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05.09.2008
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Ausland Online-Video

Kreativlabor oder Konkurrenz für "alte Medien"?

Hier stehen Videos von Zinedine Zidanes WM-Kopfstoß und Handy-Filmchen von Studentenparties gleichberechtigt neben Amateur-Aufnahmen, die vor Bomben flüchtende Israelis und Libanesen zeigen: auf der Video-Plattform "YouTube". Ihr Erfolg symbolisiert den Boom der Bewegtbilder im Netz, der auch das Fernsehen herausfordert. Erste TV-Sender reagieren und bieten immer mehr Sendungen zusätzlich zur Ausstrahlung im Fernsehen auch im Netz an.

Von Fiete Stegers, tagesschau.de

Die meist diskutierten Videos bei YouTube in der Übersicht Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Die meist diskutierten Videos bei YouTube in der Übersicht ]
Schon der Name ist eine Kampfansage: "YouTube". "Tube" steht für "Glotze" – "dein Fernsehen" also. Ende 2005 startete die Plattform, bei dem jeder Nutzer eigene Videos hochladen oder die von anderen betrachten kann. Innerhalb kürzester Zeit wurde YouTube rasend populär.

100 Millionen Videoaufrufe am Tag

Nach Angaben des Unternehmens kommen inzwischen pro Tag mehrere tausende neue Videosclips hinzu. YouTubes Nutzer schauen nach Angaben der Website-Betreiber rund 100 Millionen Videos am Tag an.

Und YouTube ist nur einer von einer ganzen Reihe solcher Dienste wie MyVideo, Google Video oder VideoEgg, die immer populärer werden. Sie profitieren davon, dass sie mit dem bedienerfreundlichen und meist ohnehin installierten Flash-Plugin funktionieren, statt mit absturzgefährdeten RealMedia- oder Quicktime-Erweiterungen.

Killer-Application Pannen-Video

Kategorien bei YouTube Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Kategorien bei YouTube - von Musik und Sport über Weblogs bis hin zu Haustieren ]
Weitere Ursachen für den Online-Video-Boom sind die zunehmende Verbreitung von DSL-Verbindungen und die Tatsache, dass sich schon mit kleinen Fotoapparaten und vielen Handys eigene Filme erstellen lassen: Herumalbern auf der Teenie-Party, lustige Werbespots, die Urlaubsaufnahmen, die im Internet vielleicht dankbarere Abnehmer finden als in der Verwandtschaft, der Schnappschuss, der sonst an "Pleiten, Pech und Pannen" gegangen wäre und der erste Auftritt der Band vom Kumpel. Ganz simpel lassen sich die Videos in die eigene Homepage oder das Weblog einbinden oder an Freunde weitermailen – so finden sie ihr Publikum.

Pop-Phänomen "Sonnenlicht"

Erstes und bestes Beispiel: Mit dem Deutschtürken-Popsong "Sonnenlicht" verdienten sich seine Macher viele Lacher, kurzfristigen Ruhm und die Bekanntschaftschaft von Stefan Raab. In den USA wurde ein talentierte YouTube-Filmer bereits vom Fernsehsender Fox für eine Comedyshow eingekauft, in Deutschland brachte es Videoblogger Toni Mahoni immerhin zu einer Kolumne bei "Focus Online". Die Videoplattformen sind so bereits eine Art Kreativlabor für künftige Profi-Talente. Oder doch eine Konkurrenz?

Probleme mit Urheberrechten

Zidane bei YouTube Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Zidane-Kopfstoß im WM-Finale zum Nacherleben: Probleme lösen wie Zinedine Zidane ]
Natürlich finden sich auch jede Menge Videos online, die dort nach Meinung der Urheber nicht stehen sollten – Musikvideos, Ausschnitte aus DVDs oder Fernsehaufzeichnungen. So ließ sich bei YouTube wenige Stunden nach dem WM-Finale nicht nur der Zidane-Kopfstoße in diversen Versionen noch einmal nacherleben, es gab auch bereits einen Zusammenschnitt der härtesten Fouls aus der Karriere von Gegenspieler Marco Materazzi.

Umschwenken bei ersten TV-Sendern

Entweder scheren sich die Nutzer nicht um Urheberrechte, oder sie halten die Bilder für Allgemeingut. Während einige Rechteinhaber das offenbar als Werbung für ihr Produkt tolerieren, sind andere weniger erfreut: So verlangte der Fernsehsender NBC im Februar 2006 die Entfernung diverser Clips von YouTube, allerdings nur um wenige Monate später komplett umzuschwenken: Ab Herbst soll es bei YouTube einen offiziellen Kanal für die Promotion von NBC-Sendungen geben.

Grup Tekkan bei YouTube Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Bekannt durch YouTube: Die "Grup Tekkan" mit dem Lied "Sonnenlicht" ]
Denn die Fernsehsender müssen wachsam sein, wenn auch Plattformen wie YouTube im Moment noch ein schlüssiges Konzept zum Geldverdienen fehlt. So erinnerte der Journalist Mario Sixtus in der "Frankfurter Allgemein Sonntagszeitung" an eine Szene aus den frühen neunziger Jahren, als mächtige Plattenbosse bei einem Vortrag über digitalen Musikvertrieb gelangweilt abwinkten – das war, bevor der Erfolg von MP3 und CD-Brennern ihr Geschäft rasant schrumpfen ließ. "Das nächste Opfer" könnte nun das Fernsehen sein, meint Sixtus.

ABC und Co stellen Serien ins Netz

Zum Teil versucht die Branche, den neuen Trend für sich zu nutzen: Neben dem NBC-Deal mit YouTube experimentiert ABC damit, seine Erfolgsserien "Lost" und "Desperate Housewives" via Download zu vermarkten. Außer auf der ABC-Website kann man die Folgen bereits bei iTunes kaufen, wie auch Serien anderer US-Fernsehsender. Auch AOL hat seit einigen Monaten sein Video-Angebot erheblich ausgebaut und zeigt, was das Archiv der Muttergesellschaft Time Warner hergibt.

Markt sortiert sich

Auch viele Nachrichtenseiten und Online-Portale, die sich bisher auf Textinhalte beschränken, investieren nun in zugekaufte oder eigene Videos. Auf der anderen Seite kratzen die Kabelnetzbetreiber und die Telekom als Anbieter von Breitbandinternet nun auch in Deutschland an der traditionellen Aufteilung von Infrastruktur und Inhalteanbietern. Den Zuschauern wird es in Zukunft egal sein, wie ihre Bewegtbilder ins Haus kommen – ob über Kabel, Satellit oder Internetleitungen. Und sie werden wahrscheinlich ihr Programm noch stärker als in bisher individuell aus verschiedenen Quellen und vor allem zeitunabhängig zusammenstellen.

Podcast Video: Link Tagesschau als Podcast

Die Nachrichten von der Tagesschau und den "Tatort" von der ARD, die Lieblingsserie und den Spielfilm direkt vom Hollywoodstudio könnten so gleichberechtigt mit den witzigen Shows des Hobby-Komikers aus der Nachbarschaft als persönlicher Fernsehkanal auf den Bildschirm kommen. Der Blogger Simon Christy hat aber einen Trost für die Medienbranche: "Irgendwann kann man sich keine vom Baum fallenden Katzen mehr ansehen. Professionelle Filme stechen immer noch heraus. Langfristig werden sie das sein, was Menschen auf den Video-Seiten hält."

Stand: 31.07.2006 14:29 Uhr
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