Vergleich und Fazit

Das Monster Zombie entwickelte sich deutlich im Verlauf der Epochen. Als Gemeinsamkeit lässt sich feststellen, dass es sich (fast) immer um lebendige Körper ohne Geist / Seele handelt. In der Klassik wird der Zombie eher als ein sehr rätselhaftes Wesen inszeniert. Es werden zwar Andeutungen gebracht dass es sich um wiederbelebte Tote handelt, eindeutig bestätig wird das nicht. Hauptaugenmerk liegt vielmehr darauf, dass jemand einem Toten seine letzte Ruhe genommen hat und damit ein Verbrechen begangen hat. In der Moderne wird das Monster  durch Hinweise aber auch unbestimmte Elemente zur Projektionsfläche für dem Menschen innewohnende, verdrängte oder nicht sichtbare Eigenschaften. Der moderne Zombie kann so Denkanstöße liefern und den Menschen zum Reflektieren über sein Menschsein anregen. Der postmoderne Zombie wird so inszeniert, dass sich weniger unbestimmte Räume ergeben und er so an Bildungspotenzial im Vergleich zu seinen "Ahnen" verliert.

In "Ich folgte einem Zombie" sind die Überschreitungen der Grenzen von Leben und Tot sowie Wissenschaft und Metaphysik sehr viel vordergründiger als in den modernen und postmodernen Filmen. Der Film bleibt jedoch bei beiden Grenzüberschreitungen ambivalent, da nie komplett aufgeklärt wird, ob eine übernatürliche Kraft vom Voodoopriester ausgeht. Diese möglichen Grenzüberschreitungen werden moralisch aufgefüllt: der Barde etwa, singt vom einer "Familienschande". Ob die Schande nun die Auswirkung eines Ehebruchs oder einer Wiederbelebung durch Voodoozauber ist beibt unklar. Dadurch wird beides gleichgesetzt und macht die intendierte Metaphorik überdeutlich.

"Night of the living Dead", sowie andere moderne Zombiefilme, legt Wert darauf, dass nicht nur die Bedrohung der Zombies sondern vor allem auch die menschlichen Charakter(schwächen) die Dystopie schafft. Die Menschen werden ebenfalls als primitive, starre Wesen gezeigt, die ebenfalls brutale Gewalt einsetzen.
Auch "Ich folgte einem Zombie" hat ähnliche Anlagen. Die Tatsache, dass der Mensch verantwortlich für das traurige Schicksal und die Sünde am Leben der Figur Jessica ist, schwingt immer wieder mit, wenn die Charaktere sich gegenseitig (oder sich selbst) die Schuld dafür geben. 

Diese sehr stethische Einstellung, mit Schattenspiel ist aus "Ich folgte einem Zombie".Dem gegenber aus Night of the living Dead. Ein Blitz berblendet das Bild stark, so dass auch der Zuschauer davon getroffen wird. Die Einstellung ist nicht gerade und stark perspektivisch. Dieser Film zielt darauf den Zuschauer mit ins geschehen zu ziehen und "mitleiden" zu lassen anstatt ihn mit schnen Bildern und leichter Unheimlichkeit zu umschmeicheln.Insgesamt ist der 1968er Film sehr viel fordernder und konfrontierender als die meisten anderen Filme dieses Subgenres. Vergleicht man etwa das Visuelle der beiden schwarz-weiß Filme (Ich folgte einem Zombie und Night of the living Dead). Der frühere Film zeigt in sehr sorgfältigen und ästethischen Bildern, in warmen Grautönen und sehr weichen Linien ein unheimliches aber gleichzeitig romantisches Bild der Geschehnisse. In Night of the living Dead wird der Zuschauer mit schiefen Einstellungen und wackligen Bildern konfrontiert, mit schonungslosem Realismus und verdrehenden Point-of-View Perspektiven.

Dawn of the Dead (Remake) ist deutlich tempo- und actionreicher als seine Vorgänger. Der Film zeichnet sich durch eine rasant erzählte Geschichte die Einzelhandlungen kaum Zeit lässt, One-Liner der "coolen" aber flachen Protagonisten, vielen schnellen Schnitten und einem ebenso schnellem Monster aus. Einziges Muster und cinematografische Auffälligkeit sind Close-Ups und verlangsamte Shots auf die Waffen. Insgesamt entsteht so nicht mehr als ein actionreicher Unterhaltungsfilm.

