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01.05.2009
 

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FALL IN BAYERN

Erste Mensch-zu-Mensch-Infektion mit Schweinegrippe in Deutschland

Das Robert-Koch-Institut hat einen vierten Fall einer Schweinegrippe-Erkrankung in Deutschland bestätigt - bei einer Krankenschwester aus Bayern, die sich bei einem Mexiko-Reisenden angesteckt hat. Es ist der erste Fall einer Übertragung zwischen Menschen innerhalb Deutschlands.

Schweinegrippen-Test: Erste Infektion innerhalb Deutschlands
AFP

Schweinegrippen-Test: Erste Infektion innerhalb Deutschlands

München - In Deutschland hat sich erstmals ein Mensch mit der Schweinegrippe angesteckt, der zuvor nicht in Mexiko war: Das Robert Koch-Institut hat damit einen dritten Fall von Schweinegrippe in Bayern bestätigt. Dies teilten die beiden Sprecher des Bundesministeriums für Gesundheit und des Freistaates Bayern am Freitag mit.

Die Frau aus Niederbayern habe sich in den vergangenen Wochen nicht in Mexiko aufgehalten. Sie habe aber in Kontakt mit einer der bereits infizierten Personen gestanden, einem 37-jährigen Heimkehrer von einer Mexikoreise - und sich offenbar bei ihm angesteckt. Mittlerweile sei die Frau wieder gesund. Auch auf einen solchen Fall der Ansteckung seien die zuständigen Stellen vorbereitet. "Es werden alle Kräfte gebündelt, um in einem solchen Fall dem Patienten mit dieser Infektion zu helfen und den Infektionsweg zu klären", hieß es.

Die Frau ist eine Schwester im Kreiskrankenhaus Mallersdorf ist und hatte den Mann - den deutschlandweit ersten Schweinegrippe-Patienten - betreut. Er wurde mehrere Tage in Mallersdorf behandelt und am vergangenen Dienstag dann nach Regensburg ins Universitätsklinikum verlegt. Der Vorstandsvorsitzende der Kliniken des Landkreises Straubing-Bogen, Alois Lermer, hatte schon am Donnerstag bestätigt, dass die Schwester aus dem Landkreis Landshut deutliche Symptome zeigte und mit Grippemedikamenten behandelt wurde.

Die Laboruntersuchungen für einen Mallersdorfer Zimmernachbarn des 37-Jährigen liegen noch nicht vor. Er hatte mit dem Infizierte auf der Intensivstation gelegen und sei mit leichtem Fieber in der Klinik isoliert worden, hatte Klinikchef Lermer gesagt. Er soll nicht ganz eindeutige Grippesymptome haben.

Dem 37-Jährigen soll es laut dpa inzwischen besser gehen. Der Mann hat nach Angaben der Ärzte die eigentliche Grippe auskuriert, leidet aber an einer Folgeerkrankung, die mit einer chronischen Grunderkrankung zusammenhängt.

SCHWEINEGRIPPE: FURCHT UND VORBEREITUNG

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Insgesamt handelt es sich bei dem Fall der Krankenschwester um die vierte bestätigte Schweinegrippe-Infektion in Deutschland - drei in Bayern und einer in Hamburg.

GRATIS-HOTLINE DER BUNDESREGIERUNG

Unter 0800- 44 00 55 0 können sich Bürger ab sofort telefonisch über die Schweinegrippe informieren. Die kostenlose Hotline wird vom Bundesgesundheits- Ministerium betrieben und ist montags bis donnerstags zwischen 8 und 18 Uhr, freitags zwischen 8 und 12 Uhr und am Wochenende und an Feiertagen zwischen 10 und 16 Uhr zu erreichen.
Die Frage, wie einfach es bei der Schweinegrippe zu Mensch-zu-Mensch-Übertragungen kommt, ist für Experten besonders wichtig, um die Virulenz des neuen Erregers besser zu verstehen. Unter anderem macht die Weltgesundheitsorganisation WHO ihre Risikostufe davon abhängig, in wie vielen Regionen es Mensch-zu-Mensch-Übertragungen eines Erregers gibt. In Nordamerika ist dies bereits der Fall, ebenso in Mexiko. Derzeit gilt die zweithöchste Pandemie-Warnstufe 5; sie bedeutet, dass Übertragungen von Mensch zu Mensch noch örtlich begrenzt sind und die Staaten der Welt ihre Vorbereitungen auf den Ausbruch einer globalen Seuche abschließen sollen.

Eine baldige Erhöhung auf Stufe 6 wird nicht ausgeschlossen. Sie bezeichnet die Pandemiephase, in der die Infektionen weiter zunehmen und die gesamte Bevölkerung betroffen ist.

Elf Länder haben nach Angaben der WHO bislang insgesamt 331 Fälle von Schweinegrippe gemeldet. Dazu zählen neben Mexiko, den USA und Deutschland auch Österreich, Schweiz, Spanien, Holland, Großbritannien, Israel, Neuseeland und Kanada.

Die Zahl der Personen, die sich in Mexiko nachweislich mit dem Schweinegrippe-Virus A/H1N1 infiziert haben, liegt nach Angaben der WHO bei 156. Die Zahl der Toten habe sich jedoch nicht weiter erhöht. Bisher kamen in dem Land demnach neun Menschen durch die Schweinegrippe ums Leben.

Ausländer seien nicht darunter, sagte der Minister. Córdova schloss aber nicht aus, dass unter den bislang 1159 registrierten Grippe-Toten weitere mit dem neuen Virus infizierte Fälle sind. Dies müsse in den kommenden Tagen durch Untersuchungen geklärt werden.

Um eine weitere Ausbreitung zu verhindern, hat die mexikanische Regierung angeordnet, dass über die verlängerten Mai-Feiertage alle öffentlichen Veranstaltungen eingestellt werden. Präsident Felipe Calderón forderte seine Landsleute auf, bis zum kommenden Dienstag zu Hause zu bleiben. In Mexiko-Stadt sind zudem alle Gaststätten, Bars und Restaurants geschlossen. Geschäfte, Supermärkte, Lebensmittelmärkte und Apotheken sind aber weiter geöffnet.

DAS SCHWEINEGRIPPE-VIRUS

Der Erreger

Es handelt sich um ein Influenza-A-Virus mit der Bezeichnung A/H1N1, das sich von Mensch zu Mensch übertragen kann. Schweine gelten bei der Grippeausbreitung als besonders gefährlich, weil sich verschiedene Viren in ihnen gleich gut vermehren und auch mischen können. Ein H1N1-Virus war auch der Auslöser der Spanischen Grippe, die zwischen 1918 und 1920 weltweit mindestens 25 Millionen Menschen getötet hat.

Die Ausbreitung

Die Symptome

Die Gefahr

Die Maßnahmen

Die Impfstoffe

Antivirale Mittel

Wandlungsfähigkeit von Grippeviren

jjc/dpa/AP





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