Open Access Overview - Definition und Einführung

Der Original-Beitrag von Peter Suber enthält weiterführende Links, die wir in dieser Übersetzung nicht berücksichtigt haben. Wenn Sie einen Blick auf diese werfen möchten, bitten wir Sie, die englische Fassung anzusehen.

Dies hier soll eine Einführung in den Bereich des Open Access für diejenigen sein, denen das Konzept neu ist. Ich hoffe, diese Zusammenstellung ist kurz genug, um sie gerne zu lesen, lange genug, um auch ihren Zweck zu erfüllen und so organisiert, dass Sie nach Lust und Laune von einem Thema zum nächsten springen können und nur dort ins Detail abtauchen werden, wo Sie es wollen. Natürlich wird nicht jede Kleinigkeit der Thematik behandelt und bestimmt ist es so, dass nicht jede Frage zu dem Thema beantwortet wird. Aber für denjenigen, die diese Abhandlung lesen, soll sie einen kurzen, aber prägnanten Überblick über vermeintliches Neuland geben, um den Missverständnissen vorzubeugen, die unseren Fortschritt einst verlangsamt haben.

Insofern Ihnen diese Übersicht immer noch zu lange erscheint, lesen sie bitte meine sehr verkürzte Einführung in den OA. Diese ist in einem Dutzend Sprachen erhältlich und an sich lässt sie sich auf nur einer Seite ausdrucken, allerdings ist dies abhängig von der Schriftgröße. Sollte dieser Text wiederum zu kurz sein, sehen Sie sich bitte meine anderen Schriftstücke zum OA an.

Sobald Sie einmal mit der Grundidee des OAs vertraut sind, sollten Sie die neuesten Entwicklungen über das OA Tracking Projekt und SPARC – den Newsletter für Offenen Zugang weiterverfolgen. (Seit Mai 2002 bis April 2010 wurde über neue Entwicklungen in diesem Bereich auch in meinen Blog, Open Access News berichtet. An sich habe ich ihn 2010 geschlossen, aber das Archiv ist noch immer online einsehbar.)

Ich freue mich immer über Kommentare und Vorschläge.

Englischer Original-Artikel von Peter Suber

Open Access Overview (definition, introduction)


Literatur des Offenen Zugangs (OA) ist digital, online, kostenlos, meist frei von Urheberrechten und Lizenzbeschränkungen erhältlich.

Dank OA gibt es keine Preisbarrieren mehr (wie zum Beispiel Abonnements, Lizenzen oder gar sogenannte Pay-per-View Kooperationsvereinbarungen). Die kurze Definition der PLoS – „kostenlose Verfügbarkeit und uneingeschränkte Nutzung“ – deckt ganz lapidar beide Elemente ab.

Es herrscht eine gewisse Flexibilität in der Frage vor, welche Genehmigungsbeschränkungen entfernt werden sollen. Um nur ein Beispiel zu nennen: Manche Anbieter von OA erlauben kommerzielle Weiterverwendung, andere wiederum nicht. Manche erlauben Ableitungen, andere nicht. Aber der Großteil der öffentlichen Definitionen von OA stimmt insofern überein dass allein das Weglassen von preislichen Grenzen und das Umwandeln von höchstzulässigen Gebrauch in „Fair Use“ („Fair Dealing“ in Großbritannien), nicht genug ist.

Im Folgenden nun die Definition der Budapest Open Access Initiative: „Es gibt viele Möglichkeiten, breiteren und einfacheren Zugang zu dieser Literatur zu bekommen. Mit „öffentlichem Zugang“ zu dieser Literatur meinen wir, dass sie frei für Jedermann im Internet verfügbar ist, von jedem Benutzer gelesen, heruntergeladen, kopiert, verbreitet, gedruckt, gesucht oder mit Texten verlinkt werden kann. Außerdem ist das Durchforsten der Indices, das Anfügen der Daten zu Software oder der Gebrauch für einen anderen, wie auch immer gearteten, innerhalb des Rechts liegenden Zwecks ohne finanzielle, rechtliche oder technische Grenzen überwinden zu müssen (mit Ausnahme der eines Internetzugangs) vorgesehen. Die einzige Rolle, die das Copyright in diesem Bereich spielen sollte, ist jene, den Autoren die Integrität ihrer Arbeit zu lassen und ihnen das Recht zuzugestehen, richtig zitiert und anerkannt zu werden.“

Hier die Definition nach Bethesda und Berlin: Damit eine Arbeit dem OA zugeordnet werden kann, muss der Inhaber des Copyrights im Vorhinein zustimmen, dass die Arbeit von jedem Benutzer „kopiert, gebraucht, vertrieben, weitergeleitet und öffentlich dargestellt werden kann und dass es erlaubt ist, Ableitungen in jedem vorstellbarem digitalen Medium zu erstellen, und zwar für jedweden Zweck, insofern der ursprüngliche Autor korrekt genannt wird…“

Die Budapests (Februar 2002), Bethesdas (Juni 2003) und Berlins (Oktober 2003) Definitionen für „offenen Zugang“ sind die zentralsten und die einflussreichsten, die es in der OA Bewegung gibt. Manchmal erwähne ich sie als Kollektiv oder referiere wegen ihres gemeinsamen Nenners von ihnen als die BBB Definition.

Wenn man die Unterarten des OA eindeutig trennen möchte, so kann man sich die Terminologie direkt von der artverwandten Bewegung für freie und Open-Source-Software ausleihen. Kostenloser OA entfernt die Preisbarriere, und freier OA entledigt sich der Preisbarriere und zumindest auch einiger Beschränkungen. Kostenloser OA ist frei von Steuern, allerdings nicht frei von Beschränkungen das Copyright oder die Lizenzen betreffend. Benutzer müssen entweder sich selbst auf Fair Use beschränken oder versuchen, diesen zu überschreiten. Kostenloser OA ist Freibier. Freier OA ist Freibier und Redefreiheit zugleich.

Zusätzlich zum Entfernen der Beschränkungen sollte OA unmittelbar, eher als zeitverzögert, Zugang zu vollen Texten, nicht nur zu Auszügen oder Zusammenfassungen, bieten.

