Japanlink Logo
 
AktuellesMedien und KulturLand und LeuteGeschichte und PolitikÜber Japanlink
AuswahlStartseite

Verwandte Themen
Shôtoku taishi
Der FUJIWARA Clan
Die Wurzeln des Buddhismus
Konfuzianismus
Shintô

Druckerversion
Temmu Tennô

Suchen


Gästebuch
Japanlink Forum
Kontakt
Impressum
Umfrage





| g e s c h i c h t e |

Temmu Tennô

Von Ruth Schneider

Temmu-tennô ist nach der traditionellen Zählung der 40. Kaiser Japans. Seine Mutter war die Kaiserin Kôgyoku (r. 642-645) bzw. Saimei (r. 655-661) und sein Vater (593-641) der Kaiser Jomei (r. 629-641). Als Prinz Ôama stand er im Schatten seines Bruders Naka no Ôe, dem Kaiser Tenji (r. 668-671).
Im Jinshin-Bürgerkrieg von 672 usurpierte Temmu die Kaiserwürde des 671 eingesetzten Kôbun-tennô. Somit ist Temmu der einzige Kaiser der japanischen Geschichte, der einen regierenden Kaiser absetzte, um selber Kaiser zu werden. Temmu war zudem einer der wenigen Kaiser, die ihren Titel dazu nutzten, um selber Politik zu treiben, bzw. die die Macht besaßen, um selber Politik zu treiben.

Der Anfang des Jahrhunderts der Reformen und die direkte Vorgeschichte der Herrschaft (593 - 772)
Nach der Entstehung des Yamato-Staates im 3. Jahrhundert und dem ersten Einfließen chinesischer Kultur im 5. Jahrhundert stand Japan im 6. Jahrhundert unter dem Einfluß der seit 589 in China regierenden Sui-Dynastie, die China geeint hatte und durch die die chinesische Kultur weiter außerhalb Chinas verbreitet wurde.
Nach dem Tod der Kaiser Bidatsu (572-585) und Yômei (585-587), entstanden Streitigkeiten um die Kontrolle des Throns zwischen dem MONOBE-Klan, der große militärische Macht besaß und gegen die Ausbreitung des Buddhismus kämpfte, und dem Klan des SOGA no Umako, einem sehr einflußreichen Klan, der die Ausbreitung des Buddhismus fördern wollte. 578 verlor der Monobe-Klan die Schlacht bei Shibukawa und 593 setzte SOGA no Umako die Kaiserin Suiko ein, die bis 628 Kaiserin blieb. Sie war die erste Kaiserin seit der archaischen Zeit, doch sie übte keine Macht aus, sondern sie ernannte bei ihrem Amtsantritt ihren Neffen Shôtoku, den Sohn Yômeis, zum Regenten.
Prinz Shôtoku (Shôtoku-taishi) gilt als einer der bedeutendsten Regenten des Jahrhunderts der Reformen, doch die moderne Forschung hat herausgefunden, daß sein Einfluß in erster Linie die Verbreitung des Buddhismus förderte. 607 ließ er den Hôryû-ji errichten und 607 erließ er die „17 Artikel". Artikel 1 der „17 Artikel" stellte das konfuzianische Prinzip der Harmonie über alle Prinzipien. Artikel 2 fordert die allgemeine Verehrung des Buddhismus und Artikel 3, der wichtigste der 17 Artikel, proklamiert die absolute Herrschaft des Kaisers. Mit dem Edikt der „17 Artikel" führte also Shôtoku-taishi theoretisch den Staatsbuddhismus ein, schaffte die Aristokratie ab und stellte den Staat auf die Prinzipien des Konfuzianismus. Diese einschneidenden Veränderungen wurden aber erst unter den folgenden Herrschaften realisiert.

