker begannt. Alljährlich versammelten sich die Märker - Bauern und Adelige, Geistliche und Laien - am dritten Pfingsttag in Alzenau unter der großen Linde am Kirchhof zum "Märkerding", zum Markgericht, und zwar selbst solche Leute, die nur soviel Land hatten, daß man einen dreibeinigen Stuhl daraufsetzen konnte.
Dabei wurden alle Markangelegenheiten gemeinsam beraten, Forstfrevel gerügt, der Anteil der Märker an Bau- und Brennholz und am Viehtrieb festgesetzt. Förster und Markmeister durch Überreichen eines grünen Zweiges ernannt. Das Alzenauer Stadtwappen nimmt auf den Bestallungsakt der Förster und Markmeister mit zwei gekreuzten goldenen Reisern Bezug.
Das Amt des Obermärkers oder "Markobristen" wurde gewöhnlich dem mächtigsten adeligen Mitmärker auf Lebenszeit übertragen.

Die alten Freiheiten gehen verloren

Als Kaiser Maximilian im Jahre 1500 die vier Zentgerichte Alzenau, Hörstein, Mömbris und Somborn, den Kurfürsten und Erzbischöfen von Mainz sowie den Grafen von Hanau als Mannlehen übergab, war das Ende ihrer Reichsunmittelbarkeit gekommen. Die uralten Volksrechte, die sich auf die Abhaltung der Märkerdinge und Zentgerichte erstreckten, gingen an die genannten Territorialfürsten über. Der bisher vom Volk gewählte Landrichter, Vorsitzender des Märkerdinges, das alle Jahre am zweiten Pfingsttage in Alzenau unter der Linde tagte und sich mit Problemen des Markgenossenschaftswaldes beschäftigte, wurde durch einen kurmainzischen Amtmann ersetzt und die Nutzung des Waldes durch Verordnungen der Regierungen in Mainz und Hanau geregelt. Die Zentgrafen in den einzelnen Gerichten, denen die Bestrafung von Vergehen und Gesetzesübertretung, sowie die zivile Gerichtsbarkeit (Abschluß von Erb- und Kaufverträgen) oblag, durften nicht mehr vom Volke gewählt werden, auch nicht die Schöffen. Obwohl die im Amt befindlichen Schöffen auf Befehl der neuen Landesherren am Martinitag 1502 in Steinheim in der Burg erschienen und ihnen eidliche Treue gelobten, leistete das Volk den landesherrlichen Beamten, den Steuererhebern, der Polizei und den Zöllnern, heftigen Widerstand, so daß die vier Freigerichte militärisch besetzt wurden.

Ein Zeitgenosse schrieb über diese Zustände:
"Es ging in dieser zeit bunt durcheinander, und das machte Hanau und Mainz schwer zu schaffen. Viele Verhaftungen fanden statt und schwere Körperstrafen wurden verhängt."

Kaiser Karl V. unterstützte die Fürsten, indem er 1523 den Lehnsbrief von 1500 konfirmierte, Kurfürst Erzbischof Albrecht von Mainz war, angesichts des Bauernaufstandes, dessen Wellen bis an die Grenzen des Freigerichts schlugen, gewillt, der Freigerichter Bevölkerung entgegenzukommen und Frieden zu schaffen, jedoch Balthasar, Graf von Hanau, der als Vormund der Kinder seines verstorbenen Bruders Philipp die Regierung führte, lehnte ab. Erst im Jahre 1529 kam eine Einigung zustande, die unter der Bezeichnung "Landesherrliche Begnadigung" in die Geschichte des Freigerichts eingegangen ist. Sie besagt: Die Märker sind Untertanen von Kurmainz und Hanau, aber frei von Bethen, Diensten und Atzungen, soweit sie nicht hergebracht sind. Der Name Freigericht bleibt bestehen." Die Freigerichter gaben sich damit zufrieden, besonders erfreut über die Befreiung von Bethe, einer Steuer, die vom Besitz erhoben wurde.

Bei der Teilung der Markgenossenschaft im Jahre 1748 kamen die Zenten Alzenau, Hörstein und Mömbris zu Kurmainz; die Zent Somborn kam zu Hessen-Hanau und wurde dem Amt Altenhaßlau angegliedert. Ausdrücklich wurde im Vertrag bestimmt, daß die bestehenden Rechtsverhältnisse nicht angetastet werden dürfen. Jedoch Wilhelm IX., Erbprinz in Hanau von 1764 - 1784 und später Landgraf von Hessen, hielt sich nicht an die Bestimmungen des Teilungsvertrages, weil Balthasar von Hanau 1529 nur als Vormund der Kinder seines Bruders Philipp die Zustimmung gegeben hatte. Er verlangte von den Einwohnern des Freigerichts die Bethe. Diese leisteten jedoch Widerstand, und Landschöffe Konrad Weigand bemühte sich um die Urkunde, in denen ihre Rechte verbrieft waren. Nur teilweise war seinen Bemühungen Erfolg beschieden. Dennoch beschlossen die Freigerichter Bürgermeister und Schöffen, ihr Recht bei der höchsten richterlichen Instanz des Deutschen Reiches zu suchen. Da es sich in diesem Streit um kaiserliche Privilegien handelte, war nicht das Kammergericht in Wetzlar zuständig, sondern das Reichshofratsgericht in Wien, das aus 18 vom Kaiser ernannten Mitgliedern bestand. Es waren Gelehrte und Adelige. Ein Drittel war evangelisch, zwei Drittel waren katholisch. Zur Durchführung des Prozesses wurden von den Bürgermeistern und Schöffen gewählt:

Johannes Schreiber, Hieronymus Wegstein, Konrad Weigand, Josef Weckmann und Heinrich Meyberger.
Im Besitz einiger Akten und geringer Geldmittel begaben sie sich am 25. April 1775 auf die Reise und kamen nach 71 Tagen, am 4. Juli, in Wien an. Sie nahmen Verbindung mit einem Agenten namens Urban auf, der ihre Klageschrift Mitte Juli dem Reichshofratsgericht einreichte. Monatelang warteten die Männer aus dem Freigericht vergeblich auf den Tag, an dem die Verhandlung stattfinden sollte, vergebens warteten sie aber auch auf Geld aus der Heimat trotz aller Bitt- und Klagebriefe.... "Wir wollen die Gemeinden nicht schädigen, nicht den Fluch der Nachkommen auf uns laden, nicht die Pfarrei verzehren, genaue Rechnung legen, wenn wir heimkommen. Wir wollen nach Hause, die Gesundheit nicht einbüßen...." Weckmann, Weigand und Meyberger sahen alsbald die Aussichtslosigkeit ihres Unternehmens ein und traten die Rückreise an. Schreiber und Wegstein blieben. Sie erklärten: "Wir können zwar den Himmel nicht halten, wenn er herunterfällt, aber wir halten aus". Den Bürgermeistern und Schöffen machten sie bittere Vorwürfe wegen der geringen finanziellen Unterstützung und schrieben: "Wir können uns nicht mehr gedulden. Ihr habt geschrieben, wir sollten ausharren, und wenn es Hab und Vermögen kosten sollte. Man hat uns zur Visitation geschickt, sie haben uns für Schelme gehalten." Mehrfach wandten sie sich an den Amtmann Will in Altenhaßlau - zuletzt am 3. September 1776 - mit der Bitte, auf die Gemeinden einzuwirken und sie zur Zahlung zu veranlassen. Auf Anweisung der Regierung in Hanau ließ dieser die Briefe der "anmaßlichen" Deputierten nicht beantworten. In größter Not reichten Johannes Schreiber und Hieronymus Wegstein am 21. März 1777 - nachdem sie bereits 21 Monate in Wien und davon 15 ohne Geld waren - dem Reichshofrat ein Schreiben mit der Bitte ein, den Gemeinden die Kosten aufzuerlegen. Kaiser Joseph II. entschied: Somborn und die Dörfer sind zur Tilgung der Kosten und Bestreitung der Reisekosten der Deputierten verpflichtet und soll das Geld unverzüglich an den kaiserlichen Hofratsagenten Urban eingeschickt werden."

Amtmann Will erschien am 30. Juni 1777 mit dem Originalschreiben des Kaisers in Somborn, und die anwesenden Schöffen erklärten sich bereit, zur Bezahlung der Reise- und Zehrungsgelder der Deputierten 500 Gulden aufzunehmen. Der Erbprinz in Hanau genehmigte die Darlehensaufnahme, und der Schutzjude Abraham Mayer besorgte das Geld zu einem Zinsfuß von ½ % im Monat. Durch Vermittlung der Hanauer Regierung zahlte ein Wiener Bankhaus dem Agenten Urban 486 Gulden und 40 Kreuzer aus, 13 Gulden und 20 Kreuzer wurden als Provision gerechnet. Urban befriedigte nur teilweise mit diesem Gelde die Forderungen der Wirte und gab Johann Schreiber 92 Gulden Heimreisegeld. Hieronymus Wegstein war mittlerweile "in Mangel und Elend ins Spital" gebracht worden und dort am 7. Mai gestorben. Gastwirt Czach in Wien, der noch 223 Gulden zu fordern hatte und dessen Briefe an die Regierung in Hanau unbeantwortet blieben, wandte sich an Kaiser Joseph II., der am 12. April das Bittgesuch an die genannte Regierung weiterreichte mit dem Bemerken: "Dem Impetranten (Bittenden) ist die gebührende Justiz zu leisten, und ist solches geschehen, mir binnen zwei Monaten anzuzeigen." Aber erst am 19. Februar 1780 konnte Hofrat Matolay die Forderungen des Gastwirts Czach begleichen und dem Kaiser die "Conclusio" (Abschluß) mitteilen.

Die Regierung in Hanau ordnete die Arretierung der Freigerichter Renitenten an und befahl ihren Landgrenadieren, sie festzunehmen und ins Hanauer Stockhaus (Gefängnis) einzuliefern. Konrad Weigand flüchtete nach Geiselbach und hielt sich dort verborgen, Heinrich Meyberger ging ins "Ausland" nach Albstadt. Ihm stahlen die Landgrenadiere bei einer Haussuchung noch obendrein einen Kupferkessel und die Standbüchse. Aber Weigand und Meyberger entgingen wir Johann Schreiber und Joseph Weckmann ihrem Schicksal nicht. Sie wurden bei nächtlichen Besuchen ertappt und mit zwei Monaten Gefängnis bestraft. Bei ihrer Entlassung mußten sie dem Landgrafen Treue geloben, ferner wurde ihnen bei weiteren Vergehen mit Schanzarbeiten zweiter Klasse gedroht.

Zur restlosen Abwicklung der Prozeßkosten hatten alle Deputierten eine genaue Aufstellung ihrer Einnahmen und Ausgaben dem Amtmann Will zur Überprüfung vorzulegen, der sie wesentlich modernisierte, d.h. viele Ausgaben für Zehrungen strich, ferner die Zahlung an das Stockhaus in Hanau, das von jedem Delinquenten für 56 Tage Haft 37 Gulden und 11 Kreuzer verlangte. Àuf eine Beschwerde hierüber, die von Notarius Reiß aus Wirtheim und Lehrer Nees als Schriftkundigen aufgesetzt war, antwortete die Hanauer Regierung: "Die Querulanten sollen selbst die Folgen ihrer Torheit tragen und die Differenz bezahlen. Bei Müssiggang sind Zehrungen leichter als zuhause bei der Arbeit." Auch eine zweite Eingabe wurde von der Regierung abgelehnt, nur mit dem Unterschied, daß die Deputierten jetzt mit Supplikanten (Bittsteller) angeredet wurden und ihnen die Beschreitung des Klageweges anheimgestellt wurde. Trotz der Streichung vieler Ausgaben durch Amtmann Will blieb noch eine Summe von 1500 Gulden zu decken, von denen die Gemeinde Somborn 663 übernahm, Altenmittlau 296, Bernbach 304, Horbach 116 und Neuses 130. Da die Gemeindekassen nicht flüssig waren, wurde das Geld durch Sammlungen und Anleihen aufgebracht. So lieh Altenmittlau 200 Gulden bei Hauptmann Schelm zu Bergen, 70 bei Peter Simon in Hemsbach und 26 bei Landschöff Schneider in Albstadt.

Infolge der Ablehnung des Prozesses der Freigerichter wegen unberechtigter Steuererhöhung der Landesherrschaft durch das Reichshofratsgericht in Wien forderte Landgraf Wilhelm IX. 1793 die Nachzahlung aller rückständigeren Steuern in Höhe von 6000 Gulden. Eine Flut von Bittschriften, in denen die Bauern auf ihren Kinderreichtum, auf Mißernten und die geringen Ausmaße ihres Besitzes hinwiesen und ihre tiefste Ehrfurcht bis ins Grab dem Landesherrn bekundeten, blieb erfolglos. Keine Steuer wurde gekürzt, nur eine Zahlungserleichterung gewährt. Die Regierung teilte die Bewohner je nach den Vermögensverhältnissen in sechs Klassen ein; die erste mußte im ersten Jahr, die zweite im dritten Jahr bezahlen. Sie ließ in allen Schreiben durchblicken, daß der nach ihrer Auffassung unstatthafte Prozeß mit seinen grundlosen Klagepunkten gegen die hohe Landesherrschaft beim Reichshofgerichtsrat in Wien Sühne erheische.

Leider ist aus den vorhandenen Akten nicht zu ersehen, inwieweit sich das Reichshofratsgericht in Wien mit der Klage der Freigerichter beschäftigte und welche Gründe für ihre Ablehnung angegeben wurden.

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Teil 17

Kaiser Friedrich I. Barbarossa.

Sein Leben, sein Reich, Geschichten und Sagen

 

 

Friedrich I., auch bekannt als Friedrich �Rotbart� Barbarossa ist eine �beraus bedeutende historische Pers�nlichkeit, �ber die man viel zu wenig wei�. Und wie so oft geht mit dieser Tatsache einher, da� sich darob viele Legenden um diesen gro�en Herrscher ranken, deren Existenz eine gewisse Spannung aufbauen und Neugierde wecken. Nicht immer sind Geschichte und Geschichten so interessant.

