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04.09.2010
 

Erdstöße in Neuseeland

Warum die Menschen dem Beben entkamen

Von Axel Bojanowski

Das Beben in Neuseeland ähnelte verblüffend dem auf Haiti: Es hatte dieselbe Stärke, ereignete sich flach unter der Erde nahe einer Großstadt und entstand auf ähnliche Weise. Doch diesmal starben nicht Hunderttausende Menschen, es blieb bei Gebäudeschäden - das hat Gründe.

Hamburg - Ein starkes Erdbeben hat in Neuseeland große Zerstörungen angerichtet; mehrere Menschen wurden verletzt. Schwer getroffen wurde die Stadt Christchurch im Südosten des Landes, wo etliche Häuser einstürzten. In der mit 400.000 Einwohnern größten Stadt der Südinsel wurde der Notstand ausgerufen. Die Stadt habe gewackelt wie von einem riesigen Eisberg getroffen, sagte der Bürgermeister von Christchurch, Bob Parker. Das Beben war auf der gesamten Südinsel des Landes zu spüren.

Das Beben traf die Stadt um halb fünf Uhr morgens. Viele Bewohner liefen in Schlafanzügen auf die Straße. Andere wurden nach Angaben der Feuerwehr in ihren beschädigten Häusern eingeschlossen. Das Strom- und Mobilfunknetz brach zusammen, Trümmer verschütteten Autos und blockierten Straßenzüge. Auch die Gas- und Wasserversorgung wurde unterbrochen. Plünderungen wurden gemeldet. Nach ersten Schätzungen entstand durch die Erdstöße ein Schaden von 1,1 Milliarden Euro.

Und doch: Angesichts der Stärke der Erdstöße muss von einem glimpflichen Ausgang gesprochen werden. Das Beben schüttelte Städte mit ähnlicher Wucht wie jenes in Haiti im Januar, als 260.000 Menschen starben. Beide Naturereignisse ähnelten sich wie Geschwister:

  • Beide Beben hatten die gleiche Stärke: 7,0.
  • Beide Beben ereigneten sich nur wenige Kilometer unter der Erdoberfläche, weshalb ihre Erschütterungen kaum gedämpft wurden.
  • Beide Beben wurden von einer ähnlichen Bewegung der Erdkruste ausgelöst, einer sogenannten Seitenverschiebung: Haiti und Neuseeland sind innerlich zersprungen wie Glasscheiben, Gesteinsnähte durchziehen beide Länder - Erdplatten schrammen seitlich aneinander vorbei. Ruckeln sie voran, bebt die Erde. Die Erschütterungswellen solcher Beben sind besonders zerstörerisch, weil sie den Boden S-förmig verformen. Die meisten Erdbeben in anderen Ländern hingegen ereignen sich an Orten, wo Erdplatten übereinander schrammen.
  • Beide Beben verblüfften die Wissenschaft - sie ereigneten sich an unbekannten Nähten in der Erdkruste. Geoforscher rätseln sogar, ob das Beben in Neuseeland eigentlich aus drei Schlägen bestand.
  • Beide Beben schlugen in unmittelbarer Nähe einer Großstadt zu. Doch während in Port-au-Prince in Haiti Hunderttausende starben, gab es in Christchurch in Neuseeland nur wenige Verletzte.

Der Vergleich beweist: Die Neuseeländer verdanken ihr Überleben der Architektur ihrer Häuser. Zwar begünstigte der Zeitpunkt des Bebens in der Nacht den Ablauf - zur Hauptverkehrszeit wären vermutlich viele auf den Straßen von Trümmern getroffen worden. Viele Häuser wurden schwer beschädigt. Doch entscheidend war, dass die meisten Bauten stehenblieben, die Bewohner nicht verschüttet wurden.

Seit 1855, als ein Starkbeben die Hauptstadt Wellington verwüstete, gelten in Neuseeland Vorschriften für erdbebensicheres Bauen. In Haiti jedoch wurden die meisten Bauten ohne Vorsichtsmaßnahmen errichtet.

