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Sich-Begrüßen und Sich-Verabschieden


Formeln der aktuellen standarddeutschen Umgangssprache
Eine Studie zur heutigen Landeskunde in den deutschsprachigen Ländern*



Der folgende Beitrag behandelt die aktuellen deutschen Begrüßungs- und Verabschiedungsformeln - ein Thema, das für den Deutschunterricht stets von Relevanz ist. Insbesondere dem im Ausland tätigen Lehrer kann manchmal der aktuelle Bezug fehlen. Für die Praxis des Deutschunterrichts im Ausland gibt der Artikel eine Übersicht über die aktellen Formeln und versucht, diese ihren sozialen, regionalen und individuellen Umfeldern zuzuordnen. Außerdem dient der Beitrag engagierten Deutschschülern als knapper Überblick über die aktuellen Umgangsformen im deutschsprachigen Raum. Für den fortgeschrittenen Deutschschüler dient der Artikel als Auffrischung seiner sprachlichen Kompetenz.



Einleitung

In der modernen deutschen Standardsprache kommen Formeln wie Guten Tag und Auf Wiedersehen nicht so häufig vor wie in manchen Lehrbüchern für Ausländer. Im täglichen Gebrauch wirken diese Formeln steif und überkorrekt. Die deutsche Alltagssprache enthält eine lange Reihe anderer Begrüßungs- und Verabschiedungsformeln, die in unterschiedlichen Situationen Verwendung finden. Hier kann es mitunter schwierig sein für den Deutschlernenden, an der richtigen Stelle "das treffende Wort" zu finden. Entscheidender Faktor bei der Wortwahl ist wohl die aktuelle Sprechsituation. Aber auch Faktoren wie Dialekt oder Soziolekt scheinen maßgeblichen Einfluß auf die Wortwahl zu haben. Zudem können Altersunterschiede für die Wahl der Formel mitentscheidend sein. Außerdem kann die Benutzung einer bestimmten Slangvariante wertvolle konnotative Informationen für den Empfänger geben.

Der Blick in ein Wörterbuch klärt nicht jede Frage zu den modernen Umgangsformen. Sogar die umfangreicheren Werke enthalten nicht jeden heute gebräuchlichen Gruß. Darüber hinaus wird der aktuelle Gebrauch nicht immer zutreffend dargestellt.

Die folgende Untersuchung soll dem Leser als kurzer Überblick über die gebräuchlichsten Begrüßungs- und Verabschiedungsformeln dienen. Hauptgegenstand derAbhandlung ist der aktuelle Sprachgebrauch in der modernen standarddeutschen Umgangssprache. Nur gelegentlich sollen österreichische und schweizer Ausdrücke miterläutert werden. Aus Platzgründen beschränkt sich der Verfasser auf die am häufigsten vorkommenden Formeln. So werden hier nicht alle regionalen Varianten oder sämtliche Slangtypen erörtert. Der Schwerpunkt liegt auf der Darstellung der heute regional übergreifenden Formeln.



Guten Tag

Ein überall verwendeter Gruß ist Guten Tag. Da diese Formel einen korrekten und förmlichen Klang besitzt, wird sie gegenüber Fremden oder in formellen Situationen verwendet. In einigen Fällen wird sie verkürzt zu einem kurzen Tag. Der Gebrauch der Kurzformel läßt zweierlei vermuten: Entweder stuft der Gesprächspartner die Situation nicht so formal ein, oder er nimmteine distanzierte Haltung ein.

Leute aus Berlin sprechen gerne ein kurzes Tag aus, das sich oft wie ein Tack anhört. Sprecher aus Norddeutschland, insbesondere aus Hamburg, sprechen ein kurzes Tak oder [Tach] aus. In informellen Situationen hört man hier manchmal ein Tagchen.

Gelegentlich kann ein kleines Spiel beobachtet werden: Kommt eine Einzelperson zu einer Gruppe hinzu, sagt sie Guten Tag miteinander. Diese Formel ist jedoch häufiger in Süddeutschland zu hören. Je nach Formalität kann die Antwort Guten Tag alleine vorkommen. Das steht für einen alten Witz, jedoch kann man damit das Eis brechen.

Im außerverbalen Bereich kann man in manchen Gegenden Deutschlands erleben, daß der Neuhinzukommende in einem Wirtshaus auf den Tisch klopft. Dieser Gruß wird auch Fremden gegenüber verwendet und im Gasthaus beim Verabschieden wiederholt.



