Sparen bis zum Bürgerkrieg

von weissgarnix am 24. April 2010

Die FAZ nimmt sich ein Herz und lässt ausgerechnet Vertreter jener Zunft den Hilferuf Griechenlands kommentieren, die gerade eben erst bewiesen hat, dass sie vom Lauf der Welt nicht immer sehr viel Ahnung hat. Die Überschrift “Ökonomen sehen Verstoß gegen den Maastrich-Vertrag” versieht mein innerer Schweinehund daher gleich mit zwei recht trockenen Kommentaren, nämlich:

1) Wie schön, dass Ökonomen mal überhaupt was “sehen”
2) Vertragsbruch – war das nicht mal die Domäne von Juristen?

Aber egal. “Ganz offensichtlich umgangen” seien die Vertragsregelungen worden, meint dann einer auch, aber hey, Alternativen dazu gebe es halt auch irgendwie keine. Weil “Haircut” für griechische Kreditgeber, klar, das wär’s natürlich; aber Scheiße: griechischer Kreditgeber – das ist man ja selber. Dumme Sache das alles, womit wieder einmal bewiesen wäre: der Gläubiger, der sich rühmt, dass er seinen Schuldner kein Geld verdienen lässt, mag “Exportweltmeister” sein – aber er ist nicht besonders smart. “Shoot yourself in the foot” nennen das die Angelsachsen, und auch Flintenbesitzer ohne Waffenschein wissen: Autsch, das tut weh.

Wenn von “Ökonomen” die Rede ist, dann darf natürlich einer nicht fehlen, ganz klar: “Hans Werner!” – wir müssen erst gar nicht lange nach ihm rufen. “Griechenland hat nicht nur ein Problem mit dem öffentlichen Defizit, sondern vor allem auch mit dem Außenhandelsdefizit, das riesige Dimensionen hat”, bescheidet uns der Herr Professor, was wir freihändig wie folgt umdeuten können: Griechenland leidet unter der “amerikanischen Krankheit”. Weil “Twin-Deficit” – den Ausdruck kennt man in den USA bestens, der gehört gewissermaßen zur Staatsräson.

Die Griechen sind aber halt nicht die Amis – das ist im Prinzip ihr großes Pech -, weil die Amis haben Atomraketen, die Griechen nur Metaxa. Davon werden sie eine Menge brauchen, wenn das eintritt, was Professor Sinn ihnen prophezeit: “Um dies zu korrigieren, müssten die Griechen nun Preise und Löhne kräftig senken. Diese schmerzhafte Therapie, prophezeit Ifo-Präsident Sinn, könnte das Land an den Rand eines Bürgerkriegs treiben.” Aber Bürgerkrieg hin oder her, die Löhne müssen jedenfalls runter, runter, runter. Das ist ein Rezept, das nachweislich funktioniert, wer wüßte das besser als wir Deutschen, wir haben das bekanntlich anfang der 1930er auch sehr erfolgreich praktiziert.

Aber Frohnaturen, die die Ökonomen nun mal sind, haben sie auch ein “Blühende Landschaften”-Szenario im Köcher. So meint einer am Schluss, dass das Wirtschaftswachstum in Europa ja vielleicht wieder ganz schnell zurückkehre, sodass  sich die anderen Pleitekandidaten aus eigener Kraft sanieren können. Das Wirtschaftswachstum, das muss man nämlich wissen, ist auf Urlaub – an einem exotischen Ort ohne Twitter und Mobilfunk, daher kann man auch nicht mal schnell bei ihm anrufen und sagen: “Wirtschaftswachstum, du musst ganz schnell nach Hause kommen; seit du weg bist, geht’s hier drunter und drüber.” Aber wer weiß: Vielleicht hat das Wirtschaftswachstum ja auch ganz dolle Heimweh und kommt deshalb schon bald wieder. Dann wird alles gut. Denn wie auch ein weltenbummlerisches Wirtschaftswachstum weiß: Zuhause ist es doch am schönsten!

Doch ein weniger schönes Szenario haben unsere gescheiten Ökonomie-Freunde auch noch im Angebot: “Als zweites, deutlich schlechteres Szenario sei ein Rückfall in die Rezession in den hochverschuldeten Ländern denkbar.” Brrrrr, ganz grauslich. „Dann wird es zu weiteren Schuldenkrisen kommen, und es besteht die Gefahr, dass die Währungsunion zerbricht.“ Aber keine Panik, denn trotz knallharten Sparens und deflationärer Wirtschaftspolitik sind die Ökonomen überzeugt:

“Dies sei aber das unwahrscheinlichere Szenario.”

