Inhalt.
Hauptnavigation.
Weitere Inhalte.

Hinweis:
Wenn Sie diesen Text sehen, benutzen Sie wahrscheinlich einen alten Browser bzw. einen Browser, der aktuelle CSS (Cascading Style Sheets) nicht vollständig unterstützt. Laden Sie sich bitte einen aktuellen Browser, wie z. B.:
Microsoft Internet Explorer oder Mozilla Firefox


16.05.2009 | 22:26 Uhr
Plusminus

Hauptnavigation
  • aktuelle Kategorie: Informationssendungen
    • aktuelle Sendung: Plusminus
 
Inhalt

Archiv: Bad Bank

Risiken für Steuerzahler

Sendeanstalt und Sendedatum: WDR, Dienstag, 12. Mai 2009 im Ersten

Stempel und Druck "Bad Bank"; Bild: Mauritius Bildunterschrift: ]
von Michael Houben

Ende April verkündete Josef Ackermann, Chef der Deutschen Bank, der erstaunten Welt einen Quartalsgewinn von über 1,6 Milliarden Euro. Kritiker wiesen jedoch darauf hin, dass mehr als eine Milliarde davon auf einem Buchungstrick beruht. Wie der funktioniert, hatte plusminus schon im November berichtet. Zur Krisenbewältigung wurden die Regeln für Bankbilanzen geändert. Falls der Wert eines Papieres gestiegen ist, dürfen Banken den Wertzuwachs als Gewinn buchen, auch wenn sie die Papiere noch nicht zu diesem höheren Preis verkauft haben. Das nennt sich Fair-Value-Bilanzierung. Und eigentlich würde das bedeuten, dass entsprechend auch sinkende Kurse als Verlust gebucht werden müssten. Doch zur Bewältigung der Finanzkrise bekamen Banken weitgehend freie Auswahl: Ist der Kurs eines Wertpapieres gefallen, dürfen sie neuerdings einfach den früheren Wert in die Bilanz schreiben.

Transparenz sieht anders aus. plusminus hat nachgerechnet: Die Deutsche Bank nutzte diese Möglichkeiten noch viel stärker aus, als bisher bekannt war. Insgesamt hat sie seit vergangenem Herbst Verluste in Höhe von 4,4 Milliarden Euro durch diesen Buchungstrick aus der Gewinn-und-Verlust-Rechnung verschwinden lassen. Auch beim Eigenkapital wurden Verluste von rund 2,2 Milliarden Euro auf diese Weise versteckt. Insgesamt sind das Verluste in Höhe von 6,6 Milliarden Euro, die nach den früheren Bilanzregeln angefallen wären, nach den neuen Regeln aber versteckt werden konnten. Andere Banken haben es ähnlich gemacht. Aber natürlich sind diese verlustbehafteten Wertpapiere noch immer vorhanden - und können immer noch manche Bank in den Abgrund reißen.

Versteckspiel mit Bad Banks

Und deshalb sollen auch die deutschen Banken ihre „Giftpapiere“ nun doch in eine Bad Bank auslagern dürfen. Diese Bad Banks sollen als Tochtergesellschaften der Banken gegründet werden. Die können dann ihre riskanten Papiere in darin verstecken. Die dann wieder guten Banken sollen dafür staatlich abgesicherte, vollkommen risikolose Wertpapiere erhalten.

Professor Jan Pieter Krahnen, Direktor des „center for financial studies“ an der Universität Frankfurt, berät die Bundesregierung in Sachen künftige Krisenvermeidung. Er hält diese Bad Banks für eine missglückte Vertuschungsaktion. Gegenüber plusminus erklärt er: „Für die Verluste, die in diesen Bad Banks stecken, wird bezahlt werden müssen. Und es ist eigentlich nur eine Frage, wann diese Rechnung offengelegt wird.“ Damit die in den Bad Banks gesammelten Verluste nicht der Steuerzahler tragen muss, sollen die Banken selbst mit künftigen Gewinnen die Verluste der Bad Banks ausgleichen. Wenn dieser Plan aufgeht, hätte sich für die Bank eigentlich nur eines geändert: Die aus den „Giftpapieren“ entstandenen Verluste wären einige Jahre versteckt gewesen. Transparenz sieht anders aus.

Professor Krahnen sieht allerding auch das Risiko, dass viele Banken, vor allem die Landesbanken, am Ende gar nicht in der Lage sein werden, die Verluste auszugleichen. Um so hohe Gewinne zu machen, dass damit die in den Bad Banks versteckten Verluste ausgeglichen werden könnten, müssten Sie wieder riskante Geschäfte eingehen.

Aufsicht mit Lücken

Riskante Geschäfte um die Folgen riskanter Geschäfte zu bezahlen - ist damit nicht der nächste Bankencrash vorprogrammiert? Der soll in Zukunft durch eine bessere Aufsicht verhindert werden. Das wurde auf dem G20-Gipfel im April in London beschlossen. Auch die EU-Kommission hat inzwischen Vorschläge zur stärkeren Kontrolle und Neuordnung des Bankenwesens vorgelegt. Banken sollen Kredite mit mehr Eigenkapital absichern, Steueroasen sollen trockengelegt werden, für Hedgefonds und Ratingagenturen sollen strengere Regeln gelten. All das sind unzweifelhaft Fortschritte. Doch das wichtigste Element, die Transparenz, scheint irgendwie verlorengegangen zu sein.

Professor Jan-Pieter Krahnen war Mitglied der Kommission, die im Auftrag des Bundesfinanzministeriums die deutschen Vorschläge zur Neuordnung des internationalen Bankenwesens erarbeitet hat. Und er vermisst bei den in London gefassten Beschlüssen den in seinen Augen wichtigsten Punkt: die sogenannte Risk-Map.

Die vergessene Risikokarte

Um das zu verstehen, muss man noch einmal die Ursachen der Krise betrachten: Sie begann, weil die Banken immer riskantere Geschäfte machten, dabei aber – scheinbar vernünftig - das Risiko auf viele Schultern verteilten. Dazu bündelten sie riskante und weniger riskante Wertpapiere und reichten diese sogenannten Derivate an andere Banken weiter. Und die machten es ebenso. So entstand weltweit eine unheilvolle Risikoverkettung zwischen Banken. Und als mit Lehman Brothers eine einzige Bank in Konkurs ging, pflanzte sich die Krise fort wie beim Domino.

Im Nachhinein wirkt das vorhersehbar, und man fragt sich, warum niemand dieses Risiko bemerkt hat. Der Grund: Die Banken sind über die ganze Welt verteilt, und anders als beim Domino ist nicht leicht erkennbar, warum der Konkurs einer Bank in New York andere Banken in Island, London oder Deutschland zu Fall bringen kann. Daher wurde gefordert, dass die Banken alle gegenseitigen Verpflichtungen ab einer gewissen Größe an eine zentrale Institution melden sollten. Diese hätte dann einen Überblick, welche Bank im Krisenfall welche andere mit in den Abgrund reißen kann.

Doch Fehlanzeige: Auf dem umjubelten G20-Gipfel fiel just diese Risikoüberwachung unter den Tisch. Professor Jan-Pieter Krahnen glaubt, dass hier doch das Eigeninteresse der weltweit konkurrierenden Finanzplätze die Oberhand gewonnen hat. Auch wenn die in der Risk-Map gesammelten Daten nur einer globalen Aufsichtsbehörde bekannt wären und nicht veröffentlicht würden, fürchten Politik und Bankenwirtschaft wohl, dass selbst dieses Mindestmaß an Transparenz eventuelle Standortvorteile der jeweiligen Handelsplätze mindern könnte.

So wurde im Zuge der Bankenkrise eher das Verstecken und Tarnen von Risiken vorangetrieben, die versprochene Transparenz und Kontrolle blieb bislang weitgehend auf der Strecke. Und wenn trotz Bilanztricks und Bad Banks am Ende die Banken doch kollabieren, haften letztlich eben die Steuerzahler.

 

Dieser Text informiert über den Fernsehbeitrag vom 12.05.2009. Eventuelle spätere Veränderungen des Sachverhaltes sind nicht berücksichtigt.