Nach Berichten aus den chinesischen Geschichtschroniken der Sui-Zeit versuchte Shôtoku-taishi auch gemeinsam mit SOGA no Umako eine Landreform und eine Verwaltungsreform durchzuführen. Zudem verfaßte er mit SOGA no Umako einige historische Schriften und begründete damit die japanische Geschichtsschreibung. Außerdem führte er 604 die chinesische Zeitrechnung ein.

618 usurpierten die T’ang in China die Sui und leiteten die T’ang-Dynastie ein, die später als Vorbild für die japanischen Herrscher diente. Mit der Umwälzung ging eine militärische Erstarkung und auch Expandierung Chinas einher, die die Zentralisierung Japans förderte, das auf Grund der Bedrohung eine Art Defensivstellung einnahm. 622 starb Shôtoku-taishi, nachdem er seit 607 die Beziehungen zu China gefestigt und den Austausch von Gesandten und Wissenschaftlern angeregt hatte. 626 starb SOGA no Umako und 628 auch Kaiserin Suiko. Der Sohn SOGA no Umakos, SOGA no Emishi, setzte 629 Kaiser Jomei ein, der kein Nachfahre Shôtokus war, bis 641 Kaiser blieb und über dessen Zeit wir wenig wissen. Seine Witwe übernahm danach als Kaiserin Kôgyoku den Kaisertitel. Sie starb 645. 643 hatte SOGA no Iruka, der Sohn SOGA no Emishis, den Sohn Shôtokus in den Selbstmord getrieben, so daß dieser nicht für den Thron zu Verfügung stand.

NAKA no Ôe (626-672), der erstgeborene Sohn des vorigen Kaisers Jomei, verbündete sich mit NAKATOMI no Kamatari (614-669) um die Macht der SOGA zu verringern und die Kontrolle des Throns zu sichern. Am 10.07.645 erschlugen sie bei einem kaiserlichen  Empfang SOGA no Iruka. Sein Vater, SOGA no Emishi, beging am folgenden Tag, nachdem er von der Ermordung seines Sohnes gehöhrt hatte, Selbstmord und zündete seinen Palast an, mit dem auch die Geschichtswerke SOGAA no Umakos und Shôtoku-taishis verbrannten.

Am 12.07.645 setzte NAKA no Ôe den neuen Kaiser Kôtoku ein, einen Bruder der früheren Kaiserin Kôgyokus. NAKA no Ôe wurde als Thronfolger benannt, denn er konnte den Thron nicht selber übernehmen, da er ein Verhältnis mit seiner leiblichen Schwester, der Prinzessin Hashihito, hatte. Er stellte noch im Jahre 645 eine Kommission auf, die an chinesischen Verhältnissen orientierte Reformen vorbereiten sollte. Alle Mitarbeiter mußten am 10.07.645 einen Treueid leisten, in dem sie die absolute Herrschergewalt des Kaisers bestätigen mußten. 645 führte man die chinesische Jahreszählung nach Perioden (nengô) ein und die Periode, die 645 begann, war die Taika-Periode. Nach ihr ist das berühmte Reformedikt benannt, daß NAKA no Ôe am 22.01.646 erließ.

Das Edikt umfaßt vier Artikel. Der erste Artikel hebt den Privatbesitz an Land und Unfreien auf und macht Land und Unfreie zum Besitz des Kaisers.
Artikel 2-4 wandeln den Klan-Staat um in einen zentralistischen Feudalstaat nach chinesischem Vorbild, in dem die ehemaligen Besitzer von Land und Unfreien, die Klans, als Beamte des Kaisers in der jeweiligen Region regieren. Diese Umwandlung traf nur auf wenig Widerstand des Adels, denn dieser erhielt durch die Verleihung der Ämter und Titel einen Gewinn an Prestige und keinen materiellen Verlust.

Im Jahre 654 starb Kaiser Kôtoku. NAKA no Ôe trieb den eigentlichen Thronfolger in den Selbstmord und setzte danach die Kaiserin Saimei, die Mutter NAKA no Ôes, die zuvor schon als Kaiserin Kôgyoku regiert hatte, ein. Die Zeit bis zu ihrem Tod war geprägt von der Opposition der Nobilität gegen ihre aufwendigen Bauvorhaben und von dem Konflikt um den koreanischen Staat Paeckche, den Japan 663 in einer vernichtenden Seeschlacht an China verlor. 661 war die Kaiserin Saimei gestorben und es folgte das längste Interregnum der japanischen Geschichte. Erst 668, nach dem Tod seiner Geliebten und Schwester Hashihito im Jahre 665, und nachdem er sich bemüht hatte, die Beziehungen zu China wieder zu normalisieren, bestieg NAKA no Ôe am 20.02.668 als Kaiser Tenji den Kaiserthron.In den verbleibenden drei Jahren bis zu seinem Tod am 07.01.672 führte er 670 ein neues Haushaltsregister ein und verlieh seinem langjährigen Partner NAKATOMI no Kamatari nach seinem Tod 669 den Titel FUJIWARA, der diesen zum Ahnherrn der berühmten Fujiwara-Familie machte.

Prinz Ôama war in seinen jungen Jahren einerseits von den Kämpfen auf und um die koreanische Halbinsel beeinflußt worden. Andererseits beeinflußten ihn die blutigen Kämpfe um die Kontrolle des Throns und die Liebesbeziehung seines Bruder NAKA no Ôes mit der gemeinsamen Schwester Hashihito. Besonders aber wurde das Verhalten des Prinzen Ôamas, das zum Jinshin-Bürgerkrieg (jinshin no ran) führte, von dem Verhalten des Kaisers Tenjis gegenüber dem Thronfolger des Kaisers Kôtokus, Prinz Arima, beeinflußt. Es verdeutlichte Prinz Ôama, daß Kaiser Tenji nicht gewillt war, die kaiserliche Würde jemandem außerhalb seiner direkten Linie zu verleihen.

Zwar ernannte Kaiser Tenji den Prinzen Ôama im Jahre 664 zum offiziellen Thronfolger, doch im Laufe der folgenden Jahre konzentrierte er Interesse und Sympathie in zunehmendem Maße auf den Prinzen Ôtomo, den Sohn einer Nebenfrau. 671 schließlich ernannte er den Prinzen Ôtomo zum Kanzler und verlieh ihm damit das höchste ministerielle Amt. Zu diesem Zeitpunkt erkannte Prinz Ôama, daß es Tenjis Intention war, Ôtomo gegen jeden Widerstand zum Kaiser zu machen. Also lehnte Ôama, als Tenji ihm kurz vor seinem Tod die Staatsämter anbot, diese ab mit der Begründung, er wolle sich in ein buddhistisches Kloster zurückziehen.

Von dort aus hob er auch im Jahre 672, einige Monate nach dem Tod Kaiser Tenjis, Truppen aus und suchte nach Unterstützung, um die neue Regierung zu stürzen. Diese fand er in den entlegenen Provinzen und besonders in den östlichen Provinzen Ise, Mowari und Mino. Als auch die Verwalter der Provinzen Kibi und Tsukushi dem Kôbun-tennô die Mithilfe verweigerten, war der Sieg Temmûs gesichert. Die Unterstützung der entlegenen und östlichen Provinzen, die auf Grund der potentiellen Gefahr Chinas an einem starken Herrscher interessiert waren, sicherten dem Temmû-tennô die Macht mit der er eine aktive Politik betreiben konnte.

Seitenanfang


JAPANLINK
| aktuelles | medien & kultur | land & leute | geschichte & politik | special | über japanlink |
© 1997-2010 by APIX
Alle Rechte vorbehalten. Vervielfältigung auf Datenträger wie CD-ROM, DVD-ROM und anderen Internetseiten sowie Nachdruck dürfen nur nach vorheriger schriftlicher Zustimmung von APIX erfolgen.