Arne Friedrich

"Ich habe Sachen gelesen, die kotzen mich an"

Arne Friedrich spielt eine sehr gute WM und in der kommenden Saison in Wolfsburg. Im Interview spricht er über seine Leistungsexplosion, Freunde und ungerechte Kritik.

Vom Mitläufer zum Abwehrchef: Arne Friedrich durchlebt derzeit einen Wandel

Vom Mitläufer zum Abwehrchef: Arne Friedrich durchlebt derzeit einen Wandel

ZEIT ONLINE: Herr Friedrich, haben Sie Angst vor Lionel Messi?

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Arne Friedrich: Nein, mit Sicherheit nicht. Ich habe unglaublich viel Respekt vor ihm, weil er ein unglaublich guter Fußballer ist. Er ist der beste, den es im Moment gibt, die Nummer eins. Das ist eine Aufgabe, auf die ich mich freue. Das sind die Spiele, in denen man sich messen kann. Das war gegen Wayne Rooney ähnlich, da hatte ich auch keine Angst.

ZEIT ONLINE: Bastian Schweinsteiger erinnerte vor dem Spiel an die Tätlichkeiten aus dem Jahre 2006 und sagte provokativ, die Argentinier seien respektlos. War das Taktik, um die Stimmung anzuheizen oder empfindet er das wirklich so?

Friedrich: Ich glaube, er empfindet wirklich so. Nicht jeder von uns liest Zeitung, wenn er also anstacheln möchte, macht er das intern. Hat er aber nicht gemacht. Ich möchte jetzt auf diesen Zug nicht unbedingt aufspringen. Es ist klar, dass Südamerikaner allgemein sehr temperamentvoll sind und dass auch bei denen nach den Vorfällen vor vier Jahren etwas hängen geblieben ist. Wir müssen uns drauf einstellen, dass alles passieren kann. Auch dass die provozieren.

ZEIT ONLINE: Wird es schwerer gegen Argentinien als gegen England?

Friedrich: Ja bestimmt. Ich glaube, dass die unglaubliche Qualitäten in der Offensive haben, dass sie aber auch kleine Schwächen in der Defensive haben. Da muss unsere Chance liegen. Wir müssen kompakt und gut stehen als Mannschaft. Wir müssen die Räume eng halten, damit die nicht ganz so frei die Bälle annehmen können. Und dann müssen wir kontern. Das haben wir gegen England hervorragend gemacht und das wird auch jetzt wieder der Schlüssel sein.

ZEIT ONLINE: Vor der WM galt Per Mertesacker als die Stütze in der deutschen Abwehr. Inzwischen haben Sie ihn durch Ihre Leistungen überholt. Was geben sie ihm für Tipps?

Friedrich: Ich habe nur kurzzeitig mal mit ihm gesprochen, nachdem er kritisiert wurde. Ich habe ihm gesagt, dass ich davon selbst ein Lied singen kann und dass ich auf dem Platz immer für ihn da bin. Wenn irgendwas passieren sollte, bin ich da. Aber ich glaube, dass Per die Situation mit sich selbst sehr gut hinbekommen hat.

ZEIT ONLINE: Ihre Entwicklung verlief zuletzt vom "Absteiger-Friedrich" zum "Super-Friedrich". Wer war bei diesem Wandel Ihre größte Hilfe?

Friedrich: Zum einen natürlich meine Freundin, mit der ich jetzt neun Jahre zusammen bin. Ich habe sie kennengelernt, als ich gerade in Bielefeld angekommen, bevor ich richtig im Fußballgeschäft drin war. Das heißt, sie hat alles, die ganze Entwicklung mitgemacht. Sie ist immer eine Hilfe. Weil ich weiß, dass ich mich immer auf sie verlassen kann. Sie ist die erste, von der ich einen Rat einhole. Dann sind einige Freunde in Berlin ganz wichtig. Und natürlich die Familie.

ZEIT ONLINE: Wie wichtig ist Ihre Freundschaft zu Philipp Lahm, für Sie und für die Nationalelf?

Friedrich: Philipp und ich kennen uns jetzt sechs oder sieben Jahre. Wenn wir mit der Nationalelf unterwegs sind, machen wir viel gemeinsam. Im Mannschaftshotel spielen wir Snooker oder Tischtennis wie schon während der WM 2006. Ich denke, dass wir gut harmonieren und dass wir auf einem Level sind mit unseren Ansichten. Das passt einfach ganz gut. Für die Mannschaft ist es auch wichtig, dass sich die Spieler verstehen. Philipp ist Kapitän, ich bin im Mannschaftsrat.

ZEIT ONLINE: Gute Freunde hat man aber nicht viele.

Friedrich: Ja, richtige Freunde gibt es im Fußball ganz selten. Ich habe einen sehr guten Freund, der jetzt für Bochum spielt, Christoph Dabrowski. Ich bin der Patenonkel seines Kindes. Mit Philipp ist es eine Stufe schwächer, weil wir viel zu wenig Zeit miteinander verbringen. Wir sind mehr als gute Kollegen, aber wir sind keine richtigen Freunde fürs Leben, davon gibt es nämlich nur ganz wenige.

ZEIT ONLINE: Waren Sie von Ihrer Leistungsentwicklung bei dieser WM überrascht?

 
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