Wewelsburg - Kreismuseum
SS-Architektur
   
Nordturm von Nordwesten 1932/ 1933
Nordturm von Nordwesten 1932/ 1933
Ab 1941 sprachen die SS-Architekten davon, die Gesamtanlage in Wewelsburg innerhalb der nächsten 20 Jahre auszubauen. Der verbreiterte und vergrößerte Nordturm sollte im Zentrum der geplanten kreisförmigen Anlage mit einem Radius von 600 Metern stehen. Ring- und Stichstraßen, Gebäude und Ringmauern waren auf den Nordturm ausgerichtet. Diese "Mittelpunktsidee" wurde zunächst in den beiden nahezu fertiggestellten und heute noch erhaltenen Räumen aufgenommen.

Modell der geplanten Anlage, 1941
Modell der geplanten Anlage, 1941

Modell mit letztem Planungsstand, 1944^Zum Vergrössern bitte anklicken
Modell mit letztem Planungsstand, 1944

Alamannische Zierscheiben aus dem 7. Jahrhundert

Alamannische Zierscheiben
aus dem 7. Jahrhundert
Im ehemaligen "SS-Obergruppenführersaal" befindet sich in der Mitte des Fußbodens ein Ornament, welches aus drei Ringen und zwölf Speichen besteht, die als Sig-Runen interpretiert werden können. Es handelt sich dabei um ein Sonnenrad. Als Vorbild diente wahrscheinlich eine der zahlreichen Bronze-Zierfibeln, wie sie seit dem 3. Jahrhundert von fränkischen und alamannischen Frauen am Gürtel getragen wurden. Die Germanen lernten die Fibeln durch den Kontakt mit der römischen Kultur kennen und entwickelten sie weiter. Dieses spezielle Ornament, eine Abwandlung einer römischen Hakenkreuzfibel, entstand im 7. Jahrhundert, zu einer Zeit, als die meisten Alamannen und Franken bereits zum Christentum bekehrt worden waren.

SS-Bauzeichnung zum geplanten Ausbau des Nordturms, 1941
SS-Bauzeichnung zum geplanten
Ausbau des Nordturms, 1941
Die Stilelemente, die die SS bei den Umbauarbeiten in der Wewelsburg anwandte, stehen in der Tradition der Architektur des Kaiserreichs, deren Hauptelemente Säule und Sims waren. Im ehemaligen "SS-Obergruppenführersaal" wurden zwölf Säulen sowie kirchlich anmutende Halbkreisbögen und Kreuzgratgewölbe zu den Fenstern hin errichtet. Die aus der Romanik und dem Klassizismus übernommenen Bauformen sollten dem Raum eine feierliche Wirkung geben. Verbunden wurde diese Herrschaftsarchitektur des "nationalsakralen Zentralbaus" mit moderner Bauweise: gegossene Betonkonstruktionen wurden mit Naturstein verkleidet: die Gewölbe mit Tudorfer Pflaster, die Säulenaufsätze und Wände mit Anröchter Dolomit. Der Raum erhielt eine stuckierte Spannbetondecke. Die ehemals gotisierenden Fenster wurden zugemauert und neue, längliche Fensteröffnungen in das Gemäuer gehauen.

Blick in den Keller des Nordturms, 1943
Blick in den Keller des Nordturms, 1943

Blick aus dem Burggraben auf den Nordturm
Blick aus dem Burggraben auf den Nordturm während der Bauarbeiten in der "Gruft", 1942/ 1943
Die "Gruft" wurde in Anlehnung an mykenische Kuppelgräber gestaltet. Auch hier sollten Form, Akustik und Lichtführung eine feierliche Atmosphäre erzeugen. Die Lichtschächte vor den Fenstern bewirken eine bewusste Ausleuchtung der Raummitte, während die Podeste am Rand im Dunkeln liegen. Der Scheitel der "Gruft" wurde mit einem Hakenkreuz-Relief verziert. Bei der Decke handelt es sich um eine mit Naturstein verkleidete Betonverschalung. Für die Vertiefung in der Mitte des Raums war eine Flammenschale vorgesehen. Das Endstück für die Gaszuleitung der beabsichtigten "ewigen Flamme" ist noch heute zu erkennen. An den Wänden des Raumes befinden sich zwölf Betonsockel, deren beabsichtigte Funktion nicht endgültig geklärt ist.

Die Errichtung eines weiteren Saals in den neu zu bauenden Obergeschossen des Turmes mit einer riesigen Kuppel wurden nicht realisiert.

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