_________________________________________________________________________________

Netzwerke als hinter-listiges Selektions- und Herrschaftsmittel:

Die hegemoniale Vorherrschaft des neoliberalen Markt-Totalitarismus

 Dieter Plehwe, Bernhard Walpen, Gisela Neuhöfer (Ed.): Neoliberal Hegemony. A global critique.
Routledge/Ripe Studies in Global Political Economy. London/New York 2006

Neoliberalismus, Globalisierung und Netzwerke sind die heillose Dreifaltigkeit des Post-Kapitalismus:
Neoliberalismus ist die Ideologie -
Globalisierung und Netzwerke Strategie und Taktik.

Definition des Neoliberalismus:

"Das ist mein Platz an der Sonne." Damit beginnt und darin spiegelt sich die widerrechtliche Inbesitznahme der ganzen Erde.

Nach Kräften hat man sich der Begehrlichkeit bedient, um sie dem Allgemeinwohl dienstbar zu machen. Doch nur zum Schein, ein verfälschendes Bild der Liebe: denn im Grunde ist es nichts als Hass.

Pascal: Pensées

Eine präzise Definition des Neoliberalismus ist schwierig, da er wandelbar ist wie die Wirtschaft, immer wieder neue Formen annimmt und sich auch gerne im sozialen Schafsfell etwa des Kommunitarismus tarnt... über den er erfolgreich NPM in die Köpfe bringen konnte. Die sich verstärkende Anomie führte bei einigen Politikern zu einer stärkeren Orientierung an der Gemeinschaft - da die Kosten der Restrukturierung immer mehr auf Kantone/Länder und Gemeinden verlagert werden. Allerdings wurde auch dort meist das neoliberale, also betriebswirtschaftliche Denken übernommen, das auf Sparen, Konkurrenz, ertragsversprechende Innovationen setzt und per NPM umgesetzt werden sollte. 

Der wichtigste Unterschied zwischen Liberalismus und Neo-Liberalismus ist der, dass der Liberalismus jede Macht als Störung der (Markt-)Freiheit empfand, also auch Marktmacht, insbesondere Monopole und überdimensionierte Betriebe. Der Neoliberalismus macht nun präzise das Gegenteil, er setzt alles auf Marktmacht - und zerstört damit den sog. "freien Markt" gleich selbst. (s. neoliberale Theorie)

Eines der wichtigsten Kennzeichen des Neoliberalismus dürfte seine Hinterlistigkeit sein, mit der er seine neofeudalen Interessen hinter dem hehren Konzept der Freiheit verbirgt. Dank dieser List wird er sogar von  libertären Linken gefördert, weil diese meist unfähig sind, zwischen sozial motivierten Libertären (traditionelle Anarchisten) und dem Anarchokapitalismus zu unterscheiden.

Für die Mittelschicht nimmt der Liberalismus die Gestalt des Ordo-Liberalismus an, des Nachtwächterstaates, der den Habenden das Eigentum garantiert - aber die unter Kontrolle hält, die ausgeschlossen werden und allenfalls "wirtschaftsstörend", diebisch oder gar gewalttätig werden könnten.

Die an der Macht mitwirkende politische Linke, also die unterschiedlichen SPs, sind natürlich, wie alle politischen Parteien, von Mehrheitsmeinungen abhängig. Da diese aber von der neoliberalen Propaganda völlig durchtränkt ist und die SP dem weder konzeptionell, ja nicht mal spirituell, irgend was entgegen zu setzen hatte, wurden Führer einst sozialdemokratischer Parteien (Toni Blair, Gerhard Schröder, New Democrats in den USA) quasi Abstimmungsmehrheitsbedingt "brainwashed"  und selbst zu Agenten des Neoliberalismus... und eigentlich damit zu Verrätern an der eigenen Sache. Die SP Schweiz ist mit dem neusten Wirtschaftsprogramm präzise in die selbe Falle getappt. Geistige Exponenten des 3. Weges sind Barber, Etzioni, Reich, Giddens, Grey, wobei sich erstere eher sozial geben, letztere klar dem Propagandaforum der Mont Pelerin Gesellschaft angehören.

NGOs & INGOS die sich mit Menschenrechten und öffentlichen Interessen befassen und zum Teil immer noch als "Retter der Welt" gesehen werden, haben sich zwar inzwischen auch internationalisiert und professionalisiert, liegen darin aber weit hinter den neoliberalen Propagandisten zurück.

Nicht Dantes Hölle - bloss die Garimpeiros, die Arbeiter der Goldminen der  Sierra Pelada in Brasilien,  von Sebastiao Selgado photographiert.

Neoliberalismus ist: Exportorientierte Industrialisierung

Dieses Konzept diktiert, dass alle wirtschaftlichen Einheiten auf dem Weltmarkt wettbewerbsfähig (d.h. überlegen, stark, fit - exportfähig) sein müssen.

Staat und Gesellschaft sollen schlank sein, also möglichst wenig Konsumieren. Präzise deshalb kommt das Konzept mit den Lohnerhöhungen die zugleich eine Erhöhung der Kaufkraft bewirken würden, nicht mehr an. Der Neoliberalismus hat sich längst vom Sayschen Modell gelöst: Produktion schafft Produkte und Löhne - über Löhne werden die Produkte konsumiert. Mehr Lohn - mehr Konsum / mehr Konsum - mehr Einkommen auch für die Unternehmer.

Hier wird also eine Wirtschaft weder für die Nation, noch für das Volk, sondern bloss für die Exportindustrie gefördert - ohne jegliche Rücksicht auf Verluste bei der eigenen Bevölkerung oder der Bevölkerung der belieferten Länder. Die Gewinne durch Export sind logischerweise auf eine geringe Anzahl global tätiger und meist grosser Firmen und Länder beschränkt.

Sie können das in den Medien verfolgen anhand der Diskussionen um die NAFTA, die die beiden Amerikas von Alaska bis nach Argentinien einem Handelsregime unterstellen will, dem des Freihandels, dem des Freihandels in dem Grosse dominieren, also dem des Neoliberalismus. Ähnlich läuft es in Europa mit der """Integration""" des formals kommunistischen Ostens. Die Lissabon Strategie will die EU bis 2010 zum wettbewerbsfähigsten und dynamischsten Wirtschaftsraum der Welt zu machen. Diese Strategie enthält präzise den ganzen Koffer an Werkzeugen des Neoliberalismus:

 

Kernpunkte des neoliberalen Programmes (s. Washington Consensus) sind:

 

Geschichte und Kritik

Neoliberalismus ist kläglich gescheitert beim Umbau von Osteuropa, am ärgsten in Ostdeutschland, wo gewaltige Summen an Geld verlocht wurden, die "seltsamerweise" nur den Weg in wenige Taschen gefunden haben. Genau so gescheitert ist er in Russland. Gewalttätig scheitert er im Irak und sonst überall im Nahen Osten, wo sich die Kontrolle des Widerstandes nicht diktatorisch durchsetzen lässt wie z.B. in Saudi Arabien.. Neoliberalismus steht hinter der gescheiterten Schocktherapie in Polen 1990, sowie all den austerity programmes, die Entwicklungsländer ruiniert haben. Dort wie in Polen wurden Unruhen, und damit die politische Beteiligung, meist durch das Eingreifen des Militärs (Jarzuzelski in Polen) beendet, Finanzkrise der Türkei 1994, dem Absturz des boomenden Südostasien 1997-98, der Russlandkrise von 98 und der dot.com-Blase um die Jahrtausendwende. Neoliberale Prinzipien stehen auch hinter dem bisher grössten Ruin und Betrug: Enron.

Neoliberalismus hat die Welt seit 1990 in eine weltweite Rezession gestürzt. Sie mögen dem Widersprechen - aber, Ihr Widerspruch gilt nur, wenn Sie sich auf Börsendaten beziehen. Was Löhne betrifft, so werden die Arbeitnehmer seither immer stärker ausgenommen. (s. Vergleich SMI-Löhne)

 

Popularität und Volksverdummung - die Grundlage des wirtschaftspolitischen neoliberalen Populismus

Neoliberalen gelingt es immer wieder, und meist besser als den Linken, die Vorstellungskraft des Volkes zu fesseln. Sie tun dies nicht nur wie Bush über die Angst vor Terror, vor Ausländern, vor fremden Kulturen etc, sondern auch aus Abneigung gegen graduelle Reformen, da diese immer die Gefahr aufweisen, stecken zu bleiben. Neoliberalismus ist der grosse Wurf, die klare Vision einer prosperierenden Zukunft, die "natürlich" nicht durch diskutierende Politiker gestaltet werden kann, sondern nur durch initiative und freie Unternehmer. Die neoliberale "Utopie" wird im Gegensatz zur sozialen als "machbar, realistisch, nüchtern und geprüft" verkauft. Es ist die alte Vision:

Vom Schuhputzer (heute eher Spargelstecher) zum Millionär.

Neoliberalismus argumentiert aus der Perspektive der Kleinunternehmer, die sich versprechen, durch eigene Kraft und Arbeit zu Wohlstand zu kommen, verschweigt aber die Realität und die Methodik der Machtwirtschaft, die von Grösse, insbesondere aber von der Grösse des Portemonnaies, abhängt.

Die Bedeutung des Wissens für die soziale Gestaltung der Realität wird zwar auch von Neoliberalen betont, aber von diesen genau wie von den professionellen Wirtschaftsbetrieben geheim gehalten und zum eigenen Vorteil eingesetzt. Neue Modelle einer "guten Ordnung" werden von NGOs wie generell von der zerfledderten Linken kaum je diskutiert, geschweige denn entwickelt. Und präzise dies ist die grösste Schwäche der alternativen Bewegungen, dass sie den klaren, einfachen, einleuchtenden und viel versprechenden (wenn auch hohlen) Grundsätzen des Neoliberalismus nichts entgegen zu setzen haben ... ausser den üblichen Gutmeinsprüchen. Der Linken fehlt ein attraktives positives Ziel. Nur "dagegen" sein bringt nichts.

  • THOMAS GERLACH: Die Herstellung des allseits verfügbaren Menschen. Zur psychologischen Formierung der Subjekte im neoliberalen Kapitalismus:

Es ist ein System, das die Menschen zur Einsamkeit, zur Angst, zur Hoffnungslosigkeit und zu Beklemmungen verurteilt. Es zerstört die solidarischen Beziehungen zwischen den Menschen. Es zwingt uns, die anderen als Feinde zu betrachten. Es überzeugt uns, daß das Leben eine Rennbahn ist, auf der es wenige Gewinner und viele Verlierer gibt. Es ist ein System, das die Seele vergiftet.

Eduardo Galeano

Neoliberalismus kann verstanden werden als politisches Projekt kapitalistischer Eliten, das die Wiederherstellung der unbeschränkten Autonomie der Besitzer von Geld- und Produktivvermögen zum Ziel hat.

Insgesamt gelten 50 von 370 Millionen Europäern als arm, darunter sieben Millionen in der BRD, während zugleich – nach einem UNO-Bericht – die 350 »globalen Milliardäre« genauso viel besitzen wie die gesamte ärmere Hälfte der Menschheit zusammen.5

Angesichts zunehmend schlechter Lebenschancen werden derart optimistische Sichtweisen seltener, womit aber zugleich ein Instrument zur Herstellung politischer Loyalität seine Wirksamkeit verliert und sich aus herrschender Sicht die Frage stellt, mit welchen Mitteln eine solche Loyalität aufrecht erhalten werden kann,

Folgerichtig geht es im Diskurs der herrschenden Elite ständig um einen »dringend notwendigen Mentalitätswandel«, das heißt um die Etablierung bestimmter psychischer Verfaßtheiten.

Die jüngere Geschichte neoliberaler Kampagnen beginnt mit der Rede vom bedrohten Standort.  Nimmermüde »Standortdiagnostiker« verkünden, die europäischen »Standorte« hätten es besonders schwer, denn sie seien gleichermaßen von »asiatischen Verzichtsgesellschaften« wie »nordamerikanischer Marktvernunft« bedroht.

Den Wortführern der Debatte geht es darum, die neoliberale Marktgläubigkeit als vorgeblichen »Sachzwang« ins öffentliche Bewußtsein zu transportieren.

»Wir« sind nicht nur »unflexibel« usw., sondern von einer »deutschen Krankheit « namens Angst befallen. ...  »Wir« sind die Ursache des Problems und haben deshalb das Büßergewand völliger Anspruchslosigkeit überzuziehen und mit Leistung plus Lohnzurückhaltung um Vergebung für »unsere« Sünden zu betteln.

 ... erhebt Schüller die Forderung nach einer allgemeinen Arbeitspflicht, damit »alle ihren Beitrag leisten … jeder, bis auf Hilflose, Schwerstkranke, Kinder und Greise sowie Mütter in der Erziehungsphase«24. ›Nur‹ Schwerkranke gelten der Autorin, die der Klappentext ihres Buches als ehemalige Ärztin ausweist, die »freiwillig aus dem medizinischen Betrieb ausgeschieden« ist, offenbar als arbeitsfähig.

Der frühere Sozialminister Blüm versicherte denjenigen, die nicht einmal mehr ein Dach über dem Kopf haben, es sei »wahrhaft keine Schande, auch mal unter Brücken zu übernachten«, als sei Obdachlosigkeit eine Art Abenteuerurlaub.

Ein besonders offenes Bekenntnis zum Wohlstandschauvinismus lieferte der Vorstand des Nestlé-Konzerns, Maucher, mit seiner Lesart neoliberaler Wirtschaftsethik, nach der es sich bei Arbeitslosen, Alten und Kranken um »Wohlstandsmüll« handelt,

»Sozialneid« ist (auf der andern Seite) die Abwehrfigur derer, die anderen Verzicht predigen und sich dabei selbst die Taschen füllen.

Das Wundermittel gegen Deutschlands Untergang: Es sind die »Youngsters«, auf die wir setzen müssen. Denn die »Youngsters«, so ist zu lesen, »agieren einfach. Manchmal ohne recht zu wissen, was sie tun. Und siehe da, oft genug geht es sogar gut, und sie zaubern neue Produkte und Branchen aus dem Hut …, häufig Nonsensprodukte, aber … mit hoher Wertschöpfung. Und ihre gleichaltrigen Kollegen aus der Werbebranche designen mit freakigen Kampagnen einen neuen –künstlichen – Bedarf.

Sinnlose Produkte sind also die »wahren Alternativen.

Im Vordergrund: Haß schüren gegen Menschen im öffentlichen Dienst, Haß gegen Menschen in Sozialberufen, Haß gegen Intellektuelle.

Die eigentliche Absicht: Gesicherte Arbeitsverhältnisse zerstören (Angestellte und Beamte), das Sozialwesen zerstören (weil Armutsrentner für Trinkgelder die Sozialarbeit machen sollen), die Gesellschaftswissenschaften zerstören und die Menschen verdummen, damit niemand den Betrug bemerkt.

Gewollt sind bindungslose Lohnvagabunden, die ihre Zelte überall dort aufschlagen, wo ihnen kurzfristig wechselnde Verwertungsinteressen die »Chance« vorübergehender »Beschäftigung« bieten.

Auch das deutsche Bordell wird zum bedrohten Standort, der nur mit »hochmotiviertem« Personal zu retten ist. ... »Hochmotiviert und leistungsbereit« muß schon sein, wer nur einen »bad job« ergattern will, der nicht einmal das Überleben sichert. Wer Geld braucht, hat sich zu prostituieren, hat gefügig und den Herren der Welt zu Willen zu sein, bereit sich anzubieten, sich mit Leib und Seele zu verkaufen.

Japanische Unternehmen suchen »in ihren ausländischen Niederlassungen sowohl das lokale Management wie die Arbeitnehmer danach aus, ob sie Persönlichkeitseigenschaften aufweisen, die eine erfolgreiche Adaption an die importierten Managementtechniken erwarten lassen: Geringe Ichbezogenheit, hohe Frustrationstoleranz, ›ehrerbietiges‹,also (…) devotes Verhalten gegenüber Vorgesetzten«. ... 

