Die HNA vom 10. März 2011

Die HNA vom 10. März 2011

Guten Morgen,

früher, ja früher konnte man sich am Aschermittwoch noch freuen. Auf die saftigen Aschermittwochsreden, beißend, kritisch, manchmal beleidigend, irgendwie witzig. Auch heute sind die verbalen Schlagabtausche am Aschermittwoch das einzige, was politisch an diesem Tag passiert. Aber was ist das für ein Schmierentheater geworden? Spiegelbild der politischen Qualität insgesamt, erschreckend. Schlimm für die Medien, dass sie das widerspiegeln müssen. Bestes Beispiel: Wenn Politiker sich in ihren Aschermittwochbeiträgen über Guttenberg lustig machen in Reden, die sie zwar selbst nicht geschrieben haben, aber dennoch als die eigenen vorlesen. Man ist zwar nicht geistreich, der Redenschreiber ist es auch nicht - aber alle Welt kann sehen: Man kann lesen! Wie unterirdisch das Niveau der Beiträge ist - die HNA hat es heute prima dokumentiert.

An Henryk M. Broder scheiden sich bestimmt die Geister. Wieder mal ein Interview mit ihm in der HNA - und solche Beiträge liest man gern. Äußerungen, an denen man sich reiben kann, Gedanken eines Mannes, der über alle Maßen von sich selbst und der abrgrundtiefen Dummheit seiner Umgebung überzeugt ist - aber genau so entstehen Diskussionen, die nicht nur den Kopf, sondern die Emotionen mitnehmen. Ich finde es prima, dass eine Regionalzeitung an einem solchen Tag genau so einen Reibungspunkt bietet.

Es gibt Neidthemen, die man liest, weil man neidisch ist und eine solche Welt nicht versteht und im ersten Moment ohnehin nicht weiß, wieviele Nullen eine Milliarde nach der eins hat. Die Forbes-Liste gehört dazu. Schrecklich aufbereitet in der HNA allerdings, was soll dieses ganze umständliche Geschreibe: Her mit der Liste von eins bis 50 und gut ist gewesen. Soviel dichterische Ausflüge um den heißen Brei können doch nur schief gehen. So in diesem Fall mit dem Satz des Tages, der zum Un-Satz des Jahres werden könnte - aber bitte mit Copyright HNA: "Viele Deutsche haben weniger Milliarden." Hurra!

Fats zum Schluss ein dickes Kompliment, das ich gern weiter gebe. Dieser Tage sagte mir ein Kollege einer anderen Zeitung, dass der Sportteil der HNA wohl das Beste sei, was eine regionale Zeitung in Deutschland zu bieten habe. Sage ich schon seit langem, aber mir glaubt ja keiner ;-)

Dass dem so ist, das sieht man heute an der ersten Sportseite: Toll aufbereiteter Schalke-Komplex, alles drin, was man zur Info braucht und dann das späte Spiel routiniert im Blatt. Liebe Kollegen, Danke, so macht man Zeitung.

Ich würe ja gern nachhaltig meckern, aber mir fällt nur noch was Positives ein: Die Filmkritik von Bettina Fraschke wird sich nachhaltig vom Betroffenheits-triefenden Integrations-Gejammer des weltfremden-sozialromantischen deutschen Feuilletons unterscheiden. Fachliche Kompetenz gemischt mit dem Blick des normalen Konsumenten. Das ist prima, da weiß ich wenigstens, was ich von dem Film zu halten habe.



Diese Artikel könnten Sie auch interessieren

  • Keine Schlagwörter im Artikel angegeben.

Autor dieses Artikels:

Horst Seidenfaden Dieser Artikel wurde am 10.März 2011 veröffentlicht. Weitere Beiträge von : 35 Artikel.

Horst Seidenfaden ist seit 2002 Chefredakteur der HNA. Zuvor fungierte er bereits als stellvertretender Chefredakteur bei der HNA.

Autor per E-Mail kontaktieren

21 Kommentare

  1. Robert Bienert
    Robert Bienert

    Wo bleibt in der MEG-Geschichte eigentlich die Selbstkritik der HNA?

    • Hallo, Herr Bienert,

      mir persönlich erschließt sich nicht, warum wir Selbstkritik üben sollten? Daran, dass alle anderen Medien in Nordhessen den Fortgang dieses Thema, das, wie die Zugriffszahlen im Netz zeigen, immer noch die Menschen nachhaltig interessiert, verschlafen – incl. der “nordhessische.de”?
      Aber: Wer Fragen stellt, der zeigt zumindest, dass er vom Thema zu wenig versteht. Das zumindest hat sich bestätigt.
      Noch eine organisatorische Anmerkung: Ich nehme aus der Watchblog-Kritik gern die Themen raus, die in den Lokalteilen der HNA erscheinen und nicht für alle User bekannt sind. Das war aber hier auch schon häufiger Thema. ich wiederhole es aber gern.

