brainlogs Geschlechtsverwirrung

Apropos Queer: "... aus machtpolitischen Gründen widersprechen..."

von Ferdinand Knauß, 14. November 2010, 21:15

Zitate aus Publikationen der Gender-Forschung und vor allem der Queer-Theorie sind machmal nahe dran an der RealsatireGünter Buchholz, der hier auch schon einen Gastbeitrag schrieb, hat mir freundlicherweise diesen Flyer von der Universität Oldenburg zukommen lassen. Lachen erlaubt!

 Flyer_Queer_as_...aussen.pdf

 

Flyer_Queer_as_..._innen.pdf

 

Menschen außerhalb dieser Szene nehmen die Theorien und vor allem die politisch-gesellschaftlichen Forderungen daher meist nicht ernst. Beim Lachen über den Stil und die Absurdität des Inhalts sollte man sich aber nichts vormachen. Wie Leser Roslin gestern schon schrieb: Diese Leute arbeiten wirklich an der Umsetzung ihres Programms ("aus letztlich machtpolitischen Gründen" heißt es in dem Flyer ganz offen). An den Universitäten, indem sie zunächst dafür sorgen, dass ihre Ideen in allen Fächern zum integralen Bestansteil des Lehrplans werden. Wer das nicht glaubt, kann hier nachsehen, in welcher Weise "Gender in gestufte Studiengänge" Einzug halten soll. Das betrifft sogar Studiengänge wie Önologie (Weinkunde). Kein Witz!

Und jetzt kommt mit Susanne Baer eine Professorin aus diesem akademischen Umfeld ins Bundesverfassungsgericht. Anatol Stefanowitsch (A.S.), der um "gerechte Sprache" bemühte Blogger und Linguistik-Professor, mag mich als "vernagelt" und "mit tieferer Recherche überforderten" Mann mit "Selbstwertproblemen" beschimpfen, da ich sie als Ideologin bezeichne. Ich habe mich nicht mit ihrer juristischen Literatur, aber mit den Aktivitäten des von ihr geleiteten GenderKompetenzZentrums an der Humboldt-Universität einigermaßen gründlich beschäftigt. Und daher kann ich nur wiederholen: Ich bin besorgt, wenn eine Juristin übers Grundgesetz wachen soll, die nicht nur "Gender-Kompetenz", sondern wie im vorausgegangenen Beitrag zitiert, auch "Queerversity" fordert.





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Kommentare

  1. J. Wer fordert hier
    15.11.2010 | 00:08

    "Ich bin besorgt, wenn eine Juristin übers Grundgesetz wachen soll, die nicht nur "Gender-Kompetenz", sondern wie im vorausgegangenen Beitrag zitiert, auch "Queerversity" fordert. "

    Tja, dann recherchieren Sie aber tatsächlich (aus journalistischer Perspektive) unsauber, denn oben genannte Forderung stammt aus dem Team, das nach Susanne Baers "Ausstieg", die Leitung über das Zentrum übernommen hat. Ob das mit der Meinung und den Forderungen der neuen Verfassungsrichterin übereinstimmt, wäre erst noch zu belegen, nicht?!

    [Richtigstellung von Ferdinand Knauß: Wenn Sie Interna aus dem GKZ kennen, dann nur raus damit. Ich halte mich bis dahin an die dokumentierte Verantwortlichkeit der Frau Baer, so wie Sie auf der Homepage steht. Hier ein copy-and-paste des Impressums des GKZ (http://www.genderkompetenz.info/impressum), vor einer Minute: Dieses Internetangebot wird herausgegeben vom: GenderKompetenzZentrum an der Humboldt Universität zu Berlin Juristische Fakultät Unter den Linden 9 10999 Berlin Tel.:49 (0)30 Fax:49 (0)30 mail@genderkompetenz.info Verantwortlich: Prof.Dr. Susanne Baer, Direktorin ]
  2. Roslin @ F. Knauß
    15.11.2010 | 00:48

    Auch diese Flyer beruhigen mich nicht.
    Bis vor kurzem sagte mir Queer nichts.
    Nun kenne ich ganze 3 Queer-Theoretikerinnen namentlich, und alle 3 sind weiblich und lesbisch.

