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Band X (1995)Spalten 599-609 Autor: Helmut Feld

SIXTUS V., Papst (24.4.1585 - 27.8.1590). - S., der am 13.12. 1521 als Felice Peretti in Grottammare in der Mark Ancona geboren wurde, war das vierte Kind des armen Pächters Piergentile di Giacomo mit dem Beinamen Peretto und dessen Frau Marianna. Die väterliche Familie stammte aus Montalto, zwischen Ascoli und Fermo. Als Kardinal nahm Felice den Namen »Montalto« an. Wie er selbst später erzählte, wurde er schon als kleiner Junge zu den bäuerlichen Arbeiten herangezogen: er stach auf den Wiesen Löwenzahn, sammelte im Wald Holz, grub den Garten um und hütete die Schweine. Die erste geistige Förderung erfuhr er durch seinen Onkel mütterlicherseits, Fra Salvatore, der dem bei Montalto gelegenen Konvent S. Francesco der Franziskaner-Konventualen angehörte. Der Onkel bezahlte für den jungen Felice zunächst das Schulgeld; später nahm er ihn zu sich ins Kloster. Mit zwölf Jahren wurde Felice eingekleidet, mit dreizehn legte er (1534) die Gelübde ab. Höhere Schulbildung erwarb er zunächst in Fermo. 1536-1540 lebte er in den Konventen von Pesaro, Jesi und Arcevia. Seine philosophischen Studien absolvierte er in Ferrara (1540-1543); anschließend studierte er Theologie in Bologna (1543), Rimini (1544) und Siena (1546). Seine Studien schloß er am 26.7. 1548 in Fermo mit dem Grad eines Magisters der Theologie ab. 1548 wurde er bereits als Leiter des Studiums der Franziskaner in Macerata berufen; 1551 wechselte er als Regens nach Siena. Fra Felice war ein glänzender Prediger. Ab 1540 hielt er die Fastenpredigten in zahlreichen mittelitalienischen Städten. Der Kardinal Carpi, Protektor des Franziskanerordens, veranlaßte, daß er 1552 als Fastenprediger nach Rom berufen wurde. Die Predigten fanden unter großem Zulauf in der Kirche SS. Apostoli statt. Der damalige Generalkommissar der römischen Inquisition, der Dominikaner Michele Ghislieri (später Papst Pius V.: 1566-1572), der seine Glaubenstreue überprüfte, wurde sein Freund. Er lernte auch Ignatius von Loyola, Philipp Neri und den Kardinal Gian Pietro Carafa kennen, der am 23.5. 1555 als Paul IV. den Apostolischen Stuhl besteigen sollte. Der Papst Julius III. (7.2.1550 - 23.3.1555) hielt Felice während des Jahres 1552 in Rom fest, wo er dreimal in der Woche den Römerbrief auslegte. 1553 nahm er am Generalkapitel seines Ordens in Genua teil; im gleichen Jahr wurde er Regens des Ordensstudiums in Neapel. Damals erklärte er in der Kirche S. Lorenzo Maggiore das Johannes-Evangelium. 1555 predigte er im Dom zu Perugia. 1556 wurde er Leiter des Studiums im Konvent von Venedig. Paul IV. (23.5.1555 - 18.8.1559) ernannte ihn zum Inquisitor für das Gebiet der Republik von S. Marco. Er wurde aber, vor allem durch seine Mitbrüder in dem großen Frari-Konvent, heftig angefeindet, so daß er sich nach Montalto zurückzog. Nach der Wahl Pius' IV. sorgte aber sein alter Protektor, der Kardinal Carpi, dafür, daß Fra Felice im Februar 1560 als Inquisitor mit erweiterten Vollmachten nach Venedig zurückgesandt wurde. Auch in sein früheres Amt als Leiter des Studiums des Frari-Konvents wurde er wieder eingesetzt. Eine Beschwerde seines Guardians und seiner Mitbrüder gegen ihn bei dem Rat der Zehn führte jedoch bereits Ende Juni 1560 zu seiner Rückberufung nach Rom. Dort wurde er, aufgrund des Einflusses des Kardinals Ghislieri, zum Konsultor der Inquisition ernannt (16.7. 