Biographischer Überblick

Der Überblick will die Verbindung von Bubers Lebensdaten und Werk zeigen; seine wichtigsten Bücher werden genannt und kurz charakterisiert. An Reisen werden vor allem diejenigen erwähnt, aus denen wichtige Publikationen - meist ursprünglich Reden - hervorgegangen sind. Nur wenige zeitgeschichtliche Daten werden angeführt.

Als Quelle für die Lebensdaten dienten vor allem Grete Schaeders biographischer Abriß in Bubers Briefwechsel, Bd. I, sowie Bücher von Hans Kohn und Gerhard Wehr:

 

 

1878  wurde Martin (Mordechai) Buber am 8. Februar in Wien geboren. Aufgrund der Trennung seiner Eltern Elise (geb. Wurgast) und Carl Buber (1848-1935) lebte er von seinem dritten Lebensjahr an in Lemberg (Lwow) bei seinen Großeltern Adele (geb. Wizer; gest. 1911) und Salomon Buber (1827 - 1906); mit 14 zog er zu seinem Vater, der, wiederverheiratet, inzwischen auch in Lemberg wohnte.

1888 - 1896  besuchte Martin Buber hier das Franz Josefs-Gymnasium, wo polnisch die Unterrichtssprache war. Salomon Buber war als Autodidakt der erste wissenschaftliche Herausgeber und Bearbeiter der Midraschim, ein Mann, der nicht über sein Judentum reflektierte, ›aber es wohnte in ihm‹. In der Zeit bei seinen Großeltern, in der er auch erstmals in Sadagora mit Chassidim in Berührung kam, fühlte sich Martin Buber ›in den Wurzeln gefestigt‹, bald nach seinem Umzug entfremdete er sich zunächst dem Judentum.

1896 - 1904  studierte Buber in Wien, Leipzig, Zürich und Berlin und besuchte Veranstaltungen in Philosophie, Germanistik, Kunstgeschichte, Psychiatrie und Psychologie. Er promovierte in Philosophie und Kunstgeschichte mit einer Dissertation ›Beiträge zur Geschichte des Individuationsproblems‹ über deutsche Mystik im Umkreis Nikolaus Cusanus (1401-1464) und Jakob Böhmes (1575 - 1624).

1898 - 1903  war Buber in der zionistischen Bewegung aktiv; diese Arbeit bedeutete für ihn den Beginn seines Wiederanschlusses ans Judentum. Während der Zionismus für Theodor Herzl (1860-1904) die politische Antwort auf den Antisemitismus war, gegen den die nationale Konstitution des Judentums, der Judenstaat, schützen sollte, war für Buber mit Zionismus immer die Besinnung auf die geistig-religiösen Wurzeln des Judentums verbunden. Die Verwirklichung des Judeseins in Palästina, im Land der Väter, bedeutete zugleich die Arbeit an der Verwirklichung sozialer Gerechtigkeit, wie sie in der Bibel die Propheten angemahnt hatten. Eine Wiedergeburt des Judentums in Palästina in diesem Sinne durfte sich nicht gegen eine andere Bevölkerungsgruppe richten - so trat Buber bis zur Gründung des Staates Israel für einen bi-nationalen jüdisch-arabischen Staat ein.

1899 heirateten Martin Buber und Paula Winkler (geb. 1877), die unter dem Pseudonym Georg Munk selbst Romane und Erzählungen veröffentlichte. Buber nahm als Delegierter am III. Zionistischen Kongreß in Basel teil.

1900  wurde ihr Sohn Rafael (gest. 1990) geboren.

1901  wurde die Tochter Eva (gest. 1992) geboren. Buber wurde Redakteur der zionistischen Wochenschrift ›Die Welt‹, schied aber im selben Jahr wegen eines Konflikts mit Herzl wieder aus. Auf dem V. Zionistenkongreß war er Vertreter der ›Demokratischen Fraktion‹, die auch die Zuwendung und Einwirkung auf die Lebensverhältnisse der häufig sozial und wirtschaftlich deklassierten osteuropäischen Juden als Aufgabe des Zionismus sah. Seit diesem Kongreß stand Buber in deutlicher Opposition zu Herzl.