    So ein Zufall aber auch.

    Auch dem Flyern nach zu schließen, scheint weiblich zu sein ganz elementar wichtig bei der Queerwerdung und, so vermute ich, schließlich ist das Schwulen-und Lesbenreferat prominent mit von der Partie, lesbisch sein kann auch nicht schaden.

    Kommen Männer vor, scheinen diese vor allem schwul zu sein.

    Rationales Denken und das Bemühen um Empirie und eine verständliche Sprache scheinen dagegen weniger essentiell bei dieser Richtung, die sicher jede Form von "Essentialismus" ohnehin in die queere Hölle verdammt.

    Hier scheint sich eine In-Group ihre Ideologie gebastelt zu haben mit keinem geringeren Ziel, als die Normalität selbst zu zertrümmern, um sich endlich warhaft befreit zu fühlen von allen Zwängen.
    Eine selbstreferentielle In-Group, die sich hinter einer hochtrabenden Kunstsprache verbirgt, die alles Verstehen erschwert, Nachfragen einschüchternd abweist mit Verweis auf die vorgebliche, schröckliche Gelehrsamkeit, die zum Verstehen nötig sei.

    Ist das das Gegenstück zu heterosexueller Homophobie, die hier ideologischen Ausdruck findet, eine homosexuelle Heterophobie?

    Die Mittel abgreift, ohne sich irgendeinem demokratischen Diskurs zu stellen.

    Ich wette, 99,9% der Bevölkerung wissen mit Queer nichts anzufangen und selbst bei den Grünen dürften jenseits einiger schwul-lesbischer Arbeitskreise kaum jemand auffindbar sein, der mit dem Begriff etwas anzufangen weiß.

    Und von den Herrschaften zu verlangen, sich zu erklären, scheint müßig angesichts der Sprache, die sie benutzen.

    Sich in diese Thematik einzuarbeiten ist jedoch angesichts der benutzten Sprache eine ästhetische, eine logische Zumutung.

    Dabei ist mein Verdacht, hier handele es sich lediglich um die jüngste Variante von des Kaisers neuen Kleidern noch die harmloseste Vermutung.

    Warum begegnet mir immer Top-Down, Hintertreppe, Hinterzimmer, Diskurs im kleinen abgeschotteten Zirkel?

    Aber dann die Anmaßung, Naturwissenschaftlern, Medizinern zu erklären, wie sozial konstruiert doch ihr Arbeiten sei, wie wichtig queere Ansätze bei ihrer Erkenntnisgewinnung doch seien.

    Mir kräuseln sich die Zehennägel vor Misstrauen.

    Am Ende stellt sich heraus, dass biologisch-medizinisch-neurophysiologische Forschung, die sich mit Geschlechtsunterschieden beschäftigt, queer zuwider läuft, keine Gelder mehr beanspruchen kann, weil sie die "wahre" Gleichstellung, die ganz große individuelle "Freiheit" von jeder Normalität behindert, ergo gegen Menschenrechte verstößt, sexistisch ist, verboten gehört.

    Das wäre dann die passende Weltanschauung zu Sennetts "Diktatur der Minderheiten", die die Mehrheit abschaffen wollen, um endlich als "normal" gelten zu können.

  3. Augustin PC
    15.11.2010 | 01:14

    Ich frage mich, warum Vertreter der Naturwissenschaften (Evolutionsbiologie, Biologie, Medizin, Hirnforschung ...) nicht schon lange gegen GM aufbegehren, welches ja letztlich zu diametral entgegengesetzten Ergebnissen kommt und nicht selten die "Biologistischen Wissenschaftszweige" in generi in Frage stellt.

