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Alexander Ulfig: "Die Gleichstellungspolitik als der institutionalisierte Feminismus"

von Ferdinand Knauß, 07. Mai 2009, 17:02

Es folgt der zweite Teil von Alexander Ulfigs Essay "Qualifikation statt Gleichstellung. Schritte zu einer gerechteren Praxis der Stellenvergabe":

2. Die Gleichstellungspolitik als der institutionalisierte Feminismus 

Der Feminismus ist eine Ideologie und eine mit ihr einhergehende politische Praxis. Sein Ziel ist es, politische Macht zu erlangen. Die vom Feminismus forcierte Politik/Frauenpolitik ist in Deutschland unter dem Namen Gleichstellungspolitik, in der neuesten Zeit auch als das Programm des Gender-Mainstreaming bekannt.
Das erklärte Anliegen der Gleichstellungspolitik ist es, Ungleichheiten im Verhältnis der Geschlechter aufzuspüren und aufzuheben. Dabei ist jedoch nicht Ungleichheit im Sinne einer Differenz im Denken, Fühlen und Handeln gemeint. Ungleichheit bedeutet hauptsächlich statistische Ungleichheit, also den Umstand, dass es in bestimmten Bereichen weniger Frauen als Männer gibt, dass Frauen in diesen Bereichen unterrepräsentiert sind. Diese Unterrepräsentanz muss beseitigt werden.
Das Ziel der Gleichstellungspolitik ist nicht Chancengleichheit, d.h. die Gleichheit von Startchancen des Einzelnen im Wettbewerb mit anderen, vielmehr soll bei der Stellenbesetzung das Geschlechterverhältnis 50:50 hergestellt werden, allerdings nur in wichtigen, prestigeträchtigen und gut bezahlten Berufszweigen, wie z.B. bei akademischen Stellen oder Topstellen in der Wirtschaft, natürlich nicht bei der Müllabfuhr, im Bergbau oder in der Stahlindustrie.
Dieses eigentliche Ziel der Gleichstellungspolitik wird in vielen Gleichstellungsgesetzen der Länder genannt (vgl. Berliner Landesgleichstellungsgesetz (LGG), §8 Einstellungen und Beförderungen): Frauen, die die gleiche Qualifikation wie ihre männlichen Mitbewerber haben, sollen bei der Stellenvergabe solange bevorzugt werden, bis ein Frauenanteil von 50% erreicht wird (auf die Unmöglichkeit von „gleicher Qualifikation“ in der Wissenschaft werde ich im 4. Abschnitt eingehen).1
Es sei schon hier angemerkt, dass die Gleichstellungspolitik die Aufhebung der Qualifikation als des zentralen Faktors bei der Stellenvergabe zur Folge hat. Es existieren Bereiche, in denen es mehr höher qualifizierte Männer als Frauen, und Bereiche, in denen es mehr höher qualifizierte Frauen als Männer gibt. Versucht man in diesen Bereichen das Geschlechterverhältnis 50:50 herzustellen, wird dadurch die Qualifikation als Maßstab außer Kraft gesetzt. Nicht die Qualifikation, sondern das Geschlecht, besser: ein statistisches Gleichheitswert, wird zum zentralen Faktor bei der Stellenvergabe. Die Opfer dieser Gleichstellungslogik und -politik sind ausschließlich Männer. Mit anderen Worten: die Gleichstellungspolitik führt zur strukturellen Benachteiligung von Männern.
Um die Gleichstellungspolitik durchzusetzen, wurde ein System von Gesetzen, Institutionen und Maßnahmen etabliert: Gleichstellungsgesetze, Frauen- bzw. Gleichstellungsbeauftragte, Gleichstellungsstellen, Frauenförderprogramme und Frauenforschungsprofessuren. Eine ganze Armee von Aktivistinnen und Funktionärinnen wacht über ein flächendeckendes Netzwerk von Verwaltung und Kontrolle.
Frauenbeauftragte werden neuerdings zur Täuschung der Öffentlichkeit als Gleichstellungsbeauftragte bezeichnet. Das soll den Anschein von Neutralität, Unparteilichkeit und Gerechtigkeit erwecken. In Wirklichkeit sind Gleichstellungsbeauftragte fast ausschließlich weiblichen Geschlechts. Gleichstellungsprogramme werden von Frauenabteilungen der entsprechenden Ministerien erstellt und koordiniert. Die Zielgruppe der Förderprogramme, und zwar sowohl hinsichtlich der ideellen als auch der finanzielle Förderung, ist immer weiblich. Kurz: Gleichstellung bedeutet die Bevorzugung von Frauen gegenüber Männern.
Die Medien der Bundesrepublik dienen der Gleichstellungspolitik. Täglich lesen und hören wir, dass Frauen unterrepräsentiert sind und dass daher der Anteil von Frauen erhöht werden soll. Täglich werden wir mit Statistiken bombardiert und mit Zahlenspielen gequält, die das beweisen sollen. Alle Medien (Zeitungen, Fernseh- und Rundfunkanstalten als auch das Internet) beteiligen sich an der Indoktrination der Gleichstellungspolitik. An vorderster Front fungiert hier das Internet-Portal Spiegel-online, in dem fast täglich über die angebliche Benachteiligung von Frauen, ihre Gründe und Möglichkeiten ihrer Beseitigung berichtet wird.
Interessanterweise sind es nicht nur die als links bezeichneten Zeitungen und Rundfunkanstalten, wie die Frankfurter Rundschau, die TAZ, der Hessische Rundfunk oder der Deutschlandfunk, die die Gleichstellungspolitik forcieren. Oft hat man den Eindruck, dass die als konservativ geltenden Zeitungen, wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung und die Welt, im Einsatz für die Frauenförderung sowie Gleichstellung und – nebenbei bemerkt - auch für die Einhaltung der political correctness die linken Organe sogar übertreffen.
Ähnlich verhält es sich mit den politischen Parteien. Zwar haben alle im Bundestag vertretenen Parteien die Frauenförderung und Gleichstellung auf ihre Fahnen geschrieben. Paradoxerweise ist es jedoch eine konservative Partei, die CDU, die die  Gleichstellungspolitik am stärksten vorantreibt. Keine rot-grüne Regierung hätte es sich getraut, die Gleichstellungsprogramme so radikal und konsequent in die Praxis umzusetzen, wie es die Bundesministerinnen Annette Schavan und Ursula von der Leyen getan haben und immer noch tun. Dies gilt vor allem für das von der ersteren durchgeführte Programm der Schaffung von 200 Professuren nur für Frauen.  
Jegliche Kritik an der Gleichstellungspolitik wird in Politik, Medien und an den Universitäten im Keim erstickt. Bekannt wurde der Fall eines Mainzer Soziologieprofessors, der in einem noch im Internet kursierenden Aufsatz den Gender-Mainstreaming als „totalitäre Steigerung der Frauenpolitik“ bezeichnet hatte. Er wurde daraufhin von der Universitätsleitung angewiesen, den Aufsatz von seiner Internet-Seite zu entfernen. Der Wissenschaftler schweigt bis heute zu diesem Thema, und zwar aus Angst um seine Arbeit und seine Nachtruhe („Das geschwächte Geschlecht“, in: Fokus 04.11.2008). Gegner der Gleichstellungspolitik fürchten öffentliche Brandmarkung, negative dienstliche Beurteilung, Benachteiligungen bei Bewerbungen und Kürzungen bei der Vergabe öffentlicher Aufträge und Fördermittel - ein klarer Indikator für den repressiven Charakter dieser Politik.