Hallo

Der tägliche Gruß in ganz Deutschland ist Hallo. Er wird ebenso beim Telefonieren verwendet. Der einzige Lautunterschied ist, daß bei einer Begrüßung beide Silben gleich betont werden, jedoch die letzte Silbe betont wird, wenn man sich am Telefon meldet [hal'lo].

Meistens wird Hallo zusammen mit dem Vornamen des Gesprächspartners angewandt: Hallo Peter. Ansonsten steht der Gruß alleine, wenn mehrere Personen gleichzeitig begrüßt werden. Es ergibt sich von selbst, daß er nicht gegenüber völlig Fremden zu verwenden ist. Hallo existiert sogar als Substantiv, vgl.: Sie begrüßten sich mit großem Hallo. In diesem Fall bedeutet das große Wiedersehensfreude.

Hallo ist eine gewöhnliche Grußformel in höheren als auch in niederen sozialen Schichten, wenn man sich "unter Gleichen" in sozialer und in altersmäßiger Hinsicht befindet. "Nach oben" mit einem Hallo zu grüßen ist nicht ratsam. Denn damit gibt man den Ton falsch an. Wenn aber jemand "nach unten" mit einem Hallo grüßt, dann bedeutet es, daß der Betreffende seine Position als nicht so hoch einstuft - zumindest gegenüber der Person, die begrüßt wurde.

Ein Hallöchen wirkt familiär und wird deshalb in Cliquen verwendet. Halli-hallo, ist da jemand? ruft man z. B. in einen Raum hinein, in dem man Personen vermutet.



Grüß Dich

Grüß Dich oder Grüßt Euch an mehrere Personen hat für manchen Ausländer einen ernsten Klang. Es hört sich nahezu biblisch an. Jedoch wird diese Formel in der deutschen Umgangssprache informell verwendet anstelle eines Hallo's oder mit diesem kombiniert, vgl. Hallo Peter, Grüß Dich! Der Gruß wird aber ausschließlich in der Alltagssprache verwendet, daher sind Bedenken in biblischer Hinsicht fehl am Platze.



Guten Morgen, Guten Abend

In Deutschland kann man einen häufigen Gebrauch der zeitlich markierten Grußformeln beobachten. Guten Morgen, Guten Abend usw. oder Schönen Nachmittag! wird oft verwendet. Es bestehen jedoch geographische und soziale Verschiedenheiten, die auf unterschiedlicher Zeiteinteilung beruhen. In der Regel aber kann Guten Morgen noch bis etwa Mittag verwendet werden. Guten Abend hört man ab etwa 18.00 Uhr. Gute Nacht gilt als Abschiedsformel, die auch gegenüber Fremden verwendet werden kann.



Grüß Gott

Mit Grüß Gott wird man in Süddeutschland, in der Schweiz und in Österreich begrüßt. In der Schweiz sagt man zur Begrüßung auch Grüetzi.

Der dudendeutsche Gruß Guten Tag ist hier kein adäquates Idiom. Hierfür erntet man nicht selten einen skeptischen Blick. Denn Grüß Gott ist in den genannten Gegenden ein völliger Ersatz für Guten Tag. In täglicher Umgangssprache wird es häufig zu einem S'Gott abgekürzt.

Manchem Ausländer kommt das als ein merkwürdiger Gruß vor. Hierbei mag der Ausländer eher an altmodisch anmutende Formeln denken wie etwa: Gottes Friede sei mit Dir. Aber auch viele Norddeutsche können sich nicht an diesen GruB gewöhnen. Sprachgeschichtlich betrachtet, handelt es sich um einen religiösen Gruß, dessen ursprüngliche Bedeutung in der Allgemeinsprache verloren gegangen ist. In religiösen Brüderschaften lebt diese Bedeutung weiter. Aber nur einmal beim Besuch eines thüringischen Klosters habe ich den Gruß in der religiösen Bedeutung kennengelernt.

Wer in einer Gegend, in welcher der Standardgruß sonst Grüß Gott heißt, mit einem Guten Tag begrüßt wird, könnte Grund zum Mißtrauen haben. Es kann als eine subtile Andeutung gedeutet werden wie "hier gehörst Du wohl nicht hin". Andererseits braucht man nicht immer wachsam zu sein, es kann auch eine freundliche Art sein, anderen entgegenzukommen.

