Epicondylitis

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Epicondylus lateralis humeri
Klassifikation nach ICD-10
M79.1 Myalgie
ICD-10 online (WHO-Version 2006)

Epicondylitis (auch Epikondylopathie) sind schmerzhafte Sehnenansätze von Muskeln des Unterarms, die an den beiden Knochenvorsprüngen oberhalb des Gelenkknorrens (Epikondylen) am distalen Teil des Oberarmknochens entspringen. Die Erkrankung wird der Gruppe der Enthesiopathien (Sehnenansatzerkrankungen) zugeordnet. Es gibt zwei Formen:

  1. Epicondylitis radialis humeri (auch Tennisellenbogen): am äußeren Epikondylus des Oberarmknochens (Strecker des Handgelenks und der Finger).
  2. Epicondylitis ulnaris humeri (auch Golferellenbogen): am inneren Epikondylus des Oberarmknochens (Beuger des Handgelenks und der Finger).

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Ursachen

Eine Epicondylitis entsteht durch Überbeanspruchung der Unterarmmuskulatur, das heißt durch extreme oder dauernd wiederkehrende Bewegungen oder Überlastungssituation des betroffenen Muskels. Mögliche Auslöser sind:

  • Einseitige Beanspruchung (z. B. bei Tastatur-/Mausbenutzung, s. a. Repetitive Strain Injury Syndrom, Sportklettern)
  • Falsche Haltung (im Beruf, bei der Haus- und Gartenarbeit oder in der Freizeit)
  • Falsche Technik bei Schlägersportarten (Tennis, Badminton, Golf - der Griffumfang spielt dabei wohl keine Rolle[1])
  • Falsche Schlafhaltung in Seitenlage: Verwendung des stark gebeugten Armes als Kopfstütze.

[Bearbeiten] Symptome

Typisch sind eine Druckschmerzhaftigkeit am proximalen Ansatz des betroffenen Muskels und eine Schmerzauslösung oder -verstärkung bei dessen auxotoner Belastung.

[Bearbeiten] Therapien

Es existieren verschiedene Therapieansätze. Dazu gehören neben physiotherapeutischen Verfahren auch beispielsweise Zuwarten, Kühlung mit Eis, Ultraschall, Lasertherapie, Interferenztherapie, Hochvolttherapie, Elektrostimulationstherapie, Muskelkräftigungsübungen, Armschlinge, Bandagen, Verbände, Stoßwellen-Therapie (ESWT und Lithotripsie), Anwendung von Diclofenac-haltigen Cremes und Gelen, Manuelle Therapie (beispielsweise Querfriktion nach James Cyriax), Akupunktur, lokale Friktionsmassagen und die Gabe von Kortison.[2]

Studien mit physiotherapeutischen Verfahren (Dehnübungen, Krankengymnastik) legen nahe, dass diese möglicherweise in manchen Punkten anderen überlegen sind.[3][4][5] Wichtig für die Heilung ist eine Belastungspause.

In seltenen Fällen ist eine operative Therapie angezeigt.

Im Bereich des Epicondylus radialis humeri (Tennisellenbogen) kommt i.d.R. die Operation nach Wilhelm-Hohmann zum Einsatz. Hierbei wird eine Entlastung der Muskelspannung durch eine teilweise Durchtrennung der Sehnenansätze an der betroffenen Epicondyle (Discisions-Tenotomie) herbeigeführt (=OP nach Hohmann). Zusätzlich wird eine Durchtrennung des radialen Nervengeflechtes, das direkt dem Epicondylus radialis aufliegt, durchgeführt. Hierzu wird die Knochenfläche einfach verödet (=Verfahren nach Wilhelm).

Im Bereich des Epicondylus ulnaris humeri (Golferellenbogen) ist es notwendig, den Sulcus und Nervus ulnaris aufzusuchen und genau darzustellen. Wie auf der radialen Seite wird auch hier eine Sehnenverlängerung (Tenotomie) der Unterarmbeugesehnenansätze durchgeführt. Bei gleichzeitiger Ulnariseinklemmung muss der Nerv befreit (Dekompression) und ggf. versetzt werden (Transposition).[6]

Nach der OP wird ein stabilisierender Verband angelegt, der Arm muss jedoch nicht ruhig gestellt werden. Bei Sulcus-ulnaris-Transposition kann für kurze Zeit eine Schiene zur Ruhigstellung angelegt werden. Nach etwa fünf Wochen tritt in der Regel die Heilung ein. Leistungssport ist nach ca. drei Monaten wieder möglich.

[Bearbeiten] Literatur

  • Barbara Voll: Diagnose Maus-Arm. Trias, Stuttgart 2002. ISBN 3-8304-3194-5
  • Clemens Conrad: RSI-Syndrom, Mausarm, Tennisarm. Monsenstein und Vannerdat, Münster 2009. ISBN 3-86582-914-7
Einzelnachweise
  1. Georg Hatch: The Effect of Tennis Racket Grip Size on Forearm Muscle Firing Patterns. In: The American Journal of Sports Medicine. Bd. 34, S. 1977, 21. Juli 2006; DOI: 10.1177/0363546506290185
  2. Boyer,M.I. & Hastings, H.2nd: Lateral tennis elbow: "Is there any science out there?" - J Shoulder Elbow Surg. 1999 Sep-Oct;8(5):481-91. Review..
  3. Pia Nilsson et al.: A prospective pilot study of a multidisciplinary home training programme for lateral epicondylitis. In: Muscoloskeletal Care Bd. 5(1): 36-50 published online 20.12.2006; doi:10.1002/msc.97 (Engl.)
  4. BMJ 29, 11. Oktober 2006, online zitiert nach Ärztezeitung: Steroide helfen nur kurzfristig bei Tennisellbogen
  5. BMJ, 333, 21.11.2006, 939 zitiert nach Ärztezeitung: Erfolg für Physiotherapie bei Tennisellbogen
  6. A.B. Imhoff, R. Baumgartner: Checkliste Orthopädie (Thieme 2006) ISBN 3-13-142281-5

[Bearbeiten] Weblinks

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