Das deutsche Deep Impact Weblog -
erste Einträge

Top-Quellen für heiße Bilder & Daten: Seiten von
NASA (Live-Bilder), Bildarchiv, UMD (= JPL), ESO, ESA.

Kometenbilder von der Erde: von Profis und Amateuren;
Hawaii-Event (insbes. hier), KPNO-Event (auch ARO?), CSU, Faulkes.

Blogs & Web feeds zu Deep Impact (Übersicht, noch eine und noch eine):
die besten sind offenbar von der Planetary Society und Spaceflight Now, auch Fla. Today und WDR.

Weitere Bilder-Sammlungen (v.a. von Amateuren; mäßig aktuell):
FG Kometen, UAI (Italien), Aerith. Diskussion: Comets ML, CometObs. Helligkeitsschätzungen: JPL, ICQ

Die Timeline: Was passiert wann im Weltraum und hier? Die Sichtbarkeit: Wo sieht man wann den Kometen in Deutschland? Ein Vorbericht: Was soll und kann überhaupt passieren? (Skyweek-Artikel)

Einträge vom 30. Juni bis 6. Juli 2005 - die aktuellen sind hier!

[28] Deep Impact fünfmal so populär wie Huygens? Jedenfalls waren die Webseiten der NASA um diesen Faktor mehr gefordert, in den Minuten um den Impakt, und gingen zeitweise in die Knie. Und wer weiß, vielleicht darf Deep Impact in 3½ Jahren den Kometen Boethin besuchen - darüber wird schon länger gemunkelt.

Ach ja: Der bizarre Horror-Aufmacher der Bild-Zeitung heute, nach dem der "Komet zurückschießt" mit einer geheimnisvollen Giftwolke, steht in keinem Verhältnis zum kurzen Text des Artikels - der sogar über Strecken seriöse Wissenschaftler zitiert ... [6. Juli, 21:00 MESZ].
[27] Das vielleicht beste Bild des Impakts - jedenfalls vom Aesthetischen her - koennte eine Aufnahme des HRI bei t+67s sein. Es liegen auch weitere detaillierte Amateurmessungen der Helligkeit der Zentralkondensation von Tempel 1 vor und nach dem Impakt vor: Um 1.5 mag. ging sie nach oben, inzwischen ist wieder alles wie vorher, und einen Schweif hat der Komet auch nicht entwickelt. Die Gesamthelligkeit lag auch gestern abend wieder um 10 mag, allenfalls die Form der Koma hat sich etwas veraendert. Es gibt bereits erste 'tiefschuerfende' Ueberlegungen des Kometengurus John Bortle zu den minimalen Auswirkungen des Impakts auf den Kometen insgesamt, erste VLT-Beobachtungen, Hubble-Bilder (das von kurz vor dem Impakt ist neu) und eine XMM-Beobachtung sehr schwacher Roentgenstrahlung des Kometen sowie Artikel von Fla. Today, Guardian, The Age, BBC, New Scientist, Telegraph, Astronomy, TIME und Welt. [10:45 MESZ]


[26] Neues Deep Impakt-Video zeigt heisse Impaktwolke! Auf einer neuen atemberaubenden Sequenz der hochaufloesenden Kamera, die auf der gestrigen Pressekonferenz praesentiert wurde, ist ein greller Blitz im Moment des Einschlags zu sehen, den auch dieses Einzelbild der anderen Kamera zeigt: Der Blitz - thermische Emission der tausende Grad heissen Gase - dauerte rund eine Sekunde, und erst nach einer gewissen Pause begann die Ejektawolke aufzusteigen, die auch einen markanten Schatten warf, wie eine weiteres ausserordentliches Video zeigt. Diese Verzoegerung koennte bedeuten, dass der Impaktor zunaechst tief in den Komet eindrang, bevor er dort Gase erhitzte. Solch eine Reaktion aehnelt Laborversuchen mit extrem poroesen Targets, vor allem solchen, die an fluechtigen Substanzen reich sind.

