Wissenschaft

Kopfbereich überspringen

Influenza

Zehnter Fall von Schweinegrippe in Deutschland

(19)
7. Mai 2009, 14:17 Uhr

In Deutschland gibt es mittlerweile zehn bestätigte Fälle von Schweinegrippe. Bei einem zweiten Mexiko-Heimkehrer in Sachsen-Anhalt wurde das Virus nachgewiesen. In Brandenburg gibt es einen noch unbestätigten Verdachtsfall. Das Robert-Koch-Institut gibt aber nach wie vor keine Entwarnung.

Mittlerweile gibt es zehn bestätigte Schweinegrippefälle.
Foto: dpa

Ein Arzt befestigt im Universitätsklinikum in Regensburg (Oberpfalz) ein Hinweisschild für spezielle Isolation an einem Krankenzimmer

Video

Bei dem zehnten Grippefall handelt es sich um einen Mann aus dem Landkreis Wittenberg, der am Freitag der Vorwoche aus Mexiko zurückgekehrt war. Am Montag hatte er bei einer arbeitsmedizinischen Untersuchung den Arzt darüber sowie über eine leicht verstopfte Nase informiert. Daraufhin wurde ein Rachenabstrich an das Referenzlabor des Robert-Koch-Instituts eingeschickt. Nach Einschätzung des Arztes war der inzwischen wieder genesene Mann nur leicht erkrankt. Kontaktpersonen aus seinem Umfeld zeigten derzeit keine Grippe-Symptome.

Bei dem Verdachtsfall in Brandenburg handelt es sich um einen 70-Jährigen aus Cottbus, der gemeinsam mit seiner Ehefrau ebenfalls am vergangenen Freitag aus Mexiko zurückgekehrt war. Am Mittwoch meldete er sich mit Grippesymptomen bei seinem Hausarzt, wie das Gesundheitsministerium in Potsdam am Donnerstag mitteilte. Der Mediziner informierte am Abend das zuständige Gesundheitsamt. Endgültige Laborergebnisse aus dem Nationalen Referenzlabor stehen noch aus.

Der Erkrankte habe die erforderlichen Medikamente erhalten und sei gemeinsam mit seiner Frau in der Wohnung unter Quarantäne gestellt worden, hieß es. Auch der nicht mehr bei den Eltern lebende Sohn, der diese nach der Rückkehr nur kurz gesehen habe, sei vorsorglich zu Hause isoliert worden. Andere Kontaktpersonen des Paares würden derzeit vorsorglich aufgesucht und medizinisch betreut, erklärte die Brandenburger Gesundheitsministerin Dagmar Ziegler (SPD). Es bestehe keinen Anlass zur Beunruhigung.

mehr Bilder

Experten befürchten eine Pandemie

Für die Bevölkerung in Deutschland sieht das RKI nach wie vor keine allgemeine Gefährdung durch die neue Grippe. Man solle aber generell empfohlene Hygienemaßnahmen besonders beachten, vor allem bei Kontakt zu Reiserückkehrern aus betroffenen Regionen. Nach derzeitigem Stand sei das Virus gut übertragbar. Hinzu komme, dass Grippeviren ihr Erbgut ständig veränderten. Um auch zukünftig auf neue Entwicklungen rasch und angemessen reagieren zu können, müsse man vor allem die internationale Situation im Auge behalten.

Die ersten drei Schweingrippefälle in Deutschland waren am 29. April bestätigt worden. Der am 30. April bestätigte vierte Fall einer Krankenschwester, die sich bei einem Schweinegrippepatienten angesteckt hatte, war die deutschlandweit erste Übertragung des neuen Virus von Mensch zu Mensch.

Alle Fälle in Deutschland sind bislang eher milde verlaufen. Die meisten Staaten weltweit sind noch nicht betroffen von der neuen Grippe.