OA ist kompatibel mit Copyright, Überprüfungen durch Fachleute, Einnahmen (auch profitable), Druck, Prestige, Qualität, Karrierefortschritt, Indizierung und anderen Features und unterstützenden Services die mit konventioneller Gelehrtenliteratur assoziierbar sind.

Der hauptsächliche Unterschied ist, dass die Rechnungen nicht von den Lesern gezahlt werden und entsprechend als Zugangsbarriere wegfallen.

Die rechtliche Basis von OA ist die Zustimmung des Copyright-Inhabers (bei neuerer Literatur) oder das Auslaufen des Copyrights (für ältere Literatur).

Da OA die Zustimmung der Inhaber des Copyrights bzw. das Auslaufen desselben nutzt, ist eine Reform, eine Abschaffung oder aber auch ein Verletzung der Copyright-Gesetze nicht notwendig.

Ein äußerst einfacher und effektiver, aber auch immer häufiger vorkommender Weg des Copyright Inhabers, seine Zustimmung für den OA zu geben ist, eine der sogenannten Creative Commons Lizenzen zu verwenden. Viele andere open content Lizenzen erfüllen jedoch denselben Zweck. Inhaber des Copyrights können genauso gut ihre eigenen Lizenzen oder Vollmachten entwerfen und sie an ihre Arbeiten anhängen (auch wenn es gute Gründe gibt, dies nicht ohne den Rat eines Anwalts zu tun).

Insofern die Inhaber des Copyrights dem OA zustimmen, wozu erklären sie sich dann überhaupt bereit? Üblicherweise erklären sie sich im Vorhinein dazu bereit, das unbeschränkte Lesen, Herunterladen, Kopieren, Teilen, Speichern, Drucken, Suchen, Verlinken und Durchforsten ihrer gesamten Arbeit zu erlauben. Die meisten Autoren behalten sich das Recht vor, die Verbreitung von Mangelexemplaren und ähnlichen Kopien zu unterbinden. Manche beschränken auch die kommerzielle Weiterverwendung der Arbeit. Grundsätzlich verhindern diese Konditionen das Erstellen von Plagiaten, Fehlinterpretationen und manchmal auch die kommerzielle Weiterverwendung und autorisieren jedweden Gebrauch, der seitens legitimer Wissenschaft vonnöten ist, einschließlich der Technologien, die bei der wissenschaftlichen Onlinesuche gebraucht werden.

Bei Arbeiten, die nicht für den öffentlichen Gebrauch gedacht sind, ist der OA vom Einverständnis des Inhabers des Copyrights abhängig. Dies zieht zwei Schlüsse mit sich: (1) OA ist nicht der neue Napster der Wissenschaft. Es geht um rechtlich gesichertes Teilen, nicht um die gemeinschaftliche Geringschätzung des Rechts. (2) OA auf durch das Copyright geschützte Arbeiten anzuwenden ist freiwillig, auch wenn es manchmal in der Klausel eines Vertrages, wie etwa innerhalb eines Arbeitsvertrages oder eines Sponsorenvertrags vorkommt. Es gibt keinen bürgerlichen OA, keinen das Recht verletzenden, keine enteignenden oder der Piraterie unterliegenden OA.

Natürlich kann der OA auch auf eine negative Art verwendet werden, sodass es das Copyright verletzt. Aber dies kann genauso gut bei der herkömmlichen Form des Publizierens vorkommen. Mit ein wenig Bedacht kann es so implementiert werden, dass es das Copyright nicht verletzt. Genauso wie bei herkömmlichen Publikationen.

Die Kampagne des OA fokussiert auf Literatur, die der Autor der Welt zur Verfügung stellt, ohne sich dafür Bezahlung zu erwarten.

Lassen Sie mich dies Lizenzgebühr befreite Literatur nennen. (Es ist sehr interessant, dass es noch keinen Standardbegriff dafür gibt.)

Es gibt zwei Gründe, warum man sich auf Lizenzgebühr befreite Literatur konzentrieren sollte. Erstens werden die Kosten des Anbieters und des Herausgebers reduziert. Zweitens erlaubt es dem Autor, dem OA zuzustimmen, ohne seinen Umsatz zu verlieren.

Für unseren Zweck ist die wichtigste Lizenzgebühr befreite Literatur die vorab durch Wissenschaftler gesichtete Wissenschafts- und Gelehrtenartikel und ihre Vorabdrucke. (Nicht-Akademiker sind oft überrascht, wenn sie hören, dass wissenschaftliche Journale im Regelfall den Autoren nichts für ihre Artikel bezahlen.)

Offensichtlich verfasst niemand Lizenzgebühr befreite Literatur wegen des Geldes. Gelehrte schreiben Journalartikel weil ein Ausbau ihrer Kenntnisse einem Karrierefortschritt gleichkommt. Sie schreiben des Eindrucks wegen, nicht wegen des Geldes. Der uneigennützige Wunsch nach Kenntniserweiterung ist von einem stark selbstbezogenen Interesse nach einem Aufstieg auf der Karriereleiter begleitet. OA hat nichts mit altruistischer Freiwilligenarbeit zu tun.

Weil Wissenschaftler nichts durch ihre Journalartikel verdienen, sieht ihre Gesamtsituation ganz anders aus als die vieler Musiker und Filmemacher. Kontroversen zwischen OA und Musik, Filmen oder anderen Lizenzgebühr befreiten Inhalten gehen aus diesem Grund nicht auf Forschungsartikel über.

Lizenzgebühr befreite Literatur ist die tiefhängende Frucht von OA, aber OA musste in Bezug auf diese Art der Literatur nicht beschränkt werden. OA in Lizenzgebühr befreite Literatur wie Monographien, Textbücher und Novellen zu verwandeln ist möglich, sobald der Autor seine Zustimmung gibt. Aber weil diese Autoren oft einen Verlust an Umsatz fürchten, ist ihre Zustimmung sehr schwer zu bekommen. Entweder müssen sie davon überzeugt werden dass (1) die Boni des OA den Wert der Lizenzen oder (2) ihren Nettoumsatz steigern wird. Wie auch immer, es gibt stichhaltige Beweise dafür, dass beide Punkte auf die meisten Forschungsmonographien zutreffen.

