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Technoviking: Matthias Fritsch vor Gericht

All Heil Technoviking!

18.01.2013

Der Technoviking verklagt seinen Schöpfer.

Wie oft ist es schon geschehen, dass sich Helden gegen ihre Schöpfer wenden – Prometheus ist da nur das erste von vielen Beispieln? Auch Internet-Memes sind davor nicht gefeit. Der Künstler Matthias Fritsch hat im Jahr 2000 auf der "Fuck Parade", einer Techno-Veranstaltung, eine kleine Szene gefilmt:

Ein Mädchen mit hellblauer Perücke tanzt mit anderen auf der Straße. Plötzlich läuft ein Mann durchs Bild und rempelt das Mädchen an. Dann tritt er auf: Ein muskulöser, großer Mann mit geflochtenem Bart, kurzen Hosen und nacktem Oberkörper. Er weist den Rempler zurecht und sagt ihm, er solle abhauen. Dessen Weggehen begleitet er mit einer Drohgebärde. Nach einer kurzen nachdenklichen Ruhepause beginnt er einer Gruppe Menschen voranzugehen. Einer reicht ihm ein Wasser, das er trinkt. Dazu läuft Techno-Musik.

Die ikonische Qualität seines Erscheinungsbilds hat, erst Jahre nachdem das Video gedreht wurde, den "Technoviking" wie er im Internet genannt wird zu einem Meme gemacht. Seit 2007 sind tausende Remixe und andere Bearbeitungen des Videos entstanden. Der Künstler, Matthias Fritsch, hat das alles in einem "Technoviking Archiv" dokumentiert.



Irgendwann wendete sich der ursprünglich gefilmte gegen den Schöpfer seiner Internet-Identität. Der Technoviking, dessen wahre Identität immer noch ungeklärt ist, klagte 2009 auf Unterlassung gegen Fritsch. Am 17. Januar begann jetzt die Gerichts-Verhandlung vor dem Berliner Landgericht.

"Ich werde für die Schöpfung und Verbreitung von Inhalten, die mit dem Technoviking zu tun haben angeklagt, also für die Verletzung von Persönlichkeitsrechten", sagte Fritsch der US-Website "The Daily Dot". "Sie sagen, ich würde damit viel Geld verdienen."

Läuft es schlecht, muss Fritsch 250.000 Euro zahlen und sechs Monat ins Gefängnis. Bisher sieht es allerdings eher so aus, als würde Fritsch davonkommen. Schließlich kann er sich auf die Kunstfreiheit berufen und – noch wichtiger – ist gar nicht der Urheber der meisten Videos, in dem der Technoviking vorkommt. Die wurden von der kollektiven kreativen Kraft des Internets hervorgebracht. Würde die verurteilt, wäre das ein sehr schlechtes Zeichen.