Da sage ich nur noch: Ein Hoch der Ökonomie!

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Bernhard April 24, 2010 um 14:51

eine direkt Realwirtschaft-Folge wäre: Ausfall der Zahlungen Griechenland an deutsche Waffenexporteure. Das würde unserer Wirtschaft besonders schaden. Hätteste ach ufführe könne.

I’m alive

Frankie Bernankie April 24, 2010 um 15:43

@weissgarnix

Herrlicher Beitrag!
Du solltest öfter mal mit dem linken Fuss aufstehen, wenn dann solche amüsant-bissigen Beiträge kommen.

Allerdings erinnert mich – und das wird Dir jetzt überhaupt nicht gefallen – das aufgespiesste Thema und der Sprach-Duktus durchaus etwas an Th. Fricke…

251632 April 24, 2010 um 16:00

Die Alternative ist Nicht-Sparen bis zum Bürgerkrieg.

weissgarnix April 24, 2010 um 16:04

@251632

>Die Alternative ist Nicht-Sparen bis zum Bürgerkrieg.

Vielleicht – aber die macht eindeutig mehr Spaß.

H.H.Schmidt April 24, 2010 um 16:32

Michael Spreng findet den Weg zur “Wahrheit”!

Ja, so etwas gibt es doch noch!

Hermann Keske April 24, 2010 um 16:40

Griechenland ist ein Geschäftsmodell der Deutschen Bank. Im Augenblick sorgt Ackermann mit Hilfe seiner Freundin dafür, dass die Kredite, die die DB an Griechenland vergeben hat, zurückgezahlt werden können. Dazu braucht Griechenland die Mittel der KfW. Gleichzeitig kauft die DB Kreditausfallversicherungen auf die Kredite der KfW an Griechenland, die sind jetzt gerade günstig.

Sind die Kredite an die DB zurückgezahlt und hat die KfW genügend hohe Kreditforderungen an Griechenland, die ausfallen könnten, dann sollte es eine kleine Party im Kanzleramt geben.

Von jetzt an wären weitere Hilfeleistungen an Griechenland für den Finanzplatz Deutschland kontraproduktiv. Politisch muss man nun von einem Fass ohne Boden (oder so) reden und davon, dass es dem deutschen Steuerzahler nicht zuzumuten ist, noch länger südländischen Schlendrian zu finanzieren. Es wäre günstig, wenn man diese neue Politiklinie kurz vor einer Landtagswahl verkünden könnte. Bleiben nun die weiteren Hilfeleistungen aus, wird sich die Anschaffung von Kreditausfallversicherungen durch die Deutsche Bank sehr günstig auf deren Renditeziel auswirken, während die Verluste der KfW von sehr vielen Schultern im Lande getragen werden müssen. So ist das nun mal an ordentlichen Finanzplätzen. Die nächste Party im Kanzleramt könnte steigen.

Man nennt das Finanzinnovationen, deren Ertrag vor allem durch eine sinnreiche Kombination politischer und wirtschaftlicher Interessenverfolgung optimiert werden kann.

Ackermann glaubt ausserdem noch daran, dass es sich dabei um Wertschöpfungsbeiträge handelt. Eine wissenschaftlich-ökonomische Grundweisheit wird dabei bestätigt: Wenn jeder nur an sich selber denkt, ist an alle gedacht.

Danach werden wir am Wiederaufbau Griechenlands gut verdienen, hoffe ich.

Alvar Hanso April 24, 2010 um 16:43

@Bernhard
Wir könnten uns doch vorstellen das Griechenland jetzt ein Teil Is raels ist, denen wir solidarisch-verantwortlich ihre viel zu kleinen Streitkräfte mit ein paar Sachspenden unterstützen.

@Wgnx
Das Wirtschaftswachstum hat wahrscheinlich einfach keinen Bock mehr, ständig die Drecksarbeit zu erledigen und Überstunden zu schieben weil die Klasse der Kristallpalastbewohner und insbesondere die Klasse der Möchtegern-Kristallpalastbewohner nicht in der Lage ist, den real existierenden Wohlstand anständig mit ihren Mitbürgern zu teilen und fault jetzt genüsslich am Strand einer wenig bewohnten Südseeinsel herum.

BTW – Hast du die Knetfiguren selbst gemacht oder sind das Werke deiner Kinder?

ppp April 24, 2010 um 16:44

Ach, die Blödeleien von Sinn oder Fuest sind doch noch völlig harmlos.. in der Süddeutschen-Zeitung gibs heute ein Interview mit Ottmar Issing zum Thema Euro – das nenne ich hart!

weissgarnix April 24, 2010 um 16:55

@Alvar Hanso

>BTW – Hast du die Knetfiguren selbst gemacht oder sind das Werke deiner Kinder?

Die stammen natürlich von los Ninos – ohne Kinderarbeit geht es auch in diesem Blog nicht.

H.H.Schmidt April 24, 2010 um 17:01

Nun einige Ausschnitte:

SZ: Herr Issing, war eine Krise wie die um Griechenland vorstellbar, als der Euro geschaffen wurde?

Otmar Issing: Einerseits nein. Die Dimension des Problems, einschließlich des Fälschens von Daten, hätte ich mir so nicht vorstellen können. Andererseits ja, denn einige Länder haben ihre Wettbewerbsposition in der Währungsunion kontinuierlich verschlechtert.

SZ: Dass die Entwicklung in der Euro-Zone auseinanderlief, war ja lange bekannt. Warum hat niemand eingegriffen?

Issing: Es war in der Tat eine Krise mit Ansage. In einigen Ländern sind die Lohnstückkosten über die ganze Zeit gerechnet um rund 30 Prozent schneller gestiegen als im Durchschnitt. Dass diese Länder in Schwierigkeiten geraten würden, war völlig klar. Die EZB hat darauf immer wieder hingewiesen, aber die betreffenden Regierungen haben sich darum leider nicht gekümmert. Die EZB und die spanische Notenbank haben zum Beispiel frühzeitig vor dem bedrohlichen Anstieg der Häuserpreise in Spanien gewarnt – vergeblich.

SZ: Tragen auch die Deutschen Schuld? Wären die Löhne hier stärker gestiegen, hätten die Griechen geringere Probleme.

Issing: Der Vorwurf eines deutschen Lohndumpings ist ökonomischer Unsinn. Deutschland startete mit einer überbewerteten Währung und hoher Arbeitslosigkeit in die Währungsunion. Da war es angebracht, Lohnzurückhaltung zu üben. Mit einiger Verspätung ist die Arbeitslosigkeit ja auch deutlich gesunken. Dazu haben Gewerkschaften entscheidend beigetragen. Der Fehler Deutschlands liegt ganz woanders. Als Deutschland und Frankreich den Stabilitätspakt verletzt haben . . .

SZ: . . . das war 2005 . . .

Issing: . . . haben beide Länder alles getan, um zu verhindern, dass die Regeln des Paktes angewandt wurden. Das war ein Tiefschlag für das Regelwerk, auf dem gerade die Deutschen bestanden hatten. Danach konnten andere sagen: Wenn sich nicht einmal die Deutschen daran halten, warum sollten wir es tun?”

Und ein wenig weiter:

SZ: Papandreou befindet sich doch in einer vergleichbaren Situation wie Reichskanzler Heinrich Brüning 1930, der mit seinen Sparmaßnahmen die Krise noch verschlimmerte.

Issing: Da widerspreche ich strikt. Damals litt die ganze Welt unter Depression und Deflation. Die Dinge liegen heute ganz anders. Im Übrigen kommt es darauf an, wie man spart. Wenn man an der richtigen Stelle kürzt, kann das sogar stimulierend wirken. Zahlreiche Studien belegen das. Meine griechischen Freunde sagen mir seit langem, wie sehr die riesige Bürokratie und die Korruption die Wirtschaft lähmen. Wenn sich hier Entscheidendes ändert, setzt dies Kräfte frei.

SZ: Ist Griechenland ein Opfer der Finanzmärkte geworden?

Issing: Das ist doch eine Mär. Wäre alles in Ordnung, wenn die Finanzmärkte nicht reagiert hätten? Natürlich nicht. Man könnte den Märkten höchstens den Vorwurf machen, dass sie nicht schon viel früher Alarm geschlagen haben.

SZ: Viele Euro-Gegner sehen sich bestätigt. Mit der D-Mark gäbe es das alles nicht.

Issing: Was meinen Sie, was in der Finanzkrise passiert wäre, wenn wir die D-Mark und die anderen nationalen Währungen noch gehabt hätten? Es hätte eine massive Flucht in die D-Mark eingesetzt mit der Folge, dass eine dramatische Aufwertung die deutsche Exportwirtschaft in die Knie gezwungen hätte. Es wäre eine Katastrophe für Deutschland gewesen. Dagegen hätten die Währungskrisen von 1992 und 1993 geradezu harmlos ausgesehen. Damals wurde die italienische Lira in kurzer Zeit um 30 Prozent abgewertet. In der Folge sind viele Unternehmen, vor allem in Süddeutschland, pleitegegangen, weil sie einer so heftigen Wechselkursänderung nicht standhalten konnten.

SZ: Kein Bedauern über die Einführung des Euro?

Issing: Nein, sicher nicht. Aber es ist unabdingbar, dass alle Beteiligten verstehen, was die Währungsunion bedeutet: Eine einheitliche, stabilitätsorientierte Geldpolitik und die Verpflichtung zu soliden Staatsfinanzen. Daran müssen sich alle ausrichten, nicht zuletzt die Tarifparteien. Man darf nicht so tun, als gäbe es die Möglichkeit der Abwertung noch. Bisher hat die Mitgliedschaft in der Währungsunion in einigen Ländern Illusionen genährt. Das muss aufhören, daher ist ein deutlich verbesserter Überwachungsmechanismus nötig.”

Ach ja, Befrager Nikolaus Piper

Nanuk April 24, 2010 um 17:28

@H.H.Schmidt
Da irrt der Issing die Finanzmärkte hätten Deutschland in den Staub der Geschichte geschickt und die USA währen vor lachen kaum zum schlafen gekommen… nachdem sie Japan nicht abschiessen konnten hätten sie es mit Deutschland versucht und die dummen Deutschen mit ihre Pleite und Inflations Angst währen schreiend hinterher gelaufen…

@Wgnx
Zurück zu alter Form?

keiner April 24, 2010 um 17:34

Na also, geht doch (noch) :-)

Schöner Beitrag!

H.H.Schmidt April 24, 2010 um 17:41

@ Nanuk

eigentlich ein entlarvendes Gespräch. Nur dieser Mann berät diese Bundesperle aus der Uckermark! :-(

keiner April 24, 2010 um 17:41

PS: Einzige Alternative: Jeden Tag eine Flasche Metaxa und ab und zu einen rostigen Kahn chartern? Soll man die Griechen und Italiener mit ihren 100%igen Erhöhungen der Beamtenbezüge durchkommen lassen?

Fragen über Fragen…

Nanuk April 24, 2010 um 17:48

@keiner
Siehste ich bin kein Protestant ich kann mir schlimmeres vorstellen als jeden Tag ne Flasche Metaxa und dabei auf nem Schiff in der Sonne dösen.
together let’s go…
http://www.youtube.com/watch?v=2AzpHvLWFUM

:)

Nanuk April 24, 2010 um 18:00

und wenn wir Griechenland untergehen lassen die Wiege europäischen denkens dann haben wir es auch nicht anders verdient als mit unterzugehen…

Stephan April 24, 2010 um 18:31

Es ist zum Haare raufen! Ich bin echt frustriert. Am Donnerstag Abend hab ich aus lauter Frust mal eine Email an die zwei Hanseln, die ich bei der EZB “kenne” geschickt. Hier das Email:

Hello! Somebody awake at the ECB?

Good evening!

A brief look at my screen: CDS on Greek bonds 655 (+170!) basispoints. Yield on 2 years bonds 10.20%, on 10 years 8.9%. Puhhh … what a mess! Then I turn briefly to CNN hearing, that SEC staffers indulged some porn while the economy around them blew up. Now I’m wondering, what are our mighty central bankers doing while the EMU is going South? Having read some of your recent papers most probable you’re thinking very hard about some new papers how ECB monetary policies might effect exchange rates and current account balances with the great nations on Alpha Centauri.

It’s time for action! Time for a counter-attack against these Hedge Fund suckers. Given current monetary arrangements in the EMU, I might remind you, that the ECB is the 800 pound gorilla in town and not the other way round the City of London. Perhaps you should consult your brethren in Hong Kong and how they handled in 1998 attacks on the Hang Seng and the HK dollar. Once it was clear, that the HK monetary authority was willing to play and engage, the Hedge Funds were the fools. Sell them a lot of CDS and then buy Greek bonds to decorate your balance sheet. The EMU tax payer will say Thank You for earning some extra-income.