OA muss nicht auf Literatur beschränkt sein. Er kann auf jedweden digitalen Inhalt umgelegt werden, von rohen und semi-rohen Daten bis zu Bildern, Audio- und Videodateien, Multi-Media und Software. Er kann auf Arbeiten digitalen Ursprungs oder älteren Datums angewendet werden, wie etwa öffentlich zugängliche Literatur und kulturell wertvolle Objekte, die später digitalisiert wurden.

Ich spreche von „von Fachleuten vorab überprüften Forschungsartikeln und deren Vordrucken“ in meinem Untertitel, weil es der Fokus der OA Aktivität ist und der Fokus dieser Übersicht, nicht nur weil es die Grenzen des OA setzt.

Viele OA Initiativen fokussieren auf öffentliche Forschungen.

Das Argument für den öffentlichen Zugang zu Fachliteratur ist stark und eine wachsende Zahl an Ländern benötigt OA für öffentliche Forschungsarbeit.<(p>

Die Kampagne für OA im öffentlichen Forschungsbereich lässt Ausnahmen für (1) klassifizierte, militärische Forschung, (2) aus Forschungsarbeiten resultierende Patentlösungen und (3) Forschungsliteratur, die Autoren in einer von Lizenzgebühren befreiten Form produzieren, wie etwa Büchern. Diese Ausnahmen von einem pragmatischen Standpunkt aus zu sehen hilft, unnötige Schlachten zu verhindern, während OA zur größten Plattform für öffentliche Forschungsarbeit wird.

Die niedrigste der tief hängenden Früchte ist Forschung die einerseits eine von Lizenzgebühr befreite und gleichzeitig öffentlich gefördert ist. Die Politik des Nationalen Gesundheitsinstituts der USA (NIH) ist ein gutes Beispiel.

Trotzdem ist die OA Bewegung nicht auf öffentlich geförderte Forschung limitiert und will OA auch in Bereichen sehen, die von privaten Funds gefördert werden oder auch nicht (wie den Wellcome Trust oder das Howard Hughes Medical Institute).

OA kann nicht gratis produziert oder publiziert werden.

Kein Fürsprecher von OA Literatur hat jemals behauptet, dass sie kostenlos herzustellen sei, auch wenn viele damit argumentieren, dass sie wesentlich kostengünstiger zu produzieren ist als konventionelle Literatur, ja selbst kostengünstiger als günstige Online-Literatur. Die Frage ist nicht, ob Forschungsliteratur kostenlos hergestellt werden kann, sondern eher, ob es vielleicht bessere Wege gibt, seine Rechnungen zu bezahlen, als dadurch, den Leser zu schröpfen und künstliche Zugangsbeschränkungen zu erstellen.

Um es mit den Worten der BOAI FAQs auszudrücken: „Frei ist zweischneidiger Ausdruck. Wir meinen, frei für Leser, nicht frei für Produzenten. Wir wissen, dass öffentlich zugängliche Literatur nicht frei (ohne Kosten) produzierbar ist. Aber das schließt nicht die Möglichkeit aus, die Literatur frei (ohne Kosten) für Leser und Benutzer zu machen.“

Die Produktionskosten von OA Literatur, die Einsparungen gegenüber konventionell publizierter Literatur und den Geschäftsmodellen, die die Kosten decken sollen, hängen jeweils davon ab, ob die Literatur in OA Journalen oder OA Speichern erscheinen soll (Details siehe weiter unten).

Doch wie soll man argumentieren, dass OA Literatur weniger Produktionskosten hat als Nicht-OA-Literatur in vergleichbarer Qualität? Kurz gesagt: OA verzichtet auf Druck (aber das machen viele der Nicht-OA Journale heutzutage sowieso) und eliminiert das Abo-Management (Kontaktanbahnung, Nachforschung, neue Abschlüsse von Abonnements, Preiseverhandlungen und das Einfordern von Gebühren). OA verzichtet auf DRM (Benutzerauthentifizierung; Wege, um autorisierte von nicht autorisierten Benutzern zu unterscheiden oder den Zugang für nicht Autorisierte generell zu blockieren). OA reduziert oder eliminiert die Rechtskosten (Ausarbeitung und Verstärkung von Lizenzen). Viele OA Journale verzichten auf das Marketing und verlassen sich ganz und gar auf spontane Hilfe von anderen, wie Suchmaschinen, Blogger, Diskussionsforen und sozialen Netzwerken bzw. Interaktionen. Während es diese Ausgaben reduziert, gibt OA nur ein wenig mehr als die Kosten für das Sammeln von Autorentaxen oder institutionellen Fördermitteln aus.

Solange der gesamte Text OA ist, sind kostenträchtige Zusätze oder Verbesserungen kompatibel mit OA. Insofern die Neuerungen zu teuer sind, müssen die Hersteller dafür zahlen. Insofern sie wertvoll sind, mag es Hersteller geben, die Menschen finden, die willig sind, dafür zu zahlen. In manchen OA Journalen bezahlen die Zusätze einen Teil des Umsatzes, der benötigt wird, um OA gewährleisten zu können.

OA ist vergleichbar mit der Vorabsichtung durch Fachleute, und all die großen OA Initiativen für wissenschaftliche Literatur beharren auf ihre Wichtigkeit.

Die Überprüfung durch Fachleute ist unabhängig von einem Medium oder einem Journal. Genauso wenig der Wert, die Unbill oder die Integrität derselben.

Ein bekannter Grund, warum OA Journale genauso rigoros und ehrlich von Fachleuten bewertet werden können wie konventionelle Journale ist, dass sie denselben Prozeduren, Standards unterliegen und denselben Personen (Verlegern und Referenten) vorgelegt werden, wie konventionelle Journale.

Herkömmliche Verleger argumentieren manchmal damit dass ein gemeinsames unterstützendes Modell für OA Journale (Taxen für akzeptierte Autoren oder deren Sponsoren) eine Notlösung für Fachleute sei. Ich habe diese Unterstellung bereits anderswo beantwortet (1, 2).