    Hört man zwei Evangelikale die Evolutionstheorie in Frage stellen, veranstaltet Dawkins eine mediale Hinrichtung - nun gut, bei evangelikalen Christen handelt es sich ja nur um eine gewollte Minderheit, die kann man ja "political incorrect" auf die Schlachtbank führen.

    Das wird noch ein böses Ende nehmen!

  4. Roslin @ Augustin
    15.11.2010 | 01:29

    **Ich frage mich, warum Vertreter der Naturwissenschaften (Evolutionsbiologie, Biologie, Medizin, Hirnforschung ...) nicht schon lange gegen GM aufbegehren, welches ja letztlich zu diametral entgegengesetzten Ergebnissen kommt und nicht selten die "Biologistischen Wissenschaftszweige" in generi in Frage stellt.**

    Ich vermute, weil die sich darum schlicht nie gekümmert haben.

    Naturwissenschaftler begegnen ja mit sträflicher Verachtung dem Treiben der kulturwissenschaftlichen Kollegen.

    Wer hat denn Lust, sich durch Texte zu fressen, die in einer Sprache verfasst sind, die den Verdacht nahelegt, dass man nach Durchackern des Textes nicht klüger ist als zuvor?

    Dabei verkennen Naturwissenschaftler sträflich die Macht der Geisteswissenschaften, denn die formatieren die Hirne derer, die die öffentliche Meinung produzieren.

    Die können Mehrheiten beeinflussen, organisieren, Wahlen mitentscheiden, die Auswirkungen haben auf Forschungsetats, Stellenpläne etc.

    Bisher flog Queer unterhalb des Radars der allermeisten Naturwissenschaftler, die dazu neigen, das als "Laberwissenschaft" abzutun.

    In Kunstsprache gegossenes Wunschdenken ohne jede empirische Basis, ohne jeden Halt in der Realität.

    Helena Cronin sagt doch über die Lehren der Kollegin Butler schlicht nur, dass sei balderdash = Geschwätz.

    Und wenn ich mir ansehe, welches Publikum in Berlin zu den Vorträgen von Frau Butler pilgert, na, da hab' ich den Verdacht, das ist die neue Erlösungsreligion der schwul-lesbischen Leidensgemeinschaft, die daran leidet, dass die Mehrheit immer noch zwangsheteronormativ heterosexuell ist.

    Und Frau Butler verspricht die Hoffnung auf Erlösung.

    "Wissenschaft" als Funktion persönlicher, sexueller Identitäts-und Orientierungsprobleme.

  5. JP AS...
    15.11.2010 | 09:49

    Vielleicht ist AS nur die lange verleugnete männliche Seite von Alice Schwarzer? ;-)
    Wie auch immer, lassen Sie doch die Seitenhiebe, und denken Sie an das schöne bairische Sprichwort: "Was stört es die Eiche, wenn sich die Wildsau an ihr reibt?" Zu einer geisteswissenschaftlichen Professur kommt man nun mal nicht durch Fachkompetenz auf irgendeinem Gebiet, sondern durch Vitamin B und die richtige Meinung zu rechten Zeit. Fachwissen und klarer Verstand sind da im Zweifelsfall eher hinderlich.

    Warum die Naturwissenschaften sich nicht gegen den Genderblödsinn wehren? Bis jetzt vermutlich ganz einfach deshalb, weil man erstens nicht dafür bezahlt wird (und auch Naturwissenschaftler müssen ihre Familien ernähren) und man zweitens schlicht keine Zeit hat, jeden Blödsinn zu widerlegen. Erst wenn der Unfug ordentlich nach oben poppt (Velikovsky sei mal als Beispiel genannt), und die öffentliche Debatte unvermeidbar wird, erst dann werden auch die Argumente der Naturwissenschaftler kommen. Gender Mainstreaming ist außer in ein paar bürokratischen Zirkeln auf politischer Ebene bis jetzt ein reines Kunstprodukt einiger weniger Unis.
    Ein kleiner Seitenhieb wurde ja dennoch schon geführt: Sokal/Bricmont und ihr "Eleganter Unsinn", sollte man gelesen haben - falls man noch Respekt vor den Geisteswissenschaften hatte, wird man hier gehelit ;-) (ja, auch in den Geisteswissenschaften gab und gibt es intelligente und vernünftige Denker, nur haben im Moment halt leider die ideologischen Hohlschwätzer die Überhand)