    • Robert Bienert
      Robert Bienert

      Nun, blättern sie doch einmal in ihrem eigenen Archiv, wie ihre Zeitung damals über MEG geschrieben hat. Jeder Mittelständler, jeder kleine Handwerker weiß, dass ein solch steiles Wachstum, wie es MEG hingelegt hat, nicht nachhaltig sein kann (fragen sie mal SMA). Ihre Redakteure haben stattdessen lieber über Paul Potts, Arthur Abraham, den MEG-Tower, … berichtet. Aber: Das will ich ihnen gar nicht vorwerfen, denn ihre Leser mögen solche Geschichten vielleicht mehr als Wirtschaftsberichte.

      Dass Nordhessische.de nicht über MEG berichtet (hat), mag vielleicht daran liegen, dass sie Äpfel mit Birnen vergleichen.

      Abschließend darf ich die Sesamstraße zitieren:

      Wer wie was? Wieso weshalb warum? Wer nicht fragt bleibt dumm!

    • Hallo, Herr Bienert,

      nun bin ich über die Sesamstraße schon ein wenig hinaus – was uns unterscheiden mag. Wie auch immer: Natürlich kann man Äpfel mit Birnen vergleichen – beide nehmen ja für sich in Anspruch, Obst zu sein. Die einen sind es dann halt nur ein bisschen – aber will schon vom Obst nur den Stiel und die Kerne?
      Ich habe in den vergangenen Jahren häufiger im HNA-Archiv nachgeschaut, was und wie wir über MEG berichtet haben. Ihnen sind die Erinnerungen an Paul Potts geblieben – hätten Sie Interesse an Wirtschaftsberichterstattung und an kritischer Kommentierung des Ganzen, an Berichten über mögliche strafrechtliche Probleme des MEG-Geschäfts, dann würden Sie sich auch daran erinnern. Das HNA-Archiv weist nämlich eine erkleckliche Anzahl von Beiträgen darüber aus. Und so kommen wir zurück zum Problem der Fragen: Man sollte – rein journalistisch betrachtet – immer erst Fragen stellen, bevor man Behauptungen formuliert. Das unterscheidet dann auch Äpfel von Birnen: Sie sind einfach bissiger.

  2. Robert Bienert
    Robert Bienert

    Gut, dann bringen sie doch bitte einmal Belege für nachfragende, kritische, investigative Berichte über MEG, die „zur Anfangszeit“ geschrieben worden sind. Genau deshalb frage ich doch.

    P.S.: Frische Birnen sind auch bissig. Und vom Obst isst man immer das Fruchtfleisch.

    • Lieber Herr Bienert,

      unser Archiv verzeichnet exakt 2000 Artikel zum Thema MEG. Kommen Sie vorbei, bringen Sie Zeit mit und lesen Sie die Dinge nach. Ich werde einen Teufel tun und hier Dinge behaupten, die nicht stimmen, seien Sie sicher. Auch darin unterscheiden wir uns.
      Kleiner Tipp zum Obstessen: Der nahrhafteste und vitaminreichste Teil des Obstes sitzt direkt unter der Schale – also unbedingt die Schale essen!
      Wieder was gelernt?

    • Robert Bienert
      Robert Bienert

      Was soll ich (oder Nordhessische.de) fälschlicherweise behauptet haben? Belege bitte! Mit simpler Contra-Nordhessische.de-Polemik kommen sie nicht weit.

    • Naja, dann muss ich Ihnen auch noch beibringen, wie man liest – bzw. wie man die eigenen Äußerungen verstehen kann. Sie haben sinngemäß geschrieben, wir hätten zum MEG-Thema gern über Paul Potts etc. berichtet und auf kritische Betrachtungen verzichtet. Genau das stimmt nicht, wenn Sie wollen schicke ich Ihnen 2000 Artikel zu und sie schauen sich das Ganze an. Das hat nichts mit Polemik zu tun – zumindest nicht auf meiner Seite. Allmählich wird hier mein Obst-Partner zum Fallobst.
      Muss mich jetzt leider für den Rest des Tages ausklinken, bin terminlich gebunden. Sie können sich also jetzt gefahrlos auslassen. Oder die, die Sie jetzt flehentlich um Beistand gebeten haben.

    • Robert Bienert
      Robert Bienert

      Wo sind die Leser, wenn man sie braucht?