Die Zahl der Schweinegrippe-Fälle ist weltweit auf mehr als 2200 gestiegen. Mexiko steht mit rund der Hälfte dieser Fälle weiter an der Spitze der globalen Statistik, wie das EU-Zentrum für Seuchenbekämpfung (ECDC) in Stockholm am Donnerstagmorgen mitteilte. Dennoch stufte das nordamerikanische Land den Grippealarm von „Orange“ auf „Gelb“ zurück. Weltweit sind bislang Fälle in 24 Ländern entdeckt worden, Polen meldete als 13. europäisches Land eine Infektion. In Deutschland bestätigte sich der zehnte Schweinegrippefall.

1 von38
Das neue Grippevirus H1N1 – Fragen und Antworten

dpa/AP/cl

Einen Kommentar schreiben

Sie schreiben einen Kommentar zu diesem Artikel

Zehnter Fall von Schweinegrippe in Deutschland

In Deutschland gibt es mittlerweile zehn bestätigte Fälle von Schweinegrippe. Bei einem zweiten Mexiko-Heimkehrer in Sachsen-Anhalt wurde das Virus nachgewiesen. In Brandenburg gibt es einen noch unbestätigten Verdachtsfall. Das Robert-Koch-Institut gibt aber nach wie vor keine Entwarnung.

Bitte füllen sie alle Felder aus.
Captcha Code Bitte übertragen Sie den Code in das folgende Feld.

Artikel versenden

Sie versenden diesen Artikel:

Zehnter Fall von Schweinegrippe in Deutschland

In Deutschland gibt es mittlerweile zehn bestätigte Fälle von Schweinegrippe. Bei einem zweiten Mexiko-Heimkehrer in Sachsen-Anhalt wurde das Virus nachgewiesen. In Brandenburg gibt es einen noch unbestätigten Verdachtsfall. Das Robert-Koch-Institut gibt aber nach wie vor keine Entwarnung.

Bitte füllen sie alle Felder aus.
Captcha Code Bitte übertragen Sie den Code in das folgende Feld.

Kommentare

07.05.2009,
16:06 Uhr
Ein Journalist sagt:
Jährlich sterben in Deutschland ca. 16.000 Menschen an den Folgen einer hier üblichen influenza (meist alte, kranke oder sehr junge Menschen). Was zur Hölle soll dann dieser ganze Medienzirkus über 10 Leute mit ner Importgrippe?

Panikmache? die Tamiflurestbestände von 2007 müssen ja noch unter die Leute, gell?
07.05.2009,
16:43 Uhr
Gammaray sagt:
@Ein Journalist

16.000? So ein Unsinn! Ich will gar nicht erst fragen woher Sie diese Zahl haben...
07.05.2009,
17:34 Uhr
Kuntakinte sagt:
@Gammaray
also ich bin mir ziemlich sicher, dass die Zahl 16.000 Tote vom Robert-Koch-Institut stammt! Im Winter 2003/04 wurde Europe von einer Grippewelle heimgesucht. Die meisten sterben natürlich nicht an der Virusinfektion, sondern an den folgenden bakteriellen Sekundärinfektionen...
07.05.2009,
17:44 Uhr
Gammaray sagt:
@Kuntakinte

Selbst das ist nicht ganz korrekt, und genau das ist der Punkt! Die Zahl der Todesfälle "nur" durch Influenza liegt dabei nämich unter 100 Einwohner im Jahr (sehe dazu auch die Daten des Statistischen Bundesamtes). Das Robert-Koch-Institut rechnet: Wintertote - Sommertote = Influenzatote! Nun raten wir mal noch in wie weit das RKI von der Pharmalobby finanziert wird und dann muss man da nix mehr zu sagen, oder?! 16000 machen sich natürlich besser wenn man für Grippeimpfungen und co. werben will als lächerliche 100.
07.05.2009,
18:05 Uhr
mayago sagt:
Genau so ist es, Gammaray, es ist eine "Hochrechnung" - und eine Volksverdummung erster Klasse.

Wenn das so wäre, müsste ich doch wenigstens jemand kennen, der jemand kennt, der eine Grippe hatte... Seit Jahrzehnten ist mir niemand über den Weg gelaufen, der jemand kannte, der jemand kannte...

Daß es sich um eine Hochrechnung handelt, wird nicht mal vom RKI bestritten.

