Äußerungen, Erfahrungen und Gedanken aus der SHG

 

Einige Gedanken und Erfahrungen, aus der Selbsthilfegruppe "Verbündete"  von und für  PartnerInnen, Freunde und Überlebende. Diese können sicherlich nicht pauschal für jede Beziehung mit einer/m Überlebenden gelten, aber sie verdeutlichen die Probleme und Zusammenhänge in Beziehungen mit Überlebenden.



... genau, genau, dieses ganze Schuldgelabere kommt von den Überlebenden, die uns soooo gerne die Schuld weiterreichen, die sie sich aufhalsen ließen. Da hilft wirklich nur das innere Abschotten: Denn wir haben nichts an ihrer misslichen Lage zu verantworten oder zu vertreten. Absolut nichts.


Überlebende haben gelernt, mit ihren Lügen irgendwie durchzukommen, sind vielfach sogar zu der irren Ansicht gekommen, diese Lügen hätten ihr Leben, ihr Überleben, ihre Existenz ermöglicht und bewahrt. Und Dank der verzweifelten Bestätigungen dieser Lügengebäude in der nächsten Umgebung(Familie) auch noch als Überlebensmittel realisiert und ausgebaut.


Konkret muss man aber sehen, dass eine ganz große Gefahr darin besteht, dass die Opfer es gelernt haben, sehr lange Zeit innerlich zu leiden, ohne dies nach außen zu zeigen. Das ist das große Problem in unserer Ehe gewesen. Wir müssen einfach lernen, durch die Fassade hindurch zu sehen, was aber kann nur gelingen, wenn wir uns wirklich gut kennen und uns nahe sind. Eine andere Frau würde vielleicht schon lange toben und streiten, so dass der Mann weis, wo die Grenze ist. Bei einem Missbrauchsopfer aber kann es sein, dass Du deren Grenzen schon längst überschritten hast, ohne es zu wollen oder zu merken.


Lieblingsspiel von Überlebenden :
Ich rufe an und bekomme zur Antwort:
"Hättest Du jetzt nicht angerufen, wäre ich gekommen...."
Melde ich mich nicht, bekomme ich zu hören:
"Du hast ja nicht angerufen, also wolltest Du mich doch gar nicht sehen. Warum sollte ich dann kommen???"
Dieses Verhalten ist einfach so genial, daß man sich darauf gar nicht Einstellen kann, weil es so wie so immer falsch ist, was man macht....


Macht Euch bitte klar, die meisten sind Kinder, zu Begin der Pupertät, ihnen wird gedroht. Mit Schlägen mit was weiß ich was. Sie haben Todesangst. Sie müssen lügen. Macht Euch das bitte aus der Perspektive eines Kindes klar. Heute ist es  schon "einfacher" für Kinder sich jemanden anzuvertrauen, weil es schon viele aufgeklärte Erwachsenen gibt. Geht mal bitte 30 Jahre zurück. Oder auch nur 10 oder 15. Jahre.  Kinder hatten da noch nicht die Rechte, die sie heute haben. Da mußte noch parriert werden. Kinder galten als das Eigentum ihrer Eltern ......... Männer als der Ernährer der Familie und als Oberhaupt, als Boss......... Auch da hat sich einiges geändert


Ich denk wir sind uns alle einig, dass die Partnerschaft mit Überlebenden oft sehr belastend ist, vielleicht sogar über das Maß einer "normalen" Partnerschaft hinaus. Für mich stellen sich daher folgende Fragen, gibt es vielleicht Gründe, dass wir uns Überlebende als Partner ausgesucht haben? Hat das Folgen? Oder gab es vorher schon "Besonderheiten" bzw. Symptome?


Durch ihre Mauern kannst Du eben nicht kommen, sie kann dir nur eine Tür öffnen oder ihre eigene Mauer langsam abtragen. Dir bleibt nicht mehr, als sie dazu anzuregen, zu unterstützen und ihr klar zu machen, wie wichtig genau das für Dich und für Eure Beziehung ist. Im Grunde genommen wirst Du ein Übermensch sein müssen... voll Geduld, Langmut, Einfühlungsvermögen, stets wach und aufmerksam, bedacht und konkret, konsequent und beharrlich. Halt ein ganz normaler Mensch wie Du und ich. Und vor allem darfst Du Dir keinen Fehler leisten, ein einziges ungelenktes Wort  wird abgespeichert und gegen Dich verwendet... Du weißt das ja selber.


Gewaltempfindung ist subjektiv. Diese Erkenntnis halte ich für sehr wichtig. Wie der Einzelne mit seiner Macht umgeht, wie die Täter mit der Macht umgehen oder damit umgegangen sind, dort liegt der Hase im Pfeffer, der die Sache noch schwieriger macht:
Nämlich, dass Gewalt immer etwas mit Macht und mehr noch mit Machtmißbrauch zu tun hat. Macht, die ja hinter der Gewalt steht, kann ja auch verantwortlich gehandhabt werden. Und je nachdem, wie mit Macht umgegangen wird, fällt die Gewalt, für die "aktive Manipulation" der von der Gewalt betroffenen aus und wird von den Betroffenen entsprechend negativ bewertet.


Ich ignoriere die Täter einfach und setze auf die "Macht des Guten und Einsichtigen". Je mehr diese "Macht" sich nämlich Bahn bricht, je offener und lauter sie wird, desto weniger Bedeutung werden diese Hirnrissigen haben können. Dann erst wird immer mehr Menschen klar, welch gestörte Entwicklungen es hier und da gibt.


