Schloßbergbahn Graz

Foto:  Verkehrsbilderdienst Rüdiger Zakrzewsky / Schenefeld

Die Schloßbergbahn ist nicht die erste Aufstiegsanlage, welche zum Hausberg der Grazer errichtet wurde. Von 1528 - 1595 führe ein Aufzug von der äußeren Sackgasse zur Fernbergerbastei. Ein doppelter Seilzug lief über Masten, er hatte eine Länge von cirka 300 m. Angetrieben wurde die Anlage durch ein Göpelwerk, in welchem Pferde ihren Dienst versahen. Dieser Aufzug wurde in der Folgezeit bis zur Mur verlängert; 58 Holzstützen trugen das Seil. Hauptaufgabe des Aufzuges war es, Baumaterialien und Wasser für den Festungsbau auf den Berg zu bringen. Ein weiterer, allerdings nur wenige Jahre bestehender Materialaufzug führte Mitte des 16. Jahrhunderts von der oberen Sporgasse in die Nähe des auf dem Berg gelegenen Uhrenturms.

Mit dem Ende der militärischen Präsenz auf dem Schloßberg im Jahre 1856 wandelte sich das Verhältnis der Grazer Bevölkerung zu ihrem Hausberg. Früher schicksalsbeladene Festung, um 1800 ein kahler Ruinenberg brachte erst die Fertigstellung der Schloßbergbahn und die Eröffnung des Höhenrestaurants den Berg den Grazern näher. Ausgangspunkt der Errichtung der Bahn war ein Vortrag von Josef Winter am 15.11.1887 vor dem Grazer Wählerverein mit dem Titel "Soll die Schloßbergbahn gebaut werden oder nicht?". Verschiedene Bahnprojekte standen zur Diskussion. Im Gespräch waren eine Kleinbahn, die Errichtung einer Zahnradbahn sowie der Bau einer mittels Wasserballast angetriebenen Standseilbahn - für dieses Projekt war zunächst ein 31 m langer Tunnel unterhalb der Ausweiche vorgesehen. Am 19. Mai 1983 wurde die Konzession zum Bau der Bahn erteilt - die Trassierung erfolgte so, dass kein Tunnelbau notwendig war. Der Bau begann im August 1893 und bereits im Oktober 1894 war die Anlage fertiggestellt. Eine Besonderheit der ersten Schloßbergbahn war ohne Zweifel die 40 PS starke "stabile Dampfmaschine" in der Bergstation. Ihr Dampfkessel stand allerdings in der Talstation und über Rohre wurde der Nassdampf zur Bergstation geleitet. Besonderheiten der Bahnwaren die in Portlandzement verankerten Querschwellen sowie das aus Tiegelgußstahldraht bestehende Zugseil, welches eine 10-fache Sicherheit aufwies.  In der Mitte der Schiene befand sich eine Bremszahnstange System Riggenbach. Lieferant der offenen Wagen war die Weitzersche Waggonfabrik. Die seilbahntechnische Ausrüstung einschließlich des Antriebs lieferte die bekannte Maschinenfabrik aus dem deutschen Esslingen, die elektrische Installation führten Siemens & Halske durch. Die neue Bahn wurde von den Grazern und ihren Gästen sehr gut angenommen, ebenso die neuen Bewirtungsmöglichkeiten auf dem Berg. Am 3. September 1899 wurde der Dampfbetrieb eingestellt und sieben Monate später öffnete die Bahn wieder - als elektrische Standseilbahn. Den Strom lieferte die Grazer-Tramway-Gesellschaft. Vorbild für die Elektrifizierung war die elektrisch betriebene Bergbahn auf den San Salvatore bei Lugano. Eigner der Bahn war zunächst eine private Aktiengesellschaft, ab 1900 wird die Bahn von den Rechtsvorgängern der heutigen Grazer Verkehrsbetriebe geführt - sie ist integraler Bestandteil des ÖPNV der Stadt. Während der Zeit des II. Weltkrieges verkehrten am Berg weitere Kleinbahnen - sie wurden zum Transport von Schutt eingesetzt, der beim Bau von Luftschutzstollen anfiel. Die Schloßbergbahn selbst erlitt im II. Weltkrieg keine Schäden durch Bomben der Alliierten  - in ihrer Talstation befand sich einer der Eingänge in das 6 km lange System der Luftschutzstollen. Eine der Kleinbahnen wurde auch später noch als "Märchengrottenbahn" in den Luftschutzstollen betrieben. 1954 erfolgte der Austausch des Zugseils; 1958 wurde ein Seilriss simuliert - die Bahn kam nach nur 27 cm zum Stehen. Probleme bereiteten die Luftschutzstollen der Bahn, deren Trasse nur wenige Meter über den teilweise einsturzgefährdeten Hohlräumen hinweg führte. Sanierungen der Stollen waren unerlässlich. 1960/61 erfolgte eine grundlegende Sanierung der Anlage - man sprach sogar von einem Neubau. Die Wagen wurden erneuert - einer der alten offenen Wagen ging an das Technische Museum Wien-Penzing. Den zweiten Wagen erhielt das Grazer Tramway-Museum. Die neuen, nun geschlossenen Wagen lieferte die Salzburger Firma Groß, die Antriebsmaschinen Waagner-Biro und den Generator Elin-Union. Beide Stationen wurden komplett umgebaut. 2004 erfolgte ein weiterer Umbau.

Zur neuesten Generation der Schloßbergbahn schreiben die Grazer Verkehrsbetriebe auf ihrer Internetseite:
"Am 29. Februar 2004 hatte die zweite Generation der Schloßbergbahn nach 43 Betriebsjahren ihren letzten Betriebstag und tausende Grazerinnen und Grazer stürmten diese, um noch ein Erinnerungsfoto zu machen. Am 6. März 2004 wurden die beiden alten Schloßbergbahnwagen in einer spektakulären Aktion mit einem Kran über die Häuserfront gehoben und in die Remise Steyrergasse gebracht.
Nach 43 Betriebsjahren war es unbedingt notwendig, die Förderleistung zu erhöhen und den Raum für die Fahrgäste zu erweitern. Der gesamte Umbau der Berg- und Talstation inklusive der beiden neuen Schloßbergbahnwagen ergab insgesamt eine Investitionssumme von ca: 2,5 Mio. Euro. Außerdem wurde die Schloßbergbahn mit zwei modernen neuen Wagen, welche je 58 Personen transportieren können, ausgestattet. Das Design der Wagen wurde von den Grazer Verkehrsbetrieben in Kooperation mit der Fachhochschule für Industrial Design entworfen. Beide neuen Wagen wurden mit Glasdächern ausgestattet, welche einen wunderbaren Panoramablick von den Wagen aus auf die Altstadt von Graz bieten.
Am 1. August 2004 wurde der Betrieb mit den neuen Panoramawagen im modernen, fahrgastfreundlichen Design wieder aufgenommen. Für die ca. 8.000 Fahrgäste gab es an diesem Tag Freifahrt. Am 12. September 2004 fand in Anwesenheit der Grazer Politik ein Schloßbergbahnfest für die gesamte Familie statt.
Zusätzlich stehen den Schloßbergbesuchern natürlich auch die Schloßberglifte zur Verfügung." 

 

Betreiber: 

Grazer Verkehrsbetriebe, Andreas-Hofer-Platz 15  A-8011 Graz

Eröffnung:               

25.11.1894 (Dampfmaschinenantrieb)

1. Umbau:          

12.04.1900 (elektrischer Antrieb)

2. Umbau:                 

09.12.1961 (komplette Erneuerung)

3. Umbau: 1. 8.2004

Höhe Talstation:   

353,65 m

Höhe Bergstation: 

461,65 m

Höhendifferenz:     

108,00 m

schräge Länge:      

210,36 m

Zugseildurchmesser: 

24 mm

Fahrbetriebsmittel: 

2 zu je 32 / 1961 2 zu je 42 Personen / 2004 2 zu je 58 Personen

Geschwindigkeit:    

1,2 m/s

Fahrzeit:                  

240 s

Förderleistung: 240 (1894); 330 (1961) Personen / Stunde / Richtung

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Bild1: Schloßbergbahn als Baustelle im Jahr 1893. Bild 2: Fahrbetrieb in den Anfangsjahren. Bild 3: Eröffnungsanzeige in der Grazer Tageszeitung November 1894. Bild 4 und 6: Wagen der ersten Generation an der Ausweiche. Bild 5 und 7: Wagen. Bild 8: Entwurf der Bergstation mit Wagen von 1890. Bild 10: Zugangshalle Talstation. Bilder 11 und 18: Blick in den Maschinenraum. Bilder 12, 13 22 und 25: Wagen der neuesten Generation. Bilder 14, 19, 20: Wagen an der Ausweiche.  Bild 15: Blick vom Schloßberg auf Graz. Bild 16: Uhrenturm auf dem Schloßberg. Bild 17: Logo des Betreibers der Bahn. Bild 21: Seilführungsrollen. Bild 23: Wagen bei der Ausfahrt aus Bergstation. Bild 24: Wagenfahrpult.

Fotos: Bild 1 - 11: Reproduktionen aus der Festschrift "100 Jahre Grazer Schloßbergbahn" - mit freundlicher Genehmigung der Grazer Verkehrsbetriebe. Bilder 12 - 17: Verkehrsbilderdienst Rüdiger Zakrzewsky / Schenefeld. Bilder 18 - 25: Alexander Autischer.