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02.08.2008 | 00:05 Uhr
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Archiv: Bauen für ein neues China

Ole Scheeren und das CCTV in China

Sendeanstalt und Sendedatum: MDR, Sonntag, 20. Juli 2008

Ole Scheeren baut in China eines der größten Gebäude der Welt. (Bild: MDR) Bildunterschrift: Ole Scheeren baut in China eines der größten Gebäude der Welt. (Bild: MDR) ]
Das neue Gebäude des chinesischen Staatsfernsehens CCTV in Peking wird neben den Olympiabauten das Stadtbild der Metropole neu definieren. Der Mann, der dieses neue Herz Chinas konzipiert hat und den Bau dirigiert, heißt Ole Scheeren. In Karlsruhe geboren und aufgewachsen, wurde er nach Studien in Lausanne und London 1999 zum Partner von Rem Koolhaas in dessen Office for Metropolitan Architecture (O.M.A.). Seit fünf Jahren ist der 37-Jährige Büroleiter des O.M.A. in Beijing. Im Feld der Global Player-Architekten ist er im Moment ganz oben. Seine gestandenen Kollegen sind doppelt so alt wie er.

Neue Dimension des Bauens

Bildunterschrift: ]
Seit drei Jahren wachsen die zwei Türme des CCTV-Neubaus über den Abgrund, eine atemberaubende Konstruktion. Allein schon die Form des Gebäudes provoziert: Zwei waagerecht geknickte Türme ragen in den Raum hinein und treffen einander mittig. Mit diesem Konzept gewann das O.M.A. 2001 den Wettbewerb zum Bau des Fernsehzentrums.
„Die Entscheidung, sich in China zu engagieren, war zu diesem Zeitpunkt eine äußerst wagemutige Angelegenheit. Es geschah in jenem speziellen historischen Moment, der die Welt verändert hat: am 11. September. Er hat zweifellos auch die Regeln des Bauens neu definiert, und wie das Leben heute anders zu funktionieren hat."

Umbruch im alten China

Ein ganz neues Konzept - der CCTV-Neubau in Bejing. (Bild: MDR) Bildunterschrift: Ein ganz neues Konzept - der CCTV-Neubau in Bejing. (Bild: MDR) ]
Das gilt auch für das alte China und seine 15-Millionen-Metropole Peking, heute ein Ort extremer Gegensätze und Veränderungen. Das O.M.A. entschied sich deshalb auch 2001 gegen den Wettbewerb für Ground Zero und für den Entwurf von CCTV, weil sie glaubten, hier mehr an den positiven Veränderungen einer Gesellschaft teilnehmen zu können: Die alte Kaiserstadt im radikalen Umbruch ins 21. Jahrhundert, das Fernsehen CCTV, ein zentral gelenkter Medienapparat für ein Milliardenvolk, mittendrin. Die Bauaufgabe war beispiellos, sagt Ole Scheeren: "Das Projekt sprengt alle Grenzen. Zunächst allein die schieren Dimensionen: Sie überschreiten alles, was jeder von uns jemals gemacht hat, was unser Büro oder die meisten Menschen jemals gemacht haben. Es ist immerhin eines der größten Gebäude, das auf der Welt je gebaut wurde."

Nicht auf die Größe kommt es an

10.000 Arbeiter schuften auf der Baustelle (Bild: MDR) Bildunterschrift: 10.000 Arbeiter schuften auf der Baustelle (Bild: MDR) ]
10.000 Arbeiter schuften auf der Baustelle, 24 Stunden in drei Schichten, jeden Tag - ein Kraftakt bis zur Erschöpfung. Über eine halbe Million Quadratmeter Nutzfläche soll in den Türmen entstehen, verteilt auf 7.500 Räume. Nur das Pentagon ist annähernd so groß. Aber das CCTV ist kein Hochhaus, das in die Höhe der Macht strebt. Das Konzept der Architekten ist subtiler: "Wir waren uns sehr klar darüber, dass wir mit dem Gebäude einen neuen Typ von Hochhaus bauen. Der unterscheidet sich deutlich von den gewohnten hierarchischen Strukturen. Eine völlig neue Qualität von Gemeinschaft. Zum Beispiel wollten wir das Gebäude mehr für die Öffentlichkeit zugänglich machen als es die Planung vorsah. Deshalb haben wir einen öffentlichen Rundgang, einen Loop, durch das Fernsehgebäude eingebaut, der das Haus sehr transparent und offen machen wird."

Hoffen auf Veränderung im autoritären China

Komplizierte Statik: Der CCTV-Neubau (Bild: MDR) Bildunterschrift: Komplizierte Statik: Der CCTV-Neubau (Bild: MDR) ]
Lange vor seiner Fertigstellung wird der Gebäudekomplex im Westen bereits heftig diskutiert - wegen seiner komplizierten Statik und seiner politischen Bedeutung als Medienzentrale eines autoritären Staates. Das New Yorker Museum of Modern Art (MOMA) hat die Architektur von Koolhaas und Scheeren mit einer Ausstellung wegen seiner Innovationskraft gewürdigt. Ein weiterer Grund: Die Hoffnung, dass mit dem Neubau größere Meinungsvielfalt in China geschaffen wird. Für diese Hoffnung wirbt auch Scheeren auf internationalen Vorträgen: "Eines unserer Ziele in diesem Projekt ist es, die große regionale Vielfalt des Landes zu unterstützen und in Verbindung zu bringen. Nicht nur das Selbstbewusstsein des Senders zu stärken, sondern die große Zahl der Unterschiede, die hier zweifellos bestehen, in den Vordergrund zu bringen. Ich sehe in diesem Land große Umwälzungen, große Veränderungen und ein großes kreatives Potenzial. Und ich muss sagen, dies schafft auf manche Art mehr Freiheit in der Arbeit als das im Westen möglich ist. "

Bauen in Maos Schatten

Bildunterschrift: ]
O.M.A.-Direktor Ole Scheeren baut im Schatten Maos für ein neues China, dessen gesellschaftliche Zukunft noch völlig offen ist. Das CCTV-Gebäude setzt auf Vielfalt: 250 Fernsehkanäle sollen von hier aus arbeiten."Es gibt eine neue Generation bei CCTV, die sehr genaue Vorstellungen davon hat, wie ihr Unternehmen umorganisiert werden muss. Sie sprechen von Vorbildern wie BBC und CNN. Solch eine Medienagentur wollen sie werden", erzählt Scheeren hoffnungsvoll. In diesen Tagen sollte nicht nur hier das Olympische Medienzentrum, sondern auch die Pressefreiheit einziehen - doch der Bau ist noch nicht fertig ...

 

Dieser Text informiert über den Fernsehbeitrag vom 20.07.2008. Eventuelle spätere Veränderungen des Sachverhaltes sind nicht berücksichtigt.