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Anna-Seiler-Brunnen

Anna-Seiler-Brunnen

Der 1545/46 errichtete Brunnen ersetzt einen Brunnen aus dem 14. Jh. Die Figur aus der Werkstatt des Hans Gieng stellt vermutlich die Temperentia dar. Seit Karl Howald (1847) heisst der Brunnen nach Anna Seiler, der Stifterin des Inselspitals. Vorher hiess er Kefibrunnen oder by der Gefangenschaft. Bei der Renovation von 1785/86 erhielt der Brunnen einen neuen Trog nach einem Entwurf von Niklaus Sprüngli. Säule, Sockel und Kapitell wurden ebenfalls ersetzt. Die Säule ist römisch und stammt vermutlich aus Bümpliz. Vor dieser Renovation hatte der Brunnen 4 Röhren. 1962 wurde die Figur durch eine Kopie von W. Dubi ersetzt.
Standort: Vor 1889 und seit 1961 vor dem Haus Marktgasse 58. 1889-1960 vor dem Haus Nr. 52
Lit.: KDM. 1

Historisch-topographisches Lexikon der Stadt Bern von Berchtold Weber (1976)



  • Anna-Seiler-Brunnen
  • Anna-Seiler-Brunnen (Wikipedia)
  • Abbildungen
  • Karte
  • Die Berner Brunnen
  • Inselspital
  • Käfigturm



    Anna-Seiler-Brunnen

    Der Seilerbrunnen zuoberst an der Marktgasse hat den Käfigturm als Hintergrund. Er soll zum Andenken an Anna Seiler errichtet worden sein, die 1354 das vorerst nach ihr benannte Spital stiftete, dem später nach der Verlegung ins ehemalige Nonnenkloster der Insel der Name Inselspital gegeben wurde. Das Standbild zeigt eine Frauengestalt in der bürgerlichen Tracht der Entstehungszeit des Brunnens. Sie trägt einen langen, faltenreichen Rock, von einem Gürtel gehalten, und ein Mieder mit einem eckigen Halsausschnitt. Die eine Hand hält eine Schale, während die andere aus einem Krüglein Wasser eingiesst.

    Die andern Deutungen, wonach es sich bei der Figur um eine Personifikation der Mässigkeit oder gar um die Jugendgöttin Hebe handle, dürften weniger zutreffen.

    Jenny datiert den Brunnen ins Jahr 1545. Möglicherweise ist die Figur in diesem Jahr entstanden, während der Brunnen selbst etwas später errichtet wurde, da die Bauherrenrechnung von 1549 folgende Eintragung aufweist: «Um Crüsch und Eyer zu dem Brunnen by der Kheby».

    Die Säule soll römischen Ursprungs sein und von Avenches stammen. Durheim schreibt dem Ryfflibrunnen eine Säule von Aventicum zu, was aber nicht wahrscheinlich ist. Wenn wirklich von dort eine Säule zu einem Brunnen verwendet worden ist, dann käme nur die des Seilerbrunnens in Frage.

    Der Brunnen erhielt 1786 ein neues Becken im Sarkophagstil, das in Solothurn gehauen wurde. Es ist durchaus möglich, dass der Bauherr bei diesem Anlass vom Anerbieten der Vennerkammer vom 26. November 1778 an das Bauamt Gebrauch machte, mit welchem ihm mitgeteilt wurde, «dass ein ziemlich grosses Stück weissen Marmors zunächst an der Strass bei Wiblisburg in einem Acker liege, auch noch mehrere kleine Stücke hin und wieder vorhanden seien. M. H. hätten dem Amtmann zu Wiblisburg anbefohlen, von dergleichen hin und wieder zerstreuten Stücken dieses Steins (die grosse aufrechtstehende Säule ausgenommen) den Bauherren auf Begehren zur Auszierung hiesiger Stattbrünnen jeweilen das Nöthige verabfolgen zu lassen usw.»

    Bis 1824 stand der Brunnen vor dem Hause rechts neben dem Käfigturm, das in diesem Jahre abgebrochen wurde, um dort einen Durchpass zu schaffen. Der Brunnen wurde versetzt. Bei dieser Gelegenheit wurde die Figur mit weisser Farbe bemalt, Häubchen, Gürtel, Krug und Schale vergoldet oder wenigstens mit Goldfarbe überstrichen.

    An diesem Brunnen lernten sich die Eltern Ferdinand Hodlers kennen. Jungfer Neukomm war Köchin und bereitete den im Käfigturm untergebrachten Untersuchungs- und Strafgefangenen das Essen. Das Wasser musste sie beim nahen Seilerbrunnen holen. Wie es damals üblich war, verweilte sie dort ab und zu länger als nötig war und lernte bei diesen Gängen zum Brunnen den wortkargen Schreinergesellen Rodler kennen, der sie später heiratete.

    Wahrscheinlich wurde die Figur erst bei der Renovation von 1891 wieder polychrom bemalt, nachdem der Brunnen 1889 nochmals etwas versetzt worden war. 1906 wurde er wieder neu bemalt und letztmals im Jahre 1925.

    Von Paul Schenk
    Berner Brunnen-Chronik
    Verlag Herbert Lang & Cie Bern 1945



    Bern - Anna-Seiler-Brunnen. Photo: Baikonur (Wikipedia)

    Bern - Anna-Seiler-Brunnen. Photo: Mike Lehmann  (Wikipedia)
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