Es soll hier nicht um die unstrittigen Erfolge des Kaisers gehen, sondern wir wollen uns zun�chst ein Bild von ihm machen. Durchaus w�rtlich gemeint, h�ren wir uns einmal an, wie seine Zeitgenossen der Lodenser Histograph Acerbus Morena und der Sekret�r des Babenberger Bischofs Otto von Freising Rahewin sein �u�eres beschreiben:

Der Kaiser entstammte einem sehr vornehmen Geschlecht; er war mittelgro�, von sch�ner Gestalt und besa� wohlgestaltete Glieder; sein helles Angesicht war von r�tlicher Farbe, sein Haar fast blond und gekr�uselt; sein Antlitz war heiter, und immer schien er l�cheln zu wollen; seine Z�hne waren wei�, seine H�nde sehr sch�n, sein Mund anmutig.�

Seine leibliche Gestalt ist wohl gebaut, von Statur ist er kleiner als die Gr��ten und gr��er als die Mittelgro�en, sein Haar ist blond und oben an der Stirn etwas gekr�uselt, die Ohren werden kaum durch dar�ber fallende Haare verdeckt, da der Barbier aus R�cksicht auf die W�rde des Reichs das Haupthaar und den Backenbart durch dauerndes Nachschneiden k�rzt. Seine Augen sind scharf und durchdringend, die Nase ist sch�n, der Bart r�tlich, die Lippen sind schmal und heiter. Die in sch�ner Ordnung stehende Reihe der Z�hne zeigt schneeige Wei�e. An der Kehle und am nicht fetten, aber ziemlich kr�ftigen Hals ist die Haut milchigwei� und manchmal von jugendlicher R�te �bergossen; diese F�rbung aber ruft meist nicht der Zorn hervor, sondern das Schamgef�hl. Die Schenkel ruhen auf starken Waden, sind ansehnlich und durchaus m�nnlich. Sein Gang ist fest und gleichm��ig, seine Stimme hell und die ganze K�rperhaltung m�nnlich. Durch diese Leibesgestalt gewinnt er sowohl im Stehen wie im Sitzen h�chste W�rde und Autorit�t. Seine Gesundheit ist gut, nur mitunter durch eint�giges Fieber getr�bt.�

Doch von besonderem Interesse ist nat�rlich der Charakter, das Naturell des legend�ren Barbarossas. Hiervon k�nden uns die genannten Gelehrten, auch wenn es ab und an den Anschein haben mag, da� diese sich teilweise an antiken und karolingerzeitlichen Vorlagen orientieren:

Er war ... �u�erst kriegerisch, z�gernd im Zorn, k�hn und unerschrocken, geschwind und beredt; freigiebig, aber nicht verschwenderisch, behutsam und vorausschauend im Rat, von schneller Auffassungsgabe und sehr weise; gegen�ber Freunden und Guten liebensw�rdig und g�tig, schrecklich gegen�ber B�sen und unerbittlich; er verehrte die Gerechtigkeit und liebte die Gesetze, f�rchtete Gott und war bereit zu Almosen; vom Gl�ck �u�erst beg�nstigt, von fast allen geliebt, und in ihm irrte die Natur der Dinge nicht von ihrem Wesen ab, au�er da� sie ihn sterblichgeschaffen hatte, und seit weit zur�ckliegenden Zeiten war ihm kein Kaiser zu vergleichen.�

Der g�ttliche Kaiser Friedrich zeichnet sich, wie ein Schriftsteller von Theoderich sagt, durch seinen Charakter wie durch sein u�eres aus, da� er wert ist, auch von denen gekannt zu werden, die ihn nur selten im vertrauten Umgang zu sehen bekommen; ... Sein Charakter ist derart; da� dessen Lob nichts, nicht einmal der Neid auf seine Herrscherstellung beeintr�chtigen kann. ... Er liebt Kriege, aber nur, um dadurch den Frieden zu gewinnen, er ist pers�nlich tapfer, im Rat au�erordentlich �berlegen, Bittenden gegen�ber nachgiebig und mild gegen die zu Gnaden Angenommenen.�

 

 

Rahewin gibt uns des Weiteren dar�ber hinaus deutliche Hinweise �ber den Tagesablauf Barbarossas, indem er zwar wieder in recht einseitiger Verherrlichung, aber doch detailreichen, lebensnahen Schilderungen ein plastisches Bild des staufischen Monarchen vermitteln kann:

 

ber seine allt�gliche T�tigkeit au�erhalb des Hauses ist folgendes zu sagen: Er besucht entweder allein oder mit ganz geringem Gefolge in aller Fr�he das gemeinsame Gebet in den Basiliken oder seiner Priester ... Dem Gottesdienst erweist er so gro�e Verehrung, da� er jede Stunde, da man vor Gott selbst betet, durch angemessenes Schweigen ehrt und da� w�hrenddessen niemand wagt, ihn mit irgendeinem Gesch�ft zu behelligen. Wenn er nach Beendigungder Andacht und der Masse mit den g�ttlichen Reliquien gesegnet worden ist, widmet er den �brigen Morgen den Regierungsgesch�ften. Wenn er die Jagd aus�bt, steht er keinem darin nach, Rosse, Hunde, Falken und �hnliche V�gel abzurichten, zu pr�fen und anzuwenden. Auf der Pirsch spannt er selbst den Bogen, ... Bestimme, was er treffen soll; Was du bestimmst, trifft er. Beim Gastmahl herrscht folgender Brauch: K�nigliche F�lle, doch so, da� sich weder die M��igkeit �ber V�llerei noch der Hunger �ber Knausrigkeit beklagen kann. Beim Spielen legt er den k�niglichen Ernst ein wenig ab, und sein Temperament ist so, da� seine Herablassung nicht bedrohlich, seine Strenge nicht blutgierig ist. Seinen Hausgenossen droht er nicht, wenn er sie anredet, noch verachtet er ihren Rat, noch zeigt er sich bei der Aufsp�rung von Verbrechen verfolgungss�chtig. Die Schriften und Taten der alten K�nige durchforscht er eifrig. Almosen im Dienst der Armen verteilt er meist eigenh�ndig, ein Zehntel seiner Einnahmen spendet er gl�ubig Kirchen und Kl�stern. In seiner Muttersprache ist er sehr redegewandt, lateinisch aber kann er besser verstehen als sprechen. Er kleidet sich nach heimischer Weise, nicht verschwenderisch oder herausfordernd, aber auch nicht gew�hnlich, ... Obwohl er in der Erweiterung des Reiches und der Unterwerfung von V�lkern so Gro�es leistet und sich st�ndig den erw�hnten Besch�ftigungen widmet, hat er doch an verschiedenen Orten zahlreiche zur Versch�nerung und zum Vorteil des Reiches dienende Bauten begonnen, einige auch vollendet und den gr��ten Teil seiner F�rsorge der Best�tigung seiner Fr�mmigkeit gewidmet.�

Solcherart staufischer Hofhistoriographie steht gegen�ber, da� Friedrich der I. im Laufe seiner Regierungszeit durchaus Entscheidungen getroffen hat, denen strenge, teilweise grausame Ziele zugrunde lagen. So kennzeichnet etwa das �beraus harte Vorgehen gegen die aufst�ndischen Reichsuntertanen in den italienischen St�dtek�mpfen Barbarossa klar als Mann seiner Zeit und als Herrscher, der gezwungen war, mit der gleichen Rigorosit�t wie seine Widersacher aufzutreten.

Wie jedoch geriet der Spro� der in ihrer Bedeutsamkeit noch sehr jungen Stauferfamilie und erkl�rte Welfenfreund Friedrich zuerst zum K�nigsthron und dann zur Kaiserw�rde.

Friedrich der I. (1123-1190) war R�mischer K�nig und Kaiser (1152 bzw. 1155-1190), und als Friedrich III. Herzog von Schwaben (1147-1152). Friedrich wurde wahrscheinlich in Waiblingen als Sohn des staufischen Herzogs Friedrich II. von Schwaben und der Welfin Judith geboren. Sein Onkel, K�nig Konrad III., gab Friedrich den Vorzug vor dem eigenen, noch minderj�hrigen Sohn und designierte ihn zum Nachfolger. Nach Konrads Tod 1152 w�hlten die F�rsten einstimmig Friedrich zum K�nig. Friedrich sah das K�nig- bzw. Kaisertum als unmittelbare Gabe Gottes an sowie als Verpflichtung, Macht und Ansehen des Reiches wieder herzustellen und die Stellung des Kaisers im Reich zu festigen. Friedrich gelang es, die von den F�rsten auf Grund seiner staufisch-welfischen Herkunft in ihn gesetzten Hoffnungen auf eine Beendigung des Konflikts zwischen Staufern und Welfen, der seit der K�nigswahl Lothars II. 1125 andauerte, zu erf�llen.

Noch im Jahr seiner Wahl verk�ndete er auf dem W�rzburger Reichstag einen Landfrieden und erreichte einen ersten Ausgleich zwischen dem Welfen Heinrich dem L�wen, dem Herzog von Sachsen, und dem Markgrafen von Brandenburg Albrecht dem B�r. 1154 legte er den staufisch-welfischen Konflikt vorl�ufig bei, indem er Heinrich dem L�wen zus�tzlich zum Herzogtum Sachsen noch das Herzogtum Bayern verlieh. Die daraus entstandene welfisch-babenbergische Auseinandersetzung um Bayern l�ste er 1156 durch das Privilegium minus, indem die Babenberger auf ihre Anspr�che auf Bayern verzichteten; im Gegenzug wurde ihre Markgrafschaft �sterreich zum Herzogtum erhoben und mit Privilegien ausgestattet.

Zweites wichtiges Ziel Friedrichs neben der Wiederherstellung des Friedens und der St�rkung der K�nigsmacht in Deutschland war die Durchsetzung des Kaisertums in Reichsitalien. 1153 einigte er sich mit Papst Eugen III. im Konstanzer Vertrag auf eine gemeinsame Politik gegen Byzantiner und Normannen in Italien. 1154 unternahm Friedrich seinen ersten Italienzug, und 1155 kr�nte ihn Eugens Nachfolger, Papst HadrianIV., zum Kaiser. Wenig sp�ter kam es zu Bruch mit dem Papsttum. Papst Hadrian gab dem Kaiser zu verstehen, da� das Reich ein Lehen der r�mischen Kirche sei; auf dem Reichstag zu Besancon 1157 aber weigerte sich Friedrich, das Reich als p�pstliches Lehen anzuerkennen, und verteidigte die Gleichrangigkeit von Kaiser und Papst. Als Manifestation dieser Gleichrangigkeit tauchte jetzt auch erstmals der Begriff �Sacrum Imperium�, �Heiliges Reich�, auf. Der Papst suchte daraufhin Unterst�tzung bei den Normannen.

1158 zog sich Friedrich auch noch die Gegnerschaft der lombardischen St�dte zu, als er mit Hilfe der Ronkalischen Beschl�sse, die angeblich auf alte kaiserliche Rechte anerkennen, einschlie�lich des Rechtes auf Ernennung der kaiserlichen Amtstr�ger, der Podestas. Gegen diese Beschneidung ihrer Autonomie setzten sich St�dte wie Mailand, Piacenza, Brescia und Cremona zur Wehr; unterst�tzt wurden sie vom Papsttum. Zwischen 1158 und 1168 unternahm Friedrich drei Italienz�ge (1158, 1163, 1166-1168), nicht nur gegen die lombardischen St�dte, sondern auch, um das Schisma zwischen Papst Alexander III., einem Gegner Friedrichs, und verschiedenen von Friedrich eingesetzten Gegenp�psten zu beenden. 1158 eroberte Friedrich Mailand, unterwarf die Stadt und ihre Verb�ndeten, lie� die Stadt 1162 nach einem Aufstand v�llig zerst�ren und setzte seine kaiserliche Oberhoheit durch. 1166/67 eroberte Friedrich ganz Norditalien und Rom; aber eine pl�tzlich in seinem Heer ausbrechende Malariaseuche zwang ihn unter gro�en Verlusten zum �berst�rzten R�ckzug, noch bevor er seine Oberhoheit in Italien vollst�ndig wieder hatte herstellen k�nnen.

Auf Grund von Friedrichs R�ckschlag schlossen sich 1167 die oberitalienischen St�dte Mailand, Parma, Padua, Verona, Piacenza, Bologna, Cremona, Mantua, Bergamo und Brescia zum Lombardenbund zusammen; der Bund nahm Partei f�r Papst Alexander und gegen Friedrich I. und die Ronkalischen Beschl�sse. In den folgenden Jahren baute der Bund seine milit�rische St�rke aus, hob Mailand wieder aus den Ruinen, errichtete die Festungsstadt Alexandria und gab sich ein f�rderalistisches Verwaltungssystem. Friedrichs n�chster Zug nach Italien (1174-1176) begann mit Erfolgen und endete mit der Niederlage bei Legnano gegen den Lombardenbund. Das Aufeinandertreffen der beiden Heere, des kaiserlichen und des Lombardischen, war in milit�rhistorischer Hinsicht bedeutsam, da zum ersten Mal in einer gro�en Schlacht Fu�truppen �ber ein Ritterheer triumphierten. Zwar nicht entscheidend geschlagen, war Friedrich jetzt aber doch zu Verhandlungen bereit und schlo� 1177 mit Papst Alexander III. in Venedig einen Sonderfrieden. 1183 kam es schlie�lich im Frieden von Konstanz auch zu einer Einigung mit dem Lombardenbund. Friedrich mu�te die Ronkalischen Beschl�sse zur�cknehmen, die St�dte verblieben jedoch formell im Lehensverband des Reiches.

In Italien war Friedrichs Kaisertum seit Legnano entscheidend geschw�cht; im Norden dagegen hatte Friedrich seine Macht konsolidieren k�nnen. Er brachte Polen unter die Lehenshoheit des Reiches und erhob B�hmen zu einem K�nigreich. Er baute zielstrebig die staufische Hausmacht aus und suchte die K�nigsmacht u.a. durch St�dtegr�ndungen zu festigen. In der Verwaltung st�tzte er sich in erster Linie auf die Ministeralien. Au�erdem lie� er sich 1178 zum K�nig von Burgund kr�nen, nachdem er bereits 1156 Beatrix, die Erbin der Pfalzgemeinschaft Burgund, geheiratet hatte (siehe Abbildung rechts).

1178 bis 1181 enthob er Heinrich den L�wen, der ihm zu m�chtig geworden war, ihm au�erdem auf dem Italienzug von 1176 die Unterst�tzung verweigert und damit zu seiner Niederlage von Legnano beigetragen hatte, in zwei lehnsrechtlichen Prozessen all seiner Lehen und beschr�nkte ihn auf sein braunschweigisches Hausgut.