1560). Der Kardinal Carpi betrieb seine Ernennung zum Mitglied der Kongregation für das Konzil von Trient. Bemerkenswert sind Felices wissenschaftliche Arbeiten in dieser Zeit: zusammen mit Anton Posius arbeitete er an einer Gesamtausgabe der Werke des Aristoteles, und er gehörte einer Kommission für die Neuedition des Decretum Gratiani an. 1565 begleitete er den Kardinal Hugo Boncompagni als theologischer Berater nach Spanien. Damals kam es zu Spannungen zwischen ihm und dem Kardinal; später, als Boncompagni Papst geworden war (Gregor XIII.: 13.5.1572 - 10.4.1585), wurde daraus eine offene Feindschaft. Nach seiner Rückkehr aus Spanien ernannte der neue Papst Pius V. Ghislieri am 14.1. 1566 Felice zum Generalvikar der Franziskaner-Konventualen. Am 15. November 1566 erhielt er das Bistum Sant'Agata dei Goti bei Benevent. Die Bischofsweihe fand am 12.1. 1567 in S. Lorenzo Maggiore zu Neapel statt. - Pius V., der Felice ungemein schätzte, erhob ihn am 17.5. 1570 zum Kardinal. Als Titelkirche wurde ihm S. Girolamo degli Schiavoni zugewiesen. Der Kardinal von Montalto, wie Felice nun genannt wurde, war Mitglied der Index-Kongregation und der Kongregation für die Bischöfe und die Orden. Zur Verbesserung seiner Einkünfte erhielt er anstelle von Sant'Agata das Bistum Fermo. Bei Gregor XIII. fiel Montalto in Ungnade und wurde völlig kaltgestellt; 1581 entzog ihm der Papst sogar seine Jahrespension. Montalto wandte sich von nun an wieder vorwiegend wissenschaftlichen Arbeiten zu, wie der Edition der Werke des Ambrosius von Mailand. Den ersten, 1580 in Rom erschienenen Band widmete er Gregor XIII., was aber sein Verhältnis zum Papst nicht verbesserte. (Die Edition selbst hat schwere Mängel und ist in der Folgezeit häufig kritisiert worden; Montalto hat sich an vielen Stellen über den Befund der Handschriften souverän hinweggesetzt). Er zog sich ganz in seinen großen, bei S. Maria Maggiore gelegenen Weinberg zurück, wo ihm der junge Architekt Domenico Fontana ein schönes Landhaus errichtete. In dem dort entstehenden herrlichen Park und den Gärten pflanzte er eigenhändig Bäume und zog Nutzpflanzen auf. In der Nacht des 16.4. 1581 wurde sein Neffe Francesco, Sohn seiner Schwester Camilla, ermordet. Es kränkte Montalto schwer, daß der Papst nicht gegen den Hintermann des Verbrechens, Paolo Giordano Orsini, Herzog von Bracciano, vorging. - Nach dem Ende des langen Pontifikats Gregors XIII. wählten die Kardinäle ihn nach viertägigem Konklave am Mittwoch der Osterwoche 1585 zum Papst; er war 65 Jahre alt. Erst jetzt traten seine vielfältige Begabung, seine enorme Arbeitskraft, seine Einfachheit und Sparsamkeit, aber auch die negativen Züge seines Charakters zu Tage, wie die Heftigkeit seines Temperaments, die Neigung zum Jähzorn, ein durch nichts gehemmtes Selbstbewußtsein und eine unbändige Geschwätzigkeit. Eine seiner ersten bedeutenden Amtshandlungen war die Ernennung seines Großneffen, des erst fünfzehnjährigen Alessandro Damasceni, zum Kardinal am 13.5. 1585. Zugleich verlieh er ihm sein Wappen (ein Löwe, der in seinen Krallen drei Birnen hält) und den Namen Peretti. Der junge Kardinal, der nun auch Montalto genannt wurde, zeigte in der Folgezeit hervorragende Eigenschaften. Als Papst sorgte S. zunächst in rigoroser Weise für Ordnung im Kirchenstaat. Mit harter Hand bekämpfte er das Banditenunwesen. Schon am Tag seiner Krönung (1.5. 1585) ließ er vier tags zuvor gefaßte Banditen hinrichten. Die Bevölkerung von Rom nahm dieses Vorgehen mit großer Sympathie auf. Am 24.5. 