Der Deutsche Orden erhält das Kulmer Land

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Durch die Goldene Bulle von Rimini verleiht Kaiser Friedrich II. dem Deutschen Orden die Herrschaft über das Kulmer Land östlich der unteren Weichsel



Im Namen der heiligen und ungeteilten Dreifaltigkeit, Amen. Friedrich II. von Gottes Gnaden Kaiser der Römer, zu allen Zeiten Mehrer des Reiches, König von Jerusalem und Sizilien. Gott hat darum unser Kaisertum über alle Könige der Erde erhöht und den Machtbereich unserer Herrschaft über verschiedene Zonen hin ausgedehnt, damit Sein Name in dieser Welt verherrlicht und der Glaube unter den Heidenvölkern verbreitet werde. Wie Er das Heilige Römische Reich zur Verkündigung des Evangeliums geschaffen hat, so haben wir unsere Sorge und Aufmerksamkeit ebenso der Unterwerfung wie der Bekehrung der Heidenvölker zuzuwenden (...)

Aus diesem Grunde tun wir mit diesem Schreiben allen jetzt lebenden und allen künftigen Angehörigen unseres Reiches kund und zu wissen: Bruder Herrmann, der erwürdige Meister des heiligen Deutschen Hospitales der heiligen Maria zu Jerusalem und unser Getreuer, hat uns in aller Ergebenheit vorgetragen, daß unser getreuer Konrad, Herzog von Masowien und Kujawien, für das Kulmer Land und das Land zwischen seiner Mark und dem Gebiete der Preußen für ihn und die Brüder Vorsorge treffen will. Demnach sollen die Brüder die Mühe auf sich nehmen und bei günstiger Gelegenheit zur Ehre und zum Ruhme des wahren Gottes in das Preußenland einziehen und es besetzen. Hermann verschob die Annahme dieses Angebotes und wandte sich zuerst an unsere Erhabenheit mit seinem ergebenen Gesuche; falls wir uns würdigten dies zu genehmigen, wolle er im Vertrauen auf unsere Vollmacht das gewaltige Werk in Angriff nehmen. Unsere Erhabenheit solle dann ihm und seinem Hause das Land, das ihm genannter Herzog überlassen, wie auch alles Land, das sie in Preußen durch ihre Bemühung gewinnen, bestätigen und außerdem seinem Hause hiefür kraft eines Privilegs alle Rechte und Freiheiten gewähren. Dann wolle er die Schenkung des genannten Herzogs annehmen und die Güter und Personen seines Hauses für den Einmarsch und die Eroberung des Landes in unermüdlicher, immerwährender Arbeit einsetzen.

(...)

Wir genehmigen und bestätigen diesem Meister, seinen Nachfolgern und seinem Hause für alle Zeit, daß sie das genannte Land, das sie vom Herzog Konrad nach dessen Versprechen erhalten werden, ferner jenes Gebiet, das ihnen dieser vielleicht sonst überläßt, schließlich was sie mit Gottes Gnade in Preußen erobern, mit den Gerechtsamen in Bergland, Ebenen, auf Flüssen, in Wäldern und auf See wie ein altes Reichsrecht in Freiheit ohne Dienstleistung und Steuerpflicht ohne irgendwelche gemeine Lasten innehaben und niemand für dies ihr Land Rechenschaft schuldig sind. Es soll ihnen ferner verstattet sein, in dem ganzen Gebiete, das sie jetzt oder später erobern, zum Vorteil ihres Hauses Weg- und andere Zollstätten zu errichten, Messen und Märkte zu bestimmen, Geld zu schlagen, Steuern und andere Abgaben zu erheben, auf den Flüssen und dem Meere, wie es gut scheint, Fahrtordnungen aufzustellen, ferner sollen sie immer das Bergwerkrecht haben auf Gold, Silber, Erz und andere Metalle und Salz, falls dergleichen sich in den Ländern findet oder sich noch finden wird. Außerdem verleihen wir ihnen das Recht, Reichter und Verwaltungsbeamte einzusetzen, die das ihnen untertänige Volk, die zum Glauben Bekehrten wie die in ihrem Wahnglauben Lebenden, gerecht regieren und leiten, die Vergehen der Übeltäter vernünftig bestrafen, die Zivil- und Strafsachen untersuchen und nach Maßgabe der Vernunft verbescheiden. Wir fürden dem aus unserer besonderen Gnade hinzu, daß dieser Meister und seine Nachfolger in ihren Ländern die Obrigkeitsrechte haben und ausüben, wie sie dem mit den besten Rechten ausgestatteten Reichsfürsten in seinem Lande zukommen, auf daß soe gute Gepflogenheiten einführen und Satzungen geben, durch die der Glaube der Christen gestärkt werde und ihre Untertanen sich in allem des Friedens und der Ruhe erfreuen.

Kraft dieses Privilegs verbieten wir jedem Fürsten, Herzog, Markgrafen, Grafen, Ministerialen, Schulzen, Vogt, jeder Person hohen oder niederen, kirchlichen oder weltlichen Standes sich irgend etwas gegen die Vergünstigung oder Bestätigung herauszunehmen. Sollte jemand solches wagen, so wisse er, daß er einer Strafe von tausend Pfund Goldes verfällt, wovon er die Hälfte unserer Kammer, die andere den Geschädigten zu zahlen hat.



Aus: Lesebuch zur deutschen Geschichte. Herausgegeben und bearbeitet von Bernhard Pollmann. Dortmund 1989.