1184 lie� Friedrich seinen Sohn als Heinrich VI. zum K�nig w�hlen, machte ihn zum Mitregenten und verheiratete ihn mit Konstanze, der Erbin von Sizilien. 1189 brach Friedrich zum Kreuzzug nach Kleinasien auf. Nach zwei gro�en Siegen �ber die Muslime bei Philomelion (heute Aksehir) und Ikonion (heute Konya) ertrank Friedrich am 10. Juni 1190 beim Baden im Flu� Saleph (heute G�ksu in der T�rkei). Friedrich I. war neben Karl dem Gro�en der volkst�mlichste Kaiser des deutschen Mittelalters; bereits seine Zeitgenossen sahen in ihm den Erneuerer des Reiches und die Verk�rperung der ritterlichen Ideale.

Viele Legenden ranken sich um den Kaiser Barbarossa. Sein ungleich langer Bart diente als Vorbild f�r die �Roten Spitzen� des Bergklosters in Altenburg. Irgendwo im Gem�uer des Klosters sei der goldene Panzer des Kaisers vergraben. Dies sind zwei Altenburger Sagen um den legendenumwobenen Kaiser mit dem roten Bart.

Vermutlich 1122 wird Friedrich I. Barbarossa als Sohn des 2. Herzogs von Schwaben, Friedrich II., mit dem Beinamen �Einaug�, und dessen Gemahlin Judith von Bayern, geboren. �ber die Kindheit und Jugend ist wenig bekannt. Bereits als junger Mann nahm er an Kreuzz�gen seines Onkels K�nig Konrad III. teil. Drei Wochen nach dem Tod K�nig Konrads III. wurde Barbarossa zum deutschen K�nig gekr�nt. Mit ihm besteigt nach Konrad II. der zweite Herrscher aus dem Hause Hohenstaufen den deutschen K�nigsthron. Am 18.06.1155 wird der deutsche K�nig Friedrich I. Barbarossa von Papst Hadrian zum Kaiser gekr�nt.

Im Jahre 1165 ist ehmals der Aufenthalt Friedrichs I. Barbarossa in Altenburg auf der hiesigen Kaiserpfalz belegbar. Am 26.02.1165 urkundet der Kaiser in der Altenburger Pfalz. Der Aufenthalt kann nicht von langer Dauer gewesen sein, denn bereits am 18. M�rz 1165 ist seine Anwesenheit in Zeitz bezeugt. Der zweite Aufenthalt Kaiser <Friedrich I. Barbarossas in Altenstadtf�llt auf den 21.07.1172.

Die Entwicklung Kaiserslauterns zur Stadt wurde durch den Staufer Friedrich I. entscheidend gef�rdert.

Die Menschen im damaligen deutsch-r�mischen Reich wollten die Kunde vom Tode Friedrich II. jedoch nicht glauben. Es wurde die Legende geboren, Friedrich II. sei gar nicht gestorben, sondern lebe in geheimnisvoller Weise weiter, werde dereinst wiederkehren und das Reich in neuer Gr��e aufrichten. So entstand im 13. Jahrhundert die Sage vom wiederkehrenden Kaiser, die die Sehnsucht und Hoffnung des Volkes nach einem friedlichen, geeinten deutschen Reich, nach sozialer Gerechtigkeit und einer starken Zentralgewalt widerspiegelt.

Die Kyffh�usersage

Die Kyffh�usersage � die Sage um den in den Berg entr�ckten Kaiser, der eines Tages wieder aufwachen und die alte Kaiserherrlichkeit wieder herstellen wird � war urspr�nglich um Kaiser Friedrich II. entstanden und wurde zu Beginn des 16. Jahrhunderts im Volksbuch von Friedrich Barbarossa auf Friedrich I. �bertragen.

Der alte Kaiser Friedrich I. Barbarossa ist durch einen geheimnisvollen Zauber in ein unterirdisches Schlo� des Kyffh�userberges versetzt worden. Dort sitzt er schlafend auf einem Stuhl von Elfenbein an einem gro�en, runden Tisch aus Marmorstein, den Kopf in die H�nde gest�tzt. Sein roter Bart leuchtet wie Feuersglut und ist durch den Tisch hindurch bis auf die F��e, ja sogar fast um den ganzen Tisch gewachsen.

Alle hundert Jahre erwacht der Kaiser aus seinem tiefen Schlaf, bewegt sein Haupt und blinzelt mit den Augen. So winkt er dem treuen Zwerg Alberich zu, bittet ihn hinaufzugehen und nachzuschauen, ob die Raben noch um den Berg fliegen und kr�chzen. Ist dies der Fall, wird der Kaiser traurig und murmelt in seinen Bart, da� er noch hundert Jahre w�rde warten m�ssen, um zur Welt zur�ckzukehren, um Frieden und Einheit zu stiften. So schlie�t er seufzend die Augen und schl�ft abermals hundert Jahre. Erst wenn der Bart ganz um den runden Marmortisch gewachsen ist, wird das Warten ein Ende haben, wird sich ein stolzer Adler in die L�fte emporschwingen und die Raben vertreiben. Dann erwacht der Kaiser mit seinen gleichfalls verzauberten Getreuen, steigt zur Welt in seine Kaiserpfalz hinauf und wird allenthalben Ordnung schaffen.

Um ihn zu ehren, wurde die Sage vom Kyffh�user von Friedrich R�ckert sogar in einem Gedicht gefa�t:

Der alte Barbarossa....


Der alte Barbarossa, der Kaiser Friederich,
im unterird´schen Schlosse, hält er verzaubert sich.

Er ist niemals gestorben, er lebt darin noch jetzt;
Er hat, im Schlo� verborgen, zum Schlaf sich hingesetzt.

Er hat hinabgenommen, des Reiches Herrlichkeit.
Und wird einst wiederkommen, mit ihr zu seiner Zeit.

Der Stuhl ist elfenbeinern, darauf der Kaiser sitzt;
Der Tisch ist marmelsteinern, worauf sein Haupt er st�tzt.

Sein Bart ist nicht von Flachse, er ist von Feuersglut.
Ist durch den Tisch gewachsen, worauf sein Kinn ausruht.

Er nickt als wie im Tr�ume, sein Aug� halb offen zwinkt,
und je nach langem Raume, er einem Knaben winkt.

Er spricht im Schlaf zum Knaben: �Geh hin vors Schlo�, oh Zwerg,
und sieh, ob noch die Raben, herfliegen um den Berg!

Und wenn die alten Raben, noch fliegen immerdar.
So mu� ich auch noch schlafen, verzaubert hundert Jahr.�

 

Friedrich R�ckert

Nach der Reichsgr�ndung 1871 wurde von 1890 bis 1896 auf den Ruinen der alten Reichsburg Kyffhausen auf dem Kyffh�userburgberg ein 81 Meter hohes Denkmal errichtet. Der Entwurf stammte von dem Architekten Bruno Schmitz.

Die Sage vom Rotenbach und Freigericht

In einer anderen Sage um Barbarossa wird uns berichtet, durch welche Umst�nde es zu unserem �Freigericht� kam.

Kaiser Barbarossa weilte einst auf seiner Kaiserpfalz in Gelnhausen. Zu dieser Zeit war ihm der Erzbischof von Mainz mit seinen Anh�ngern nicht wohl gesinnt und trotzte seinen Befehlen. Deshalb zog der Kaiser bald mit seinen Mannen �ber den Westteil der Birkenhainer Stra�e in Richtung auf Mainz, um den Erzbischof zum Gehorsam zu zwingen. Als die Reiter in den gro�en Waldungen der Bulau an ein B�chlein kamen, stiegen sie ab und lagerten sich zur Mahlzeit im Grase, um sich und ihren Rossen Ruhe und Erholung zu g�nnen.

Da erschallen pl�tzlich wilde Rufe aus allen Richtungen des Waldes. Die Anh�nger des Erzbischofs unter F�hrung der Ritter von der Rannenburg im Kahlgrunde hatten sich in gro�er Zahl versammelt, um den Kaiser und seine Getreuen hier im einsamenWalde zu �berfallen und zu vernichten. Ein furchtbarer Kampf brach los, und der kleinen Schar des Kaisers drohte schon die Niederlage.

Da n�herten sich abermalsdurch den Wald schreiende M�nner. Es war eine gro�e Schar Bauern aus dem Gerichte Somborn und dem Kahlgrunde, mit Dreschflegeln, Sensen und Heugabeln bewaffnet. Sie hatten von dem Mordplane Kunde erhalten und eilten nun ihrem geliebten Kaiser zu Hilfe. Mutig hieben, m�hten und stachen sieauf die Feinde des Kaisers los, bis alle vernichtet waren.

Von dem Blute der Erschlagenen f�rbte sich das B�chlein am Kampfplatze so rot, da� es seitdem der Rotenbach genannt wird. Den Bauern der Ortschaften um Alzenau und Somborn aber gab der Kaiser zu Danke f�r ihre Treue viele Freiheiten, weshalb ihre Gegend heute noch Freigericht hei�t. Sie mu�ten nur noch allj�hrlich dem Kaiser ein Fuder Heu auf seine Burg Gelnhausen bringen. Oben darauf sollte stets ein lebender Hahn sitzen als Zeichen ihrer Wachsamkeit, die dem Kaiser das Leben gerettet hatte.

 

Abbildung links: Die Kaiserpfalz in Gelnhausen.

Eine weitere Geschichte um die Entstehung des Freigerichts

Einer anderen Lesart nach, soll der �berfall im Jahre 1184 stattgefunden haben, als n�mlich Barbarossa vom gro�en Reichsfest, der Kr�nungsfeier seines Sohnes Heinrich, aus der Stadt Mainz �ber Frankfurt in seine Kaiserpfalz nach Gelnhausen zur�ckkehrte. Sicherlich war aber das Gefolge des Kaisers nach diesem Feste so gro�, da� ein �berfall durch Friedensst�rer nicht m�glich gewesen sein kann.

Auch die in der Sage genannten Ritter von Rannenburg konnten nicht dabei gewesen sein; denn sie lebten erst im 13.Jahrhundert.

Und so lautet nun die Geschichte:

Kaiser Friedrich hatte vor der Schlacht bei Legnano 1176 Heinrich den L�wen fu�f�llig um Hilfe gebeten, aber vergebens. Friedrich ward geschlagen, nahm aber nach seiner R�ckkehr nach Deutschland dadurch Rache an Herzog Heinrich, da� er ihn auf dem Reichstage zu Gelnhausen bzw. W�rzburg seiner Herzogt�mer Bayern und Sachsen verlustig erkl�rte. Bayern erhielt Otto von Wittelsbach 1180.

Bevor Barbarossa seinen Kreutzzug antrat, feierte er im Jahre 1184 zu Mainz seinem Sohne und Nachfolger Heinrich IV. ein herrliches Kr�nungsfest. Von da an f�hrte der Weg �ber Frankfurt, Hanau an Rodenbach vor�ber nach Gelnhausen.

Vikar Peter Kihn, der 1862 starb, verfasste ein Sagen-Gedicht um den Kaiser Rotbart. Dr. Karl Kihn schrieb es 1886 in seinem �F�hrer durch Freigericht� nieder.

Gebrochen war des Welfen Macht,
bestraft von Friedrich das Verbrechen,
des Herzogs Heinrich, der�s gewagt,
des Kaisers Bitte Hohn zu sprechen.

Doch eh�er zieht ins heil�ge Land,
will Barbarossa seinem Sohne,
den er zum Erben sich ernannt,
erwerben Deutschlands Kaiserkrone.

Die hohe Feier war am Rhein,
auf Mainz str�mt hin die frohe Menge.
Und Ritter, F�rsten zogen ein,
im Waffenglanz und Festgepr�nge.

Zwar fehlten an der W�hlerzahl
Des L�wen Freunde, und aus Hessen
Auch Robert, Grafim Kinzigtal,
wo er die Ronnenburg besessen.

Doch stimmten f�r des Kaisers Sohn
Die F�rsten, die zugegen waren
Und es bestieg des Vaters Trohn,
nun Heinrich in der Bl�te Jahren.

Darauf beschloss das F�rstenpaar
sich nach Gelnhausen zu begeben,
wo Barbarossa�s Feste war,
hier pfleg�im Frieden er zu leben.

Zw�lf Ritter gaben das Geleit
Den hohen G�sten nach dem Schlosse,
und da des Weges Ziel so weit,
so trabten rastlos ihre Rosse.

Die Sonne sank, die Nacht trat ein,
rings herrschte schauerliches Dunkel,
und nur des Mondes leiser Schein
erwacht in d�st�rem Sterngefunkel.

Jetzt f�hrt in einem Tannenwald
Der grause Weg die edlen Ritter,
nicht f�rchtend einen Hinterhalt,
nicht ahnend schweres Ungewitter.

Drei Stunden � und des Schlosses Wall
Umfing sie, da ert�nt zum Schrecken
Laut Hufschlag und H�rnerschall!
Und sieh! Ein Tro� vermummter Recken.

Doch Barbarossa fa�te Mut:
�Gegr��et seid mir teure Freunde.�
Da aber schrie�n vor Racheglut
Mit Hohngel�chter seine Feinde:

�Jetzt stirb, du r�uberisches Chor,
das unsern Herzog hat vertrieben�
Nicht sind wir Freunde wie zuvor,
auf! La�t uns strenge Rache �ben!�

Wie wenn des Waldbachs wilde Flut
Sich sch�umend st�rzt in gr�ne Saaten,
so drohte nun der Feinde Wut
sich an dem Kaiser zu entladen.

Und sieh! Der Ritter einer sinkt,
von spitzer Lanze schwer getroffen,
von Feindes �bermacht umringt
war keine Rettung mehr zu hoffen.

Doch wie der Blitz die finst�re Nacht
Durchzuckt, da� zeitig noch die Blicke
Den Abgrund schauen: so erwacht
Ein Rettungsstern zu Friedrichs Gl�cke.

�Es lebe Barbarossas Haus!
Mit Robert und Genossen nieder!�
So rief mit m�cht�ger Stimme aus
Ein H�uflein Bauern treu und bieder.

Mit Sensen, �xten in der Hand
Begannen sie den Feind zu morden,
zu retten Kaiser, Vaterland
aus frechen H�nden wilder Horden.