OA Journale können traditionelle Formen der Prüfung durch Fachleute nutzen oder sie können neue, innovative Wege gehen und einen Vorteil aus den neuen Medien und dem interaktiven Networking ziehen, indem Gelehrte sich zusammenschließen. Wie auch immer, die Entfernung von Zugangsbarrieren und die Überprüfung durch Fachleute sind zwei voneinander unabhängige Projekte. OA ist mit jeder Art von Überprüfung kompatibel und benötigt keinerlei vorgefertigtes Modell.

Das Gegenteil trifft jedoch nicht zu. Manche neu entstehenden Modelle der Überprüfung durch Fachleute benötigen OA, zum Beispiel die Modelle von „offener Überprüfung“ in welcher Manuskripte zu OA Literatur werden (vor und nach einiger interner Überprüfungen) und dann von der Forschungsgesellschaft überprüft werden. Offene Überprüfungen benötigen OA aber OA benötigt keine öffentliche Prüfung.

In den meisten Wissenschaften und in vielen Feldern spenden die Verleger und Referenten, welche die Überprüfungen durchführen, ihre Forschungsergebnisse, ebenso wie die Autoren selbst. Wenn sie bezahlt werden, ist OA immer noch möglich; man benötigt eine größere Subvention als umgekehrt.

Neben dem Fakt, dass diese Verleger normalerweise ihre Arbeit spenden, kostet die Arbeit von Fachleuten natürlich etwas. Da wären etwa die Akten, die an Referenten weitergeleitet werden müssen, das Überwachen, wer was hat, der Trackingprozess, nörgelnde Meckerer, das Sammeln von Kommentaren und das Teilen derselben mit den richtigen Leuten, die Aufrechterhaltung der Kommunikation, das Verbreiten von Versionen, das Sammeln von Daten und so weiter und so fort. Immer mehr wird diese Arbeit von Software übernommen, wie etwa von freier und Open Source Software.

Es gibt zwei Möglichkeiten, um OA Forschungsartikeln näher zu bringen: OA Journale („goldene OA“) und OA Speicher. Der Hauptunterschied zwischen ihnen liegt darin, dass OA Journale die Überprüfung durch Fachleute in sich tragen, während OA Speicher das nicht tun. Dieser Unterschied erklärt auch viele der anderen Unterschiede zwischen den beiden, speziell die Kostenfrage betreffend.

Es gibt auch andere OA Transporteure, auf die ich hier nicht weiter eingehen werde, wie etwa selbst erstellte Webseiten, eBooks, Diskussionsforen, Mailinglisten, Blogs, Wikis, Videos, Audio Dateien, RSS Feeds und P2P dateienteilende Netzwerke. In Zukunft wird es zweifelsfrei noch viele andere geben.

Die meisten Befürworter sprechen bei Journal-OA von goldenem OA (unabhängig vom Geschäftszweig) und bei Speicher-OA von grünem OA.

Die Unterscheidung zwischen grünem und goldenem OA betrifft Umsätze oder Transportwege, nicht aber Benutzerrechte oder Abstufungen die Zugänge betreffend. Es ist kein Äquivalent zur gratis/frei Unterscheidung.

OA Journale („goldener OA“)

OA Journale beinhalten die Überprüfung durch Fachleute.

OA Journalen fällt es leichter als Nicht-OA Journalen den Autoren ihr Copyright zu lassen.

Für OA Journale ist es einfacher als für OA Speicher freien OA zu gewährleisten. OA REPOSITORIES können normalerweise selbst keine Berechtigungen für freie OA ausstellen. OA Journale hingegen schon.

Manche Herausgeber von OA Journalen arbeiten ohne Profit (zum Beispiel die Public Library of Science oder PLoS) und manche stehen für Profit ein (zum Beispiel BioMed Central oder BMC).

OA Journale bezahlen ihre Rechnungen auf demselben Weg, wie das auch Fernsehanstalten oder Radiostationen tun: diejenigen, die ein Interesse am Verbreitung des Inhalts haben, zahlen die Produktionskosten im Voraus, sodass der Zugang frei für jeden, der die richtige Ausrüstung besitzt, erfolgen kann. Manchmal bedeutet das, dass Journale Subventionen seitens einer Universität oder einer professionellen Organisation bekommen. Manchmal bedeutet es, dass Journale eine Veröffentlichungstaxe auf akzeptierte Artikel verlangen, die vom Autor oder den Sponsoren des Autors gezahlt werden müssen (Arbeitgeber oder Leistungsträger). OA Journale, die Publikationstaxen verlangen, verwerfen sie normalerweise in wirtschaftlich schlechten Zeiten. OA Journale mit institutionellen Subventionen verlangen im Normalfall keine Publikationstaxen. OA Journale können sich mit geringeren Subventionen oder Taxen über Wasser halten, wenn sie Einnahmen aus anderen Quellen, wie Publikationen, Werbung, kostenpflichtigen Zusätzen oder unterstützenden Services besitzen. Manche Institutionen und Konsortien arrangieren Rabatte untereinander. Manche OA Herausgeber (wie etwa BMC oder PLoS) verzichten auf die Taxen von allen Forschern, die mit Institutionen arbeiten, die eine Jahresgebühr bezahlt haben.

Ein oft vorkommendes Missverständnis ist, dass alle OA Journale „Autorentaxen“ als Grundlage ihres Geschäftsmodells führen. Hierbei liegen zwei Fehler vor. Der erste ist, anzunehmen, dass es nur ein einziges Geschäftsmodell für OA Journale gibt, obwohl es viele sind. Der zweite ist, anzunehmen, dass im Vorhinein Taxen zu verlangen, ein „Autoren zahlen“-Modell ist. In Wahrheit verhält es sich so, dass die meisten OA Journale (70 Prozent) keine Autorentaxen verlangen. Außerdem verlangen die meisten konventionellen oder nicht-OA Journale (75 Prozent) eine Taxe seitens der Autoren. Wenn OA Journale Taxen verlangen, dann werden sie sehr oft von den Sponsoren der Autoren gezahlt (Arbeitgeber oder Sponsoren) oder es wird darauf verzichtet, um nicht aus den Taschen der Autoren bezahlt werden zu müssen.