Ausserdem in den letzten 12 Stunden verfuegbar geworden: von Deep Impactein neues Video aus der Perspektive des Impaktors, Bilder dieser Kamera 30 Minuten (lang belichtet, mit vielen Jets), 5 Minuten, 90 Sekunden und 30 Sekunden vor dem Aufschlag sowie ein IR-Bild des Kerns, vom Satelliten Swift Beobachtungen im UV, von der ESO diverse Beobachtungen von Effekten des Impakts (insbesondere des davon ausgeloesten Staubfaechers) sowie von OH-Linien (also von einem Abbauprodukt von Wasser) und anderen Details des Kometen kurz vor dem Impakt, von der ESA erste Post-Impakt-Aufnahmen Rosettas und von der Optical Ground Station auf Teneriffa und von anderen erdgebundenen Beobachtern auch eine Handvoll neue Bilder - und eine Galerie mit Bildern rund um das Geschehen. An Bord von Deep Impact ist derweil "alles im gruenen Bereich", wie es auf der PK hiess, und rund 160 kg Treibstoff sind noch an Bord. Konkrete Plaene fuer eine Extended Mission anderswohin gibt es allerdings nicht: Wenn alle Daten aus den randvollen Speichern zur Erde geschickt und die Beobachtungen des Kometen endgueltig abgeschlossen sind, wird die Sonde erst einmal "eingemottet". [5. Juli, 11:45 MESZ]


[25] Ein phaenomenaler Blick zurueck vom Flyby Spacecraft auf die vom Impakt ausgeloeste Staubfontaene im Gegenlicht ist bei der 2. PK heute veroeffentlicht worden - einen Bericht von dem Briefing gibt's erst morgen, weil ich es nur auf Video aufnehmen konnte, da ich gleichzeitig im Bochumer Planetarium einen Vortrag nach dem anderen halten muss (gleich geht's wieder in die Kuppel). Ausserdem jetzt neu: Die erste Impaktsequenz von Rosetta und eine weitere teleskopische Beobachtung des Impakts - wiederum mit der Sichtung einer ploetzlich entstandenen hellen und extrem kompakten zentralen Verdichtung der Koma. [4. Juli 2005, 21:25 MESZ]


