Portrait: Andreas Bummel

Der Vorsitzende des Komitees für eine demokratische UNO

11.02.2008 Gerrit Wustmann

Bummel mit Boutros-Ghali in Paris - Andreas Bummel
Bummel mit Boutros-Ghali in Paris - Andreas Bummel
Seit über zehn Jahren setzt sich der in Deutschland lebende Aktivist für eine Demokratisierung der UNO durch die Einrichtung einer Parlamentarischen Versammlung ein

Andreas Bummel ist ein idealistischer Realist. Er hat große Pläne, weiß aber, wie sinnvoll es ist, sich kleine Etappenziele zu setzen. Mit diesem Wissen hat er seine Anliegen schon weit gebracht. Mit gerade erst 32 Jahren kann der sympathische „Weltbürger“, wie er sich selber sieht, auf eine interessante Karriere zurückblicken. 1976 in Kapstadt geboren, kam Bummel 1982 nach Deutschland, ins hessische Nauheim, wo er bis 2005 lebte, um daraufhin ins nahe Mainz zu ziehen. Seine Vortragstätigkeit und seine politischen Engagements führen ihn allerdings immer wieder durch Deutschland und die Welt, nach Berlin, Brüssel, London, Madras, New York oder Guadalajara, um nur ein paar wenige Stationen zu nennen.

Karriere

Nach einer kaufmännischen Ausbildung in Frankfurt am Main holte Bummel auf dem zweiten Bildungsweg in Wiesbaden das Abitur nach, studiert seit 2000 Jura an der Mainzer Gutenberg-Universität und arbeitet nebenher als Unternehmensberater mit dem Schwerpunkt "Zukunftsmanagement". Vom parteipolitischen Fingerhakeln in seinem damaligen Wohnort Nauheim entnervt, intiierte er als 18jahriger einen Bürgerentscheid zu einer Umgehungsstrasse, die bis hin zur hessischen Landespolitik für Unruhe sorgte. Im Jahr 2001 wurde er Mitglied der FDP, für die er 2002 und 2005 für den Bundestag kandidierte. 1998, mit gerade einmal 22 Jahren, wurde er in den Council des World Federalist Movement-Institute for Global Policy (WFM-IGP) mit Sitz in New York gewählt, eine Funktion die er mit einer kurzen Unterbrechung bis 2007 innehatte. In dieser Zeit begleitete er unter anderem die Bemühungen zur Einrichtung des Internationalen Strafgerichtshofes in Den Haag, zu deren Erfolg die weltweite Organisation maßgeblich beigetragen hatte. Als Sekretariat der Coalition for the International Criminal Court koordiniert der WFM-IGP seit 1995 die internationalen NGO-Aktivitäten für das Weltstrafgericht.

Neben seiner umfangreichen Arbeit für verschiedene Nichtregierungsorganisationen, darunter auch die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV), deren Vorstand er neuerdings angehört, mag es dieser weltpolitische Erfolg sein, der ihn im Glauben an sein Kernprojekt, die Kampagne zur Errichtung einer Parlamentarischen Versammlung bei den Vereinten Nationen, bekräftigt hat.

Für eine demokratischere UNO

Bummel ist Mitgründer und geschäftsführender Vorsitzender des Komitees für eine demokratische UNO, das seit 2003 existiert. 2004 veröffentlichte er das Strategiepapier „Internationale Demokratie entwickeln“, in dem er detailgenau ausführt, wie eine United Nations Parliamentary Assembly (UNPA) realisiert werden könnte. Vom Exektuivdirektor des WFM-IGP, William Pace, wurde es als "einer der wichtigsten und umfassendsten Beiträge zu diesem entscheidenden Projekt in den letzten zwanzig Jahren" gewürdigt. Es geht Bummel darum, die Weltgemeinschaft, in einem gemeinsamen demokratischen Parlament zu versammeln, dessen Abgeordnete letztlich direkt gewählt werden sollen. Heute seien in der UNO "nur Regierungsbürokraten" vertreten. Seine Kritik an den Vereinten Nationen richtet sich gegen die Bürgerferne und das zutiefst undemokratische Vetorecht, das die Weltorganisation den Einzelinteressen bestimmter Regierungen ausliefert. Dazu soll die Parlamentarische Versammlung zunächst als Nebenorgan der UN-Generalversammlung eingerichtet und später zum Hauptorgan ausgebaut werden.