Eine wachsende Zahl von Befürwortern von OA verwenden einen Farbcodierung um die Journale zu klassifizieren: gold (beinhaltet OA ohne Verzögerung inklusive der Vorabprüfung durch Fachleute), grün (erlaubt Autoren ihre Manuskripte in OA Speichern zu hinterlegen), hellgrün (erlaubt oder ist nicht gegen das Archivieren von Vorabdrucken durch Autoren) und grau (fällt in keine der obigen Kategorien).

Um zu Geschäftsdetails zu gelangen, werfen Sie einen Blick auf die OAD Liste des Leitfadens für OA Journalherausgeber.

Wir sind zuversichtlich, dass OA Journale wirtschaftlich rentabel sind, denn die reellen Kosten für Vorabprüfung durch Wissenschaftler, das Lektorat und die Verbreitung von OA sind sichtlich geringer als die Preise die man momentan für Abo-Journale bezahlt. Es fließt auch so schon genug Geld in den Journalsupport. Je größer die OA Gemeinde wird, desto mehr werden sich Bibliotheken auf lange Sicht gesehen an Kosten einsparen.

Im Directory of Open Access Journals finden Sie eine Liste aller OA Journale in allen erdenklichen Sprachen und aus allen möglichen Feldern.

Werfen Sie einen Blick auf die oa.journals und oa.gold Tags im OA Tracking Project. Dort finden Sie Neuigkeiten über die OA Journale im Allgemeinen.

OA Speicher

OA Speicher können aufgrund von Richtungen gegliedert sein (zB.: arXiv in der Physik) oder aufgrund von Institutionen (wie etwa DASH in Harvard). Wenn Universitäten OA Speicher beherbergen, dann werden im Normalfall neben dem OA Schritte gesetzt, um einen Langzeiterhalt der Information zu garantieren.

OA Speicher beinhalten selbst keine Vorabprüfung durch Fachleute. Die Artikel werden im Normalfall allerdings anderenorts überprüft.OA Speicher können Vorabdrucke, Nachdrucke oder beides inkludieren.

Ein Nachdruck ist eine Version, welche die Prüfung durch Fachleute durchlaufen hat. Manchmal ist es wichtig, zwischen zwei verschiedenen Sorten von Nachdrucken zu unterscheiden: (a) jene, die überprüft wurden, aber nicht kopierfertig sind und (b) jene, die überprüft und kopierbereit sind. Manche Journale geben dem Autor die Erlaubnis, ihre erste Version zu posten, aber sie verbieten es, eine zweite Version desselben Artikels in einem anderen OA Speicher zu veröffentlichen.

OA Speicher können Vorab- und Nachdrucke von Journalartikeln, Thesen und Dissertationen, Kursmaterialien, Datenbanken, Datendateien, Audio- und Videodateien, institutionelle Aufnahmen oder digitalisierte Spezialsammlungen aus der Bibliothek beinhalten. Die Kosten eines Speichers sind von den verschiedenen Funktionen, die erfüllt werden sollen, abhängig. Insofern die Durchschnittskosten eines institutionellen Speichers hoch sind, liegt das daran, dass die durchschnittlichen institutionellen Speicher mehr bieten als OA Artikel.

OA Speicher geben Einsicht in alle ihre Inhalte. Die meisten erlauben „dark deposits“, die dem OA zu einem späteren Zeitpunkt zugänglich gemacht werden können. Das ist zum Beispiel hilfreich, wenn man mit Herausgebern arbeitet, die grünen OA erlauben, allerdings erst nach einer gewissen Zeit. Autoren können ihre neuen Artikel sofort zur Publikation freigeben und sie dann dem OA gemäß freigeben, sobald die Zeit des Embargos durch den Herausgeber verstrichen ist.

Autoren benötigen keine Erlaubnis für das Archivieren von Vordrucken. Sobald sie mit dem Vordruck fertig sind, halten sie das Copyright. Insofern ein Journal sich weigert, Artikel in die nähere Auswahl zu nehmen, die schon als Vordrucke zirkuliert sind, dann ist das eine optionale Entscheidung des Journals, nicht eine Voraussetzung des Copyright-Gesetzes. (Manche Journale beinhalten diese als „Ingelfinger Regel“ bekannte Politik, die sich allerdings im Rückgang befindet, speziell auf dem Gebiet der Medizin.)

Wenn Autoren ihr Copyright einem Herausgeber überlassen, dann erfordert das OA Archivieren die Erlaubnis des Verlegers. Die meisten befragten Herausgeber (60+ Prozent) vergeben schon im Vorhinein Blankoerlaubnisse für das Archivieren von Nachdrucken. Viele andere machen dies ebenfalls auf Anfrage, und fast alle würden eine grüne OA für den Autorensponsor sofort freigeben. Wie auch immer, sobald Autoren das Recht auf grüne OA erhalten, können sie diese selbst ohne Absprachen mit dem Herausgeber weitergeben.

Insofern Autoren ihr Copyright auf Herausgeber übertragen, übermitteln sie auch die OA Entscheidung an den Verleger. Obwohl viele Herausgeber grüne OA erlauben, tun dies manche auch nicht. Außerdem verfeinern manche im Laufe der Zeit ihre Erlaubnisse, während andere neue Beschränkungen hinzufügen, wie etwa Taxen oder auch Embargoperioden. Aus diesem Grund ist seit einiger Zeit ein neuer Trend unter den wissenschaftlichen Autoren absehbar: sie behalten sich meist das Recht auf grüne OA und transferieren nur die übrigen Rechte auf die Herausgeber. Manche machen das durch Autorenzusätze, was bedeutet, dass sie das Standardcopyright modifizieren. Manche Fonds (wie etwa der Wellcome Trust oder NIH) benötigen sogar Autoren, die ihnen ihre Schlüsselrechte überlassen, wenn sie Journalartikel veröffentlichen. An manchen Universitäten (wie Harvard oder das MIT) haben der Universität bereits das nicht-exklusive Recht übertragen, um ihre Arbeit dem OA zur Verfügung zu stellen.

Weil die momentane Rechtspolitik das Problem der OA Erlaubnis für zukünftige Arbeiten löst, müssen keine Gesetzeslücken kreiert werden um anders gesinnte Herausgeber, wie zum Beispiel jene, die die Verfügbarkeit der OA-Texte als ein reines „Subjekt des Copyrights“ sehen oder „außer wenn Herausgeber es erlauben“ als Standardfloskel benutzen. Es gibt sicher gute Gründe, Abwehrmaßnahmen für Autoren zu kreieren, wie etwa Harvard dies tut, aber es gibt keinen einzigen Grund, dasselbe für Herausgeber zu machen. Wenn Autoren ihre Texte freigeben, und zwar während sie noch das Copyright innehalten, dann müssen sie keine Rücksprache mit den Herausgebern halten und brauchen sich keine Sorgen bezüglich etwaiger Verletzungen zu machen. Fonds und Universitäten sind ein perfekter Ort für Herausgeber und können außerdem grüne OA ermöglichen und die Erlaubnis erwirken, sie auf einer legalen Basis anzuwenden.

Weil viele Herausgeber sowieso schon grüne OA erlauben und weil grüne OA eine bona fide Version normaler OA ist, sind Autoren, die diese Chance nicht nützen, ein größeres Problem als Herausgeber, die diese Möglichkeit nicht in Anspruch nehmen. Sponsoren und Universitäten können diese Lücke zu 100 Prozent schließen und OA auf 100 Prozent von veröffentlichter Arbeit garantieren – und zwar durch ihre Position. Weil Autoren diese Lücke nicht selbst schließen können, haben Sponsoren und Universitäten, welche diese Lücke nicht selbst schließen, niemanden sonst, den sie dafür verantwortlich machen können, wenn Journalpreise ins unermessliche steigen und somit Fachliteratur für jene unzugänglich wird, die sie benötigen würden. Jeder einzelne Herausgeber könnte dem Fortschritt dieses Prozesses zuträglich sein und die meisten arbeiten auch schon in diese Richtung. Aber man wäre nicht von Herausgebern abhängig, wenn man auch unabhängig arbeiten könnte.

Im Project SHERPA findet man eine durchsuchbare Datenbank für Herausgeberpolitik und Copyright.

Weil die meisten Herausgeber und Journale bereits Blankoerlaubnisse für grüne OA erteilen, liegt es an den Autoren, diesen Vorteil zu nutzen. Das bedeutet, dass Autoren in praktisch jedem Journal, das ihre Arbeiten akzeptiert (OA oder nicht-OA) publizieren können und trotzdem OA ermöglichen können, etwa durch einen OA Speicher. (Leider ist die Kompatibilität zwischen grüner OA und der Herausgabe derselben Arbeit in einem OA-Journal eines der am besten gehüteten Geheimnisse des wissenschaftlichen Publizierens.)

Die brauchbarsten OA Speicher fügen sich nahtlos in das Protokoll für die Metadatenernte der Open Archives Initiative (OAI), welche unter ihnen Kompatibilität schafft. In der Praxis bedeutet das, dass Benutzer eine Arbeit in einem OAI-konformen Archiv finden können, ohne zu wissen, welches Archiv sie benutzen, wo es lokalisiert ist oder was das Archiv beinhaltet. (So verwirrend es auch sein mag, OA und OAI sind separate, sich überlappende Initiativen, die nicht miteinander verwechselt werden sollten.)

Jede Universität auf Erden kann oder sollte ihren eigenen offenen Zugang und eine OAI-konformen Speicher haben. Außerdem sollte sie ihre Mitglieder dazu ermutigen, ihre Arbeiten auf den Speicher zu übertragen. Eine wachsende Zahl hat diesen Schritt bereits getan.

Wir sind zuversichtlich, dass OA Speicher ökonomisch tragbar sind, weil sie so günstig sind. Es gibt viele Systeme von freier und Open-Source Software, durch die sie implementiert werden können. Um neue Artikel zu platzieren, werden nur ein paar Minuten benötigt und die Arbeit wird von den Autoren selbst erledigt, nicht durch Archivbetreuer. Jedenfalls profitieren die Institutionen durch die Sichtbarmachung und den Eindruck der Artikel, der Autoren und der Institutionen.

Die zwei weltführenden Listen von OA Speichern sind die Directory of Open Access Repositories (OpenDOAR) und die Registry of Open Access Repositories (ROAR). Wenn Sie Neuigkeiten über OA Speicher erfahren möchten, folgen Sie einfach den oa.repositories und den oa.green Tags des OA Tracking Projects.

Das OA Projekt ist konstruktiv, nicht destruktiv.

Der Zweck der OA Kampagne ist ein konstruktiver, der OA mit mehr und mehr Literatur versorgen möchte, nicht ein destruktiver, der nicht-OA Journale oder Herausgeber aus dem Geschäft drängen will. Die Konsequenzen können sich oder können sich nicht überlappen, aber der Zweck tut dies nicht.

Obwohl die Journalpreise seit Mitte der 80er viermal schneller als die Inflationsrate gestiegen sind, ist der Zweck von OA nicht, teure Journale zu bestrafen oder zu unterminieren, sondern eine Alternative zu geben, durch die man alle Vorteile der neuen Technologie – des Internets – zur Verbreitung und Kostenreduzierung nutzen kann. Die Hauptmotivation für Forscher ist außerdem nicht die Preiskrise der Journale zu lösen, sondern leichteren und vor allem breiteren Zugang zu einem größeren Publikum zu schaffen, sodass auch Autoren einen größeren Einfluss haben können.

Herausgeber sind nicht alle Urgesteine. Manche offerieren schon vollen OA, andere bieten Hybridmodelle, manche experimentieren noch herum und andere spielen mit dem Gedanken, zu experimentieren. Unter denen, die keinen OA anbieten sind manche komplett dagegen, andere sind ziemlich indifferent. Unter den indifferenten haben manche den Schwerpunkt auf Online-Inhalte gesetzt, andere nicht. Unter den Gegnern gibt es manche, die sich dazu entschlossen haben, es einfach nur nicht selbst zu offerieren, während andere sich aktiv in Lobbys zusammentun, um offen gegen Unterstützer dieser Politik einzutreten. Manche sind gegen goldenen OA, aber nicht gegen grünen, während andere gegen grün, aber nicht gegen golden sind. OA gewinnt nichts, verliert aber potentielle Unterstützer durch das Verwischen der Unterschiede.