Im dritten Teil geht es morgen um "Die Einmischung der Gleichstellungspolitik in das akademische Leben"





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Kommentare

  1. Mona Politische Spielchen
    07.05.2009 | 20:40

    In Bezug auf Politik und Medien muss ich Alexander Ulfig völlig recht geben. Wer heutzutage als Journalist an Informationen gelangen will, muss sich mit der "Obrigkeit" gutstellen. Schreibt er nämlich seine eigene Meinung und diese korreliert mit der offiziellen Meinung, wird er z.B. zu Gemeindeversammlungen etc. nicht mehr eingeladen und ist somit weg vom Fenster. Dem Mainzer Soziologieprofessor ist es ja ähnlich ergangen.

    Die Bundesministerinnen Annette Schavan und Ursula von der Leyen werden auch von Frauen kritisiert. Der Grund ist, dass viele Frauen den Eindruck haben, die Damen bedienen nur ihre eigene Klasse und kümmern sich wenig um Frau Normalo.

    Wie hier bereits Roslin sagte, müssen viele Frauen mit geringem Gehalt, ihr ganzes Geld für Kinderbetreuung ausgeben, die Tagesmutter oder der Hort sind ja nicht umsonst. Zuhause bleiben können sie auch nicht mehr, weil, wie ich schon einmal sagte, die Hausfrauenehe abgeschafft werden soll, indem man die Witwenrente streicht.

    Wie es ausschaut werden hier nur verschiedene Gruppen gegeneinander ausgespielt, damit sie nicht merken was Sache ist.

  2. S. kein Betreff
    08.05.2009 | 01:32

    Zu den Hinweisen unter dem vorherigen Blogeintrag möchte ich auch noch den folgenden Aufsatz nennen:

    Totalitarianism: Between Religion and Science

    Leider nicht im Volltext frei verfügbar. Es geht darin auch nicht um Feminismus, sondern um das Wesen totalitärer Bewegungen. Erhellende Lektüre.