1902  gründete er mit Berthold Feiwel (1875-1937), Ephraim Moses Lilien (1874-1925) und Davis Trietsch (1870-1935) in Berlin den Jüdischen Verlag.

1903  war Herzl auf dem VI. Zionistenkongreß unter dem Eindruck des Pogroms in Kischinew bereit, den Staat der Juden in Uganda zu gründen; es kam zum offenen Konflikt zwischen west- und ostjüdischen Zionisten. Gegen Herzls öffentliche persönliche Angriffe auf Trietsch traten Buber und Feiwel ein.

1904  zog sich Buber von der zionistischen politischen Arbeit zurück und konzentrierte sich auf das Studium chassidischer Schriften.

1905 - 1916  war er Lektor der Literarischen Verlagsanstalt Rütten & Loening, in der er u.a. 40 Bände der Sammlung sozialpsychologischer Mono-graphien ›Die Gesellschaft‹ herausgab.

1906  wurden bei Rütten & Loening in Frankfurt als erstes Buch, in dem Buber chassidisches Legenden-material nacherzählt und -gestaltet ›Die Geschichten des Rabbi Nachman‹, veröffentlicht.

1906 - 1916  lebte die Familie in Berlin.

1908  erschien die erste Auflage von ›Die Legende des Baalschem‹ bei Rütten & Loening.

1909  hielt Buber im Prager Verein jüdischer Hochschüler ›Bar Kochba‹ [um Hugo Bergmann (1883-1975), Hans Kohn (1891-1971), Leo Herrmann (1888-1951) und Robert Weltsch (1891-1982)] die Rede ›Das Judentum und die Juden‹. Beim Verlag Eugen Diederichs in Jena gab Buber unter dem Titel ›Ekstatische Konfessionen‹ eine Sammlung von mystischen Zeugnissen verschiedener Religionen heraus, der er seinen Essay ›Ekstase und Bekenntnis‹ beigab.

1910  erschienen die ›Reden und Gleichnisse des Tschuang-Tse‹ im Insel Verlag, Leipzig, mit Bubers Essay ›Die Lehre vom Tao‹ von 1909 als Nachwort.

1911  kamen bei Rütten & Loening Bubers ›Drei Reden über das Judentum‹ heraus, die er seit 1909 vor dem Prager Bar Kochba-Kreis gehalten hatte.

1913  veröffentlichte Buber mit ›Daniel. Gespräche von der Verwirklichung‹ (Insel Verlag, Leipzig) ein Buch, in dem sich der Übergang zum dialogischen Denken bereits ankündigt. So hat er ›Daniel‹ und ›Die Lehre vom Tao‹ als einzige Schriften aus seiner frühen Zeit in die ›Schriften zur Philosophie‹ (Werke Bd. I) aufgenommen.

1914  traf sich in Potsdam im Juni eine Gruppe von Schriftstellern, die den Anspruch erhoben, für die Einung, das Miteinander der Völker stehen und diese autoritativ anmahnen zu können, wenn es darauf ankäme: Buber, Gustav Landauer (1870-1919), Theodor Däubler (1876-1934), Florens Christian Rang (1864-1924), Erich Gutkind (1877-1965), der Schwede Poul Bjerre, die Holländer Henri Borel (1869-1933) und Frederik van Eeden (1860-1932). Für August war die endgültige Gründung des ›Forte-Kreises‹ geplant, zu der es aufgrund der unterschiedlichen Positionen und Parteilichkeiten der Beteiligten mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs im Juli / August nicht mehr kam. Als einziger von ihnen wandte sich Landauer entschieden gegen den Krieg. Buber bedauerte damals, nicht in den Krieg ziehen zu können; er sah zwar einerseits, was der Krieg über die Menschen brachte, glaubte aber, das Gemeinschaftserlebnis loben zu müssen, welches das Kämpfen in den jeweiligen Armeen den Juden brächte. Gustav Landauer, den Buber seit 1899 kannte, sprach erzürnt vom ›Kriegsbuber‹.