Um OA zu unterstützen muss man keine Literatur, Journale oder Herausgeber boykottieren. OA zu bewerben bedeutet nicht, dass gleichzeitig Herausgeber Wachstumseinbrüche verzeichnen müssen. Sich auf nicht-OA Journale und Herausgeber zu konzentrieren, geht am Ziel vorbei.

OA und kostenpflichtige Literatur können koexistieren. Wir wissen das, weil dies bereits geschieht. Wir wissen jedoch nicht, ob dieser Zustand temporär oder permanent ist, aber der effektivste und konstruktivste Weg, dies herauszufinden, ist, OA zu unterstützen und zu beobachten, was mit nicht-OA Herausgebern passiert.

Open Access ist kein Synonym für universellen Zugang.

Auch nachdem OA erreicht worden ist, gibt es immer noch vier Barrieren:

Filter und Zensur. Viele Schulen, Arbeitgeber und Regierungen wollen einschränken, was man sehen darf.

Sprache. Ein Großteil der Literatur ist in englischer Sprache verfasst, oder nur in einer Sprache, und Maschinenübersetzungen sind ungenau.

Zugang für Menschen mit Handicap. Die meisten Webseiten sind noch nicht so gut für gehandicapte Personen nutzbar, wie sie es sein sollten.

Konnektivität. Die digitale Trennmauer hält Millionen von Menschen, inklusive vieler seriöser Wissenschaftler, offline.

Auch wenn wir diese vier zusätzlichen Barrieren entfernen würden (was sowieso schon viele von uns tun), so gibt es trotzdem keinen Grund, den Terminus „Open Access“ nicht weiter zu benutzen, bis wir erfolgreich sind. Die Preis- und Erlaubnisbarrieren zu entfernen sind ein signifikanter Schritt, so signifikant, dass ihm ein eigener Begriff gewidmet werden sollte.

OA ist eine Art von Zugang, kein Geschäftsmodell oder eine Art Lizenz oder gar ein Inhalt.

OA ist kein Geschäftsmodell

Es gibt viele Geschäftsmodelle die mit OA kompatibel sind, zum Beispiel gibt es viele Möglichkeiten, die Rechnungen zu bezahlen, sodass die Leser von diversen Taxen befreit sind. Modelle, die in einer Nation oder einem Feld funktionieren, müssen nicht in einem anderen genauso gut funktionieren. Niemand behauptet, dass es eine Gesamtlösung gibt.

Es gibt viele Unterschiede in den Disziplinen, wodurch das Sponsoring von OA beeinflusst wird. Niemand sollte glauben, dass OA zur gleichen Zeit in allen Disziplinen und Ländern erfolgreich ist. Der größte Fortschritt, aber auch die umstrittensten Debatten finden im STM Feld („Science“, „Technology“ und „Medicine“) statt, aber OA ist nur in den Humanwissenschaften wirklich durchführbar.

Die neuen OA Geschäftsmodelle entwickeln sich kontinuierlich, andere werden momentan wiederum gerade getestet und durchgehend überprüft. Es gibt viel Raum für Kreativität, wenn es darum geht, von Fachleuten vorab geprüfte OA Journale oder einen generellen Zweck für OA Speicher zu generieren und wir sind weit entfernt davon, unseren Einfallsreichtum schon komplett ausgeschöpft zu haben.

OA ist keine Lizenz. Es gibt viele Lizenzen, die mit OA kompatibel sind, wie zum Beispiel Wege, OA Einschränkungsbarrieren für Benutzer zu überschreiten und sie wissen zu lassen, was sie mit dem Inhalt tun dürfen oder auch nicht. Bitte lesen Sie hierfür weiter oben die Kapitel Einschränkungsbarrieren und Lizenzen.

OA ist keine Art von Inhalt. Jeder digitaler Inhalt kann OA sein, angefangen bei Texten und Dateien bis zu Software, Audio, Video und Multi-Media. Die OA Bewegung fokussiert auf vorab durch Fachleute überprüfte Artikel und ihre Vorabdrucke. Während viele nur aus Text bestehen, beinhaltet eine wachsende Zahl Texte mit Bildern, Dateien und Ausführcodes. OA kann auch auf nicht-wissenschaftliche Inhalte angewendet werden, wie Musik, Filme und Novellen, auch wenn diese nicht im Mittelpunkt der OA Aktivisten stehen.

OA dient den Interessen verschiedener Gruppen

Autoren: OA gibt ihnen ein weltweites Publikum an, das größer ist als das vieler Abo-Journale, egal, wie populär sie sind. Ihre Arbeit wird sichtbar gemacht und der Eindruck vervielfacht.

Leser: OA gibt ihnen eine barrierefreie Möglichkeit, auf die Literatur, die sie für ihre Recherchen benötigen, zuzugreifen, und zwar unabhängig von den Budgets der Bibliotheken. OA gibt den Lesern einen größeren Radius und mehr Möglichkeiten, an Information zu kommen. OA ermöglicht barrierefreien Zugang zur Software, die sie in ihrer Forschung verwenden. Freie Literatur, die online zugänglich ist, besteht im Grunde genommen aus Dateien und Software, die Volltext-Suchmaschinen, das Indizieren, den Abbau, Zusammenfassungen, Übersetzungen, das Erstellen von Queries, Verlinkungen, Empfehlungen, Alarmierungen, „Mash-ups“ und andere Formen von Prozessen und Analysen durchführen.

Lehrer und Studenten: OA schafft Gleichheit zwischen arm und reich für diese Schlüsselressourcen und eliminiert die Notwendigkeit einer Zahlung oder einer Erlaubnis zur Reproduktion oder zum Verkauf des Inhalts.

Büchereien: OA löst die Preiskrise von Fachliteraturjournalen. Es löst auch das, was ich die Erlaubniskrise nenne. OA dient Büchereiinteressen in einem anderen, indirekten Weg. Büchereiangestellte wollen Benutzern helfen, die Information, die sie benötigen, zu bekommen, unabhängig davon, ob ihre Büchereien limitiert sind. Akademische Büchereiangestellte wollen den Fakultäten helfen, ihr Publikum und ihren Einfluss zu erhöhen. Sie wollen ihrer Universität helfen, ihr Forschungsprofil zu vervollständigen.

