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- Presseabteilung -
Pressemitteilung vom 07.02.2010
zum Mangel an muslimischen Seelsorgern in den Berliner Haftanstalten
Ungerechtigkeit im Berliner Justizvollzug
Islamische Religionsgemeinschaft fordert Seelsorger für muslimische Häftlinge

Rund 90 Prozent der Häftlinge, die zur Zeit in Berliner Haftanstalten einsitzen, sind Muslime. Sie haben bislang nicht die Möglichkeit, sich mit einem Seelsorger ihrer Konfession zu besprechen. Katholische und evangelische Geistliche werden dagegen vom Staat als Häftlings-Seelsorger bestellt. Die Geistlichen haben Vollzeit-Stellen, die vom Steuerzahler bezahlt werden. Sie verrichten Pionierarbeit im Hinblick auf seelische Betreuung der Gläubigen. Für viele Häftlinge bietet der Seelsorger die einzige Möglichkeit, Sorgen und Nöte zu besprechen und den oft menschenunwürdigen Alltag im Strafvollzug zu ertragen. Besonders die Untersuchungshaft ist für die Häftlinge wegen des so genannten "Haftschocks" eine gefährliche Zeit. Die Zahl der Selbstmorde in der Berliner U-Haft ist besorgniserregend hoch. Zur Zeit kümmern sich die christlichen Angestellten auch um die muslimischen Häftlinge - doch Zeitmangel und kulturelle Schranken verhindern, dass diese Hilfe wirklich ankommt.

Die Islamische Religionsgemeinschaft will das ändern.
Zusammen mit anderen muslimischen Organisationen will sie der Berliner Justizsenatorin Vorschläge zur Verbesserung der Situation unterbreiten. Unter Berufung auf das Gleichstellungsprinzip fordert Abdurrahim Vural: "In der JVA Moabit sind von 08:00 bis 17:00 Uhr christliche Geistliche für die Insassen da. Wir werden uns dafür engagieren, dass auch muslimische Geistliche bereit gestellt werden." Insbesondere im Hinblick auf die hohe Selbstmord-Rate in der Untersuchungshaft findet er diese Entwicklung längst überfällig: "Ein großer Teil der Selbst-Tötungen passiert in der Untersuchungshaft. Während einer Zeit, in der die Ungewissheit das Leben der Inhaftierten bestimmt, ist eine Betreuung durch einen Seelsorger immens wichtig."
Auch im Hinblick auf die angestrebte Resozialisierung will sich die Islamische Religionsgemeinschaft engagieren: "Per Gesetz stehen einem U-Häftling bei Freispruch 13,- € Entschädigung pro Haft-Tag zu. Oftmals haben diese Menschen aber nach einer monatelangen Untersuchungs- oder Straf-Haft - ob nun berechtigt oder nicht - sämtliche Kontakte, Wohnung und Arbeit verloren. In dieser Lage braucht ein Mensch besondere Hilfe, damit er nicht gesellschafts-unfähig oder gar wieder kriminell wird."

Die Islamische Religionsgemeinschaft mit Sitz in Berlin ist satzungsgemäß bestrebt, die Toleranz zwischen den Weltreligionen und den dahinter stehenden in Berlin lebenden Bürgern verschiedener Nationalitäten herzustellen. Sie möchte damit einen Beitrag zu einer besseren, friedlicheren und toleranten Welt leisten. Daher vertritt die Religionsgemeinschaft zwar selbstbewusst die islamischen Lehren, lehnt jedoch ausdrücklich jegliche Form fundamentalistischer Strömungen oder gar Aufrufe zur Gewalt gegen Andersdenkende ab.

Einen Kommentar zu diesem Thema finden Sie auf unserer Internetseite.

Berlin, den 07. Februar 2010

Av. Mehmet Ayhan
Pressesprecher



Mitteilung vom 07.02.2010
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