Poll: Gebiete der Astronomie
Was interessiert dich am meisten?
Home | Specials | Interview mit Michael Hesemann

Interview mit Michael Hesemann

Font size: Decrease font Enlarge font
image

Interview mit dem deutschen Buchautor Michael Hesemann über das UFO-Phänomen.

Herr Hesemann, sie gelten als Deutschlands renommiertester UFO-Forscher und haben über 2 Millionen Bücher verkauft. In ihrem Buch "Jenseits von Roswell" das 1996 erschienen ist, vertreten Sie die weit verbreitete Auffassung, das 1947 ein außerirdisches Raumschiff abgestürzt ist. Ein Jahr später, zum 50. Jahrestag des Vorfalls, veröffentlichte das Pentagon jedoch neue Dokumente zum Fall, in dem sinngemäß gesagt wird, das es damals eine Vertuschungsaktion des Militärs gab, diese aber in Zusammenhang zu einem streng geheimen militärischen Projekt Namens MOGUL stand? Wie stehen Sie dazu?

Zunächst einmal war das Mogul-Projekt ja gar nicht so geheim, wie es 1997 von der US-Luftwaffe behauptet wurde. So reproduziere ich in meinem Buch „Jenseits von Roswell“ auf S. 227 ein Memorandum der US Army Airforce vom 25. August 1947, in dem das Mogul-Projekt ausdrücklich genannt wird – und dieses Dokument war nur als „Confidential“, als „Vertraulich“ klassifiziert. „Vertraulich“ ist bei der Luftwaffe so ungefähr alles, geheime Projekte werden als „Secret“ oder „Top Secret“ eingestuft.

Tatsächlich gab es auch nie „Mogul-Ballons“, sondern nur ganz normale Wetterballons, die im Rahmen des Mogul-Projektes eingesetzt wurden, also zum Ziel hatten, in der Atmosphäre Schockwellen zu orten, die anzeigen sollten, ob die Russen schon die Atombombe hatten. So erklärte selbst Col. Weaver, der Autor des Luftwaffenberichtes, ausdrücklich, dass die Mogul-Ballons „aus nicht geheimen Komponenten bestanden“. Es gab also keinen Grund für eine Deckgeschichte, es gab keinen Grund dafür, die Absturzstelle hermetisch abzuriegeln und die Zeugen einzuschüchtern, wenn denn nur ein Mogul-Ballon abgestürzt wäre. Es gab insgesamt zehn Mogul-Flüge, alle zehn Ballons sind irgendwo runtergekommen, es wurden damals Hunderte Wetterballons gestartet und irgendwo in der Wüste wiedergefunden, und nie gab es irgendein Theater deswegen, immer konnten die Teile von den Findern richtig eingestuft werden.

Nun argumentiert der Luftwaffenbericht, die Beschreibungen des Materials durch die Zeugen würde auf einen Ballonfund hindeuten. Allerdings verfasste General Schulgen, der Chef des Nachrichtendienstes der Luftwaffe und damit ein exzellent informierter Mann war, noch am 20. Oktober 1947, also fast vier Monate nach dem Roswell-Zwischenfall, ein als „Geheim“ eingestuftes Memorandum, in dem er seine Agenten beauftragte, alle verfügbaren Informationen über „Flugzeuge vom Typ ‚Fliegende Untertassen’“ zusammenzutragen. Dabei definierte er diese „Flugzeuge“ als „eine Sandwich-Konstruktion unter Verwendung verschiedener Metall-Folien, Plastikarten und vielleicht Balsaholz-ähnlichem Materials“ zwecks „Erreichung eines extrem leichten Gewichtes bei hoher struktureller Stabilität.“ Ganz so aber beschrieben die Roswell-Zeugen das auf dem „Trümmerfeld“ auf der MacBrazel-Ranch aufgesammelte Material. Glauben Sie nicht, Mitglieder des Generalstabs der US-Luftwaffe, hätten es Ende Oktober 1947 längst wissen müssen, wenn in Roswell nur ein Ballon abgestürzt wäre?

