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Genozid und Ethnozid in Französisch Guyana Drucken E-Mail
Wednesday, 8. June 2005
von Steffen Keulig und Thierry Sallantin   
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Genozid und Ethnozid in Französisch Guyana
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Kategorie Suedamerika Ethnozid und Genozid an den Wayana Indianern in Französisch-Guyana durch Frankreich.

Frankreich verstößt gegen:
a) Artikel 8 der Biodiversitätskonvention,
b) Richtlinie 76/464/EWG und Richtlinie 80/86/EWG des europäischen
Umweltrechts,
c) Artikel 1, 5 und 7 der internationalen Erklärung über die Rechte von
Personen, die nationalen oder ethnischen, religiösen und sprachlichen
Minderheiten angehören,
d) Artikel 1 des internationalen Paktes über wirtschaftliche, soziale und
kulturelle Rechte und die
e) Anerkennung von Minderheiten

1. Einleitung

Die Europäische Union (EU) und hier im speziellen Fall Frankreich verwaltet direkt einen Teil des Amazonasgebietes in Südamerika, zwischen Brasilien und Surinam gelegen: Französisch-Guyana (FG). Dieses Gebiet ist politisch betrachtet ein französisches Departement und gehört damit zur EU. FG umfasst 90.000 Quadratkilometer und ist zu 97% mit tropischen Regenwäldern bedeckt. Die einzige Straße des Landes führt entlang der Atlantikküste, wo 90% von den etwa 200.000 dort lebenden Menschen siedeln.
Im Süden von FG gibt es die drei indigenen Ethnien, der Wayampi, der Teko und der Wayana Indianer, die zusammen circa 3.600 Menschen zählen.

Frankreich engagierte sich anlässlich der Weltklimakonferenz in Rio 1992 für die Schaffung eines großen Nationalparks in FG. Die Diskussionen darüber dauern weiterhin an. Jedoch werden die Treffen diesbezüglich lediglich in FG abgehalten, ohne die Partizipation der Öffentlichkeit und ohne Involvierung kompetenter Fachleute auf dem Gebiet der Einrichtung von Nationalparks in tropischen Feuchtwäldern. Ebenso werden keine Anthropologen hinzugezogen, die bereits Erfahrungen in Bezug auf die Einrichtung von Territorien für indigene Völker gesammelt haben, wie zum Beispiel im benachbarten Brasilien geschehen. Brasilien hat an den Grenzen Surinams und FG mehrere große Gebiete ausschließlich für die dort lebenden Indigenen sowie, kurz vor dem Weltgipfel in Johannesburg, einen 38.000 Quadratkilometer großen Nationalpark („Tumucumaque“) eingerichtet. Die deutsche Gesellschaft für technische Zusammenarbeit (GTZ) war damals an der Demarkation des Gebietes für die Wayampi von l`Amampa in Brasilien beteiligt.

Frankreich beabsichtigte zwar die Gestaltung eines grenzüberschreitenden Nationalparks von Surinam nach Brasilien unter Einbeziehung FGs, weigert sich jedoch bis heute, grenz-übergreifende Schutzgebiete für die dort lebenden Indigenen einzurichten, obwohl die Wayana und die Wayampi Indianer traditionell zu beiden Seiten der Grenze leben.


 
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