Und abgeschnitten von der Flucht
Sah jetzt der Feind nur Tod, Verderben,
ja alle, die den Mord versucht,
sie mu�ten selbst nun schm�hlich sterben.

Von Gott so wunderbar bewahrt,
verstummt der Kaiser, eine Tr�ne
entgleitet auf den roten Bart,
der wallte auf des Rosses M�hne.

Ger�hrten Herzens hebt er d�rauf
Die H�nde zum gesternten Himmel,
und sendet Dank dem Herrn hinauf,
der ihn erhielt im Mordget�mmel.

Dann wandte sich der gold�ne Aar
Zu seinen Rettern tief beklommen:
�Nun Dank auch dir, du tapf�re Schar!
Doch sagt, wie seid ihr hergekommen?�

Der Wack�ren also einer spricht:
�Verehrter Kaiser, ich will�s sagen,
ein Knappe hielt�s f�r seine Pflicht
des Grafen Frevel anzuklagen.

Genau bestimmt ward Ort und Zeit,
wo jener Rache wollte �ben,
da einten wir uns rasch zum Streit,
von Pflicht und Liebe angetrieben.�

�Ihr wack�ren M�nner, Heldenblut,
euch dank�ich Krone, Reich und Leben,
drum will ich eu�ren Edelmut,
was ich vermag zum Lohne geben.

Ihr habt gek�mpft f�rs ganze Land,
habt wohl den sch�nsten Sieg errungen,
drum l�s�ich euch des Dienstes Band
der Freiheit Stund ist euch erklungen.

So lang�das deutsche Reich besteht,
sollt frei ihr sein mit euren Gauen,
das Feld, von jeder Fr�cht bes�t,
sollt ungeschm�lert ihr bebauen.

Ein wei�er Hahn, ein Wagen Heu,
das sei die Steuer eurer Habe,
als Zeichen, wie ihr wachtet treu,
bestimm�ich diese kleine Gabe.

Der �ber jenen Sternen thront,
der Herrscher �ber alle Welten,
sei Zeuge, wie ich euch belohnt,
er wird es besser einst vergelten.�

Der Kaiser sprach�s und eilte dann,
die Burg der Gela zu erreichen.
Und j�hrlich kamen hundert Mann,
und brachten jene Ehrenzeichen.

Die wahre Geschichte:

Kaiser Friedrich I. stammt aus der Familie der Staufer (oder Hohenstaufer) und war einer der m�chtigsten und einflu�reichsten Herrscher im damaligen deutschen Reich, dem �Heiligen r�mischen Reich deutscher Nation.�

Hohenstaufen ist der Name eines deutschen Adelsgeschlechtes, das von 1138 bis 1254 den deutschen Kaiserthron besa�. Der Name leitet sich von dem 682 m hohen Berg Hohenstaufen im w�rttembergischen Donaukreis, nahe G�ppingen ab. Auf diesem Berg erbaute Friedrich von B�ren, der erste beglaubigte Ahnherr dieses Geschlechts, eine Burg, die (sp�tere) Stammburg des Kaiserhauses der Hohenstaufen.

Machen wir uns bekannt mit dem Geschlecht der Hohenstaufen und werfen wir einen Blick in ihre Ahnengalerie:

Friedrich von B�ren, * um 970 + vor 1027,

Friedrich von B�ren, * um 1000 + vor 1030,

Friedrich Graf von B�ren, * um 1000, + vor 1054,

Sohn Friedrich I. � Herzog von Schwaben (der alte Staufer) * vor 1089, + um 1147
& Agnes, * um 1071, + um 1105

Sohn Friedrich II. � Herzog von Schwaben, * vor 1089, + 1147,(genannt: Der Ein�ugige)
& Judith Welfen, * um 1110, + um 1147

Sohn Konrad II. � Herzog von Franken, 1138 Kr�nung zum K�nig����

Sohn Friedrich III., der als Friedrich I. Barbarossa in die Geschichte einging. * nach 1122, + 10.06.1190,

& Adelheid v. Vohburg * um 1125, + um 1180

Zweiter K�nig und erster Kaiser aus dem Hause der Hohenstaufen

1152 Kr�nung zum K�nig (nach dem Tode seines Onkels Konrad III.),

nach seiner Kr�nung bat er den Papst um Annullierung (1152)

1155 Kr�nung zum Kaiser in Rom

����������� & Beatrix von Burgund, * um 1125, + etwa 1180

Sohn Heinrich VI. * um 1165, + um 1197
& Konstanze von Sizilien * um 1154, + um 1198

1169 Kr�nung zum deutschen K�nig
1186 Kr�nung zum r�mischen K�nig
1191 Kr�nung zum Kaiser

Sohn Friedrich II. * 26.12.1194, + 13.12.1250
& Kostanze von Aragon (Spanien), * um 1184, + 23.06.1222

1196 Kr�nung zum deutschen K�nig
1198 Kr�nung zum K�nig von Sizilien
1220 Kr�nung zum Kaiser

Heinrich VII. Staufer, * um 1200, + um 1235
& Isabella von Brienne, * etwa 1212, + 31.04.1228

Konrad IV. Staufer, * 25.04.1228, + um 1254
& Konradin Staufer, * um 1252, + 29.10.1268

Bruder von Barbarossa:

Philipp von Schaben Staufer, * um 1125, + etwa 1180.

Friedrich I. hatte die hohe Idee vom Kaisertum, die er durch seine Regierung zu verwirklichen strebte. Seine Bem�hungen um eine starke Zentralgewalt im fr�hen deutschen Reich bedeutete einen st�ndigen Kampf gegen die F�rsten.

In jener Zeit errichtete man verst�rkt Burgen und Pfalzen, die dem Kaiser als St�tzpunkt im Kampf gegen die nach Unabh�ngigkeit strebenden F�rsten dienten. Diesbez�glich wurde die g�nstige Lage des Kyffh�usergebirges fr�hzeitig erkannt. So entstand bereits in der 1. H�lfte des 10. Jahrhunderts am Fu�e des Kyffh�users die Pfalz Tilleda. Pfalzen bildeten im Mittelalter die wirtschaftliche und politische Grundlage der zentralen K�nigsmacht. Auf dem nord�stlichen, leicht zu verteidigenden Bergsporn des Kyffh�users wurde eigens f�r die Pfalz Tilleda eine Schutz- und Fluchtburg (sp�ter Reichsburg Kyffhausen genannt) errichtet. �berlieferungen �ber diese Burg setzten erst 1118 ein, und zwar mit ihrer Zerst�rung. Ihr Wiederaufbau begann in der Mitte des 12. Jahrhunderts in der Regierungszeit Friedrichs I. Barbarossa. Es erfolgte der vollst�ndige Ausbau der dreiteiligen gewaltigen Burganlage (608 x 60 m) zur damals gr��ten und st�rksten mittelalterlichen Burg Deutschlands. Man nimmt an, da� Barbarossa in der m�chtigen Reichsburg Kyffhausen verweilte. Dagegen ist sein Aufenthalt in der Pfalz Tilleda im Jahre 1174 urkundlich nachgewiesen.

Kaiser Friedrich II., der Enkel Barbarossas, lebte von 1194 bis 1250. Der 1220 in Rom gekr�nte Kaiser hielt sich haupts�chlich in Italien auf. Das f�hrte zur Festigung der Macht der F�rsten. Mit seinem Tode im Jahre 1250 brach das staufische Reich endg�ltig zusammen, und die Reichsgewalt verlor ihren Einflu�. Die feudale Zersplitterung begann und damit die St�rkung der Territorialgewalten.

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Teil 18

Das Zehntwesen in Albstadt

Der Zehnt (der zehnte Teil), ist eine Abgabe (Steuer), die schon im Altertum bei den Griechen, Römern und Ägyptern bekannt war. In der frühchristlichen Zeit stand der zehnte Teil der Ernte der Kirche zu, die ihn für die Armen, die Kirchendiener und die Kirche verwandte. Diese Abgabe, die bis zur Zeit Karls des Großen freiwillig war, wurde im 9. Jahrhundert als verpflichtend vorgeschrieben. Beim Zehnt unterschied man den Groß- und den Kleinzehnt. Bei beiden handelt es sich um Abgaben an den Grundherrn. Zum Großzehnt zählen Wein und Getreide, zum Kleinzehnt zählen Obst, Heu, Hanf, Flachs, Rüben, Kraut, Bohnen und Hirse.

Wer waren nun Albstadts Zehntherren?
Als erste Zehntberechtigte werden die Ritter Schick von Albstadt genannt. Sie erschienen 1244 in der Urkunde mit der ersten urkundlichen Erwähnung Albstadts zum ersten Mal und im Jahre 1450 lesen wir in einem Hanauer Urkundenbuch letztmals von einem Henne Schick, der in Diensten der Stadt Frankfurt stand.
Im 14.Jahrhundert besaßen die Adeligen von Holen Lehensgüter vom Kloster Seligenstadt und waren hier zehntberechtigt, sowohl in Albstadt wie auch in Maisenhausen, einem Hofgut zwischen Albstadt und Michelbach..

1333 erfahren wir bei Reimer, daß Hanau dem Märker Friedrich von Hutten den Zehnten übertrug. Die von Hutten besaßen das sogenannte "Steinerne Haus", das wohl südlich der heutigen Kirche seinen Platz gehabt haben dürfte. Auch der große Schafhof war im Besitz derer von Hutten, mit dem die Haltung von 400 Schafen und der Einzug des großen und kleinen Zehnten am Hof Trages und in Albstadt gekoppelt war.

Das Mainzer Jurisdictionalbuch berichtet, daß im 16. Jahrhundert sich die Hutten die Hälfte der Zehnterträge mit den Reiffenbergern teilten, während die restliche Hälfte des Zehnten dem Stift Aschaffenburg zustand.

Im Verzeichnis der Gilten und Zehnten in der Gemeinde Albstadt von 1513 bis 1831 finden wir 1710 als "Condecimatores" (Mitinhaber des Zehnten) zur Hälfte die Stiftsherren von Aschaffenburg (Frucht- und Heuzehnt), von Ingelheim, von Reiffenberg und von Hutten nahmen die andere Hälfte ein. Die beiden letztgenannten Adligen teilten sich auch den Weinzehnt und den kleinen Zehnt in Albstadt.

Den großen und kleinen Zehnten zu Albstadt und Trages erhalten 1736 die "von Ingelheim" als Nachfolger der Echter von Mespelbrunn in Gemeinschaft mit der von Dalberg Albstadt. Ferner die Schäferei zu Albstadt mit 400 Stück.

Der von Dalber´sche Hof zu Albstadt war ehemals dem Kloster Schlüchtern gehörig, das der Abt Hartmann von Schlüchtern 1744 von Konrad und Frone von Hutten kaufte.

1742 stand, wie aus den Archivalien im Würzburger Staatsarchiv hervorgeht, "8/16 Theil" dem Aschaffenburger St. Peter- und Alexander-Stift zu, die Grafen von Ingelheim bezogen "5/16 Theil" und die von Dalberg "3/16 Theil". Das "Gemeinschaftliche Freigerichter Amtsprotokoll" hält fest, daß sich die Gemeinde Albstadt 1742 weigerte, den Zehnten abzutreten.

Wörtlich heißt es dort:
......nachdermahlen aber die Vorenthaltung sothanen Zehnten bißhero aus keiner anderen Ursach geschehen als weillen der freyherrlich von Dalberg und der hl. (= hochlöblich) Graf von Ingelheim wie weniger nicht die hl. Stiftsvikary zu Aschaffenburg vor Erhebung deren Albstädter Zehnten patroni ihrer Fillial Capelle wären, solche auch dergestalten verfallen ließen, daß der Priester vor dem Altar nicht mehr trocken stehen konnte und dabey daß allstündlich zu befürchten stehen Einfalls....".

Weil also die Zehntherren die Albstädter Kapelle so verkommen ließen, daß sie einzustürzen drohte, versagten die Albstädter Mitte des 18. Jahrhundert den Zehntberechtigten ihre Abgaben.
Letztmals ist in den Geschichtsquellen im 19. Jahrhundert von Zehntleistungen zu lesen. Unter "Verkäufe von 1812 - 1845" ist im Albstädter Gemeindearchiv festgehalten, daß der Herr von Dalberg den kleinen Zehnt in der Brach beziehe. Der Heuzehnt und der große Zehnt ist aufgeteilt auf das Stift Aschaffenburg (1/2), von der anderen Hälfte gingen 5/8 an den Grafen von Ingelheim, 3/8 an den Herrn von Dalberg.

Bei der Nationalversammlung 1848 in der Frankfurter Paulskirche wurden die Zehntabgaben in Deutschland aufgehoben. Übrigens war nach mündlicher Überlieferung die Albstädter Zehntscheune im heutigen Anwesen von Karl Emil Kempf (Freigerichter Straße 63). Bisher fehlen allerdings schriftliche Belege dafür.


Die frühere Albstädter Zehntscheune im heutigen Anwesen von Karl Emil Kempf.

Quellen:
1. Artur Heinl, Albstadt, "Chronik Alzenau-Albstadt"
2. K.Menth / H.Giesübel, "Ortsgeschichte von Albstadt", 1975, S. 24.

 

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Teil 19

Hexenglaube im Freigericht

Der Hexenglaube ist eine Erscheinungsform des Aberglaubens. Er betrachtet die Hexen als menschliche Wesen, die mit dem Teufel in Verbindung stehen und dadurch Zauberkräfte besitzen. Neben dem Teufelsglauben können noch andere Ursachen für die Hexenprozesse genannt werden.

Christian Grebner führt in seiner Abhandlung "Hexenprozesse im Freigericht Alzenau" unter anderem an:

Die Sexualfeindlichkeit der Kirche:

Wenn eine junge Frau hübsch war und die Männer ihr nachliefen, dann konnte das den Neid der nicht so begüterten Frauen wecken. Man konnte, wenn man sie als Hexe bezichtigte, so eine Nebenbuhlerin leicht aus dem Weg schaffen.

 

Als Sündenbock für Unglücksfälle:

Einem Anderen die Schuld geben für ein Unglück das einen getroffen hat, das hat es schon immer gegeben. Besonders betroffen waren dabei bei der hohen Sterblichkeitsrate der Kinder die Hebammen. Viele mußten den Weg zum Scheiterhaufen antreten.