Deshalb glaube ich die „Erklärung“ von 1994/7 nicht – und verlasse mich lieber auf die ca. 300 Augenzeugen – 42 davon zitiere ich mit ihren oft eidesstattlich bestätigten Aussagen in meinem Buch –, die bestätigen, dass 1947 etwas ganz anderes abstürzte, etwas, das offenbar nicht von dieser Welt kam.

Ferner schreiben Sie in Ihrem Buch, das Sie den Santilli-Film Film für echt halten, doch dieser stellte sich in der Zwischenzeit als plumpe Fälschung heraus. Wie erklären Sie sich, dass Sie auf den Schwindel hereingefallen sind? Waren Sie zu unkritisch, zu leichtgläubig oder wie kamen Sie zu ihrem Entschluss?

Wenn Sie genau nachlesen, so pflichte ich in meinem Abschlusskapitel Robert Morningsky bei, der prophezeite: „Ich weiß nicht, wie man es anstellen wird, aber der Film wird, muss als Schwindel entlarvt werden.“ Ich schrieb aber auch: „Fest steht, dass hinter einer Fälschung mit Sicherheit Wissen um einen echtem Vorfall steht und dass zumindest echtes Material als Vorbild diente.“ Das ist auch heute meine Überzeugung.

Doch ich will nichts beschönigen. Tatsache ist, dass ich den Film damals tatsächlich für echt hielt. Wir haben es uns damals mit der Untersuchung nicht gerade leicht gemacht und eine interdisziplinäre Studie durchgeführt, bei der viele Experten konsultiert wurden. Ich bin kein Mediziner und ich habe immer gesagt, dass ich nicht kompetent bin, eine Autopsie zu beurteilen. So konsultierten wir namhafte Pathologen: Prof. Cyril Wecht, Ex-Präsident der US-Akademie für Forensische Wissenschaften; Prof. Christopher Milroy, Pathologe des britischen Innenministeriums, Universität Sheffield; Prof. Mihatsch, Universität Basel; Prof. Dr. Carsten Nygren, Oslo; Prof. Dr. Pierluigi Baima Bollone, Universität Turin; Prof. Jean Pierre, Universität Paris, sowie ein Dutzend Schweizer Pathologen, denen Luc Bürgin den Film vorführte, ein ganzes Auditorium mexikanischer Mediziner sowie Professoren der Universität Cluj/Rumänien, denen ich ihn zeigte etc. – und sie alle glaubten, der Film zeige den echten Leichnam eines Lebewesens. Der deutsche Dermatologe Dr. T. Jansen vom Polyklinikum der Universität München verfasste sogar einen Artikel für die „Münchener Medizinische Wochenschrift“, in dem er bei dem Wesen die Erbkrankheit Progerie diagnostizierte. Ich vertraute auf ihr Urteil und war überzeugt, dass der Film ein Wesen aus Fleisch und Blut zeigte und daher echt sein musste. DAS war mein Irrtum.

Weiter untersuchte ich die Geschichte des Kameramannes, die Ray Santilli veröffentlicht hatte. Und hier fand ich Zeugen. Zeugen, die den von ihm genannten Absturztermin, den 31. Mai 1947, bestätigten, der ja gar nichts mit dem Roswell-Zwischenfall vom 4. Juli 1947 zu tun hat, Zeugen, die sahen, wie in der fraglichen Nacht bei Socorro – wie der Kameramann behauptete – ein „Feuerball“ niederging, aber auch Zeugen, die den Film oder zumindest einen ähnlichen Film während ihrer Dienstzeit bei der US-Luftwaffe gesehen haben wollen. Nach den Angaben des Kameramannes fand ich die Absturzstelle. Dort, wo seinen Angaben zufolge das UFO in eine Felswand gestürzt sein soll, war eine breite Fläche Gesteins einfach weggemeißelt. Amtliche Dokumente belegten, dass das fragliche Gebiet ausgerechnet am 1. Juni 1947 vom US-Innenministerium abgesperrt worden war – angeblich wegen Bergbauarbeiten. All das überzeugte mich, dass mehr hinter der Geschichte stecken musste. Deshalb glaube ich noch heute, dass die Fälschung auf einer wahren Begebenheit beruht, ganz wie Santilli es ja 2006 auch gestanden hat.