1585 wurde an der Engelsbrücke der Kopf eines Verbrechers ausgestellt, der der Schrecken der Umgebung Roms gewesen war und sich »König der Campagna« genannt hatte. Dieser Schaustellung folgten weitere, so daß im Sommer zeitweilig die Luft in Rom vom Leichengestank verpestet war. Der Papst erließ Gesetze gegen die adeligen und mächtigen Protektoren der Verbrecher, denen schwere Strafen angedroht wurden. Im Herbst 1587 war die Sicherheit im Kirchenstaat wiederhergestellt, allerdings nur bis zum Tode Sixtus' V. S. hat auch alle möglichen Vergehen mit drakonischer und übertriebener Strenge verfolgen lassen. Auf Inzest, Abtreibung, Homosexualität, Kuppelei, Ehebruch und Verleumdung wurde die Todesstrafe gesetzt. Weniger schwere Untaten wurden mit Verweisung auf die Galeeren geahndet. Gegen die Plage der Mittelmeer-Korsaren ging der Papst durch Schaffung einer Flotte vor, die ihren Sitz in Civitavecchia hatte. Für die Ernährung der Bevölkerung von Rom sorgte er durch Förderung der Landwirtschaft und Subvention des Brotpreises. Auch ließ er zahlreiche Sümpfe Mittelitaliens, darunter eine große Fläche der Pontinischen Sümpfe, trockenlegen. Weiterhin förderte er Gewerbetätigkeit und Industrie, wie z.B. die Seidenraupenzucht. Er bekämpfte erfolgreich die Verschuldung der Gemeinden des Kirchenstaates. Die Finanzen sanierte er durch rigorose Einsparungsmaßnahmen. Er erhöhte zahlreiche Steuern und dachte sich neue aus. Nicht selten griff S. auf den Rat jüdischer Finanzberater zurück. Den Juden gab er die Rechte wieder, die ihnen seine Vorgänger entzogen hatten. Zur Verbesserung der Finanzlage trugen weiterhin die Erhöhung der Preise für die kirchlichen Ämter und deren Vermehrung sowie die Ausweitung der Staatsanleihen, der sogenannten »Monti«, bei. In der Engelsburg sammelte der Papst in den wenigen Jahren seines Pontifikates einen gewaltigen Gold- und Silberschatz an; er betrug bei seinem Tode drei Millionen Scudi in Gold und über eine Million Scudi in Silber. S. war damit der reichste Fürst Europas. - Mit größter Strenge griff der Papst auch bei den innerkirchlichen Reformen durch. Er suchte den moralischen Status des Weltklerus und der Ordensleute zu heben. Den Bischöfen wurde die Pflicht, in regelmäßigen Abständen (drei bis zehn Jahre, je nach der Entfernung des Bistums von Rom) nach Rom zu kommen, erneut eingeschärft. Das Kardinalskollegium wurde reformiert und die Höchstzahl seiner Mitglieder mit der Bulle »Postquam verus« vom 3.9. 1586 auf 70 festgesetzt (6 Bischöfe, 50 Priester, 14 Diakone). Diese Regelung wurde erst durch den Papst Johannes XXIII. Roncalli in dem geheimen Konsistorium vom 25.12. 1958 abgeschafft; mit der Kreierung von 23 neuen Kardinälen wurde damals die Gesamtzahl von 70 Mitgliedern des Kollegiums erstmals überschritten (AAS 50 [1958], 987). S. reorganisierte auch die gesamte kirchliche Verwaltung und ordnete das System der römischen Kongregationen und der übrigen Kurialbehörden neu. In die wichtigsten Kongregationen wurden Kardinäle aufgenommen, die die Reformen des Trienter Konzils durchzusetzen halfen. S. förderte und begünstigte die Orden, wo immer er konnte. Seinem alten Orden, den Franziskanern, war er besonders zugetan, ebenso den Kapuzinern. Er bestätigte und förderte aber auch neuere, zeitgemäße Orden, wie die »Väter des guten Todes«, eine Gründung des Camillo de Lellis, eines ehemaligen Offiziers, die sich der Pflege der Schwerkranken und Moribunden widmeten. Die Jesuiten, denen er nicht sehr gewogen war, nahm er doch gegen Übergriffe der spanischen Inquisition und die Mißgunst der rivalisierenden Dominikaner in Schutz. Ordensinterne Auseinandersetzungen und Angriffe einzelner Jesuiten gegen den Papst führten aber dazu, daß