Ohnehin: "Tote durch Grippe" gibt es nicht, es gibt höchstens "Tote durch Fehlbehandlung, wie bei jeder Infektionskrankheit.

Topstorys

Father Bernard McCoy

Technik

Neue Laserdrucker arbeiten mit Soja

Geologie

Ostsee nimmt sich immer mehr Land

Welt-TV – WIssenschaft

Körperwelten-Ausstellung
Von Hagens zeigt Tote beim Sex

Bildergalerien

Expedition in die Unterwelt

Insekten mit strikter Klassentrennung

Neue Froscharten auf Madagaskar gefunden

Der letzte Universalgelehrte

Die bunte Welt des Mundschutzes

Herschel erspäht die ersten Galaxien und Sonnen

Arztsuche



Finden Sie einen Arzt in Ihrer Nähe

Download iTunes 1-click

Schon gewusst, dass Embryos ein kardiologisches Talent besitzen?

6. Mai 2009, 14:02 Uhr

Telefonieren, Suppe umrühren, Eieruhr ausschalten – und das auch noch alles gleichzeitig. Kein Problem! Die berufstätige Mutter von drei Kindern mit fünf verschiedenen Hobbies schafft das mit links... Mit rechts putzt sie währenddessen die Fenster, rettet ihr Kind vor der heißen Herdplatte, lässt den Hund in den Garten und schiebt noch schnell mal eben den Nachtisch in den Backofen. Multitasking.

Blogs aus der Wissenschaft

WISSENSlogs

  • Obama: Das große Ziel unserer Generation

    Obama: Das große Ziel unserer Generation

    "Wir wählen es, zum Mond zu fliegen [...], nicht weil es leicht ist, sondern schwierig, weil dieses Ziel die besten unserer Energien und Fähigkeiten organisieren und messen wird, weil diese Herausforderung eine ist, die wir annehmen, eine, die wir nicht verschieben wollen, und eine, die wir vorhaben zu gewinnen."Mit dieser historischen Rede hat Präsident Kennedy vor fast 50 Jahren die amerikanische Nation auf ein Ziel eingeschworen, das neben eines Triumphs im Rennen zum Mond gegenüber der Sowietunion auch zu vielen neuen Technologien und einer massiven Investition in Wissenschaft, Bildung und Forschung führte. Viele Menschen wurde inspiriert, haben eine technische oder wissenschaftliche Karriere eingeschlagen, von der die USA noch...
  • Radioaktives Milliardenloch

    Radioaktives Milliardenloch

    Befürworter der Atomenergie werden nicht müde, die Technik als ökologisch und ökonomisch ausgezeichnete Lösung in Zeiten des Klimawandels zu propagieren. Doch selbst wenn man die Augen für den Folgen eines möglichen GAUs verschließt, bleibt ein milliardenschweres ungelöstes Problem: die Entsorgung des Atommülls.Das Atommülllager Asse hat in den letzten Monaten bereits genügend Schlagzeilen verursacht. Kurzes Fazit: Bei der Einlagerung des Atommülls gab es rund 200 Störfälle, bei denen radioaktive Flüssigkeit...
  • Volkswirtschaftlicher Entwicklungspfad von Vietnam

    Volkswirtschaftlicher Entwicklungspfad von Vietnam

    Während die Finanzkrise Deutschland nach wie in Atem hält, kommen aus Asien vermehrt gute Nachrichten, die auf eine wirtschaftliche Erholung der Region schließen lassen. Ein solcher Lichtblick scheint Vietnam zu sein, ein Land, das sich in den vergangenen Jahren prächtig entwickelt hat. Schätzungen zufolge erreicht die vietnamesische Wirtschaft in 2009 wieder Wachstumsraten von 3% und mehr. Ob damit die Talsohle der Krise in Vietnam durchschritten ist, bleibt abzuwarten. Obwohl das Land noch zu Beginn der 1980er zu den ärmsten Ländern Asien zählte, hat es sich bis heute zu einem weiteren asiatischen Tiger entwickelt....
  • Gästebucheinträge vom Zug "Expedition Zukunft"