1915  erschien im Kurt Wolff Verlag in Leipzig ›Vom Geist des Judentums. Reden und Geleitworte‹.

1916  gründeten Buber, der Verleger und Inhaber einer Warenhauskette Salman Schocken (1877-1959) und der Pädagoge Moses Calvary (1876-1944) den ›Hauptausschuß für jüdische Kulturarbeit‹, der in seinen Publikationen eine Erneuerung des Judentums im deutschsprachigen Raum bewirken sollte.

1916 - 1924  war Buber Herausgeber der von ihm begründeten Monatsschrift ›Der Jude‹. Die Redaktion übernahm 1923 Ernst Simon.

1916 - 1938  wohnt Buber in Heppenheim. Die Enkelinnen Barbara und Judith wuchsen nach Rafael Bubers Scheidung von seiner ersten Frau bei Paula und Martin Buber auf.

1917  sicherte der britische Außenminister Balfour (1848 - 1930) den Juden das Recht auf eine nationale Heimstätte in Palästina zu (Balfour-Deklaration).

1918  endete der Erste Weltkrieg; die deutsche Revolution im November 1918 hatte den Sturz der Monarchie zur Folge. Kurt Eisner (geb. 1867) erklärte Bayern zur Republik.

1919  stand Buber in der Woche vor Eisners Tod in Kontakt mit den Führern der Revolution, mit denen er viele Gespräche hatte. Eisner wurde am 21. Februar ermordet, Anfang März wurde die ›Räterepublik Baiern‹ ausgerufen, die mit dem Einmarsch von Reichstruppen in München am 1./2. Mai unterging. Bubers Freund Gustav Landauer, Volksbeauftragter für Volksaufklärung in der 1. Räteregierung, wurde am 2. Mai im Gefängnis ermordet.

1920  nahm Buber an der Prager Vereinigungskonferenz von ›Hapo├‹l Haza├»r‹ [palästinensische Arbeiterpartei um A. D. Gordon (1856-1922), die eine Besiedlung Palästinas in Verwirklichung gerechter, sozialistischer Gemeinschaft anstrebte] und ›Ze├»re Zion‹ (osteurop. zionist.-sozialist. Bewegung mit parallelen Zielen) als Vertreter des Hapo├‹l Haza├»r Deutschlands teil.

1921  trat Buber für Hapo├‹l Haza├»r auf dem XII. Zionistenkongreß in Karlsbad in einer Rede für ein friedliches Zusammenleben mit den Arabern in Palästina ein, die nicht durch die jüdische Besiedlung verdrängt werden dürften. Eine Resolution in diesem Sinne wurde nur aus taktischen Gründen angenommen; Buber zog sich in der Folge von der zionistischen Parteitätigkeit zurück.

1922  arbeitete Buber am Freien Jüdischen Lehrhaus mit, das von Rosenzweig in Frankfurt geleitet wurde. Dort hielt er eine Vorlesungsreihe unter dem Titel ›Religion als Gegenwart‹, eine Vorstufe zu ›Ich und Du‹. Im gleichen Jahr erschien ›Der große Maggid und seine Nachfolge‹, eine Sammlung chassidischer Erzählungen mit einem umfangreichen ›Geleitwort‹ zum Baalschem, den Zaddikim und Chassidim.

1923  nahm er im Dezember einen Lehrauftrag für jüdische Religionslehre und jüdische Ethik an der Universität Frankfurt a. M. an. Mit ›Ich und Du‹ erschien Bubers grundlegendes philosophisches Buch: ›Die Haltung des Menschen ist zwiefältig nach der Zwiefalt der Grundworte, die er sprechen kann.‹

Im Verlag Rütten & Loening wurden die ›Reden über das Judentum‹ publiziert, in denen Reden aus den Jahren 1909-1919 zusammengestellt und von einer Vorrede von 1923 eingeleitet waren, welche die Sichtweise der frühen Reden in manchem korrigierte (1927 ging der Band in den 1925 gegründeten Verlag Lambert Schneider über).