Was mich eigentlich in der Rückschau meiner Beziehung emotional sehr verletzt hatte, war die Gewissheit, dass meine "Partnerin" eigentlich gar nicht fähig war, zu lieben. Damals war das sicherlich eine Gewissheit, die ich so weit wie möglich weggeschoben und verdrängt hatte. Und ich als liebender Verbündeter hing so dermaßen an diesem Chaos-Beziehungs-Schein-Bild und an der Hoffnung, all meine Wünsche auf eine erfüllende Beziehung mit ihr könnten sich noch erfüllen, dass ich mich dieser Verletzung tagtäglich erneut aussetzte, anstatt die Realität zu sehen... Nun, sicher ist dies keine emotionale Gewalt von Seiten meiner Überlebenden gewesen. Letztlich habe ich mich selbst in diese Verletzung begeben und mich dort willentlich aufgehalten. Und es verletzt schon wirklich sehr, wenn man als Mensch vom Partner ja eigentlich gar nicht richtig gesehen und geliebt wird... dann trotzdem eine Art Beziehung führt und sich an den kleinsten emotionalen Regungen des Gegenüber klammert und sich dadurch noch immer weiter in die "ungesunde" und extreme Abhängigkeit begibt.


Ich würde nicht behaupten, dass Überlebende nicht lieben könnten, sie können beständiges Gefühl halt nur nicht leben und umsetzen und meine bittere Erfahrung ist, dass sie Gefühle "spielen", wenn sie es dann wirklich leben möchten, dem Ganzen eine Seele einhauchen möchten, stehen sie da wie ein Nichts, einfach leer und amrselig. Das können sie nicht. Sie spielen Rollen, mit denen sie auch etwas erreichen und zum Beispiel gefallen wollen. Dafür ist jedes Mittel, auch und gerade jedes emotionales Mittel recht. Und wenn das durchgehalten werden soll, werden sie ganz spontan zu hilflosen, trotzigen Kleinstkindern....


Schwierig wird es indes, wenn zum Beispiel eine Überlebende ihren Wunsch nach einer tragfähigen Partnerschaft kündet, diese dann aber stets wie getrieben zerstört und vernichtet. Damit ist dann die innere Einheit so gestört, dass die Partner damit nicht mehr umgehen können. Dann besteht Handlungsbedarf.


Auf jeden Fall gibt es keine Unterbrechungen in der Beziehung. Wenn wir uns nicht öfter sehen, dann liegt das eben an Problemen anderer, rein materieller oder terminlicher Art... und alle beide tragen dazu bei, diese Probleme nach und nach verschwinden zu lassen.


Je mehr ich bei mir selber bin, desto leichter mache ich es auch anderen, mit mir umzugehen..., es sei denn, sie wären an meinem ICH gar nicht wirklich interessiert.


Sicherlich verletzen Überlebende ihre PartnerInnen emotional in vielerlei Hinsicht. Aber ist das mit emotionaler GEWALT gleichzusetzen? Ganz sicher nicht! Es kann in meinen Augen keine Beziehung zwischen Menschen geben, ohne den Anderen gelegentlich in irgendeiner Weise emotional zu verletzten. Das gehört zum Leben in einer Beziehung und letztlich kann eine Beziehung dadurch auch erst wachsen und sich entwickeln. 


Ich darf einmal daran erinnern, dass die meisten Verbündeten Männer sind. Als Partner einer Überlebenden Opfer des eigenen Geschlechts !? Außer natürlich am Arbeitsplatz, da beuten sich  Männer selber gegenseitig auch aus. 


Viel von meiner Liebe ist auch heute noch bei ihr! Und ich wünsche ihr das alle ihre Schritte sie näher zu sich selber bringen. Aber das was ich geben konnte habe ich getan. Mehr ging nicht. Sie suchte etwas anders. Und solange wir SUCHEN, FINDEN WIR NICHT. Das gilt auch für uns als Verbündete. Liebe ist alles um was es geht. Ich fang damit jetzt erst mal bei mir an indem ich auf mich achte. Aber ganz gewiss nicht in der Art und Weise von Liebe, von der unsere Gesellschaft predigt. Wo es nur um Oberflächlichkeiten geht oder um reine Bettakrobatik. 


Nach der Trennung ist vor der Trennung ! Was zählt sind ausschließlich nicht gesagte Worte, nicht getane Taten, nie gezeichnete Bilder, nicht getanzte Tänze und nicht gelebtes Leben - wie soll sich auch eine Beziehung ausgestalten, wenn es nie zugelassen und dann auch noch permanent verletzt wird????
Du weißt doch, "schlechtes" Erleben prägen sich viel stärker ein, als positive Erleben. Das ist nun mal so. Wer einen Unfall, ein existenzbedrohendes Erleben, eine Krankheit oder sexuellen Mißbrauch erlebt hatte, denkt immer und immer wieder daran zurück, anderes, Positiveres gerät dagegen viel zu schnell in Vergessenheit.


Während sie mir sagte, das ich mit dem Sex noch warten sollte, erfahre ich hinten herum, dass sie ja viel mehr Sex von mir wollte. Es ist schwer, die richtigen Zeichen zu erkennen, vor allem, wenn man sich selber zurückhält in Dingen, die sie ja eigentlich will, aber immer wieder kund tut, dass sie sie nicht will.


Bezüglich des Sexuellen mit einer Überlebenden ist es sehr wichtig, sich klar zu machen, dass Sex für die Betroffenen, eine besondere, nämlich meist manipulative Rolle spielt. Frauen (nicht nur Überlende) weiß, dass sie Männer mit gesteigerter Sexualität binden und sich gewogen machen können, ja manchmal sogar abhängig machen können. Insbesondere Überlebende Frauen tun das, weil das Macht bedeutet. Und genau diese Macht hat immer so gefehlt hat. Denn als Überlebende hat sie doch immer unter fehlender Macht gelitten, war so zu sagen machtlos darüber, dass andere über sie Macht hatten. Hat die Überlebende dann erobert, dann lässt sie fallen, spielt ihre Macht aus, übt Rache, lässt auflaufen, führt vor. All die Dinge, worunter sie einst sehr gelitten hat, weil es in ihrem Unbewußten, in ihren Phantasien, weiterarbeitet.


