Auf die Tipps der Bankberater kann man sich nicht verlassen

6. August 2008 von Anna Friedrich

Enthüllungsjournalist Daniel Kohlert wollte es in einer Studie zusammen mit dem Bamberger Professor Andreas Oehler wissen: wie steht es tatsächlich um die Beratungsqualität in Banken und Sparkassen?

Die unter dem Titel “Guter Rat macht hilflos: Zur Qualität in der Anlageberatung in Deutschland” veröffentlichten Ergebnisse sind ernüchternd. Zentrales Ergebnis ist der Kritikpunkt, dass das Beratungsgespräch zu Kurz ist, um die finanziellen Verhältnisse der Kunden kennen zu lernen. Als Resultat verkaufen die Bankberater “den gutgläubigen Anlegern Finanzprodukte, die - wenn überhaupt - nur zufällig zu ihnen passen“. Eine schwache Bedarfsanalyse und nicht-fundierte Empfehlungen beklagt auch die Unternehmensberatung Qualiance, die einen ähnlichen Test durchführte: “Kunden können nach wie vor nicht sicher sein, zu ihrer privaten Altersvorsorge optimal beraten zu werden.”

Ein Großteil der Kunden ist auf die Beratung seiner Bank angewiesen. Denn über die Qualität können sie schlecht urteilen und sie kennen häufig keine alternativen Anlageberater. Viele wollen durch Kapitalanlagen frühzeitig in ihre Altersvorsorge investieren. Dass die Empfehlung des Bankberaters schlecht war, merken sie dann meist Jahre später. Wenn das Investment futsch ist und sie keine alternativen Altersvorsorgepläne haben, droht die immer mehr zunehmende Altersarmut.

Aber gerade im Retail-Kundenbereich, dies zeigten die Ergebnisse deutlich, gehen die Bankberater undifferenziert vor. Im Vergleich der Beratung bei mehreren Testkunden, wie einem Lehrer und einem Physiotherapeut, ergab sich, dass die Bankiers an einer auf den Kunden maßgeschneiderte Anlageberatung nicht interessiert sind:

Es verbleibt der Eindruck, dass das Retailgeschäft der (deutschen) Banken noch länger eine reine Großbaustelle bleiben wird.

Im Interview mit der Frankfurter Rundschau erklärt Kohlert, warum die Beratung aus zweierlei Hinsicht schlecht ist. Sie erfolge:

Nicht mit Tiefgang zu den wirklichen Chancen und Risiken. Viele Kunden sind damit aber auch überfordert. Andererseits fehlen häufiger auch Motivation und Willen.

Deshalb sind die Anleger auch ein Stück weit selbst verantwortlich. Anstatt sich selbst um Preisvergleiche und Rabatte zu bemühen - wie sie dies beim Einkaufen von Lebensmitteln oder Kleidung tun würden - geben sie die Verantwortung einfach an die Bank ab.

Universitätskollege Oehler verlangt in diesem Zusammenhang eine bessere finanzielle Allgemeinbildung in den Schulen. Nur so erlernen die Kunden den Umgang mit Geld und die Möglichkeiten, ihr Kapital anzulegen. Nur so nimmt die Nachfrage nach qualitativ hochwertiger Beratung zu. Wichtig sei es, anstelle von Theorieunterricht bereits in der Schule praktische Übungen zu machen: Musterdepots eröffnen, Anlagen ausprobieren etc. Denn die Kunden müssen ein Gefühl für ihre eigenen Anlagebedürfnisse entwickeln. Dann kann auch ein sinnvolles Beratungsgespräch geführt werden, das nicht von der Überzeugungskraft des Bankberaters abhängt, sondern durch beidseitiges Know-how geleitet wird. Oehler beschreibt die Ursache des Informationsdefizits der Kunden und den daraus entstehenden nicht vorhandenen Wettbewerb:

Wir haben eine extreme Informationsasymetrie. Die Kunden wissen zum einen selbst nicht, was sie brauchen, und es werden zum anderen Produkte angeboten, die sie nicht beurteilen können. Dieses doppelte Problem führt dazu, dass es keinen funktionierenden Wettbewerb gibt. Wettbewerb würde (…) unterstellen, dass die beiden Marktseiten, also Anbieter und Nachfrager, halbwegs informiert sind und Banken und Produkte voneinander profund unterscheiden könnten. Das aber ist nicht der Fall. Bei uns herrscht nur ein Schein-Wettbewerb.

Stockflock hilft den Nutzern nicht nur, sich mit ihrer eigenen Anlagestrategie auseinander zu setzen und den Bankberatern Kontra zu bieten. Anleger finden hier häufig sehr viel wertvollere Tipps - Aktienperlen, die vorher keiner kannte. Probieren Sie es selbst aus!

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Eine Reaktion zu “Auf die Tipps der Bankberater kann man sich nicht verlassen”

  1. Seodeluxe

    Diese Erfahrung habe ich auch immer wieder gemacht. Bei meiner Bank wollte ich mich nach Anlagestrategien erkundigen und allgemein beraten lassen. Dort werden dann einem aber drei Standard-Produkte vorgelegt, ein deutscher Fond, ein europäischer und ein Fond, der in die weite Welt investiert. Meine Frage war dann zuerst mal: “Wie ist denn die Risikoeinschätzung?”. Antwort: “Nehmen Sie den deutschen Fond, der ist am sichersten!”. Aha…

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