 

Außenseiter der Dorfgemeinschaft:

Wenn jemand nicht in der Dorfgemeinschaft geduldet werden wollte, konnte man ihn so auf legale Weise loswerden.

 

Bereicherung durch die Richter:

Jede Verurteilung brachte hohe "Hexengelder" (das waren Strafgelder, die die betroffenen Familien an das Gericht bezahlen mußten) an Einnahmen, und nicht jeder Richter lieferte diese Gelder ab.


Während bis zum 11.Jahrhundert Zauberei mit Kirchenbuße belegt wurde, setzte sich im Zuge der Ketzerverfolgung durch die Inquisition auch für Zauberei die Todesstrafe durch. Eingeleitet wurde die Hexenverfolgung durch einen 1484 von Papst Innocens VIII. verfaßten Erlaß und durch den von den dominikanischen Inquisitoren Heinrich Insistoris und Jakob Sprenger 1487 verfaßten Hexenhammer. Als irdische Statthalterinnen des Teufels fiel den Hexen die Verantwortung für alle Krisen und Katastrophen zu, wie z.B. Blitzschlag, Dürre, Frost im Sommer, Unwetter oder Überschwemmung.

Weil alle Mitglieder der gemutmaßten Hexensekte dingfest gemacht werden sollten, war das Herausfoltern der Namen der angeblichen Komplizen eines der wichtigsten Anliegen der Hexenprozesse. In der Zeit von 1601 bis 1605 wurden im unteren Kahlgrund nach Grebner sehr viele Hexen in Hörstein vernommen, peinlich befragt, verurteilt und bei lebendigem Leibe verbrannt.

Als Adam von Bicken, der Sohn eines Freigerichter Geschlechtes, Kurfürst in Mainz geworden war. Begannen am Untermain die Hexenverfolgungen. Auch das kleine Freigericht, an dessen Grenzen so manche Torheit der Zeiten haltgemacht hatte, wurde nicht verschont. Von 1602 an weisen die Akten Hexenprozesse auf.

Im Freigericht hatte sich ein Hexenrichtertrio zusammengefunden; der bis über die Ohren verschuldete Amtmann Friedrich von Thüngen zu Alzenau, der Landbereiter Zimprecht Amman zu Hörstein und der Gerichtsschreiber Michael Paul Eyles zu Hörstein, dessen Wappen heute noch an einem Hause hinter der Kirche zu sehen ist.
Die Freigerichter Hexenakten füllen einen dicken Band im Staatsarchiv Würzburg.

Zahlen sprechen eine erschütternde Sprache und geben ein ungefähres Bild über den schlimmen Wahn, der unzählige Opfer forderte. Der Zentgerichtsschreiber quittiert für einen kurzen Teil der Verfolgungszeit Schreibgebühren für die Vernehmung von 109 "Unholdinnen".

Die Scharfrichter Nikles Lucas von Altenhaßlau, Mathes und Jons von Aschaffenburg waren nach ihren Empfangszetteln allmonatlich in Hörstein, wo alle Hexen des Freigerichts abgeurteilt und hingerichtet wurden, mit Bränden von 1 - 15 Opfern beschäftigt

... noch 1615 waren 5271 fl. Bußgelder rückständig (in Alzenau aus 24, Michelbach 14, Wasserlos 6, Kälberau 7, Albstadt 8, Hemsbach 3, Dörsthof 1 Familie) ---
diese Bußgelder brachten völlige Verarmung über manches Haus.

In Albstadt waren dies: 9 Personen, 5 Frauen und 4 Männer:

Hans Heilos (Heillos),
Anna Happel,
Gertrud Heilos,
Margarete Trageser,
Katharina Hofmann,
Peter Huth,
Ursula Kropf,
Hans Franz,
Heinrich Bohn.

In Alzenau: 34 Personen, 29 Frauen und 5 Männer,

in Dörsthof: 1 Person

in Hörstein: 34 Personen 34 Frauen und 1 Mann,

in Kälberau: 10 Personen 8 Frauen und 2 Männer,

in Michelbach: 15 Personen 17 Frauen,

in Wasserlos: 14 Personen 13 Frauen und 1 Mann,

in Somborn: 4 Personen 4 Frauen,

und in Neuses: keine Person.


Nach Alzenau hatte Albstadt also den zweithöchsten Bevölkerungsverlust durch die Hexenverfolgung in Freigericht zu beklagen. Der Ort hatte prozentual die meisten Männer unter den Opfern (44,4%); die geschätzte Einwohnerzahl Albstadts betrug im Jahre 1605 etwa 100 bis 120.

In Hörstein, da klangen einst schauerliche Jammer- und Weherufe über die Rebenhügel. Die ohnmächtigen Hilfeschreie tiefunglücklicher Geschöpfe, denen nicht zu helfen war. Denn hier stand das Hexenverlies an einem Orte, den heute noch der Volksmund als "Hexenthurn" benennt.

 

Wie ging man nun gegen die vermeintlichen Hexen vor?

Sie wurden zunächst gefangengenommen und dem Denunzianten gegenübergestellt. Bezeichnete sich der oder die Gefangene als unschuldig, so traten die Folterknechte an. Man setzte den armen Opfern die Daumenschrauben an oder den sogenannten Krebs aufs Schienbein und schraubte so lange zu, bis das Blut aus den Adern quoll. Die Körper der Gepeinigten wurden auch mit siedendem Pech, Öl oder Kalk bespritzt, man spannte sie auf eine Leiter oder renkte ihnen mit schweren Gewichten die Gelenke aus. Unter solch gräßlichen Schmerzen der Folterung waren die Verdächtigten dann meist zu Geständnissen bereit, auch wenn sie unschuldig waren. Zum Schluß zwang man die Opfer, die Namen weiterer Hexen preiszugeben.
Nach dem Geständnis wurden die Hexenopfer zum Feuertod verurteilt. Man verbrannte sie entweder auf dem Spiegelsberg bei Hörstein oder auf dem Galgenberg bei Somborn. Diese bewaldete Anhöhe findet man an der Straße Albstadt-Oberrodenbach, gegenüber der Abzweigung zum Hof Trages. Der Geschichtsverein Somborn kennzeichnete den historischen Platz mit einer Orientierungstafel. Die zwei Somborner Flurnamen "Galgenküppel" (an der oben genannten Stelle) und "Galgengrund" (am Bachlauf zwischen Albstadt-Somborn und der Vogelschutzhütte Somborn) erinnern an die Hinrichtungsstätte des 17. Jahrhunderts.

Für den Materialaufwand (Holz, Öl, Stricke, Gefängnisreinigung usw.) und das Gefängnispersonal (Scharfrichter, Schöffen, Wächter, Gerichtsboten, Gerichtsschreiber usw.) fielen hohe Kosten an. Sie wurden den Angehörigen oder Erben der verurteilten aufgebürdet. In Albstadt betrugen diese Zwangsgelder 931 Gulden. Das machte im Vergleich zum Türkensteuerregister vom Jahr 1594 ca. 7,5 % des gesamten Albstädter Vermögens aus (12446 Gulden). Viele Jahre lebten zahlreiche Familien in Albstadt, die durch die Konfiskationsgelder verarmten, in bitterer Not. Noch im Jahre 1615 standen von acht Albstädter Familien Bußgelder von Hexenbränden aus.

Die Hexengelder sollten nach den Gerichtsbestimmungen mildtätigen Zwecken zufließen. Doch daran hielt man sich nicht immer. Der Freigerichter Amtmann Jörg Friedrich von Thüngen z.B. wurde beschuldigt, sich an diesen Bußgeldern bereichert zu haben. Wegen dieser unrechtmäßigen Verwendung des Geldes wurde er schließlich im Jahre 1616 auch abgesetzt.

Im Freigericht fand die erste Hexenverbrennung am 10. September 1601 statt. Zentrum der Hexenbrände in unserer engeren Heimat war Hörstein, wo auch die Verdächtigen aus der ganzen Gegend eingesperrt waren, das damals der größte Ort des Freigerichts war. Dort waren auch die meisten Hexenopfer zu beklagen, nämlich 35. Zu den neun hingerichteten Hexen aus Albstadt - unter ihnen waren fünf Frauen - gehörten auch Hans Heilos und Hans Franz. Diese beiden waren die reichsten Einwohner Albstadts.


Eine Reihe von Niederschriften schildert uns die Trauerspiele jener Schreckenstage:

"Anno Domino 1602 Mittwochen 16. Januarii ist Barbara, Conrad Hilperts Hausfrau, auf der Räte befehl gütlich die Wahrheit anzugeben aufgefordert worden, aber in der Güte nichts bekennen wollen, deswegen, dieweil sie halsstarrig verharrt, die Scharfrichter ihr gemächlich den Krebs aufs Schienbein setzte.
Bekannt sie dann, wie sie vor 40 Jahren, als ihr voriger Mann verstorben, traurig gewest und 2 kleine unerzogene Kinder hinterlassen, und nicht viel Vermögen, sei ein Mann mit grüner Kleidung bekleidet gewesen und einen großen Federbusch aufgehabt, zu ihr gekommen. Hab ihr verheißen und versprochen, ihr alles genug zu geben, auch seines Willens zu sein begehrt, welches sie getan. Hab ihr ein gülden Kleingeld gegeben, welches hernach zu Aschen worden. Hab sich Grünwäldche genannt. Hernacher sie auf einem schwarzen Bengel durchs Rauchloch in Teufels Namen an den Kühlborn geführt, sie anderwärts in seinem Namen getauft, zweimalen Wasser auf sie geschüttet, anbefohlen, Gott dem Allmächtigen, der heiligen Dreifaltigkeit und allen Heiligen ab- und ihm zuzuschwören, welches sie getan und darauf die linke Hand gegeben. Ihr hernach eine Wirzel geben, anbefohlen, damit Menschen, Vieh und allen Kreaturen Schaden zuzufügen, welches sie getan. Habe sie Kühe, Säue, Hühner und Gänse umgebracht und Schmer von ungetauften Kindern hergegeben. Habe sie Äcker und Obst verderbt, in der Geburt Kinder getötet und daraus Salben gemacht. Kann sie aus einem Arthelm anderen Leuten Milch und Rahm nehmen in des Satans Namen. Habe sie keine Ruhe vor ihrem Buhlen gehabt, wenn sie das Nachtmal empfangen. Habe sie, wenn sie zu den teuflischen Tänzen fuhr, zu ihrem Mann ins Bett einen Besen gelegt, hab er nit anders vermeint, es sei seine Frau gewesen. Wäre bei den Tänzen ein Leuchter gewesen, den die anderen Hexen putzen mußten. Habe sie mit der teuflischen Wurzel einen Mann das Bein bestrichen, daß es ganz verdorrt ist. Habe sie ein Gewitter gemacht mit einer Schüssel Wasser über dem Lindig der Stiftsherrn von Aschaffenburg, wobei der Teufel ins Wasser blies. Konnte sie die Bande eines Gefesselten öffnen mit dem Spruch: "Uffgeh dir alle Bande..." Konnte sie Unglück stiften mit dem Teufelsbengel, dem Haselstrauch, sich unsichtbar machen, Raupenmachen u.a.m.".


Ähnliche Aussagen machten unter der Wirkung der Folter auch alle anderen Opfer. Zum Schlusse nannten sie jeweils die Gespielinnen, die an den Hexentänzen an Walburgis, Pfingsten, Würztag und Johannis beteiligt waren. Wer öfters angegeben wurde, wurde gefänglich eingezogen, der Angeberin gegenübergestellt und dann nach alter Weise verhört. Haß und Rachsucht verlorener Weiber feierten hier furchtbare Triumphe. Fünfzehnjährige Kinder und neunzigjährige Greisinnen kamen in "zauberischen Verdacht" und oft genügte schon das "gemeine Geschrei" um als Hexe verhaftet zu werden.

Weinte ein Opfer bei der Gegenüberstellung, so konnte nur ihr Schuldbewusstsein ihre Tränen hervorrufen, konnten "ihre Augen aber kein Wasser geben", so stärkte sie der Böse in Trotz und Verstellung. Man wollte eben Opfer haben. So gebar ein Verhör stets neue peinliche Befragungen und die Hexenbrände loderten. Freisprechungen scheinen fast nie vorgekommen zu sein.

Mehrere 100 Personen wurden Opfer des Hexenwahns. 109 wurden verbrannt, 80 Fälle quittierten die Scharfrichter.

Die Asche der Verbrannten bzw. die Überreste, wurden auf dem Schindanger verstreut oder verscharrt. Die Bevölkerung auf dem Lande suchte für alle Krankheiten, Seuchen, Totgeburten, kurz für alles, wofür sie keine natürliche Erklärung fand, die Schuld bei den Hexen.


Summe der zu zahlenden Hexengelder der einzelnen Gemeinden:

 

Hörstein
4173 fl
Alzenau
3131 fl
Michelbach
1906 fl
Wasserlos
1136 fl
Kälberau
1010 fl
Albstadt
931 fl
Welzheim
545 fl
Somborn
568 fl

Dabei hatte ein ungetreuer Amtmann einen Großteil dieser Blutgelder für seine persönlichen Zwecke verwendet!


Noch flammten die Hexenbrände und zahlreiche peinlich Befragte bangten hinter den Gittern des Hexenhauses zu Hörstein ihrem sicheren Schicksal entgegen, da schritt im Sommer 1605 die Pest durch die Pforten der Ringmauer zu Hörstein und raffte viele Menschen hinweg. Die Hexenverfolgungen hörten auf; denn auch die allgewaltigen Hexenrichter erstarrten in bleicher Angst vor der furchtbaren Seuche, die massenmordend die Siedlungen heimsuchte.


Die Akten des Marburger Staatsarchivs berichten 1627 bis 1629 von den letzten Hexenverfolgungen im Freigericht. Die Bewohner dieses Gebietes ersuchten in jener Zeit den Mainzer Kurfürsten und den Hanauer Grafen um Ausrottung der Hexen. Wörtlich heißt es in ihrem Bittgesuch:

".... gelangt derent wegen an Euer Gnaden unser um Gottes und der unschuldigen, auch der blinden jugend willen wie auch bei anderen benachbarten Orten beschicht (Geschiet), solch grausamb erschrecklich zaubery laster gnedig ausreuthen zu lassen."