Wenn echte Gefühle bei einer Überlenden eine Rolle spielen, desto nebensächlicher wird ihr Sex. Dann nämlich bekommt die sexuelle Begegnung nämlich eine völlig andere Rolle, und zwar völlig jenseits des Machtirrsinns: Einfach ein Gefühl zu zeigen und zu  sich "gehören", aus dem Ich der Überlebenden, aus dem Herzen heraus. Etwas, was aus verständlichen und bekannten Gründen am allermeisten Angst macht, was sie nie erlebt, erlernt und erfahren haben, etwas was sie gar nicht einordnen können... deswegen: Je mehr Dich eine Überlenden wirklich mag, desto vorsichtiger und bedachter wird sie mit gelebter Intimität. So einfach ist das.


Liebe ist etwas heilsames, auch für UNS als Verbündete! Nicht nur für sie...! Liebe heilt und macht glücklich im Herzen und ist befreiend, das ist wahre Liebe, alles andere sind psychische Komplexitäten, die sich abspielen. Alles, was traurig, zornig und ohnmächtig macht ist dagegen unser Unvermögen und sind unsere Schwachstellen, die wir als Menschen nun einmal haben, aber nicht die Liebe. Liebe ist die stärkste Macht und sie ist vorallem nicht an einen Menschen gebunden. Liebe ist aus sich selbst und in sich selbst unabhängig. Und Liebe akzeptiert vorallem und respektiert.


Ich würde für viele Betroffenen, mit denen ich mich über dieses Thema auseinander setzte, sogar schreiben, dass sie, je mehr sie fühlten, umso weniger zeigten...
Ich weiß, wie absurd das ist, ich kann es aber leider nicht ändern....


Noch ist es nicht soweit, dass sie sich für immer trennen will, und ich warte noch auf ein Zeichen. Meine Hand und Liebe wird immer für sie da sein, falls sie sie braucht. Das weis sie auch !


Glücklicherweise gibt Liebe ja immer sehr sehr viel Kraft, es wäre indes sooooo schön, wenn diese Kraft für ein Ziel und Gemeinsamkeit eingesetzt werden könnte.... und nicht nur zum hohlen "Durchhalten".....


Ich habe zwar noch keine so krassen Dinge erlebt wie viele andere Verbündete, aber die Fähigkeit zur Grausamkeit habe ich auch empfunden bei meiner Überlebenden. Weißt du was ich daran so furchtbar finde? Es sind Züge des Täters, durch den diese Menschen so verletzt worden sind, darin zu erkennen. Entsetzlich... Die gleiche Verhaltensstruktur!


Das ist naheliegend, denn die Opfer waren zum Zeitpunkt der Tat meist noch völlig abhängig ohne wirklichen eigenen Willen, konnten also nicht differenzieren und übernahmen einfach, denn was sie als kindliches Opfer erlebten, war ja die Macht der erwachsenen Täter. Und genauso, wie sie sich rächen wollen für das, was sie erlitten, wollen sie auch diese, genau diese Macht, weil im Unterbewußtsein die Vision arbeitet, wenn ich die Macht hätte, die mir einst wehtat, könnte mir nicht mehr wehgetan werden....


Nun weiß ich zwar, wie sich die Rückzüge, wie sich ihr Drama in etwa anfühlt, aber weitergeholfen hat mir das überhaupt nicht. Im Gegenteil: Sie hat sich verschreckt völlig in ihr Schneckenhaus eingekringelt und ich fühle mich seither ihr gegenüber zwar wissend, aber hilfloser denn je.


Was wir als Überlebende und Verbündete erleben, ist in der Tat die klassische Täter-Opfer-Beziehung, lediglich quantitativ anders, die Qualität aber ist dieselbe, wobei ich mit dieser Aussage für keinen Täter eine Lanze brechen will - ganz und gar nicht - aber es ist dieser seltsame Klebstoff, der Menschen "verbindet" und fürchterliche Folgen haben kann, nämlich die, dass  ich mich ausnutzen LASSE und dass ich mich selber zum Opfer machen LASSE. Seitdem ich mir mehr und mehr über meine Macken und Verlustängste bewusst bin, gibt mir das zwar total den Herzschmerz, ABER nur so gibt mir das die Macht zurück, und zwar die über mein eigenes Leben zu entscheiden, ob ich das mit mir machen lassen will oder nicht.  Das nennt man dann Selbstverantwortung.


Eine Opferrolle wird eben nicht dadurch aufgehoben, dass Überlebende selber zu Tätern werden. Sie wird nur dadurch aufgehoben, dass der Gewalts- und Repektlosigkeitszirkus zwischen den Partnern durchbrochen wird!!!!


Es gibt Menschen, die verstecken ihr Innerstes, um niemanden an sich heran zu lassen, nicht verletzt zu werden. Schließen ihre Gedanken und Gefühle ein. Verraten nichts nach außen. Schließen sich ab. Überlebende gehören dazu.


Es gibt keinen Menschen auf der ganzen Welt, der frei von Masken ist. Jeder trägt sie und sie sind sogar manchmal zum Schutze der eigenen Person sehr notwendig. Nur in einer intimen Partnerschaft, sollte soviel Vertrauen herrschen, dass sie abgelegt werden können, dass man sich alles sagen kann.


Wenn jemand einen schweren Unfall hattet, wird er oder sie die Erinnerung daran nicht los. Schon gar nicht, wenn die "Heilung und Behandlung" Monate, ja Jahre in Anspruch nimmt. Und einen Unfall verarbeite man bewußt.... Das, was die Opfer sexueller Gewalt erlebten, ist schlimmer als ein Unfall, viel schlimmer.... und dazu wahrscheinlich noch in einer teilunbewußten Phase, nämlich der Kindheit erlitten. Aus diesem Grunde dauert die Bewußtwerdung und Verarbeitung. Leider.


Mich macht das sehr traurig. Aber auch wütend. Weil Dir, mir, allen hier übelst mitgespielt wird. Wir verlieren von unserer Substanz, weil irgendwelche Knallheinis..... Und können nix dafür.