  6. Mona Gender in der Schule @JP
    15.11.2010 | 10:57

    "Gender Mainstreaming ist außer in ein paar bürokratischen Zirkeln auf politischer Ebene bis jetzt ein reines Kunstprodukt einiger weniger Unis."

    Anscheinend haben Sie keine Kinder, denn in den Schulen ist das "Kunstprodukt" Gender schon längst angekommen. Geben Sie doch einmal die Begriffe "Gender" und "Schule" in die Suchmaschine ein und Sie werden sich wundern.

  7. Augustin GM
    15.11.2010 | 11:01

    Meine Herren,
    meines Erachtens unterschätzen Sie das Problem. Hier wird nichts nach oben schwappen können, dass dann diskutiert wird. Eine allfällige Diskussion wird dann rechtlich gar nicht mehr möglich sein, so weit sind wir schon. Unterschätzen Sie dieses schleichende Problem nicht!!

    Dass GM nur in wenigen Zirkeln "verstanden" wird, wobei verstehen wohl mit der "Durchsetzung eigener machtpolitischer Interessen" gleich zu setzen ist, ist Absicht. Würde der Durchschnittsmensch nämlich damit konfrontiert, wäre die ganze GM-Geschichte schnell vorbeit. Darum muss man im Hintergrund die Gesetzgebung dahingehend ändern und die Menschen zu ihrem Glück eben ZWINGEN. Und genau das stellt für mich einen faschistoiden Akt dar.

    Der Verweis auf die Diktatur der Minderheiten ist gut gewählt. Dass es noch um Gleichstellung in irgendeiner Form geht ist reinste Utopie. Es geht darum, die Mehrheit zu überzeugen, dass die Minderheit nicht toleriert wird sondern diese Recht hat - und damit wirds pathologisch. Dies in allen Bereichen, von klimatechnischen Fragen bis hin zu sexualethischen "anything goes" Verhaltensweisen.

    Interessant allerdings ist, dass sich langsam auch einige Homosexuellenvertretungen gegen GM wenden, da sie bemerken, dass auch ihre sexuelle Identität verwischt oder in Richtung selbstgewählter Rollen negiert werden soll. Somit sind wir an einem neuen Punkt angekommen, in dem sich langsam die Minderheiten untereinander offen bekämpfen.

    Ein interessanter Punkt ist auch, dass vor kurzer Zeit sog. a-sexuellen Vertreter auf den "Minderheitenmarkt" gekommen sind, und sich nicht nur von überall zugänglicher Gewaltpornografie, der öffentlichen Übersexualisierung der Menschen, sondern eben speziell auch von hetero- und homosexuellen Paaren, welche sich in der Öffentlichkeit küssen, in ihrer a-sexuellen Identität diskriminiert fühlen.

  8. JP Gender und Schule
    15.11.2010 | 12:08

    @Mona
    Doch, ich habe Kinder, beide schon in der Schule. Vermutlich haben Sie recht, daß zum teil auch dort (abhängig von den Lehrkräften) der Unsinn bereits sein Unwesen treibt. Bis jetzt sind meine Kinder allerdings einigermaßen davon verschont geblieben, und ich denke die Praxis ist zum Glück noch um Größenordnungen weniger weltfremd als die Theorie, die sich in den Pamphleten von ein paar Gendertanten ausbreitet.
    Wie sieht es eigentlich an den Unis aus? Hat der Schwachsinn, der in dem Link "Gender in gestuften Studiengängen" zu finden ist, tatsächlich schon Eingang in Lehrpläne gefunden, oder sind das bis jetzt noch feuchte Genderträume? Wenn das Realität wäre, wäre es natürlich wirklich schlimm, denn dann könnte man sich der Sache nicht mal mehr durch Wahl eines technischen Studiengangs entziehen.