 

 

Quellen:
1. J.Hansen, Zauberwahn, Inquisition und Hexenprozeß im Mittelalter und die Entstehung der großen Hexenverfolgung, Leipzig-München, 1900,S.241.
2. J.August Eichelsbacher, "Mein Kahlgrund", 1955, S 62.
3. C.Grebner, Hexenprozesse im Freigericht, Sonderdruck aus dem Aschaffenburger Jahrbuch, Band 6, 1979, S.777.
4. Artur Heinl, Unser Kahlgrund 1985, S.62, "Albstädter Opfer der Hexenverfolgung im 17. Jahrhundert."
5. Georg Hubert, "Unser Kahlgrund 1996", Hexenglaube S. 163.
6. Artur Heinl, Albstadt, "Chronik Alzenau-Albstadt"
7. K.Menth / H.Giesübel, "Ortsgeschichte von Albstadt", 1975, S. 24.

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Teil 20

Gerichte im Freigericht

 

Untaten gegen Leib, Leben und Eigentum des Nächsten gab es zu allen Zeiten. Die Aburteilung der straffällig gewordenen Personen fielen den Gerichten zu. Es war in alter Zeit ein Recht der Landesherrschaft, die damit die Cent- oder Untergerichte betraute. Infolge der verschiedenen Herrschaftsverhältnisse im Kahlgrund war auch die Gerichtsbarkeit recht mannigfaltig. Forschungen in den Mainzer, Würzburger und Aschaffenburger Archiven geben uns Klarheit über das Rechtssystem vor langer Zeit.

Unter- und Centgerichte

Schon 1309 bestanden im Freigericht vier Unter- oder Centgerichte:

Hursten (Hörstein) mit Kahl, Großwelzheim, Bruchhausen und Brises

Sunnenborn (Somborn) mit Bernbach, Neuses, Albstadt, Horbach, Trages, Dorf Hüttengesäß, Mittelau

Memmelris (Mömbris) mit Gunzenbach, Raibach, Brücken, Strötzbach, Hohl, Karlsberg, Rothengrund, Angelsberg, Molkenberg, Hembach

Wilmundsheim (später Alzenau) mit Wasserlos, Hemsbach, Kälberau, Michelbach.

Der Vorsitzende der Gerichte, der Centgraf, wurde von den Teilnehmern des Gerichtes gewählt. Er und seine gewählten Schöffen, deren Zahl sich nach den Orten und Höfen von sieben bis vierzehn bewegte, richteten in „Rugsachen“ und auch in peinlichen Sachen „um den Hals“ nach den ungeschriebenen Gesetzen des Herkommens. An den Gerichten hatten alle verheirateten Männer teilzunehmen, denen auch die Bewachung anvertraut war.

Die Gerichte fanden unter freiem Himmel statt, zu Hörstein auf der Lohe, zu Somborn am hohen Rat, zu Wilmundsheim unter den Linden, zu Mömbris ebenfalls an der Kirche unter der Linde.

Die Hinrichtungsstätten oder Galgenplätze sind heute noch auf den Katasterplänen ersichtlich:

Am „Gerichtsplatz“ in den Tannen für Hörstein und Alzenau gemeinsam,

In Somborn am „Galgenberg“ (Galgenküppel) bei Hof Trages

in Mömbris auf der Jungmark.

Die Galgen mußten von den Leineweber, Müllern und Zimmerleuten erbaut werden.

Die Abhaltung der Gerichte wurde durch den Landsknecht (den örtlichen Polizeimann) bei Sonnenschein geboten. Die Gerichtssitzungen verliefen nach bestimmten Regeln, die genau eingehalten werden mußten.

Später, nach 1500 nachdem die Kurfürsten von Mainz und die Grafen von Hanau das Freigericht als Lehen bekamen, entfiel für die Centgrafen und Schöffen die demokratische Wahl durch das Volk, sondern sie wurden vonan durch die Herrschaft bestimmt.

Der Centgraf war zu Verhaftungen berechtigt und zur Bestrafung mit Turm, Halseisen und dergleichen Leibesstrafen. Er besiegelte Kauf, Tausch und andere Geschäfte bis zu 20 Gulden. Der Titel Centgraf verblieb dem Oberhaupt der gemeindlichen Verwaltung bis zum Ende der Mainzer Herrschaft 1803, von da an kamen die Bezeichnungen „Landschöffe“ und „Ortsvorsteher“ auf.

Im Gericht Mömbris wurden die etwas abweichenden Verhältnisse durch ein Weistum der Märker von 1585 und durch eine eingehende Befragung durch Mainzische Beamte von 1609 klargelegt. Danach stand die hohe und niedere Gerichtsbarkeit den Edelgeschlechtern Echter von Mespelbrunn, von Gonsrod und Milchling zu. Die Gefangenen wurden nach Mespelbrunn geführt und dort peinlich gerichtet.

Im mittleren und oberen Kahlgrund hatten die Rienecker als kaiserliche Vögte über die freien Leute zu gebieten. 1666 wechselte die Belehnung an Philipp Erwein von Schönborn. Untergerichte bestanden in Krombach, in Western, in Kahl, in Schneppenbach, in Schimborn auf den Gütern der jeweiligen Lehnsherren.

Ein Hubgericht auf dem Fronhofe in Somborn (1664)

Das Stift Sankt Peter und Alexander zu Aschaffenburg hatte bereits im 12., 13. Und 14. Jahrhundert im Freigericht und in den angrenzenden Dörfern zahlreiche Höfe und ausgedehnte Ländereien durch Kauf, Schenkung und Erbschaft erworben, die von den Stiftsherren an die Bauern – damals Hübner oder Landsiedel genannt – gegen eine Abgabe von Naturalien verpachtet wurden. Zur Regelung aller wirtschaftlichen Fragen ihrer sehr zerstreut liegenden Güter gründeten sie im Fronhofe zu Somborn ein Hub- oder Hofgericht. Im Jahre 1490 erschienen genaue Satzungen über die Formalitäten und Befugnisse eines solchen Gerichtes, das mit einem Schultheiß und sieben Schöffen besetzt war und in jedem Jahre zweimal – Walburgis und Michaelis – tagen sollte. Die Bauern werden in diesen Satzungen ausdrücklich als „eigene Herren“ bezeichnet; sie waren mithin damals nicht leibeigen.

Infolge des 30-jährigen Krieges hatte am 16. September 1633 das letzte Hubgericht stattgefunden, und erst 1664 erinnerten sich die Herren und Stiftskapitels, daß sie „vor undenklichen Zeiten ein wohlhergebrachtes Hubgericht in Somborn“ gehabt hätten. Um dieses wieder aufleben zu lassen, begaben sich am 26. Mai anno 1664 um 4 Uhr morgens folgende Stiftsherren nach Somborn: Heinrich Wolpert, der Kustos, Heinrich Berthold, Präsenter, Johann Heinrich Rückling, Kammerarius, Magister Johannes Reinhard, Syndikus und Notarius, sowie Peter Brecken, Stiftsfaktor. Gegen 8 Uhr trafen sie auf dem Pfarrhofe ein, mußten aber bis um halb zehn Uhr warten, weil die Hübner, Pächter und Landsiedel der Höfe und Ländereien noch nicht zur Stelle waren. Kustos Heinrich Wolpert leitete die Verhandlungen und begründete das Recht des Stiftes auf die Abhaltung der Hofgerichte. Da aber der Schultheiß sowie sämtliche Schöffen „durch den Tod abgegangen waren, erforderte die Notdurft, aus den anwesenden Hübnern nach Würde einen neuen Schultheiß und sieben Schöffen zu wählen.“ Mit dem Schultheißenamt wurde Hans Schilling zu Somborn betraut; die Schöffenstühle besetzten Horst Schneider und Peter Reusing von Altenmittlau, Hans Backes, Bernhard Ceruus und Heinrich von der Creutz von Somborn, Konrad Trageser von Albstadt und Peter Gutermann von Bernbach.

Zum Gerichtsdiener ernannte der Schultheiß Stoffel Weckmann, der sich aber energisch weigerte, diese Funktion zu übernehmen und zwar, wie der Chronist vermerkt, „aus fehlbarer Einbildung“. Er fürchtete, ihm möchte dieses Amt an seiner Ehre schaden. Doch der Kustos des Stiftes wies auf die hohen Obliegenheiten eines Gerichtsbüttel hin, wie sie in der Eidesformel auch zum Ausdruck gebracht würden. Ferner betonte er die Ehrlichkeit dieses Amtes, dessen Inhaber bei strengem Wohlverhalten auch einmal Schöffe werden könne. Harte Strafen wurden dem angedroht, der es wagen sollte, den Gerichtsbüttel wegen seiner Dienste zu beschimpfen. Nach diesen beruhigenden Erklärungen nahm Stoffel Weckmann das Amt an.

Nun erfolgte die Vereidigung des Schultheißen, der Schöffen und des Gerichtsbüttels, wie sie auf dem Pergament von 1490 niedergeschrieben ist und seit dieser Zeit gehandhabt worden war. Zuerst leistete der Schultheiß mit aufgehobenen Fingern den Treueeid, der ihm n folgendem Wortlaut vorgesprochen wurde:

„Ihr sollt geloben und schwören zu Gott und allen Heiligen Gottes, dem ehrwürdigen, edlen, würdigen und wohlgelehrten Herr Dechant und Kapitel zu Aschaffenburg getreu und hold zu sein, derselben Schaden wehren und Nutzen mehren, Ihre Herrlichkeit, Gerechtigkeit, Zehnten, Gült und ihren Zins getreulich zu handhaben und davon nichts einziehen zu lassen, unter welchem Schein dies auch geschehen könnte; insonderheit hier auf dem Gericht ehrbar, treulich zu sein, es zu besetzen und Männern, sie seine reich oder arm, ohne Unterschied der Person, rechtmäßige Urteile nach bestem verstand zu geben und widerfahren zu lassen; Freundschaft, Feindschaft, Neid, Haß, Gaben, Schenkungen oder sonst etwas, wodurch die gebührende Gerechtigkeit verhindert wird, nicht zu beachten und sich gegen den, der sich wider Recht und Billigkeit beschwert, männlich zu zeigen, wie es einem aufrechten, redlichen, unparteiischen, gottesfürchtigen und gewissenhaften Richter, einem Vorgesetzten und Schultheißen gebührt und wohl ansteht und solches er sich künftig vor dem Richterstuhle und Angesichte Gottes zu verantworten getraut; alles getreulich und ohne Gefahr.“

Einen ähnlichen Eid legten die Schöffen ab, indem sie auch Redlichkeit und Gerechtigkeit gelobten und zum Schluß versprachen, die gefällten Urteile geheimzuhalten und alles zu tun und zu lassen, was einem frommen Schöffen und Urteiler gebührt. Nachdem die Eidesformel vorgelesen war, sprachen die Schöffen im Chor: „Wie ich jetzt unterrichtet bin und wohl verstanden habe, dem will ich nachkommen nach bestem Vermögen, als mir Gott helfe und sein heiliges Evangelium.“

Der Gerichtsbüttel mußte in seinem Eid Versprechen, die Schöffen, Landsiedel und Hübner rechtzeitig zum Gericht zu laden, Heimlichkeiten, die er vorgenommen, nicht zu offenbaren, die Rügen und Gebrechen auf Befragung dem Gericht vorzubringen und dies nicht zu unterlassen, weder um Liebe oder Haß, Freundschaft oder Feindschaft, Gunst und Gabe und alles andere tun und lassen, was einem treuen und fleißigen Gerichtsbüttel gebührt und Zusteht.

Nach diesen Eidesleistungen übergab Heinrich Wolpert dem neu gewählten Schultheißen den Gerichtsstab, das Zeichen seiner richterlichen Gewalt. Ordnungsgemäß richtete dieser zunächst zwei Fragen an die Schöffen: „Ist das Gericht zur rechten Zeit verkündet? Sind die Schöffenstühle hinreichend besetzt?“ Nachdem diese Fragen bejaht waren, erfolgte die nächste: “In wessen Namen wird das Gericht gehegt?“ Antwort: „Im Namen des Herrn Dechant und Kapitels zu Aschaffenburg, im Namen genannten Stiftskämmerers, des Schultheißen, der Schöffen, der Landsiedel und aller, die daran zu tun haben. “Nach diesen Formalitäten forderte der Syndikus die Hübner und Landsiedel auf, ihre Namen anzugeben, damit sie im Gerichtsprotokoll festgehalten würden. Auch verlangte er die Vorbringung von Wehrschaften, das heißt die Besprechung der Pacht- und Kaufverträge. Doch die Landsiedel antworteten, daß man infolge der Kriegstrubel noch gar nicht wissen könne, welches die eigentlichen Inhaber der Stiftshöfe und Ländereien im Gericht seien und verlangten eine Zurückstellung bis zur Feststellung der Pächter

Anschließend beschwerte sich der Zentgraf des Freigerichts wegen der Abgabe eines halben Gulden als Beitrag zum Besthaupt nach dem Ableben des Herrn. Doch der Kustos erwiderte ihm, daß jeder Landsiedel, der im Besitz von einem Hut ist, zur Ergänzung des halben Gulden beizutragen schuldig sei.

Die Somborner brachten auch Klagen gegen ihren Pfarrer Jagemann vor, weil er „Memersch“ (Pfarrei Mömbris) zu bedienen mit übernommen hatte. Doch der Stiftskustos erklärte: „Solches ist mit Konsens (Erlaubnis) des löblichen erzbischöflichen Stuhles geschehen und ist in jetziger Zeit, da der Ort zur Unterhaltung eines Pfarrers beitrage, an verschiedenen Orten zugelassen worden.“

Eine sehr erregte Debatte entspann sich über die Haltung des Faselviehs. Pfarrer Jagemann beschwerte sich, daß die Landsiedel ihm, einem frischen Ankömmling, diesen „Onus“ (Last) aufgelegt und er das Faselvieh, „proprlis sumptibus“ (aus eigenen Mitteln) stellen und unterhalten, ohne daß der kleine Zehnte in Heu, Flachs, Kraut, Kürbissen und dergleichen Gewächs abgeliefert werde. Die Schöffen erklärten dem Pfarrer, daß in Somborn der Pfarrer nach Recht und Herkommen das Faselvieh halten müsse. Da die Hübner und Landsiedel sich zur Abgabe des kleinen Zehnten verpflichteten, übernahm der Pfarrer wieder die alte Pflicht.