dieser gegen Ende seines Lebens gegen den Orden vorgehen und sogar den Namen »Gesellschaft Jesu«, den er als anmaßend ansah, ändern wollte. Nur sein plötzlicher Tod verhinderte die Ausführung dieser Maßnahmen. S., der vor seiner Erhebung zum Papst selbst lange Inquisitor gewesen war, förderte eifrig die römische Inquisition. Seine Strenge machte sich aber auf diesem Gebiet weniger bemerkbar als auf dem seiner weltlichen Herrschaft: die Inquisition vollstreckte während seines Pontifikats nur fünf Todesurteile. - Die besondere Sorge des Papstes galt dem Text der Bibel. Die Edition der Septuaginta, die S. schon als Kardinal angeregt hatte, kam 1587 heraus. Im darauf folgenden Jahr erschien die lateinische Übersetzung des Septuaginta-Textes. Die Edition war das Ergebnis achtjähriger Arbeit und galt als hervorragend. Weniger Glück war der von S. initiierten Vulgata-Ausgabe beschieden. Der Papst selbst, dem die Arbeit daran zu lange dauerte, nahm der Herausgeber-Kommission die Unterlagen aus der Hand und machte sich selbst an die Konstituierung des Textes; schließlich korrigierte er sogar eigenhändig die Druckfahnen. Er war der festen Überzeugnung, er sei auch in der Behandlung der verschiedenen Lesarten des biblischen Textes von Gott mit Unfehlbarkeit ausgestattet. Zur Ehre der den Papst umgebenden Kardinäle und gelehrten Männer, vor allem des Kardinals Antonio Carafa, muß gesagt werden, daß sie sich nicht scheuten, ihren jähzornigen Herrn daran zu erinnern, daß er keine Vollmacht zur Änderung des Textes der Heiligen Schrift habe, auch wenn sie damit Wutausbrüche bei ihm hervorriefen. Der von S. bearbeitete Text setzte sich nicht durch; auch die Bulle, in der dessen alleinige Verbindlichkeit festgestellt wurde, blieb rechtlich unwirksam, da sie niemals in kanonischer Form publiziert wurde. Für die Veröffentlichung wichtiger kirchlicher Werke gründete S. im Vatikan eine eigene Druckerei. - Politisch mischte sich der Papst vor allem in die Angelegenheiten Spaniens und Frankreichs ein. Obwohl er mit Philipp II. von Spanien verbündet war, kam es wiederholt zu Auseinandersetzungen und Mißhelligkeiten mit dem König. Das vornehmliche politische Ziel S.s in Frankreich war es, die Hugenotten zu unterdrücken. Er suchte deshalb den wankelmütigen König Heinrich III. ganz von ihnen zu trennen und mit der katholischen Partei der Guisen (Ligisten) zu versöhnen. Am 9.9. 1588 erließ er gegen Heinrich von Navarra (den späteren König Heinrich IV.) eine Bulle, die diesen als notorischen und rückfälligen Häretiker exkommunizierte und von der Thronfolge ausschließen sollte. Mit Heinrich III. geriet S. in einen heillosen Konflikt, als der König am 23.12. 1588 den Herzog und einen Tag später den Kardinal von Guise ermorden ließ. In der Ermordung des Kardinals Guise, Erzbischofs von Reims, sah S. ein unerhörtes Sakrileg. Ehe der König die vom Papst verlangte Buße leisten konnte, wurde er selbst ermordet (1.8. 1589). Nach dem Tode Heinrichs III. unterstützte der Papst zunächst die Ligue, die den Kardinal Bourbon als König Karl X. proklamierte. Als S. später Verhandlungen mit den Anhängern Heinrichs IV. aufnahm, geriet er in einen schweren Konflikt mit Philipp II. von Spanien. Die heftigen Auseinandersetzungen mit den beiden Botschaftern des Königs, Olivares und Sessa, beschleunigten den Tod des schwer kranken Papstes. In den Pontifikat Sixtus' V. fällt die Hinrichtung der Königin Maria Stuart (18.2. 