[24] XMM-Newton weist Wasser beim Impakt nach: Das optische Instrument auf dem Roentgensatelliten sah die Helligkeit im Licht des Hydroxyls um einen Faktor 5 hochschnellen, aber 4½ Stunden nach dem Impakt ging das Signal schon wieder zurueck. Ausserdem animierte Bilder des Impakts von einem kleinen Teleskop. Und weitere Artikel gab es inzwischen bei und via Space Today. [18:40 MESZ]
[23] Die Gesamthelligkeit Tempels ist kaum gestiegen, machen inzwischen eingehende Amateurbeobachtungen klar: Die zentrale Kondensation hat nach dem Impakt deutlich zugenommen, und wenn man sich - wie viele grosse Teleskope inklusive Hubble (Bild) - auf den Zentralbereich konzentriert, dann war tatsaechlich ein groesserer Helligkeitssprung zu vermerken (siehe Eintrag 17). Doch bis die gesamte Koma spuerbar heller wird, das kann noch dauern: Beobachtungen von Mike L. aus Kalifornien. [17:25 MESZ]
[22] Eine spektakulaere Sequenz von Hubble-Bildern des Impakts zeigt eine sich in der Koma ausbreitende Ejekta-Wolke: ESA HST Release. Es gibt zahlreiche weitere Artikel, z.B. von Daily Telegraph, Register und SF Chronicle. Und Jost Jahn hat bereits aus den allerletzten Bildern des Impaktors eine Karte des Auftreffgebiets zusammengesetzt. [16:30 MESZ]
[21] Die erste "amtliche" Pressemitteilung nach dem Impakt hat gerade das JPL herausgegeben - die Sonde ist problemlos durch die Shield-Phase gekommen. Ausserdem gibt's ESA-PMn zu XMM-Beobachtungen des Impakts (im Optischen) und zur Freude daran allgemein, Und weitere Artikel gibt's von Sky & Tel. und dem New Scientist. [14:15 MESZ]
[20] Der ultimative Film vom Impakt aus der Sicht des Impaktors liegt vor! Ausserdem ein Gesamtbild des unbeschaedigten Kerns. Bei den Bildern vom Boden aus gibt es inzwischen ein Quotientenbild nach/vor dem Impakt, das klar die in der Koma expandierenden Ejekta zeigt, und eine Bildserie vom CFHT, die enorme Veraenderungen am Kometen durch den Impakt dokumentiert. [13:00 MESZ]
[19] Das erste Tempel-Bild des HST nach dem Impakt zeigt einen markanten Helligkeitssprung der zentralen Kondensation. Und eine scharfgerechnete HRI-Aufnahme der Ejektawolke ist endlich auch online - das coolste Bild der letzten PK. Das Planetary Photojournal, sozusagen das Endlager von planetaren Pressebildern, hat inzwischen fuenf Bilder archiviert: PIA021 19, 20, 21, 22 und 23. Weitere Artikel ueber den Impakt: BBC, Fla. Today und AP. [11:50 MESZ]
[18] "I'm looking forward to a wealth of data taking me to retirement", waren die Schlussworte eines reichlich geschafften aber uebergluecklichen Mike A'Hearn auf der PK, die relativ schnell zuendeging - am JPL ist es ja auch 2 Uhr nachts. (Der erste Bericht war etwas hektisch, weil uns hier am Bochumer Planetarium gerade ein vierkoepfiges TV-Team des WDR heimsuchte, uebrigens mit hypermoderner Kamera, die auf Optical Disk aufnimmt; es wird wohl was in der Aktuellen Stunde ab 18:50 oder in der Lokalzeit Ruhr ab 19:30 geben.) Neu in der Bildersammlung: die frische Ejekta-Wolke 16 Sekunden nach dem Impakt und das letzte Impaktor-Bild; bei den Live-Bildern (wobei 'Live' = jetzt eintreffend, aus dem Sondenspeicher, bedeutet) sind bereits 39 Index-Seiten voll. [11:25 MESZ]
[17] Tempel 1 ist um rund 2 mag. heller geworden - das hat Mike A'Hearn gerade auf der PK erzaehlt, die noch laeuft. Ansonsten: Dem Flyby Spacecraft geht es bestens, und es hat in der gesamten heissen Phase keinen einzigen Zwischenfall gegeben. [10:35 MESZ]
[16] Der Komet ist drastisch heller geworden - so legen es jedenfalls Bilder des Faulkes-Teleskops auf Hawaii nahe, das britische Schueler remotely bedienen, die vor und nach dem Impakt entstanden. Man verfolge auch die Postings auf der internationalen Comets Mailing List, die frei mitgelesen werden koennen; bei CometObs gibt's auch erste Details. [10:00 MESZ]
[15] Jetzt gibt's auch ein spektakulares Video, ein animated GIF aus den Einzelbildern:

Zusammengestellt praktisch in Echtzeit der Planetary Society - genial! Ausserdem neu im Angebot: eine der allerletzten Aufnahmen der Impaktor-Kamera; beim zentralen Bildarchiv der Mission taucht jetzt alle paar Minuten ein neues (Roh-Bild) auf. [9:45 MESZ]


[14] Hier sind jetzt ein paar Bilder, noch gaenzlich inoffiziell (naemlich von Fans aus dem NASA-Fernsehen gegrabbt und von der Planetary Society verbreitet):

Das linke Bild lieferte der Impaktor als er noch um einiges vom Ziel entfernt war, das rechte zeigt die Ejektawolke aus Sicht des Medium Resolution Imager des Flyby Spacecraft. Es gibt auch eine weitere Sammlung gegrabbter DI-Bilder, DI-Aufnahmen des Kometen im Licht von Wassermolekuelen vor dem Impakt und ein Chandra-Bild, ebenfalls vor dem Impakt - und einen ersten laengeren Artikel von Spaceflight Now. [9:15 MESZ]