Nachdem der Kustos des Stiftes Aschaffenburg sämtliche Anwesenden ermahnt hatte, ihre Abgaben pünktlich zu zahlen und rechtzeitig zum nächsten Hubgericht zu erscheinen, schlug der Schultheiß viermal mit dem ihm gereichten Stabe auf den Tisch; da sich niemand mehr zu Wort meldete, wurde die Sitzung geschlossen und die Schöffen beurlaubt.


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Teil 21

Die Pest im Freigericht

 

Die Pest gilt noch heute als die schlimmste Krankheit der Geschichte. Schon in der Bibel ist sie im Alten Testament erwähnt.

Als im Oktober des Jahres 541, zur Zeit als der römische Kaiser Justinian regierte (527 bis 565), von Arabien ausgehend, die erste bekannte große Pestwelle, durch den Schiffsverkehr ins Mittelmeergebiet kam, wurde die dortige Bevölkerung zu 40 % hinweggerafft. Endlich, am 23. März 544 erklärte Kaiser Justinian die Pest in seinem Reiche für besiegt. Doch in Dalmatien und Kleinasien raffte der „Schwarze Tod“ weiterhin viele Menschen dahin.

In den Jahren 740 bis 750 erfolgte ein zweiter große Pestausbruch rund um das Mittelmeer und sorgte für Angst und Schrecken.


Auch in der Antike suchte sie sich ab 1080 v.Chr. regelmäßig ihre Opfer. Sogar der römische Kaiser ( Marc Aurel ) entrann ihr nicht.

Doch erst der dritte Pestausbruch in den Jahren von 1346 bis 1352 übertraf alle früheren Pestepidemien. Die Krankheit erreichte innerhalb kürzester Zeit das gesamte Europa, Nordafrika und den angrenzenden Orient. Von den dort damals etwa 100 Millionen Menschen überlebte ein Drittel die Pest nicht. Durch Pelzhändler aus Zentralasien gelangte die tödliche Krankheit im Jahre 1346 über bakterienverseuchte Murmeltierpelze über die Seidenstraße und den Norden des Kaspischen Meeres nach Astrachan.


Als erste biologische Waffe wurde die Pest bei der Belagerung von Kaffa eingesetzt. Die tatarischen Reiterhorden unter Khan Djam Bek belagerten das reiche genuesische Handelszentrum Kaffa am Schwarzen Meer. Nach dem Ausbruch der Pest unter seinen Soldaten ließ der Khan die Pestleichen über die Stadtmauer in die Stadt katapultieren und infizierte somit die Bevölkerung. Die Belagerung konnte man so beenden, doch die fliehenden Einwohner waren somit der Auslöser der großen Pest Pandemie von 1346.

Über Kaffa am Schwarzen Meer, nach Pera, dem Vorort von Konstantinopel, wo schon große Handelsschiffe auf die tödliche Fracht warteten, gelangte sie im Sommer 1347 weiter zu den griechischen Inseln, an die Küsten des Balkans und Anatoliens. Ende September hatte sie bereits Messina, und im Oktober Sizilien erreicht und an Allerheiligen starben an ihr die ersten Menschen in Marseille. Zum Ende des Jahres hatte sie sich bereits bis nach Alexandria, Kairo, Gaza, Beirut, Damaskus und Marokko ausgebreitet. Es folgten Anfang 1348 Tunis, Sardinien, Spanien, West- und Südeuropa. Schon 1348 hatte die Epidemie die englische Küste erreicht und gegen Ende des Jahres hatte sie bereits das gesamte Norddeutschland und Dänemark und 1351 Polen und 1352 Rußland heimgesucht. Die wenigen Gebiete, die von dieser Seuche verschont blieben waren das südliche Oberschlesien, das westliche Böhmen, die Niederlande, die nördlichen Bereiche Skandinaviens und die Stadt Mailand.

 

Die schlimmsten Pestjahre in Deutschland waren die Jahre 1349 bis 1351.

Der Ratsschreiber von Lübeck schrieb im Jahr 1351 6.966 Namen in das Totenbuch. Innerhalb eines Jahres fand ca. ein Drittel der Stadtbewohner den Tod. Paris, das damals an die 100 000 Einwohner hatte, starb fast die Hälfte der Bevölkerung. In Florenz starben vier von fünf Bewohnern an dieser schrecklichen Geisel.

Bereits im Jahre 1356 brach die Pest in Deutschland erneut aus und verbreitete sich wieder rasch in ganz Europa. Da diese Pest besonders viele Opfer unter den Kindern und Jugendlichen forderte, wurde sie von den Historikern auch die „Kinderpest“ genannt. Man vermutet, daß die Erwachsenen, die die erste große Pestwelle überlebt hatten, mehr oder weniger immun gegenüber dem Krankheitserreger waren und deshalb überleben konnten.

In regelmäßigen Abständen fand die Pest in Europa immer wieder ihre Opfer.

Von 1326 bis 1400 gab es insgesamt 32 Pestjahre.

von 1400 bis 1500 gab es 41 Pestjahre
von 1500 bis 1600 waren es 30 Pestjahre.

In den Jahren 1563 bis 1569 und während des dreißigjährigen Krieges von 1629 bis 1644 wüteten besonders schwere Pestepidemien. In London war es das Jahr 1665, in Wien von 1678 bis 1681 und in Marseille und in der Provence von 1720 bis 1722.

Im Mittelalter gingen die Menschen davon aus, daß sich der „Schwarze Tod“ von Mensch zu Mensch übertrug. Erst durch bessere Hygiene und Ausrottungsversuche der Ratten, den eigentlichen Übertragern dieser Krankheit, gelang es die Pest in Europa einzudämmen.

 

Pestarten:

Es gibt drei verschiedene Formen der Pest: dir Beulenpest, dir Lungenpest und dir Pestsepsis. Am bekanntesten ist die Beulenpest (Bubonenpest);sie trägt ihren Namen, weil die Erkrankten an Leistenbeugen, Achselhöhlen oder Hals charakteristische Beulen bekommen – vergrößerte, entzündete Lymphknoten. Übertragen wird die Beulenpest am häufigsten durch den Biss des Rattenflohs, der als Parasit Wanderratten befällt.

Die ersten Symptome der Beulenpest sind Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Gliederschmerzen und Unwohlsein. Die Lymphknoten schwellen sehr plötzlich an und schmerzen. Das Fieber wird von Schüttelfrost begleitet und die Körpertemperatur steigt auf bis zu 41°C. Die Pestbeulen schwellen bis zur Größe eines Hühnereies an. Falls der Krankheitsfall nicht tödlich endet, senkt sich die Temperatur nach ca. 5 Wochen wieder zum Normalwert ab. Aber meistens endet die Krankheit tödlich.

 

Bei der Lungenpest ist die Lunge der wichtigste Infektionsherd; hier erfolgt die Ansteckung durch Tröpfchen-Infektion von einer bereits infizierten Person. Gegen sie gibt es auch in jetziger Zeit noch keinen Impfstoff. Der Tod tritt meist nach ca. 3 Tagen oder sogar noch am selben Tag des ersten Auftretens der Symptome ein. Die Symptome sind ähnlich wie bei der Beulenpest, hohes, plötzlich einsetzendes Fieber. Auch hat der Patient rot-schwarzen Auswurf. Die dunkle Färbung der Haut hängt damit zusammen, dass der Atem des Kranken versagt; sie hat der Pest den Namen „Schwarzer Tod“ eingebracht.

 

Die Pestsepsis /Pestseptikämie) tritt nicht nur als Komplikation der Beulen- und Lungenpest, sondern auch in primärer Form ohne andere Symptome auf. Zur Pestsepsis kommt es, wenn Pestbakterien durch die Lunge in die Blutlaufbahn geraten und sich dort massenhaft vermehren.

Da im Mittelalter über die Pest recht wenig bekannt war, wurden zu ihrer Bekämpfung vielfältigste Mittel angewandt: zur „Desinfektion“ wurde von Rauch, Essig, Schwefel und Parfum Gebrauch gemacht.


Doktoren in dicken Kostümen und mit Schnabelmasken öffneten die übelriechenden Pestbeulen und ließen Eiter und Blut abfließen. Furchtlosigkeit wurde als oberstes Mittel gegen die Pest gepriesen.

Mehr als fünfzig verschiedene Pestheilige (darunter besonders der Heilige Sebastian und der Heilige Rochus) wurden angerufen.

Isolation und Quarantäne wurden ebenfalls eingesetzt. Dies erwies sich als etwas vom Wenigen, das wirksam war. Jede Stadt führte die Quarantäne, normalerweise vierzig Tage lang, an allen Fremden durch und Kranke wurden isoliert.

Ein schlechtes Zeichen waren die Pestkarren, die die Toten gleich Wagenweise aus der Stadt zu den Pestlöchern transportierten. An einem Tag mußten oft Hunderte von Toten weggebracht werden. In diesen Pestlöchern fanden Massenbeerdigungen auf zum Teil makaberste Art und Weise statt: die Toten wurden lagenweise in die Löcher geworfen, mit Erde bedeckt, um darauf die nächste Lage Tote zu werfen. Wurden die Toten noch einzeln beerdigt, so kamen spezielle Pestsärge zum Einsatz: sie besaßen an der Unterseite zwei Klappen, durch die der Tote ohne großen Aufwand ins Grab befördert werden konnte, und der Sarg war einsatzbereit für den nächsten Toten.

 

Die sozialen Auswirkungen der Pest waren vielfältig. Die Menschen verließen ihre Familien und Freunde, um sich vor einer Ansteckung zu schützen, und der Egoismus begann um sich zu greifen. Besonders Adelige und Kleriker konnten sich die Flucht leisten und waren die ersten, die ihre Heimat verließen. Durch den somit entstandenen Mangel an Ärzten und Priestern wurde die Not im Volke nur noch größer. Die Leute wurden nicht mehr behandelt und gepflegt, erhielten die Sakramente, besonders die Letzte Ölung nicht mehr und starben physisch und psychisch total abgewrackt.

Teilweise ereigneten sich gar richtige Tragödien. Mütter schlugen ihre Kinder zu Tode, damit diese nicht den brutalen Tod sterben mussten, Männer beerdigten sich selbst bei lebendigem Leibe, um nicht vor dem Sterben von Mäusen, Ratten oder Würmern angefressen zu werden.

Die Obrigkeit begann, Menschenansammlungen, darunter sogar Gottesdienste, zu verbieten. Auch erste Hygienevorschriften wurden in dieser Zeit erlassen.

Vielerorts versuchten allerdings die Behörden, das Auftreten der Seuche zu verheimlichen und zu vertuschen, man wollte die Handelsbeziehungen mit anderen Städten nicht gefährden und die Panik im Volk möglichst verhindern.

Die wohl größte Auswirkung ist die Judenverfolgung, die Menschen dachten, dass die Juden die Pest mit sich brachten und versuchten deshalb die Juden auszurotten, damit auch die Pest verschwinde.

Der letzte große Pestausbruch fand in Indien statt und forderte alleine in Bombay im Jahre 1898 sechs Millionen Menschenleben.

In Europa flackerte die Seuche zum letzten mal im Jahre 1902 in Südengland und Marseille auf.

Heute lebt der Pestbazillus noch unauffällig in Nordindien, im Kurdistan, in Westarabien, in der Wüste Gobi, in Uganda, in Südafrika, in Südamerika, im Südwesten der USA und in Ostasien.

Im September brach die Pest jedoch erneut in Indien aus und wir werden auch weiterhin nicht sicher sein vor dem Erreger „Yersina pestis“.

Keine andere Infektionskrankheit hat in der Geschichte so viel Angst und Schrecken verbreitet wie die Pest..

1605, nach der ersten großen Hexenverfolgungsperiode, wütete auch im Kahlgrund und im Freigericht die Pest. Von 1605 – 1608 raffte der sogenannte „Schwarze Tod“ in Hörstein viele Menschen hinweg, in den Pestjahren 1631 – 1633, 1653 und 1666 lichtete die Seuche in ganz Franken die Reihen der Dorf- und Stadtbewohner. In furchtbarster Weise aber wütete die Krankheit 1625, wo in Hörstein in vier Wochen 400 Menschen verstarben.

Die Friedhöfe wurden zu klein; „da häufig unverweste Corpora ausgegraben wurden und greuliche Abscheu, böse Rebel hieraus entstanden“, legten die Gemeinden außerhalb der Orte eigene „Pestfriedhöfe“ an.

1935 brachten die Kriegsereignisse die Hungerpest ins Land, die entsetzliche Opfer forderte.

„...in einem Dorf zwischen Gelnhausen und Aschaffenburg hat es sich zugetragen, daß als daselbsten die Inwohner sämtlich vor Hunger in die nächste sichere Stättlein geflohen, ... ein Bawersmann ... sein noch übriges Geltlein bei 40 Reichsthaler in seinem Keller vergraben ..., selbiges holen wollte, ging ihm ein grewlicher Gestank entgegen und ließen sich etliche Wölfe merken... Im Keller lagen tote Körper durcheinander.“

Was Wunder, wenn da die Seuche gleich einem Würgeengel die Siedlungen entvölkerte!

Die Pest, aber auch der Dreißigjährige Krieg hielten im Kahlgrund furchtbare Ernte. Häuser, deren Bewohner alle gestorben waren, wurden während der Pestzeit häufig durch einen Verschlag verschlossen. Kranken reichte man an Stangen und Stecken Nahrung zu, um nicht selbst angesteckt zu werden. Tote wurden nachts bestattet, nur wenige geleiteten dir Opfer zum Friedhof, denn auch hier war die Gefahr der Ansteckung zu groß.

Um das Jahr 1633, so berichtete Eichelsbacher, seien viele Orte des Bezirks völlig ausgestorben gewesen. Nach Meinung Dr. Kihns war das Freigericht und seine Umgebung 1640 fast entvölkert. Die Pfarrei Somborn, zu der Albstadt damals gehörte, zählte 1660 nur 17 Familien, während sie im Jahre 1605 ca. 950 Pfarreiangehörige gehabt hatte.

Vielfach unbekannt ist, daß unser heutiger Reisepaß seinen Ursprung in der Pestzeit hat. Er entwickelte sich aus dem sogenannten „Pestbrief“, der seit 1348 von jedem Einreisenden verlangt wurde. Er wies den Ankommenden als Reisenden aus einem pestfreien Lande aus.

 

Was geschah wann?

1605 - 1608 war die Pest in Hörstein.