1587) und der Untergang der spanischen Armada (30.7. - 8.8.1588), womit sich die Hoffnung auf eine Rückkehr Englands zur Katholischen Kirche zerschlug. Persönlich hielt S. aber bis zu seinem Lebensende an der Illusion fest, daß sich die Königin Elisabeth und ihr Reich bekehren würden. - Die weltgeschichtliche Bedeutung S.s zeigt sich nirgendwo so deutlich wie in seiner städtebaulichen und kunstfördernden Tätigkeit. Sein erstes bedeutendes Werk auf diesem Gebiet war die Wiederherstellung der Wasserleitung des Kaisers Alexander Severus (222-235), die er schon wenige Tage nach seiner Wahl zum Papst anordnete. Durch die Wasserleitung, der er den Namen »Acqua Felice« gab, konnten erstmals seit der Antike die höher gelegenen Stadtteile Roms wieder ausreichend mit Wasser versorgt werden. Das Quellgebiet lag in der Nähe von Palestrina. Hauptmündungsstellen waren die Brunnen bei S. Susanna (Moses-Brunnen) und bei den antiken Rossebändigern auf dem Quirinal. Durch die Acqua Felice wurden täglich 21 000 Kubikmeter Wasser nach Rom geleitet. Mit Hilfe Domenico Fontanas, den er zu seinem »Architetto generale« machte, ging S. an die Umgestaltung des römischen Stadtbildes. Sein Hauptmotiv für die Anlage langer, gerader Straßen war, daß er den Pilgern den Zugang zu den sieben Hauptkirchen Roms erleichtern wollte. Schon die Renaissance-Päpste Sixtus IV., Alexander VI., Julius II. (Via Giulia), Leo X., Clemens VII. und Paul III. (Via Paola, Via Trionfale) hatten mit der Anlage gerader, gepflasterter Straßen begonnen; ebenso Pius IV. (Via Pia vom Quirinal zur Porta Pia; heute Via XX Settembre). S. machte seine Lieblingskirche S. Maria Maggiore zum Mittelpunkt der neuen, barocken Stadtanlage von Rom, indem er sie Ausgangspunkt von fünf strahlenförmig verlaufenden Straßen werden ließ, die die Hügel Esquilin, Viminal, Quirinal und Pincio sowie das tiefer gelegene Wohngebiet am Tiber miteinander verbanden. Noch heute erinnert der Name der zum Pincio führenden Via Sistina an den Papst, der sie anlegen ließ. Ihre Kreuzungsstelle mit der Via Pia wurde 1587 durch die Anlage von vier Wandbrunnen (Quattro Fontane) markiert. Außerdem ließ S. noch zahlreiche große Verbindungsstraßen und kleinere Wege bauen. Die Spuren seines planenden Geistes sind bis heute auf dem Stadtplan von Rom deutlich zu erkennen. Große Sorgfalt verwandte der Papst auch auf die Gestaltung der öffentlichen Plätze. Der Platz um die Trajanssäule wurde vergrößert; die Mark-Aurel-Säule auf der Piazza Colonna wurde freigelegt. Auf der ersteren wurde am 28.9. 1587 eine vergoldete Bronzestatue des Apostels Petrus aufgestellt; auf der letzteren wurde am 27.10. 1588 das noch erhaltene Standbild des Kaisers Mark Aurel durch die Statue des Apostels Paulus ersetzt. Von den ägyptischen Obelisken, die während der Kaiserzeit nach Rom gebracht worden waren, war nur einer das ganze Mittelalter über stehengeblieben: der 25,5 Meter hohe vatikanische Obelisk aus rotem Granit. Der Kaiser Caligula hatte ihn auf der Spina des später nach Nero benannten Circus aufstellen lassen. Mittlerweile war er, neben der Sakristei der neuen Peterskirche stehend, ins Abseits geraten. S. entschloß sich, den Obelisken auf der Mitte des Petersplatzes aufstellen zu lassen, obgleich das Transportproblem nach dem Urteil aller Fachleute für unlösbar galt. Zur Durchführung des seit über 1000 Jahren beispiellosen Unternehmens wurde ein Architekten-Wettbewerb ausgeschrieben. Der Papst entschied sich, entgegen dem Votum der zuständigen Kommission, für den Plan Fontanas. Das einen für die damalige Zeit gewaltigen technischen Aufwand erfordernde und hohe Kosten verursachende Unternehmen wurde vom 30.4. bis zum 10.9. 