Universitäten: OA erhöht die Sichtbarkeit ihrer Fakultäten und ihrer Forschung, reduziert ihre Ausgaben für Journale und unterstützt die Mission der Wissensteilung.

Journale und Herausgeber: OA macht ihre Artikel sichtbarer, erforschungswürdig, erreichbar und nützlich. Ist ein Journal OA, dann kann es diese Sichtbarkeit nutzen, um Subventionen und Werbung, und nicht zu vergessen Leser und Zitate anzulocken. Sobald Abo-Journale OA auf einen gewissen Anteil ihrer Inhalte übertragen (zum Beispiel ausgewählte Artikel in einer Ausgabe, Rücknahme nach einer gewissen Zeit, etc.), dann können sie ihre Sichtbarkeit nutzen, um dieselben Profite plus Abonnierende zu gewinnen. Insofern ein Journal OA durch das Archivieren von Postprints erlaubt, dann hat es gegenüber anderen, die dies nicht erlauben, einen Vorteil. Natürlich haben Abo-Journale und ihre Herausgeber gegensätzliche Interessen und stehen meist in Opposition zu OA. Jedoch vereinfacht man die Situation zu sehr, wenn man glaubt, dass all ihre Interessen gegen OA sprechen würden.

Sponsoren: OA erhöht die Investitionen in die Forschung und macht die Resultate einem breiteren Publikum zugänglich, erforschungswürdiger, erreichbarer und nutzbarer. Wenn Sponsoren auf öffentliche Gelder zurückgreifen, dann hilft OA noch in einer zweiten Art und Weise: sie offerieren absolute Fairness.

Regierungen: Als Unterstützer der Wissenschaften profitieren Regierungen im selben Maß von OA wie Sponsoren (lesen Sie davon oben mehr). OA bewirbt außerdem die Demokratie, indem sie nicht-klassifizierte Regierungsinformationen so gut wie möglich miteinander aufteilen.

Bürger: OA erlaubt ihnen den Zugriff auf von Fachleuten vorab geprüfte Forschung. Das meiste davon ist nicht in öffentlichen Büchereien zugänglich. Es gibt ihnen die Möglichkeit, Zugriff zu nehmen auf Forschungsergebnisse, für die sie bereits durch ihre Steuern gezahlt haben. Aber auch jene, die nicht gerne lesen, profitieren indirekt von der Literatur, denn die Forscher profitieren direkt. OA erhebt nicht nur die wissenschaftliche Arbeit, sondern übersetzt Forschung in Medizin, brauchbare Technologien, gelöste Probleme und Entscheidungen, von denen jeder profitiert.

OA vor ihrem geschichtlichen Hintergrund:

Forschungsjournale zahlen Autoren von jeher nichts für ihre Artikel. Dies gehört schon seitdem die ersten Journale 1665 in London und Paris eingeführt wurden, zum guten Ton. (siehe Jean-Claude Guédon, In Oldenburg’s Long Shadow)

Journale waren damals auf dem Vormarsch, weil sie zeitsparender waren als Bücher. Für die Leserschaft waren Journale besser als Bücher, um schnell über die Arbeit anderer informiert zu sein. Für Autoren waren diese Journale besser als Bücher um ihre Arbeiten schnell publik zu machen und sie mit einer großen Leserschaft weltweit teilen zu können und ihre Vorherrschaft gegenüber andere Wissenschaftler, die an demselben Problem arbeiteten, zu festigen. Autoren profitierten durch die Journale indem sie mittels der Artikel eine Art öffentliche Zeitleiste ihrer Arbeit bekamen. Weil Autoren so sehr davon profitierten, akzeptieren sie, dass die Journale ihnen nichts zahlen konnten. Mit der Zeit stiegen die Umsätze der Journale, aber die Autoren blieben der Tradition, nichts für die Artikel zu verlangen, treu.

OA war im Zeitalter des Drucks physikalisch und ökonomisch ein Ding der Unmöglichkeit, auch wenn die Inhaber des Copyrights dafür eintraten. Printjournale waren auch nicht unerschwinglich, jedenfalls nicht bis in die 70er Jahre, als ihre Preise plötzlich schneller zu steigen anfingen als die Inflationsrate. Abonnementpreise sind seit 1986 fast viermal schneller gestiegen als die Inflationsrate. In dem Moment, als die Preise ins Unermessliche kletterten, wurde das Internet als Alternative eingeführt.

Es macht keinen Unterschied, ob wir nun unerschwingliche Journale oder exzessive Publikationspreise für die unangebrachten Büchereibudgets verantwortlich machen wollen. Wenn wir uns auf die Herausgeber konzentrieren, dann ist es egal, ob wir der Gier oder den unschuldigen Kräften des Markts (steigende Kosten und neue Services) die Schuld geben wolen. Jemanden verantwortlich zu machen ist irrelevant und irreführend. Die Menge an veröffentlichtem Wissen steigt exponentiell und wird immer schneller wachsen als Büchereibudgets. In diesem Sinn wird OA an der Wissensmenge gemessen, aber nicht an den Taxen. Wir haben bereits den Punkt erreicht an welchem auch Forschungsinstitute keinen Zugriff mehr auf die gesamte wissenschaftliche Literatur mehr haben. Kostenintensiver Zugriff auf Journalartikel könnte sich mit dem kontinuierlichen, explosiven Wissenswachstum nicht messen, auch wenn die Preise gering wären und es eine Garantie gäbe, dass es für immer so bleibt.

Die Preiskrise selbst ist nur ein Faktor, der für den Aufstieg von OA verantwortlich ist. Auch wenn Wissenschaftler sich dem OA nicht zugewandt haben, weil sie unerschwingliche Gebühren umgehen wollten, sondern weil sie ihn als machtvolle neue Technologie des Wissensmanagement angesehen haben, die mit einem weltweiten Publikum, null marginalen Kosten, einer möglichen Anwendung in digitaler Form und unlimitiertem Zugang punktet.

Für eine schematische Darstellung der Geschichte des OA, sehen Sie sich bitte die Zeitleiste der OA Bewegung an.