1924  veröffentlichte Buber mit ›Das verborgene Licht‹ (Rütten & Loening) einen weiteren Band chassidischer Erzählungen.

1925  begannen Martin Buber und Franz Rosenzweig, einem Anstoß Lambert Schneiders (1900-1970) folgend, mit einer Neuübersetzung der hebräischen Bibel; zehn Bände konnten sie gemeinsam übersetzen. Nach Rosenzweigs Tod setzte Buber die Arbeit alleine fort. 11 Einzelbände, bis zum ›Buch Jirmejahu‹, erschienen bei Lambert Schneider in Berlin, die weiteren, bis Band 15 ›Das Buch Gleichsprüche‹, von 1932 bis 1937 im Schocken-Verlag, der die bisherigen Bände in den neugegründeten Verlag übernahm. Danach mußte Buber die Arbeit für lange Jahre unterbrechen.

Auf der dritten Internationalen Pädagogischen Konferenz des Weltbundes für Erneuerung der Erziehung, die unter dem Motto ›Die Entfaltung der schöpferischen Kräfte im Kinde‹ in Heidelberg stattfand, hielt Buber seine ›Rede über das Erzieherische‹.

1926 - 1930  gab er im Verlag Lambert Schneider, Berlin, mit dem Katholiken Joseph Wittig (1879 - 1949) und dem Protestanten Viktor von Weizsäcker (1886 - 1957) die Vierteljahresschrift ›Die Kreatur‹ heraus. Im ersten Heft wurde die ›Rede über das Erzieherische‹ abgedruckt (Einzelausgabe im selben Jahr ebenfalls bei Lambert Schneider in Berlin).

1928 erschien eine Zusammenstellung der bisherigen Nacherzählungen chassidischer Legenden: ›Die chassidischen Bücher‹ (Verlag Jakob Hegner, Hellerau).

1929  setzte sich Buber in einer Rede auf dem XVI. Zionistenkongreß wiederum für eine Zusammenarbeit von Juden und Arabern in Palästina ein. Am 10. Oktober starb Rosenzweig; das Jüdische Lehrhaus wurde im Dezember geschlossen.

1930  ging Bubers Lehrauftrag in Frankfurt in eine Honorarprofessur für Religionswissenschaft über. ›Zwiesprache‹, eine sprachlich nüchternere Entfaltung der Themas von ›Ich und Du‹, erschien im letzten Jahrgang der ›Kreatur‹ und kam 1932 als Einzelausgabe im Berliner Schocken Verlag heraus.

1932  erschien ›Königtum Gottes‹; eine Untersuchung zur Entstehung des Messianismus in der Frühzeit Israels (Berlin: Schocken Verlag 21936, mit einem Vorwort zur 2. Auflage, das auf Fragen und Kritik eingeht; Heidelberg: Verlag Lambert Schneider 31956, mit einem zusätzlichen Vorwort zur 3. Auflage, das wiederum zu Kritik Stellung nimmt).

1933  legte Buber die Professur für Religionswissenschaft nieder, bevor ihm die Lehrerlaubnis im Oktober offiziell entzogen wurde. Am 30. Januar war die NSDAP an die Regierung gekommen.

Buber gründete die ›Mittelstelle für jüdische Erwachsenenbildung bei der Reichsvertretung der Juden in Deutschland‹, die er auch leitete. Im November sorgte er für die Neueröffnung des Freien Jüdischen Lehrhauses in Frankfurt.