1586 ohne Zwischenfälle durchgeführt. Am 26.9. wurde die Spitze des Obelisken feierlich mit einem Kreuz aus Goldbronze gekrönt. Danach ließ S. die beiden im Circus Maximus liegenden Obelisken ausgraben. Der unter den ägyptischen Pharaonen Thutmosis III. und Thutmosis IV. im 15. Jahrhundert v. Chr. im Amon-Tempel von Theben aufgerichtete Obelisk war unter Kaiser Constantius in einem eigens hergestellten Schiff nach Rom transportiert worden; er war in drei Stücke zerbrochen; nach seiner Restaurierung fand er nunmehr Aufstellung vor der Laterankirche. Den anderen, aus der Zeit Ramses' II. stammenden Obelisken hatte schon Augustus von Heliopolis nach Rom überführen lassen; er zierte fortan die Piazza del Popolo. Den aus dem Mausoleum des Augustus stammenden, ebenfalls zerbrochenen Obelisken ließ der Papst auf dem Platz vor der Chorapsis von S. Maria Maggiore (Piazza dell'Esquilino) aufstellen. Von den zahlreichen Gebäuden, die S. errichten ließ, sind die bedeutendsten der Neubau der Vatikanischen Bibliothek (durch den der Cortile del Belvedere geteilt wurde) und der Lateranpalast. Schließlich wurde im Pontifikat S.s und auf sein energisches Betreiben hin die von Michelangelo begonnene Kuppel der Peterskirche vollendet. Der Architekt Giacomo della Porta, unterstützt von Fontana, hielt sich nicht genau an den Plan Michelangelos, sondern spitzte die Kuppel nach oben hin zu, so daß sie leichter und eleganter wirkt, als es der ursprüngliche Plan vorsah. Auch die Laterne auf der Kuppel weicht von Michelangelos Entwurf ab. 26 Jahre nach dessen Tod, am 12.5. 1590, war das Werk vollendet. Wenige Monate später, am 27.8. 1590, starb S. in dem Quirinal-Palast, den er 1587 erworben hatte. Im Auftrag S.s hatte Fontana an der vom Eingang aus gesehen rechten Seite der Basilika S. Maria Maggiore eine große Kapelle erbaut. An der linken Seitenwand dieser nach dem Papst benannten Cappella Sistina wurde 1586 das Grabmal für Pius V. errichtet. Ihm gegenüber ließ sich S. 1587 seine eigene Grabstätte anlegen. Seine knieende Statue, ein Werk des Bildhauers Valsoldo (eig. Giovanni Antonio Paracca), hat der Papst am 30.7. 1589 noch selbst besichtigt. Sie ist gewiß kein erstklassiges Kunstwerk; doch läßt der mächtige, bärtige Bauernkopf auch den heutigen Betrachter noch etwas von der gewaltigen Persönlichkeit des bislang letzten großen Papstes ahnen.

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Werke: Memoria delli anni che io andai a studio di officii prediche e commissioni hauute (eigenhändig niedergeschriebener Studiengang 1540-1560), in: C. Cugnoni 1882 (s.u.), 299-304; Briefe in: Parisciani 1986; Di Fonzo 1987 (s.u.); Predigten: In der Biblioteca Vaticana sind zwei Exemplare (Fondo Barberini, Fondo Capponi) mit insgesamt sechs Predigten Felice Perettis erhalten, die sich auf drei Opuscula verteilen: I. Predicata nella inclita città di Perugia il dì delle Ceneri; II. Prediche del R. Padre fra Felice Peretti da Mont'alto regente in S. Lorenzo di Napoli (4 Predigten); III. Predica della Purissima Concettione de la gloriosa Madre di Dio Maria vergine. Predicata dal R. Padre Fra Felice Peretti da Mont'alto Regente nel Convento di San Lorenzo di Napoli, Neapel 1554; je ein Codex mit handschriftlichen Predigten befindet sich im Konvent von Sant'Isidoro in Rom (Cod. Isid. 2/55: er enthält Fasten- und Sonntagspredigten) und in der Biblioteca Vaticana (Cod. Vat. Lat. 11855); in seiner Zeit als Regens in Neapel hat Peretti auch einen Matthäus-Kommentar (Commentarium super Evangelium S. Matthaei) veröffentlicht, der verschollen ist.