1625 war sie wieder dort. 400 Menschen starben in wenigen Wochen.

1631 - 1633 waren wieder Pestjahre.

1653 tobte die Pest in ganz Franken.

1666 wieder ein Pestjahr.

Die Pfarrei Somborn zählte 1660 nur noch 17 Familien.

 

Quellen:
Artur Heinl, Albstadt, „Chronik Alzenau-Albstadt“.
K.Menth / H.Giesübel, „Ortsgeschichte von Albstadt“, 1975, S. 24..
http://www.uni-tuebingen.de/uni/afm/science/aust/muensing/mun2.html
http://home.sunrise.ch/anikla/pest.html
http://www.m-ww.de/krankheiten/infektionskrankheiten/pest.html


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Teil 22

Die Reichsritterschaft

Zu Beginn des 15. Jahrhundert organisierte sich der reichsunmittelbare niedere Adel in S�d- und Westdeutschland in dem Reichsritterstand. Dieser wurde in der folgenden Zeit reichsrechtlich anerkannt und 1555 erstmals den reichsunmittelbaren St�nden gleichgestellt, ohne allerdings zur vollen Landeshoheit und Reichsstandschaft zu gelangen.

Im Jahre 1577 schlossen sich die drei Ritterkreise Schwaben, Franken und Rhein zusammen. Die Kreise gliederten sich in Ritterkantone; sie werden auch als Ritterorte bezeichnet. Der Zusammenschlu� war notwendig und lag auch im Interesse des Kaisers, galt doch ihre Loyalit�t immer mehr der Person des Herrschers als dem Reich.

Die Ritterschaft hatte in der Epoche der Staufer den H�hepunkt einer h�fisch-ritterlichen Kultur erreicht. Sie st�tzte sich dabei wirtschaftlich auf die Basis von ererbtem und erworbenem Grundbesitz, verbunden mit Lehen von verschiedenen Herren und unterschiedlicher Auspr�gung.

Nach den Kreuzz�gen begann der Niedergang des Rittertums. Die Verdr�ngung der Natural - durch die zunehmende Geldwirtschaft f�hrte zu einer dauernden Verarmung. Grollend sa�en die Ritter auf ihren Burgen und mu�ten ohnm�chtig zusehen, wie die verha�ten St�dte immer reicher wurden. Die technische Entwicklung revolutionierte auch die Bedingungen der Kriegsf�hrung, bis dahin eine unbestrittene Dom�ne der Ritterschaft. Neue Waffen mit der sich schnell ausbreitenden Verwendung des Schie�pulvers und neue Strategien ver�nderten das Schlachtfeld. Schwere R�stungen boten keinen Schutz mehr, bis dahin uneinnehmbare Burgen waren bezwingbar geworden. Als Wendepunkt gilt die Schlacht bei Pavia (1525), wo ein gl�nzendes franz�sisches Ritterheer an der spie�estarrenden Viereckschlachtordnung der deutschen Landsknechte unter Georg von Frundsberg und anderer S�ldner des kaiserlichen Heeres zerschellte. Die Bl�te des franz�sischen Adels war vernichtet, ein Zeitalter ging zu Ende. Die Ritter wehrten sich gegen ihren Niedergang, aber die Mittel waren immer weniger mit der Ethik des Adels vereinbar.

Ein ausuferndes Fehdewesen f�hrte zu Gewalt und Rechtlosigkeit. �berf�lle auf Reisende und Kaufleute, oft verbunden mit Geiselnahme zur Erpressung von L�segeld, Pl�nderung und Raub lie�en viele zu Stra�enr�ubern und Schnapph�hnen werden. Auf dem Reichstag zu Worms wurde der "Ewige Landfriede" und dieEinf�hrung des "Gemeinen Pfennigs", einer Reichssteuer, beschlosse: Die Ritterschaft betrachtete die Besteuerung als den Bruch von Herkommen und altadeliger Freiheit und als erniedrigend. F�r sie sollte weiterhin gelten: "Ritter steuern mit ihrem Blut."

Unter dem Druck der Verh�ltnisse (T�rkenkriege) erkl�rten sie sich zu einer freiwilligen Leistung von sogenannten "Charitativ Subsidien" direkt an den Kaiser bereit. Ein Teil der Ritterschaft wurde lands�ssig, die Reichsritter schlossen sich b�ndisch zusammen, vom Wohlwollen des Kaisers begleitet, der allerdings in seinen habsburgischen Erblanden keine unmittelbare Ritterschaft duldete. Trotzdem gelangten sie nicht zur vollen Reichsstandschaft, ein Umstand, den sie sp�ter sehr zu bereuen hatten.

 

Ritterkreise im Kahlgrund:

W�hrend im unteren Kahlgrund und links der Kahl verh�ltnism��ig fr�h gro�e zusammenh�ngende Territorien entstanden, gab es im gro�en Kahlbogen, also wesentlich im Landgericht Krombach, weit verstreuten Adelsbesitz.

Im Kampf um die Durchsetzung der Vorherrschaft trat dem Erzstift Mainz mit den Grafen von Rieneck ein ernstzunehmender Widersacher entgegen. Machtzentrum war eine starke Burg �ber dem Ort Rieneck, 1179 erstmals urkundlich erw�hnt, mit dem M�ndungsgebiet von Sinn und Fr�nkischer Saale unter Einschlu� von Lohr. Von hier aus dehnten sie ihren Einflu�bereich am Main entlang und durch den Spessart und damit auch in den Kahlgrund aus. Nach langen Auseinandersetzungen (1260 - 1271) gelang es Mainz, die Rienecker zur�ckzudr�ngen und ihre Landeshoheit zu befestigen. Das Landgericht Krombach ging als mainzisches Lehen an die Grafen von Rieneck, die es als Afterlehen an die Reiprecht von B�dingen, zeitweise gemeinsam mit diesen an die Herren von Fechenbach weitergaben.

Im Jahr 1559 starb das Geschlecht der Grafen von Rieneck in der Manneslinie aus, das Lehen fiel an Mainz zur�ck und wurde vom Erzstift erneut an die Reiprecht von B�dingen als Erblehen verliehen. Danach kauften die Groschlag von Dieburg das Landgericht; die Gerichtsbarkeit zwischen Kahl und Westerbach besa�en sie bereits. Philipp Erwein von Sch�nborn erwarb 1666 das Landgericht Krombach. Die Landeshoheit blieb bei Mainz, eine Quelle langj�hriger Streitigkeiten zwischen Kurmainz und den Grafen von Sch�nborn.

In dieses reichsritterschaftliche Gebiet reichten der Rheinische und Fr�nkische Reichsritterkreis hinein, der erstere durch den Kanton Mittelrhein mit Sitz auf Burg Friedberg in der Wetterau, der andere mit dem Kanton Odenwald, der mindest zuletzt in Heilbronn sa�. Zur Rittertruhe auf Burg Friedberg steuerten D�rnsteinbach, Niedersteinbach, Schneppenbach und Waag, zum Kanton Odenwald Gro�kahl, Gro�laudenbach, Hofgut und Gasse in Sch�llkrippen, Huckelheim, Ober- und Unterwestern und der Wesemichhof. Als ritterlich anerkannt, wenn auch ohne Reskript, waren Daxberger Hof (auch Glashof), Forstm�hle bei Sch�llkrippen, H�ttenberg, Langenborn, Reuschberg und Schabernack. Au�erdem wurde das Schlo� in Wasserlos, also au�erhalb des Landgerichtes, vom Mittelrheinischen Kreis in Anspruch genommen, von Mainz aber nicht anerkannt. F�r die Forstm�hle, den Reuschberg und Gut Schabernack bestritt Freiherr von Dalberg als Grundeigent�mer das Bestehen einer erzstiftischen Hochgerichtsbarkeit. Zu den au�erordentlichen Belastungen f�r die Einwohner des Landes geh�rten der Durchzug von Milit�r und die Anforderung von Diensten aller Art durch die Soldaten. Soweit es sich um feindliche Truppen - wie in der Franzosenzeit - handelte, gab es dagegen keine Handhabe. Anders war es bei der Reichsarmee und ihren Verb�ndeten und Hilfsv�lkern. Die Ritterschaft, welcher der Schutz ihrer Untertanen oblag, konnte sich dabei auf ein "Kayserliches Exemtionspatent" vom 4. August 1757 berufen. Freilich, verschont blieben auch dann die Einwohner nicht immer, besonders zu Kriegszeiten. Dazu berichtet Eichelsbacher in "Der Kahlgrund" von 1928, da� der Ritterort Odenwald 1795 zur Fortbringung des kaiserlichen Magazins nach Limburg an der Lahn t�glich 450 Fuhren gefordert habe. Davon trafen auf das Amt Krombach t�glich vier Wagen.

 

Ende der ritterschaftlichen B�nde:

Mit dem Ende des alten Reiches im Jahre 1806 war das Schicksal der Reichsritterschaft besiegelt. Die Mediatisierung durch den Reichsdeputationshauptschlu� machte aus unmittelbaren Rittern adelige Gutsbesitzer. Anzeichen drohenden Unheils hatte es schon vorher gegeben. Als 1791 die F�rstent�mer Ansbach und Bayreuth an Preu�en fielen, war die dortige Ritterschaft unter das Landassiat gezwungen worden. Besonders der Ritterkreis Franken war davon betroffen und ging geschw�cht in die folgenden Auseinandersetzungen.

Nach den Koalitionskriegen besetzten franz�sische Truppen die linksrheinischen Gebiete. Wie in Frankreich ging damit auch hier der Adel seine Privilegien verlustigt. In Deutschland wurden die Adelspr�dikate durch die Verfassung der Weimarer Republik von 1919 zu Teilen des Namens. Die Zeit der Ritter war zu Ende.

 

 

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Teil 73

Quellenverzeichnis

 


80 Jahre Frw.Fw.Albstadt: Heimatbote 1960
Albstadt - Chronik Heindl
Albstädter Bauernfamilien "Heimatjahrbuch 1957" M.Schäfer
Albstädter Gaststätten Artur Heinl
Albstädter Straßennamen Artur Heinl
Alzenau wird bayerisch Karl Amberg
Aufzeichnungen Pfarrer Krick Karl Amberg
Aschaffenburger Wappenbuch 1983 Alfred F.Wolfert
Bericht über ländliche Schulen von 1783 K.Fischer Zeitschrift "Spessart"
Bruderkrieg 1866 Karl Amberg
Chronik des Marktes Mömbris 1982 Emil Griebel
Das Römerreich der Deutschen Pörtner
Denkmale des Brotes Karl Amberg
Die Geschichte der Burgen Ronneburg und Rannnenberg und ihre Besitzer Schenk Schweinsberg
Die Edelherrn v. Krombach-Kälberau-Rannenberg M.Schäfer
Die Reichsritterschaft im Kahlgrund Karl F. Glaab
Die Schelriß von Wasserlos M.Schäfer
Der Freigerichter Reichshofratsprozeß in Wien Paul Hupach
Die Familie derer von Gonsrod Thekla Hofmeister, Peter Weinsberger
Die trockensten u. heißesten Sommer seit 1000 Jahren Hermann Kehrer, Gerhard Nees
Dörfliche Lebenswelt unserer Ahnen aus heutiger Sicht Heinrich Eich
Einrichtung der Poststelle Albstadt Artur Heinl
Ein Hubgericht auf dem Fronhofe in Somborn Paul Hupach
Flüchtlinge und Vertriebene Hillmann
Festbuch "100 Jahre Freiwillige Feuerwehr Albstadt" 1980 Walter Scharwies, 1.Bürgermeister der Stadt Alzenau
Filialkirche wird 1827 von Somborn getrennt Paul Hupach (Somborn)
Flüchtlinge im Altkreis Alzenau Landratsamt Aschaffenburg
Funde zur Vorgeschichte: Kahlgebiet. Aufzeichnungen aus der Monatsschrift Heimatforschung
Protokollbuch der Gemeindeverwaltung Gemeindearchiv Albstadt,
Geschichte der Schule, des Standes und des Vereins J.A. und R. Eichelsbacher
Gilten und Zehnten in der Gemeinde Albstadt, 1513 - 1831, Archiv-Nr.6500 Stiftsbibliothek Aschaffenburg
Glockenenteignung in Alzenau Matthias Klotz
Gewichte und Eichwesen Registratur des Landratsamtes Aschaffenburg
Hanauer Urkundenbuch III, Nr.262 H.Reimer
Heimat Dr.Heinrich Degen
Hanauer Urkundenbuch, Leipzig 1891-1897, Stadtarchiv Hanau Heinrich Reimer
Heimatjahrbuch "Unser Kahlgrund" 1977
Hexenglaube Georg Hubert
Hüttelngesäß Paul Hupach
Im Sagenborn Eicheldbacher
Kirchenbücher der Pfarrei Somborn und der Kuratie Albstadt
Kartographische Aufnahme des Spessarts Paul Hupach
Kaiserpfalz Gelnhausen 1980 Wolfgang Einsingbach
Kulturgeschichtliche Entwicklung des Alzenauer Raumes Heimat- und Geschichtsverein e.V. Alzenau
Mainzer Schulsachen, Signatur 186 StA Würzburg
Mein Kahlgrund Eichelsbacher
Ortsgeschichte von Albstadt, Überarbeitung: Hans Giesübel / Würzburg 1975
Ortsgeschichte von Albstadt: Oberlehrer i.R. Kaspar Menth / Albstadt im Jahre 1960
Ortsgeschichte von Albstadt, Ergänzung: Hans Ritter / Alzenau 2002
Örtliche Sagen Menth
Prähistorische Brandgräber a.d. Zeit um 2000-1000 v.Chr. in der Nachbargemeinde Neuses.
Reichsritterschaft: Karl.F.Glaab, Gro�welzheim, "Die Organisation der Reichsritterschaft im mittleren und oberen Kahlgrund", Unser Kahlgrund 2000, S.31.
Tagebuch des Pfarrers Krick Karl Amberg
Taufbuch von 1772, Anhang Miscellanea Pfarramt Alzenau
Überfall auf die Burg von Albstadt Werner Kempf
Viehzählungen Stadtarchiv Alzenau
Viele unschuldige Opfer Main-Echo Nr.72 v.27.3.1965
Vor 750 Jahren: 1.urkundl.Erwähn.Albstadts Artur Heinl
Wasserleitungen in Alzenau Heribert Amberg

 

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