Bei mir ist es auch immer so gewesen mit dem Kontakt zu ihrer Familie oder ihrem Umfeld! Aber ich habe sie darauf angesprochen und sie sagte mir, dass sie das noch nie anders gemacht hätte, sie wisse nicht, wie man offen umgehe miteinander. Die Opfer leben seit Geburt in einem Versteckspiel voreinander und miteinander. Denkt mal drüber nach. Soll keine Entschuldigung sein, aber eine Erklärung dafür, dass es nichts mit Dir oder mit euch zu tun hat sondern mit dem, was die Opfer in ihrer Kindheit gelernt haben. Krank, das ganze Mißbrauchszeugs, sehr krank!


Schau mal, stell Dir vor, Du sitzt in einem ziemlich engen Käfig. Draußen spielen andere miteinander, sie sind zärtlich miteinander, unternehmen etwas zusammen, haben Spaß. Und Du hast Sehnsucht nach all dem, kommst aber nicht dorthin, weil Du ja in dem Käfig sitzt. Und den haben andere errichtet, und sie haben auch den Schlüssel.
Guck mal, genau so fühlst sich Katja.


Die Betroffenen sind in sich total instabil, ihnen fehlt ihre innere Mitte, sie können letztlich nur hassen oder lieben. Dabei  ordnen sie alles in ihre jeweilige Verfassung ein, können in dieser Verfassung nicht einmal glauben, dass es jemals anders war oder wieder sein könnte. Wir Verbündete können sie nur zu anderem animieren, wenn wir genau das Gegenteil präsentieren und in die Beziehung einbringen: Zuverlässigkeit, Beharrlichkeit, Langmut, Geduld, Beständigkeit. Dann,  irgendwann, nach vielen Jahren werden sie gemerkt und gelernt haben, dass es sich einfach lohnt, durchzuhalten.... und es  dann immer mehr annehmen können.


Hinsichtlich des "Fundamentes" einer Beziehung denke ich schon, dass dieses ja beschädigt bleibt, es kann nicht ersetzt, nur bearbeitet, angepaßt und stabilisiert werden, und was von dem erschütterten Fundament gesagt wurde, sehe ich wohl auch so. Aber wenn wir schon vom "Bau" reden, so ist es doch ein leichtes, ein Fundament wieder zu sanieren, mit Mörtel und Beton oder so. Wenn also ein Mensch, der schlimmstes erlebt hat, hat er/sie immer noch die Möglichkeit zur Heilung. Natürlich ist das ein langwieriger Prozess, das ist klar, aber jede Person hat die Möglichkeit, ein besserer Mensch zu werden oder sich selber zu werde. Niemand muß auf ewig in der Hölle schmoren. Jede Person ist fähig mächtig zu sein, ihr Schicksal zu steuern und aktiv zu werden anstatt ohnmächtig, passiv und ergeben zu bleiben. Es kommt auf den Willen der Betroffenen drauf an, ob er oder sie das überhaupt will und einsichtig genug ist. Eine sture Person hat da null Chance. Das ist eben leider auch eine Tatsache. Und es kommt auch noch ein wenig aufs Alter an. Je älter eine/r ist, umso weniger Chancen zur Selbsteinsicht. Je früher mit der Aufarbeitung begonnen wird um so besser die Chancen.


Entscheidend ist für mich zweierlei: dass zwei Menschen sich an einander gegebene Worte zuverlässig halten und das eingetretene Probleme irgendwie gemeinsam angegangen werden. Beides ist nach derzeitigem Entwicklungsstand mit meiner "Überlebenden" ausgeschlossen. Damit fehlt einer Beziehung die Grundlage. Nur wenn die beiden genannten Säulen da sind oder sich erarbeiten lassen, ist eine Möglichkeit gegeben die Partnerschaft fort zu setzen. So sehe ich es und so verhalte ich mich, egal wie schmerzhaft es auch immer ist.


Wenn mir meine Frau intim egal gewesen wäre, ich sie als Kameradin, Bekannte oder Freundin gesehen hätte, hätte sie mir nicht so schaden können, wie das jetzt der fall ist. Dann wäre ihr Ausflippen mir völlig egal gewesen. Ich hätte mir die Zeit für sie genommen, die erforderliche gewesen wäre, hätte für sie da sein können, wenn sie das gebraucht hätte und hätte ihr auf dem Weg wahrscheinlich ganz gut beistehen können....
Besser als jetzt, da die Differenzierung einfach besser gewesen wäre. Wenn sie ausgetickt wäre, hätte ich mich doch einfach zurückziehen können.... Da ich sie aber auch sexuell begehre, geht das eben nicht, und ich nehme ihren Irrsinn auf mich.


Wie man mit All dem so umgehen kann, dass es nicht so traurig ist und nicht so wütend und weh macht, weiss ich auch nicht - ich glaub, das geht auch gar nicht!


Sie kann die Bedürfnisse ihrer Angehörigen befriedigen und ich kann endlich mal Ruhe haben vor dem ganzen Kack, der nicht meiner ist! Weisst Du, von mir wird unheimlich viel erwartet und ich gebe wirklich, was ich kann, aber sie scheint ab und an  zu realisieren, dass die Situation für mich viel schwieriger ist als für sie, weil ich da mitgerissen worden bin und nicht hineingeboren wurde wie sie! Es ist nicht meins und ich bin dennoch neben ihr! Und genau um das geht es doch: Wir sind immer die Dummen und ausgegrenzt, sollten immer nett und lieb und verständnisvoll sein - und WER zum Teufel versteht uns??? 
Wenn wir dann nicht mehr können aus total verständlichen Gründen, dann ist das ungut, aber was sie uns antun mit ihrem Unvermögen, ihrem Egotrip, ihrer Störung, das darf tunlichst niemals erwähnt werden! sie in panik mit mir, ich unzufrieden! dann kann man ja alles gleich aufhören! 