Lit.: Ältere Lit., bis 1926, bei: Ludwig Freiherr von Pastor, Geschichte der Päpste seit dem Ausgang des Mittelalters, Bd. X, 1926; - bis 1938: DThC 14 (1941), 2236-2238 (von A. Teetaert); - G. Cugnoni, Documenti Chigiani concernenti Felice Peretti, Sisto V. Archivio della Società Romana di Storia Patria 5 (1882), 1-32; 210-304; 542-589; - Paul Maria Baumgarten, Neue Kunde von alten Bibeln, 2 Bde., 1922. 1927; - Carl A. Kneeler, Die Bibelbulle Sixtus' V. ZKTh 52 (1928), 202-224; - ders., Neue Studien zur sixtinischen Vulgatabulle. ZThK 59 (1935), 81-107; 268-290; - Luigi M. Personè, Sisto Quinto. Il genio della potenza, 1935; - Pio Paschini, Vincenzo Monachino (Hrsg.), I Papi nella storia II (1961), 651-657; - Klaus Schwager, Zur Bautätigkeit Sixtus' V. an S. Maria Maggiore, in: Miscellanea Bibliothecae Hertzianae (Römische Forschg. der Bibl. Hertz., 16), 1961, 324-354; - René Schiffmann, Roma felix. Aspekte der städtebaulichen Gestaltung Roms unter Papst Sixtus V., 1985; - Gustavo Parisciani, Sisto V e la sua Montalto, 1986; - Tarcisio Stramare (Hrsg.), La Bibbia »Vulgata« dalle origini ai nostri giorni. Atti del Simposio Internazionale in onore di Sisto V, Grottammare, 29-31 agosto 1985 (Collectanea biblica latina, 16), 1987; - Lorenzo Di Fonzo (Hrsg.), I Pontefici Sisto IV (1471-84) e Sisto V (1585-90), 1987; - Italo De Feo, Sisto V. Un grande papa tra Rinascimento e Barocco (Storia e documenti, 75), 1987; - Marijan Žugaj, Sisto V tra Oriente ed Occidente (Collectanea Croatico-Hieronymiana de Urbe, 1), 1987; - Bettina Burkart, Der Lateran Sixtus' V. und sein Architekt Domenico Fontana, 1987; - Le diocesi delle Marche in età sistina. Atti del Convegno di Studi, Ancona-Loreto 16-18 ottobre 1986. IV Centenario di Sisto V (1585-1590) (Studia Picena, 52/53), 1988; - Cecilia Sansolini, La spiritualità di Sisto V nei suoi sermoni anteriori al pontificato (nel IV centenario dell'elezione 1585-1985), 1989; - Ratko Perič (Hrsg.), Chiesa sistina I. II. (Collectanea Croatico-Hieronymiana de Urbe, 2.3) 1989. 1990; - RE prot. 18 (1906), 414-417; - DThC 14 (1941), 2217-2238; - Enc. Catt. 11 (1953), 782-787; - Hans Kühner, Dictionnaire des Papes (1958), 168-171; - RGG3 6 (1962), 98; - LThK2 9 (1964), 811 f.; - New Cath. Enc. 13 (1967), 273-275; - Rudolf Fischer-Wollpert, Lexikon der Päpste (1985), 115; - J.N.D. Kelly, Reclams Lexikon der Päpste (1988), 289 f.

Helmut Feld

Literaturergänzung:

2002

Wilhelmus Johan Georg Albert Veth, The frescoes of the ecumenical councils in the Sistine Salon (1590) and the Catholic conciliar historiography, in: AHC 34.2002, S. 209-455; -

2007

Lucia Travaini, La bolla numismatica di Sisto V, i riti di fondazione e due monete reliquie a Milano, in: Sanctorum 4.2007, S. 203-240; - Massimo Firpo, Per un'iconografia dell'Inquisizione. Un inedito dipinto di Federico Zuccari per l'elezione di Sisto V, in: Chiesa cattolica e mondo moderno. Bologna 2007, S. 123-158; - Peter Stephan, Der Griff nach den Sternen. Die gentilizische Kodierung des römischen Stadtraums durch Grabmäler unter Sixtus V. und Alexander VII., in: Carolin Behrmann, Arne Karsten, Philipp Zitzlsperger (Hgg.), Grab - Kult - Memoria. Studien zur gesellschaftlichen Funktion von Erinnerung, Köln/Weimar 2007, 75-103; -

2009

Stefano Patuzzi, Cantare la santità negli anni di Sisto V (1585-1590), in: Sanctorum 6.2009, S. 47-65; - Donato Verardi, Astrologia e Controriforma. A proposito della "Coeli et terrae" di Sisto V, in: Sapienza 62.2009, S. 349-356.

Letzte Änderung: 09.04.2011