Weil Grüß Gott eine regional gefärbte Grußformel ist, weisen viele süddeutsche Institutionen und Firmen ihr Personal an, am Telefon mit einem Guten Tag zu grüßen. Mancher Vorgesetzte aus Bayern meint, ein norddeutscher Anrufer beispielsweise stelle sich bei einem Hallo, Grüß Gott, hier die Firma Maier eine süddeutsche Firma mit lauter gamsbarttragenden Angestellten in bajuwarischer Heimattracht vor. Ob dieses unbedingt negativ fürs Image einer Firma sein muß, soll hier nicht erörtert werden. Festgestellt werden kann aber, das das Telefonat häufig in breitem bayerischen Dialekt fortgesetzt wird! Umgekehrt wird man in den Ministerien in Bayern und Baden-Württemberg konsequent mit Grüß Gott begrüßt.

Abschlißend soll erwähnt werden, daß die Grußformeln Pfür Gott - oder eher vertraulich Pfürti - gewöhnlich auf dem Lande in Südbayern vorkommen. In Österreich, der Schweiz und in Südtirol aber sind sie alltäglich.



Mahlzeit

In größeren Betrieben begrüßen und verabschieden sich die Kollegen mit einem Mahlzeit. Der Gruß wird manchmal auch gegenüber einem Vorgesetzten verwendet. Jedoch kommt es hier auf die soziale Macht und Position des Vorgesetzten an: Je höher der Chef im Betrieb angesiedelt ist, desto geringer ist die Häufigkeit des Grußes Mahlzeit. Stattdessen werden hier die gewöhnlichen Begrüßungsformeln gegenüber Fremden verwendet.

Mahlzeit wird in manchen grüßeren Betrieben unter Kollegen morgens, mittags und abends verwendet. Man gebraucht es bisweilen auch als gewöhnlichen Gruß im Rahmen des Betriebes. Er wird geäußert, wenn man sich zum ersten Mal an diesem Tage sieht, aber auch beim Wiedersehen, z. B. zu den Pausen. Darüber hinaus stellt er einen häufigen Abschiedsgruß zum Feierabend dar. Arbeitnehmer unterschiedlicher Unternehmen, die sich beispielsweise in der gemeinsamen Kantine treffen, gebrauchen es auch.

Mahlzeit wird von manchen als unfein angesehen. Diese Einstellung mag vielleicht daher rühren, weil der Gruß zur Welt der Arbeit gehört.

Außerhalb der Arbeitswelt hört man Mahlzeit am Eßtisch. Es gilt als guter Ton, sich vor dem Essen gegenseitig Mahlzeit zu wünschen. Wer nach Beginn des Essens hinzukommt, wünscht den bereits Speisenden und sie ihm ebenfalls Mahlzeit.



Moin

Moin ist ein niederdeutscher Gruß, der in Norddeutschland "ab Hamburg aufwärts" angewandt wird. Sogar im dänischen Nordschleswig unter der dänischsprachigen Bevölkerung ist er vorhanden als spezielles Idiom nur aus der Region. Ebenso wie beim süddeutschen Grüß Gott werden Fremde durch den Gebrauch von Moin überrascht. Die meisten Fremden verwechseln diesen Gruß und wundern sich, über den ganzen Tag mit "Guten Morgen" begrüßt zu werden. Als Merkmal eines sozial allgemein anerkannten Grußes wird Moin auch zwischen den sozialen und altersmäßigen Gruppen verwendet. Dieser ursprünglich friesische Gruß hatte die Bedeutung "moin Tag", welches mit "guten Tag" wiedergegeben werden kann. Der Gruß wird meistens verdoppelt zu einem Moin, Moin. In den genannten Gegenden dient er als völliger Ersatz für andere Begrüßungs- oder für Verabschiedungsformeln. Jedoch bestehen einzelne regionale Besonderheiten, so wird Moin im westlichen Teil Nordschleswigs lediglich als Grußformel verwendet. Der Gruß wird dort lediglich als "schneller Abschied im Vorbeigehen" verstanden.



Und Wie?

Unter Freunden verwendet man den Gruß: Und Wie? Oft wird er in Verbindung mit dem Namen des Betreffenden verwendet: Hallo Hans, - Und Wie? Das ist eine Abkürzung von dem eher formell wirkenden Wie geht es Dir. Ebenso informell kann man sagen: Wie ist es?, welches aber eine regional geprägte Grußformel aus dem Rheinland und aus dem Ruhrpott ist, die dort üblicherweise als Wie is'et oder Wie isses ausgesprochen wird.