Was mir immer wieder in den Sinn kommt, ist die Aussage einer Psychologin. Sie hat mir mal gesagt, und das ist tief in mir hängen geblieben: "dass Sie ja als Überlebende mich eventuell nur als guten Freund haben wollte, jedoch nur den Sex als Instrument kannte, um sich mir zu nähern, dass ihr aber an mir sexuell eventuell gar nicht gelegen sei!" Genau dieser Gedanke trifft mich immer wieder wie ein Schlag!


Das Zusammensein mit einem missbrauchten Menschen ist wie der permanente, schlagartige Wechsel zwischen heißestem Spätsommertag und eiseskalter Winternacht... Und nun stell Dir vor, Du wärst die Pflanze, die in diesem Klima gedeihen soll, oder diese Pflanze sei die Liebe, die in diesem Klima wachsen und gedeihen  soll.


Ich bin da völlig anders und gerade für einen Trennungsfall. Schließlich sind wir doch nicht zusammen gewesen, weil wir uns nicht mögen ! Deswegen sehe ich es als meine regelrecht Pflicht, sich auseinander zusetzen, emotional wie verstandestechnisch und weiterzutragen, was noch vorhanden ist.


Eine Betroffene sagte mir einmal : "Immer wenn in meinen Beziehungen wirkliche Nähe erwuchs, dann habe ich zerstört, wie getrieben.....", und sie sagte weiter "wenn auch nur so etwas ähnliches wie Kritik oder Infragestellung auftauchte, habe ich die Beziehungen sofort beendet. Dann stand ja zu erwarten, dass meine Partner sich womöglich trennten, und dem
wollte ich zuvorkommen. So stand ich einfach besser da....." Und in vielen Gesprächen mit Betroffenen haben sich gerade diese Anmerkungen bestätigt. Die Überlebenden haben als Hintergrund völlig "normale" Zweifel und Verletzlichkeiten, die jedoch in ihrer Übertreibung zerstörerisch wirken, zum Beispiel zur Folge haben, dass kein tiefer Konflikt angegangen, gar durchgestanden werden kann.
Die Liebe kann trotzdem beidseitig vorhanden sein, sehr persönlich und sehr tief sogar. Das einfach verschenken wegen irgendwelcher persönlicher Macken? Nein, diese Sicht teile ich nicht.


Klar ist, dass das wirklich Opfer sind, zunächst mal Opfer..., die für ihre Reaktion aus meiner Sicht nicht verantwortlich zu machen sind, aber die Dinge und die Folgen sind schon herbe, bis teilweise intolerabel....


Wenn ihr aber mal diesem "Glück" begegnet seid, wird es durchaus nicht leichter, (an)zuerkennen, dass gerade nach dem ersten Wunschkind alles gemeinsame Glück erloschen sein soll. Erst dann beginnt es (das Glück), von der Hoffnung zu leben, dass die erfüllte gemeinsame Vergangenheit doch nicht verloren gegangen sein kann.
Mal erweist sich diese Hoffnung nach Jahren als trügerisch und vergeblich, andere Male (hoffentlich) nicht.
Anders... Ich habe nicht den Eindruck, dass ich mich als "Quasimodo" lächerlich gemacht habe, weil ich meine "Esmeralda" nicht verlieren wollte.


Ich kann zwar versuchen mich in meine Überlebende hinein zu versetzen, ich kann versuchen zu verstehen, doch fühlen kann ich nur meine eigenen Gefühle, und wenn mir die Erfahrungen oder Erlebnisse nahe gehen, dann werde ich wohl auch "Mitfühlen" doch das sind dann meine eigenen und nicht ihre Gefühle, aber - Wenn es nicht ihre Gefühle wären, könnte ich doch nicht mit fühlen !


Ich hab einfach erfahren, dass je mehr ich mich löse von ihr, je mehr ich nur auf mich schaue, umso größere Chancen haben WIR. Je mehr ich versuchte, auf sie einzugehen und dann auch mal meine Bedürfnisse an zu melden, umso schlechter verliefen die gemeinsame, kurze Zeit.


Du wirst Dir denken können, dass mich immer wieder Zweifel überkommen und auch meine Kräfte häufig schwinden, ich mich auch gelengtlich vernachlässigt, manchmal sogar von ihr vorgeführt fühle. Aber bislang setze ich bei ihr keine Böswilligkeit voraus, sondern bestimmte Gegebenheiten, für die meine Partnerin keine Verantwortung trägt.  Wenn ich sie damit allein zurück ließe, würde ich nicht nur nur sie verraten, sondern auch mich. Und meine Gefühle noch dazu ! 


Eine Überlebende hat mir einmal gesagt... Jeder Mensch hat seine eigene Sexualität, und jeder hat den Wunsch und das Recht auf ein positives Sexualleben. Überlebende haben das nicht weniger als andere... Nur leider, ist es aber oft so, dass viele Überlebende Sexualität nicht als Zusammenspiel begreifen können, und diese Verhaltensmuster erinnern die Überlebenden wiederum daran, dass sie schon viel zu oft zum Objekt der Sexualität Anderer gemacht wurden, und wenige oder keine Möglichkeiten gehabt haben, sich als Subjekt ihrer eigenen Sexualität zu erkennen. Und wenn Überlebende etwas NICHT brauchen, dann ist das die Objektrolle.