    Gästebucheinträge vom Zug "Expedition Zukunft"

    - - - - -Neue Technologien- - - - -sehr interessante versuche und experimente:) komme gerne wieder!!!!!!!- - - - -ich erwarte einen aufschwung moderner technologien der eine gleiche versorgung für die gesamte bevölkerung sichert- - - - -Ich fände fliegende Autos ziemlich kool- - - - -coolere handys- - - - -fliegende autos und inliner- - - - -geldgeldgeld- - - - -ich erwarte das in diesem zug Sitze eingebaut werden.- - - - -gentechnisch optimirert ist ein stark subjektiver begriff, wenn man bedenkt, dass darunter auch maissorten mit sog. terminatorgen fallen, d.h. sie wurden ihrer natürlichen repdroduktionsfunktion...
  • Carl Djerassi – Naturwissenschaft und Literatur

    Carl Djerassi – Naturwissenschaft und Literatur

    Während übermorgen in New York eine große Konferenz der New York Academy of Sciences das Problem der Kluft zwischen den ?2 Kulturen? theoretisch beackern wird, hatte ich am Mittwoch vergangener Woche das Vergnügen, in Berlin auf einen Menschen zu treffen, der eben diesen Graben ganz pragmatisch, mit scheinbar schlafwandlerischer Sicherheit, überwunden hat: Carl Djerassi, Chemiker und Literat, hochdekorierter Vertreter sowohl der naturwissenschaftlich-technischen als auch der geisteswissenschaftlich-künstlerischen Kultur. 

ScienceBlogs

  • Voodoo-Politik [Astrodicticum Simplex]

    Voodoo-Politik [Astrodicticum Simplex]

    Eigentlich kann einem bei der österreichischen Politik ja das Lachen vergehen. Wenn allerdings Alexander Van der Bellen den FPÖ-Chef H.C. Strache so richtig vorführt, dann ist das großes Kino:Dass die Grünen Alexander Van der Bellen als Parteichef abgewählt haben, halte ich immer noch für deren dümmste Entscheidung der letzten Jahre. Solche Politiker wie ihn gibt es nicht oft - die sollte man nicht so leichtfertig wegschicken.(via :::Meta-Physik:::)Zum Beitrag im Blog »Hier könnte auch Ihr Banner stehen:
  • Banker in die Schulen [Mathlog]

    Banker in die Schulen [Mathlog]

    "Traders to Teachers" - New Jersey schult arbeitslose Banker in Schnellkursen zu Mathe-Lehrern.Die NYT berichtet über das neue Projekt "Traders to Teachers", in dem arbeitslose Finanzberater zu Mathe-Lehrern umgeschult werden.Die Teilnehmer (die meisten wohl zwischen 40 und 50 und mit Uni-Abschlüssen in 'finance' oder 'accounting') werden in 3-monatigen Intensiv-Kursen auf ihren neuen Job vorbereitet.Der Erfolg soll überwältigend sein, in den ersten 2 Tagen gab es schon mehr als 200 Anfragen. Obwohl die Lehrer-Gehälter nur etwa halb so hoch sind wie die Durschnittsbezahlung im Finanzsektor.Die Zeitung berichtet über eine Informationsveranstaltung: "On a recent afternoon, dozens of potential candidates filed into a lecture hall in Montclair for orientation. Most appeared to be at least 40. Many were dressed in business attire, and kept one eye on their BlackBerrys. [...] Afterward, Maureen Quinn, 46, a former financial analyst who has been substitute-teaching in Tenafly, her hometown, said she needed an algebra refresher. "I think I need to study," she said."Link zum ArtikelZum Beitrag im Blog »Hier könnte auch Ihr Banner stehen:
  • Captain Future - Reloaded [Hinterm Mond gleich links]

    Captain Future - Reloaded [Hinterm Mond gleich links]