[13 Ende der Show - die Uebertragung auf NASA Select TV ist (unerwartet; sie sollte doch bis 9:30 MESZ gehen) beendet worden; das naechste Event ist das Post-Impact Briefing um 10:00 MESZ. Ob es dann schon weiter verarbeitete Bilder geben wird? Allein die jetzt schon gezeigten quasi-rohen (z.T. nur abgefilmt von Videoprojektionen, alles wie bei den MER-Landungen vor 1½ Jahren) waren schon spektakulaer genug, aber wer weiss, was da noch drin steckt. Irgendein Krater war wegen des gleissend hellen Ejektakegels bislang nicht eindeutig auszumachen, und selbst wenn DI wieder hinguckt, ist die Stelle selbst bereits hinter dem Horizont verschwunden. Der Grossteil der Bilder hat freilich die Erde noch gar nicht erreicht und soll in den kommenden 24 Stunden uebertragen werden. [8:45 MESZ]
[12] Spektakulaere Bilder der Ejektawolke sind gerade aufgetaucht; es sind offenbar die letzten Bilder, die der Medium Resolution Imager aus >= 700 km Entfernung geschossen hat, bevor DI in den Shield Mode ging. Unglaublich: Die Bilder sehen aus wie die kuenstlerischen Darstellungen der letzten Monate. Und waehrend ich das noch tippe, sagt Yeomans genau dasselbe. Die Ausbeute an Bildern allein von DI selbst ist schon jetzt ueberwaeltigend. Irgendwelche Berichte von Teleskopen am Boden fehlen allerdings noch - und die entsprechenen Webseiten im Header sprechen nicht mit mir ... [8:35 MESZ]
[11] "The Science Team is ecstatic!", sagt Yeomans noch - waehrend die letzten Impaktor-Bilder gezeigt wurden. Wie bei den Rangers damals (vor 40 Jahren auf dem Mond) ... Das letzte Bild hatte wahrscheinlich eine Aufloesung von einem Meter! Die beste Web-Quelle fuer roheste Bilderchen ist momentan der Plan. Soc.-Blog. Jetzt laufen lauter Congressmen durch die Raeume und gratulieren - na ja, sie haben's ja auch bezahlt, gewissermassen. :-) Das Flyby Spacecraft ist jetzt mitten im Shield Mode und kann nicht mehr auf den Kometen gucken - aber nach 8:51 MESZ sollte es wieder gehen. Und das NASA-Fernsehen via Web laeuft wieder voellig ungestoert ... [8:25 MESZ]
[10] Ein voller Erfolg!!! (Sorry, musste mal fuer ein Viertelstuendchen zu einem Fernseher im Nebenraum flitzen, denn das Web ging doch arg in die Knie - und hinkt eh rund eine Minute hinter der Realitaet her.) Der Impaktor hat getroffen, und auf alle paar Sekunden aktualisierten Bildern konnte man verfolgen, wie sich eine kegelfoermige Ejektawolke vom unteren Ende des Kometenkerns ausbreitete. Gerade werden die letzten Bilder des Impaktors an die Wand geworfen: Man sieht Krater - wie auf dem Mond! - und regelrechte Bergruecken, wieder eine ganz andere Kometenwelt. Don Yeomans sagt noch, dass die Impakteffekte groesser seien als die meisten erwartet haetten. [8:10 MESZ]
[9] "Burn error was 0.23 percent" - nach dieser Mitteilung kurzer Applaus zu hoeren. Noch 7 Minuten ... [7:45 MESZ]
[8] Hier sind zwei der Bilder mit der hohen Aufloesung - von Spacefl. Now aus dem NASA-TV gegrabbt. Die dritte und letzte Bahnkorrektur findet gerade statt. Der finale Burn soll 44 Sekunden dauern. [7:40 MESZ].
[7] Tempel 1 ist eine Aubergine! Sagen sie gerade im NASA-Kommentar, und die Bilder sehen tatsaechlich so aus - sie sind bereits besser als die besten von Halley (und Borrelly). Die Bilder der hochaufloesenden Kamera werden nahezu in Echtzeit entfaltet und im Science Room an die Wand geworfen, wo sie wiederum eine Kamera von NASA Select TV erfasst. Auch die Bilder der Medium-Resolution-Kamera im Image-Viewer der NASA-WWW-Seite zeigen den Kern jetzt aufgeloest (aber noch viel kleiner). [7:25 MESZ]
[6] Zweite Bahnkorrektur "executed extremely well" - wurde in dieser Minute in der Flugkontrolle bekanntgegeben. [7:20 MESZ]
[5] Noch 45 Minuten bis zum Impakt, und bei NASA-TV sind bereits die ersten aufgeloesten Bilder des Kerns zu sehen! Sie stammen vom High Resolution Imager und sind flink entfaltet worden. Der Blog von Spaceflight Now ist auch sehr aktiv, dito der der Planetary Society. Die erste Bahnkorrektur des Impaktors war offenbar ein Erfolg. [7:10 MESZ]


[4] Die ersten raeumlich aufgeloesten Bilder des Tempel-Kerns wird es erst ein bis zwei Stunden vor dem Impakt geben: Auf der letzten PK vor dem Event hat das der Chefwissenschaftler Mike A'Hearn abgeschaetzt. In den Live-Stream fuer die Oeffentlichkeit wird man nur Bilder der Kamera mit der geringeren Aufloesung geben, weil die Entfaltung der zunaechst einmal unscharfen Bilder der anderen Kamera 1-2 Tage dauern duerfte, im guenstigsten Fall 6 Stunden. Nichtsdestotrotz glaubt A'Hearn, auf den allerneuesten Bildern dieser Kamera den Kern schon erahnen zu koennen (gezeigt hat er sie dann aber nicht).

Inzwischen gibt es ein erstes Bild des Kometen vom Impaktor aus gesehen, einen Film, der den Anflug auf den Kometen aus der Sicht von Deep Impact zeigt (inklusive schoener Ausbrueche) und eine Grafik, die die Helligkeit des Kometen als Funktion der Zeit zeigt, mit Effekten der 41.9-Stunden-Rotation und der Ausbrueche. Von der ESO gibt es ueberdies erste Beobachtungsergebnisse der vergangenen Nacht in Chile und von Rosetta ein erstes Bild des Kometen mit der Kamera OSIRIS. [3. Juli 2005, 21:25 MESZ].
[3] Der Impaktor ist unterwegs! Planmäßig hat sich das 372-kg-Projektil heute morgen um 8:07 MESZ Erdempfangszeit vom Flyby Spacecraft gelöst und eilt nun auf den Kern von Komet Tempel 1 zu; sechs Stunden zuvor gab es die vierte und letzte Bahnkorrektur der beiden noch verbundenen Flugkörper, und 12 Minuten nach der Trennung bremste sich das Flyby Spacecraft mit einer 14-Minuten-Zündung um 102 m/s ab. Die ersten 22 Stunden seiner autonomen Reise hat der Impaktor wenig zu tun, außer regelmäßig Bilder des Kerns zu liefern, erst 2 Stunden vor dem Impakt wird das Autonavigationssystem aktiv, das anhand vor allem selbiger Bilder bis zu drei Kurskorrekturen mittels kleiner Triebwerke durchführt, um den Kern auch sicher zu treffen. (Die prinzipielle Möglichkeit, daß dies nicht gelingt, steht durchaus im Raum; die NASA weigert sich allerdings inzwischen, dafür eine Wahrscheinlichkeit anzugeben). Kein Urmaterial des Sonnensystems trotz tiefen Kraters? In einem bedenklichen Paper rechnen Mousis et al. vor, daß der Kometenkern bei den Periheldurchgängen in den vergangenen Jahrhunderten bis in mehrere hundert Meter (!) Tiefe physikalisch und chemisch modifiziert worden sein dürfte: Außer der Impakt zerstört den Kern ganz (was der eine oder andere Kometenforscher für möglich hält, siehe Eintrag 1), wird auch ein größerer Krater keine unveränderte Urmaterie des Sonnensystems freilegen können. Die Rechnungen von Mousis & al. sind zugegebnermaßen stark vereinfacht, aber egal ob sie einen Kohlenmonoxid-armen oder -reichen Kometen annehmen, einen kompakten oder porösen: Stets reichen die mindestens 360 Jahre, die sich Tempel 1 bereits im inneren Sonnensystem befindet, aus, um mehrere hundert Meter tief das ursprünglich amorphe Eis zum Kristallisieren zu bringen. [13:55 MESZ]


