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Edina Müller: "Herzsprung" beim Einlauf ins Olympiastadion in Peking

Edina Müller hat mit ihren 25 Jahren bereits Erfolge zu verzeichnen, von denen andere nur träumen. Die Rollstuhlbasketballerin stand mit ihrer Mannschaft bei den Paralympics in Peking 2008 mit Silber im Finale. Im Frühjahr 2008 gewann sie die amerikanische Meisterschaft, 2007 bei der Europäischen Meisterschaft Gold und 2006 Bronze bei der WM in Amsterdam.

Nach dem Erfolg in Peking empfing die Bundeskanzlerin Edina Müller und ihre Kolleginnen und nahm sich viel Zeit, mit jeder einzelnen Basketballerin zu sprechen. Und bei der "Nacht der Stars" im November in Berlin wurden Edina Müller und ihre Silberkolleginnen zur beliebtesten Mannschaft im deutschen Behindertensport 2008 gekürt. Kurz darauf folgte die Einladung beim Bundespräsidenten, der der engagierten Mannschaft das silberne Lorbeerblatt, die höchste sportliche Auszeichnung in Deutschland, überreichte.

"Absolute Mannschaftssportlerin"

Trotz dieser nationalen und internationalen Beachtung hat die sportliche junge Frau ihre Bodenhaftung nicht verloren, im Gegenteil. Der Basketball spielt zwar eine sehr große Rolle in ihrem Leben, doch sie verfolgt beharrlich ihr Studium der Heil- und Rehabilitationspädagogik in Köln. Nach ihrem Diplom plant sie, in der Sportrehabilitation in einem Rehabilitationszentrum zu arbeiten. So hofft sie, ihre Fähigkeiten miteinander zu vereinbaren. Seit einem Unfall im Alter von 16 Jahren sitzt die bis dahin engagierte Volleyballerin im Rollstuhl und musste sportlich umsatteln. Da sie eine "absolute Mannschaftssportlerin" ist, entschied sie sich für Basketball und spielt seit 2004 beim ASV Bonn (Allgemeiner Sportverein). "Beim Individualsport musst du dich alleine motivieren, wenn es nicht so gut läuft. In der Mannschaft passiert das in der Gruppe", erzählt Edina Müller. Ihr sportlicher Ehrgeiz ist im Basketball auf besonders fruchtbaren Boden gefallen, denn schon 2005 wurde sie in die Nationalmannschaft aufgenommen und errang 2006 die bereits erwähnte Bronze in Amsterdam.

Sport hat in den USA einen Stellenwert wie Religion

Ihr Mentor und Hochschullehrer an der Universität Köln, Prof. Dr. Horst Strohkendl, riet ihr, ihre sportliche Karriere in den USA voranzutreiben und vermittelte sie im Jahr 2006 in ein einwöchiges Basketballcamp in Illinois. Dort wurde der weltweit sehr erfolgreiche Trainer Mike Frogley auf sie aufmerksam und forderte sie auf, für länger zu kommen. Edina Müller zögerte nicht lange, denn die sportlichen Möglichkeiten in den USA sind wesentlich umfassender als in Deutschland. Auf ihrem täglichen Programm standen neben drei Stunden Basketballtraining zwei Mal die Woche Krafttraining. Außerdem wurde sie intensiv von ihrem Trainer, der ausschließlich die Rollstuhlbasketballerinnen und -basketballer betreut, begleitet. "Sport hat dort einen Stellenwert wie Religion", schwärmt sie, und erfolgreich, wie sie ist, wurde sie im Frühjahr 2008 auch noch amerikanische Meisterin. Neben ihrer sportlichen Karriere hat sie die zwei Jahre in den USA genutzt, um ihren Bachelorabschluss in "Kinesiology" zu erwerben. Die ganzheitliche medizinische Heilmethode wird in den USA als Vorbereitung für Physiotherapie oder ein Medizinstudium genutzt und ihr in Deutschland für ihr Studium anerkannt.

Den Kontakt zu ihrem Freundeskreis hielt sie mit Hilfe der neuen Medien, und als sie im Frühjahr 2008 endgültig wieder nach Köln zurück kam, hat sie sich sofort wieder "wie zuhause gefühlt, denn ich liebe Köln!" Edina Müller studiert nun im Hauptstudium und wird in drei bis vier Semestern ihr Diplom als Heil- und Rehabilitationspädagogin ablegen. Die Frage, den Sport zu ihrem Beruf zu machen, stellt sich für sie nicht, weil sie Deutschland dann langfristig verlassen müsste. Deutschland habe zwar eine der größten Ligen, doch die meisten arbeiten semiprofessionell und verfügen von daher, so die Olympiasiegerin, über keine ausreichenden finanziellen Mittel, um professionelle Sportlerinnen und Sportler einzustellen. Länder wie Italien oder Spanien seien da ganz anders aufgestellt.

"Olympische Spiele höchstes Ziel jedes Sportlers"

Edina MüllerDie Vorbereitungen auf die Paralympics waren intensiv, so Edina Müller. Die Mannschaft war jedes Wochenende unterwegs auf Lehrgängen und in Trainingslagern. Sie verbrachten ganze Wochen in Kanada und den USA, um gegen die weltbesten Mannschaften zu spielen. Natürlich war sie aufgeregt, erinnert sie sich. "Die Olympischen Spiele sind das höchste Ziel jedes Sportlers, und als wir losfuhren, haben wir uns dauernd gesagt: wir fahren wirklich dort hin!" Besonders ergreifend war für Edina Müller als sie ins Stadion mit 18 000 Menschen "einlief": "Da habe ich einen Herzsprung bekommen, mein Herz ist für einen Moment stehen geblieben!" Doch als sie auf dem Spielfeld stand, hat sie nichts mehr gehört und gesehen, sondern nur noch Basketball gespielt. Die Stimmung in der Mannschaft war ausgezeichnet, weil sie so gut durch die Qualifizierungsspiele gekommen waren. Nationaltrainer Holger Glinicki hatte im Vorfeld sehr intensiv mit der Mannschaft gearbeitet und war (zu Recht) überzeugt, dass Silber für seine Damen möglich war.

Rollstuhlbasketball unterscheidet sich übrigens vom regulären Basketball hauptsächlich im Bereich der Foulregeln, da es sich mit den Rollstühlen nicht ganz so kontaktlos spielen lässt. Die Rollstühle sind in Maßarbeit auf die jeweilige Spielerin zugeschnitten, weil sie auf hohem Spielniveau perfekt passen müssen. Schräg gestellte Räder verhindern, sich in Aktion die Finger zu klemmen, die zwei Stützräder hinten ermöglichen, sich beim Fangen zurückfallen zu lassen. Vorne sorgt ein Rammbügel für den Schutz der Beine.

Auf dem Spielfeld bildet Edina Müller mit ihrem Rollstuhl eine Einheit. Die Basketballerin ist beharrlich ihrer Leidenschaft gefolgt und damit weit gekommen.

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