Es ist es sicher auch so, dass das Sexualleben mit einer/m Überlebenden auch ein Ausdruck davon ist, dass die Überlebenden von ihren Tätern zu Objekten gemacht wurden, und dass sie am Anfang der Beziehung genau das tun, was ihnen als Kind beigebracht wurde. Der Partner versteht das leider nicht immer, oder er weis es einfach nicht. Es ist ja auch schmeichelhaft, wenn man sich vorstellt, dass man selber so ein toller Hecht ist. Wenn das dann nachlässt, könnte das aber auch damit zu tun haben, dass die Überlebenden dem PartnerIn mehr vertrauen, dass sie verstehen, dass er/sie eben kein Täter ist. Also ist das eigentlich ein positives Zeichen dafür, dass das Leben nun stabiler ist. Vor allem Männer haben aber ein Problem  damit. Entweder trauern sie den "guten Zeiten" nach, oder sie "opfern sich" für ihre Prinzessin, indem sie ins Zölibat gehen... Die große Herausforderung besteht meiner Meinung nach darin, dies zu akzeptieren, aber gleichzeitig daran zu arbeiten, dass man eine "neue", gemeinsame Sexualität entwickelt, in der die Partnerin sich selber als Subjekt erleben kann, und nicht als Objekt der Gelüste von Tätern oder Partnern.


Natürlich bin ich dem Ruf meiner Partnerin gefolgt, habe drei wirkliche gute Möglichkeiten ausgekundschaftet und Vorgespräche geführt. Die einhellige Reaktion: "Die Dame muß zunächst an sich arbeiten, solange sie Worte permanent bricht und ihr Verhalten in einem Kontext nicht zuverlässig ist, macht eine PaarTherapie überhaupt keinen Sinn...." Genauso isses.


Die Nähe zu Dir sucht sie, weil da echte Gefühle eine Rolle spielen und Du viel in ihr ausgelöst hast.
Und Angst vor Dir hat sie, weil die Nähe, die sie mit Dir erlebt, früher zu üblen Verletzungen geführt hat.


Wenn Deine Frau die Ehe verlässt und sich einem anderen Mann zugewandt hat, dann hat sie Fakten geschaffen, die für Dich nicht heißen sollten, zu warten, bis sie sich wieder  anders entscheidet. Es gibt viele Menschen auf diesem Planeten, die ein schweres Schicksal zu tragen haben, und sie alle haben das Recht auf Berücksichtigung. Aber nicht darauf, dass ein anderer Mensch sich für sie aufgibt. Aus meiner Sicht kann ich Dir nur den Rat geben, Deine Gefühle für Deine Ehefrau zu behalten, Dein Leben aber ohne sie zu organisieren und zu gestalten.
Wenn sie sich umbesinnt, dann sollte sie das ganz deutlich machen und erst dann bestände für Dich die Voraussetzung, darüber nachzudenken, aber ganz bestimmt nicht jetzt!


Eine positive Seite hat die problematische Partnerschaft für mich aber doch. Ich habe die Möglichkeit, als Mensch zu wachsen. Und ich wachse noch . Es ist wahre Liebe, die hier gelebt wird, aber die sieht nun mal nicht wie in einem Hollywood Film aus.


Gerade die Überlebenden sexueller Gewalt brauchen Nähe, diese Nähe gleichzeitig aber nicht auszuhalten, das trifft den Kern des Problems nach meiner Erfahrung am besten... Wie kann man dann noch seine Gefühle ausdrücken? Und das stellt uns Partner vor gewisse Herausforderungen.


Ich für meinen Teil hatte jedenfalls eine Partnerin (keine Überlebende), die nicht mich, sondern eine Vorstellung von mir geliebt hatte. Ich empfand das als sehr unangenehm, weil ich diesen Vorstellungen natürlich nicht genügen konnte oder mich unter "Entwicklungsdruck" gesetzt gefühlt habe.


Wichtig ist auch, WIR können nichts dafür, WIR sind nicht dazu da alles auszubaden, sind keine Knetmasse, kein Punchingball, wir sind MENSCHEN MIT GEFÜHLEN UND BEDÜRFNISSEN UND FEHLERN und dürfen das auch sein - auch in dieser Partnerschaft mit einem Opfer sexueller Gewalt 


Einen Tipp kann ich Dir noch geben, versuch mal alle Probleme, die Ihr derzeit habt, ohne auf die Vergangenheit Deiner Frau zu sehen und zu überdenken. Vielleicht bringt Dich/ Euch das etwas weiter, wenn Ihr einiges ohne die Verbindung zum Missbrauch klären könnt.


Auch wenn es jetzt hart klingt, aber man kann sich als Partner noch so bemühen, die/der Betroffene muss es selbst wollen mit den Folgen seiner Vergangenheit klarzukommen oder diese aufzuarbeiten wollen. Man kann da auch nie ein Zeitraum festlegen, wie lange jemand für eine bestimmte Phase der Aufarbeitung braucht. Das ist recht unterschiedlich. Was ich aber unterstützen kann ist, dass auch Partner ein eigenes Leben und Ansprüche haben. Entweder man trifft sich da irgendwo, oder die Partnerschaft leidet darunter. Wenn es erst einmal soweit ist, dass die Partnerschaft leidet, dann ist sicher eine zeitweise Trennung ein möglicher Ausweg, um die Partnerschaft wieder etwas stabiler zu machen.


"Du baust Dich gegenüber Menschen, mit denen Nähe entsteht, zum Opfer auf. Und suchst damit genau die Rolle, unter der Du irgendwann mal aus irgendeinem Grund sehr gelitten hast. Die Menschen, zu denen Nähe entsteht, meist Partner, stilisierst Du zu Tätern. Für ihre vermeintlichen Taten sollen sie dann büßen, sich entschuldigen, stellvertretend für die bekannten oder unbekannten Täter von irgendwann. An denen Du Dich auch rächen, die Du bestrafen willst, für das, was sie Dir antaten. - Nur ich, ich habe Dir nichts getan !"


Wenn die Überlebende, das liebe Mädchen, bzw. das Opfer spielt, dann heißt das doch noch lange nicht, dass ihr Partner diese Rolle auch durchschaut, oder überhaupt Kenntnis von der sexuellen Gewalterfahrung seiner Partnerin hat, oder was in der Vergangenheit mit der Überlebenden passiert ist. Das Schlimme daran ist, dass Partner auf diese Weise ungewollt in eine Täterrolle geraten!!!