  9. Roslin kein Betreff
    15.11.2010 | 12:21

    "und man zweitens schlicht keine Zeit hat, jeden Blödsinn zu widerlegen. "

    Und weil Naturwissenschaftler es nicht wagen, zu vermuten, dass das, was ihnen auf den ersten Blick als Blödsinn erscheint, könne tatsächlich genau der Blödsinn sein, nach dem es aussieht.

    Sie sind dann doch eher geneigt, anzunehmen, die lieben geisteswissenschaftlichen Kollegen werden schon wissen, was sie da tun und schließlich sei man doch Naturwissenschaftler, verstehe nicht genug von der Materie und das gehe einen schließlich auch gar nichts an.

    Aber hier maßen sich ja Geisteswissenschaftler eine Richterfunktion über die Ursachen von Phänomenen an der Schnittstelle Natur/Kultur an, indem sie einfach dogmatisch dekretieren, geschlechtstypisches Verhalten sei zu 100% soziokulturell erzeugt, Natur habe darauf keinerlei Einfluss, ja eigentlich gäbe es eine Natur jenseits der kulturell geformten Wahrnehmung gar nicht.

    Und dabei scheint sie weniger das Streben nach Erkenntnis umzutreiben als der Verfolg einer politischen Agenda in eigener Sache, die Abarbeitung persönlicher Betroffenheiten.

    Weshalb man großzügig auf das Unterfüttern der steilen Thesen mit Empirie verzichtet.
    Statt dessen Spekulationen mit Interpretationen "beweist" und das ganze Denkgebäude gegenüber "Unbefugten" mit einer Sprache abschottet, die den Verdacht erregt, die, die sie gebrauchen, haben Angst davor, verstanden zu werden.

  10. Balanus kein Betreff
    15.11.2010 | 12:34

    Augustin schrieb:


    Ich frage mich, warum Vertreter der Naturwissenschaften (Evolutionsbiologie, Biologie, Medizin, Hirnforschung ...) nicht schon lange gegen GM aufbegehren, welches ja letztlich zu diametral entgegengesetzten Ergebnissen kommt und nicht selten die "Biologistischen Wissenschaftszweige" in generi in Frage stellt.

    Ich übersetze GM jetzt mal einfach mit Queer-Theorie, denn darum geht es hier ja letztlich.
    Nun denn, nach meinem ersten Eindruck stehen die Kernaussagen der Queer-Theorie keineswegs im Widerspruch zu den Auffassungen der modernen Biologie. Ganz im Gegenteil.

    Mag sein, dass dies noch nicht von allen Queer-Theoretikern erkannt wurde, aber die ganze Geschichte ist ja noch relativ jung und unfertig.

    Das Wesen des Lebendigen besteht unter anderem auch darin, dass es keine scharfen Grenzen kennt. Bei näherem Hinsehen gibt es keine scharfe Grenze zwischen lebender und toter Materie, keine zwischen den Arten und, wen wundert's, auch keine zwischen den Geschlechtern. Die Natur oberhalb der Quantenwelt ist gekennzeichnet durch fließende Übergänge. Dem trägt die Queer-Theorie, so wie ich sie in erster Näherung verstanden habe, Rechnung.

    Außerdem scheinen Queer-Theoretiker (oder zumindest manche davon) verstanden zu haben, dass unsere Vorstellungen von der Welt genau das sind, nämlich unsere eigenen, selbst gemachten, selbst konstruierten Vorstellungen. Auch da sehe ich keinen Widerspruch zum biologisch-evolutionären Verständnis von den Lernprozessen autonom lebender Systeme.