1935  hielt Buber am Jüdischen Lehrhaus die Rede ›Über Bildung und Weltanschauung‹, die zweite der ›Reden über Erziehung‹. Wie Bubers gesamte Tätigkeit bei der ›Mittelstelle für jüdische Erwachsenenbildung‹ steht sie für den Versuch, den bedrängten Juden einen Halt aus ihrem Judentum heraus zu geben. Am 21. Februar erhielt Martin Buber von der Geheimen Staatspolizei Redeverbot, das Ende Juli für die ›Mittelstelle‹ aufgehoben wurde.

Am 15. September wurden die Nürnberger Rassengesetze erlassen.

1936  erschien ›Die Frage an den Einzelnen‹ bei Schocken in Berlin: im Ausgang von S├Şren Kierkegaard wird die existentielle Kategorie des Einzelnen erörtert, der aus der Selbstverständlichkeit der Bindungen und Meinungen herausgenommen ist, der von Buber aber an die Verantwortung, an die Zuwendung zum anderen und die Verpflichtung zur - menschlich möglichen - Wahrheit verwiesen wird.

Ebenfalls bei Schocken kam der Band ›Die Schrift und ihre Verdeutschung‹ mit Beiträgen Bubers und Rosenzweigs heraus.

1938  wanderte Martin Buber im März mit seiner Frau und den Enkelinnen Barbara und Judith - Eva Buber mit Familie und Rafael Buber mit seiner zweiten Frau waren schon früher nach Palästina eingewandert - nach Palästina aus, acht Monate vor der Pogromnacht (9./10. November); Buber sprach von seiner ›Alija‹, der Einwanderung nach Palästina, und nicht von Emigration. Seitdem lebte er in Jerusalem. Buber wurde Professor für Sozialphilosophie an der Hebräischen Universität in Jerusalem.

1939  brach der Zweite Weltkrieg mit dem Überfall Deutschlands auf Polen aus.

Buber hielt auf einer Tagung der jüdischen Lehrer Palästinas in Tel Aviv die Rede ›Über Charaktererziehung‹, die dritte der ›Reden über Erziehung‹.

1940  erschien in den - inzwischen vom nationalsozialistischen Deutschland besetzten - Niederlanden Bubers Beitrag ›Der Glaube Israels‹ (in holländischer Übersetzung), den er auf Anfrage für den Sammelband ›De godsdiensten der wereld‹ (= ›Die Religionen der Welt‹) geschrieben hatte (Het Geloof van Isra├‹l; in: De godsdiensten der wereld. Onder redactie van G[erardus] van der Leeuw. Amsterdam: H. Meulenhoff, Bd. I 1940, S. 149-253; von der 2. Auflage an ergänzt um den Schlußabschnitt, der in der 1. Auflage gefehlt hatte). Noch während er an ›Der Glaube Israels‹ schrieb, bearbeitete Buber den (vollständigen) Beitrag in hebräischer Sprache. Dabei legte er besonderes Gewicht auf die Darstellung des prophetischen Glaubens; die hebräische Ausgabe von ›Der Glaube der Propheten‹ entstand.

1941  erschien ›Gog und Magog‹ hebräisch in der Zeitung ›Davar‹. Die deutsche Ausgabe wurde 1949 bei Lambert Schneider veröffentlicht. Chassidische Legenden um Jaakob Jizchak von Lublin, den Kosnitzer Maggid, Menachem Mendel von Rymanow und den ›Jehudi‹ werden hier zum einzigen Mal als eine durchgehende Handlung erzählt.

1942  wurde der ›Ichud‹ (›Vereinigung‹) unter Vorsitz des Präsidenten der Hebräischen Universität Judah L. Magnes (1877-1948) gegründet, zu dessen führenden Mitgliedern Buber gehörte. Der Ichud trat für einen bi-nationalen Staat und die Zusammenarbeit mit den Arabern ein.

Der Verlag Mosad Bialik Dvir in Tel Aviv publizierte die hebräische Ausgabe von ›Der Glaube der Propheten‹. Deren englische Übersetzung erschien 1949 bei Macmillan, New York (›The Prophetic Faith‹). Der hebräischen Ausgabe entsprechend bearbeitete Buber den Beitrag ›Der Glaube Israels‹ nun für die deutsche Ausgabe, die 1950 von Manesse, Zürich veröffentlicht wurde. ›Der Glaube der Propheten‹ stellt die ›Glaubenslehre von der Beziehung zwischen dem Gott Israels und Israel‹ dar, die zu ihrer vollendeten Gestalt bei den Propheten gelangte.

