PETER LAUSCH

ALTE ROLLFILMFORMATE

 

 

Von Kodak gab es für die diversen Kameras viele verschiedene Rollfilmformate. Solange dies noch einigermaßen übersichtlich war, half man sich damit, dass man beim Kauf eines Films jeweils angeben musste, für welche Kamera  von Kodak er bestimmt war. 1908, manche sagen, erst 1913, war dieses System so unübersichtlich und fehleranfällig geworden, dass sich Kodak entschloss, die verschiedenen Filmsorten durchzunummerieren.

In der nachstehenden Tabelle habe ich die von Kodak gewählten Konfektionierungen für die entsprechenden Rollfilme zusammengestellt. Die Lieferdauer bezeichnet jeweils den Zeitraum, während dem die entsprechenden Filme von Kodak geliefert wurden.

Der Rollfilm 127 wird von EFKE in Kroatien noch immer erzeugt und ist z. B. in Deutschland und den USA übers Web erhältlich, da offenkundig noch eine Nachfrage nach diesem Format besteht, wenngleich es von Kodak nicht mehr gewinnbringend erzeugt werden konnte. 

Das Aufnahmeformat ist jeweils in cm (umgerechnet und gerundet) und in Inch angegeben.

 

Nummer Lieferbar von – bis Lieferdauer
in Jahren
Aufnahmeformat in cm/inch Bemerkungen
         

101

1895-1956

61

9 x 9
3 1/2 x 3 1/2

 

102

1895-1933

38

4 x 5
1 1/2 x 2

 

103

1896-1949

53

10 x 13
4 x 5

 

104

1896-1949

53

13 x 10
5x4

 

105

1897-1949

52

6 x 8
2 1/4 x 3 1/4

 

106

1898-1924?

?

9 x 9
3 1/2 x 3 1/2

Rollenhalter

107

1898-1924?

?

9 x 11
3 1/4 x 4 1/4

Rollenhalter

108

1898-1929

31

11 x 9
4 1/4 x 3 1/4

Rollenhalter

109

1898-1924?

?

10 x 13
4 x 5

Rollenhalter

110

1898-1929

31

13 x10
5 x 4

Rollenhalter

111

1898-1924?

?

16,5 x 12
6 1/2 x 4 3/4

Rollenhalter

112

1898-1924?

?

18 x 13
7 x 5

Rollenhalter

113

1898-

?

9x12
 

Rollenhalter,
in cm

114

1898-

?

12x9

Rollenhalter,
in cm

115

1898-1949

51

18 x 13
7 x 5

 

116

1899-1984

85

6,5 x 11
2 1/2 x 4 1/4

Langlebigstes
Rollfilmformat!

117

1900-1949

49

6 x 6
2 1/4 x 2 1/4

 

118

1900-1961

61

8 x 11
3 1/4 x 4 1/4

 

119

1900-1940

40

8 x 11
3 1/4 x 4 1/4

 

120

1901 – dato

99

6 x 9
2 1/4 x 3 1/4

Noch lieferbar!

121

1902-1941

39

4,5 x 6,5
1 5/8 x 2 1/2

 

122

1903-1971

68

8 x 13
3 1/4 x 5 1/2

 

123

1904-1949

45

10 x 13
4 x 5

 

124

1905-1961

56

8 x 11
3 1/4 x 4 1/4

 

125

1905-1949

44

8 x 14
3 1/4 x 5 1/2

 

126

1906-1949

43

11 x 16,5
4 1/4 x 6 1/2

Nicht Instamatic!

127

1912-1995

83

4,5  x 6,5
1 5/8 x 2 1/2

 

128

1912-1941

29

8 x 4
2 1/4 x 1 1/2

 

129

1912-1951

39

8 x 5
3 x 2

 

130

1916-1961

45

7 x 12
2 7/8 x 4 7/8

 

35

1916-1933

27

32 x 44

Originalmaß: cm

220

1965-

?

6 x 9
2 1/4 x 3 1/4

Noch lieferbar!

616

1932-1984

52

6,5 x 11
2 1/2 x 4 1/4

 

620

1932-1995

52

6 x 9
2 1/4 x 3 1/4

120+Metallspule

135

1934-

----

24 x 36

Originalmaß: cm

828

1935-1985

50

28 x 40

Bantamformat

Anmerkungen:
 

Kodak begann mit der Nummerierung  mit dem ab 1898 für die Kodak Bullet Nr. 2 bestimmten Film, der die Nummer 101 erhielt.  1913 war man bereits bei Nummer 129 angekommen.  

Nr. 101-106 sowie 115-130 waren für Rollfilmkameras bestimmt, Nr. 107-114 konnten mit entsprechenden Rollfilmadaptern in Plattenkameras verwendet werden.

Heute sind Rollfilme nur mehr in drei Formaten (Konfektionierungen) erhältlich: 120, 127 und 220.

