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20.10.2010


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"So weit die Füße tragen" Ein Welterfolg - Dichtung und Wahrheit

Das Buch wurde ein Bestseller, die Verfilmung ein Riesenerfolg. Mit seinem Roman "So weit die Füße tragen" hatte Josef Martin Bauer den Coup schlechthin gelandet. Nach über 50 Jahren sind nun die Tonbänder mit dem Originalbericht aufgetaucht, der dem Roman zugrunde liegt.

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Josef Martin Bauer, Tonbänder zum Roman »So weit die Füße tragen« | picture-alliance/dpa, BR/Zoller

"4 Tonbänder Gespräch Bauer-Rost als Grundlage zu Roman über Sibieren-Flucht Januar 1955" steht auf den vier altertümlichen Agfa-Tonbandschachteln. Die Bänder stammen aus dem Besitz von Martin Ehrenwirth, dem Sohn des Münchner Nachkriegs-Verlegers Franz Ehrenwirth.

Bildergalerie

So weit die Füße tragen - Die Geschichte und ihre Geschichte So weit die Füße tragen Die Geschichte und ihre Geschichte

So weit die Füße tragen - Die Geschichte und ihre Geschichte So weit die Füße tragen | Bild: BR/Zoller

Die Geschichte über den deutschen Soldaten, der nach dem Zweiten Weltkrieg aus russischer Kriegsgefangenschaft flieht, wurde ein Bestseller. Sein Autor Josef Martin Bauer mit einem Schlag weltberühmt. Werfen Sie einen Blick in seine (Roman-)Welt. [BildergalerieBayern] So weit die Füße tragen - Die Geschichte und ihre Geschichte

Acht Stunden Abenteuergeschichte

Auf den Tonbändern hört man acht Stunden lang einen Mann eine mehr als abenteuerliche Geschichte über Gefangenschaft und Flucht erzählen. Gelegentlich wird er unterbrochen. Sein Gesprächspartner Josef Martin Bauer frägt nach, manches ist ihm unklar. Bauer ist Redakteur in Dorfen und bekannter bayerischer Schriftsteller. 1954 hatte er von Franz Ehrenwirth den Auftrag erhalten, die spannenden, aber etwas verworrenen Erzählungen des ehemaligen Kriegsgefangenen literarisch zu bearbeiten.

Blockbuster über Flucht aus Sibirien

So weit die Füße tragen | Bild: BR/Dittlmann

Bild vergrößern Bildunterschrift: Eine Ausgabe der 8. Auflage von "So weit die Füße tragen"

Aus den Tonbandsitzungen destillierte er den Rohstoff für seinen bewegenden Flüchtlingsroman "So weit die Füße tragen". Das Buch erschien 1955 und wurde mit einer geschätzten Auflage von zwei Millionen Exemplaren und fünfzehn Übersetzungen zum Welterfolg. Durch die Fernseh-Verfilmung von Fritz Umgelter (1959) - einer der ersten sogenannten "Straßenfeger" der frühen Fernsehjahre - prägte sich der Stoff endgültig ins kulturelle Gedächtnis der Deutschen ein: Ein einzelner Mann, von Bauer „Clemens Forell“ genannt, schafft das Unglaubliche. Er enflieht der Hölle des Bleibergwerks am Ostkap und schlägt sich in drei Jahren riskanter Flucht nach Persien durch. Weihnachten 1952 trifft er schließlich wieder zuhause in München ein.

Unbekanntes Manuskript

So weit die Füße tragen | Bild: Martin Ehrenwirth

Bild vergrößern Bildunterschrift: Cornelius Rost im Jahr 1958 während einer Pressekonferenz bei einer Londoner Zeitungsredaktion.

Der Hörfunkautor Arthur Dittlmann stellt in seinem mehrteiligen Radio-Feature die (Tonband-) Berichte "Clemens Forells", der in Wirklichkeit Cornelius Rost hieß, vor. Dabei geht es – im Unterschied zum Roman – auch um die Vorgeschichte: Der deutsche Soldat Rost geriet laut seinen eigenen Erzählungen 1942 in russische Gefangenschaft und wurde zu 25 Jahren Zwangsarbeit am Cap Deschnew im äußersten Osten Sibiriens verurteilt. Diese Vorgeschichte hat Rost selbst in den 60er Jahren in einem "Tatsachenroman" mit dem Titel "Unternehmen Konterbande" verarbeitet. Auch aus diesem bisher unveröffentlichten und völlig unbekannten Romanmanuskript wird in dem Feature zitiert.

Die wahre Geschichte

So weit die Füße tragen | Bild: BR/Dittlmann

Bild vergrößern Bildunterschrift: Dr. Jürgen Zarusky, Historiker

Arthur Dittlmann hat bei seinen mehrmonatigen, intensiven Recherchen zu Entstehungsgeschichte und Hintergründen eines der berühmtesten Romane der Nachkriegszeit mit anerkannten Historikern aus ganz Deutschland gesprochen. Er stellte Anfragen in zahlreichen einschlägigen Archiven in ganz Deutschland und Russland und entwirft ein hochspannendes Bild.

Sein dreiteiliges Feature "’So weit die Füße tragen’. Ein Welterfolg – Dichtung und Wahrheit" erlaubt erstmals einen Blick hinter die Kulissen des berühmtesten Nachkriegsromans und wirft ein neues Licht auf ein Stück Literatur, das als Fernsehserie, als Kinofilm und nun auch als erzählte Autobiographie in das kollektive Gedächtnis der Deutschen eingegangen ist.

Zur Person

Arthur Dittlmann

Arthur Dittlmann | Bild: BR/Natasha-I. Heuse

Bildunterschrift: Arthur Dittlmann

  • geboren 1958 in Burghausen
  • Studium der katholischen Theologie, anschließend Germanistik
  • seit 1989 beim BR/Hörfunk
  • starkes Interesse an bayerischen Themen: bayerische Typen, bayerische Literatur, bairische Sprache; darüber hinaus auch an Zeitgeschichte, Ökologie, Erziehung und Musik - also: am Leben überhaupt...


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