Man müsse sich darüber klar sein, dass das internationale System nach 300 Jahre alten Prinzipen funktioniere, sagt Bummel im Interview mit dem Nachrichtenmagazin Telepolis: „Ein Konglomerat von 192 Regierungen, die jede ihre eigenen kurzfristigen Interessen verfolgt, ist bestimmt nicht in der Lage, die globalen Probleme effektiv in den Griff zu kriegen. Schon allein deswegen wird sich früher oder später auch die Politik globalisieren müssen. Und mit ihr die Demokratie. Von Otfried Höffe wird das als die dritte demokratische Revolution bezeichnet, die uns bevorsteht. Unser Komitee ist der Auffassung, dass die UNO fundamental gestärkt werden muss. Aber das kann nur funktionieren, wenn die neue UNO auch demokratisch ist. Und hier wird die Parlamentarische Versammlung eine Schlüsselrolle spielen, auch wenn es für manche noch wie Zukunftsmusik klingt.“

Unterstützung

Zusammen mit anderen NGOs startete das Komitee Anfang 2007 die internationale Kampagne für ein UNO-Parlament, deren Sekretariat von Andreas Bummel geleitet wird. In den Monaten April und Mai 2007 gab es Pressekonferenzen in aller Welt, bei denen die umfangreiche Liste der Erstunterzeichner eines Aufrufs für ein UN-Parlament veröffentlicht wurde. Jahrelang hatten Andreas Bummel und seine Mitstreiter Politiker, Wissenschaftler und Kulturschaffende aus Dutzenden Ländern für das Projekt mobilisiert. Allein 400 Parlamentarier aus über 70 Ländern hatten sich bis zum Kampagnenauftakt angeschlossen, dazu Schriftsteller wie Sir Arthur C. Clarke, der Nobelpreisträger Günter Grass oder die Oscar-Preisträgerin Emma Thompson. Zu den glühendsten Unterstützern der Kampagne gehört der ehemalige UN-Generalsekretär Boutros Boutros-Ghali, der im Mai 2007 ein Grußwort an die Initiative gerichtet hat. Darin bekräftigte Boutros-Ghali, dass die Demokratisierung der Globalisierung vorangebracht werden müsse, "bevor die Globalisierung die Grundlagen nationaler und internationaler Demokratie zerstört". Die Etablierung einer Parlamentarischen Versammlung bei den Vereinten Nationen sei dazu ein unverzichtbarer Schritt geworden.

In den nächsten Jahren will Bummel weitere Unterstützer und vor allem eine solide Finanzierung mobilisieren, die für die Umsetzung des Mammutprojekts notwendig sind. Schon heute allerdings gilt die Kampagne als führende Initiative in der Welt, die sich für eine Bürgerkammer bei der UNO einsetzt. Das Europäische Parlament und das Pan-Afrikanische Parlament haben sich hinter das Anliegen gestellt. Daneben hat Bummel aber tatsächlich auch noch Zeit für andere Dinge. Ende 2007 stellte er beispielsweise ein Strategiespiel fertig, dessen erster Entwurf über zehn Jahre zurückreicht und für das er momentan einen Verlag sucht. Im Juni 2007 wurde Bummel für seinen Einsatz für ein Weltparlament vom Bundesverband für Wirtschaftsförderung und Außenwirtschaft mit dem "Vision Award" ausgezeichnet. Einer der anderen Preisträger, die die Auszeichnung in Berlin entgegennahmen, war der Gründer der Grameen-Bank und Friedensnobelpreisträger Muhammad Yunus.

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