Ebenfalls 1942 erschien die hebräische Ausgabe von ›Das Problem des Menschen‹, das in deutscher Sprache 1947 in dem Band ›Dialogisches Leben‹, als Einzelausgabe 1948 bei Lambert Schneider veröffentlicht wurde. Buber stellt hier dar, wie die Frage nach dem Menschen in der Philosophiegeschichte gestellt und beantwortet wurde, und schließt daran seine eigene philosophische Anthropologie an.

1945  endete der Zweite Weltkrieg in Europa mit der Kapitulation des nationalsozialistischen Deutschland am 7. / 9. Mai.

Buber veröffentlichte in diesem Jahr die hebräische Ausgabe seines ›Moses‹; die deutsche Ausgabe erschien erst 1948 beim Verlag Gregor Müller in Zürich (seit der 2. Aufl. 1952 im Verlag Lambert Schneider), noch nach der englischen (1946). ›Mose als eine konkrete Individualität darzustellen und anzugeben, was er geschaffen hat und was sein geschichtliches Werk ist‹ (Vorwort, S. 7 [41994]) war die Aufgabe, die Buber sich hier gestellt hatte.

1946  erschien die hebräische Ausgabe der ›Erzählungen der Chassidim‹, die deutsche folgte 1949 bei Manesse in Zürich. Auch Bubers Buch zum utopischen Sozialismus, ›Pfade in Utopia‹, mit Kapiteln zur Lehre des Frühsozialisten Proudhon (1809-1865) und der Anarchisten Kropotkin (1842-1921) und Landauer, 1945 fertiggestellt, wurde in hebräischer Sprache veröffentlicht, vier Jahre vor der deutschen Ausgabe (Lambert Schneider Verlag).

1947  reiste Buber erstmals nach dem Krieg nach Europa. Im April hielt er im niederländischen Bentveld einen Vortrag, der im folgenden Jahr bei N.V. Mouton & Co, Den Haag, in der Sammlung ›Pulvis Viarum‹ als Buch erschien: ›Der Weg des Menschen nach der chassidischen Lehre‹.

Der Band ›Dialogisches Leben‹ (Gregor Müller Verlag, Zürich) faßte verschiedene Schriften zur Philosophie und Pädagogik zusammen.

1948  wurde am 15. Mai der Staat Israel proklamiert. Am 17.5. begann der Krieg zwischen Israel und arabischen Staaten, der mit einem Waffenstillstand am 3.6.1949 endete.

1949 - 1953  leitete Buber das von ihm gegründete ›Seminar für Erwachsenenbildner‹, die ›Hochschule für Lehrer des Volkes‹.

1950  veröffentlichte er bei Manesse ›Zwei Glaubensweisen‹, die von biblischen Quellen (hebräische Bibel und Neues Testament) ausgehende Gegenüberstellung von jüdischem Glauben und christlichem Glauben, welche die Übereinstimmung von Jesu Lehre mit dem Judentum zeigt.

Die hebräische Ausgabe von ›Recht und Unrecht. Deutung einiger Psalmen‹ kam heraus, die deutsche Ausgabe erschien erst 1952 beim Verlag Benno Schwabe & Co., Basel, im selben Jahr wie die englische Ausgabe.

Die Schrift ›Urdistanz und Beziehung‹, eine anthropologische Grundlegung der Zwiefalt der Grundworte Ich-Du und Ich-Es im - doppelten - ›Prinzip des Menschseins‹ (Urdistanzierung und In-Beziehungtreten), erschien in ›Studia Philosophica. Jahrbuch der Schweizerischen Philosophischen Gesellschaft, Vol. X, 1950‹; als Einzelausgabe wurde ›Urdistanz und Beziehung‹ ein Jahr später im Verlag Lambert Schneider veröffentlicht.