  3. Roslin Zur Qellenfrage: Mary Daly
    08.05.2009 | 10:46

    @ Joachim

    Die Belege von Herrn Bosshard zeigen, dass viele feministische Ikonen nicht einfach nur von dem Wunsch nach Gleichberechtigung beseelt werden.
    Häufig wird, mehr oder weniger offen, mehr oder weniger verhohlen, ein neurotischer Hass auf alles Männliche sichtbar, der Mann als Erz-und Urfeind der Frau, als Vergewaltiger, Gewalttäter, Tyrann, nicht liebender Vater, Bruder, Geliebter, sondern Dämon, der der Frau die "abscheuliche" Schwangerschaft aufbürdet.
    Der Mann, beneidet, verachtet, gehasst, als übermächtig imaginiert, löst einen tiefen Vernichtungswunsch aus.
    Ich halte es nicht für Zufall, dass viele Wortführerinnen der Bewegung lesbisch orientiert sind.
    So wie die "bedeutenste Radikalfeministin des 20.Jhdts.", die amerikanische Philosophin Mary Daly.
    Sie äußerte in diesem Interview ganz offen ihre Zustimmung zu der Vorstellung, der Männeranteil an der Weltbevölkerung möge sich auf sozial-u. umweltverträgliche 10 % reduzieren lassen.
    Die Interviewerin zeigt sich von dieser Vorstellung schockiert.
    Mary Daly findet es schockierend, dass man darüber schockiert sein kann.
    Erreichbar soll das Ziel sein durch gentechnische Entwicklung der Parthenogenese, bei der ja nur weibliche Nachkommen entstehen.
    Man könnte so die Männer sanft aussterben lassen, müsste sie nicht vergasen, nur den genetisch unverzichtbaren Rest, der soll wohl erhalten bleiben, zu Zuchtzwecken, nehme ich an, ein zutiefst krankes Denken wird hier sichtbar.
    Nachzulesen am Ende, auf S.3, dieses insgesamt lesenswerten Interviews, das vor Hass und Verachtung nur so trieft.
    http://www.enlightennext.org/magazine/j16/daly.asp
    Triebfeder etlicher Radikalfeministinnen ist offenbar der Wunsch nach Vernichtung, nach Demütigung von Männlichkeit an sich, ihre Vertreibung aus der Welt, der Mann als zu beseitigende "Contamination", wie Mary Daly es formuliert, als Verschmutzung der reinen Frau, der reinen Welt, die nach Beseitigung der Unreinlichkeit "Mann" offenbar wieder in ursprünglicher Schönheit erblühen kann.
    Dieses tief neurotische "Gift", das bei Mary Daly in konzentrierter Form sichtbar wird, durchsäuert in verdünnter Form weite Teile der feministischen Bewegung.
    Unvorstellbar, dass diese Bewegung je ein männerfreundliches Weltbild und Weltverständnis entwickeln könnte.
    Man muss diese Ideologie bekämpfen, die nicht nur Männer hasst und verachtet, sondern vor allem auch jene Frauen hasst und verachtet, die es wagen, Männer zu lieben und in Schwangerschaft und Mutterschaft nicht die schlimmste Demütigung sehen, die einer Frau widerfahren kann.
    Sie werden gehasst als Verräterinnen der Schwesternschaft an den Feind, den Mann.

  4. Joachim @Roslin
    08.05.2009 | 12:50

    "So wie die "bedeutenste Radikalfeministin des 20.Jhdts.", die amerikanische Philosophin Mary Daly.
    Sie äußerte in diesem Interview ganz offen ihre Zustimmung zu der Vorstellung, der Männeranteil an der Weltbevölkerung möge sich auf sozial-u. umweltverträgliche 10 % reduzieren lassen."
    ...
    "Man muss diese Ideologie bekämpfen, die nicht nur Männer hasst und verachtet,"

    Keine Frage, solchen menschenverachtenden Ideologien muss man entschieden entgegentreten. Nur ist das ja gar nicht Thema des hier kommentierten Blogbeitrags. Dort lese ich nichts von einer Mary Daly und ihrem Radikalfeminismus, sondern ganz konkret die Behauptung, Männer seien in der Gesellschaft benachteiligt. Nun spüre ich aber von dieser Unterdrückung nichts und möchte deshalb gerne Belege haben. Ist denn das in einem Blog mit wissenschaftlichem Anspruch zu viel verlangt?

