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Band XVI (1999) Spalten 549-551 Autor: Ekkart Sauser

GANGLBAUER, Cölestin: Benediktinerabt, Fürsterzbischof von Wien, Kardinal, * 20.8. 1817 in Thanstetten bei Kremsmünster, † 14.12. 1889 zu Wien. - G. entstammte dem Bauernhaus Neuhauser der Gemeinde Thanstetten b. Kremsmünster, heute Schiedlberg genannt. Er erhielt den Taufnamen Josef. Nach seinen Gymnasialstudien in Kremsmünster in den Jahren 1830-1838 trat er am 24. September 1838 in das Stift Kremsmünster ein. Die Profeß war am 25. August 1842, dann Studium der Theologie in Linz in den Jahren 1839-1843, 1843 wurde er zum Priester geweiht. Nach verschiedenen Stellen am Stift zu Kremsmünster wurde er am 19. April 1876 zum Abt von Kremsmünster in Oberösterreich gewählt. Verschiedene Aufgaben führten ihn immer wieder aus dem Kloster hinaus, so z. B. als Mitglied des Herrenhauses des österreichischen Reichsrates. Er ließ viele Dinge im Kloster erneuern, so beendete er auch die Restaurierung des Stiftes und vor allem der Stiftskirche. 1877 beging er mit seinem Konvent das Jubiläum des 1.100jährigen Klosterbestandes. Der Nuntius wie der Vertreter des Kaisers lernten ihn und sein diplomatisches Geschick kennen. Das blieb nicht ohne Folgen. Als der Wiener Bischofsstuhl neu zu besetzen war, nominierte ihn der Kaiser Franz Joseph. Seine Ernennung erfolgte am 22. März 1881. Am 4. August 1881 vollzog Papst Leo XIII. die Präkonisation, wodurch der Verzicht auf die Abtei verbunden war. G. erhielt die Bischofsweihe an 28. August 1881 durch den Nuntius Vanutelli in der Stiftskirche zu Kremsmünster. Am 10. November 1884 wurde er im Geheimen Konsistorium von Leo XIII. zum Kardinal kreiert, als Titelkirche erhielt er S. Eusebio zugewiesen. - Altmann Kellner OSB kennzeichnet seine Persönlichkeit mit den knappen und treffenden Worten: »Als Fürsterzbischof war es sein Grundsatz, zuerst Bischof und dann erst Politiker zu sein. Die aufgeregte Atmosphäre der Kaiserstadt bedurfte besonders seines gütigen, ausgleichenden Wesens. Bis zum heutigen Tage wirkt sich die Gründung des Wiener Kirchenbau-Vereines segensreich aus.« (Profeßbuch des Stiftes Kremsmünster, 477). Die Förderung des Kirchengesanges und der Kirchenmusik lag ihm sehr am Herzen. Auch förderte er sehr das kath. Vereinwesen. Der kath. Schulverein stand bei ihm in hohen Ehren. Auch am kath. Universitätsverein Salzburg war er beteiligt. Auf dem zweiten gesamtösterreichischen Katholikentag im Jahre 1889 war die soziale Frage in den Mittelpunkt durch G. gerückt. In seinem letzten Hirtenbrief hat G. dieses Thema auch aufgegriffen. - Wenn Maximilian Liebmann G. als »gutmütig, aber wenig markant« kennzeichnet, dann ist durch dieses leicht abschätzig zu empfindende Urteil G. wohl nicht richtig gewertet. Seit 1888 wiederholt vom Schlage gerührt, starb G. bereits 1889, kurz vor Weihnachten. Er wurde beerdigt im Dom zu St. Stephan in Wien, in. der Gruft vor dem von ihm geschaffenen Herz-Jesu-Altar.

Lit.: A. Kellner: Profeßbuch des Stiftes Kremsmünster, Kremsmünster 1968, 476-478; - M. Liebmann: Ganglbauer, Cölestin Joseph, 1817-1889, in: E. Gatz: Die Bischöfe der deutschsprachigen. Länder 1785/1805 bis 1945, Berlin 1983, 231-232; - Fr. Loidl: Cölestin Joseph Kardinal Ganglbauer, Fürsterzbischof von Wien (1881-1889), in: Beiträge zur Wiener Diözesangeschichte, Wien 1964; - J. Lenzenweger: Die Ernennung des Abtes Cölestin Ganglbauer von Kremsmünster zum Fürsterzbischof von Wien, in: Mitteilungen des oberösterreichischen Landesarchives 12 (Linz 1977) 121-144.

Ekkart Sauser

Letzte Änderung: 26.09.1999