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Kanzlerinnen-Gatte

Joachim Sauer, das Phantom an Merkels Seite

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Von Stefan Uhlmann 14. August 2009, 19:06 Uhr

Auf ihren Ehemann kann Angela Merkel bei Wahlkampfauftritten nicht setzen. Joachim Sauer macht sich rar, zur Politik äußert er sich nie. Der international anerkannte Chemiker hat sich seine Unabhängigkeit bewahrt. Doch wer Angela Merkel kennt, sieht ihren Ehemann als einen ihrer wichtigsten Ratgeber.

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Foto: ddp/DDP

Seit 1998 ist Joachim Sauer mit Angela Merkel verheiratet, doch bei offziellen Anlässen sieht man ihn nur selten an der Seite der Kanzlerin. Wenn doch...

Für seine Verhältnisse war Joachim Sauer in diesem Jahr häufig in der Öffentlichkeit präsent. Am Rande des Nato-Gipfels Anfang April in Baden-Baden war der Ehemann von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zu sehen, beim Berliner Konzert nach der Bundespräsidentenwahl am 23. Mai am Brandenburger Tor und zuletzt bei den Bayreuther Festspielen. Doch mehr als nette Bilder gab es nicht. Sauer ist sich vier Jahre lang treu geblieben. Er zeigt sich gelegentlich an der Seite seiner Frau, doch öffentliche Äußerungen gab es von ihm so gut wie keine und schon gar nicht zur Politik.

Umfrage

Sollte sich Angela Merkels Ehemann Joachim Sauer öfter an der Seite seiner Frau zeigen?

Auch nach vier Jahren Kanzlerschaft Merkels weiß man wenig über den Mann, der ihr am nächsten steht. Oft wurde Sauer deshalb als „Phantom“ bezeichnet. Sauers Welt sind die Zeolithe, eine Mineraliengruppe. Er leitet ferner einen Sonderforschungsbereich, in dem es um die „Struktur, Dynamik und Reaktivität von Übergangsmetalloxid-Aggregaten“ geht. Der 60-jährige Quantenchemiker genießt als Fachmann internationalen Ruf, Berufskollegen schätzen seine analytischen Fähigkeiten.

Merkel findet ihn einen "prima Kerl"

Das Wenige, was man von Sauer weiß, stammt aus dem Munde seiner Frau. Zum Beispiel, dass er schon mal Redemanuskripte durchsehe, oder nach einer Rede im Bundestag kritisch angemerkt habe, sie habe ihren „Zeigefinger wieder ständig erhoben“. Merkel pries einmal seine „Ruhe und Ausgeglichenheit, und dass er dabei trotzdem ein fröhlicher Mensch ist“. Im TV-Gespräch mit Reinhold Beckmann bezeichnete die Kanzlerin ihren Mann als „prima Kerl“, die Gespräche mit ihrem Gatten seien „fast lebenswichtig“, weil sie sonst „eindimensional“ werde.

Sauer dürfte einer der wichtigsten Berater Merkels sein. Professor Helmut Schwarz, ein Freund der Familie, bezeichnet Sauer als kritischen Kopf. Sauer sei „nicht nur als Wissenschaftler kritisch, sondern er ist überhaupt kritisch. Selbstkritisch, kritisch gegenüber seinen Kollegen und Freunden. Also vermutlich auch seiner Frau gegenüber“, sagte Schwarz im Merkel-Porträt des ZDF.

Merkel und Sauer verbindet die gemeinsame Liebe für Opern und die Natur. Auch im Urlaub verzichtet das Paar gern auf Rummel. Die beiden entspannen etwa beim Wandern und Skilaufen in den Bergen oder im Wochenendhaus in der Uckermark. Wie vor Merkels Wahl zur Kanzlerin wohnt das Paar noch immer in der Nähe der Berliner Museumsinsel.

Freude am Damenprogramm mit Michelle und Carla

mehr Bilder

Gemeinsamer Besuch des Straßburger Münsters

Wo die Kanzlerin ausspannt

Bayreuth und die Prominenz

Die wenigen Auftritte in der Öffentlichkeit mögen für Sauer eine Pflicht sein, manchmal scheint er sie aber doch zu genießen. Sichtlich Freude machte ihm die Leitung des „Damenprogramms“ am Rande des G8-Gipfels vor zwei Jahren in Heiligendamm. Auch in Baden-Baden im Gespräch mit Michelle Obama oder beim Treffen mit Carla Bruni und anderen First Ladies wirkte Sauer locker. Die Bilder kannte man schon von den Treffen des Ehepaares Merkel/Sauer mit George W. Bush und seiner Ehefrau Laura. So begleitete Sauer Merkel bei deren Besuch auf der Bush-Ranch im November 2007 in Texas.

