Jutta von Sponheim (1092 – 1136)

Das Fräulein von Spanheim mit dem Vornamen hebräischer Herkunft (Frau aus Juda), Schwester des aufstrebenden Grafen Meginhard, war die Älteste der vier jungen Frauen, für die 1112 bei den Benediktinern vom Disibodenberg eine Klause eingerichtet wurde. Mitgift war ansehnlicher Grundbesitz aus mütterlichem Erbe: Kirche und Hof Nunkirchen zwischen Bockenau und Winterburg.

Die Klausnerinnen übten Askese, Gebet und Meditation und lebten nach den Ordensregeln. Vielleicht lernten sie erst in der Gemeinschaft Lesen und Schreiben, denn auch der Adel ließ  den Töchtern kaum mehr Bildung zukommen als für Ehefrauen und Mütter „nötig“ war. Das Singen der Psalmen und das Beschäftigen mit der Bibel machte Latein, Hebräisch und  Griechisch notwendig. Es wurde erarbeitet.

Die Qualität des Klosterlebens um Jutta und die den Sponheimern nahestehende spätere Mystikerin Hildegard sprach sich herum. Auch mangels anderer Angebote in der Region stieg die Zahl der Ordensfrauen bald auf etwa zwanzig, was organisatorisch zu einem Doppelkloster führte.

Die Rekluse Jutta war Erzieherin und Lehrerin der anvertrauten Mädchen. Als Vorsteherin nahm sie Gelübde ab, als Meisterin oder magistra steht sie in Biografien. Die disziplinierte und wahrscheinlich robuste Sponheimerin war vorbildlich im Wachen und Fasten und absolvierte den harten Klosteralltag samt strengen Bußübungen bis zum Tod. Die körperlich labile Hildegard widmete den Schwächen des Daseins fast vier Lebensjahrzehnte länger Aufmerksamkeit.

Einige Jahre nach Juttas Tod gründeten Hildegard und ihre Gefährtinnen, zu denen auch Meginhards Tochter Hiltrud gehörte, ihr Kloster Rupertsberg an der Nahe gegenüber Bingen.

Die Klosteranlage Disibodenberg, heute als Ruine und Ort der Besinnung zugänglich, war jahrhundertelang von Mönchen besiedelt. Die Geschichte der Klausnerinnen ist nur für wenige Jahrzehnte dokumentiert. In den Strukturen des Adels und der Kirche hatte Gräfin Jutta ihre Nische gefunden.

Resi Oster

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