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Band XXI (2003)Spalten 1433-1434 Ekkart Sauser

SERAFINI, Domenico: Benediktiner, Kardinal, * 3.8. 1852 in Rom, † 5.3. 1918 in Rom. - Der große Gelehrte und überaus fromme Benediktiner S. wurde am 25. Mai 1914 ins Kardinalskollegium aufgenommen. Als Titelkirche wurde ihm S. Cecilia in Trastevere zugewiesen. Einige Jahre war er in sehr weiser Art Präfekt der Propaganda Fidei. Ins Rampenlicht der Kirchengeschichte gelangte er, nachdem der heilige Papst Pius X. am 20. August 1914 verstorben war. Als das Konklave für die Nachfolge des Pius-Papstes begann, war S. wohl einer der jüngsten Kardinäle mit 51 Jahren. Seine Milde, Güte und Gelehrsamkeit erschien einem Teil der Kardinäle als Garantie für die Fortführung der Art und Weise von Pius X. S. genoß auch. die Fürsprache von Kardinalstaatssekretär Merry del Val.-Kardinal Mercier schildert in seinen eigenen Konklaveunterlagen die Art und Weise, wie "die Intriganten, die bis gestern die Macht in der Hand hielten, sich nicht daran gewöhnen, sie loszulassen. Sie suchen auf jederlei Weise einen Kandidaten für das Papstamt, der in allem dem verstorbenen Papst ähnlich ist... Kardinal Serafini". (In: A. Melloni: Das Konklave, die Papstwahl in Geschichte und Gegenwart, Freiburg-Basel-Wien 2002, S. 84). - Im Laufe der Sitzungen wurde jedoch die Gestalt von Della Chiesa, Erzbischof von Bologna, immer bedeutsamer, so daß es schließlich nach einem "Zweikampf" zwischen Serafini und Della Chiesa auszusehen begann. S. bekam in den Wahlgängen am 2. September schließlich 24 Stimmen. Della Chiesa lag noch etwas vor S. - Da entschloß sich Della Chiesa zur Verlesung einer Erklärung durch Kard. Gasparri, in der er S. den Vortritt lassen wollte. Im Tagebuch von Kardinal Mercier ist darüber zu lesen: "Kardinal Gasparri... übergab mir den Text der Erklärung, den Della Chiesa dem Konklave vorlesen wollte. Er hat ihm davon abgeraten, nachdem er mit mir darüber besprochen hatte. Diese Notiz besagte: Sehr geehrte Herren, ihr habt euren Wunsch deutlich gemacht, einen Papst zu wollen, der sowohl die Kurie wie die Seelsorge kennt. Ich besitze nicht diese doppelte Qualifikation. Doch Kardinal Serafini besitzt sie in höherem Maß. Um das Konklave nicht zu verlängern, schlage ich euch vor, eure Stimmen auf Kardinal Serafini zu versammeln." (In: A. Melloni: Das Konklave... S. 86). Della Chiesa zog die Erklärung zurück. Darauf wurde er am 3. September zum Papst gewählt - und für S. war die große Stunde vorbei. 4 Jahre später bereits verstarb S.

Lit.: A. Melloni: Das Konklave - die Papstwahl in Geschichte und Gegenwart, Freiburg-Basel-Wien 2002, 84-87.

Ekkart Sauser

Letzte Änderung: 30.12.2002