    Erinnert sich noch jemand an Captain Future? Diese Science-Fiction-Comic (Pardon)Anime-Serie aus den 70ernDann habe ich hier was für Euch:You-Tube-Video-Captain Future 2009Gibt es leider nicht zum Einbetten. Hmm, komisch. Irgendwie finde ich dazu aber nichts weiter im Internet. Außer dieses Video. Man sollte ja meinen, dass ein solches Fan-Projekt zumindest eine Webseite hätte oder so.Anscheinend macht David Guivant außerdem noch das hier:Jedenfalls werden bei Captain Future in mir Kindheitserinnerungen wach. Auch wenn ich diese komische Tussi namens Joan Randall nie mochte: Die stand nur immer rum, himmelte den Captain an und wartete ansonsten darauf, sich retten zu lassen.Zum Beitrag im Blog »Hier könnte auch Ihr Banner stehen:
  • Kannibalismus unter Krebsen [Astrodicticum Simplex]

    Kannibalismus unter Krebsen [Astrodicticum Simplex]

    Mit Urzeitkrebsen erlebt man jeden Tag etwas Neues! Nachdem ich die kleinen Triops-Babys bewunderen konnte, und ihnen beim Aufwachsen und Erwachsensein zusehen durfte, sind sie nun schon alt und langsam am Ende ihres Lebens angelangt :(Insgesamt 6 Triopse sind erwachsen geworden und zu richtig schönen Krebsen herangewachsen: Bevor sich die Krebse aber aus dieser Welt verabschieden, sorgen sie noch für Nachwuchs.Alle sechs meiner Krebse waren zwar Mädchen - aber glücklicherweise kriegen die Triopsfrauen das mit dem Nachwuchs auch ohne Männer hin. Es gab also jede Menge Eier, die die Triopse im Sand verscharrt haben: Aber nun geht es langsam zu Ende mit meinen Krebsen. Ihr recht kurzes Leben neigt sich dem Ende zu und gestern Abend schwamm der erste tote Triops im Aquarium. Naja - immerhin konnte ich ihn nun mal ordentlich fotografieren:Und von hinten:Was den Umgang mit toten Artgenossen angeht, sind Triopse nicht zimperlich. Nachdem ich den toten Kollegen zurück ins Becken geworfen hatte, begannen sie gleich damit, ein bisschen an ihm rumzuknabbern:Nach knapp 2 Stunden war von der Leiche nur noch das hier übrig:Und heute ist der arme Krebs komplett aufgefuttert und ich hab nur noch 5 Triopse im Aquarium. Mal sehen, wie lange sie noch leben bzw. wie lange es dauert, bis ich nur noch ein einziger, vollgefressener Triops im Becken schwimmt...Zum Beitrag im Blog »Hier könnte auch Ihr Banner stehen:
  • Hexenjagd in der Schweiz [zoon politikon]

    Hexenjagd in der Schweiz [zoon politikon]