Auffällig ist auch, dass man allen drei Filmen politische Dimensionen zusprechen kann. In "Ich folgte einem Zombie" handelt es sich um eine Geschichte, die wenige Jahre nach der militärischen Besatzung der USA auf Haiti spielt.  Die Okkupation dauerte von 1919 bis 1934 und war von Rassismus und Missachtung der Kultur der Inselbewohner durch die Besatzungsmacht USA geprägt. Der Voodookult wird durch einige in Protagonisten auch in "Ich folgte einem Zombie" herablassend betrachtet. Die Handlung jedoch wertet nicht und betrachtet den Kult eher neutral. Es lässt sich nicht ausschließen dass der Film insgesamt zu mehr Toleranz gegenüber nichtchristlichen Kulturen aufrufen will.
Vietnamproteste. (Quelle: wikimedia.org)Night of the living Dead entstand Ende der 1960er, einer Zeit in der die USA vorallem durch (vergebliche) Friedensbewegungen gegen den Vietnamkrieg aber auch die Bürgerrechtsbewegung der farbigen Bevölkerung geprägt war. Bedenkt man diese beiden Punkte, wird Night of the living Dead Projektionsfläche für die Resignation durch Friedensbewegungen ohne Resultate (der Vietnamkrieg endete erst 1975) und Rückschläge der Bürgerrechtsbewegung (Ermordung Martin Luther Kings im April 1968). Dawn of the Dead (Remake) wirkt da fast wie ein Gegenentwurf zu Night of the living Dead. Politische Aussagen im Film von Zack Snyder aus dem Jahr 2004  sind subtil, einseitig und richten sich gegen Islamisierung und für den Krieg gegen Terror. Insgesamt fällt also auf, dass alle drei Zombiefilme politische Prägungen annehmen und sich nicht vor Statements scheuen, die Ausrichtung aber sehr unterschiedlich erfolgt.

Unterstellt man, der Zombiefilm sei ein Subgenre des Horrorfilms fallen diverse Reibungspunkte auf. Für die klassische Zeit fällt für das hier besprochene Beispiel die sehr unheimliche Atmosphäre auf, doch arbeitet der Film gänzlich ohne die Genreüblichen Schockmomente oder den Suspense verzichtet. Auch ist der Zombie kein Monster, dass den Protagonisten nach dem Leben trachtet, von denen übrigens keiner stirbt. Wenn überhaupt ist es die Angst vor dem Fremden des Voodookults. Ein reiner Horrorfilm ist es demnach nicht, eher ein atmosphärisches Drama.
Videospiel: "Rebel Without a Pulse" (2006)Auch der "King of Pop" Michael Jackson bediente sich fr das Video zu Thriller (1982) dem Zombiemotiv basierend auf George A. Romeros "Night of the living Dead" was diesen Zombie popkulturfhig machte. Das gesamte Motiv des Zombies ändert sich aber drastisch mit dem Film "Night of the living Dead", was auch die einordnung in unterschiedliche Epochen rechtfertigt. Die heutigen Genre- und Monsterklischees, über die auch noch in der heutigen Populärkultur zu finden sind (etwa in Videospielen wie Dead Rising, Resident Evil oder Rollenspiele des Dungeons and Dragons oder Magic: the Gathering Universums) haben in diesem veränderten Zombiemotiv ihre Wurzeln. Ebenfalls berufen sich sämtliche zeitgenössische, der Postmoderne zuzuordnenen Filme, auf jene Konventionen. Bei "Night of the living Dead" kann man von allen hier gezeigten Filmen am ehesten von einem Horrorfilm reden, da die Protagonisten buchstäblich dem Horror einer auf den Kopf gestellten Welt ertragen und ihr Leben vor brutalen, untoten Kannibalen verteitigen. Ein Vorhaben bei dem sämtliche Protagonisten sterben.
Jedoch muss festgehalten werden, dass die Filme der "Moderne" auch das Horrorgenre in Richtung Endzeitfilm verlassen. Filme wie Dawn - und Day of the Dead oder Woodoo - Schreckensinsel der Zombies implizieren die Zombieapokalypse als Untergang der Welt. Dennoch, durch die Entstehung der heute noch gültigen Genrekonventionen eines Zombiehorrorfilms in der "Moderne" ist diese Epoche verantwortlich für die Herausbildung des Subgenres, nicht aber die "klassischen" Zombiefilme, die nebenbei auch zahlenmäßig sehr gering ausfallen.  

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass sich das Monster Zombie sehr wohl zunächst komplexerwerdend entwickelt hat, in neueren als Projektionsfläche und Metapherngeber dann aber schwächer geworden ist. Seinen filmischen Klimax erlebte es wohl im Jahre 1968 mit Night of the living Dead, der erste- und gleichzeitig beste Vertreter des Subgenres.

 


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