Der Fremde ist oft um eine Antwort verlegen, denn er geht davon aus, daß es sich um eine konkrete Anfrage zum Befinden handelt. Als passende Antwort wird aber nicht ein aktueller Gesundheitsbericht oder eine Beschreibung der Privatfinanzen erwartet. Die adäquate Antwort ist ein kurzes: Gut oder man berichtet, was man gerade gemacht hat. Oder es wird mit der Gegenfrage: Danke, gut und selber? geantwortet. Witzige Antwort für den Schnellen, aber nicht Stubenreinen, ist: Beschissen, was sonst!

In Ostdeutschland ist gelegentlich ein Gruß zu hören, der die innige Verbundenheit der Ostdeutschen miteinander demonstriert. Unter sich begrüßen Bürger der neuen Bundesländer sich gelegentlich mit dem humoristischen Gruß: Reich' mir die Flosse, Genosse! Der (eingeweihte) Partner grüßt adäquat zurück mit: Zum Bund, Du Hund! Die Herkunft dieses Grußes dürfte aus dem vierzigjährigen politischen Einfluß der DDR herrühren.



Im Verkehr

Im Straßenverkehr kommt gelegentlich eine ganz andere Form für "Gruß" vor: Der deutsche Kraftfahrergruß - geläufiger als Jemanden den Vogel zeigen. Der Grund für diesen Gruß ist nicht ein vermutetes gegenseitiges ornithologisches Interesse, sondern, daß das Gegenüber meint, daß man ein schlechter Autofahrer sei und deshalb eine Schraube locker habe. Man sollte diesen "Gruß" aber nicht mit dem sogenannten Stinkefinger verwechseln. Beide gelten übrigens als Beleidigung und können einem bei Gericht eine saftige Geldbuße bescheren. Letztgenannter wird übrigens nach einem berühmten Fußballer auch als Effenbergfinger bezeichnet.



Hi

In den letzten Jahren ist zu beobachten, daß ein Hi oder Hihi das informelle Hallo unter jungen Menschen - insbesondere unter Studierenden - ersetzt. Es wird sowohl als Gruß- als auch als Abschiedsformel verwendet. Den Ursprung darf man in den modernen amerikanischen elektronischen Medien vermuten, z. B. amerikanischen Filmen. Bisher kommt dieser Gruß hauptsächlich in den genannten Gruppen vor, aber aufgrund der Schrittmacherfunktion der Jugendsprache ist anzunehmen, daß eine übernahme in die Allgemeinsprache bevorsteht.



Auf Wiedersehen

Der formelle Standardgruß in Deutschland ist natürlich Auf Wiedersehen oder dessen Kurzform: Wiedersehen. Dieser Gruß kann auf allen sozialen Ebenen verwendet werden. Im süddeutschen Raum besteht die Nebenform Auf Wiederschaun. Beide Formen werden dort i.d. R. abwechselnd verwendet. Gelegentlich kann man z. B. in einem Geschäft folgende kleine Interaktion beobachten: Der Kunde verläßt das Geschäft und sagt Auf Wiedersehen. Die Verkäuferin antwortet Auf Wiederschaun. Die Interaktion funktioniert ebenso gut mit den umgekehrten Formeln.

Auf Wiedersehen beinhaltet den freundlichen Wunsch, daß man sich wiedersehen wird, und so wird der Gruß auch üblicherweise verwendet. Aber wer wünscht, eine bestimmte Person nie mehr zu sehen, sagt Auf Nimmerwiedersehen.

Am Telefon wird ebenso Auf Wiedersehen verwendet, aber manche nehmen es ganz buchstäblich und sagen: Auf Wiederhören, da ja der Telefon-Partner nicht zu sehen ist.

Weil Auf Wiedersehen zu allgemein ist, wird es oft um ein Alles Gute oder Bis nachher, bis morgen usw. erweitert, oder man wünscht dazu noch: Schönes Wochenende oder Schönen Feiertag oder einfach Schönen Tag noch. Letztgenannter ist ein nahezu nichtssagender Gruß. Es ist aber hier nicht meine Aufgabe, wie seinerzeit der deutsche Purist, Johann Gottsched (1700-66). vorzuschreiben, wie die Normsprache auszusehen hat. Daher muß man den Platz dieser Grußformel in der modernen deutschen Standardsprache anerkennen.