Wo von sollen die Überlebenden genesen? Sie waren und sind doch nicht krank? Sie haben etwas erlitten, wofür sie nichts können. Ihre Psyche, Ihr Unterbewußtes hat darauf reagiert. Das hat sich irgendwie ausgelebt und ausgewirkt. Schlimm für Dich, schlimm für Freunde, Bekannte und eventuell auch Partner. Du nimmst das wahr, setzt Dich damit auseinander, öffnest Dich und bietest damit den Boden, dass Mann und Frau sich darauf einstellen, damit leben können. Aber, das ist doch keine "Heilung", sondern eine erfreuliche Entwicklung, aber an den auf Dir lastenden Dingen der Vergangenheit kannst Du doch nichts mehr ändern, nur mit ihnen umgehen lernen.


Ich habe für mich die Einstellung gefunden, dass ich das, was schrecklich war und schrecklich bleibt, versuchen will, einfach anzunehmen, dabei nicht in Feindesdenken zu verfallen, sondern zu lernen, es als traurige "Selbstverständlichkeit" zu  akzeptieren, weil sich einfach nichts daran ändern lässt.


Das ist ja gerade das Traurige bei vielen Überlebenden. Der Begriff Liebe ist so verdreht, dass sie echte Liebe gar nicht mehr annehmen können. Und dabei wäre genug da. Das ist auch das schwere für Verbündete zu erkennen, dass man seinen Liebestank am besten verschließt. Man möchte den anderen trösten, lieben und ein Stück weit heilen und der andere lässt es nicht zu. 


Es ist nicht selten, dass Opfer, wenn sie an eine Grenze kommen, die sie (noch) nicht überschreiten können, sogar richtig wütend und sauer auf die Person werden, die sie dahin gebracht hat. Einfach weil sie auf halber Strecke stehen und nicht wissen ob sie es verkraften sich weiter der Vergangenheitsaufarbeitung zu stellen, oder ob es nicht besser ist, einfach wieder "Dicht" zu machen und darauf zu hoffen, dass es irgendwie vorüber gehen wird.


Ich sage immer es gibt 3 Gruppen von Überlebenden:
- die, die wirklich aufarbeiten möchten und mit dem Wissen um die Vergangenheit ein doch noch zufriedenes glückliches Leben führen können / wollen 
- die, die noch verdrängen und noch nicht soweit sind bzw. die noch nicht darüber sprechen können / wollen. 
- und die, denen man als Nicht-Mediziner oder Nicht-Therapeut gar nicht helfen kann, weil die Folgen des Missbrauchs einen zu großen Teil ihres jetzigen Lebens bestimmen, und die sich in dieser Rolle des ewigen Opfers verfangen haben.

Gruppe 1 und 2 kann man helfen, unterstützen und raten. Gruppe 3 gehört in die Hände von Therapeuten oder Ärzten. Nicht dass ihr jetzt meint, ich will Gruppe 3 schlecht machen- nein, aber da versagt jeder Laie und richtet ggf. nur noch größere Zweifel und Schäden an, als schon vorhanden.


Sie sagt, dass unser System vielleicht nur so lange gut funktioniert hat, wie es ihr schlecht ging und sie von mir abhängig war... heißt das, dass nun wo es ihr besser geht und sie selbstbewusster und stärker geworden ist, ich überflüssig bin...?! Ich möchte gerne noch weiter kämpfen und ich hoffe ich habe die Kraft. Momentan aber fühle ich mich ziemlich zerschlagen und könnte ein wenig Zuspruch gut gebrauchen.


Sicher meinst Du es nicht so, aber oberflächlich gesehen, könnte hier der Eindruck aufkommen, dass Du für Deinen Mann die Probleme am liebsten lösen möchtest. Das funktioniert aber nicht und wenn er sich durch Dich zu sehr unter Druck gesetzt fühlt. Vielleicht einfach auch nur, weil er (noch) nicht soweit ist, kann es sein, dass er die Flucht antritt und/oder ganz dicht macht. 


Mein Problem ist nicht primär, dass meine Liebe nicht stark genug wäre, um auf sie zu warten, sondern, dass sie sich durch die Kontaktsperre und auch die Therapie von mir entfernt, da wir es ja nicht gemeinsam durchstehen können!


Ich als Betroffene weiß selber wie es ist Angst vor Nähe zu haben. Ich habe Phasen da macht mich der Gedanke an körperliche Nähe fast verrückt, obwohl ich mich eigentlich danach sehne. In solchen Situationen verhalte ich mich dem Partner gegenüber meist völlig unverständlich.


Gerade wenn Du jemanden vor Dir hast der mit Gefühlen nichts anfangen kann, sondern im Gegensatz einem eher noch weh tut, ist es besonders schwer, der Person klar zu machen, dass man gerade aus den Gefühlen heraus in manchen Situationen besonders empfindlich und verletzbar ist.


Oft scheint es so, als wollte sie sich keine funktionierende Beziehung gönnen. Für die Opfer ist ihr eigener Körper etwas schlechtes, den sie bestrafen möchten, weil sie ihn mit soviel Schrecklichem verbinden und keine Chance bekamen, die Schuld auf den tatsächlich Schuldigen zu projizieren ... das passiert v.a. dann, wenn es z.B. der eigene Vater war.


"Ich verstehe nicht ganz, warum sie mich wegschickt und sagt, dass sie nicht genug für mich empfindet. Es kommt wohl vor, dass die Opfer dies tun, um den Partner zu provozieren, um ihn dazu zu bringen aufzugeben, damit sie sich selber beweisen können, "dass es ja nix werden kann". Das ist eine selbstzerstörerische Seite, die ich ehrlich gesagt (noch) nicht verstanden habe, aber die Therapeutin hat gesagt, dass sie damals in ihrer Opferrolle auch so gehandelt hat."

"So gesehen solltest du das nicht glauben, was Deine Frau gesagt hat, wenn sie Dir durch andere Dinge zeigt, dass sie dich liebt."