Hundertmal größeres Risiko

Die glimpflichen Folgen des schweren Bebens der Stärke 7,0 in Neuseeland belegen ein fatales Gesetz: Naturkatastrophen suchen zumeist arme Länder heim. Die Wahrscheinlichkeit, in einem Entwicklungsland durch ein Naturereignis zu sterben, sei etwa hundertmal größer als in reichen Staaten, hat der Geologe John Mutter von der Columbia Universität in New York berechnet.

In wirtschaftlich starken Nationen werden hohe Summen in die erdbebensichere Architektur der Gebäude investiert. In Neuseeland wurden die Bestimmungen stetig verschärft. Nach dem Wellington-Beben 1855 gab es die Maßgabe, möglichst Holzhäuser zu bauen. Deren Einsturz ist weitaus weniger gefährlich als herabstürzender Beton.

Mitte des letzten Jahrhunderts verbesserten sich die technischen Möglichkeiten, auch Betongebäude mit Stahlstreben zu stabilisieren. Gerade an der Universität in Christchurch haben Ingenieure die architektonischen Möglichkeiten verbessert; die Uni erlangte internationales Renommee.

Der Kollaps muss verhindert werden

Insbesondere größere Gebäude wie Krankenhäuser, Schulen, Hotels und Geschäftsgebäude müssen gesichert werden. Denn große offene Räume im Erdgeschoss müssen viele Stockwerke tragen, schon leichte Erschütterungen können solche Hochhäuser einstürzen lassen.

Seit den sechziger Jahren wurden die Baugesetze in Neuseeland kontinuierlich verschärft. Die wichtigste Maxime der aktuellen Bestimmungen von 1992 lautet: Schwere Schäden im Beton lassen sich bei Starkbeben nicht verhindern - aber der Kollaps eines Gebäudes muss verhindert werden. Die Vorsorge hat nun Tausenden das Leben gerettet.

Auch die neuseeländischen Versicherungsgesetze tragen der Gefahr Rechnung. Beim Abschluss nahezu jeder Versicherung fallen Erdbebenabgaben an. Mit ihnen sollen im Ernstfall Schäden rasch behoben werden. Die Aufräumarbeiten in Christchurch haben bereits begonnen.

Nun geht es darum, die wirtschaftlichen Folgeschäden in Grenzen zu halten. Hier sind auch reiche Länder gefährdet: Auch wenn Gebäude standhalten - nach starken Erdbeben wie jetzt in Neuseeland fallen oft Kommunikations- und Verkehrswege aus.

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insgesamt 10 Beiträge zum Forum...
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Haiti mit Neuseeland vergleichen: Das geht geschichtlich und kulturell nicht! Vor drei Monaten erst war ich alleine in NZ unterwegs, knappe 5000km "from North to South" it meens AKL und zurück: was ich gesehen und erlebt [...] mehr...

gestern, 19:58 Uhr von snurdlebug: Strebsame Menschen anstatt Versagern

Das ist ganz einfach: Neuseeland's Bevölkerung besteht zur Mehrheit aus strebsamen verantwortungsvollen Menschen, die bauen auch solide. Haiti dagegen ist bewohnt von Versagern und Verlierern die nichts Ordentliches zu Wege [...] mehr...

gestern, 19:18 Uhr von j.schiffmann: ...

Keiner ist dort dem "Beben entkommen"! Oder wurden alle kurz vorher weggebeamt? Wer denkt sich nur solche dämlichen Überschriften aus? Denen ist in der Zeit nur nichts auf den Kopf gefallen... mehr...

gestern, 19:18 Uhr von blob123y: Auf der ganzen Welt gibts kein Land das 500 Jahre

von Europaern usw. ausgebeutet wurde , es gibt aber einige Laender die sogar ueber diese Zeitspanne von Arabern im Namen Allahs ausgebeutet wurden. Zu Ihnen kann man nur sagen, eine 6, setzen und hau ab ! mehr...

gestern, 19:03 Uhr von blob123y: Der banale Grund ist

die Neuseelaender bauen Haeuser, die Typen in Indonesien bauen Bruchbuden. Keiner der Hausbauer im laendlichen Indonesien, Thailand, Philippinen usw. haben jemals irgendeine Schulbildung gehabt wo Statik usw. unterrichtet wurde, [...] mehr...

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