Freitag, 17. September 2010

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Hollywood-Komponist Howard Shore in Wien

Der Schöpfer der Musik zu "Herr der Ringe" präsentiert seine Werke im Konzerthaus und recherchiert für den neuen Sigmund-Freud-Film.

Letztes Update am 15.09.2010, 12:11

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mann mit golden globe-trophäe Howard Shore, hier mit dem Golden Globe für die Filmmusik zu Scorseses "Aviator" im Jahr 2005. Komponist Howard Shore ist derzeit in Wien zu Gast, um bei der Filmmusik-Gala "Hollywood in Vienna" am Donnerstag, 16. September, Stücke aus seiner Komposition für die "Herr der Ringe"-Trilogie zu präsentieren. Dabei hat der gebürtige Kanadier derzeit einen ganz anderen Film im Kopf. Er komponiert dieser Tage die Musik zu "A Dangerous Method", dem Sigmund-Freud-Film des Starregisseurs David Cronenberg. "Meine Wien-Reise kommt zu einem sehr günstigen Zeitpunkt", erzählte der 64-Jährige am Dienstag beim Pressegespräch anlässlich der Gala. "Hier kann ich gut recherchieren, gestern war ich bereits im Sigmund Freud Museum."

Bei der Filmmusik-Gala erhält der Oscarpreisträger den "Max Steiner Lifetime Achievement Award". Shore zeichnet für (bis auf eine Ausnahme) alle Filme Cronenbergs seit 1971 verantwortlich, so komponierte er sowohl die Musik für das jüngste Werk des Kanadiers, "Tödliche Versprechen - Eastern Promises" (2007), als auch für frühere Werke wie "Nackter Rausch - Naked Lunch" (1991). Gegenüber der APA erzählte Shore, die Dreharbeiten von "A Dangerous Method", die das Filmteam Anfang des Sommers auch nach Wien führten, seien gerade beendet geworden. Den Soundtrack will er bis Ende November fertigstellen. "Geplant ist, dass der Film dann im Februar bei der Berlinale vorgestellt wird."

Die Vorlage für den Film "A Dangerous Method" bildet das Theaterstück "Die Methode" des britischen Autors Christopher Hampton. "Herr der Ringe"-Star Viggo Mortensen übernimmt in der Filmadaption die Rolle des Psychoanalytikers Sigmund Freud, sein Counterpart Carl Gustav Jung wird vom deutschen Schauspieler Michael Fassbender verkörpert. Zwischen ihnen steht die aus "Fluch der Karibik" bekannte Keira Knightley, die eine Patientin spielt, die an hysterischen Anfällen leidet. Cronenberg hatte Anfang Juli drei Tage lang in Wien gedreht: in der Berggasse, vor dem Cafe Sperl und im Schlosspark des Belvedere.

"Hollywood in Vienna"

Im Rahmen der "Hollywood in Vienna"-Gala am Donnerstag wird unter anderem auch John Axelrod dirigieren. "Es ist erfrischend für einen Dirigenten, wenn Orchestermusiker ein Lächeln im Gesicht haben. Spielt man Bruckner, geht das nicht - doch bei Filmmusik ist das anders." Der amerikanische Dirigent ist begeistert von der Idee, Filmmusik von einem großen Orchester spielen zu lassen. Und setzt diese Idee im Wiener Konzerthaus um: Unter seiner musikalischen Leitung führt das ORF Radio-Symphonieorchester Melodien bekannter Hollywoodproduktionen auf.

Unter dem Titel "Abenteuerwelten" und vor einer Großbildleinwand stehen ein Orchester, ein Chor und Solisten bereit, bekannte Filmmusiken aus "Avatar", "Fluch der Karibik" oder "Jurassic Park" zum Besten zu geben; die norwegische Jazz-Vokalistin Rebekka Bakken wird zudem Shores Oscar-prämiertes Lied "Into the West" (aus "Herr der Ringe - Rückkehr des Königs") performen. Am Dirigentenpult finden sich neben Howard Shore auch der deutsche Komponist Klaus Badelt ("Fluch der Karibik") und der österreichische Komponist Christian Kolonovits ("Nordwand") wieder.


Erfinder der Filmmusik

Bereits zum dritten Mal findet die Gala statt. Für Initiatorin Sandra Tomek liegt Wien als Austragungsort einer Filmmusik-Gala nahe, habe doch der einst in die USA emigrierte österreichische Komponist Max Steiner "die Filmmusik quasi erfunden". "Steiner war der Erste, der Filmmusik mit großem Orchester komponierte", so Tomek. Die Rede ist von seiner Komposition für "King Kong" in den 1930er Jahren. "Ich gehe so weit, zu behaupten", ergänzte Axelrod "bewusst provokant", "dass die Filmmusik als Dritte Wiener Schule bezeichnet werden kann. Österreichische Komponisten wie Steiner und Erich Wolfgang Korngold (komponierte 1934 für Max Reinhardts Film "Ein Sommernachtstraum", Anm.) haben einst den Grundstein zu Filmmusik gelegt, wie wir sie heute kennen."

Um das hervorzuheben, vergibt die Stadt Wien im Rahmen der Gala den "Max Steiner Lifetime Achievement Award". Nach Vorjahres-Preisträger John Barry ("James Bond - Goldfinger") wird heuer der gebürtige Kanadier Howard Shore geehrt, der für seine Komposition der Filmmusik zur "Herr der Ringe"-Trilogie unter anderem drei Oscars und vier Grammys gewann. "Für mich ist es eine Ehre, einen Preis mit Steiners Namen zu erhalten", so Shore beim heutigen Pressegespräch. Ein Teil seiner zweistündigen "The Lord of the Rings Symphony", die bereits mehr als 140 Mal weltweit in Konzerthäusern aufgeführt wurde, markiert den Höhepunkt der Gala am Donnerstag.

Bereits im Vorfeld steht Wien im Zeichen der Filmmusik. Nach dem Auftakt durch die "Film Composers Lounge" im Jazzlokal Porgy and Bess (am Montag), begeisterte am Dienstag vor allem Klaus Badelt beim "International Film Music Symposium" an der Universität für Musik und darstellende Kunst. Neben Howard Shore, der gemeinsam mit dem Filmmusikjournalisten Doug Adams das Buch "The Music of the Lord of the Rings" vorstellte, und Rick Porras, dem Co-Produzenten der Trilogie, wurde Badelt eingeladen, um über seine "Fluch der Karibik"-Komposition zu sprechen. "Nicht schon wieder Piraten", war Badelts Reaktion auf die Einladung nach Wien, "ich habe doch auch gute Sachen geschrieben." Warum Badelt zu einem Vortrag und Workshop im Rahmen des Symposiums geladen war, verstand er jedoch bis zuletzt nicht: "Ich finde es eigentlich lustig, dass es Menschen gibt, die sich dafür interessieren, dass wir Filmmusik machen."

Letztes Update am 15.09.2010, 12:11

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Artikel vom 15.09.2010 12:00 | apa, red. | tem | « zurück zu KULTUR


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