Sie sind studierter Historiker und befassen sich neben der UFO-Forschung auch mit der Geschichte der christlichen Kirche (so haben Sie auch erst kürzlich ein Buch zum neuen Papst Benedikt XVI veröffentlicht) und hatten 1998 eine Privataudienz beim Papst Johannes Paul II. Was halten Sie von der Paläo-Astronautik-Forschung, wonach spitz formuliert, Gott ein Alien war?

Ich halte es durchaus für möglich, dass Außerirdische in der Vorzeit die Erde besuchten, wie es die Prä-Astronautiker behaupten. Gott aber, der Schöpfer des Universums, war kein Alien. Doch warum soll Gott in seiner Omnipotenz in diesem gewaltigen Universum nur einen bewohnten Planeten, nur eine Menschheit geschaffen haben? Gott diesen Mangel an Kreativität zu unterstellen grenzt für mich schon an Blasphemie.

Tatsächlich haben einige Theologen und sogar Heilige wie der italienische Wunderpater Pio das genauso gesehen. Ich bin in ständigem Kontakt mit Monsignore Corrado Balducci, einem angesehenen Theologen und Dämonologen, der bis vor ein paar Jahren – er ist heute Ruheständler – der Kongregation für die Propagierung des Glaubens („Propaganda Fede“, wie man in Rom kurz sagt) angehörte und auch Papst Johannes Paul II. gut kannte. Balducci ist wie ich überzeugt, dass das UFO-Phänomen real ist, da man all die glaubwürdigen Augenzeugenberichte nicht einfach so vom Tisch wischen kann. Aber um UFOs ging es bei meinen fünf Audienzen beim Heiligen Vater nicht, sondern um christliche Archäologie und Reliquienforschung.

Übrigens behandelt der größte Teil meiner Bücher kirchengeschichtliche Themen. Ich bin ja eigentlich Historiker, zur UFO-Forschung kam ich wie „die Jungfrau zum Kind“. Und ich weigere mich entschieden, als „Ufologe“ bezeichnet zu werden. Eine „logie“, eine Lehre oder Wissenschaft von etwas Unbekanntem zu entwickeln, ist absurd. Ich untersuchte bis zum Jahr 2000 in allen fünf Kontinenten Fälle von Begegnungen mit dem UFO-Phänomen, bin also UFO-Forscher, kein Ufologe. Das nur am Rande...

Wie sind sie zu der UFO-Forschung gekommen? Hatten Sie selbst eine Begegnung der dritten Art?

Nein, mein Vater hatte, als ich vielleicht 14 Jahre alt war, eine Sichtung. Da wurde ich natürlich neugierig, wollte wissen, was dahinter stecken könnte. Eine Begegnung der Dritten Art, also mit einem Außerirdischen, habe ich nie gehabt. Aber ich sah selber schon Objekte am Himmel, die ich mir nicht erklären konnte – und wurde im Tower des Flughafens von Mexico City Zeuge, wie Objekte aus dem Stand auf dreifache Schallgeschwindigkeit beschleunigten. Das – und die Zeugenaussage mehrerer Fluglotsen und Piloten – überzeugte mich dann schon.

Die UFO-Forschung wird von der wissenschaftlichen Gemeinde nicht anerkannt, woran liegt dies Ihrer Meinung nach? Insbesondere in Deutschland hat dieses Thema einen negativen Beigeschmack?

Die Gründe sind meiner Ansicht nach dreierlei.

Wurde das Thema einfach gezielt diskreditiert. Das hatte ursprünglich auch politische Gründe, denn man wollte eine Panik verhindern. So empfahl schon 1953 das Robertson-Panel des CIA „training and debunking“, eine Umerziehung der Öffentlichkeit durch Banalisierung des Phänomens. Nur Fälle, die erklärt werden konnten, sollten publik gemacht werden, seriöse Forscher wurden lächerlich gemacht. Das ist natürlich für die Karriere tödlich.

Präsentiert sich die UFO-Szene leider auch unseriös.

Seriöse UFO-Forschung heißt, die Spreu vom Weizen zu trennen und ist enorm zeit- und kostenaufwändig. Auch das schreckt ab, denn wer soll das finanzieren, wenn es keinen öffentlichen Auftrag gibt? Ich selbst war nun in den 1990er Jahren in der privilegierten Lage, als Chefredakteur eines Fachmagazins für Grenzwissenschaften quasi hauptberuflich allen möglichen ungeklärten Phänomenen und Rätselfragen auf den Grund gehen zu können, darunter auch dem UFO-Phänomen. Und erst nachdem ich wirklich um die halbe Welt gereist bin und immer wieder vor Ort spektakuläre Fälle untersucht und dokumentiert habe, kann ich heute guten Gewissens sagen, dass ich überzeugt bin, dass es sich hier um ein reales Phänomen handelt.

Einer der weltweit bekanntesten Astronomen und Populärwissenschaftler Carl Sagan hat auch ein paar Bücher über das UFO-Phänomen geschrieben, indem er sich kritisch mit dem Thema auseinander setzte, kennen Sie seine Werke?

Ach wissen Sie, bei Sagan ist ja die Frage, ob er das wirklich alles so meinte oder ob er das in fremdem Auftrag schrieb – eben um die Öffentlichkeit zu beruhigen. Dass ein so intelligenter und brillanter Mann sich völlig der Realität des UFO-Phänomens verschloss und quasi Scheuklappen aufsetzte, kann ich mir eigentlich nicht vorstellen. Von seinem Vorgänger, dem US-Harvard-Astronomen Donald H. Menzel, der sogar Bücher gegen die UFOs geschrieben hat, wissen wir ja, dass er im Geheimen Mitglied einer Beraterkommission von US-Präsident Truman war, die sich mit den Roswell-Funden befasste und sehr wohl über die außerirdische Präsenz informiert war. Gerüchten zufolge war Sagan sogar Menzels Nachfolger in dieser Kommission, genannt „Majestic Twelve“.

Ihre Werke haben sich sehr gut verkauft, doch sind sie diese teilweise sehr umstritten. Wie gehen selbst mit Kritik um?

Schauen Sie, es gibt zwei Arten von Kritikern: Kompetente Kritiker, denen es um Sachfragen geht und mit denen man herrlich diskutieren kann, und die berühmten Neider und Miesmacher, die eigentlich von nichts eine Ahnung haben, aber glauben, sich dadurch profilieren zu können, dass Sie einem bekannten Autoren das eine oder andere unterstellen.

Vor denen habe ich keinerlei Respekt. Leider sind sie gerade in der UFO-Forschung recht häufig anzutreffen.

Abschließend möchte ich Sie Fragen, was Sie von Projekten halten, die sich mit der Suche nach Außerirdischer Intelligenz beschäftigen, wie z.B. das bekannte SETI-Programm?

Na ja, die Suche nach irdischer Intelligenz wäre auch kein schlechtes Projekt, oder? Aber, Spaß beiseite, natürlich befürworte ich jeden Versuch einer Kontaktaufnahme mit außerirdischen Intelligenzen, auch wenn ich denke, dass die schon längst hier sind. Vielen dient ja das SETI-Projekt nur als Deckung, um ungehindert über die Implikationen eines Kontaktes diskutieren zu können, ohne gleich als „UFO-Spinner“ stigmatisiert zu werden. Auch das vatikanische Observatorium beteiligt sich ja am SETI-Projekt und der Diskussion, ob wir nicht alleine im Universum sind. Und ich glaube manchmal, intelligentes Leben ist „Dort draußen“ sehr viel häufiger als „hier unten“ auf der guten, alten Erde...

Vielen dank für das Interview.

Comments (0 posted):

Post your comment comment

Please enter the code you see in the image:

  • email Email to a friend
  • print Print version
  • Plain text Plain text
Tags
Rate this article
0