L√ętzebuerg
Staat erkennt Islam als Religion an
8000 Muslime sollen besser in die juristische Landschaft eingebunden werden
Letzte Aktualisierung: 24-07-2007 17:40

(vb) - Der Islam erhält in Luxemburg die gleichen Rechte wie die anderen Glaubensgemeinschaften . Kultusminister François Biltgen stellte am Dienstag eine Konvention vor, die das Verhältnis zwischen den etwa 8000 Moslems im Land und dem Staat regelt.

Die moslemischen Glaubensgemeinschaften werden zukünftig von einem Rat aus fünf Imamen und einem Mufti als religiösem Oberhaupt vertreten. Dieser Rat - "Shoura" genannt - fungiert als Ansprechpartner für den Staat, seine Mitglieder werden wie Staatsbeamte bezahlt. Der Mufti schwört einen Eid auf den Großherzog und die Verfassung des Landes und verpflichtet sich damit, dass seine Glaubensgemeinschaft die Gesetze und die öffentliche Ordnung einhält .

Moslems bemühen sich schon lange um Konvention

"Die Konvention gibt keiner Religionsgemeinschaft weitere Rechte als die, die in Verfassung festgeschrieben sind", sagte Minister Biltgen. Ähnliche Konventionen gibt es bereits seit 1998 mit der katholischen und evangelischen Kirche, der orthodoxen Glaubensgemeinschaft und der jüdischen Gemeinde.

Bereits unter Kultusministerin Erna Hennicot-Schoepges hatten sich die Muslime in Luxemburg darum bemüht, als Religionsgemeinschaft anerkannt zu werden. Nach Aussagen von Minister Biltgen war eine Voraussetzung für diesen Schritt, dass ein einziges Gremium für alle Muslime geschaffen wird.

Mit der Konvention möchte die Regierung den Islam besser in die juristische Landschaft in Luxemburg einbinden. Weil der Islam keine zentralisierten Strukturen kennt, führen die verschiedenen Glaubensrichtungen ein Eigenleben. Verhandlungen zwischen Staat und Moslems waren dadurch bisher erschwert worden.

Außerdem, so Biltgen, trage der Staat mit der Konvention dem Prinzip der Gleichbehandlung der Religionen Rechnung.

Staat wacht über "Ordre public"

Mit der Konvention erhalten die Muslime in Luxemburg das Recht, neue Glaubensgemeinschaften zu gründen. Bisher gibt es vier Gemeinden in Mamer, Esch/Alzette, Wiltz und Differdingen. Auch dürfen diese Gemeinden Moscheen bauen, die sie allerdings selbst finanzieren müssen. Eine moslemische Gemeinde hat bereits den Wunsch geäußert, eine solche Moschee zu errichten.

Minister Biltgen betonte, dass der Staat bei allen Religionen über die Einhaltung des "Ordre public" wache. Bei rassistischen Predigten oder Aufruf zum Terror werde die Polizei die nötigen Schritte einleiten.

Die etwa 8000 Moslems in Luxemburg kommen hauptsächlich aus den ehemals jugoslawischen Republiken Montenegro und Bosnien-Herzegowina. Doch in den vergangenen Jahren ist auch ein Zuzug von Muslimen aus anderen Ländern festzustellen.

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