    Gestern hat das Freiburger Kantonsparlament eine Frau die unter dem Namen "Catillon" bekannt war und 1731 als Hexe verbrannt wurde, rehabilitiert. Oder fast. Man kann sich darüber streiten ob solche 'Rehabilitationen' Sinn machen, sind sie doch hauptsächlich von symbolischer Natur (und ist dies nicht der Fall fürchtet man Geldforderungen). Die juristische Neubeurteilung solcher Fälle hat ein zweifelsohne ein sehr anachronistisches Element aber ich verstehen, wie man auf die Symbolik diese Aktes bestehen kann.Trotzdem muss ich über die Kompromisslösung im Schweizer Kanton Freiburg nun etwas schmunzeln. Eine Motion verlangte die 'Rehabilitierung' einer Frau mit dem Namen Catherine Repond besser bekannt als Catillon, die 1731 hingerichtet wurde, nachdem sie unter Folter gestand, eine Hexe zu sein. Bis zur Rehabilitation wollte aber das Freiburger Kantonsparlament doch nicht gehen. Man begnügte sich nun mit einer generellen Erklärung für alle Opfer der Justiz des Ancien Régimes ('altes Regierungssystems'), von dessen Rechtsnachfolge man sich gleichzeitig explizit distanzierte.Ich finde zwei Aspekt von Bedeutung in diesem Schnipsel aus der Zeitung. Zuerst wäre da einmal der generische Begriff des Ancien Régimes. Üblicherweise wird der aus dem französischen Kontext stammenden Begriff in Europa angewendet in Referenz zur französischen Revolution und steht für das System, das vorher bestand, das absolutistische, monarchische System. Man sieht sozusagen einen Bruch mit der Modernität. In der Schweiz ist der Begriff in seinem Sinn noch viel mehr beladen, wird doch die für den Schweizer Nationalstaat so zentrale Rolle von Napoleon und die Besetzung der Schweiz durch französische Truppen relativ aktive ausgeblendet (ich habe mich in meiner doch relativ langen Schulkarriere nie auch nur Ansatzweise mit dieser Epoche beschäftigen müssen).1 Diese folgte auf das Ancien Régime und bildet eine schwammige Zwischenzone bis zur Gründung des Nationalstaates 1848. Die Erklärung klingt in meinen Schweizer Ohren nun fast ein wenig nach: "Wir bedauern, was die anderen gemacht haben", eher seltsam für Gerichtsfälle die 200 Jahre zurückliegen, wie ich finde.Der zweite interessante Aspekt ist, dass man an der Geschichte der Hexenverfolgung in der Schweiz einiges ablesen kann und deren Ausmass häufig unterschätzt wird. Der Grund hierfür ortet das historische Lexikon der Schweiz unter anderem in der Lage der heutigen Eidgenossenschaft:Die Schweiz liegt im Zentrum einer Zone zwischen Oberdeutschland und Südostfrankreich, in der die frühneuzeitl. Hexenprozesse von Anfang an in grösserem Ausmass einsetzten, das kumulative Hexenkonzept massgeblich formuliert wurde und die Hexenverfolgung am intensivsten war. Gemäss einer groben Schätzung fanden in Westeuropa rund 110'000 Hexenprozesse statt, etwa 10'000 davon im Raum der heutigen Schweiz.Eine Konsequenz davon ist, dass uns der zweifelhafte Ruhm zukommt, 1782 mit Anna Göldi, die letzte vermeintliche 'Hexe' in ganz Europa verurteilt und hingerichtet zu haben. Die Ausrede aber das taten alle, gilt nur beschränkt. Die juristischen Standards waren selbst für damalige Verhältnisse schwach. Dazu wieder das Historische Lexikon der Schweiz:Spezifisch für die schweiz. Hexenprozesse ist die geringe Beachtung der Vorschriften der Reichsordnung für die Strafgerichtsbarkeit von 1532 (Carolina). Eine glaubhafte Zeugenaussage zu einem Schadenzauber reichte zur Konstituierung eines Corpus delicti während langer Zeit aus. Die zur Anordnung der Folter vorgeschriebene vorgängige Aktenversendung an eine jurist. Fakultät oder eine vorgesetzte Behörde war in der Schweiz nicht üblich. Auch sah die Carolina nur den Schadenzauber als justiziabel an [im Gegensatz zur 'Teilnahme am Hexensabbat']Die Historiker orten mehrere Gründe für die Hexenverfolgung in der Schweiz. Mir sprangen vor allem drei Aspekte ins Auge: Erstens wäre da die starke Dezentralisierung. Sie hatte anscheinend einen negativen Einfluss auf die Chancen, nicht verurteilt zu werden. Zweitens schienen politische Konflikte gegen Innen und Aussen die Hexenjagd abzudämpfen. Drittens ging das religiöse Konzept der Häresie eine 'unheillige' Allianz mit dem Hexenglauben ein.Vielleicht hätte man sich doch etwas mehr Mut vom Freiburger Kantonsparlament erhofft. Die Hexenverfolgung scheint durchaus ein Teil der Schweizer Geschichte zu sein. Sonst scheut man sich auch nicht, sich auf (mythische) Ereignisse als historische Fakten zu berufen, die noch viel weiter zurückliegen als das 18. Jahrhundert.1 Interessanterweise eigentlich eine Post-Revolutionäre Phase in Bezug auf Frankreich.Zum Beitrag im Blog »Hier könnte auch Ihr Banner stehen: