Ausstellung Tabak in der Kunst

(Bild: Kunsthalle Krems) Tabak in der Kunst ist das Thema einer interessanten Ausstellung

Seit mehr als 500 Jahren hat sich der Tabak als Genussmittel in Europa etabliert. Ungefähr genau so lange findet man mannigfaltiges künstlerisches Schaffen zu diesem Thema. In der Kunsthalle Krems in Österreich im Forum Frohner findet noch bis zum 30. September 2012 die Ausstellung “Im blauen Dunst. Tabak in der Kunst” statt.

Das Rauchen von Tonpfeifen, das in allen Gesellschaftskreisen des 17. Jahrhunderts ein wichtiger Bestandteil des geselligen Lebens war, die Eleganz des Tabakschnupfens, das im 18. Jahrhundert von Frankreich ausgehend bei Hof zur mondänen Geste stilisiert wurde, die das 20. Jahrhundert beherrschende Zigarre und Zigarette, alle Genussformen waren Inspirationsquelle für kreatives Schaffen. Malerei, Fotografie, Collage und Assemblage beleuchten den Tabakgenuss im Spannungsfeld zwischen Kontemplation und Erotik, feiern die elegante Pose des Rauchers, illustrieren Genuss in lärmender Geselligkeit oder in beschaulicher Einsamkeit.

Die Werke stammen aus der JTI Tobacco Collection Vienna und enthalten Werke von Künstlern wie Jan van Bylert, Ferdinand Georg Waldmüller, Franz von Byros, Kolo Moser, George Grosz, Kiki Kogelnik, Tone Fink, Otto Mühl, Florentina Pakosta, Helmut Newton, Jörg Immendorf, Roman Scheidl, Siegfried Anzinger, Al Hansen und Adolf Frohner.

Die Ausstellung zeigt auch durchaus kontrovers diskutierte Werke – kein Wunder, wurde das Genussmittel Tabak seit jeher auch kontrovers diskutiert. Auch immer wiederkehrende Rauchverbote prägen die Geschichte des Tabaks. Die ersten Verbote kamen im 30jährigen Krieg auf. Das Argument war Feuergefahr. Schließlich waren die meisten Gebäude damals aus Holz, und Stroh deckte die Dächer weit häufiger als Ziegel. Andererseits lebten die Menschen mit offenem Feuer beim Beleuchten und Heizen ihrer Behausungen. Und gekocht wurde auch über der Flamme. Die Strafen für Rauchen waren drastisch. Im Herzogtum Lüneburg stand darauf bis 1692 sogar der Tod.

Der Schriftsteller Walter Wippersberg zitierte Claus-Marco Dieterich auf “Novo Argumente” mit einer besonders seltsamen Verbotsbegründung: “Als Indiz für die Gefährlichkeit des Rauchens dient hier also nicht die Aufnahme des Rauches, sondern das sichtbare Ausatmen desselbigen. In der Verbindung zwischen dem ausgeblasenen Rauch und dem Dampf der Hölle liegt ein Motiv, das in der Konfliktgeschichte um das Rauchen vor allem von kirchlichen Vertretern immer wieder herangezogen wurde und Anlass gab, gegen das Rauchen vorzugehen.”

Wippersberg weiter: “Der rabiateste Potentat, der die Raucher hasste und verfolgte, war aber ohne Zweifel der türkische Sultan Murad IV. Die von ihm in Gang gesetzte Diffamierung der Raucher erinnert ein wenig an die Christenverfolgung unter Nero, der ja, wie behauptet wird (man zweifelt heute daran), Rom hat anzünden lassen und dann, weil das Volk darüber empört war, den Christen die Schuld dafür in die Schuhe geschoben hat, um sie grausam verfolgen zu lassen. Sultan Murad soll aus Anlass der Geburt eines Sohnes ein Feuerwerk abgebrannt haben, und das sei irgendwie außer Kontrolle geraten, zwanzigtausend Häuser in Konstantinopel seien daraufhin verbrannt. Murad aber behauptete nun, die Brandkatastrophe habe auf einem Schiff, auf dem geraucht worden sei, ihren Ausgang genommen. Eine blutige Raucherverfolgung setzte ein, und der Sultan soll dabei selbst Hand angelegt haben. Verkleidet sei er – als das Rauchen schon streng verboten war – an die Orte gegangen, an denen angeblich heimlich immer noch Tabak verkauft wurde. Er habe viel Geld dafür geboten und, wenn er tatsächlich Tabak bekommen habe, den Säbel gezogen und den Verkäufer (den „Dealer“) augenblicklich einen Kopf kürzer gemacht. Er muss ein türkischer Puritaner gewesen sein, denn er hat auch Opium und Kaffee verbieten lassen, Wein sowieso. Er ist kaum dreißig Jahre alt geworden, soll aber hunderttausend Menschen zum Tod verurteilt und nicht wenige davon selbst hingerichtet haben.”

Während einige Rauchverbote plausible Sicherheits-Aspekte hatten (wie zum Beispiel das Rauchen im Wald oder ein Rauchverbot in der Nähe von leicht brennbaren Substanzen wie an Tankstellen), gab es etwa im Dritten Reich rassistische Gründe (“Die deutsche Frau raucht nicht”). Hier tat sich insbesondere die Frau des Arztes Fritz Lickint hervor, die diese Vorgabe Goebbels’ versuchte, unter das Volk zu bringen. Der Ex-Raucher Hitler behauptete, der Tabak sei die “Rache des roten Mannes an der weißen Rasse” für den Alkohol. Für ihn war Tabak ein “Rassegift” und er überwies im Jahre 1941 100.000 Reichsmark an die Universität Jena, um dort das “Institut zur Erforschung der Tabakgefahren” zu gründen. Chef dieser Klinik war “Rasseforscher” Karl Astel; Fritz Lickint, der als “Erfinder” des Passivrauches gilt, arbeitete unter Astel ebenfalls an diesem Institut.

Die Ausstellung befasst sich allerdings nur mit den Aspekten der Kunst, nicht mit den meist ideologischen Gründen der Rauchverbote. Der Eintritt beträgt 10 Euro, geöffnet ist die Ausstellung täglich von 10:00 bis 18:00 Uhr. Die Kunsthalle Krems und das Forum Frohner ist am Franz-Zeller-Platz 3 in 3500 Krems, Österreich.

 


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5 Kommentare

  1. Sturer Allgäuer

    Vermutlich würde so eine Ausstellung in Deutschland nicht mal unter dem Aspekt der Kunst gestattet werden. Es gibt ja Amtsrichter die Kunst über den Tabak (angezündet oder nicht) aushebeln.

  2. Blaudunst

    Eine schöne Initiative und ein zusätzlicher Beweis, dass man in Österreich noch leben kann :-)
    Bis Ende September werde ich bestimmt eine Gelegenheit finden, die Ausstellung zu besuchen. Und danach einen schönen Aufenhalt in einem R-Lokal, wo auch Raucher ihren Abend geniessen können… in Gegensatz zu Bayern!

  3. G-H-L

    Schon interessant, wenn man sich die Geschichte und die Rauchverbote so anschaut. Da gab es Rauchverbote, wegen der Feuergefahr. Und das während des 30-jähriges Krieges wo doch brandschatzen an der Tagesordnung war. Hinzu kommt, dass damals auf offenem Feuer gekocht und geheizt wurde und Abends die Beleuchtung mittels Kerzen oder Petroleumlampen realisiert wurde. Wie hoch wohl damals die Feinstaubbelastung und die Abgasbelastung in den Wohnungen und Häusern war?

    Ich könnte mir durchaus vorstellen, dass viele Antiraucher sich wieder so einen Despoten wie Murad wünschen würden. Am liebsten würden sie auch gleich die Bestrafung der Raucher selbst durchführen. Die momentanen Auseinandersetzungen zwischen Rauchern und Nichtrauchern könnte man schon beinahe als Krieg bezeichnen.

  4. gaux

    Jetzt wird es nicht lange dauern, bis der (Anti)Rauchersheriff Klage gegen die Kunsthalle Krems einbringt.

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