Guten Tag, der Herr kann insbesondere in Norddeutschland als gewöhnlicher Abschiedsgruß gelten. Jedoch kann er auch einen eiskalten Abschied wiedergeben, weil jemand sich sehr beleidigt fühlt. Aber hier besteht gewiß noch individueller Interpretationsraum.

Ich wünsch' Dir was kann man unter Bekannten hören. Das klingt wie ein farbloser Gruß ohne besondere Bedeutung, ist aber eine Abkürzung dafür, dem Gegenüber "Gute Heimfahrt", "Gute Genesung" oder irgend etwas erdenklich Gutes zu wünschen. Dieser Strauß an Wünschen wird dann in der Alltagssprache zu was abgekürzt und wirkt daher vielleicht oft etwas banal.



Ciao

Innerhalb von Gruppen junger Leute oder Cliquen kann man gelegentlich diesen Abschiedsgruß hören. Der ursprünglich italienische Gruß ist in Verbindung mit dem touristischen Kontakt zu Italien importiert worden. Oft hört man Ciao bello, wobei "bello" aber nicht mit einem sonst gängigen Namen für Hunde in Deutschland zu verwechseln ist.



Tschüß

Heute ist der Abschiedsgruß Tschüß als gewöhnlicher Abschiedsgruß sehr gebräuchlich in Gruppen, die lockere soziale Strukturen besitzen, z. B. in Sportvereinen oder kurzum in Gruppen, die weniger formell miteinander umgehen. Die Formel ist aber auch außerhalb dieser Gruppen zu beobachten, wo ein loserer sozialer Kontakt, z. B. im Supermarkt, gegeben ist. Man kann den Gebrauch sowohl in den niederen als auch in den höheren sozialen Schichten jeden Alters beobachten. Wichtige Voraussetzung für den Gebrauch ist jedoch die Zugehörigkeit zu derselben sozialen, altersmäßigen usw. Gruppe. Man sollte vielleicht sein Gegenüber zuerst grüßen lassen, um zu beobachten, wie er die Lage einordnet.

Hier bestehen wiederum Diminutivbildungen wie Tschüssie oder Tschüsschen, die einen noch informelleren sozialen Kontakt konnotieren.

In Norddeutschland ist ein Tschüß ([y] wird sehr spitz ausgesprochen) ein gebräuchlicher Abschiedsgruß auch gegenüber Fremden. In Nordrhein-Westfalen erkennt man den Rheinländer am Tschö, den Westfalen am Tschüß.

In den letzten Jahren, d. h. in den 1990er Jahren sind zwei neue Abschiedsformeln dazugekommen. Insbesondere im Rundfunk und unter jungen Leuten, d. h. Studierenden, ist bye bye oder see you zu hören. Der amerikanische Einfluß aus den Massenmedien ist hier unverkennbar.



Man sieht sich und Viel Spaß noch

Diese Formeln werden in informellen und halbformellen Abschiedssituationen des Alltags angewandt. Bekannte gehen auseinander mit einem Man sieht sich in der Bedeutung: Auf Wiedersehen. Will man sich noch alltäglicher ausdrücken, dann wird gelegentlich ein Viel Spaß noch oder einfach Viel Spaß dazugefügt. Mit dem deutschen Normisten Johann Gottsched müßte man diese Formeln eher für verwässerte Abschiedsformeln halten, sie gehören aber zu der Alltagssprache dieser Jahre. Ob diese Formeln über die nächsten Jahre hinaus Bestand haben können, halte ich nicht für sehr wahrscheinlich.



Der Brief

Im Briefverkehr geht es in Deutschland formell zu. Man fängt einen Brief an unbekannte Personen mit: Sehr geehrte Damen und Herren! an. Als altmodisch, aber noch vereinzelt gebräuchlich gilt: Sehr geehrte Herren! An eine namentlich bekannte Person schreibt man: Sehr geehrter Herr Permaneder! Das Ausrufezeichen gehört gewöhnlich dazu. Wer das Ausrufezeichen ausläßt, muß nach der Anrede ein Komma setzen und dann den Brief kleingeschrieben beginnen. Das gilt als weniger förmlich. Im täglichen Schriftverkehr erlebt man dennoch, daß viele - nach dem Komma - groß weiterschreiben.