[2] »Schnallen Sie sich an«, empfiehlt der Direktor des JPL bei »one of the most daring and one of the most risky missions,« die er je erlebt hat, und deren Komplexität (in erster Linie im Bezug auf die Navigation beider Teile der Deep Impakt-Sonde) und unvorhersehbarer Ausgang inzwischen seitens der NASA sehr deutlich betont wird. Schon daß der Impaktor überhaupt den Kern von Tempel 1 trifft, würde schon als Erfolg gewertet, egal was danach passiert. Noch läuft freilich alles genau nach Plan:

Die Koordination der erdgebundenen Beobachtungen der Impaktfolgen wird (laut Nature vom 23. Juni S. 1013) in einem speziellen Kontrollraum auf dem Mauna Kea erfolgen, wo Karen Meech per Videokonferenz in Echtzeit Kontakt mit rund 30 besonders wichtigen Sternwarten in aller Welt hält. In einem Interview vermutet H.-U. Käufl von der ESO derweil, daß sich die dramatischsten Folgen des Impakts erst einen halben bis einen Tag danach einstellen werden (wenn man sich typischen Ausbrüchen auf Kometenkernen orientiert) - in diesem Fall wäre die geografische Länge Europas, wo der Komet (hier ein Bild aus Österreich vom 28. Juni) 15 Stunden nach dem Impakt kurz zu sehen ist, gar nicht so schlecht. Am Lick Obs. bemüht man sich derweil schon, die Volksmassen fernzuhalten ... [2. Juli 2005, 12:45 MESZ]


[1] Eine anhaltende Flut von Pressemitteilungen (wie selbst vor den Mars- und Titanlandungen nicht) ist seit Mitte Juni zum bevorstehenden Angriff von Deep Impact auf Komet Tempel 1 zu beobachten, überwiegend aus den USA aber auch aus Australien und Europa, u.a. von ESA, ESO und auch der MPG. Jeder will irgendwie dabei sein: siehe den Cosmic Mirror # 289 für alle PMn und auch zahlreiche Artikel in inverser chronologischer Reihenfolge. Während Deep Impact selbst bereits tägliche Bilder liefert und man auch schon den Kern in der Koma isolieren konnte, machen sich Rosetta (auf dem Weg zu einem anderen Kometen aber günstig platziert) und zahlreiche Satellitenobservatorien im Erdorbit bereit - sogar der eigentlich längst in den Ruhestand geschickte Radioastro-Satellit SWAS wurde eigens für Deep Impact reaktiviert!

Ungeachtet aller Unwägbarkeiten der ungewöhnlichen Mission - zu der es auch ein neues und jüngst nochmals aktualisiertes Press Kit gibt - erregt sie in den USA bereits erhebliches Aufsehen. Und ganz besonders in Arizona und Kalifornien auf Hawaii, wo sich die großen Teleskope nur so häufen und der Komet auch während des Impakts beobachtet werden kann. Auf Hawaii (dort ist noch Abenddämmerung, aber dann können die Folgen stundenlang verfolgt werden) wird dabei die Bevölkerung regelrecht mobil gemacht, wie z.B. der Honolulu Advertiser berichtet: Geplant sind Liveübertragungen der Ereignisse im TV, im Web (dito übrigens vom Kitt Peak) und - auf Großleinwänden an ausgewählten Plätzen! Wie weit sich wohl die deutschen Medien (die prompt eine Debatte über die Legalität des ganzen vom Zaun brechen wollen) und die Öffentlichkeit in Bewegung setzen werden ...? [30. Juni 2005, 17:45 MESZ]

Ein Sonder-Blog von Daniel Fischer, das so lange laufen soll, wie etwas passiert - zusätzliche Hinweise sind willkommen! Vom 3.-6. Juli (Einträge 4 bis 27) realisiert mit freundlicher Unterstützung des Planetariums Bochum