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Lebensmittelindustrie

Eine gehaltvolle Branche

Die über 530.000 Beschäftigten in den 5.800 Betrieben der Ernährungsindustrie in Deutschland sorgen dafür, dass die Nahrungsmittel den Bedürfnissen der Verbraucher entsprechen. Einstiegsmöglichkeiten für Hochschulabsolventen und Abiturienten gibt es in den unterschiedlichsten Bereichen.

Juliane Schafranka steht zusammen mit einem Mann in einr Fabrik am Fließband. Darauf fahren Kakao-Packungen vorbei. Juliane und der Mann tragen Schutzkleidung und reden über eine der Kakao-Packungen.

Erhöhte die Produktivität bei der Herstellung von Schokolademasse: Schichtleiterin Juliane Schafranka.

Foto: Privat

Juliane Schafrankas hat an der Technischen Fachhochschule Berlin Lebensmitteltechnologie studiert, jetzt arbeitet sie bei Kraft Foods als Schichtleiterin. Ihr erstes Projekt im Berufsleben war es, die Produktivität der Schokoladenmassenherstellung zu erhöhen. „Hierfür mussten im Vorfeld die technischen Vorraussetzungen analysiert und die entstehenden Kosten kalkuliert werden", beschreibt sie ihre Aufgabe. „Da konnte ich mein technisches Wissen aus dem Studium sehr gut einsetzen", erklärt die 24-Jährige. Als Schichtleiterin ist sie nicht nur für die Produktionsqualität und -menge verantwortlich, sondern fungiert darüber hinaus auch als Schnittstelle zum Management: „Zu meinen Aufgaben gehört beispielsweise, dass ich mich mit der Personaleinsatzplanung auseinandersetze und für die Mitarbeiter meiner Schicht die Personalverantwortung trage", umreißt sie ihr Aufgabenfeld.

Beliebte Großunternehmen

Mit Kraft Foods hat sie sich ein Großunternehmen als Arbeitgeber ausgesucht. Und das ist bezeichnend: Durchforstet man die Rankings der beliebtesten Arbeitgeber nach Unternehmen aus der Lebensmittelindustrie, so sind es vor allem große Konzerne, die bei den Bewerbern hoch im Kurs stehen. Aber trotz der starken Präsenz großer Betriebe, die international agieren, ist die deutsche Ernährungsbranche durch einen hohen Anteil an größeren mittelständischen Unternehmen geprägt. Dabei sagt die Größe eines Unternehmens wenig über den Bedarf an Hochschulabsolventen aus: „Es gibt zum Beispiel auch Unternehmen, die kleiner, aber sehr forschungs- beziehungsweise entwicklungsintensiv sind", erklärt Professor Herbert Buckenhüskes, Präsident der Gesellschaft Deutscher Lebensmitteltechnologen.

Aber egal ob großes oder mittelständisches Unternehmen: es gelten immer höhere gesetzliche Auflagen bei der Herstellung von Lebensmitteln, was Mitarbeiter erforderlich macht, die über eine Hochschulausbildung verfügen. Eingestellt werden Hochschulabsolventen aus den unterschiedlichsten Bereichen. Während im Vertrieb, Marketing und im Bereich Finanzen eher Betriebswirtschaftler eingesetzt werden, so findet man in der Produktion verstärkt Naturwissenschaftler, Ökotrophologen und Ingenieure, die neue Produkte entwickeln oder Prozesse innerhalb der Produktion optimieren. Lebensmitteltechnologen, Lebensmittelchemiker, Chemieingenieure aber auch Maschinenbauer arbeiten in der Lebensmittelproduktion, in der Qualitätskontrolle sowie in der Produktentwicklung, dem so genannten Food Design. Aber auch für Nicht-Akademiker gibt es eine Vielfalt an Berufen in der Branche: vom Brauer und Mälzer über den milchwirtschaftlichen Laboranten bis hin zum Destillateur.

Insgesamt erzielten die mehr als 530.000 Beschäftigten im Jahr 2008 nach Schätzungen der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie einen Branchenumsatz von 155 Milliarden Euro. Das ist eine Steigerung von 5,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Den höchsten Anteil am Umsatz machen Betriebe aus, die Fleisch-, Milch-, Süß- und Backwaren produzieren. Auch Bio-Produkte sind inzwischen immer gefragter. Ein Problem, vor allem für die kleineren und mittelständischen Unternehmen sind allerdings die gestiegenen Agrarrohstoffpreise sowie die höheren Kosten für Energie, Transport und Verpackung.

Ein internationaler Markt

Aber die Branche wächst, als Wachstumstreiber gilt das Exportgeschäft: Laut der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie erzielen deutsche Unternehmen etwa 25 Prozent des Umsatzes im Ausland - Tendenz steigend. Vor diesem Hintergrund verwundert es kaum, dass bei den Bewerbern Sprachkenntnisse und die Fähigkeit, sich auch im Ausland sicher bewegen zu können, vorausgesetzt werden: „Ein Großteil der Produktion in den Werken ist für den europäischen oder globalen Markt bestimmt. Daher nehmen an vielen Arbeitsbesprechungen Kollegen aus unterschiedlichen Ländern teil - Geschäftssprache ist Englisch", erklärt Nikolina Kopping, Leadership Development Managerin bei Unilever. Unilever ist ein weltweit agierender Produzent von Konsumgütern und stellt allein in Deutschland an neun Standorten diverse Artikel von der Instantsuppe bis zur Eiscreme her.

Wer in der Biobranche arbeiten will, sollte, neben Kenntnissen über Lebensmitteltechnik und Qualitätssicherung, auch grundlegendes Wissen über Agrarwirtschaft haben. Bei der Byodo Naturkost GmbH in Mühldorf, einem Bio-Handelunternehmen, wird vorausgesetzt, „dass sich Bewerber zudem mit den Besonderheiten des Bio-Anbaus und den entsprechenden Richtlinien auskennen", erklärt Marketingleiterin Sandra Linner. Das Unternehmen fasst kleine und mittelständische Produzenten von Bio-Produkten zusammen und beliefert den Fachhandel und die Gastronomie.

Kalkulieren oder kreativ entwickeln?

Gerade für die Produzenten von Markenartikeln spielen auch Produktneuheiten eine große Rolle. Stark nachgefragt werden laut Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE) sogenannte Convenience-Produkte, schnelle und unkomplizierte Fertigprodukte. Gesundheitsbewusste Kunden greifen immer häufiger zu kalorien- und fettarmen Health&Wellness-Produkten und generell durchforsten Konsumenten vor allem die Kühlregale nach Produktneuheiten, dem sogenannten „Chilled Food". „Für uns ist es wichtig, immer wieder innovative Produkte auf den Markt zu bringen", betont Christina Hukemann von der Personalentwicklung der Nestlé Deutschland AG. Das betreffe sowohl Premiumprodukte als auch qualitativ hochwertige Produkte für den kleinen Geldbeutel. Entwickelt werde dabei immer mit Blick auf die Kosten, denn schließlich müsse das Produkt auch für den Handel attraktiv sein. Die Verbraucherpreise für Lebensmittel werden zum Großteil von der Preisentwicklung an den internationalen Agrarrohstoffmärkten bestimmt. Der harte Wettbewerb verlangt nach Mitarbeitern, die sicher verhandeln und gut kalkulieren können. Gefragt ist Schnittstellendenken: „Kreative Köpfe, die auch die Produktionskosten im Blick haben", erklärt Christina Hukemann.

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