Gehorsame Befehlsempfänger sind gefragt,
die sich bei der Ausführung ihrer Aufträge autonom wähnen –
Menschen, die wollen, was sie sollen (Günther Anders).

Das Netzwerk als Propagandaapparat

It's true that many people do not know where certain ideas come from,
but the important thing is that they agree with them.

Michael Joyce, Bradley Foundation

Im Zentrum dieses Spinnennetzes neoliberaler Propaganda steht die Mont Pelerin Gesellschaft in Genf. Sie wurde 1947 von Friedrich August von Hayek gegründet, mit 38 Mitgliedern. Heute hat sie deren über 1000

Die Mont Pelerin Gesellschaft wollte nicht direkt politisch aktiv werden, da sie politische Konflikte zwischen ihren Mitgliedern vermeiden wollte. Das gemeinsame Interesse, freie Entfaltung von Geld und Kapital, sollte nicht durch andere politische Problemchen verwässert werden. Die Methode, ihre Botschaft zu verbreiten, bestand und besteht in der Nutzung von Think Tanks (s. economiesuisse (Vorsicht: neoliberale Propagandaorganisation!), insbesondere aber das Wirtschaftsforum), in denen ihre Mitglieder missionieren (na ja, man nennt das heute natürlich "Wissenstransfer" ...) um weitere einflussreiche Persönlichkeiten für ihre Sache zu gewinnen.

Sie halten sich da an die Analysen Gramscis (1971), der feststellte, dass die bourgeoise Hegemonie nicht auf Gewalt oder Macht basiert, sondern auf Konsens. Und dieser lässt sich am billigsten (marktwirtschaftlichsten) herstellen über Populismus.

Die neoliberale Propagandastrategie beruht primär auf der permanenten Beeinflussung leitender Persönlichkeiten und der Massen. An der Spitze stehen die Denker welche die Zusammenhänge verstehen und die grossen Konzepte der gesellschaftlichen Entwicklung entwerfen. (Man vergleiche das mit der Theorie des Neoliberalismus. Zur Disposition steht also nicht die Planung der Gesellschaft, sondern nur jede Planung, die nicht im neoliberalen Interesse ist! Merke: Verlogenheit ist das 1. Prinzip des Neoliberalismus!)

Ich bin der Geist, der stets verneint!
Und das mit Recht; denn alles, was entsteht,
ist wert, dass es zugrunde geht;
Drum besser wär's, dass nichts entstünde.
So ist denn alles, was ihr Sünde,
Zerstörung, kurz, das Böse nennt,
Mein eigentliches Element.

Mephistopheles in "Faust", J.W. Goethe 1338-1344

Entsprechend Diablos - der Durcheinanderwerfer

Diese geistigen "Führer" bilden epistemische Netzwerke (Netzwerke der Erkenntnis, wissenschaftliche Netzwerke) durch die sie ihr erhabenes Wissen weiter geben, insbesondere an diejenigen, die es medial verbreiten können, also diejenigen, die Hayek als "second hand dealers" bezeichnet hat. Da Medien nur punktuell informieren, wird das Wissen schon auf der Ebene ziemlich löcherig und bröselig. Noch mehr so auf der dritten, und dennoch entscheidenden Ebene, dem gesunden Menschenverstand, d.h. eher der "Volksmeinung". Und präzise hier hat der Neoliberalismus seine populistische Stärke. Er argumentiert nicht wie die Linke in unverständlichen Sätzen und Büchern, sondern durch kurze, träfe, eingängige Sprüche ... die zwar oft nicht nur aus dem Zusammenhang gerissen sind, sondern schlichtwegs falsch ... aber eben eingängig und pro Neollib, gegen alles was sozial heisst, gegen Staat, gegen Arme, gegen, Ausländer, gegen Regeln (ausser dem Schutz des Eigentums natürlich, bald vermutlich auch dem gesetzlichen Schutz der Lügenfreiheit: Wahrheit ist, was Wirtschaft und Handel fördert.

 Filzologie: Die Analyse wirtschaftspropagandistischer Netzwerke

Die Graphik zeigt die internationale Distanz (nicht als geographisches Mass, sondern als Mass der Intensität von persönlichen Beziehungen)  zwischen Firmen - basierend auf der Vernetzung von Personen, die in den Firmen tätig sind. Seltsam ist, dass hier Österreich fehlt, denn die sind eigentlich Weltmeister in der Etablierung von Firmenfilzen. Aber offenbar beschränken sie sich dabei mässig ertragreiches (als Banken) - wie Grosssägereien. Hier wird die Distanz zwischen Firmen dargestellt, basierend auf der Vernetzung von Personen die in der Firma tätig sind + Personen, die über globale politische Netzwerke kooperieren. Die USA steht hier ganz klar im Zentrum - und die Schweiz wie Deutschland sind bedeutende Satelliten des wirtschaftlichen Herrschaftssystems.

 

Agenten des Neoliberalismus [Vorsicht! keine dieser Institutionen vertritt auch nur im geringsten die Meinung des Autors. Es handelt sich um reine Propagandaorganisationen des Neoliberalismus. Der Konsum des dort angebotenen Wissens kann Sie total in die Irre führen.]:

Propagandaorgane: Frankfurter Allgemeine Zeitung, Le Monde, Neue Zürcher Zeitung, Financial Times - und, extrem penetrant, die Weltwoche.

Die neoliberale "Theorie": Sozialdarwinismus pur

Die theoretischen Grundlagen des Neoliberalismus sind von so ergreifender Dämlichkeit, dass es mir unmöglich ist, sie ernsthaft und detailliert aufzuführen. Ich werd bei so viel Dämlichkeit und Fiesheit schlichtweg cholerisch. Lesen Sie das bitte selber nach in Dieter Plehwe, Bernhard Walpen, Gisela Neuhöfer (Ed.): Neoliberal Hegemony. A global critique. Routeledge/Ripe Studies in Global Political Economy. London/New York 2006: S. 122 ff. falls Sie Genaueres wissen möchten.

... Die neoliberale Theorie unterläuft sämtliche Anstrengungen aller Philosophen, ausser vielleicht Machiavelli und Nietzsche, zu einem guten Leben und einer guten Ordnung zu kommen. Dieses Konzept ist extrem frustrierend. Das mag Sie verwundern, denn ich bin ja ziemlich kritisch bis giftig ... oft allerdings in der Hoffnung, auf Missstände zwar hinzuweisen, aber widerlegt zu werden: Also sooo schlimm ist es nun doch nicht! Die Theorie des Neoliberalismus übertrifft allerdings selbst das Bösartigste, was ich bisher an Kritik dazu geäussert habe. Gut, ich versuch's noch mal, zweiter Anlauf ... uff :

Der kritische Rationalismus ist unfähig, alle Details zu erfassen, kann also nichts zuverlässig planen. So weit, so gut, dass stimmt auch anhand der Erkenntnisse komplexer Systeme. Jeglicher Versuch einer Planung ist irrational und unwissenschaftlich, weil er an den individuellen und natürlichen Einstellungen und Verhaltensweisen scheitert. Auch das stimmt tendenziell, aber ... wer macht den heute die grössten Pläne? Wer entwirft Überbauungspläne, Nutzungspläne, Investitionspläne, Vermarktungspläne, Einsatzpläne für das Personal, Wirtschaftspläne etc? Ist dies nicht die Wirtschaft? Also offenbar darf man wirtschaftlich planen - aber sozial und politisch nicht? Oder wie soll man das verstehen?

Hayeks kulturelle Evolution ist ein total(itär) sozialdarwinistisches Konzept. Dauerhafte Strukturen können nur aus dem Prozess der selektiven Evolution erwachsen. Fieserweise werden dabei diese "dauerhaften Strukturen" auch noch als "nachhaltig" bezeichnet - womit sich der Neoliberalismus gleich mal wieder selbst widerlegt, denn die Wirtschaft sei ja, so Schumpeter, kreative Zerstörung. Da gibt es also gar nichts Dauerhaftes. Das einzig Nachhaltige daran ist die Änderung. Der Prozess der selektiven Evolution bestimmt die Entwicklung und Geschichte der Menschen durch Auswahl und das Überleben der Stärksten und am besten Angepassten (the fittest). Daraus schliesst dieser Oberarsch, dass die gesellschaftliche Ordnung nicht das Resultat eines Projektes, sondern eines Wettbewerbs ist, der von den besten Einrichtungen gewonnen wird. Wettbewerb, trial and error, sind also die beste Methode, die Geschichte ein Prozess des Überlebens der Starken.

Hayeks Konzept ist also das der freien Entwicklung, der organischen, nicht geplanten Entwicklung. Nun ist aber dummerweise rationales Handeln immer geplantes Handeln und geplantes ist immer durchdachtes Handeln - auch wenn es schief gehen kann. Die Theorie des Liberalismus fordert also effektiv: Handeln - nicht denken. Wen wundert's da noch, dass der Markt so einen Scheiss erzeugt und seine Führer nicht gerade die hellsten sind. Zudem werden ja Investitionen ebenfalls geplant, Produktion, Verteilung, Absatz, Werbung - Marktbeherrschung - alles basiert auf Planung. Allerdings eine Planung mit den singulären einzigen und zentralen Fokus der Kapitalvermehrung. Das Verwerfliche an der politischen Planung ist also vermutlich nicht die Planung an und für sich, sondern die Tatsache, dass diese sich nach andern Zielen richten müsste als dem Profit und sich auch anderer Mittel bedienen sollte als bloss des Geldes.

Ich übertreib' hier wieder mal ein bisschen, genau wie die Konkurrenten, denn im Prinzip ging es bei der Diskussion nämlich überhaupt nicht um Planung generell - sondern um die Unmöglichkeit, Angebot und Nachfrage inkl. Preise durch Planung zu prognostizieren. Dies trifft weitgehend zu. Detaillierte Diskussion s. Plan, Kapital, Demokratie. Die Begriffe einer Debatte Riccardo Bellofiore)

Es sind also nicht die sogenannten Missbräuche wirtschaftlicher Macht zu bekämpfen, sondern wirtschaftliche Macht selbst.

Walter Eucken

Wer der Starke ist, wird aber bestimmt durch seine Ausstattung mit Kapital und, vor allem, relative liquidem Cash. Hier liegt der wichtigsten Unterschied zwischen Liberalismus und Neo-Liberalismus. Während dem für liberale Wirtschaftsexperten klar war, dass jede Macht einem freien Markt schadet, wirklich jede, also die Monopole genau so wie restriktive politische Macht, setzt der Neoliberalismus nun eben genau auf diese Machtvorteile, und übersieht, dass so kein freier Markt mehr bestehen kann.

Für Neoliberale wird die Gesellschaft geformt durch Individuen mit ihrem Privatbesitz, der durch Wettbewerb (formell) rechtmässig erworben, also einseitig verteilt sein darf (s. Verteilungsgerechtigkeit). Freiheit, besonders wirtschaftliche Freiheit, ist das A und O, Mittel und Ziel für jede Gesellschaft. Politische Freiheit resultiere daraus von selbst. Wo nicht, stört sich der Kapitalismus an Autoritarismus nicht, solange dieser die Wirtschaft nicht bevormundet sondern sich auf die Untertanen beschränkt. Der Markt schaffe selbst das Angebot für jede entstehende Nachfrage. Der Marktpreis garantiere ein sich selbst regelndes System. Zeit und Raum, die historische Entwicklung, sind nicht Faktoren, um die sich der Liberalismus kümmern würde. Wie weit man in der Realität mit einer derart vertrottelten Einstellung kommt, zeigt am besten Bush mit seinem Abenteuer im Irak.

Des Pudels Kern aber, das Hauptproblem, warum Neoliberalismus absolut nichts mit irgend einer geläufigen Form von Freiheit zu tun hat, liegt im kleinen Nebensatz: mit ihrem Privatbesitz (Kapital) ausgestattet. Es war und ist also nie Ziel des Neoliberalismus, einen Wettbewerb zwischen gleichen zu veranstalten, sondern es handelt sich um einen Wettbewerb gemäss Trivialdarwinismus: Die Grossen fressen die Kleinen. Neoliberalismus ist also ein atavistisches Gesellschaftskonzept, wie es allerdings vermutlich selbst unter den Neandertalern nie existiert hat, wie es sich aber seit dem Humanismus und der Renaissance absolut verbietet. Die Grundlagen des Neoliberalismus sind staatsfeindlich, verfassungsfeindlich, asozial, gesellschaftszerstörend, ja tödlich. Neoliberale wären also gerechterweise vom Gesetz gleich zu behandeln wie Terroristen. All dies begründet ausreichend, dass ich die Neoliberale Wirtschaft eine Macht- und Kriegswirtschaft nenne.

Hier erweist sich die Absurdität des neoliberalen Freiheitsbegriffs. Eine Freiheit die auf der "Ausstattung mit Ressourcen" basiert, ist vergleichbar einem Tournier, bei dem die Bewaffnung auch nur davon abhängt, welche Waffen sich der einzelne Kämpfer leisten kann. Da tritt also der Faustkämpfer gegen den Schwertkämpfer, der Schwertkämpfer gegen die Pistole, die Pistole gegen die Kanone, und die Kanone gegen die Atombombe an - und all das ist, laut neoliberalem Kanon nicht bloss "gerecht" sondern führt auch automatisch zu optimaler Versorgung der Bevölkerung mit Gütern, zu Nachhaltigkeit, zu Demokratie, und natürlich zu mehr Freiheit.

Die grösste Waffe = die grösste Freiheit. Nordkorea hat also recht!

Falls Sie sich wundern, von welchen "Waffen" ich hier rede, also da wären die wichtigsten:

Aber - es kommen immer häufiger auch echte Waffen, Söldner, ja ganze private Armeen ins Spiel. Wirtschaftsanarchisten (= Neoliberale) sind die verlogenste Bande die es gibt. Sie schreien dauernd nach Freiheit, meinen aber nichts, und wirklich nichts anderes, als die Freiheit, möglichst viel Kapital anzuhäufen, sich Marktmacht anzueignen (was zumindest im Liberalismus noch als Problem angesehen wurde, als Problem mit identischen Auswirkungen wie die Staatsmacht) - und die weniger Fitten auszumerzen, vom Markt zu verdrängen, niederzumachen, zu übernehmen - ohne soziale Absicherung, ohne Rücksicht, ohne Schutz. Neoliberalismus ist Wirtschaftsterror, und seine Adepten sollten gerechterweise vom Gesetz in gleicher Weise behandelt werden wie andere Terroristen, die zu diesem Mittel als letztem Mittel greifen, weil sie sonst nichts mehr haben, vor allem keine Hoffnung. Allerdings sind die wirtschaftlich Schwächeren auch bei der alttestamentarischen Lösung, Auge um Auge ...,  wieder am Arsch, denn die Situation haben wir ja längst in Kolumbien, im Ostkongo, im Irak, in Russland und an vielen Orten mehr. Privatarmeen und Söldner waren und sind im Irakkrieg das lukrativste Business, und dies ist weltweit eine boomender Markt. Hier wein weiterer Beweis dafür, dass der Neoliberalismus zu einer Refeudalisierung geführt hat. In dieser Form ist die neoliberale Wirtschaft dann kaum noch von der alten Maffia zu unterscheiden, ausser, dass jene vermutlich um einiges sozialer und gerechter organisiert war.

Apropos Refeudalisierung: Weitere Belege dafür sind auch die Vasallenschaft der kleinen Zulieferer (im supply chain management) gegenüber den grossen Multinationalen, insbesondere aber die Aufhebung der Erbschaftssteuern. Dadurch wird die Geld-Macht erblich. Dadurch wird die soziale Position als elitärer Entscheidungsträger wieder erblich.

Neoliberalismus ist also aus der Perspektive der betroffenen Mehrheit der Unterworfenen, der weniger erfolgreichen im Wettbewerb, ein totalitäres, gewalttätiges und dogmatisches System, das sich logischerweise explizit gegen jede Form von Gerechtigkeit, Ausgleich, allgemeiner Wohlfahrt, menschlicher Freiheit und Toleranz wehrt. Es gibt nur eine Perspektive, nur eine Wahrheit: Die der Stärksten, der Elite. Neoliberalismus ist also eine elitäre Wirtschaftsform, kein freier Markt der allen offen steht. Dies Form von Neoliberalismus wurde z.B. von Pinochet betrieben ... und der gilt eigentlich mehrheitlich als Kriegsverbrecher und nicht als Vorbild für eine freie Welt.

Über Neoliberalismus lösen sich die sozialen und staatlichen Organisationen auf - allerdings ohne in die von klassischen Anarchisten erwünschte freie Gesellschaft zu münden.
Staatliche Gemeinschaft löst sich auf in "kapitale Besessenheit".
Idealtypischer Führer dieser Gesellschaft ist nicht die kmu, nicht Handwerk, Gewerbe, Detailhandel, Gastronomie oder gar Bildung, Forschung und Kunst, sondern der Oligarch, Herrscher mit eigenem Kapital, mit eigenen Gesetzen und eigener Macht.
Seine Herkunft und Entwicklung zeigt, was Neoliberalismus bedeutet: Aneignung von Eigentum mit List und Tücke, Verteidigung und Mehrung des Eigentums mit List und Gewalt.

Apropos Terror ... wenn Sie nicht zum ersten mal bei Brainworker sind, wissen Sie ja, dass ich gerne mal ein bisschen übertreibe. Oft allerdings denk ich nur, ich übertreibe. Im übrigen gibt es den "Wirtschaftsterror", als terreur economique, effektiv im Französischen! Er ist dort ein stehender Ausdruck seit der Französischen Revolution ... wo es offensichtlich auch nicht bloss um die Erledigung des Adels ging. Gerade der Terror hat mich drauf gebracht, dass das eigentlich ein höchst populäres Thema war in den 90ern. Es gab da sogar einen französischen Bestseller von Viviane Forrester (Paris 1996): La terreur economique, ein impressionistischer Bericht einer einfachen Frau über die wirtschaftliche Situation der 90er. Die Kritik an Forrester lautete vor allem, sie sei keine Ökonomin, sie verstehe schlicht nichts davon. Also abgesehen davon, dass offenbar die Ökonomen die Ökonomie genau so wenig verstehen wie die Laien, und drum bloss um so intensiver Missionieren, ist es doch erstaunlich, wie von einem Thema, das in aller Munde war, das generell als Problem, sogar in der scharfen Formulierung, nichts mehr geblieben ist. Es wurde von der medialen Massenproduktion weggeschwemmt. Wenn man sich heute überlegt, was ist Terror, so werden nur wenige nicht sofort mit Al Qaida und 9/11 reagieren. Das ist das heutige Bild von Terror: Flugzeuge die in Hochhäuser fliegen; Selbstmordattentäter, meist muslimischen Hintergrundes. Dass eine Wirtschaft, die dauernden Umbau, dauerndes Lernen, dauernden Wettbewerb, also dauernde Unsicherheit als höchstes der Gefühle preist eigentlich mit ANOMIE identisch ist, ging dabei vergessen. Eigentlich müsste Bush und die andern neoliberalen wirtschafts-politischen Führer der Al Qaida auf Knien danken, dass sie den Druck von ihnen genommen hat.


Denn im Vergleich zum Wirtschaftsterror sind die Aktivitäten der Al Qaida eigentlich Peanuts - aber die Gestalten sind halt so abenteuerlich, so telegen, so "orientalisch"! Im World Trade Center kamen 3000 Menschen um und das nahm die US-Regierung als Berechtigung einen daran völlig unbeteiligten Staat, nämlich den Irak, zu zerstören. Im Irak starben aber z.B. dieses Jahr bereits in den ersten 3 Monaten 3000 Menschen. Wer also sind hier die Terroristen?

Aber auch in den USA gab es alleine im Jahr 2003  31'484 Selbstmorde
also 10 mal so viele wie im WTC umkamen.

Nun raten Sie mal, warum sich Menschen wohl am häufigsten umbringen
und sagen Sie mir, warum das niemanden stört.

Die Qualität neoliberalen Wissens und Denkens:

Diese Übertonung der Wohltaten des WETTBEWERBs ist uns allen schon derart ins Blut übergegangen, dass wir Wettbewerb besinnungslos als Heilmittel für alle Probleme empfehlen, übrigens mit präzise der selben sektiererischen Besinnungslosigkeit, wie die Freiwirte ihre Umlaufsicherung propagieren.
Wettbewerb aber schliesst aus, er belohnt die einen, straft die andern.
Wettbewerb um Lehrstellen, Wettbewerb um Arbeitsplätze, sind ein Wettbewerb um die nackte Existenz - also Krieg.

Und irgendwie hatten wir die Situation doch schon mal: WOLLT IHR DEN TOTALEN KRIEG? Adolf Schicklgruber, der Kerle der das so gebracht hat, hat es als Frage formuliert - war also eigentlich noch ein "netter Kerl", während Wettbewerb heute ein Diktat ist, dem die Kleinen unterworfen werden, während sich die Grossen ihm über Monopole entziehen.

Auch in andern Belangen hat unsere Zeit weit mehr Verwandtschaft mit Nationalsozialismus als mit irgend was "Liberalem". Haben Sie "Schindlers List" gesehen? Worum ging's bei der Triage, der Selektion der Juden? Arbeitsfähige kommen in die Fabrik - die andern in die Gaskammer! ... Kriegswichtige Arbeitskräfte überleben - die andern sind überflüssig. ... Da müssen wir nur eine winzig kleine Änderung einfügen, und wir haben präzise die heutige Situation:
Wirtschaftskriegswichtige (für den Wettbewerb entscheidende) Arbeitskräfte überleben - die andern sind überflüssig.
Die Freiheit die im Wort Neo-Liberal-ismus steckt, ist eine Freiheit von Sklavenhaltern.

Die "Denker" des rechten Flügels sind meist keine originellen Denker, sondern Wiederkäuer - haben aber Beziehungen zu den Medien, zu Führern in Wirtschaft und Politik, also zu elitären Netzwerken, über die sie ihre Mission betreiben.

"Glaubwürdigkeit" erhält dieser Unsinn dann eben dadurch, dass er von angesehenen Personen vertreten wird, von denen eben nicht erwartet wird, dass sie Unsinn erzählen ... oder deren Unsinn bereits irgendwie eine höhere, fast transzendentale Qualität erreicht hat, wie etwa die Aussagen von Blocher.

Neoliberalismus ist, wie alle Beiträge zeigen, ein System der Paradoxien (s. auch: Das gegenwärtige Ordnungsmodell mit seinen 7 Paradoxien). Logischerweise sind seine Adepten keine Freunde der Wahrheit und bezeichnen sogar das Recht zu Lügen (z.B. Völkermord) als unverzichtbaren Bestandteil der Meinungsfreiheit - obwohl sie damit dem sozialen Zusammenleben jegliche verlässliche Basis rauben.

Viele der neuen Reichtümer dieser "Führungselite"sind entstanden über die grauen Gelder der Pensionskassen, Gesundheitskassen, Pflegekassen - Gelder mit dem die Finanzjongleure "arbeiten" - um selbst reich zu werden - oft mit recht wenig Rücksicht auf Verluste (ist ja nicht ihr Geld ....). Diese Reichtümer haben aber den Effekt, dass sie, trotz genereller Stagnation bei den Löhnen, das BIP weiter nach oben treiben, obwohl von einem generellen Wohlstandszuwachs nicht die Bohne zu merken ist.

Auch wo es sich nicht um die postmoderne Geldelite handelt, übernehmen "Führer" gerne das neoliberale Vokabular, was sich ganz extrem anhand der Diskussionen um den Umbau der Schweizerischen Forstwirtschaft gezeigt hat. [s. Galileo: Und sie rotieren doch ..., 9.12.2002]. Es wurde mir sofort klar, dass diese Beamtenelite eine ihnen eigentlich total fremde Ideologie, eben den Neoliberalismus, sofort und kritiklos übernahmen und in aller Härte durchsetzten, weil er ihnen natürlich, genau so gut oder schlecht wie irgend ein Beamtenstatus, die Herrschaft, also die guten Löhne garantiert. Man darf Ideologien also nicht bloss als harmlose und (was sie meist sind) verschrobene  Ideen betrachten, denn meist werden sie irgend wann zu einem herrschaftlichen Selektionssystem - präzise wie ehemals der Bodenbesitz beim Feudalismus, präzise wie der islamische oder andere Fundamentalismen. Daraus ergibt sich leicht, dass Wettbewerb natürlich von denen gefördert wird, die sich an der Spitze bereits so abgesichert haben, dass der Wettbewerb ihnen nicht gefährlich wird, sondern im Gegenteil hilft, die Konkurrenz vom Leibe zu halten, da die sich gegenseitig abschlachtet.

Vielen neoliberalen Think Tanks droht allerdings das selbe Schicksal wie den in den 90ern so gepriesenen NGOs, die zu "kosmopolitischen Geistererscheinungen" wurden, also kaum Wirkung zeigen. Wirkung zeigt das Kapital, wo es eingesetzt wird. So konnten z.B. die neoliberal-neokonservativen Think Tanks in England dessen wirtschaftlichen Niedergang Mitte der 80er nicht verhindern - was eben doch einigen aufgefallen ist, trotz des Lobes, das sie sich natürlich dauernd selbst zusprechen für alles was gut läuft, trotz der Beschimpfungen der "Sozialen", für alles was schlecht läuft. Umgekehrt finden aber eben die Diskussionen über nachhaltige Entwicklung, die sich wirklich mit Gesellschaft und Umwelt befassen, in isolierten kleinen Kreisen statt und zeigen kaum Wirkung.

Das ist die neoliberale Demokratie:

Wer Geld hat, kann machen (was er will) -

wer keins hat, darf reden.

 

Der Gegenpol des Neoliberalismus: Die Entwicklungstheorie

Von der ehemaligen Entwicklungstheorie (s. Bandung-Konferenz und Blockfreie Staaten) die nach 1950 florierte  in Indien unter Nehru, Aegypten unter Nasser, Indonesien unter Sukarno, Ghana unter Nakrumah. Kuba, Vietnam, China, Chile unter Salvador Allende, Tanzania unter Julius Nyerere, Jamaica unter Michael Manley, Nicaragua unter den Sandinisten, scheint unter dem Ansturm des globalen Neoliberalismus nicht viel zu bleiben.

Aus einer Entwicklung der Gesellschaft für Menschen durch Menschen wurde ein völlig technokratisches Verständnis der Entwicklung. Die Menschen brauchen nur, quasi mechanisch, bürokratisch, den Finanzautomatismus zu nutzen. Die Geldbürokratie erlaubt es, die Freiheit des "freien" Marktes auszunutzt, ihn sich anzueignen, ihn zu beherrschen.

Auch die florierenden Wirtschaften in Südostasien basieren auf Krieg. Südkorea, Taiwan und Japan verdanken die Förderung ihrer Exportindustrie in erster Linie dem Koreakrieg, der ihnen (eher dank Antikommunismus als auf Grund ganz toller Produkte und grosser demokratischer Freiheiten)  privilegierten Zugang zu den US-Märkten verschaffte. Das Fundament zu diesen autoritären Staatsformen war durch den japanischen Kolonialismus gelegt worden.

Die Asienkrise liefert deutliche Beispiele für meine These, dass Krisen helfen, die Konzentration des Eigentums zu erhöhen, also recht eigentlich im Interesse des Neoliberalismus liegen. So wurde Daewoo Motors 2002 von General Motors übernommen - und der IMF kriegte die Chance, dank notwendiger Kredite (58 Milliarden $ alleine für Südkorea!) eine noch härtere neoliberale Wirtschaftspolitik durchsetzen zu können. DIE Charakteristik der 90er war eine zunehmende Konzentration wirtschaftlicher Macht bei wenigen transnationalen Oligopolisten.  Wer darin eine Zunahme wirtschaftlicher (von andern ganz zu schweigen) Freiheiten sieht, muss offensichtlich entweder einen Dachschaden haben oder bedient sich ganz einfach der Lieblingstaktik der Neoliberalen: lügen.

In den USA selbst werden seit 1980 die Geldströme zunehmend weg von sozialen Programmen (und der Regierung) hin zu Wirtschaft und wirtschaftlichen Eroberungen im Ausland umgelenkt. Damit verbunden sind dauernde Anstrengungen die Löhne zu senken, Gewerkschaften schlecht zu machen, den Reichen Steuern zu schenken, den Armen Einkommen zu entziehen - also die Elite zu stärken. Ein grosser Teil der "global 500" erzielt nun sein Einkommen aus Übersee - und setzt damit das Ziel für die verbleibenden, das Selbe anzustreben.

Neoliberalismus ist eine giftige Form des ostasiatischen exportzentrierten Modells der 80er (Japan, Südkorea, Taiwan, Hong Kong, Singapur, Thailand, Malaysia und Indonesien). Der Erfolg lässt sich am gegenwärtigen Zustand der einzelnen Länder ablesen) - und dasselbe eine Perversion der freien Marktwirtschaft, da diese Art von Wirtschaft am besten unter autoritären Regimes gedeiht (s. China heute)

Die eindimensionale Theorie des Neoliberalismus zerstört Umwelt, kappt soziale Bande, zerstört die Solidarität, vernichtet zivile Freiheit, also die Freiheit der gesellschaftlichen Selbstorganisation .... ohne die der Kapitalismus selbst gar nicht bestehen kann - es sei denn, als autoritäres, neofeudalistisches Herrschaftssystem des Geldes, also als Plutokratie. Die zunehmenden, meist nationalistisch motivierten und mit Methoden des Terrors durchgeführten Widerstände erlauben es dem "neokonservativen Neoliberalismus" die Zügel straffer zu ziehen, das Volk zu überwachen und immer stärker am Gängelband zu führen.

Und präzise das ist der Begriff von Freiheit der in Neo-Liberalismus steckt:

Freiheit für die Herren
Freiheit die Unterschicht (die Untertanen) auszunehmen
.

 

Neoliberalismus nutzt Ausbildung als Selektions- statt als Befähigungs- und Förderungsinstrument

Mit der Forderung nach "mehr Bildung" wird diese Tatsache verschleiert, dass nämlich auch die besser und bestens Gebildeten am Arsch sind (s. generation p). Alleine in den 90ern verlor Deutschland laut einer OECD-Studie 700'000 Arbeitsplätze im tiefen Segment und 600'000 auf mittlerem Anspruchsniveau - macht nach Adam Riese 1.3 Millionen verlorene Arbeitsplätze auf niedrigem und mittlerem Qualifikationsniveau - während auf höheren und höchsten Ebenen gerade mal 15, resp. 20'000 Stellen hinzu kamen! Mehr ist zur Bedeutung der Bildung als Instrument gegen Arbeitslosigkeit eigentlich nicht zu sagen.

Charakteristiken der neuen Avant-Garde nach Bourdieu:

Nach 1970 setzte sich dieser egoistische Karrieretyp, Yuppie genannt, durch. Die Ellbogenmentalität wurde als Selbsterfüllung verbrämt und Karrierestreben idealisiert. Der Wolf Neoliberalismus verbarg sich im Schafsfell des Dritten Weges.