    Kurz: Die Queer-Theorie scheint mir ein großes Potential zu haben, gerade weil sie – im Kern – nicht im Widerspruch zu den Naturwissenschaften steht.

  11. A.S. A.S.
    15.11.2010 | 13:37

    Auf die entfernte Möglichkeit hin, dass es irgendjemanden hier tatsächlich interessiert, was Prof. Baer zu Diversität und Gleichberechtigung zu sagen hat, empfehle ich diesen Text:

    http://migration-boell.de/web/diversity/48_2635.asp

  12. Christian machtpolitik
    15.11.2010 | 14:20

    "aus letztlich machtpolitischen Gründen"

    Das muss aber in diesem Zusammenhang nicht bedeuten, dass sie ihre Auffassung für falsch halten. Denn nach Foucault, wenn ich das richtig verstanden habe, ist die Geschlechterrolle ja gerade dazu konstruiert worden, Macht über die Menschen auszuüben. Ein Aufbrechen der nach dieser vorstellung frei konstruierten Geschlechterrolle ist daher immer Machtpolitik.

    Die Queertheorie ist bereits in ihrer Grundannahme, dass wir vollkommen frei in der Rollenwahl sind und insbesondere auch bezüglich der Zwangsheterosexualität grundlegend falsch. Aber die Argumente liegen teilweise sehr weit auseinander. Die naturwissenschaftler würden etwas zu den Vorteilen der zweigeschlechtlichkeit sagen und die Queertheoretiker würden anführen, dass die Zweigeschlechtlichkeit ja schon eine falsche Annahme ist und alles nur diskursbestimmt ist.

  13. Augustin GM
    15.11.2010 | 15:01

    @ Belanus
    Sie sind ja ein Schelm.

    "Das Wesen des Lebendigen besteht unter anderem auch darin, dass es keine scharfen Grenzen kennt. Bei näherem Hinsehen gibt es keine scharfe Grenze zwischen lebender und toter Materie, keine zwischen den Arten und, wen wundert's, auch keine zwischen den Geschlechtern."

    Sie schreiben, dass das Wesen des lebendigen UNTER ANDEREM AUCH darin besteht, dass es keine scharfen Grenzen kennt. Und gehen über vom Lebendigen zur toten Materie.

    Sie haben das Rätsel der Evolutionstheorie, jeglicher Philosophie gelöst - wie kann Materie zu Leben werden, und gleich noch das Wesen dazu gefunden und erörtert. Allein durch näheres Hinsehen. Ich gratuliere Ihnen. Wenn dem so ist, muss es doch ein Leichtes sein, aus toter Materie Lebendiges zu machen, die Grenzen sind ja nur fließend.

    Sie Schelm sie! Ich schlage Sie für den Nobelpreis vor.

    "Außerdem scheinen Queer-Theoretiker (oder zumindest manche davon) verstanden zu haben, dass unsere Vorstellungen von der Welt genau das sind, nämlich unsere eigenen, selbst gemachten, selbst konstruierten Vorstellungen."

    Hier haben wir wieder ein großes Problem postmoderner Argumentation. Lassen wir einmal die naturwissenschaftliche Komponente von "selbstproduzierten", bewußten Vorstellungswelten beiseite.

    Wenn Sie von "verstanden haben" und "wir" sprechen, setzen Sie eine verallgemeinernde Behauptung über sich selbst hinaus. Wenn nun aber alles Diskurs ist, dann können sie dies gar nicht verallgemeinernd behaupten - objektive Wahrheit gibt es ja nicht -, und für mich gilt ihre Behauptung z.B. nicht. Wenn dieses "Wir" nun nicht Menschen ausschließen soll - wäre doch unfein in einer PC-Welt -, dann ist ihre Behauptung letztlich falsch, da schon ein negatives Gegenbeispiel ihre verallgemeinernde Behauptung negiert.

