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Leben und Arbeiten in Südamerika PDF Print E-mail
Written by Jens   
Monday, 15 October 2007

Was als Reise geplant war, ist mittlerweile zu einer Lebensphilosophie geworden

Meine Reise nach Südamerika begann 2004, als die Firma, für die ich bis dahin gearbeitet habe, kein Geld mehr für meine Bezahlung hatte. Ich trat diese Reise vor allem mit dem Ziel an, meine persönlichen Ziele neu zu orientieren, mich als Person neu zu finden und ein wenig Abstand vom hektischen und schnellen Leben in Deutschland zu gewinnen. Das erste Ziel der Reise, die ursprünglich bis zum März des nächsten Jahres dauern und mit dem Besuch eines NLP-Seminars in Brasilien enden sollte, sollte Buenos Aires sein...

Zu diesem Seminar hatte mich meine damalige Freundin eingeladen, die bereits zu dieser Zeit selbstständig war. Ich hätte so die Möglichkeit gehabt, mit ihr noch einen Monat in Brasilien zu verbringen und nach einer anschließenden gemeinsamen Reise von Bolivien aus zurück nach Deutschland zu fliegen.

Bereits die vier Monate in Argentinien und anschließend das Seminar haben mich jedoch so weit geprägt und beeinflusst, dass mein Wunsch, nach Deutschland zurückzukehren und mir dort eine neue Arbeit zu suchen, immer mehr in den Hintergrund rückten und den Wunsch in mir aufkommen ließen, diese Reise, die mittlerweile zu einer Reise zu mir selbst geworden war, auf unbestimmte Zeit fortzusetzen. Ich kehrt also nach Argentinien zurück. Meine Beziehung mit meiner damaligen Freundin war mittlerweile zu Ende gegangen und ich habe mich entschlossen, erst einmal in Argentinien nach einem neuen Lebensunterhalt zu finden. Diesen fand ich zunächst ganz im Süden Argentiniens, auf einem kleinen Bauernhof, auf dem ich gegen Kost und Logis mit meiner neuen Freundin, einer Kolumbianerin, zusammen als Erntehelfer bei der Walnuss- und Himbeerernte mitgeholfen habe. Nun stellte sich schnell heraus, dass ein Lebensunterhalt auf diese Weise nicht zu verdienen war und versuchte, nach Alternativen Ausschau zu halten. Damit sollte unsere Reise (Südamerika-Fotos) fortgesetzt werden, die mich schließlich bis nach Kolumbien führen sollte.

Ich habe mich also entschlossen, das Internet für meine eigene kleine Globalisierung zu nutzen und die Fähigkeiten aus meinem vergangenen Leben in Deutschland (Studium und Berufserfahrungen in den Bereichen Naturwissenschaften und IT) mit meinen auf der Reise neu erworbenen Kenntnissen zu kombinieren (Sprache) und als Übersetzer zu arbeiten. Zudem ermöglichte es mir mein Leben im verhältnismäßig günstigen Südamerika, meine Dienstleistungen zu einem sehr wettbewerbsfähigen Preis anzubieten. Es sollte sich schnell herausstellen, dass diese Kombination eine Marktlücke traf. Ich hatte bereits eine Woche nach meinem Entschluss die ersten Kunden und ca. 2-3 Monate so viel zu tun, dass mir für Reisen nicht mehr viel Zeit hatte. Während ich meine ersten Aufträge noch in Internetkaffees während der Reise abarbeitete (ich erinnere mich noch gut daran, wie ich an der Grenze zwischen Ecuador und Peru an der Übersetzung von Bildbeschreibungen für einen Kunstprospekt saß), war es an der Zeit, in Ecuador schnell eine Wohnung zu suchen, mir einen vernünftigen Laptop anzuschaffen und ernsthaft in das Leben als Selbstständiger einzusteigen. Auch meine Freundin fand durch Kontakte, die ich zur GTZ aufbauen konnte, schnell einen Job in der Entwicklungshilfe und war schließlich bei einem Projekt zur Rettung des Regenwalds in Ecuador beschäftigt.

Trotz der glücklichen Zeit in Ecuador bin ich in diesem Land leider nie heimisch geworden. Mein Wunsch, in den Süden Südamerikas zurückzukehren, wurde immer größer. Zudem wurde die Notwendigkeit immer dringender, Leben und Arbeit wieder in geordnete Bahnen zu bringen, war ich doch schon seit längerer Zeit nicht mehr in Deutschland, dort aber offiziell mit Wohnsitz und als Selbstständiger registriert. Ich entschloss mich also, nach Argentinien zurückzukehren und dort offiziell einzuwandern.

Leider stellte sich dies als gar nicht so einfach heraus, fordern doch die argentinischen Einwanderungsbedingungen ein regelmäßiges und sicheres Einkommen, welches ich als Selbstständiger nicht vorweisen konnte. Als Alternative kam Uruguay in Betracht, der kleine Nachbar Argentiniens, in dem ich zuvor schon einige Monate verbracht habe. Uruguay hat recht liberale Voraussetzungen für die Einwanderung. Mit einem Nachweis von mindestens monatlichen 500 US-$, die ich auch als Selbstständiger glaubhaft bei einem Notar versichen konnte, verläuft die Einwanderungsprozedur normalerweise problemlos. Wie sich später herausstellen konnte, hatte die Einwanderung in Uruguay gegenüber Argentinien noch einige weitere Vorteile, nicht umsonst wird Uruguay als das Steuerparadies und die Schweiz von Südamerika bezeichnet. Im Gegensatz zu Argentinien, indem ich dies zwei Monate erfolglos versucht hatte, konnte ich auch als Ausländer z. B. ganz problemlos ein Bankkonto eröffnen (praktische Tipps für lange Reisen und die Auswanderung).

Nun, die offizielle Einwanderung ist abgeschlossen, sodass ich mich wieder mehr meiner eigenen Entwicklung und dem Aufbau von Projekten in meinem neuen Lebensraum widmen kann. Dazu zählen neben den weiter geführten Übersetzungen einige Internet-Seiten sowie eine Reiseunternehmen für Uruguay und Argentinien, das organisierte und individuelle Reisen in diesen Ländern anbietet (Infos bald).

Last Updated ( Friday, 01 February 2008 )
 
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