spd.de Bundestagsfraktion Bayern SPD Landtagsfraktion Bezirkstagsfraktion
Aktuell
Partei
Stadtratsfraktion
Politik
Service
    Kindertagesstätten
in Schwabach
    Schwabacher Schrift
      "Schrifterlass"
      Installation und Tastaturbelegung
Kontakt
Übersicht / Sitemap
Impressum
Die Alte Schwabacher Schrift

Eigentlich kennt sie jeder, aber nur Wenige kennen Ihren Namen: Die Alte Schwabacher Schrift.

Die "Schwabacher" war ein halbes Jahrhundert (etwa von 1480 bis 1530) in Deutschland die vorherrschende Druckschrift. Durch die volkstümlichen Dichtungen von Hans Sachs wurde sie überall bekannt und beliebt. Vor allem aber gewann sie an Verbreitung durch die Reformation. Wittenberg trat als Druckstadt ebenbürtig neben Nürnberg, Mainz, Augsburg und Straßburg. Alle Werke Luthers und der anderen Reformatoren wurden in der "Schwabacher" gedruckt.

Ein altdeutscher Zeichensatz? Vielen kommen dazu auch Assoziationen zum Nationalsozialismus, bevozugen doch gerade auch neonazistische Organisationen und Gruppierungen oft solche Fraktur-Zeichensätze in ihren Pamphleten und Hetzblättern. Dabei zeigt sich einmal mehr, dass es mit den Geschichtskenntnissen dieser Dumpfbacken nicht weit her ist:

Die gotische bzw. Frakturschrift wurde nämlich mit dem "Schrifterlass" am 3. Januar 1941 von den Nationalsozialisten als "Schwabacher Judenlettern" verboten. Sie gingen wohl davon aus, dass die Schrift von einem Schwabacher Juden geschaffen worden sei. Dies ist allerdings eher unwahrscheinlich, denn erstens gab es in Schwabach damals weder eine Buchdruckerei noch eine Schriftgießerei und zweitens war den den Juden der Erwerb von Druckereien und das Arbeiten in einer Druckerei nach den strengen Zunftgesetzen der damaligen Zeit verboten. Nur Christen, die das Bürgerrecht besaßen, durften in einer Druckerei tätig sein. Auch die weitere Behauptung des Erlasses, dass "die in Deutschland ansässigen Juden bei der Einführung des Buchdrucks sich in den Besitz der Druckereien setzten und dass es dadurch zu der starken Einführung der Schwabacher Judenlettern gekommen sei", ist falsch.

Es ist viel wahrscheinlicher, dass die Menschen in den von der Wehrmacht besetzten Gebieten diese Schrift und damit das, was die Nazis dort schriftlich bekannt gaben, nicht lesen konnten. Also wurde die "deutsche" Schrift schnell zu "Judenlettern" erklärt und verboten.

Tatsächlich gab es aber im 15. Jahrhundert und noch lange Zeit danach in Deutschland nicht eine einzige in jüdischem Besitz befindliche Druckerei. Die starke Verbreitung der Schwabacher ist vielmehr auf den durch die Reformation veranlassten Druck zahlreicher religiöser Bücher und Streitschriften zurückzuführen.

Gutenberg, der Erfinder der Buchdruckerkunst, druckte noch in den Schriftarten der damals verwendeten Handschriften, also vor allem in der gotischen Schrift. Diese Schrift musste aber gegen Ende des 15. Jahrhunderts unter dem Einfluss der Renaissance einer neuen Schrift weichen, der sogenannten "Schwabacher Schrift", die wohl zuerst von Johannes Bämler in einem Augsburger Wiegendruck vom Jahre 1472 verwendet worden ist. Um das Jahr 1490 erreicht die Schwabacher ihre Vollendung u.a. in der bekannten Schedelschen Weltchronik, gedruckt von Anton Koberger (1493), und in der Dürerschen Apokalypse (1498). Sie wird dann auch von zahlreichen anderen deutschen Druckern übernommen.

Woher stammt nun der Name? Gebraucht wurde der Name zum ersten Mal von dem Nürnberger Schreibmeister Wolfgang Fugger im Jahre 1553, also fast ein Jahrhundert nach ihrer Entstehung. Es ist anzunehmen, dass ein aus Schwabach stammender, aber in einer auswärtigen Druckerei (Nürnberg, Augsburg, Ulm) arbeitender Schrift- und Formenschneider die Type geschaffen hat und dass dann die Bezeichnung "Schwabacher" auf diese neue Schrift übertragen wurde. In der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts verlor sie aber allmählich an Bedeutung, bis sie mehr und mehr von der "Fraktur" verdrängt wurde. Nur als Auszeichnungsschrift wurde sie wegen ihrer kräftigen Wirkung weiter in Frakturdrucken verwendet. Erst im 19. Jahrhundert wurde sie wieder zu neuem Leben erweckt, besonders durch die Schriftgießerei Genzsch & Heyse, die im Jahre 1835 die "Alte Schwabacher" in den Originalmatern herausbrachte und 1876 die "Neue Schwabacher" entwarf. Die Schriftgießerei Gebr. Klingspor folgte 1900 mit der "Offenbacher Schwabacher", welche sich großer Beliebtheit erfreute. Auch die Schriftkünstler Ehmcke (1916) und Schneidler (1918) haben neue Formen geschaffen. So hat sich die Schwabacher Schrift durch ihre gute Lesbarkeit und ausdrucksvolle Schönheit als lebenskräftig erwiesen und bis zum heutigen Tage erhalten.

Heute, im Zeitalter des Computers liegt sie natürlich auch als Schriftart, d.h. als True Type Font (ttf), für den PC vor. Exklusiv bei uns können Sie sich die Schriftdatei kostenlos herunterladen. Beachten Sie hierzu auch unsere Hinweise zur Installation und zur Tastaturbelegung und die weiterführenden Verweise in der rechten Spalte.

_______________
Die Informationen auf dieser Seite sind entnommen aus:
Dr. ten Wolde, Heinrich, Die Schwabacher Schrift in Die deutsche Schrift Nr. 4 (März 1952)

Kostenloser Download:
"Alte Schwabacher"
(= Deco-A761)



Dokument (PDF):
Hinweise zum Umgang mit gebrochenen Schriften


Literaturtipp:
Die Schwabacher (von Philipp Luidl)
Preis bei amazon.de: 15,- Euro

Bund für deutsche Schrift und Sprache
Bund für deutsche Schrift und Sprache

"Kleine Anleitung für den Fraktursatz" (von Tjalf Boris Prößdorf)

© spd-schwabach.de - 2007  E-Mail direkt