Manche Filme für das gleiche Bildformat unterscheiden sich in - wesentlichen - Details, namentlich im Durchmesser des Spulenkerns und der Spulenbreite sowie in der Länge des jeweils aufgespulten Films. Die Filme 120 und 116 entsprechen vom Aufnahmeformat her an sich den Filmen Nr. 620 und 617, unterscheiden sich jedoch im Spulendurchmesser und in der Filmlänge. Durch dünnere Spulendurchmesser wurden dünnere Kameras möglich. So hat der Rollfilm 620 einen dünneren Spulenkern als der Rollfilm 120. Der Rollfilm 117 ist dagegen nur halb so lang. Mit ihm waren nur 6 Aufnahmen im Format 6 x 6 cm möglich.  Er wurde z. B. im ersten Modell der Rolleiflex verwendet. Der Spulendurchmesser ist ebenfalls etwas geringer  als beim Rollfilm 120, genug jedoch, dass der Film 120 nicht in die Rolleiflex eingelegt werden kann - außer die Kamera ist von Rollei nachträglich auf Format 120 umgebaut worden. 

Übrigens weist die Ziffer 6 bei Rollfilm 620 auf die Aufnahmezahl hin, doch wurde diese in der Planungsphase geändert, die ausgelieferten Filme sind entsprechend länger und ermöglichen 8 Aufnahmen im Format 6x9 cm.

Die Filme 828 waren für das so genannte Bantam-Format bestimmt, Kodaks – untauglicher –Versuch, der Leica mit einem eigenen Filmformat und entsprechenden Kameras sozusagen das Wasser abzugraben. Das Aufnahmeformat beträgt 28 x 40 mm, der Film ermöglicht 8 Aufnahmen – so einfach ist die Namensgebung.

Da der Rollfilm 220 doppelt so Aufnahmen  als der Rollfilm 120 ermöglicht, ergibt sich direkt zwingend die Nummer.

Der 35 mm breite Kleinbildfilm leitet seine Nummer hingegen von der Filmbreite ab; die 1 wurde vorgesetzt, um den Film von einem ebenfalls 35 mm breiten Rollfilm mit der Nr. 35 abzugrenzen, der u. a. für die ab 1916 lieferbare „00 Cartridge Premo" bis 1933 geliefert wurde – ein 35 mm breiter unperforierter Film mit einem Rücken aus lichtdichtem Papier.

Die Nummer 126 wurde von Kodak 2x verwendet: für den in der Tabelle angeführten Rollfilm bis 1949 und für das Instamatic-System, welches ein Bildformat von 26,5x26,5 cm verwendete. Hingegen wurden Filme für Pocket-Kameras, da das Bildformat kleiner ist, mit einer niedrigeren Nummer versehen – 110 klingt gut auf Englisch. Die Produktion des entsprechenden Rollfilms war bereits 1929 eingestellt worden, daher bestand nach Kodaks Meinung keine Verwechslungsgefahr und die Nummer wurde einfach übernommen.

In Europa haben andere Firmen andere Bezeichnungen für ihre - vergleichbar konfektionierten - Filme gewählt. Der Film, der bei Kodak mit der Nummer 116 bezeichnet  wurde, hieß in Deutschland D-6, der 129 N-6, der 127 A-8 und der 620 PB-20. Der heutige Rollfilm 120 für 8 Aufnahmen 6 x 9 cm hieß B2-8. Es gab aber auch kürzere Filmlängen für dieses Format, sodass  es Filme mit der Bezeichnung B2-4 und B2-6 für 4 bzw. 6 Aufnahmen im Format 6 x 9 cm gab. Daher findet man  in Betriebsanleitungen für Rollfilmkameras aus den 20er- und 30er-Jahren  manchmal noch die Bezeichnungen A -8 und B2-8, die später durch die Nomenklatur von Kodak ersetzt wurden.

Das wird nicht einfacher dadurch, dass etwa mit dem Rollfilm 127 mehrere Aufnahmeformate realisiert werden konnten: außer 8 Aufnahmen 4x6,5 im Normalfall waren außerdem in entsprechenden Kameras auch 12 Aufnahmen 4 x 4 cm bzw. 16 Aufnahmen im Format 3 x 4 cm möglich.

Gleichermaßen sind ja auch mit dem Rollfilm 120 mehrere Formate möglich: 8 Aufnahmen 6x9cm, 12 Aufnahmen 6 x 6 cm und 16 Aufnahmen 4,5 x 6 cm.

Und was macht der Käufer einer alten Rollfilmkamera, der mit seiner Kamera auch fotografieren will?

Hat er eine Kamera für das Format 6 x 9, 4,5 x 6 cm  oder 6 x 6 erworben, passt hoffentlich der Rollfilm 120.

Bei Kameras für Rollfilme 620 hat man es - relativ - einfach, dafür gibt es noch einen Film von EFKE. Außerdem gibt es mindestens eine Firma im Internet, welche fertig konfektionierte 620er Filme liefert: Notfalls lässt sich jedoch auch ein Rollfilm 120 umspulen; gleiches gilt für Rollfilm 117. Filme für kleinere Bildformate als 6 x 9 cm lassen sich allenfalls durch Beschneiden des Rollfilms 120 der Länge nach und Umspulen erstellen. Im Normalfall heißt das, man muss eine leere Spulen für das entsprechende Filmformat haben (oder diese selbst herstellen). Beim Format 127 bzw. 620 hat man es einfacher: einfach 2 Filme bestellen und einen Film opfern - dann hat man die leere Filmspule.

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