Die Einführung neuer Medien, wobei insbesondere das Telefon eine große Bedeutung einnimmt, führt dazu, daß der Schriftkontakt immer mehr in den Hintergrund rückt. Die Möglichkeit der Fax-Mitteilung hat zwar der brieflichen Mitteilung eine Renaissance gegeben. Anfang der 90er Jahre demonstriert der stets zunehmende Anstieg der Fax-Anschlüsse auch im Privatbereich die erhöhte Verwendung des Fax als privates Mitteilungsmedium. Also wird trotz kritischerAnmerkungen mancher Sprachbetrachter heute doch noch brieflich miteinander verkehrt. Jedoch merkt man aufgrund der Kürze den meisten privaten Fax-Briefen an, daß es sich eigentlich nur um schriftliche Telefonmitteilungen handelt.

Andererseits ist im modernen Standarddeutsch der Briefe ein Trend zum eher Informalen spürbar. So kann man heute manchmal Briefe von Fremden erhalten, die mit Lieber Herr Keuner! beginnen. Im Privatbrief erfolgt die Anrede meistens mit Hallo Du(!) oder Hallo Familie Meyer(!) oder Seid gegrüßt Ihr Lieben, aber der alte, aus Liebesbriefen wie z. B. aus Goethes Werther bekannte Gruß: Liebes Lottchen ist heute durchaus noch geläufig.

In der Werbesprache werden die nichtförmlichen Elemente der mündlichen Sprache ausgenutzt. Im vermeintlich schicken "Managerdeutsch" der Werbeleute fängt eine (Massen)-Sendung häufig mit Guten Tag Herr Schultze! an.

Briefe schließt man Mit freundlichen Grüßen ab. Das ist die Standardabschlußformel für private und halboffizielle Briefe. Im Privatbereich schließt der Brief oft mit Liebe Grüße oder mit einem der höflichen Abschiedsformeln aus dem mündlichen Bereich ab. Bisweilen endet der Brief auch mit Tschüß oder Ciao. Schreiben von Behörden schließen - sogar in der modernen Zeit - mit Hochachtungsvoll! oder Mit Hochachtung! Im Laufe der zunehmenden Bemühungen der Verwaltung um Bürgerfreundlichkeit wird aber auch öfter die Abschlulßformel Mit freundlichen Grüßen und - aus rechtlichen Gründen - Im Auftrag, manchmal mit der Abkürzung I. A., verwendet. Ebenso aus rechtlichen Gründen, aber seltener, ist die Abkürzung i. V für in Vertretung.

Ein Hochachtungsvoll! kann jedoch auch als beleidigter, eiskalterAbschiedsgruß gelten.

Die Wendung: Seinen Servus daruntersetzen oder Seinen Otto daruntersetzen bedeutet: einen Brief unterschreiben.



Ade

Altertümlich kommt das Ade heute vor. Es handelt sich hier um die deutsche Nebenform zum französischen "Adieu". In der Hochsprache ist es in festen humoristischen Wendungen wie: Ade, Du schöne Welt, ich muß gehen oder Winter ade zu hören. Darüber hinaus wird es öfters dialektal und regional angewandt, jedoch kann es auch altmodisch, ernstlich in einem hoch anzusiedelnden Stil verwendet werden. In diesem Sinne sagte der letzte Staatspräsident der DDR, Lothar de Maziere: "Man liefert nicht alle Tage einen Staat in die Weltgeschichte ab und sagt Ade." (Die Woche S. 3, 30.9.1993)



Schluß

Platzgründe verbieten es, hier alle regionalen Varianten oder alle Typen von Slang zu behandeln. Abschließend soll daher nur der Brauch in Bayreuth besprochen werden. Hier verabschiedet man sich ebenso wie in ländlichen Gebieten Bayerns mit Ade oder Servus. Beide können dazu noch in Diminutivform gehört werden: Adele oder Servusle. Aber noch lokaler wird ein kurzer Abschiedsgruß verwendet. Ein Bayreuther, der meint, daß jetzt genug über eine Sache gesprochen wurde, sagt: recht so. Und damit will ich schließen.



Lars H. Eriksen
Sønderborg (Dänemark)



*Die Studie ist eine überarbeitete Fassung des Beitrages in der Verbandszeitung des dänischen Deutschlehrerverbandes der gymnasialen Oberstufe: Aktuelle tyske hilse- og avskjedsformler, 1993 København, S. 22 bis 27.