Nicht Wissen ist entscheidend, sondern der Beleg dafür, über das "richtige" Wir-Wissen" zu verfügen, also falsches (kritisches) Wissen auszuschliessen. Nur diese Beschränkung garantiert Zugang zu lukrativen Netzwerken. Das erinnert mich an die Situation in Madagaskar, wo die Maturanden mit den schlechtesten Abschlüssen nur noch Forstingenieur werden können, während für Ärzte, Juristen etc. die "Besten", die "Leistungsfähigsten" ausgelesen werden. (Da Leistung in Geld gemessen wird, handelt es sich bei derartigen "Qualifikationsprozessen" also um nichts als "self fulfilling prophecies". Es ist aus der Sicht logisch, dass die "Bedeutung" technokratischen Experten-Wissens, disziplinären und disziplinierten Wissens - als disziplinierenden Wissens - von der Elite überbetont wird, da sie sich dadurch ihre Position sichert, obwohl die Art von Wissen, über das sie verfügen, eigentlich extrem beschränkt (im doppelten Sinne ...) ist. Die rasche Ausdehnung der Ausbildungschancen für breite Schichten erzeugte in der Elite Unruhe. Sie hat es inzwischen wieder hingekriegt, die Auswahl auf exklusive Eliteschulen, die "richtigen" Diplome und "das "richtige" Wissen" zu konzentrieren. Die Selektion wurde lebenslänglich durch die Anforderung des lebenslangen Lernens, das allerdings nur dann zählt, wenn es durch lebenslanges absolvieren der "richtigen" Kurse an den "richtigen" Institutionen erfolgt. Die weniger "Erfolgreichen" wurden in Felder abgedrängt, die Ausschluss leicht machen, also vor allem wieder die Studienrichtungen, die von Frauen bevorzugt werden wie Psychologie, Soziologie, Literatur, Kunst - generell Sozial- und Geisteswissenschaften, wobei allerdings auch die anspruchsvollen Lehrgänge der Ingenieure durch periodische "Überangebote", d.h. eher Marktflauten, entwertet wurden.

Bildung wurde in den letzten 10 Jahren zudem immer stärker von präzise der Schicht geformt, die sich mit ihrem beschränkten Wissen die Herrschaft sichert. Bildung wurde zum Herrschaftsinstrument statt zum Mittel der Befreiung.

Was knapp ist ist weder Wissen noch gut ausgebildete Menschen - was knapp ist, und sich immer weiter verknappt, sind Stellen für diese gut Ausgebildeten, Stellen an denen sie ihr Wissen kreativ einsetzen können.

Ach, was wird doch geklagt über mangelnde Innovation. Ja herrgottnochmal, wie soll jemand kreativ arbeiten, wenn er zum Wirtschaftsbeamten gemacht wird und sein Auftrag präzise festlegt, woran er wie zu arbeiten hat? Denken und Innovation brauchen Freiheit, denn nur in Freiheit ist intuitives Denken möglich. Ganz zu schweigen von der Grundlage allen freien Denkens, der Musse.

(s. Pädagogik der Befreiung, Freire, Illich. Die verdummende Schule, Schule macht dumm, Verdummungswissen )

Die Bertelsmann Stiftung, ein führendes Propagandaorgan des Neoliberalismus in Deutschland, gründete gemeinsam mit der Hochschulrektorenkonferenz das Zentrum für Hochschulentwicklung (CHE). Universitäten wurden nun dazu angehalten, sich den Forderungen der Kapitalmärkte zu öffnen, was in der Schweiz dazu geführt hat, dass mehrere Ingenieurberufe aus der ETH entfernt wurden und das Schwergewicht nun bei finanziell attraktiven Dingen wie Biotechnologie, Mikro-, Makro- und sonst so Hafenkäse liegt. (s. Bildungspolitik der Schweiz für den tertiären Sektor).

Auftragsforschung, also Forschung nicht mehr zur Förderung allgemein zugänglichen Wissens, sondern Forschung für Patente und zur privaten Bereicherung, wurde zum Ziel. Die Studenten wie die Praxis hatten dem wenig entgegen zu setzen, da sie nichts zu melden haben; die Professoren wollten nicht, weil es ihnen  in erster Linie darum ging, ihren Job zu retten. Die Hochschulausbildung wird also immer weiter kommerzialisiert. Die Selektion durch Bildung, ja bereits durch die angebotenen Bildungsprogramme (für akademische Fachidioten, nach US-Vorbild), verschleiert.

Philosophische Bewertung des Neoliberalismus

Mit drei Sätzen aus Emmanuel Levinas Werk: Totalität und Unendlichkeit lässt sich die Unsinnigkeit und Menschenfeindlichkeit des neoliberalen Konzeptes zeigen

  1. Das Leiden des Bedürfnisses findet seinen Frieden nicht in der Empfindungslosigkeit, sondern in der Befriedigung. Das Bedürfnis wird geliebt, der Mensch ist glücklich, Bedürfnisse zu haben.
  2. Die Not, die dem Seienden nicht vom Bedürfnis, sondern von der Ungewissheit der Zukunft her zukommt, kann von der Arbeit überwunden werden.
  3. Aber auch die Arbeit, dank derer ich frei lebe, indem ich mich gegen die Ungewissheit des Lebens versichere, bringt dem Leben nicht seinen letzten Sinn. Aus sie wird zu dem, wovon ich lebe. ... Ich lebe von meiner Arbeit wie ich von Luft, Licht und Brot lebe.

Wir leben nicht, um zu arbeiten, wir arbeiten zum zu leben - aber die Arbeit bestimmt unser Leben mit. Das Konzept Arbeit (ob das überhaupt mal jemand untersucht hat?) entstand vermutlich in den Städten, als die einen für die andern arbeiten mussten, oft als Sklaven. Die Subsistenz, die Arbeit für den eigenen Lebensunterhalt war etwas substantiell anderes, im Französischen als labeur bezeichnetes: die Bearbeitung des Bodens zur Existenzsicherung - zur Abwendung der Angst vor dem Morgen. Man lebt nicht für die Arbeit, man lebt von der Arbeit, sie gewährleistete Sicherheit. Das neoliberale Konzept hat hier jeglichen Sinn ins Gegenteil verkehrt. Arbeit gewährt keine Sicherheit mehr, sondern ist der unsicherste Faktor, noch unsicherer als die Ehe, im Menschenleben. Alle Anstrengungen des gesamten Menschenlebens sollen sich nur um die Arbeit drehen: Von der Wiege bis ins Grabe soll der Mensch lernen, um arbeitsmarktfähig zu werden und zu bleiben. 

Neoliberalismus ist aber noch weitaus verderblicher. Er hat nicht nur die Arbeit ihres Sinnes beraubt, sondern sogar das Gute eliminiert, d.h. umdefiniert in "wirtschaftlichen Gewinn". Neoliberalismus verfolgt absoluten Individualismus, ohne Staat, ohne Gesellschaft, ohne korporative Organisationen: Es gibt keine Gesellschaft, es gibt nur Individuen - so sein Grundsatz. Wenn wir den also wörtlich nehmen, dann gibt es auch kein Gutes, denn dieses ergibt sich erst aus dem Zusammenleben in der Gesellschaft.

Also nochmals einfacher formuliert, ganz unphilosophisch: Neoliberalismus ist eine banale und total vertrottelte Ideologie.