Guys wake up!

Hab sogar eine Antwort gekriegt. Alles angeblich verboten? Na gut, ich marschier mit Mister Markt weiter und wenn Griechenland den Bach runter geht, was soll’s. Ich denk bereits über Portugal nach. Immer auf die Kleinen!

Michael April 24, 2010 um 19:09

Die Griechen können aus dem €uro austreten, besser wäre es, wenn die “Deutschen” genau das täten, oder sie sparen bis zum Bürgerkrieg. Das ist richtig. Ansonsten können wir ja mal ein bischen Nettozahlungen von den Griechen &. co. erwarten … ? Ha. Bis zum St. Nimmerleinstag.

Gewerkschaftschef Sommer fordert von Schäuble höhere Steuerm. Den Gefallen sollte Schäuble ihm tun. Mehrwertsteuer für die Bankenverstaatlichungen auf 25% (das ist definitiv der Preis für die Bankenrettung, unterste Grenze) und ermäßigte Mehrwertsteuern auf vollen Satz, für die Kurzarbeiterregelung, Abwrackprämie und Rettung bankrotter Firmen. Dann klappt das auch mit dem “BIP-Wachstum” das zöge in einem Ritt 3% hoch.

So leicht kann man die “Ökonomen” als Scharlatane darstellen, denn die Mwst. – Einnahmen gehören tatsächlich zum sagenumwobenem BIP.

Nur der Nutzen von Angestellten des Öffentlichen Dienstes sollte vielleicht nicht so hinterfragt werden. Gewerkschaftsboss Sommer wäre bestimmt entsetzt, wenn Kindergärten, Krankenhäuser, Müllabfuhr, Wasserwerke, Straßenmeistereien …. privatisiert würden. Doch, Europa hat gewaltige Potenziale, ganz ohne, dass Stadtkämmerer die wunderbarsten Markt-Innovationen zur Vernichtung der öffentlichen Finanzen, unter völliger Straffreiheit, versteht sich, einsetzten brauchen. Und auch da haben die Südländer erheblich höhere Potenziale, als die Deutschen.

Natürlich bin ich aus egoistischen Gründen DAFÜR, dass die Banken auch dieses Mal wieder gerettet werden. Nur ich weise die “Retter” nämlich die deutschen Steuerzahler, schon mal darauf hin, dass ich darauf optimistisch wette, dass sie “retten” und somit an mich zahlen werden. Und jetzt noch mal ein kräftiges Hoch auf die Kanzlerin, den Finanzminister und die “Gewerkschafts-”Bosse. Hurra, Hurra, Hurra, hätte es bei derlei Ansprachen vor wenigen Jahren im Real Existierenden getönt. Jawohl, endlich wieder Real Existierender. Totale Verantwortungslosigkeit zum Nulltarif. Prima. Als wenn wir nicht froh gewesen wären, den Shit endlich losgeworden zu sein.

Systemfrager April 25, 2010 um 11:32

Herrlicher Beitrag!

Ich habe mir schon Sorgen gemacht: WGNX geht endgültig die Puste aus
Schön dass du dich in dem alten Gloria zurückmeldest ;-)

Degnaphta April 25, 2010 um 12:47

Daß die Bankenrettung über den hellenischen Umweg erfolgen wird, dürfte unzweifelhaft sein.
Wie aber soll das arme Griechenland, das sichjetzt künstlich in einen Sparwahn versetzen muß, denn jemals die ‘Rettungskredite’ bezahlen? Einen Teil des Geldes können/müssen sie gleich wieder zurückpumpen. Mit dem anderen Teil könne sie dann theoretisch ‘Wirtschaftstätigkeit enfachen’, was auch immer das dann konkret werden soll.
Die Sparmaßnahmen der öffentlichen Hand jedoch werden das Rattenrennen beflügeln, sodaß nach dem glorreichen Vorbild deutschen Lohndumpings auch in Griechenland die 60Std-Woche bei 2,5€/Std auf dem Programm stehen wird. Ich wünsche das den Griechen keineswegs. Möglicherweise sind die Bürgerkriegsprophezeihungen ziemlich realistisch.
Und wenn es zum Schlimmsten kommt, wie wird dann die Rest-EU reagieren? Wird man Truppen entsenden, falls die griechische Regierung darum bittet?
Oder wird man den Austritt aus der Eurozone entscheiden lassen? “Geht ihr raus, könnt ihr alleine Bürgerkrieg machen. Bleibt ihr drin, kommen wir unsere Interessen schützen. Ihr habt die Wahl!”

ebook-blog April 25, 2010 um 13:49

Jetzt habe ich gerade den Presseclub im TV gesehen. Das mit Griechenland ist ja für uns ein Fass ohne Boden. Da müssen die nächsten Jahre hunderte von Milliarden fällig. Warum eigentlich. Griechenland soll den Euro verlassen und dann auf die Füsse kommen. Ich glaube nach der NRW Wahl wird es richtig heftig für uns.

Wat. April 25, 2010 um 15:07

“Ich glaube nach der NRW Wahl wird es richtig heftig für uns.”

Es wird so und so richtig heftig für ‘uns’.
Wer ist ‘uns’.
Na, die, die eben nicht das ganz große Kapital ihr eigen nennen können.
Also wohl die meisten…

Aber Trost – wenn diese nicht ihre Gewinne versucht hätten in Griechenland, Spanien, Portugal etc. zu realisieren, wäre es ‘uns’ noch früher, noch ‘toller’ an den Kragen gegangen!

Die Griechenland-Rettung ‘will’ nur dafür ‘sorgen’, daß ‘die’ ihre Gewinne auch realisieren und nicht abschreiben können…

EuroOptimist April 25, 2010 um 17:35

Mehr als das, was Griechenland bereits an Sparmaßnahmen zugesagt hat, ist schlicht nicht drin und auch nicht vernünftig. Wahrscheinlich ist sogar das Zugesagte schon zuviel. Zu jeder Sanierung gehört unbedingt der Haircut für die Gläubiger.
Wenn der nicht kommt, sind die ganzen Hilfen nur Kosmetik und etwas gekaufte Zeit. Der Haircut muss auch dafür kommen, dass das Publikum endlich erfährt, welche Banken und Versicherungen besonders fahrlässig Kredite ausgegeben haben. Jede Lösung ohne einen schmerzhaften Haircut soll nicht die Griechen retten und nicht die Stabilität in Euroland, sondern einzig und allein das Finanzsystem und die Politik vor dem Zorn der Bürger.

Sucram April 25, 2010 um 18:49

Es wird der Griechischen Demokratie nicht gestattet werden, das mittelfristig bessere Los zu ziehen, nämlich den guten, alten Staatsbankrott. Es werden vielmehr Lebensverlängernde Intensivmassnahmen eingeleitet, mit einhergehender Entmündigung und anschliessender Volksunruhen. Das wird alles noch sehr interessant und spannend. Gruss

Rüdiger Kalupner April 26, 2010 um 13:17

Sparen bis wir Menschen KREATIV und selbstleistungswillig und unternehmerisch werden wollen. Das ist die Chance für die Griechen und für alle Europäer. An der hier formulierten Alternative
‘KREATIV statt KRIEG’ sehe ich die List der Geschichte in dieser Systemkrise am Werke. Die Krise Griechenlands wird eine evolutionsprozess-logische, weltrevolutionäre Wende nehmen – zur Systemlösung ‘ EPIKUR-Projekt’.

Wir wissen doch aus geschichtlicher Erfahrung: Es gibt in Systemkrisen i m m e r die Option des gesteuerten Exodus/Sturz aus dem Ancien Regime, d.h. aus dem verursachenden Steuerungs- und Machtsystem. Das verursachende Macht- und Steuerungssystem ist im aktuellen Fall unbekannt, aber als das absolutistisch herrschende 2%Wachstumszwang-Regime der KAPITALSTOCKMAXIMIERER zu erkennen. Dazu muß man den Inhalt des Begriffs KAPITALISMUS nur steuerungssystemisch konkretisieren. Ein erster Schritt zur obigen 2%Herrschafts-These ist die Erkenntnis, dass der KAPITALISMUS das Herrschaftssystem der KAPITALstockmaximierungs-Interessen über die Leistungsprozesse und Teilnehmer in der Konkurrenzwirtschaft ist, und dass diese Vorherrschaft allein auf der Kostenschere zwischen steigenden Arbeits- und nicht-steigenden Energie-+Kapitalstock-Kosten gründet. Wer diese Kostenschere umkehrt, der stürzt die Vorherrschaft des KAPITALS.

Ich sehe in der Verschuldungskrise Griechenlands u.a. MED-Staaten die evolutionsprozess-eigene Fortschrittsmacht am Werke, die auf den Sturz der alten Akzelerationsordnung (= Kapitalstockmaximiererei) drängt, um eine weiterführende, entwicklungseffizientere Fortschrittsordnung zu etablieren. An die Stelle der Fortschrittsformel ‘Energieeinsatz durch Kapitalstockaufbau maximieren’ wird die Formel treten ‘Kreativitätseinsatz durch Menschen maximieren’. Knappheit von Ressourcen und Fremdleistungen (= Energie und Kapitalstock) macht bekanntlich kreativ.- Das gilt für Menschen wie für Gesellschaften. Die neue Weltordnung des KREATIVEN ist die Logik der Systemkrise. Statt einen Bürgerkrieg in Griechenland oder Europa werden wir eine Weltkulturrevolution unter die Herrschaft des KREATIVEN Akzelerationswegs im Evolutionsprozess erleben. Der geistige Vater des Liberalismus EPIKUR hätte seine Freude dran. Aus den lässig auf Kredit leicht-lebenden griechischen Epikuräern der Vergangenheit werden dann KREATIVE Epikuräer werden, die in Alexis Sorbas ihr nationales schon Vorbild haben. Wenn das die Griechen erfahren ….

vera April 27, 2010 um 06:00

Guten Morgen. Tut mir leid, hab zu früh auf ‘veröffentlichen’ gedrückt. So kenne ich zwar jetzt eine mir neue Funktion von wp.com, habe aber einige Menschen verärgert, weil ich die Glanzlichter noch nicht fertig hatte. Werde sie gleich rausschicken. Nix für ungut ,)

michael Juli 24, 2010 um 17:39

Dieses “Sparen, bis der Arzt kommt” dient nur dazu, zu kaschieren, dass der €uro nach den Bailouts nicht mehr €uro heißen dürfte. Er ist eine völlig andere (Weich-)währung geworden, die “Weichheit” wird durch die Summe der Bailouts bestimmt. Aber “weich” gegen was ? Etwa wirklich gegen den Dollar ? Der ist auch noch stärkere Bailouts gekennzeichnet. Mit den “Sparprogrammen” soll die Inflation als Warenpreiserhöhung kaschiert werden, Es werden Preise erhöht, die nicht im Warenkorb stehen.

Gibt es einen Schutz vor Inflation ? Falls ja, wie schützt man sich vor Inflation ? Vor allem, wenn sie unter einer Tarnkappe daherkommt ? Kann jeder für sich selbst beantworten. Denn es gibt nichts zu diskutieren, steigende Steuern und Abgaben sind Inflation. (Die kann durchaus zeitgleich mit einer Einkommensdeflation, wie in Deutschland üblich, im Ausland als Dumpinglöhne gesehen – verstärkt durch die Kurzarbeiterregelungen als Subvention – daherkommen.)

Niedrig rentierende “Staats-”anleihen sind also ein sehr dummer Einfall. Die Anleihen für die “Rettung” sind ebensowenig einbringbar, wie die übrigen Staatsanleihen, nur mit der Rettung anderer tritt die Zahlungsunfähigkeit bei den eigenen Anleihen früher ein. Das “Sparen bis der Arzt kommt” dient also der Herauszögerung des Offenbarungseides.

Eine Banknote ist per Definition eben nicht dasselbe, wie Geld. Das war es, was seinerzeit Henry Ford mit seinem Ausspruch zum Dollar meinte. Der Dollar war die Banknote, die in Geld, nämlich Gold, umgetauscht werden konnte. Das ist schon lange nicht mehr so. Das heutige “Geld” ist durch gehebelte Zahlungsversprechen “gedeckt”. Es ist regelrechtes Antigeld. Verzögerung des Offenbarungseides bedeutet also, der Augenblick, in dem offenkundig wird, dass die Schuldner bankrott sind, wird herausgezögert. Denn das hieße, das Geld würde seine Kaufkraft schlagartig verlieren. Sein “innerer Wert” entspräche dem Materialpreis. Bei ein paar Quadratzentimeter Papier überaus leicht zu bewerten.

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