    Es gibt natürlich einige Auswege, die aber allesamt faschistoide Züge zeigen.
    - Ich bin zu dumm dies zu verstehen.
    - Ich muss dahingehend "erzogen" werden.
    - ...

  14. Peter kein Betreff
    15.11.2010 | 15:03

    AS:"Auf die entfernte Möglichkeit hin, dass es irgendjemanden hier tatsächlich interessiert, was Prof. Baer zu Diversität und Gleichberechtigung zu sagen hat, empfehle ich diesen Text:"

    Den ich gelesen habe.

    S.Baer:"In § 5 des AGG ist von „Positiven Maßnahmen“ die Rede. (1) Das ist ein rechtspolitischer Fortschritt. Der Gesetzgeber bekennt sich zu der Notwendigkeit, strukturelle Ungleichheiten auch aktiv ausgleichen zu müssen, um tatsächlich Chancengleichheit zu erzielen. Zudem spricht der Gesetzgeber nicht von „umgekehrter Diskriminierung“ (wie einige Gegner von Fördermaßnahmen in der rechtswissenschaftlichen Literatur) oder von „Bevorzugung“ (wie, neben Benachteiligung, in Art. 3 Abs. 3 Satz 1 des Grundgesetzes). Vielmehr stellt das AGG auch schon in § 1 klar, dass „Diskriminierung“ ein Verhalten ist, das benachteiligend wirkt, während „Differenzierung“ auch Nachteile beseitigen kann, ohne dass dies in gesellschaftlich ungleichen Verhältnissen einer Bevorzugung gleich käme."

    Geschickt eingefädelt, Frau Baer. Diskriminierung wird zur "Beseitigung von Nachteilen" umgedeutet.
    Frau Baers Artikel verklärt mehr als er erklärt.

    Frau Baer weiter:"
    „Bevorzugung“ – von wem?

    Zum AGG heißt es in der Begründung weiter, „aus sonstigen Gründen erlaubte Bevorzugungen“ seien „durch die Vorschrift nicht berührt“, wie z.B. der Vaterschaftsurlaub. Es kann durchaus irritieren, warum es strategisch in Deutschland sinnvoll ist, dieses Beispiel zu nennen. Wem müssen hier welche Ängste genommen werden? Männern, die meinen, zu kurz zu kommen? Hier wird jedenfalls suggeriert, dass auch weithin Privilegierte – hier: Männer - von Maßnahmen gegen Diskriminierung mit profitieren werden."

    Frau Baer gibt sich ja reichlich Mühe mit ihrem Geschwätz vom "Postkategorialen Antidiskriminierungsrecht", doch ihre Nebelpetarden können nicht darüber hinwegtäuschen, wohin die Reise gehen soll. Sie kann halt nicht aus ihrer Haut, indem Sie mal eben so DIE MÄNNER als weithin privilegierte Gruppe identifiziert.

    Netter Versuch, Frau Baer.

  15. Gareth kein Betreff
    15.11.2010 | 15:40

    Ich finde die Flyer, die an den Unis verteilt werden, wo es dann auf einmal people of colour heißt und mehr lesbische Professorinnen gefordert werden, auch immer tierisch albern und weiß, dass da dieselben Weltverbesserer sitzen, die auch sonst immer abstruse Forderungen stellen. Mich interessiert die ganze Gender-Theorie eigentlich überhaupt nicht.

    Aber das was sich hier auf diesem Blog und in den Kommentaren bietet, ist wirklich Heteronormativität zum Gruseln.

