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Band XVII (2000)Spalten 1289-1290 Autor: Ekkart Sauser

SERBELLONI, Fabrizio: Kardinal und Apostolischer Nuntius am Wiener Hof, * 4.11. 1695 in Mailand, † 7.12. 1775 in Rom. - Nach Beendigung seiner juridischen Studien in Pavia begab er sich nach Rom, wo er 1719 in die römische Prälatur eintrat. Clemens XII. ernannte ihn 1731 zum Nuntius in Florenz und machte ihn zum Titularerzbischof von Patras. In den Jahren 1735-1738 war S. Nuntius in Köln, um dann als Nuntius nach Polen zu kommen. Benedikt XIV machte S. im März 1746 zum Nuntius in Wien, wo er bis 1754 blieb. S. kam nach Wien, als gerade die Verhandlungen zur Anerkennung der Kaiserwahl von Franz I. zwischen Wien und Rom liefen. Nachdem dies geglückt war, blieb dennoch ein Rechtsstreit zwischen Kaiser und Papst um die päpstlichen Lehen Scavolino und Carpegna in der Toskana - der Kaiser war nämlich auch Großherzog der Toskana. S. sollte nun die Proteste des Papstes bei Hof vortragen. Er wurde jedoch zunächst nicht zugelassem. Erst auf den Protest des Papstes hin, wurde er am Hofe empfangen. Kaiser Franz I. war zu Verhandlungen bereit und S. wurde dazu ermächtigt. Erst im Jahre 1754 konnte die Sache durch eine Übereinkunft geregelt werden. - Eine andere Frage zwischen Rom und Wien war die des Patriarchates von Aquileia. Das Territorium von Aquileia lag nämlich auf dem Boden österreichischer und venezianischer Souveränität. Nach langen Verhandlungen wurde das Patriarchat von Aquileia aufgelöst und es kam zur Errichtung der Erzdiözesen Görz, unter österreichischer Herrschaft, und Udine unter venezianischer Herrschaft. Unter S. wurde auch eine sog. Religionshofkommission gegründet zwecks Errichtung neuer Pfarreien und deren Finanzierung. Als jedoch die Kaiserin dafür die Verwendung der Güter der Abteien und Konvente bei Benedikt XIV. erbat, lehnte dieser ab. Als S. das letzte Jahr Nuntius war, kam es auf Anregung Maria Theresias zur Reform einiger Festtage. Der Papst stimmte der Aufhebung der gesetzlichen Festtagsruhe zu, verlangte aber die Teilnahme an der Hl. Messe. Am 26. November 1755 wurde S. Kardinal mit dem Titel von S. Stefano al Monte Celio. 1774 wurde er Dekan des Kardinalskollegiums. Nach seinem Tode wurde er in S. Carlo al Corso beerdigt.

Lit.: D. Squicciarini: Die Apostolischen Nuntien in Wien, Città del Vaticano 1999, 183-185.

Ekkart Sauser

Letzte Änderung: 19.05.2000