    • Robert Bienert
      Robert Bienert

      Mir reicht ein einziger Artikel, um die Frage zu beantworten. Außerdem habe ich eben nicht behauptet, ihre Redakteure hätten aufs Hinterfragen verzichtet.

  3. Karl-Heinz Brethauer

    Mir fehlt eine Online-Umfrage zu E 10, als Entscheidungshilfe für die Abschaffung . Was für den “Doktor” eingerichtet wurde sollte auch für die große Anzahl der Autofahrer möglich sein.

  4. Redaktion HNA.de
    Redaktion HNA.de

    Ein HZ Leser in Schenklengsfeld merkt an:

    Sehr geehrter Herr Seidenfaden,
    heute in der hna ganz links unten in 15 dürren Zeilen: 13 Tote in Kairo.
    Hätte ich’s gestern Abend nicht im Fernsehen gehört, nichts würde ich wissen, vielleicht nur etwas sehr Allgemeines.
    Warum nur sind wir hier im Land so vorsichtig mit Meldungen, die vielleicht den Muslimen nicht gefallen würden?
    Können Sie es mir erklären? Sonst muss ich es Ihnen erklären, z.B. so: In Stuttgart sind die Lehrkräfte der Schulen angewiesen worden, die Schüler nicht mehr mit “Grüß Gott” zu begrüßen, es könnte den muslimischen Kindern nicht gefallen.
    In Kairo wurden 13 Christen von Muslimen getötet! Das ist die ganze Wahrheit.
    Grüße

  5. Carolus B.

    Herr Seidenfaden,

    Sie lavieren um den Herrn Bienert herum und es gelingt Ihnen doch überhaupt nicht. Zum Thema MEG AG: Dem langjährigen Leser ist leider

    1. bekannt und

    2. noch in guter Erinnerung,

    daß Ihr Blatt, die HNA, dieses Unternehmen in einer journalistisch unverantwortlichen Weise gebauchpinselt und PR-mäßig unterstützt hat. Teilweise wurden Firmenmiteilungen aus der Öffentlichkeitsarbeit unverändert übernommen. Vom Boulevardniveau über einzelnen Eskapaden eines Herrn Mehemt G. mal ganz abgesehen…

    Nein, so sieht kein qualifizierter, guter, kritischer Journalismus aus. Auch nicht und gerade nicht im lokalen Bereich! Gemauschel und “Klüngelei” war das gewesen. Reines Totschweigen nutzt jetzt auch nichts mehr.

    • Na, da ist es Herrn Bienert nach stundenlangem Bemühen doch noch gelungen, jemanden zu finden, der ihm beisteht. Jetzt sind es schon zwei, eine Steigerung um 100 Prozent, alle Achtung.
      Lieber Carolus B., ich bin es ziemlich Leid, mich in Diskussionen mit stumpfsinnigen Pauschalkritiken ausdeinander zu setzen. Ich habe auch nicht um Herrn Bienert herum laviert – ich habe ihm ein konkretes Angebot gemacht. Das er – natürlich – nicht annimmt aus der Furcht, seine vorgefertigte, wahrscheinlich auch im Schlaf abrufbare fetsgezimmerte Meinung über die HNA möglicherweise ändern zu müssen. Sie passen auch in dieses Bild: Man glaubt, sich an was erinnern zu können, betrachtet dies – unrecherchiert – als Fakt und baut darauf eine Schlussfolgerung auf. Es darf nur das sein, was sein muss. Wir arbeiten da ein wenig anders – deswegen versteht die HNA-Reaktion auch etwas von Journalismus. Wir fragen nach, bevor wir urteilen – und wir recherchieren tagtäglich. Auch Ihnen gilt das Angebot: Kommen Sie vorbei und schauen sich den Werdegang der MEG-Berichterstattung an. Nur aus den Zusammenhängen wird klar, wie schlüssig das ist. Ein Artikel reicht da nicht, da muss man sich mehr Mühe geben.
      Im Übrigen noch eines: Wir haben nicht eine der kaum vorhandenen Pressemitteilungen der MEG unverändert übernommen. Wir können selbst und besser formulieren. Aber auch das ist so ein Pauschalvorwurf: Man weiß zwar nicht, wovon man redet, hat aber eine feste Meinung.
      Und dass wir nichts totschweigen, Herr Wieauchimmer, lässt sich in diesem Watchblog trefflich nachlesen.
      Ach so, ich vergaß: Das macht ja Mühe und könnte das eigene Weltbild gefährden…