    Ihr kommt hier mit den abenteuerlichsten Geschichten, lenkt damit aber nur vom Inhalt des Blogbeitrags ab. Weist doch einfach mal nach, wo Frau Dalys Ideen Eingang in die deutsche Rechtsprechung gefunden haben. Dass es verabscheuungswürdige radikale Ideen gibt, bestreite ich nicht. Ihren politischen Einfluss schätze ich jedoch als gering ein. Beweist mir das Gegenteil.

    Oder kann man das auch nur sehen, wenn man es sehen will?

  5. Patrick @Joachim
    08.05.2009 | 13:15

    Roslin schreibt:
    Dieses tief neurotische "Gift", das bei Mary Daly in konzentrierter Form sichtbar wird, durchsäuert in verdünnter Form weite Teile der feministischen Bewegung.

    Ansonsten, wo "Not am Mann" ist:
    Was wir wollen

    Alle diese Punkte sind bezeichnenderweise nicht Ziel der institutionalisierten "Gleichstellungspolitik", und das deshalb, weil sie feministisch indoktriniert ist. Wenn Du das nicht sehen kannst oder willst, liegt das Problem bei dir, nicht bei den Kritikern.

  6. Peter Bosshard Benachteiligung von Männern@Joachim
    08.05.2009 | 16:04

    Joachim schrieb : "Dort lese ich nichts von einer Mary Daly und ihrem Radikalfeminismus, sondern ganz konkret die Behauptung, Männer seien in der Gesellschaft benachteiligt. Nun spüre ich aber von dieser Unterdrückung nichts und möchte deshalb gerne Belege haben. Ist denn das in einem Blog mit wissenschaftlichem Anspruch zu viel verlangt?"

    Männer werden benachteiligt. Das lässt sich belegen. Hier zwei Belege, die unbestreitbar sind.

    - Militärische Dienstpflicht oder der ersatzweise zu leistende Zivildienst gilt nur für Männer. Eigentlich eine gesetzliche Regelung, die klar gegen den in der Verfassung garantierten Grundsatz der rechtlichen Gleichstellung verstösst, damit verfassungswidrig ist, auch wenn sich das Bundesverfassungsgericht aus politischen Erwägungen nicht zu dieser offensichtlichen Wertung durchringen kann.

    - Selbstbestimmte Vaterschaft : Eine Frau hat das Recht, ein Kind abzutreiben. Sie kann es zur Adoption freigeben oder nach der Geburt anonym in einer Babyklappe deponieren.
    Der Mann hat keinerlei gleichwertiges Recht. Mit gleichwertigem Recht zur Abtreibung ist die Verweigerung der Vaterschaft, die Ablehnung des Kindes gemeint. Hier kann nicht gleiches Recht eingefordert werden, da das Kind im Körper der Frau heranwächst.
    Wir haben es hier mit einem das Geschlechterverhältnis prägendem Interessenskonflikt zu tun. Die Frau entscheidet, einmal schwanger, autonom über ihre und des Erzeugers Reproduktion. Von einer rechtlichen Gleichstellung kann hier keine Rede sein.

    Bei diesen zwei exemplarisch aufgeführten Beispielen handelt es sich um gesetzliche Regelungen, die eine Benachteiligung von Männern beweisen.

    Im Gegensatz zu gesetzlich verankerter Diskriminierung gibt es eine Reihe von sozialen Benachteiligungen, die eine geringere Lebenserwartung von Männern verursacht. Dazu hat der Beitrag von Herrn Ulfig schon eine Menge an Hinweisen geliefert.

    Generell gilt, dass viele Männer Politik machen, dass es aber keine Männerpolitik gibt.

    Meine kurze Ausführung ist nur ein ganz kleiner Ausschnitt der Problematik und soll nur zeigen, dass ich hier nicht von subjektiv empfundener Benachteiligung rede, sondern dass sich ganz konkrete Missstände aufzeigen lassen.

    Allerdings ist das, was ich hier beispielhaft anführe, jedem bekannt. Es ist somit eine Frage der Wahrnehmung, nicht der Information. Darum, ich wiederhole mich, sind Belege nur von geringem Nutzen. Denn wäre es lediglich ein Problem der Information, dann hättest du die Frage so nicht gestellt.

  7. Christophe Witz @ Joachim
    08.06.2009 | 16:13

    Joachim: "die Behauptung, Männer seien in der Gesellschaft benachteiligt. Nun spüre ich aber von dieser Unterdrückung nichts und möchte deshalb gerne Belege haben"

    Neuer Artikel auf BBC News:

    'Men out-performed at university'

    http://news.bbc.co.uk/2/hi/uk_news/education/8085011.stm

    Auszug: "It means changing a mindset that continues to see males as advantaged and females as disadvantaged... that is emphatically not the case in higher education"

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