Alumni-Magazin der
Technischen Universität Berlin

2. Jahrgang · Nr. 3 · Dezember 2000
 

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Begegnung der Computerpioniere zweier Generationen: Computer-Guru Bill Gates trifft Computer-Vater Konrad Zuse.

Rechenhilfe für Ingenieure

Konrad Zuses Idee vom ersten Computer der Welt wurde an der Technischen Hochschule geboren

Konrad Zuse 1910-1995
"Ich bin zu faul zum Rechnen.” Dieses Eingeständnis eines jungen Ingenieursstudenten sollte unsere Welt verändern. Mitte der 30er Jahre des vergangenen Jahrhunderts plagte sich ein angehender Bau-Ingenieur während seines Studiums an der damaligen Technischen Hochschule Charlottenburg mit Algorithmen für die statischen Berechnungen von Bauwerken. Die vielen Personen, die in Instituten oder der Industrie mit Zahlen jonglierten, nannte man zu jener Zeit Rechenknechte - Computoren. Konrad Zuse ließ dieses lästige Problem keine Ruhe. Seine Vision war, den Ingenieuren die stupide Arbeit des Rechnens durch eine Maschine abnehmen zu lassen. Am 30. Januar 1936 beschreibt er die Anforderungen an eine ideale Rechenmaschine so: "Der Ingenieur hat viel mit festen Formeln zu arbeiten, die immer wiederkehren. Man hat gewisse Ausgangswerte, und die Arbeit besteht nun darin, durch bestimmte, für eine Formel immer gleiche Aufeinanderfolge von Grundrechenarten zwischen bestimmten Zahlen das Resultat zu berechnen. Der Ingenieur braucht Rechenmaschinen, die diese Rechenoperationen automatisch ausführen, indem der Rechenplan auf einem Lochstreifen festgehalten wird, der die Befehle für die einzelnen Rechenoperationen selbsttätig und nacheinander an die Maschine gibt.”

Die Idee für den ersten Computer der Welt war in Berlin geboren. Der junge vielbegabte Tüftler machte sich ans Werk. Konrad Zuse, der vor 90 Jahren geboren wurde, wird heute fast einhellig in aller Welt als Schöpfer des ersten programmgesteuerten und frei programmierbaren Rechners anerkannt. Diese Maschine Z3, sein dritter Versuch nach den Maschinen Z1 (1936-1938) und Z2 (1938-1939), vollendete er 1941 in seiner kleinen Berliner Werkstatt in der Methfesselstraße 7-10. Die Maschine Z3 besteht aus ca. 2500 Telefonrelais. Sein erster Versuch, die legendäre Maschine Z1 (1936), bestehend aus ca. 40000 mechanischen Einzelteilen, stand noch in der elterlichen Wohnung und füllte fast ein Zimmer. Am 12. Mai 1941 wird der Rechner Z3 Besuchern der Deutschen Versuchsanstalt für Luftfahrt (DVL) in Berlin vorgeführt. Er ist in allen Komponenten funktionstüchtig. Es ist Zuses Tag.

Schon dem halbwüchsigen Zuse war der Mathematikunterricht lästig.
Einige Jahre später (1945) entwickelte der Computer-Vater die heute leider fast vergessene Programmiersprache, den "Plankalkül”. Sein Ziel war schon 1945, eine Einheit zwischen Hard- und Software zu schaffen. Bis auf die Maschine Z4 wurden alle seine Rechner im Krieg zerstört, nur die Patentanträge und sehr wenige Bilder sind von den Maschinen übrig geblieben. Doch Zuse gab nicht auf.

Am 29. Oktober 1946 wurde das Zuse-Ingenieurbüro Hopferau im Allgäu gegründet. Ihm folgte 1949 die Zuse KG in Neukirchen, Kreis Hünfeld. Der kleine Schuppen, in dem die Computer-Freaks der ersten Stunde tüftelten, war ein ehemaliges Mehllager. Dort stellte Konrad Zuse die aus Berlin gerettete Rechenanlage Z4 auf. Es ist das erste Ingenieurbüro, zumindest in Europa, wenn nicht sogar weltweit, welches sich mit der Konstruktion von Computern beschäftigte - das erste Computer-Start-up also. Der Siegeszug der elektronischen Rechenmaschine war nicht mehr aufzuhalten. Aus einem mechanischen Ungetüm wurde mittlerweile ein Gerät, das aus unserem Leben nicht mehr wegzudenken ist.

Nachbau der Maschine Z 3, die heute im Deutschen Museum München zu sehen ist. Von ihr existieren keine Fotos, da sie im Krieg zerstört wurde. Sie war der erste funktionstüchtige Computer.
Am 18. Dezember jährt sich der 5. Todestag des Computer-Vaters. Doch sein Wirken und Anliegen leben fort. "Seit seinem Tod bekomme ich immer mehr Anfragen, etwas über meinen Vater zu erzählen”, sagt Horst Zuse, der älteste Sohn. Der Informatiker lehrt heute als Privatdozent an der TU Berlin. Sein Seminar "Geschichte des Computers” erfreut sich steigender Beliebtheit. Sein frühes Anliegen war es jedoch, "mir erst einmal wissenschaftlich einen eigenen Namen zu machen”. Denn der Vater war eine dominante Figur - privat wie auch geschäftlich. So zog es Zuse junior nach Amerika, er arbeitete im Labor von IBM und beschäftigte sich in seiner Forschung mit der Messung von Softwarequalität und neuerdings mit der Strukturierung von Bildsuchmaschinen.

Neben Vorträgen über seinen Vater, der sich auch als Künstler betätigte, und Buchpublikationen sowie einer Konrad-Zuse-Multimedia-Show geht Horst Zuse im Verbund mit anderen Wissenschaftlern, Schülern und Lehrern jetzt ein neues, ambitioniertes Projekt an: den Nachbau des Z3. "Wir wollen damit nicht nur einen historischen Beitrag leisten, sondern auch Schüler in diesen Prozess einbinden. An dem neuen Z3 soll man erkennen können, wie beispielsweise ein Bit entsteht. Wir wollen letztlich Wissenschaft begreifbar machen. Der Z3 soll dann auf Wanderausstellungen in ganz Deutschland gezeigt werden”, erzählt der TU-Wissenschaftler.

Datenbank  

Bestellung CD-ROM "Konrad-Zuse-Multimedia-Show” mit vielen Bildern und Erläuterungen zum Leben und Werk Zuses: Privatdozent Dr.-Ing. Horst Zuse, Schaperstraße 21, 10719 Berlin, Tel.: 030/881-59 88, Fax: 030/886- 8 16 78
E-Mail: horst.zuse@t-online.de
Internet: http://home.t-online.de/home/horst.zuse

Eine CD kostet 33 DM incl. MwSt. und incl. Versandkosten (Inland), zwei CDs 49 DM. Das neue Buch über "Konrad Zuse - Der Vater des Computers”,Verlag Parzeller, Tel.: 0661/280-0, 34 DM, ISBN: 3-7900-0317-4,
Projekt "Nachbau Z3”: Internet: http://home.t-online.de/home/horst.zuse/z3-nba.html,
Konrad-Zuse-Gesellschaft: Internet: www.gi-ev.de/mitgetragene_organisationen/zuse.html

       

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