    • Robert Bienert
      Robert Bienert

      Herr Seidenfaden, besser könne sie sich als Gesprächspartner gar nicht diskreditieren als mit diesem Rundumschlag. Sie stellen falsche Behauptungen auf und legen hier einen Stil an den Tag, der seinesgleichen sucht. Halten sie diese Form des „kritischen Dialogs mit dem Leser“ für sinnvoll? Wundern sie oder Herr Nähler sich ernsthaft über die geringe Beteiligung hier im Blog? Welcher Leser hat denn Lust, dermaßen angegangen zu werden? Ich gebe ihnen mal eine Woche Bedenkzeit und wenn ich wieder zurück bin, sind sie hoffentlich schlauer. Auf diesem Niveau ist meiner Meinung nach keine sinnvolle Diskussion möglich.

    • Hallo, Herr Bienert,
      ich brauche weder Tage noch Wochen, um einfachste Gedanken zu ordnen. Wieder ein Unterschied zwischen uns. Und nun etwas Grundsätzliches: Die Autoren der HNA dürfen sich in Watchblog und auf der Website jede noch so harte, grundlose und polemische Kritik anhören. Ich habe einfach mal absichtlich testen wollen, ob einer dieser notorischen Besserwisser und Alleinvertreter der Wahrheit in der Lage ist, selbst was in dem Stil auszuhalten. Das Ergebnis: Sie sind es erwartungsgemäß nicht. Was Ihnen meinungsmäßig in die Quere kommt, wird ignoriert. Sie trauen sich ja noch nicht mal, den Disput auf der Basis von Fakten zu führen. Nochmal: Kommen Sie vorbei und checken die komplette MEG- Berichterstattung, um sich eine gesicherte Meinung zu bilden und dann darüber zu schreiben oder zu reden. Sie werden es nicht tun, weil die Auseinandersetzung nicht in Ihr Weltbild gehört. Die HNA tut genau das, unter anderem mit diesem Watchblog. Da liegt der Unterschied. 140 HNA-Redakteure stellen sich täglich der öffentlichen Kritik und setzen sich mit dieser intensiv auseinander. Ich bin stolz auf diese Mannschaft und deren Bereitschaft, das zu tun, denn es unterscheidet uns von allen Zeitungshäusern, die ich kenne. Bei Ihnen wäre ich froh, wenn ich mal etwas lesen oder hören würde, was nicht durchschaubaren und vorhersehbaren Reflexen entspränge. Ich wünsche Ihnen eine schöne Woche zum Nachdenken. Was dabei herauskommt, ahne ich.

    • Hallo Herr Seidenfaden,
      Sie werfen Ihren Widersachern vor, harte polemische Kritik nicht auszuhalten. Waren Sie es denn nicht, der Herrn Boeddinghaus hier entfernt hat, weil Sie genau diese harte polemische Kritik nicht aushalten konnten?

  6. Na, hallo. Hier herrscht ja ein Ton. Ist das normal, dass der Chefredakteur der Zeitung hier so rumholzt?

  7. Herr Chefredakteur, ich darf Sie doch so nennen? Es ist schon sehr bezeichnend. Irgendwie fühlten Sie sich als der Autor des Artikels wohl auf den redaktionellen Schlips getreteten? Eine Mischung aus beleidigter Affektiertheit und Sarkasmus ist hier keinesfalls eine ausreichende Antwort.

    Kleiner Tipp vom PR-Fachmann: Wenn Sie mit der Kritik Ihrer Kunden *SO* umgehen dann brauchen Sie sich über sinkende Absatzzahlen nicht zu wundern, Herr Seidenfaden.

    So sieht jedenfalls kein konstruktiver Dialog mit den Lesern aus!

    P.S. Sie haben der MEG24 AG über weite Strecken eine zweifelhafte Öffentlichkeitsarbeit geleistet, davon bin auch ich überzeugt. Die ganzen “bösen” alten Berichte sind in Ihrem Archiv aber nun nicht mehr aufrufbar… So ein Zufall aber auch.

  8. Interessierte-Leserin

    Zumindest hat sich noch jemand hier gemeldet, der die Berichterstattung der HNA für Verbesserungswürdig hält.
    Wer das polemisch mit “ja jetzt 100 Prozent – toll” abtut hat einen potenziellen Leser und “Watchblog-Mitmacher” freundlich ausgedrückt vor den Kopf gestossen.

    Die Beiträge, die sich der Meinung / Wahrnehmung von Herrn Seidenfaden anschliessen fehlen …

  9. Mortchen

    Fehlt da was an Kommentaren.
    Waren mal 22, dann 20 jetzt 21 ?

Einen Kommentar schreiben