1951  wurde Martin Buber der Hansische Goethepreis der Universität Hamburg verliehen, den er aufgrund einer Erkrankung erst später persönlich entgegennehmen konnte. Mit Abschluß des Sommersemesters beendete er offiziell seine Lehrtätigkeit an der Hebräischen Universität. 1951/52 hielt er sich mehrere Monate in den USA auf.

1952  wurde im Lambert Schneider Verlag ›Die chassidische Botschaft‹ veröffentlicht: eine Sammlung verschiedener Aufsätze, die Bedeutung und Botschaft des Chassidismus für die Welt und über den Kreis des Judentums hinaus zeigen wollen.

Beim Verlag Jakob Hegner, Köln und Olten, erschien ›Bilder von Gut und Böse‹. Die Frage von rechtem und unrechtem Tun, wahrer und nichtiger Existenz, von Gut und Böse wird in ›Recht und Unrecht‹ im Ausgang von einer Psalmeninterpretation erörtert; auch in ›Gog und Magog‹ ist diese Frage gestellt; den umfassendsten Versuch einer Antwort stellen die ›Bilder von Gut und Böse‹ dar.

Ebenfalls bei Jakob Hegner wurde der Band ›An der Wende. Reden über das Judentum‹ publiziert; ›Der Geist Israels und die Welt von heute‹, gehalten 1939 in Jerusalem und mit ├änderungen 1947 in London, ist die erste Rede Bubers über das Judentum, die er nach den ›Reden‹ von 1923 wieder hielt. 1951 trug er in Jerusalem, London und New York die weiteren Reden des Bandes vor: ›Judentum und Kultur‹, ›Die heimliche Frage‹ und ›Der Dialog zwischen Himmel und Erde‹. Buber sprach als Jude zu Juden in einer, wie er es sah, inneren Krisis des Judentums; aber die jüdischen Grundlagen, die er aussprach, sollten Geltung für die Menschen überhaupt haben.

1953  erhielt Buber den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Er hielt die Rede ›Das echte Gespräch und die Möglichkeiten des Friedens‹.

Verschiedene Beiträge wurden in dem Buch ›Gottesfinsternis‹ (1. Auflage im Manesse Verlag) zusammengefaßt; der Gott der Philosophen und der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs: das Bild und die Idee Gottes sowie das ÔÇ║ewige DuÔÇ╣, dem Menschen immer wieder begegnen können, werden hier einander gegenübergestellt.

Ebenfalls bei Manesse kam Bubers Essay-Sammlung ›Hinweise‹ heraus.

Die drei ›Reden über Erziehung‹ von 1925, 1935 und 1939 erschienen bei Lambert Schneider. ›Elemente des Zwischenmenschlichen‹ entstand (Erstabdruck in Merkur, Februar 1954 und in Neue Schweizer Rundschau, Zürich, Neue Folge, XXI/10, Februar 1954).

1954  stellte Buber in dem Band ›Die Schriften über das dialogische Prinzip‹ (Verlag Lambert Schneider, Heidelberg) verschiedene wichtige philosophische Schriften zusammen (seit 1962: ›Das dialogische Prinzip‹).

1954 - 1962  veröffentlichte der Jakob Hegner Verlag, Köln & Olten, eine neue Ausgabe der ›Schrift‹, in der Buber die bereits erschienenen Bände überarbeitet, den vierten Band, ›Die Schriftwerke‹, vom Buch Ijob (Hiob) an um die noch fehlenden Bücher ergänzt hatte. (von 1976 an erschien die Ausgabe dann wieder im Verlag Lambert Schneider.)

1955  in ›Der Mensch und sein Gebild‹ (Lambert Schneider) hat Buber das dialogische Prinzip auf den Bereich menschlichen Schaffens, d.h. der Kunst, angewandt.