Sauer wurde in Hosena, einem Ort in der Niederlausitz geboren. In Senftenberg machte er Abitur, gleichzeitig absolvierte er eine Lehre im Braunkohlenkombinat Lauchhammer. An der Humboldt-Universität studierte Sauer Chemie, hier promovierte er auch. Forschungsreisen führten ihn vor der Wende in der DDR nach Prag und zweimal nach Karlsruhe. Die neu gewonnene Freiheit nach 1989 nutzte Sauer für einen Job bei einem Biotechnologie-Unternehmen in San Diego, bevor er nach Deutschland zurückkehrte.

Am Zentralinstitut für physikalische Chemie der Akademie der Wissenschaften lernte er 1981 Angela Merkel kennen. 1986 half er ihr, indem er ihre Dissertationsschrift durchsah. Wann die beiden ein Paar wurden, ist unbekannt. Erst am 30. Dezember 1998 heirateten die beiden. Merkel war damals schon CDU-Generalsekretärin. Dass sie solange unverheiratet zusammenlebten, trug Merkel damals die Kritik von Kardinal Joachim Meisner ein. Die CDU-Politikerin begründete es ihm gegenüber mit Vorsicht, schließlich war es für beide die zweite Ehe. Von der standesamtlichen Eheschließung erfuhr die Öffentlichkeit erst durch eine Zeitungsanzeige, auf eine kirchliche Trauung verzichteten Merkel und Sauer.

Bei Merkels Vereidigung blieb er zu Hause

Seine Person stehe in keinem Verhältnis zur politischen Arbeit seiner Frau und sei deshalb für die Öffentlichkeit auch nicht interessant, betonte Sauer mehrfach. Bei der Vereidigung Merkels zur Kanzlerin fehlte Sauer im Bundestag. Er arbeitete, gratulierte ihr am Telefon und beschränkte sich auf die abendliche Feier im Familienkreis. Erst acht Monate später, beim Besuch von US-Präsident George W. Bush in Stralsund, ließ sich Sauer öffentlich an der Seite seiner Frau blicken. Bereits vor der Wahl hatte Merkel betont: „Ich will Bundeskanzlerin werden“.

“Er lebt sein wissenschaftliches Leben", sagte der SPD-Politiker Klaus von Dohnanyi, ebenfalls ein Freund der Familie, im ZDF. Würde Sauer zu viele Termine wahrnehmen, müsste er viele andere folgen lassen, um niemanden zu verprellen. „Er macht das äußerst vernünftig“, konstatierte Dohnanyi. Auch die Bürger sehen das offenbar so. Bei einer Umfrage im Jahr 2007 zeigten 77 Prozent Verständnis dafür, nur 20 Prozent wollten Sauer häufiger in der Öffentlichkeit sehen.

ddp

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Kommentare

14.08.2009,
20:01 Uhr
Kopfschüttler sagt:
Dieser Text wurde wohl von der PR-Abteilung des Kanzleramts direkt in die Redaktion gefaxt? Eine journalistische Eigenleistung ist hier jedenfalls nicht erkennbar.
14.08.2009,
20:02 Uhr
Physiker sagt:
Im Gegensatz zu seiner Frau, ist Joachim Sauer wirklich ein genialer Wissenschaftler, der sogar schon mehrfach für den Nobelpreis für Chemie im Gespräch war.
Ich wäre nicht überrascht, wenn er diesen in den nächsten Jahren auch noch verliehen bekommen sollte.
14.08.2009,
20:18 Uhr
Steuerzahler sagt:
Toller PR Gag.
Unsere liebe Super-Angie führt so eine tolle Ehe (Bitte, bitte, liebe Konservative, wählt mich!)
Und Ihr Mann ist ja so intelligent und angesehen (Seht her, ihr Bildungs- und Durchschnittsbürger, was für eine Familie!)
Aber wieso spricht das niemanden an?
Weil wir endlich einmal wissen wollen,
1) wofür Super-Angie politisch steht
2) warum sie bislang politisch noch nicht in Erscheinung getreten ist
3) dafür aber Zeit, Lust und Geld hatte um die Welt zu tingeln und ihre Macht zu genießen.
Widerlich und abstoßend und vor allem völlig inhaltsleer, genau wie die anderen Blockparteien auch.
14.08.2009,
20:44 Uhr
Veramilada sagt:
Na sowas aber auch, nix zum meckern, keine Leiche im Keller. Dieser Mann ist aber auch wirklich eigenartig, irgendwas müßte man doch finden können....

Ein kluger sympathischer Mann, der aus seinem Job und Privatleben versucht das Beste zu machen. Glückwunsch, Frau Merkel.
14.08.2009,
20:47 Uhr
Egon Egger sagt:
Es ist auf Dauer aber auch nervig, auf Staatsbesuchen als first male lady immer das Damenprogramm mitmachen zu müssen.

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