Vergesst niemals, dass Liebe - wahre und ehrliche Liebe - Euch damals zu Partnern gemacht hat. Behaltet diese Liebe immer im Auge und werdet keine Co-Opfer.


Nur eine Überlebende, die um ihrer selbst Willen geliebt wird, wird Euch Einblick in ihr Innerstes geben und Euch als Partner in allen Lebenslagen voll und ganz akzeptieren.


Ein Partner, der sich zum "Co-Opfer" macht oder machen lässt, wird über kurz oder lang daran verzweifeln. (und nicht nur er- auch der/die Überlende) Partner, die ehemaligen Opfern sogar sagen, wie sie aufarbeiten und leben sollen - sind sehr oft eine zusätzliche Belastung für die/den Überlebenden.


Ein Partner , der ehemaligen Opfern als Partner bei der Vergangenheitsbewältigung an der Seite steht, ist goldwert.


Eine Überlebende sagt: "Ich denke, dass es für Dich unheimlich schwer sein muss, so wie für eigentlich alle Partner, die ewigen Stimmungswechsel, die Wiedersprüchlichkeiten, die Verletzungen und einfach nicht normal leben zu können. Ich höre das auch öfter mal von Partnern, dass sie total überfordert sind, und ich denke, dass es unendlich hart sein muss, ich weiß es nicht, denn ich bin ja kein Partner sondern nur Überlebende, aber wenn ich es mir aussuchen könnte, dann wäre ich lieber kein Partner. Ständig Rücksicht nehmen, das kann man einfach nicht. Es ist schwer die Überlebenden zu verstehen, jedenfalls denke ich, ist es das für die meisten von euch.


Vor der Trennung hatte ich ja keine Ahnung, dass diese Mechanismen in allen Verbündeten-Beziehungen ablaufen. Ich dachte sogar, meine Frau sei wirklich über ihre Vergangenheit hinweg. Hätte ich das alles früher gewusst, wäre vielleicht noch was zu retten gewesen ... naja, wenn das Wörtchen wenn nicht wäre.


Ist Dir klar das Du nicht für dieses Scheißgefühl verantwortlich bist? Du musst das ebenso wie sie trennen lernen. Auch wenn ihr zu zweit seid, dann seid ihr immer noch zu dritt ... Sie, Du und Vergangenheit.


Aus meiner  Erfahrung und der Erfahrung vieler Mitbetroffener kann ich Dir sagen, dass Du nicht nur derjenige bist, den sie liebt, und dem sie Vertrauen entgegenbringt, sondern auch derjenige, der sie am meisten an ihre Vergangenheit und Brüche  erinnert. Und das ist mit das schlimmste für die Betroffenen, die nicht selten auch vor sich selbst, auf jeden Fall aber vor ihren Vergangenheit gerne fliehen möchten.


Dahinter steht in meinen Augen fast ein Zwang, und den sehe ich, und halte das nicht einmal für weit hergeholt, in dem  unbewussten Wunsch der Betroffenen, diejenigen, die ihnen einst so wehtaten zur Verantwortungsübernahme zu zwingen, dass sie sich wenigstens entschuldigen. Ich spiele als Mitbetroffener dann quasi symbolische Rolle in dem ich mit dem Täter auf eine Stufe gestellt werde. - Deswegen ist meine derzeitige Grundsatzaussage: "Ich habe Dir doch nichts getan !"


Eine Überlebende schrieb:

Diesen will ich hiermit, stellvertretend für alle ehemalige Opfer sagen :
- Danke, dass es Euch gibt ! -
- Seid einfach weiter für die Betroffenen da und macht den Missbrauch nicht zum Hauptlebensinhalt Eurer Beziehung.
- Seid weiterhin verständnisvoll und kooperativ, aber tretet uns auch mal symbolisch in den Hintern, wenn wir uns zu sehr in der Vergangenheit verlieren und aufgeben wollen. Nein , nicht mit Gewalt, sondern seid kritisch, sprecht offen mit uns und holt uns auch mal liebevoll auf den Boden der Tatsachen zurück, wenn wir uns irgendwo zu sehr verlieren.


Dazu ein Witz:
Ein Blinder und ein Stotterer (Stotterer=ÜberlebendeR/ Blinder=PartnerIn) gehen spazieren. Das sagt der Stotterer zum Blinden: "Sch … Sch … Sch … Scho neidappt." Der eine sieht das Unheil nicht und der andere kann nicht drüber reden – das kommt mir ungemein bekannt vor.


Es geht um Trennungen, speziell unter dem Überlebenden-Gestirn. Und da erlaubte ich mir nur, an die Kinder zu erinnern.  Und wenn einE ÜberlebendeR sich immer wieder trennt, dann nehmen die Kinder, die es sowieso schon schwer genug haben in diesem Zusammenhang, noch mehr schaden. Lernen regelrecht Beziehungsunfähigkeit. Deswegen ist es eine besondere Pflicht der Überlebenden, wenn KInder da sind, ihre Dinge anzugehen. Und die Partner der Überlebenden haben die verdammte Pflicht, sie dabei zu unterstützen, wenn die Gefühle denn halbwegs stimmen.


Wenn ich eine Überlebende aufgebe, die augenscheinlich einer schweren Störung anheim gefallen ist, verrate ich nicht nur sie, sondern auch mich, weil ich doch auch Verständnis und Einfühlung für meine ureigenen Probleme benötige.


Achtet bei allen Konflikten und aller Hilfe für die Betroffenen, bitte auch auf Euch !


Was ich von MIR erwarte ist, dass ich mich diesen Problemen stelle und wenigstens versuche, diese sachgerecht zu realisieren und zwar so, dass ich vor den Spiegel stellen kann und mir sagen kann: "Du hast wirklich alles versucht, hast Dich allem gestellt... " Und wenn das nicht genügte, dann genügte es halt nicht...


... und das war eigentlich alles, was mir damals gefehlt hatte: Eine Erklärung für ihr unerklärliches Verhalten...


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