1956  besuchte Buber auf einer Europa-Reise Großbritannien, Frankreich und Deutschland. Die Rede ›Dem Gemeinschaftlichen folgen‹, die er im Juni hielt, stellt die Wichtigkeit verantwortlicher Teilnahme des Menschen an der gemeinsamen Welt heraus, der gegenüber der Versuch - in mystischer Versenkung, im Rauscherleben -, eine bessere Welt zu erfahren, Weltflucht ist. Der Sinn von Sprache erfüllt sich im verantwortlichen Bezogensein der Menschen aufeinander.

Am 29. Oktober 1956 besetzte Israel die Sinai-Halbinsel, nachdem von arabischen Staaten der Suezkanal und die Zufahrt zum Golf von Akaba blockiert worden waren. Großbritannien und Frankreich intervenierten am Suezkanal, Israel mußte im März 1957 die besetzten Gebiete (Sinai, Gaza-Streifen) auf UN-Beschluß räumen.

1957  fand im Rahmen einer USA-Reise ein öffentliches Gespräch zwischen Carl Rogers (1902-1987) und Buber über Fragen der Psychotherapie statt. Im April hielt Buber im Zusammenhang mit einem Seminar über das Unbewußte für die Dozenten und Mitarbeiter der School of Psychiatry, Washington, eine Vorlesung, in der er die Realität von Schuld hervorhob und ihre Reduktion auf (durch Therapie aufzuhebende) Schuldgefühle ablehnte: ›Schuld und Schuldgefühle‹ erschien im August im ›Merkur‹ (XI/8), im Jahr danach als Buch bei Lambert Schneider in Heidelberg. Drei Seminarsitzungen hat Maurice Friedman protokolliert; unter dem Titel ›Das Unbewußte‹ sind die Notizen in dem Band ›Nachlese‹ (S. 144-171, 31993) enthalten.

1958  starb auf der Rückkehr von einer gemeinsamen USA- und Europa-Reise Paula Buber in Venedig.

1960  hielt Buber im Juli auf einer Tagung der Bayerischen Akademie der Schönen Künste zum Thema ›Wort und Wirklichkeit‹ seine sprachphilosophische Rede ›Das Wort, das gesprochen wird‹.

1961  hatte Martin Buber im Februar die Arbeit an der Übersetzung der Schrift abgeschlossen.

1962  wurden die beiden sprachphilosophischen Beiträge ›Das Wort, das gesprochen wird‹ und ›Dem Gemeinschaftlichen folgen‹ in dem Buch ›Logos. Zwei Reden‹ zusammengefaßt.

1962 - 1964  erschien die dreibändige Auswahl-Ausgabe der Werke bei Lambert Schneider / Heidelberg und Kösel / München: ›Schriften zur Philosophie‹ (Bd. 1, 1962), ›Schriften zur Bibel‹ (Bd. 2, 1964), ›Schriften zum Chassidismus‹ (Bd. 3, 1963).

1963  wurde Buber in Amsterdam der Erasmus-Preis verliehen. Der Kölner Joseph Melzer Verlag publizierte den Sammelband ›Der Jude und sein Judentum‹. Bei Kohlhammer, Stuttgart, erschien die deutsche Ausgabe des von Schilpp und Friedman herausgegebenen Bandes ›Martin Buber‹ im Rahmen der Reihe ›Library of Living Philosophers‹, in der Bubers Denken und Werk in Aufsätzen namhafter Philosophen, Theologen, Pädagogen etc. aus den USA, Israel und Europa diskutiert wird und an dessen Ende Bubers ›Antwort‹ steht. Die amerikanische Originalausgabe erschien erst 1967. Die Einleitung des Buchs stellen Bubers autobiographische Fragmente ›Begegnung‹ dar.

1965  starb Martin Buber am 13. Juni in Jerusalem. Im selben Jahr erschien der Band ›Nachlese‹ bei Lambert Schneider; die Fahnenkorrektur hatte Buber (abgesehen von den Protokollnotizen ›Das Unbewußte‹) noch gelesen.