 

Notwendige Massnahmen zur Eindämmung des neoliberalen Propaganda und zur Entwicklung humaner Alternativen

Die Forderung an die Linke(n) wäre nun eben, kritische Gegennetzwerke zu errichten, die diese Vorgänge aufzeigen, kritisch beleuchten und alternativen dazu, zu dieser Netzwerk- Ausschlusswirtschaft, schaffen können. Dummerweise machen die Linken aber in ihren Netzwerken eben präzise das Selbe wie die Rechten: Sie kapseln sich ab ... denn auich hier entspricht natürlich jeder Knotenpunkt einem Jöblein, also Geld.. Am besten versteht man die kommunikative Fehlleistung der Linken, wenn man sich ansieht, mit welchen Instrumenten sie kommuniziert. Das einzige wirklich linke Blatt mit einiger Reichweite ist die WOZ, die aber äusserst linkselitär (einfacher ausgedrückt: unverständlich und unlesbar)  ist, also ebenfalls nicht nur rechte, sondern auch die Mehrheit der Linken ausschliesst. Ein weiteres Blatt, das Tag für Tag und wortwörtlich ans Volk herangetragen wird, die Strassenzeitung Surprise (deren Name eben leider nie Programm war und der Inhalt also leider eher langweilig) steht vor dem Bankrott, work dürfte weithin unbekannt sein, und das Denknetz der Linken ... na ja, wenn man etwas Denknetz nennt, müsste es halt schon ein paar Leute drin haben, die denken, und nicht bloss alte Propaganda aufwärmen. Und die medial präsenteste Organisation, attac, macht zwar viel Krawall, wärmt immer wieder ihr Rezeptchen Tobin-Tax auf und beschränkt sich zu sehr auf einzelne Exponenten des Neoliberalismus wie wef und wto, ohne sich konsequent mit dem Modell Neoliberalismus auseinander zu setzen und Alternativen zu schaffen (die Tobin Tax ist nämlich dazu gedacht, eben dieses Finanz-System zu stabilisieren, nicht es in ein humaneres umzubauen! Glögglifrösch!!). Kurzum, die Linke präsentiert kein Gegennetzwerk, sondern eine mediale Katastrophenlandschaft.

Martin Herzog, Dipl. Ing. ETH. Basel 20.10.06.

p.s:

Warum hier der Neoliberalismus sich im Directory Politik befindet? Falls Sie sich das fragen, haben Sie entweder den Artikel noch nicht gelesen, oder bloss unaufmerksam überflogen. Also, nochmals lesen, aufmerksamer.

Warum Totalitarismus? Weil sich total alles über Geld (die Buchhaltung) definiert. Bildung, Arbeit, gesellschaftliche Anerkennung, Kunst, Karriere, Ferien, Leistung ... egal was, es geht nur ums Geld. Das qualifiziert mal für Fundamentalismus. Was die Sache dann zum Totalitarismus macht?

Totalitarismus

Der totalitären Herrschaft ist es wesentlich, dass es keinerlei Garantie gibt, dass der skrupellosen Willkür keine Grenze gesetzt wird.

An der faschistischen Hysterie ist immer etwas Stilisiertes, Arrangiertes, Unechtes, auf das sich die kritische Aufmerksamkeit richten solle.

Th. W. Adorno

Totalitarismus: Adorno hat die Rhetorik und "Argumentation" der Agitation im 3. Reich detailliert analysiert: Die antidemokratische und antisemitische Rede zielte darauf, Menschen gefangen zu nehmen, indem sie auf ihren unbewussten Mechanismen spielt. Politische Zielvorstellungen werden zwar redundant (mit einem Überfluss an Worten und Argumenten) beschrieben, bleiben aber dennoch verschwommen. Durch dieses Anhäufen von vagen Begriffen und wiederholtes Appellieren an diese "Ziele" wird der Eindruck erzeugt, als würde durch das Sprechen darüber das Ziel bereits erreicht. Propaganda funktioniert also als reine Wunscherfüllung. Dazu kommt die Lust am Schnüffeln, angefacht durch angebliche sexuelle und grausame Exzesse der imaginären Gegner, was heute noch genau so funktioniert über Skandalisierung per Drogen, Prostitution, Kriminalität - speziell bei Ausländern, ab und zu aber auch bei "normalen" Politikern.

 

ABB erwartet von all seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, dass sie die Standards für ethisches Verhalten und Integrität einhalten:
  • Strikte Einhaltung der ABB-Leitlinien, die unsere Geschäftsethik festlegen, durchsetzen und keine Toleranz gegenüber kleinsten Abweichungen zeigen.
  • Dafür sorgen, dass alle geschäftlichen Transaktionen vollständig, sachgemäss und in Anlehnung an unsere Buchführungsrichtlinien verbucht werden.
  • Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ständig für Fragen der Unternehmensethik sensibilisieren und ihnen rechtzeitig mit Rat zur Seite stehen.
  • Korrektes ethisches Verhalten regelmässig überprüfen und sicherstellen, dass Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter oder andere Personen auf einfache und wirkungsvolle Weise melden können, wenn die entsprechenden Standards verletzt werden.

Totalitäre Diktaturen haben den Anspruch, einen „neuen Menschen“ gemäß einer bestimmten Ideologie  (hier eben der Neoliberalismus) zu formen, und in alle sozialen Verhältnisse hinein zu wirken (am liebsten über das Bildungssystem). Während sich autoritäre Diktaturen damit begnügen, dass das Volk nicht gegen die Herrschenden aufbegehrt und der status quo bestehen bleibt, fordern totalitäre Diktaturen die aktive Unterstützung der Beherrschten und die Weiterentwicklung eines Zustands in Richtung der jeweiligen Ideologie ein. Typisch ist die dauerhafte Mobilisierung (lebenslanges Lernen, Arbeitsmarktfähigkeit/-tauglichkeit) in Massenorganisationen (Betrieben) und die Ausgrenzung (Arbeitslosigkeit!) oder ggf. Vernichtung (Abbau des Sozialstaates) von denjenigen, die sich den Strukturen nicht unterwerfen wollen. wiki

Tja ... eben ... man kann ja einiges gegen Kommunismus & Co haben, aber man sollte dabei die Probleme vor der Haustür nicht übersehen ... Wenn Sie sich die Definition des Totalitarismus genauer ansehen, werden Sie noch jede Menge weiterer Übereinstimmungen finden: Hierarchisch - bis hin zum Faschismus, Leitung aus einer Hand (wie viele Betriebe haben nun Verwaltungsrat und CEO in Doppelfunktion?), Indoktrination (s. ABB Verhaltenskodex. rechts, der die Mitarbeiter nun auch noch moralisch-monetaristisch indoktriniert [Stimmt die Buchhaltung - stimmt alles!] , intolerant, ständig, quasi über Bespitzelung, Kollegenspionage, Verrat ). Was gutes Handeln ist legt der Betrieb, im Detail, fest. Die Freiheit des Menschen geht flöten ...

Konstitutive Merkmale totalitärer Systeme:

  1. eine umfassende, allgemeinverbindliche, auf Schaffung einer neuen Gesellschaft (stark utopische und z.T. religionsähnliche Elemente) ausgerichtete Ideologie mit Wahrheitsanspruch.
  2. eine einzige, hierarchisch organisierte Massenpartei (neuen Typs), die mit dem Staat identisch ist (Partei = Staat), oder ihn zumindest bestimmt (hier ist der Neoliberalismus sogar besser als seine Vorläufer, da sich diese Ideologie wie ein Virus in den unterschiedlichsten Parteien verbreitet und diese gleichgeschaltet hat.)
  3. Ideologie ist Denkfaulheit.

    (Gerhard Zwerenz, dt. Schriftsteller, *1925)

    ein physisches und/oder psychisches Terrorsystem: Kontrolle und Überwachung durch Geheimpolizei (Dressur durch Betrieb)
  4. das nahezu vollständige Monopol der Massenkommunikationsmittel (vor allem aber durch die "marktbedingte" (populistische) Anpassung der Massenprodukte der Massenkommunikation an den Massengeschmack.)
  5. das nahezu vollständige Monopol der Anwendung der Kampfwaffen (Selektion und De-Selektion = Entlassung)
  6. eine zentrale, bürokratisch koordinierte Überwachung und Lenkung der Wirtschaft (Finanzmarkt)

"Erfreulicherweise" liefert die Realität grad ein noch überzeugenderes Beispiel, seltsamerweise aus Deutschland. Meist sind nämlich deutsche Mitarbeiter in Schweizer Betrieben deutlich der Meinung, dass hier viel autoritärer und militärischer geführt wird als bei ihnen zuhause. Aldi liefert in seinen Arbeitsverträgen aber ganz neue Vorstellungen darüber, was sich die Wirtschaft in Sachen Mitarbeiterdressur gerne leisten würde: