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09.08.2009

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Fragen und Antworten zur Schweinegrippe

Hintergrund

Fragen und Antworten zur Schweinegrippe

Die Zahl der Schweinegrippe-Infektionen in Deutschland steigt sprunghaft, seitdem die Deutschen aus dem Urlaub zurückkommen. Inzwischen verzeichnet das Robert-Koch-Institut rund 9000 Fälle (Stand 06. August), Experten rechnen damit, dass die Zahl weiter ansteigen wird. Allerdings verläuft die Krankheit zumeist mild. tagesschau.de beantwortet die wichtigsten Fragen zur Schweinegrippe.

Die Weltgesundheitsorganisation hat den Pandemiefall ausgerufen - was bedeutet das konkret?

Insgesamt gibt es sechs Pandemie-Warnstufen. Die höchste Stufe setzt die WHO in Kraft, wenn das Virus in mindestens eine Region außerhalb der Ursprungsregion gewandert ist und regelmäßig von Mensch zu Mensch übertragen wird. Damit wird eine Pandemiephase offiziell festgestellt. Der Begriff leitet sich aus den griechischen Wörtern "pan" (alles) und "demos" (Volk) ab und bezeichnet damit etwas, das die ganze Bevölkerung betrifft. Typisch für eine Pandemie ist auch die schnelle Ausbreitung.

Flugblätter zur Schweinegrippe (Foto: AFP) Interview: Weitere Meldungen Keiner muss wegen der Schweinegrippe auf Urlaub verzichten, ... ... meint der Berlliner Virologe Jörg Hofmann. Denn anstecken könne man sich überall - auch zu Hause. [mehr]

Was genau ist die Schweinegrippe?

Die Schweinegrippe ist zunächst einmal eine ganz normale Atemwegserkrankung. Ansteckungen sind häufig, Todesfälle relativ selten. Bei dem jetzt aufgetretenen neuen Virustyp handelt es sich um eine Variante der klassischen Schweinegrippe. Jedes Virus ändert sich ständig.

In diesem Fall waren Schweine gleichzeitig mit Schweine-, Vogel- und Menschenviren infiziert, im Körper des Schweins fand ein Genaustausch zwischen den verschiedenen Viren statt. So entstand ein neuer Virustyp, der tierische und menschliche Virusgene in sich vereinigt - und damit auch von Mensch zu Mensch übertragen werden kann.

Wie wird die Grippe übertragen?

Dies geschieht auf gleiche Weise wie die gewöhnliche Grippe-Infektion, also vorwiegend über Tröpfcheninfektion, zum Beispiel beim Husten oder Niesen. Bei der klassischen Schweineinfluenza hingegen handelt es sich um eine Tierseuche, bei der es nur einzelne Erkrankungsfälle bei Menschen gibt, die direkten Kontakt zu Schweinen hatten.

Bildstrecke Bilder: Bilderstrecke Schweinegrippe Wie kann man sich vor einer Ansteckung schützen? [mehr]

Wie lässt sich die Schweinegrippe bekämpfen?

Die Bundesregierung setzt vor allem auf die Entwicklung eines Impfstoffs. Die Bemühungen sind inzwischen recht weit gediehen - nach Angaben des zuständigen Paul-Ehrlich-Instituts kann voraussichtlich im September mit den Impfungen begonnen werden. Insgesamt sind 50 Millionen Dosen Impfstoff - das reicht für 25 Millionen Menschen - bestellt. Den Staat oder die Krankenkassen kostet das zwischen 600 Millionen und einer Milliarde Euro.

Sind Impfungen gefährlich?

Nach Einschätzung des zuständigen Paul-Ehrlich-Instituts dürfte es allenfalls zu leichten Nebenwirkungen wie Schwellungen und Rötungen an der Einstichstelle, Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen kommen.

Allerdings sind unerwartete Nebenwirkungen nicht auszuschließen, klinische Studien sind wegen der knappen Zeit schwer durchführbar und die Hersteller müssen - um die große Menge an Impfstoff schnell bereitstellen zu können - den Medikamenten eine Verstärkersubstanz zusetzen. Kritiker hatten deswegen von einem "gigantischen Menschenversuch" mit einem unzureichend erprobten Impfstoff gewarnt.

Andererseits sind Impfstoffe, denen eine Verstärkersubstanz zugesetzt wird, bereits bei anderen Grippewellen mit Erfolg eingesetzt worden. Ob eine Impfung sinnvoll ist, sollte aber in jedem Fall mit dem Hausarzt besprochen werden. Schwangere sind nach der aktuellen Datenlage besonders gefährdet. Das Paul-Ehrlich-Institut empfiehlt daher die Impfung.

Ein Arzt spritzt einer Patientin ein Grippeschutzmittel (Foto: AP) Kommentar: Weitere Meldungen Impfen oder nicht?
Das ist keine Schicksalsfrage, meint Werner Eckert. [mehr]

Warum dauert die Impfstoff-Herstellung so lange?

Nach dem Ausbruch der Schweinegrippe musste das neuartige H1N1-Virus zunächst entschlüsselt und aufwändig angezüchtet werden. Die Viren werden in bebrüteten Hühnereiern oder auf Zellkulturen vermehrt, bevor die eigentliche Impfstoff-Herstellung beginnen kann. Der Impfstoff muss Eiweißstoffe genau jenes Virus enthalten, gegen das er schützen soll. Das erst führt zur Bildung von Abwehrstoffen im Immunsystem.

Wer wird geimpft?

Ärzte, medizinisches Personal und Mitglieder von Polizei und Feuerwehr stehen ganz oben auf der Liste. Dann werden zunächst vorrangig Risikogruppen geimpft, für die eine erhöhte Gefährdung oder Ansteckungsgefahr besteht. Dazu gehören Schwangere, chronisch Kranke, die beispielsweise unter Diabetes, Asthma oder Herz-Kreislauferkrankungen leiden, sowie Menschen, die stark übergewichtig sind oder eine HIV-Infektion haben.

Einen hundertprozentigen Schutz vor der Grippe wird es aber auch mit Impfung nicht geben. Denn auch bei der normalen Grippeschutzimpfung sind gesunde Menschen nur bis zu 90 Prozent geschützt, bei Älteren ist die Schutzrate noch geringer.

Jörg Hofmann, Leiter der Virusdiagnostik an der Berliner Charité.  Interview: Weitere Meldungen "Wichtig ist es, eine Koinfektion zu vermeiden" Experte rät zur Impfung gegen die saisonale Grippe um eine Doppelinfektion zu vermeiden. [mehr]

Was tun bis zur Impfung?

Aus Sicht von Experten bietet Alltagshygiene bereits relativ viel Schutz: So wird häufiges Händewaschen empfohlen. Wenn man niesen muss, sollte man in die Ellenbeuge niesen oder in ein Einmaltaschentuch, das sofort weggeworfen wird. Große Menschenansammlungen oder engen Kontakt zu Infizierten sollte man meiden.

Außerdem wirken die Grippemittel Tamiflu und Relenza nach bisherigen Erkenntnissen auch gegen die Schweinegrippe. Voraussetzung ist aber, dass das Medikament spätestens 48 Stunden nach Auftreten der ersten Symptome eingenommen wird. Beide Mittel sind verschreibungspflichtig, dürfen nur unter ärztlicher Kontrolle genommen und keinesfalls präventiv genommen werden. Dies hat bereits dazu geführt, dass einige Viren Resistenzen gegen die antiviralen Medikamente entwickelt haben.

Stand: 08.08.2009 13:59 Uhr
 

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