  16. Roslin @ AS
    15.11.2010 | 15:41

    Ein schauderhaftes Dokument, dass Sie da verlinkt haben: die Gründungs-und Rechtfertigungsschrift für den Aufbau einer riesigen Gleichstellungsplanwirtschaft, in dem abstrakt festgelegte Gleichverteilungen als Zielvorgaben erreicht werden müssen in den verschiedensten Gesellschaftsbereichen.
    Mutter Staat weiß, was Menschen wollen sollen.
    Und all das unter der unbelegten Prämisse formuliert, dass Ungleichverteilungen nur aus Benachteiligungen resultieren können, nicht aber aus ungleich verteilten Begabungen, Motivationen etc. heraus erwachsen, also aus den freien Entscheidungen der Individuen selbst.

    Und der Rest versucht mit erheblichem rhetorischen Aufwand darum herumzuschwurbeln, dass man den "Gruppismus" bekämpfen will, aber sich bei der Bekämpfung des üblen Gruppismus genau dieses Gruppismus bedient, indem man Menschen eben nicht einfach nur gleich berechtigt, sondern sie, in Gruppen eingeteilt, unterschiedlich behandelt, fördert, empauert usw., damit die Unterrepräsentierten endlich GLEICH in allen Bereichen repräsentiert sind und die Überrepräsentierten heruntergedimmt werden.

    Man muss sich halt nur in einer der "Benachteilgtengruppen" positioniert wähnen, um dieser Art "Gruppismus", der vorgibt, keiner zu sein, etwas Positives abgewinnen zu können.

    Dieser, wie sagt Frau Baer so schön, "aktivierende Gewährleistungsstaat" ist nicht anderes als die gute alte sozialistische Plan-und Kommandowirtschaft, nun nicht angewandt auf die Produktionverhältnisse, sondern auf Gleichverteilung aller möglichen Gruppen in allen möglichen Bereichen.

    Ein Wahnsinn, der mit der Freiheit des Individuums unvereinbar ist, ein gleichstellender Staatsmoloch lässt sich damit aufbauen, aber kein freiheitlicher Rechtsstaat, der die Macht des Staates beschränken will, um dem Einzelnen Luft zum Atmen zu schaffen.

    Das ist ja noch schlimmer als vermutet.

  17. JP Promovierte Bären und Gleichberechtigung
    15.11.2010 | 15:55

    Danke für den Hinweis auf den Text, aus dem S. Baers Einstellung zur Gleichberechtigung deutlich wird. Unter den üblichen geisteswissenschaftlichen Worthülsen sticht der folgende Satz in seiner Klarheit heraus:

    "Wer Regeln symmetrisch fasst, konstruiert Wirklichkeit aus der Sicht derer, die privilegiert sind, deren Leben nicht auch durch Diskriminierung geprägt ist."

    Nun ist der Begriff "symmetrische Regeln" ein Synonym für das Phänomen, das wir "Gleichberechtigung" zu nennen pflegen, und das zum Glück (noch?) bei uns im Grundgesetz verankert ist. Frau Baer hält davon offenbar nicht viel. Das GG wird sie nicht ändern können, aber als Mitglied des BVG wird sie die Rechtsprechung anpassen können. Noch ist sie (hoffentlich) allein und wird regelmäßig überstimmt werden, aber ihre Berufung sollte sicherlich ein Alarmsignal für alle die sein, die aus der Geschichte ihre Lehren gezogen haben, und sich wünschen, daß vor dem Gesetz alle Menschen gleich sind.

  18. Roslin @ Gareth
    15.11.2010 | 16:00

    ** Aber das was sich hier auf diesem Blog und in den Kommentaren bietet, ist wirklich Heteronormativität zum Gruseln.**

    Wovor gruselt es Sie konkret?

  19. Roslin @ JP
    15.11.2010 | 16:05

    ** daß vor dem Gesetz alle Menschen gleich sind.**

    Wer Gleichstellung will, der MUSS Gleichberechtigung abschaffen!

  20. Ferdinand Knauß @ Gareth
    15.11.2010 | 16:11

    Wo sehen Sie denn hier "Heteronormativität" am Werke? Zumindest von mir werden Sie sicher nichts schwulen- oder lesbenfeindliches gelesen haben.

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